Entwicklung von Menschen mit Behinderung. Entwicklungsaufgaben in allen Lebensabschnitten


Projektarbeit, 2019
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Entwicklung des Menschen in unterschiedlichen Bereichen
1.1 Affektive Entwicklung
1.2 Körperliche Entwicklung
1.3 Motorische Entwicklung
1.4 Kognitive Entwicklung
1.5 Soziale und moralische Entwicklung
1.6 Psychosexuelle Entwicklung

2 Entwicklungsaufgaben in der Lebensspanne
2.1 Entwicklungstheorie nach Erikson
2.2 Entwicklungstheorie nach Havighurst
2.3 Weitere Entwicklungstheorien

3 Entwicklungsprobleme
3.1 Entwicklungsprobleme bei Kindern und Jugendlichen
3.2 Entwicklungsprobleme im Alter

4 Entwicklung von Menschen mit Behinderung
4.1 Entwicklung von Kindern mit Behinderung
4.2 Entwicklung von Jugendlichen mit Behinderung
4.3 Entwicklung von Erwachsenen mit Behinderung
4.4 Entwicklung von alten Menschen mit Behinderung

7 Quellenverzeichnis

1 Entwicklung des Menschen in unterschiedlichen Bereichen

Entwicklung ist ein lebenslanger Prozess, das heißt eine stetige Veränderung ohne eine vollständige Vollendung. Man spricht von Entwicklung, wenn eine bestimmte Abfolge von Veränderungen schrittweise passiert. Dabei bauen die Schritte wie Stufen aufeinander auf, sodass eine fortschreitende Verbesserung zu erkennen ist und jede Stufe die Vorrausetzung für die nächste Stufe bildet. Man unterscheidet außerdem Entwicklung und Wachstum. Man spricht von Wachstum im biologischen Sinne, dass heißt, dass Zellen sich vermehren oder vergrößern. Wachstum ist außerdem messbar, wie etwa durch Gewichtszunahme oder Längenwachstum, während man Entwicklung nicht messen kann, da sie etwas Individuelles, nicht greifbares ist.

„Die Entwicklung eines Menschen hängt immer von der individuellen, sozialen, kulturellen, historischen oder medizinischen Lebenssituation ab und ist niemals allein durch biologische, angeborene Anlagebedingungen alleine vorherbestimmt.“

(Heilerziehungspflege Band 1 (2017), S. 138)

Das heißt, auch wenn ein Mensch angeborene Behinderungen hat, ist seine Entwicklung von vielen weiteren Faktoren geprägt und kann trotz dieser Anlagebedingung stattfinden. Anlage und Umwelt sind zwei Faktoren, die das Verhalten des Individuums beeinflussen. Ein dritter Faktor ist die aktive Selbststeuerung. Heißt, wenn eine genetische Verlangung für eine Erkrankung vorhanden ist, spielen die Umwelt (soziales Umfeld, ökologische Umgebung...) und die aktive Selbstbestimmung über eine gesunde oder ungesunde Lebensweise eine Rolle für die weitere Entwicklung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Grafik: Heilerziehungspflege Band 1, Seite 142)

Die unterschiedlichen Bereiche in denen sich ein Mensch entwickelt sind: Körperliche, affektive, motorische, kognitive (nach Piaget), sozial-moralische (nach Kohlberg) und die psychosexuelle (nach Freud) Entwicklung.

(vgl. Nicklas-Faust, J., et.al.: Heilerziehungspflege Band 1 (2017), S. 138-142)

1.1 Affektive Entwicklung

Emotionen sind ein wichtiger Bestandteil unseres kognitiven Wahrnehmungssystems. Durch Emotionen bewerten wir etwas, dass wir kognitiv verarbeitet haben. Das heißt, um Emotionen zum Ausdruck zu bringen, müssen wir erst unser Verständnis und unsere Wahrnehmung entwickeln. Unsere Reaktion auf das verarbeitete Geschehen zeigt sich durch physiologische Äußerungen wie z.B. erhöhter Herzschlag, zittern, schwitzen, weinen, etc.

Basisemotionen wir Freude, Trauer, Ärger, Angst, Überraschung, Interesse erleben und äußern Kinder bereits mit drei Monaten. Sekundäre oder soziale Emotionen wie Scham, Stolz, Neid, Schuld, Verlegenheit, Empathie werden erst durch soziale Prozesse entwickelt (…)“

(Heilerziehungspflege Band 1 (2017), S. 147)

Soziale Emotionen entstehen erst gegen Ende des zweiten Lebensjahres. Sie werden von sozialen und gesellschaftlichen Normen und moralischen Werten geprägt. Ein Kind, das entsprechende Erwartungen und Anforderungen anders erfüllt als ein anderes Kind, kann je nach Ausmaß der Diskrepanz Scham oder Stolz entstehen. Die Fähigkeit, eigene und fremde Emotionen wahrzunehmen und damit umzugehen ist die emotionale Kompetenz. Sie ist Voraussetzung für die soziale Kompetenz, die man für soziale Beziehungen benötigt.

Ein Bestandteil der emotionalen Kompetenzen ist das Selbstwertgefühl und die eigene Selbstwirksamkeit. Ein positives Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind wichtig, damit man mit Konflikten umgehen kann, Beziehungen aufbauen kann und seine eigenen Fähigkeiten erweitern kann. Durch negative Erfahrungen und Misserfolge entsteht eine Resilienz, die nötig ist, um ein stabiles Selbstwertgefühl aufzubauen. Wenn Eltern ihre Kinder überbehüten, kann keine Selbstwirksamkeit entstehen. Kinder fühlen sich bei geringsten Anforderungen überfordert und können Aufgaben nicht aus eigener Kraft bewältigen. Wenn keine Selbstwirksamkeit vorhanden ist, haben die Kinder das Gefühl, sie können ihr Leben nicht selbst steuern, sondern fühlen sich fremdbestimmt.

(vgl. Nicklas-Faust, J., et.al.: Heilerziehungspflege Band 1 (2017), S. 147-149)

1.2 Körperliche Entwicklung

Wie bereits erwähnt, ist die körperliche Entwicklung, das Wachstum, etwas Messbares. Es gibt vorgegebene Werte, die ein gesundes Kind in einem bestimmten Alter erreicht haben soll. Werden diese Werte nicht erreicht, so liegt eine Erkrankung oder Beeinträchtigung vor.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein weiterer Meilenstein in der körperlichen Entwicklung stellt die Pubertät dar. Durch einen enormen Zuschuss an Hormonen verändert sich der Körper ab dem 11. Lebensjahr bis hin zum 21. Lebensjahr. Geschlechtsmerkmale werden ausgeprägter, die Körperbehaarung nimmt zu und Mädchen bekommen ihre erste Monatsblutung. Auch die Schwangerschaft bringt nochmal einige körperliche Veränderungen für Frauen mit sich.

Der Körper verändert sich auch im Lebensabschnitt des Alters noch einmal. Durch den biologischen Alterungsprozess wird z.B. die Haut unelastischer und trocknet aus, der Energiebedarf nimmt ab, der Schlafbedarf ist weniger und die Pigmentierung und Dichte der Haare lassen nach, wodurch sie lichter werden und grau nachwachsen. Außerdem können sich sexuelle, körperliche Aktivitäten durch Potenzprobleme und Wechseljahre verringern. Eine verringerte Bewegungsaktivität ist auch dem biologischen Altersprozess geschuldet, denn im Alter nimmt die Knochensubstanz ab, Herz- und Atemleistung verringern sich und die Muskelkraft nimmt zunehmend ab. Aus der Unsicherheit und körperlichen Gebrechlichkeit wird Bewegung aus Angst vor der erhöhten Unfallgefahr gemieden, eine Abwärtsspirale entsteht. (siehe 3.2 Entwicklungsprobleme im Alter)

(vgl. Nicklas-Faust, J., et.al.: Heilerziehungspflege Band 1 (2017), S. 149-151)

1.3 Motorische Entwicklung

„Die motorische Entwicklung ist untrennbar an die körperliche, emotionale, soziale, kognitive Entwicklung gekoppelt.“

(Heilerziehungspflege Band 1 (2017), S. 152)

Ein wichtiger Bestandteil der motorischen Entwicklung sind Reflexe. Das sind unwillkürliche, motorische Reaktionen auf bestimmte Ereignisse oder Verhaltensweise. Dazu zählen z.B. der Nies-, Hust-, Würge-, Blinzel- und Atemreflex, der Saug- und Schluckreflex und der Greireflex. Reflexe sind angeboren und entwickeln sich zusammen mit der Wahrnehmungs- und Steuerungssystem. Verzögern sich Reflexe oder entwickeln sich nicht weiter, liegt dem eine Entwicklungsstörung zugrunde. Auch körperliche Behinderungen wie z.B. Spastik können eine Störung des Greifreflex verursachen.

Die wichtigsten Meilensteine in der motorischen Entwicklung finden im frühkindlichen Alter statt. Auch hier können Entwicklungsstörungen aufgrund einer körperlichen Behinderung auftreten. Nachdem das Kind mit ca 15 Monaten die grobmotorischen Grundlagen erworben hat, verbessert es diese Fähigkeiten immer weiter. Insbesondere die Kombination von kognitiver Wahrnehmung, räumlichem und zeitlichem Vorstellungsvermögen und der Kinästhetik ermöglichen eine Weiterentwicklung der Grobmotorik.

Die Feinmotorik beginnt sich ab dem zweiten Lebensjahr zu entwickeln. Durch spielerische Elemente wie Basteln, Malen und Bauen werden die Grundlagen für lebenspraktische Tätigkeiten geschaffen.

(vgl. Nicklas-Faust, J., et.al.: Heilerziehungspflege Band 1 (2017), S. 152-155)

1.4 Kognitive Entwicklung

Die kognitive Entwicklung des Menschen wird nach Jean Piaget in einem vierstufigen Modell beschrieben. Hierbei ist kritisch zu betrachten, dass Piagets Modell sich alleinig auf die kognitive Entwicklung ohne Berücksichtigung der anderen Entwicklungsbereiche und der Berücksichtigung von direkten Umwelteinflüssen basiert. Sein Modell dient jedoch als Grundlage für moderne Theorien und Konzepte.

Erste Stufe: Sensumotorische Stufe (Geburt bis zum 2. Lebensjahr)

Die erste Stufe besteht aus insgesamt sechs Stadien, die jeweilige Merkmale einer fortschreitenden, kognitiven Entwicklung aufweisen. Wichtig ist in dieser Stufe vor allem die bewusste kognitiver Verknüpfung mit Sinneswahrnehmungen, die sich durch Merkmale wie Objektpermanenz und erkennbaren Anzeichen von Assimilation und Akkommodation auszeichnet. Im letzten Stadium beginnt sich die Vorstellungskraft zu entwickeln und Handlungen bekommen einen Sinn und Zweck.

Zweite Stufe: Präopertionale Stufe (2. bis 6. Lebensjahr)

Diese Stufe wird von ersten Sprachentwicklungen durch Zwei-Wortsätze bis hin zu einem Wortschatz von 2000 Wörtern, sowie dem Wissensdrang nach Vorgängen in der Natur und Technik geprägt. Kinder können sich nicht in andere hineinversetzen und haben ein ausgeprägtes magisches Denken (Weihnachtsmann hat besondere Kräfte, Teddy lebt…) Außerdem hat alles, was existiert eine/n Bestimmung/Zweck in den Augen des Kindes.

Dritte Stufe: Konkret-operationale Stufe (6. bis 11. Lebensjahr)

Ab dem sechsten Lebensjahr beginnt das magische Denken zu verschwinden, Kinder zweifeln übernatürliche, nicht logisch erschließbare Dinge an. Sie können Hierarchien unterscheiden (Hunde sind Tiere, Lehrer sind „Vorgesetzte“) und können Größenordnungen bilden. Später kann das Kind die Perspektive von anderen einnehmen, Wegbeschreibungen erklären und nach Vorlage etwas nachahmen. Der Wortschatz erweitert sich und wird ausgeprägter.

Vierte Stufe: Formale Operation (ab dem 11. Lebensjahr)

In der letzten Stufe können Kinder Ereignisse logisch durchdenken und Verlauf und Ergebnisse vorhersagen, ohne es praktisch durchzuführen. Das Denken wird flexibler und logischer und ist nicht mehr von realen Darstellungen abhängig. Jugendliche können konkret planen und organisieren, Einflüsse und Konsequenzen abwägen und können gezielte Alternativen für Handlungen entwickeln.

(vgl. Nicklas-Faust, J., et.al.: Heilerziehungspflege Band 1 (2017), S. 156-157)

1.5 Soziale und moralische Entwicklung

Die Voraussetzung für eine gesunde soziale Entwicklung ist eine sichere, emotionale Bindung. Menschen, die eine unsichere Bindung erfahren haben, sei es durch negative Erfahrungen oder durch eine fehlende, feste Bezugsperson, neigen später eher zu Defiziten in der sozialen Entwicklung. Ein Bestandteil der sozialen Entwicklung ist die Identitätsentwicklung, bei der es darum geht, anhand von Anforderungen der Umwelt und anhand eigener Normen und Wertevorstellung zu einem Individuum zu werden. Der Schwerpunkt dieser Entwicklung findet in der Jugend und im frühen Erwachsenenalter statt. Der Erwerb von sozialen Kompetenzen ist wichtig, um sich in sozialen Beziehungen durchsetzen und anpassen zu können. Auseinandersetzungen fördern die Konfliktlösungsfähigkeit und sind ein wichtiger Bestandteil, um soziale Kompetenzen weiterzuentwickeln.

Soziale Entwicklung findet vor allem über Beobachtung und Nachahmung statt. Kinder beobachten das Verhalten von Älteren, lernen Normen und Werte kennen und orientieren sich daran. Daraus entsteht dann auch die moralische Entwicklung, die eng mit der sozialen Entwicklung in Verbindung steht.

Die moralische Entwicklung wird nach einem dreistufigen Modell von Lawrence Kohlberg definiert. Allerdings lässt Kohlberg bei seinem Modell die Individualität verschiedener Situationen außer Acht. Bei diesem Modell sind erreichte Stufen nur durch extrem schwere Krisen umkehrbar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Grafik: Natalie Schneider, 2019)

(vgl. Nicklas-Faust, J., et.al.: Heilerziehungspflege Band 1 (2017), S. 159-162)

1.6 Psychosexuelle Entwicklung

Von Geburt an zeigt der Mensch Anzeichen für psychosexuelle Entwicklung. Diese schließt nicht nur Sexualität als solche ein, sondern jegliche Arten von Intimität, wie streicheln, kuscheln und Küsse, die Kinder bereits als Neugeborene erfahren. In einem sechstufigen Modell definierte der Neurologe und Tiefenpsychologe Sigmund Freud die Entwicklung der Sexualität von Geburt an. Auch bei diesem Modell ist kritisch zu betrachten, dass es keine individuellen Faktoren oder kritischen Ereignisse berücksichtigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Grafik: Natalie Schneider, 2019)

Auch im Erwachsenenalter spielt Sexualität eine wichtige Rolle. Sie ist Bestandteil in einer Partnerschaft, Teil der Selbstbestimmung und Selbstidentifikation und dient zur Fortpflanzung. Die psychosexuelle Entwicklung hört im Seniorenalter nicht auf oder geht zurück. Im Gegenteil, Frauen können nach ihren Wechseljahren sogar einen Anstieg der Sexualität verspüren. Lediglich der körperliche Altersprozess beeinflusst die sexuellen Aktivitäten, jedoch nicht die Psychosexualität.

(vgl. Nicklas-Faust, J., et.al.: Heilerziehungspflege Band 1 (2017), S. 163-164)

(vgl. https://www.bommi2000.de/paedagogik/paedagogik_450.pdf, 20.03.19)

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Entwicklung von Menschen mit Behinderung. Entwicklungsaufgaben in allen Lebensabschnitten
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
22
Katalognummer
V465777
ISBN (eBook)
9783668937604
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pflege, Behinderung, Kinder, Jugendliche, Senioren, Erwachsene, Entwicklung, Entwicklungsaufgaben, Entwicklungstheorien
Arbeit zitieren
Natalie Schneider (Autor), 2019, Entwicklung von Menschen mit Behinderung. Entwicklungsaufgaben in allen Lebensabschnitten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465777

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