Analyse einer Gruppenmoderation an der Fachakademie für Sozialpädagogik


Seminararbeit, 2003

14 Seiten, Note: 1,0

Katharina Dumpler (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Die Moderation
2.1 Geschichte der Moderation
2.2 Bedeutung der Moderation
2.3 Moderationsarten

3. Praktisches Beispiel einer Gruppenmoderation an der Fachakademie für Sozialpädagogik

4. Analyse der Gruppenmoderation an der Fachakademie für Sozialpädagogik
4.1 Der Werkzeugkoffer
4.2 Der Prozesskoffer
4.3 Fundament I: Inhaltliche Unparteilichkeit
4.4 Fundament II: Personenbezogene Neutralität

5. Persönliche Stellungnahme

6. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Im Rahmen meiner praktischen Studiensemester an der Fachakademie für Sozialpädagogik in München (Ausbildungsstätte für staatlich anerkannte ErzieherInnen) konnte ich immer wieder an Sitzungen teilnehmen, die von SozialpädagogInnen moderiert wurden. Diese Sitzungen fanden im Kontext des Praxis- und Methodenlehreunterrichtes statt, der ausschließlich von SozialpädagogInnen unterrichtet wird. Dieser Unterricht befasst sich mit Theorie und Praxis des Erzieherberufes z.B. Handlungskompetenzen bei Kindern im Vorschulalter (Kindergarten). Die an den Unterricht angekoppelten 1,5stündigen Sitzungen dienten den Studierenden dazu, bestimmte Themen selbst unter der Moderation der zuständigen Sozialpädagogin zu erarbeiten. Um ein effektiveres Arbeiten zu ermöglichen wurde die Klasse dazu aufgeteilt, so dass in jeder Sitzung ca. 15 Teilnehmer anwesend waren.

Im Verlauf dieser Arbeit beschreibe ich eine dieser Sitzungen ausführlich mit anschließender Analyse anhand bestimmter Moderationskriterien. Ich orientiere mich dabei in erster Linie an dem Buch, „Zielgerichtet moderieren" von Hartmann, Rieger und Pajonk. Zum besseren Verständnis erkläre ich vorher den Begriff der „Moderation“.

2. Die Moderation

Im Folgenden erläutere ich kurz die Geschichte der Moderation und zeige daraufhin ihre Bedeutung und die verschiedenen Moderationsarten auf.

2.1 Geschichte der Moderation

Der Beginn der Moderation liegt in den 60ger bzw. in den 70ger Jahren. Diese Zeit war geprägt von Studentenunruhen und Protestbewegungen. In Hochschulen, Betrieben und Kirchen wurden die Verhältnisse nicht mehr so hingenommen wie sie waren. Die Forderung nach mehr Beteiligung an Entscheidungsprozessen war eine zentrale Kernaussage der Bewegungen. Die damals bestehenden Gesprächsstrukturen standen allerdings im Widerspruch mit diesen Forderungen. Gesprächsleiter waren nicht neutral und bestimmten mit ihrer Meinung den Gesprächsverlauf.

Ungefähr zeitgleich entwickelten sich neue Ideen bezüglich Planbarkeit sozialer Prozesse.

Planungsstäbe und Unternehmensberatungen fertigten Untersuchungen und Gutachten die jedoch kaum genutzt wurden. Es fehlte definitiv an der geeigneten Methode, Betroffene mit ihren Bedürfnissen und Wünschen in das Geschehen mit einzubeziehen. Eine Unternehmens- beratung, das „Quickborner Team“ hatte diesbezüglich den entscheidenden Einfall. Unter der Leitung von Eberhard Schnelle wurde das „Entscheidertraining“ gegründet. Entscheider (Hierarchien) und Betroffene wurden zusammengebracht und in die Lage versetzt, gemeinsam kreative Lösungen zu finden.

Im Laufe der Zeit wurde aus dem „Entscheidertraining“ durch intensives Experimentieren die heutige Moderationsmethode. 1973 konnten dann bereits die ersten Moderatoren-Trainings stattfinden und 1980 erschien das Buch von den Mitbegründern der Methode: Karin Klebert, Einhard Schrader, Walter Straub, Moderationsmethode, Gestaltung der Meinungs- und Willensbildung in Gruppen, die miteinander lernen und leben, arbeiten und spielen, M ü nchen, 1980. Aus dem Gesprächsleiter wurde der Moderator, der seine Macht- und Allwissenheitsrolle aufgibt und sich als methoden- und verfahrenskompetenter Begleiter für den Arbeitsprozess anbietet. (vgl. Klebert, Schrader, Straub, S.7 ff)

2.2 Bedeutung der Moderation

In erster Linie bekannt ist Moderation aus Funk und Fernsehen. Moderatoren und Moderatorinnen führen durch das Programm, koordinieren die Teilnehmer einer Sendung, verbinden verschiedene Teile oder Phasen, unterbrechen Vielredner oder provozieren Schweiger. Mittlerweile sind Moderatoren in vielen Bereichen zu finden, unter anderem auch im betrieblichen Alltag und in der Erwachsenenbildung.

Moderation kann folgendermaßen definiert werden:

Bei der Moderation handelt es sich also um eine Methode, mit der Arbeitsgruppen unterst ü tzt werden k ö nnen, ein Thema, ein Problem oder eine Aufgabe,

- auf die Inhalte konzentriert, zielgerichtet und effizient,
- eigenverantwortlich,
- im Umgang miteinander zufrieden stellend und m ö glichst st ö rungsfrei
- sowie an der Umsetzung in die allt ä gliche Praxis orientiert zu bearbeiten. (Hartmann, Rieger, Pajonk, S. 16)

Moderationen haben also zwei wesentliche Erkennungszeichen. Sie bestehen auf der einen Seite aus einer Arbeitsgruppe die ein Thema selbstverantwortlich bearbeiten will und aus einem Moderator der die Gruppe darin unterstützt.

Entscheidend dabei ist, dass der Moderator eine ganz bestimmte Arbeitshaltung aufweißt. Diese steht in engem Zusammenhang mit Selbstkontrolle und rechtes Maß (lateinisch: moderatio). Wichtige Bestandteile dieser Haltung sind inhaltliche Unparteilichkeit, personenbezogene Neutralität sowie die Verantwortungsübernahme für die methodische Unterstützung des Arbeitsprozesses der Gruppe.

2.3 Moderationsarten

Die Moderationsmethode ist mittlerweile weit verbreitet und wird in verschiedensten Bereichen eingesetzt. Dazu zählen:

- Verlaufsmoderation
- Teammoderation
- Problemlösungsmoderation
- Konfliktmoderation
- Netzwerkmoderation
- Moderation eines Streitgesprächs
- Moderation einer Podiumsdiskussion
- Moderation von Gremien und Arbeitskreisen

Die Ziele der aufgeführten Moderationsarten sind teilweise unterschiedlich. Die Grundhaltung des Moderators bleibt jedoch bei allen gleich.

3. Praktisches Beispiel einer Gruppenmoderation an der Fachakademie für Sozialpädagogik

Wie bereits in der Einführung beschrieben bearbeiten Studierende der Fachakademie für Sozialpädagogik bestimmte Themen im Kontext des Hauptunterrichts im Rahmen einer durch Moderation geführten Arbeitsgruppe. Die Teilnehmeranzahl der im Folgenden beschriebenen Sitzung betrug 15 Teilnehmer (alle Studierenden dieser Arbeitsgruppe waren anwesend). Geleitet wurde sie von der Sozialpädagogin Frau A1 mit der Themenstellung Elternarbeit in Vorschuleinrichtungen. Ich saß als Beobachter mit dabei.

Die Studierenden und Frau A saßen im Stuhlkreis, so dass sich alle Beteiligten gut sehen konnten. Frau A begrüßte die Gruppe und erklärte noch einmal kurz die Moderationsmethode und ihre Rolle als Moderator (Studierende sind bereits vertraut mit Moderationsmethode, da dies nicht die erste Sitzung darstellte). Durch ein Nicken der meisten Teilnehmer folgerte Frau A eine Zustimmung und begab sich zum nächsten Schritt. Sie hatte ein Plakat beschrieben, dass sie deutlich sichtbar für alle in die Mitte des Stuhlkreises legte. Darauf stand mit großen Buchstaben: „Elternarbeit in Vorschuleinrichtungen“ geschrieben. Frau A fragte die Studierenden was ihnen spontan dazu einfallen würde und stellte dazu Kärtchen zum Beschriften zur Verfügung. Die Studierenden hatten nun ca. zehn Minuten Zeit sich dazu Gedanken zu machen und dies auf den Kärtchen festzuhalten. Zum Auswerten der Kärtchen sammelte sie gemeinsam mit den Studierenden die Ergebnisse und sortierte nach Ähnlichkeiten. Die Kärtchen wurden um das Plakat auf den Boden gelegt. Dabei ergab sich eine deutliche Tendenz in Richtung Elterngespräche - Befürchtungen und Ängste. Frau A stellte das Ergebnis in den Raum, sagte dann allerdings, dass sie aus ihrer Sicht auch einen Bedarf an einer weiteren Bearbeitung in diese Richtung sehen würde, die Entscheidung aber bei der Gruppe liegt. Die Gruppe stimmte zu, eine der Studierenden meinte sie fände eine andere Thematik interessanter, Frau A ging darauf jedoch nicht ein. Im nächsten Schritt fragte Frau A die Gruppe, welche Erfahrungen denn bereits bezüglich Elterngespräche in Vorschuleinrichtungen bestehen würde. Die Studierenden begannen eifrig zu erzählen, besonders ein Studierender erzählte lange und ausführlich. Frau A bat ihn daraufhin sich etwas kürzer zu halten, da sonst andere Gruppenmitglieder zu kurz kommen würden. Neben dem Vielredner beteiligten sich zwei Studierende überhaupt nicht an dem Geschehen, Frau A ging darauf nicht ein.

Bei den Äußerungen der Gruppenmitglieder konnte auch hier wieder deutlich die Angst vor Elterngesprächen erkennbar werden. Frau A teilte daraufhin die Gruppe in drei Kleingruppen ein, die im Zeitrahmen von einer halben Stunde auf der einen Seite Ängste und Befürchtungen konkretisieren und auf der anderen Seite Lösungsvorschläge bezüglich der Befürchtungen erarbeiten sollten. Die Gruppen konnten den Raum dazu auch verlassen. Zum Visualisieren erhielten die Kleingruppen Plakate und Filzstifte. Sie bot den Gruppenmitgliedern zudem eine Pause von sieben Minuten anschließend an die Gruppenarbeit, die alle gerne annahmen. Während der Gruppenarbeit war Frau A präsent indem sie erklärte, dass sie im Raum bleiben würde und für Fragen zur Verfügung stehe.

Beim Präsentieren der Gruppenergebnisse nahm Frau A sich zurück und lies die Kleingruppenmitglieder ihre Ergebnisse vorstellen. Sie forderte die Studierenden dabei auf, die Plakate an die Wand zu hängen. Nach den Vorstellungsrunden entstand eine lebhafte Diskussion unter den Gruppenmitglieder bezüglich einiger Vorschläge zum Führen konstruktiver Elterngespräche. Frau A verhielt sich die meiste Zeit neutral fragte bei Bedarf nach und griff ein als die Diskussion in Gefahr war vom eigentlichen Thema abzustreifen. Als die Arbeitseinheit zu Ende ging, fasste Frau A das Ergebnis noch einmal zusammen und versuchte ein Gruppenfazit zu konkretisieren. Sie bat die Gruppe um eine kurze Rückmeldung bezüglich Effektivität und Ergebnis und beendete dann die Sitzung.

[...]


1 Name wird aus personenschutzrechtlichen Gründen nicht genannt

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Analyse einer Gruppenmoderation an der Fachakademie für Sozialpädagogik
Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München
Veranstaltung
Seminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V46418
ISBN (eBook)
9783638436144
ISBN (Buch)
9783656244943
Dateigröße
387 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Gruppenmoderation, Fachakademie, Sozialpädagogik, Seminar
Arbeit zitieren
Katharina Dumpler (Autor), 2003, Analyse einer Gruppenmoderation an der Fachakademie für Sozialpädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46418

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Analyse einer Gruppenmoderation an der Fachakademie für Sozialpädagogik



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden