Die Darstellung Heinrichs des Löwen anhand der Italienfeldzüge


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erster Italienzug: Heldenhafte Darstellung Heinrichs des Löwen
2.1 Helmold von Bosau: Der Auftraggeber als Bezugspunkt
2.2 Otto Morena: Einfluss des juristischen Hintergrundes

3. Zweiter Italienzug: Otto von Freising lobt den Charakter des Herzogs

4. Der Kniefall von Chiavenna
4.1 Burchard von Ursberg: Gut informiert, aber parteiisch
4.2 Otto von St. Blasien: Die persönliche Haltung als Faktor
4.3 Gislebert von Mons: Der Einfluss des engen Kontaktes

5. Fazit

6. Quellen und Literatur
6.1 Lateinische Quellen
6.2 Übersetzungen
6.3 Literatur

1. Einleitung

„Da jedoch der Herzog sich noch immer weigerte, und sich zwar zu jeglicher Dienstleistung bereitwillig erbot, aber in eigener Person nicht kommen zu können erklärte, so erhob sich der Kaiser von seinem Throne und fiel, von Angst überwältigt ihm zu Füßen.“1 Einer der Höhepunkte deutscher Geschichte wird so im Jahre 1210 von Arnold von Lübeck dargestellt. Die Rede ist von dem mächtigen Welfenherzog Heinrich dem Löwen und dem Kaiser des römisch-deutschen Reiches, Friedrich I., die sich Anfang des Jahres 1176 in Chiavenna trafen2.

Die kleine Stadt nahe des Comer Sees wurde Schauplatz einer Unterredung, welche von enormer Tragweite für die Zukunft beider Herrscher war. Friedrich I. ersuchte die Unterstützung Heinrichs im Kampf gegen die lombardischen Städte3, aber dieser forderte als Gegenleistung, ihm die Stadt Goslar zu übertragen. Dieses Angebot ging der Kaiser nicht ein und soll sich im Folgenden, dem scheinbar mächtigeren Fürsten zu Füßen geworfen haben4. Der Kniefall eines Kaisers vor einem Herzog und ein offen entbrannter Machtkonflikt, sowie der Wendepunkt in der Beziehung zwischen den beiden Parteien ist von eklatanter Wichtigkeit für die mittelalterliche Geschichte. Deswegen wundert es nicht, dass es viele verschiedene Meinungen, Beschreibungen und Darstellungen derselben Geschehnisse gibt. Diese große Varianz zieht sich wie ein roter Faden durch den Zeitraum der Italienfeldzüge unter Friedrich Barbarossa.

Dabei ist es nicht nur möglich, sich der Frage nach dem Wahrheitsgehalt der einzelnen zeitgenössischen oder ferneren Darstellungen einzelner Chronisten zu widmen, sondern auch dahingehend zu forschen, inwiefern Heinrich der Löwe unterschiedlich dargestellt wird. Von Interesse ist zum einen, in welchen Punkten sich Darstellungen gleichen und zum anderen, wodurch Unterschiede in der Beschreibung und Erzählung entstanden. Es müssen verschiedene Quellen verglichen werden, um so Unterschiede zum Beispiel in Herkunft des Textes und Verfassers, Glaubwürdigkeit und Intention, Zeitpunkt und Auftraggeber festzustellen.

Es wird also folgender Frage nachgegangen: Inwiefern unterscheiden sich die Darstellungen Heinrichs des Löwen am Beispiel der Italienfeldzüge?

Die Ergebnisse können ganz unterschiedlich ausfallen. Eine erste Hypothese käme zu dem Schluss, dass Heinrich der Löwe in allen untersuchten Quellen nahezu gleich dargestellt wird und zwar unabhängig vom Kontext der Chronisten. Mit dem Kontext ist vor allem die Intention, der Auftraggeber oder der zeitliche Abstand zur Handlung gemeint. Ebenso wäre aber auch zu erwarten, dass der umgekehrte Fall den Quellen entnommen werden kann: Die Autoren wären stark geprägt von ihrem Kontext und unterscheiden sich in der Beschreibung Heinrichs des Löwen voneinander. Stellte sich diese Hypothese als zutreffend dar, wäre es sogar möglich direkte Rückschlüsse von der Darstellung des Herzogs auf die Hintergründe des jeweiligen Chronisten zu ziehen. Jedoch darf eine dritte Hypothese nicht außer Acht gelassen werden: Wenn die Quellen diesen Schluss zulassen, dann wäre es auch möglich, dass die Autoren die Handlungen des Herzogs unterschiedlich darstellen, aber jeweils nach eigenem Ermessen und besten Wissensstand beschreiben.

Um diese Frage angemessen zu beantworten, muss kleinschrittig vorgegangen werden. Ziel ist es die Darstellungen von herausragenden und viel beschriebenen Handlungen zu vergleichen, um dann eine Schlussfolgerung zu ziehen. Für die Beantwortung der Frage müssen folgende Quellen mit in die Untersuchung mit einbezogen werden: Eine der bedeutendsten Quellen ist die Chronica Slavorum von Helmold von Bosau. Die von Arnold von Lübeck fortgesetzte Chronik legt auch großen Wert auf die Beschreibung Heinrichs des Löwen, auch bezüglich seiner Beziehung zu Friedrich dem I. Auch Otto von St. Blasien stellt in seinem Werk Chronica das Handeln Heinrichs des Löwen dar. Die Fortsetzung Gesta Friderici Imperatoris von Otto von Freising, dem Onkel des Beschriebenen, unterscheidet sich auch in einigen Aspekten von den Darstellungen anderer Chronisten. Es ist unwahrscheinlich aus nur so wenigen Quellen fundierte Schlüsse über die Darstellung Heinrichs des Löwen abzuleiten, deswegen werden noch weitere Quellen verwendet, nämlich Quellen von Otto Morena, Gislebert von Mons und Burchard von Ursberg. Diese Quellendichte ist besonders in der Darstellung einer bestimmten Situation sinnvoll. So betrachten die Chronisten hier zum Beispiel das schon erwähnte Zusammentreffen Heinrichs und Friedrichs in Chiavenna. Die Quellen sind natürlich Kern der Untersuchung, aber um Hintergründe zu erklären oder Zusammenhänge darzustellen ist auch Literatur nötig. Hier helfen allen voran die Biographien über Heinrich dem Löwen von Joachim Ehlers und Karl Jordan.

2. Erster Italienzug: Heldenhafte Darstellung Heinrichs des Löwen

2.1 Helmold von Bosau: Der Auftraggeber als Bezugspunkt

Im Oktober 1154 begannen Heinrich der Löwe und König Friedrich die Reise über den Brenner nach Italien5. Es war leicht zu erkennen, dass der König eine gute Überzeugungsarbeit geleistet haben musste6. Immerhin stellte Heinrich das größenanteilig stärkste Kontingent des Heeres7. Das welfische und das staufische Geschlecht standen mindestens für den Zeitraum vom Goslarer Reichstag 1154 bis in das Jahr 1174 für eine gemeinsame Zusammenarbeit. In Goslar wurde die Rechtsfrage um das Herzogtum Bayern zu Heinrichs Gunsten geklärt8. Zudem erlangte Heinrich der Löwe das Investiturrecht nördlich der Elbe und das Winzenburger Erbe9.

Unter dieser Voraussetzung zog Heinrich mit dem König zusammen nach Italien. Da dieser Italienzug hauptsächlich die Krönung Friedrichs zum Kaiser als Ziel hatte, konnte sich Heinrich nur in wenigen Momenten profilieren. Zum einen kümmerte er sich, wie man am Kampf um die ehemals welfischen Güter im Hause Este erkennt10, auch um die Vermehrung eigenen Besitzes. Zum anderen kämpfte der Herzog mutig und effizient für den baldigen Kaiser in Tortuna. Nachdem Friedrich I. zum Kaiser gekrönt wurde, erregte Heinrich der Löwe durch die Verteidigung des Kaisers gegen die aufständischen Römer große Aufmerksamkeit11.

Diese gesteigerte Reputation spiegelt sich in einem Zitat Helmold von Bosaus wider: „Da kämpfte unser Herzog tapfer an der Spitze, und die Römer erlitten eine große Niederlage. Als der Sieg errungen war, rühmte man den Namen des Herzogs vor allen anderen im Heere. Der Papst wollte ihn dafür ehren, sendete ihm Geschenke und wies den Boten mit den Worten an: „Sag ihm, dass ich Morgen, so Gott will, seinen Elekten weihen werden“ Über dieses Versprechen freute sich der Herzog. Am folgenden Morgen gab also der Papst ein öffentliches Fest und weihte uns mit großem Gepränge einen Bischof.“12 Dieses Zitat ist äußerst aussagekräftig.

Der zeitgenössische Chronist13 Helmold von Bosau, welcher sein erstes Buch der Chronica Slavorum der Lübecker Kirche widmet14, stellt Heinrich den Löwen wenig neutral dar. Die Berichte Helmold von Bosaus stützen sich auf mündliche Überlieferungen und einige sächsische Quellen15. Angestoßen wurde die Idee einer Niederschrift von seinem Lehrer und Vorgesetzten dem welfischen Burgkaplan Gerold. Dieser war sehr eng mit dem welfischen Herzogshaus verbunden. Durch die jahrelange Prägung Helmolds durch Gerold lässt sich eine gewisse Färbung seiner Darstellungen ableiten. Es ist anzunehmen, dass die positivere Darstellung Heinrichs auch eine Teilintention des Chronisten war. Diese Annahmen lassen sich auch konkret an dem zitierten Abschnitt belegen.

Vorweg ist aber klarzustellen, dass es Heinrich dem Löwen nicht abzusprechen ist, einen entscheiden Beitrag im Kampf gegen die aufständischen Bürger Roms geleistet zu haben16. Es ist kritisch zu hinterfragen, ob der Papst den Herzog tatsächlich in so überschwänglicher Weise gelobt hat. Zudem entziehen sich einzelne beschreibende Zusätze der Neutralität und machen aus einer reinen Ereignisbeschreibung einen etwas ausgeschmückten Bericht. Hierbei sind zum Beispiel die Wörter „Tapfer“ oder die Beschreibung „große Niederlage der Römer“ zu nennen. Besonders fällt auf, dass die Mitstreiter an der Seite Heinrichs des Löwen an keiner Stelle Erwähnung finden. Durch diese Auslassung könnte der Eindruck suggeriert werden, der Herzog hätte aus eigener Kraft die Aufständischen besiegt. Jedoch bleibt hier offen, ob dies die Intention Helmolds von Bosau war.

[...]


1 ArnLub, lib.2, cap. 1.

2 Ehlers, Biographie, S. 220.

3 Ebd., S. 220.

4 Ebd., S. 224.

5 Jordan, Biographie, S. 54.

6 Schmale, Quellen über die Taten Kaiser Friedrichs I., Einleitung S. 1.

7 Jordan, Biographie, S. 54.

8 Ebd., S. 53.

9 Ehlers, Biographie, S. 88.

10 Ebd., S.89.

11 Ebd., S.94.

12 Helmold von Bosau, lib. I, cap. 81.

13 Stoob, Slawenchronik, S. 3.

14 Ebd. S. 27.

15 Ebd. S. 11.

16 Ehlers, Biographie, S.95.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung Heinrichs des Löwen anhand der Italienfeldzüge
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Zwischen Reich und Region: Heinrich der Löwe
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V464280
ISBN (eBook)
9783668932548
ISBN (Buch)
9783668932555
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Anmerkungen Dozent: (...) Der Feldzug wird gut kontextualisiert und auch Helmold wird quellenkritisch gut eingeführt. (...) Sehr instruktive Vorrede zu den Chiavenna-Darlegungen. Der Verfasser überblickt kurz die übrigen Italienzüge, um dann in treffender Weise auf den Erkenntniswert der verschiedenen Chiavenna-Episoden einzugehen. (...)
Schlagworte
Kniefall von Chiavenna, Burchard von Ursberg, Helmold von Bosau, Heinrich der Löwe, Italienzug, Barbarossa
Arbeit zitieren
Robert Jatzow (Autor), 2018, Die Darstellung Heinrichs des Löwen anhand der Italienfeldzüge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464280

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