Internationalisierung in der Wasserbranche


Seminararbeit, 2005

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Weltweiter Wassermarkt – Wassermärkte weltweit
2.1. Das Lebenselixier Wasser als Wirtschaftsgut
2.2. Rahmenbedingungen der Wassermärkte
2.2.1. Nationale Regulierung
2.2.2. Globales Oligopol, lokale „natürliche“ Monopole
2.2.3. Grundformen der Privatisierung im Wassersektor
2.3. Internationale Konzerne der Wasserbranche im Profil
2.3.1. Suez/Ondeo
2.3.2. Veolia Environment
2.3.3. RWE Thames-Water

3. Internationalisierung transnationaler Wasserunternehmen
3.1. Internationalisierungsstrategien der Wasserunternehmen
3.2. Taktische Instrumente der Eroberung internationaler Märkte
3.3. Einfluss internationaler politischer Akteure

4. Aktuelle Probleme und Ausblick
4.1. Wasser – Recht oder Bedürfnis?
4.2. Erfolgskonzept Internationalisierung?

5. Fazit

Literatur:

Internetquellen:

1. Einleitung

Wasser ist eine außergewöhnliche Ressource. Es ist nicht nur Bestandteil allen Lebens, sondern wird seit einigen Jahren zunehmend als Wirtschaftsgut betrachtet. Damit tragen Weltpolitik und Wirtschaft aktuellen demographischen Entwicklungen, wirtschaftlichen Erfordernissen und Umweltschutzaspekten Rechnung. Diese Rahmenbedingungen machen das weltweite Wassergeschäft zu einer anspruchsvollen und spannenden Branche.

Die Internationalisierung transnationaler Wasserkonzerne ist ebenfalls ein junger Prozess. Voraussetzungen für ihn ist die erst seit wenigen Jahren stattfindende Öffnung und Deregulierung weltweiter Wassermärkte, die einem komplexen Zusammenspiel politischer, humanitärer und wirtschaftlicher Interessen folgt. In dieser Arbeit wird die Internationalisierung privater Wasserunternehmen sowohl aus einzelwirtschaftlicher als auch aus gesamtwirtschaftlicher Sicht analysiert. Dafür gilt es zunächst, Wasser als Gut zu charakterisieren und den Markt für Wasser mit seinen Besonderheiten zu umreißen. Anschließend soll betrachtet werden, welche Akteure in der Wasserbranche operieren und welche grundsätzlichen Formen der Leistungserbringung durch private Konzerne im Wassersektor bestehen. Kern der Arbeit ist die Auseinandersetzung mit allgemeinen Strategien der Internationalisierung sowie speziellen Taktiken zur Eroberung von Wassermärkten und der Rolle der Politik. Im letzten Teil der Arbeit werden zwei ausgewählte Probleme der internationalen Liberalisierung der Wassermärkte beleuchtet. Dabei handelt es sich zum einen um die Diskussion der Interpretation von Wasser als Bedürfnis oder Recht und zum anderen um die wechselhaften Erfolge internationaler Engagements der Wasserkonzerne.

2. Weltweiter Wassermarkt – Wassermärkte weltweit

2.1. Das Lebenselixier Wasser als Wirtschaftsgut

Wasser ist nicht im Überfluss vorhanden, sondern eine begrenzt verfügbare Ressource. Es bedeckt zwar 70 Prozent des Erdballs, doch sind nur 2,5 Prozent des weltweiten Vorkommens Süßwasser. Der Großteil des vorhandenen Süßwassers ist in Eis und Schnee im Bereich der Polarkappen sowie in fossilen Grundwasservorkommen und als Feuchtigkeit im Boden gespeichert. Letztendlich verbleibt nur ein knappes Prozent des Süßwassers oder 0,02 Prozent der gesamten Wassermenge der Erde für den Menschen nutzbar. Diese knappen globalen Süßwasserressourcen sind durch Klima und Geomorphologie asymmetrisch verteilt.[1]

Wasser ist ein kritischer Faktor des Stoffwechsels von Lebewesen und damit lebensnotwendiges Gut. Menschen sind darauf angewiesen, regelmäßig Wasser in ausreichender Menge und Beschaffenheit zu sich zu nehmen. Wenn es ihnen an Wasser mangelt oder dieses verunreinigt ist, dann können für sie innerhalb kurzer Zeit schwerwiegende gesundheitliche Folgen bis zum Exitus eintreten. Doch nicht nur zur Lebenserhaltung benötigen Menschen Wasser. Es ist auch ein wichtiger Faktor für Entwicklung und Wirtschaft.[2] Demgegenüber besitzen heute mehr als eine Milliarde Menschen keinen oder nicht ausreichenden Zugang zu Trinkwasser. Fast zweieinhalb Milliarden Menschen leben ohne ausreichende Sanitäre Einrichtungen.[3] Das Problem der Wasserknappheit betraf zu Beginn des 21. Jahrhunderts mehr als achtzig Länder und etwa vierzig Prozent der Weltbevölkerung, so dass bereits von einer globalen Wasserkrise gesprochen wird. Die bereits heute gravierenden und teilweise sogar lebensbedrohlichen Probleme werden in Zukunft weiter zunehmen. Steigende Bevölkerungszahlen, weltweit wachsende Lebensstandards sowie die Bedeutung von Wasser in der Nahrungsmittelproduktion und der Freizeitindustrie werden für die global steigende Nachfrage nach Wasser verantwortlich gemacht. Es ist zu befürchten, dass bis zum Jahr 2025 zwei Drittel der Weltbevölkerung unter Wasserknappheit oder Wassermangel leiden werden[4], während der Bedarf nach Wasser im gleichen Zeitraum um 40 Prozent steigen könnte.[5]

Die Versorgung mit sauberem Trinkwasser ist in den verschiedenen Teilen der Welt ein Problem unterschiedlicher Qualität. In Entwicklungsländern und ariden Regionen, in denen oft nicht mehr als 20 Liter sauberen Trinkwassers pro Kopf und Tag zur Verfügung stehen, gilt es, quantitative Verfügbarkeit und Qualität des Wassers sowie Behandlung des Abwassers deutlich zu verbessern. Industrienationen wie die USA, in denen durchschnittlich 2000 Liter Wasser pro Kopf und Tag konsumiert werden, besitzen generell genügend Wasser in guter Qualität.[6] Hier bestehen Probleme eher im Aufrechterhalten der Trinkwasserqualität und der ökologisch nachhaltigen Behandlung des Abwassers. Grundsätzlich besteht damit nicht nur in Entwicklungs- und Schwellenländern, in denen oft keine Versorgungsinfrastruktur vorhanden ist, sondern auch in den industrialisierten Nationen ein großer und zukünftig steigender Bedarf an Investitionen in die Netz- und Anlageninfrastruktur. Hier wie dort gilt es, bestehende Netze zu erweitern, marode Leitungsnetze zu sanieren und Anlagen zu modernisieren, um umfassenden Zugang bei hoher Trinkwasserqualität und Versorgungseffizienz zu gewährleisten. Um dem öffentlich-rechtlichen Auftrag der Wasserversorgung gerecht werden zu können, erscheint es angesichts knapper kommunaler Kassen als erwägenswerte Option, die Wassermärkte für private inländische und ausländische Investoren zu öffnen und so neben frischem Kapital auch moderne und effiziente Verwaltungsmethoden und Organisationsformen zu importieren.[7] Tatsächlich nehmen weltweit immer mehr Kommunen, Städte und Regionen die Leistungen privater Wasserunternehmen in Anspruch. Die Geschäftsfelder der Wasserbranche umfassen vier klassische Tätigkeitsbereiche. Zu diesen zählen das Versorgen mit Trinkwasser, das Aufbereiten von Wasser und Behandeln von Abwasser, das Erstellen von Infrastruktur sowie mit der Wasserversorgung verknüpfte Innovations- und High-Tech-Leistungen wie Bau und Betrieb von Meerwasserentsalzungsanlagen. Unterschiedliche Berechnungen bewerten den „weltweiten Wassermarkt“ mit einem Volumen zwischen 400 und 3000 Milliarden Euro.[8] Nur ein Bruchteil dieses Marktes wird heute von nicht öffentlich-rechtlichen Unternehmen bewirtschaftet, so dass extreme Marktpotenziale für private Konzerne bestehen. Entsprechend sieht die amerikanische Wirtschaftszeitschrift Forbes das Element Wasser bereits als „Öl des 21. Jahrhunderts“, unterdessen nach Berechnungen der Branchen-Zeitschrift „Global Water Intelligence“ der Preis für Wasser den Preis für Gold bereits in mehreren Teilen der Welt übersteige.[9]

2.2. Rahmenbedingungen der Wassermärkte

2.2.1. Nationale Regulierung

Die Versorgungsmärkte sind klassisch auf nationaler oder subnationaler Ebene so streng reguliert, dass im engeren Sinn gar keine Marktbedingungen vorliegen. So werden traditionell sämtliche Wasserdienstleistungen in fast allen Ländern durch öffentlich-rechtliche Unternehmen bereitgestellt. Die durch den gesetzlich beschränkten Zugang zum Wassermarkt bestehenden Versorgungsmonopole staatlicher beziehungsweise kommunaler Unternehmen führten beispielsweise in Mitteleuropa zu einer zuverlässigen, weitgehend kostendeckenden und hochwertigen Wasserversorgung, die in Einklang mit ökologischer Verantwortung erbracht wird.

Während insbesondere in Frankreich aber auch in Großbritannien seit langer Zeit der Wassermarkt weitgehend liberalisiert ist, begann in den übrigen Teilen der Welt die vieldiskutierte Liberalisierung erst seit Anfang der Neunziger Jahre.[10] Unter der Liberalisierung eines nationalen Wassermarktes ist der Abbau staatlicher Versorgungsmonopole und der Privilegien öffentlicher Unternehmen zu verstehen. In der vormals staatlich regulierten Wasserbranche sollen auf diesem Weg Marktbedingungen und damit Marktwettbewerb geschaffen werden. Ziel ist es, im Raum der Wasserleistungen ein Klima der Kostensenkung und Effizienzverbesserung zu begünstigen und private Investitionen zu stimulieren. Im Bereich des Wassermarktes ist die Liberalisierung meist direkt mit der Privatisierung verknüpft. Denn in der Regel werden in Folge der Liberalisierung staatliches Vermögen, Funktionen oder Aufgaben ganz oder teilweise an private Unternehmen übergeben.[11] Natürlich folgt aus der Liberalisierung eines Marktes nicht direkt der unbeschränkte Zugang für ausländische Investoren. Dieser wird jedoch in den meisten Fällen durch die Zugehörigkeit des Landes zum multilateralen GATS- Abkommen hergestellt.[12] Die im globalen Wassermarkt aktivsten Konzerne stammen aus lediglich drei europäischen Ländern, so dass bei Privatisierungen zumindest in allen anderen Ländern fast immer ausländischer Zugriff und ausländische Direktinvestitionen entstehen.

2.2.2. Globales Oligopol, lokale „natürliche“ Monopole

Wie auch bei Telekommunikations- und Energieversorgungsleistungen besteht im Bereich der Wasserversorgung die Tendenz zu lokalen „natürlichen“ Versorgermonopolen.[13] Im Allgemeinen entstehen diese durch die Unteilbarkeit von Gütern und Produktionsfaktoren, so dass die Güternachfrage am kostengünstigsten von nur einem Anbieter bedient werden kann.[14] Im Falle der Wasserwirtschaft trifft dies auf die Wassergewinnungs- und Aufbereitungsanlagen sowie auf die Ausbringungsnetze zu. Die Infrastrukturerstellung ist mit hohen einmaligen Kosten („Sunk Costs“) und hohen laufenden Fixkosten für den Anlagen- und Netzbetrieb verbunden. Es müssen aus diesem Grund große Mengen Wasser produziert und abgesetzt werden, um die Durchschnittskosten und damit den Preis je Ausbringungseinheit Wasser zu minimieren. Eine zweite durch einen Konkurrenten aufgebaute Netzinfrastruktur mit parallelen Wasserleitungen würde im Extremfall die einmaligen und laufenden Fixkosten verdoppeln, gleichzeitig aber nicht zu höherem Absatz führen. Um weiter kostendeckend wirtschaften zu können, wären beide gezwungen, einen höheren Preis je Ausbringungsmenge als zuvor von den Konsumenten zu fordern, was diese nicht akzeptieren würden. Zudem hätte es einen ruinösen Wettbewerb der Anbieter zur Folge.[15] Alternativ diskutierte Formen der Durchleitung, die bereits im Telekommunikations- und Energiebereich zum „Aufbrechen“ eines natürlichen Monopols praktiziert werden, sind im Wasserbereich aufgrund hygienischer und technischer Umstände kaum zu realisieren.[16] Daraus folgt, dass bei der Wasserversorgung kein direkter Wettbewerb in lokalen Märkten hergestellt werden kann und auch in einem liberalisierten Markt die Marktzutrittsbarrieren für einen zweiten Anbieter in der Regel zu hoch sind. Vielmehr heißt es für mögliche Betreiberkonzerne, einen gesamten Markt vollständig zu besetzen. Die konkurrierenden Unternehmen bewerben sich in der Folge einer hoheitlichen Ausschreibung um zeitlich befristete Monopole für die Bedienung eines geschlossenen Gebiets (Stadt, Region, Land) und schließen bei Erfolg einen Vertrag mit dem entsprechenden Aufgabenträger (Gemeinde, Kommune, Kreisverwaltung) ab. Es ist zu beachten, dass Monopolsituationen im Allgemeinen als schädlich bewertet werden, da sie mangels Konkurrenzdruck zu geringerer Innovationstätigkeit und Effizienz führen können und Kunden keine kurzfristigen Produktalternativen bei Unzufriedenheit mit dem Preis oder der Qualität bieten.[17] Zusammenfassend betrachtet spielt sich der Wettbewerb in der Wasserbranche damit nicht in lokalen Märkten, sondern um diese ab.

2.2.3. Grundformen der Privatisierung im Wassersektor

Für die Ausgestaltung einer Übernahme der Wasserversorgung und Abwasserbehandlung durch einen privatrechtlichen Konzern stehen obligatorisch verschiedene vertragliche Ansätze zur Verfügung.[18] Grundsätzlich ist dafür im Falle einer Liberalisierung zwischen öffentlich-rechtlich geregelten und ungeregelten Märkten zu unterscheiden. In liberalisierten aber öffentlich-rechtlich geregelten Wassermärkten übernehmen private Investoren die Vermögensrechte an Wasserressourcen, Anlagen und Infrastruktur und werden für ihren Betrieb in hoheitlichem Auftrag in Form einer Lizenz oder Gewerbeerlaubnis verantwortlich gemacht. Der „Vermögensprivatisierung“ genannte Übergang von öffentlichem Eigentum in Privateigentum beschreibt dabei die Privatisierung im engeren Sinn. Eine öffentliche Regulierungsbehörde setzt die einzuhaltenden Konditionen der Versorgungsleistungen sowie die bei den Kunden einzuholenden Gebühren fest oder sanktioniert entsprechende Vorschläge der Unternehmen.[19] Für private Investoren besteht ein Risiko in möglichen Änderungen dieser Konditionen nach erfolgtem Marktzutritt.[20]

In einem öffentlich-rechtlich geregelten Wassermarkt treten Konkurrenten nicht über den Preis in Wettbewerb, sondern über ihre Kosten. Denn höhere Gewinne können bei gleich bleibenden Einnahmen und festgelegten Leistungsgrößen nur über verbesserte Effizienz und geringere Kosten der Leistungserbringung erwirtschaftet werden. Als regulierte Märkte gelten Großbritannien, Chile sowie Teile Deutschlands und der USA. Während der bereits 1989 vollständig liberalisierte Wassermarkt Großbritanniens für ausländische Investoren aufgrund geringer Wachstumspotenziale und strenger Auflagen für die Realisierung von Kostensenkungen als relativ uninteressant bewertet wird, gilt für den US-Wassermarkt das Gegenteil.[21] Der Wassermarkt ist stark fragmentiert und bislang nur zu einem geringen Anteil von fünfzehn Prozent in der Hand privater Unternehmen, so dass beachtenswerte Konsolidierungs- und Wachstumspotenziale für Investoren bestehen.

Im Falle eines liberalisierten und nicht öffentlich-rechtlich geregelten Wassersektors verbleibt die gesamte Netzinfrastruktur zur Versorgung mit Wasser und Behandlung von Abwasser im Besitz der öffentlichen Verwaltung. Diese vergeben bei der „funktionalen Privatisierung“ Pachtverträge an private Unternehmen, welche fortan für Betrieb, Wartung und gegebenenfalls Modernisierung verantwortlich sind und dafür Gebühren bei den Konsumenten erheben oder gegen eine feste Gebühr der Kommune Betrieb und Management übernehmen.[22] Üblicherweise werden die entsprechenden Verträge über große Zeiträume von bis zu dreißig Jahren vergeben. Die beschriebene Form der Privatisierung wurde in Frankreich bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt und ist heute auch unter der modernen Bezeichnung „Private Public Partnership“ (PPP) bekannt. Eine dritte Form der Privatisierung besteht in der „Aufgabenprivatisierung“, die jedoch im Wassersektor kaum relevant ist. Dabei geht die hoheitliche Verantwortung über die Versorgung der nationalen oder kommunalen Nachfrager auf einen nicht-staatlichen Akteur über.[23]

Im Wettbewerb um einen unreguliert liberalisierten Markt werden solchen Unternehmen Vorteile zugesprochen, welche über Kosten- und Effizienzvorteile sowie Erfahrung in der Privatisierung von Versorgungsfunktionen und -aufgaben verfügen. Anders als im regulierten Sektor besteht hier das Hauptrisiko nicht in der späteren Veränderung der Leistungskonditionen seitens der öffentlichen Verwaltung, sondern im vollständigen Verlust der Investitionen nach Ablauf des Vertrags. Dagegen sind die im Vergleich zum öffentlich-rechtlich geregelten Privatisierungsmodell geringen Anlageninvestitionen zu Beginn der Partnerschaft von Vorteil für die Privatunternehmen.[24]

2.3. Internationale Konzerne der Wasserbranche im Profil

Fast alle großen Wasserkonzerne mit internationalen Aktivitäten stammen aus den Ländern Frankreich, Großbritannien oder Deutschland, was insbesondere mit der vorgenannten staatlichen Liberalisierungspolitik in diesen Ländern zu erklären ist.

Von den zehn bedeutendsten Konzernen sind die französischen Konzerne Suez/Ondeo und Veolia Environment mit ca. 125 und 108 Millionen Kunden sowie RWE Thames- Water mit 70 Millionen Kunden weltweit die drei wichtigsten. Sie hatten im Jahr 2000 gemeinsam etwa 70 Prozent des Weltwassermarkts erobert. Nach einer Erhebung der Wirtschaftszeitschrift „Global Fortune“ aus dem Jahr 2003 besetzen die drei Hauptunternehmen nach Marktkapitalisierung die Plätze 74, 42 und 82 unter den 500 wertvollsten Unternehmen der Welt.[25] Weitere bedeutende Konzerne sind das französische Saur (31 Millionen Kunden), die britischen United Utilities (20), AWG (16), Severn Trent (14,5) International Water (13) und Kelda (6) sowie die deutsche Gelsenwasser (5,5 Millionen Kunden).[26] Die starke internationale Ausrichtung der Wassersparte aller Konzerne ist über den Vergleich der inländischen und ausländischen Kundenzahlen zu erkennen. An der Spitze der Internationalisierung steht auch hier Suez, welches 87% seiner Kunden außerhalb Frankreichs bedient. Auch für die nächsten drei Größten der Wasserbranche Veolia (77%), RWE (58%) und Saur (81%) befindet sich die Mehrheit der Kunden im Ausland. Die übrigen genannten Konzerne dagegen bedienen im jeweiligen Inland mehr Kunden als im Ausland.[27]

Allgemein sind die Geschäftsfelder der größten Konzerne stark diversifiziert und werden in der Regel jeweils von spezialisierten Divisionen beziehungsweise Konzerntöchtern betrieben. Am häufigsten werden dabei neben den Wasserleistungen die Bereiche Abfallentsorgung, Baugewerbe, Transport, Energie und Kommunikation abgedeckt. Man bezeichnet die breit aufgestellten Mischkonzerne als Multi-Utility-Unternehmen. Die kleineren „Global Players“ dagegen konzentrieren sich meist vollständig auf den Wassermarkt.

[...]


[1] Vgl. Deutscher Naturschutzring (2004), S. 4 und Schluchter/Elkins (2003), S. 11f.

[2] Dabei korrelieren der erreichte Lebensstandard und der Wasserverbrauch. Um ein Kilogramm Käse zu erzeugen werden unter Einbeziehung aller Produktionsschritte 5000 Liter Wasser aufgebracht. Die Produktion eines Automobils erfordert sogar 400.000 Liter Wasser.

[3] Vgl. Deckwirth (2004), S. 3 und http://www.icij.org

[4] Wasserknappheit bedeutet, dass pro Einwohner weniger als 1.700m³ Süßwasser im Jahr zur Verfügung stehen. Wassermangel liegt bei weniger als 1.000m³ Süßwasser pro Kopf und Jahr vor. Eine weitere Steigerung der Knappheit wird mit „Wasserstress“ beschrieben, der bei unter 500m³ Süßwasser pro Kopf und Jahr vorliegt.

[5] Vgl. Schluchter/Elkins (2003), S. 12.

[6] Vgl. Deutscher Naturschutzring (2004), S. 4f sowie: http://www.icij.org

[7] Vgl. Deckwirth (2004), S. 5.

[8] Ebd. und Barlow/Clarke (2001), S. 138.

[9] Global Water Intelligence, nach Barlow/Clarke (2001), S. 138.

[10] In Großbritannien sind die Wassermärkte seit 1989 liberalisiert und vollständig privatisiert. In Frankreich besitzt der liberalisierte Wassermarkt eine bis in das 19. Jahrhundert hineinreichende Tradition. Heute werden dort 80 Prozent aller Verbraucher von privatwirtschaftlichen Unternehmen versorgt. Zum Vergleich: in Deutschland werden erst 15 Prozent aller Verbraucher durch private Unternehmen versorgt – den Löwenanteil übernehmen noch immer 6000 kommunale Unternehmen.

[11] Mögliche Formen der Involvierung privater Unternehmen in die nationale Wasserversorgung werden weiter unten vorgestellt werden. Siehe dazu Kapitel 2.2.3.

[12] Siehe dazu Kapitel 3.3.

[13] In der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur wird dieses spezielle Monopol-Phänomen unter der Bezeichnung „natürliches“ Monopol diskutiert, da seine Ursache nicht in der Marktdominanz eines Anbieters, sondern in der Natur des Marktes, der Güter und Produktionsfaktoren liegt.

[14] Vgl. Fritsch/Wein/Ewers (2001), S. 186f.

[15] Vgl. Fritsch/Wein/Ewers (2001), S. 198ff.

[16] Vgl. Schluchter/Elkins (2003), S. 48f.

[17] Vgl. Fritsch/Wein/Ewers (2001), S. 203f.

[18] Vgl. Sadowsky (2003), S. 2f.

[19] Vgl. Barlow/Clarke (2001), S. 120.

[20] Vgl. Sadowsky (2003), S. 3.

[21] Ebd.

[22] Vgl. Barlow/Clarke (2001), S. 121.

[23] Vgl. Barlow/Clarke (2001), S. 120.

[24] Vgl. Sadowsky (2003), S. 2f.

[25] Vgl. www.fortune.com

[26] Vgl. Unternehmenskennzahlen der Unternehmen, veröffentlicht im Geschäftsbericht RWE-Thames Water 2003. www.rwe.com

[27] Vgl. Sadowsky (2003), S. 3.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Internationalisierung in der Wasserbranche
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Geographie)
Veranstaltung
Internationalisierungsstrategien transnationaler Unternehmen
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V46411
ISBN (eBook)
9783638436090
Dateigröße
612 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Internationalisierung, Wasserbranche, Internationalisierungsstrategien, Unternehmen
Arbeit zitieren
Thorsten Lampe (Autor), 2005, Internationalisierung in der Wasserbranche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46411

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Internationalisierung in der Wasserbranche



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden