Tempelrede Jeremia und die Relevanz in der heutigen Zeit. Praktikumsbericht aus einer bayerischen Mittelschule


Praktikumsbericht (Schule), 2019

24 Seiten, Note: 1

Anonym


Leseprobe

Inhalt

EINLEITUNG

ANALYSE DER LEHR- UND LERNBEDINGUNGEN

FACHDIDAKTISCHE ANALYSE
Unterrichtseinheit und Lehrplanbezug
Persönliche Begegnung

ELEMENTARE ERSCHLIEßUNG
Elementare Strukturen
Einzelexegese
Theologischer Skopus:
Elementare Erfahrungen
Elementare Zugänge und L.Kohlberg
Kritik an Kohlbergs Theorie
Elementare Wahrheiten

FORMULIERUNG DER KOMPETENZORIENTIERTEN LERZIELPERSPEKTIVEN

BEGRÜNDUNG UND DISKUSSION DES LERNWEGS

SYNOPTISCHER VERLAUFSPLAN DES UNTERRICHTS

AUSWERTUNG DER GEHALTENEN STUNDE

FAZIT MIT PERSÖNLICHEM AUSBLICK

LITERATURVERZEICHNIS

ANHANG

EINLEITUNG

„Propheten sind für die heutige Zeit doch nicht mehr relevant“! Könnte eine Aussage sein, die Schüler oder Eltern gegenüber einer Lehrkraft der Religionslehre herantragen. Als anstrebender Religionslehrer kommt mir eine solche Aussage gelegen, um umfangreich Stellung zu nehmen, zumal das Thema Propheten fester Bestandteil des Lehrplanplus in bayerischen Mittelschulen der 9. Klasse ist und ab 2020/2021 Gültigkeit hat1. Dieser Aufgabe soll auch der Praktikumsbericht nachkommen. Außerdem ist es mir wichtig, die parallelen der Bevölkerung zu Jeremias Zeiten und der Gegenwart, sowie die Bibel als “zeitloses Schwergewicht“ zu erläutern. Die Tempelrede ist einer der zentralen Texte des Jeremia- Buches. Ursprünglich gab es mehrere Kultorte in Israel, die eine lange Tradition in der Geschichte des Volkes hatten. Doch durch die Rivalitäten zwischen dem Nordreich Israel und dem Süden Juda war man bestrebt, sowohl das davidische Königtum als auch den Tempel in Jerusalem als einzige legitime Formen der Herrschaft und des Kultes in Israel herauszustellen. Nach dem Untergang des Nordreiches Israel kam sie Prozess zu einem Abschluss. Jerusalem wurde zu einem unangefochtenen Zentrum von Herrschaft und Religion für alle Juden. Das ist die Situation, die zur Zeit des Jeremia bestand und daher der Tempel als Wohnort des Gottes Israels galt. Die Bevölkerung glaubte aber auch, durch den Tempel in Jerusalem eine Sonderstellung für die Stadt ableiten zu können. Ja, ist sich sicher gewesen, dass allein die Existenz des Tempels den ewigen Bestand von Jerusalem sicher könnte. Eine fatale Fehleinschätzung wie Jeremia dem Volk mitteilte. Gott lasse sich nicht durch ein Haus definieren, sondern will in den Herzen der Menschen wohnen. Für die Menschen zur Zeit Jeremias war dieser Zusammenhang scheinbar nicht klar. Wir haben doch den Tempel, daher können wir tun was wir wollen.2

Gerade weil Jeremia diese falsche Sicherheit des Volkes infrage stellt, erhebt sich eine solch großer Sturm der Entrüstung gegen ihn, der Jeremia mehrmals fast das Leben kostete. Was Jeremia genau anprangerte, kommt unter anderem in dem Unterrichtsentwurf zur Geltung.

Diese Arbeit befasst sich mit dem Unterrichtsentwurf und der anschließenden Auswertung über Jeremia. Ein spezielles Augenmerk soll jedoch auf den Inhalten der Tempelrede liegen. Zunächst werden die Lern- und Lehrbedingungen untersucht, indem die in der Schule vorhandenen Lerngruppen sowie die Lernumstände dargelegt und analysiert werden. Der anschließende Teil bildet ebenso ein wesentliches Organ der Arbeit. Dieser widmet sich der fachdidaktischen Analyse und legt die Weichen der Unterrichtsstunde fest. Ein Schwerpunkt soll hierbei auf die elementarisierende Erschließung gelegt werden, die in vier Teilschritten erfolgt. Die folgenden Punkte behandeln die Kompetenzformulierungen bzw. die Lernziele der Unterrichtsstunde sowie die Begründung und Diskussion des Lernwegs.

ANALYSE DER LEHR- UND LERNBEDINGUNGEN

Die Unterrichtseinheit wurde in einer Grund- und Mittelschule abgehalten. Eine sehr kleine und überschaubare Schule, mit nur einer 9. Klasse in der Mittelschule. Zu unserem Bedauern war es auch die letzte Abschlussklasse der Mittelschule, da die Schule die Mittelschule schließen muss. Die Zahlen der Schüler an Mittelschulen in Bayern, sowie in ganz Deutschland gehen seit Jahren zurück und die Anzahl der Schulen auf den Dörfern geht zurück. Für unsere Praktikumslehrkraft ebenfalls eine traurige Entwicklung. Es war also eine besondere Situation für alle beteiligten Personen. Der Religionsunterricht ist in die Konfessionen evangelisch und katholisch aufgeteilt. Die Gruppe der evangelischen ist mit 8 Schülern besetzt. Eine derartige Gruppengröße bietet einige Chancen aber auch Herausforderungen. Eine der Chancen, die ich mit dieser Gruppengröße sehe, ist die angemessene Individualisierung. Es dürfte öfter gelingen den Unterricht für die einzelnen Schüler anzupassen und ihnen die nötige Unterstützung zu bieten. Herausforderungen ergeben sich meiner Meinung nach im Gegenzug bei der Einteilung von beispielsweise der Gruppen in einer Gruppenarbeit. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Lehrkraft auf eventuell wenige leistungsstarke Schüler angewiesen ist. Weitere Lehr- und Lernbedingungen werden durch die Geschlechterverteilung deutlich. Die 9. Klasse bestand aus 4 Schülerinnen und 4 Schülern. Interessant war auch, dass einige Schüler direkten Bezug zur Landwirtschaft hatten oder auch von ihren Aktivitäten außerhalb der Schule erzählten. Insgesamt war die Klasse sehr aufgeschlossen und offen für neue Themen und wir Praktikanten durften schnell einen anerkannten Status genießen. Als positiv bewerte ich die großen Bemühungen und die leidenschaftliche Art der Praktikumslehrkraft, Religion spürbar ins Klassenzimmer zu bringen. Unsere Unterrichtseinheit war unter anderem auch Bestandteil der Abschlussprüfung zum Ende des Schuljahres. Dies gab uns eine große Verantwortung für unser Praktikum.

FACHDIDAKTISCHE ANALYSE

Unterrichtseinheit und Lehrplanbezug

Der Lehrplan für die Mittelschule beinhaltet vier Lernbereiche, die unterteilt werden in: ,,Jesus Christus, Tod und Sterben, Verantwortung übernehmen für Gerechtigkeit und Frieden und der letzte Punk umfasst das Spannungsfeld zwischen Abhängigkeit und Freiheit“.[4] In meiner Unterrichtsstunde, die auf dem fachlich gelernten Wissen der Schüler durch Herrn Hartmann aufbaut, gehen Schüler und Schülerinnen der Aktualität des Textes auf den Grund. Sie thematisieren also Missstände, die in der gleichen oder anderen Art auch in der Gegenwart bestehen. Diese Einheit fällt unter den 3. Lernbereich des LehrplanPlus, der für 2020/2021 Gültigkeit hat.3

Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen wie damals Jeremia das getan hat, oder Menschen aufmerksam machen, um den Frieden in der Welt mitzugestalten. Diesen Bezug sollten die Schüler und Schülerinnen durch didaktische Lenkung herstellen. Dazu formulierten die Schüler und Schülerinnen gemeinsam auf einem Blatt die für sie wichtige Appelle an die Gesellschaft. Im Anschluss an diesen Auftrag haben wir die Inhalte besprochen und es erfolgte eine Themeneingrenzung durch mich als Lehrkraft. Es wurden zwei Gruppen gebildet, wobei die erste Gruppe sich mit dem Thema Klimaschutz und Umwelt und die zweite Gruppe mit Lebensmittelverschwendung auseinandersetzte. Die Schüler und Schülerinnen bekamen Bildzeitungsmäßig ausdrucke aus dem Internet und der Zeitung, mit provokativen Überschriften zum Thema Umwelt und Lebensmittelverschwendung. Sofort wurde sichtbar, welch ein Schock diese schlechten Botschaften auslösten. „Deutschland verbraucht 10.000 Plastiktüten am Tag“! Das war ihnen neu. Die Schüler und Schülerinnen formulierten fleißig Apelle an die Gesellschaft und nach 15 min durften sie ihre Appelle noch in Videobotschaften festhalten. Dies ist für die Schüler und Schülerinnen eine neue Herangehensweise mit Medien im Unterricht gewesen. Die Videobotschaften haben wir uns nach dem erstellen gemeinsam angesehen und darüber diskutiert. Sie durften in die Rolle Jeremias “ schlüpfen“ und sich fühlen wie er damals im Tempel. Der Unterricht wurde dadurch als sehr spannend und aufregend bewertet, was die Schüler und Schülerinnen uns mitteilten. Somit konnten wir einen kleinen Beitrag für Verantwortung und Gerechtigkeit vermitteln, Religionsunterricht erleben und die Aktualität der Bibel behaupten.

Persönliche Begegnung

In der Tempelrede finden wir klare Worte von Jeremia durch Gott. Zum einen wird sichtbar, wie der Leidenschaftliche Gott der Israels um sein Volk trauert und zugleich zornig mit Drohungen reagiert. Jeremia macht auf einige Missstände aufmerksam und appelliert an die Gesellschaft. Es geht um für mich zeitlose Themen wie Ehebruch, Habgier oder Gewalt gegen Minderheiten. Das sind aktuelle Themen, die mir aufzeigen, dass die Bibel wie auch überspitzt in der Einleitung erwähnt, ein „zeitloses Schwergewicht“ ist. Vielleicht mag es und medizinisch oder auch bei der Bildung für alle in so mach einem Land auf der Welt gegenwärtig besser gehen, trotzdem bin ich überzeugt, dass die Menschheit sich nicht grundlegend geändert hat und es auch nicht wird. Das macht zunächst nicht viel Hoffnung, doch geht es um die Veränderung im Kleinen bei jedem Einzelnen. Aus den Bibelversen des Jeremias, kommt sowohl Gottes leidenschaftliche Liebe und der Wunsch nach Veränderung der Menschen zum Vorschein. Er sah schon damals die Konsequenzen des menschlichen Handels und möchte uns auch Heute, vor negativen Folgen im Vorfeld schon bewahren.

ELEMENTARE ERSCHLIEßUNG

Elementare Strukturen

Tempelrede von Jeremia 7,1-7

Wie bereits mehrmals erwähnt, finden wir die Tempelrede des Propheten Jeremias im Buch Jeremia, im 7.Kapitel.

Das Buch Jeremia gehört zu den prophetischen Büchern des Alten Testaments. Das Buch beginnt mit dem wohl wichtigsten Ereignis im Leben eines Propheten, der Berufung durch Gott (Jer. 1) und endet mit der Begnadigung des Königs Jojachin (Jer.52). Jeremia wird schon vor seiner Geburt von Gott als Prophet berufen (Jer. 1,5): Ich kannte dich, ehe denn ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe denn du von der Mutter geboren wurdest, und stellte dich zum Propheten unter die Völker.4

Trotz seiner Furcht, Gottes Auftrag nicht verkündigen zu können, gehorcht Jeremia und predigt Gottes Wort. Als berufener Prophet fungiert Jeremia als Sprachrohr Gottes. Auch weil Gott ihm zusichert sein Wort in seinen Mund zu legen. Diesem Umstand Zufolge, ist es umso erstaunlicher zu bemerken, dass seine Reden durchaus leidenschaftlich daherkommen und sein Auftreten standhaft und überzeugend wirkt. Zu diesen leidenschaftlichen Reden gehört ebenso die Tempelrede. In dieser werden Kulturpraxen kritisiert, sowie soziale Missstände angeprangert.

Jeremia 7,1-15

[1]Dies ist das Wort, welches geschah zu Jeremia vom HERRN, und sprach:
[2]Tritt ins Tor im Hause des HERRN und predige daselbst dies Wort und sprich: Höret des HERRN Wort, ihr alle von Juda, die ihr zu diesen Toren eingehet, den HERRN anzubeten!
[3] So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Bessert euer Leben und Wesen, so will ich bei euch wohnen an diesem Ort
[4] Verlaßt euch nicht auf die Lügen, wenn sie sagen: Hier ist des HERRN Tempel, hier ist des HERRN Tempel, hier ist des HERRN Tempel!
[5] sondern bessert euer Leben und Wesen, daß ihr recht tut einer gegen den andern
[6] und den Fremdlingen, Waisen und Witwen keine Gewalt tut und nicht unschuldiges Blut vergießt an diesem Ort und folgt nicht anderen Göttern, zu eurem eigenen Schaden:
[7] so will ich immer und ewiglich bei euch wohnen an diesem Ort, in dem Lande, das ich euren Vätern gegeben habe.
[8]Aber nun verlasset ihr euch auf Lügen, die nichts nütze sind.
[9] Daneben seid ihr Diebe, Mörder, Ehebrecher und Meineidige und räuchert dem Baal und folgt fremden Göttern nach, die ihr nicht kennt.
[10]Darnach kommt ihr dann und tretet vor mich in diesem Hause, das nach meinem Namen genannt ist, und sprecht: Es hat keine Not mit uns, weil wir solche Greuel tun.
[11] Haltet ihr denn dies Haus, das nach meinem Namen genannt ist, für eine Mördergrube? Siehe, ich sehe es wohl, spricht der HERR.
[12]Gehet hin an meinen Ort zu Silo, da vormals mein Name gewohnt hat, und schauet, was ich daselbst getan habe um der Bosheit willen meines Volkes Israel
[13]Weil ihr denn alle solche Stücke treibt, spricht der HERR, und ich stets euch predigen lasse, und ihr wollt nicht hören, ich rufe euch, und ihr wollt nicht antworten:
[14]so will ich dem Hause, das nach meinem Namen genannt ist, darauf ihr euch verlaßt, und den Ort, den ich euren Vätern gegeben habe, eben tun, wie ich zu Silo getan habe,
[15]und will euch von meinem Angesicht wegwerfen, wie ich weggeworfen habe alle eure Brüder, den ganzen Samen Ephraims.5

Gattung

Die Gattung des Textes Jer. 7 ist nicht wirklich eindeutig herauszufinden. Hinweise für die Gattung der Mahnrede geben die Verse 3-4. Es ist schwierig, das Ganze der Reden auf Jeremia zurückzuführen. Man bekommt den Eindruck, dass die Redaktion eine Anzahl kürzerer Mahnungen und anderer Sprüche Jeremias zusammengefügt haben könnte.6

Äußere und innere Abgrenzung

Die Tempelrede Jeremias steht im 7. Kapitel. In der Erzählung zuvor wird Jeremia von Gott als „Prüfer“ des Volkes eingesetzt. Gott möchte, dass Jeremia überprüft, ob denn das Volk so bösartig ist wie angenommen. Vergleicht man den letzten Vers des Kapitels 6 mit dem ersten Vers in Kapitel 7 erkennt man eine klare Abtrennung (vgl. Jer. 6,30 und Jer.7,1). Im Vers 1 und 2 wird verdeutlich, dass Jeremia das Wort aktiv weitergeben soll. Im Kapitel 6 spricht Gott selbst. Dort sind lediglich die Gedanken Gottes festgehalten.7 Dieser Wandel der Gesprächsform stellt eine eindeutige Abgrenzung zum zuvor gestellten Text. Im Gegensatz zur Abgrenzung des Textes zum vorigen Kapitel ist die Trennung zum folgenden Text nicht so eindeutig. Sprachlich verändert sich die Gesprächsform ebenfalls und Gott spricht in der direkten Rede zu Jeremia. Das ist natürlich auch ein bedeutender Wandel, jedoch lassen sich die Texte thematisch nicht so einfach trennen. Denn in Vers 16 folgend spricht Gott zu Jeremia, er solle sich nicht für das Volk rechtfertigen und einsetzten. In diesen Zeilen stecken ebenfalls Mahnworte, die Jeremia möglicherweise in der Tempelrede ebenfalls an das Volk gerichtet haben könnte. Also muss man diese zwei Texte nicht zwingend voneinander trennen

Einzelexegese

Die Texteinheit beginnt zunächst mit einer für die Redaktion charakteristischen Überschrift. Mit diesen werden auch an anderen Stellen in ähnlicher Form große Textabschnitte eingeleitet.8 Der Text beginnt anschließend mit einer abgewandelten Wortereignisformel, in der das „Wort“ betont herausgestellt wird.9 „Damit soll die Rede des Propheten von vornherein als bewährtes Jahwewort ausgewiesen werden.“10 Ein Hinweis darüber, dass solches Jahwewort irgendwann einmal an Jeremia ergangen ist, wird in einem Nebensatz erwähnt. Das Ergebnis der „Offenbarung“ ist wichtiger als der Vorgang selbst, weil das Wort nicht mehr in Frage steht, Jahwes Wort zu sein.11

In Vers 2 folgt eine relativ ausführliche Beschreibung der Situation im Tempel. Jeremia hat den Auftrag, sich am Tor – nach 26,2 wahrscheinlich zwischen dem äußeren und inneren Vorhof – aufzustellen, von wo aus sein Wort die ganze Gemeinde erreichen kann.12 Jeremia erhält den Befehl, den zur Anbetung herbeikommenden Judäern Jahwes Wort zu verkündigen. „Die so gestaltete Verkündigungsszene, die den Propheten am Tempeleingang stehen sieht, die Menge der Zuhörer vor sich, erlaubt es, das folgende Jahwewort auch auf die spätere Zeit zum Gottesdienst kommende Menschen zu beziehen.“13

Die Predigt selbst beginnt dann in Vers 3 mit einer erweiterten Botenformel, mit der noch einmal betont werden soll, dass das Prophetenwort das Wort des Gottes Israel ist.14 Daraufhin erfolgt das erste prophetische Scheltwort, das von gleichlautenden Mahnungen und Verheißungen umrahmt ist.15

Im Vers 4-7 stehen zusammengefasst die genauen Erklärungen, was das Volk im Detail ändern soll. Darunter gehört, dass sie nicht auf die Lügen der Gesellschaft hören sollen, sondern auf Gott. Aber auch Missstände wie die Gewalt Gegen Witwen oder keine anderen Götter anbeten sollen. V. 4: „Die dreimalige Wiederholung der Worte „der Tempel Jahwes“ ist nach Analogie babylonischer Beschwörungstexte als eine Art Beschwörung aufzufassen und aus diesem Grund bezeichnet wohl Jeremia diese Worte als „Lügenworte“.“16 An anderer Stelle wird durch diese liturgische Formel auf das Vertrauen hingewiesen, dass die Menschen in die Gegenwart Jahwes im Tempel setzen; solange Jahwe im Tempel wohnt, hat Jerusalem keine Gefährdung zu befürchten.17

Vers 5 greift die Gedanken von V. 3 wieder auf, legt nun die Änderung des Verhaltens im Anschluss an V. 4 als positive Seite einer Alternative vor und entfaltet diese anschließend.18 „Besserung von Wandel und Tun heißt, dem Recht zur Geltung verhelfen.“19 Konkret geht es um das Recht, die erbarmende Liebe gegenüber den Hilfsbedürftigen zu zeigen und der Treue zu Jahwe, an der sich Unheil oder Heil entscheidet.20

Vers 6 konkretisiert diesen Vorgang nochmals, indem er unter Aufnahme alter Rechtstradition aus dem Bundesbuch (2. Mose 22, 20f.), die von deuteronomistischen Rechtsüberlieferungen aufgenommen wurden, diejenigen Bevölkerungsgruppen als besonders schutzwürdig erwähnt, die einen minderen Rechtsstatus aufweisen: Witwen, Fremde, Waisen.21 Dass an dieser Stelle der sozialen Forderung noch ein Verbot der Fremdgötterverehrung angefügt wird, entspricht der deuteronomistischen Intention. „Die beiden Aspekte sind untrennbar miteinander verbunden.“22

In Vers 7 wird noch einmal die Heilszusage aus V. 3 aufgenommen, verbunden mit der positiven Alternative ebenfalls aus V.3. Die hier vorliegende Doppelung dient wohl zur Betonung des Gesagten. Möglicherweise wurden die Verse 4-7 nachträglich hinzugefügt.

Ab V. 8 geht die Predigt zur Anklage über und setzt in V. 8 dem Prophetenwort den Akzent, der Nutzlosigkeit des falschen Vertrauens, bei.23 Jeremia sagt damit dem Volk nichts, was es nicht schon durch die im Bundeskult immer wieder eingeschärfte Tradition wüsste. Er rückt aber die Perspektive wieder zurecht, die er bei der andersartigen Einstellung des Wortes vermisst.24 „Dabei ist bemerkenswert, dass er auch in der Regierungszeit des Jojakim immer noch an der Bereitschaft Gottes zur Vergebung festhält; die Gnadenverheißungen des Gottesbundes bleiben „ewig“ bestehen.“25

V. 9 tritt in Gestalt einer ironischen Frage auf, die sowohl an die zehn Gebote als auch an die Einlaßliturgien (Ps. 15, 24.3-4) erinnert. „Der Redaktor verstärkt den Vorwurf noch dadurch, dass er die Übertretung des Verbotes der Fremdgötterverdorbenheit als den massivsten Beweis der Verdorbenheit Israels ansieht.“26 Damit wird deutlich, Jahwes Gebot ist im Kern verletzt.

[...]


1 (Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München, 2018)

2 http://www.bibleworld.de/AT/Propheten/Jeremia_07.htm

3 https://www.lehrplanplus.bayern.de/

4 Luther Übersetzung (1998)

5 Luther Übersetzung (1998).

6 Vgl. Tangberg S.48 (1987).

7 Vgl.Tangberg,1987

8 vgl. Wanke, G. S.88.

9 Vgl. Schreiner, J. S.56.

10 Wanke, G. S.88.

11 Ebd.

12 Weiser, A. S.62.

13 Wanke, G. S.89.

14 Ebd.

15 Vgl. Schreiner, J., S. 58.

16 Weiser, A. S.62.

17 Vgl. Wanke, G. S. 89.

18 Vgl. Wanke, G. S. 89.

19 Ebd.

20 Vgl. Weiser, A., S. 62.

21 Vgl. Wanke, G. S.89.

22 Wanke, G. S.89.

23 Vgl. Schreiner, J., S.58.

24 Vgl. Weiser, A., S.63.

25 Weiser, A., S.63.

26 Wanke, G. S. 90.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Tempelrede Jeremia und die Relevanz in der heutigen Zeit. Praktikumsbericht aus einer bayerischen Mittelschule
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1
Jahr
2019
Seiten
24
Katalognummer
V464537
ISBN (eBook)
9783668933552
ISBN (Buch)
9783668933569
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tempelrede, jeremia, relevanz, zeit, praktikumsbericht, mittelschule
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Tempelrede Jeremia und die Relevanz in der heutigen Zeit. Praktikumsbericht aus einer bayerischen Mittelschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/464537

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