Die Spiegel Affäre. Verlauf, Folgen und Bedeutung


Hausarbeit, 2015
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Spiegel

3. Rudolf Augstein

4. Vor der Affäre
4.1 Massenmedien in den Sechzigern
4.2 Rückzug Adenauers
4.3 Verteidigungsminister Strauß und Aufbau der Bundeswehr
4.3 Spiegel und Bundesregierung
4.5 Brisanz des Kalten Krieges

5. Die Ursache: Der rtikel „Bedingt bwehrbereit“

6. Die Spiegelaffäre
6.1 Durchsuchung der Redaktionsräume
6.2 Juristische Perspektive
6.3 Politische Folgen

7. Folgen der Spiegelaffäre

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der sogenannten „Spiegelaffäre“. Die „ Spiegelaffäre“ ist in der jüngeren Vergangenheit bereits vielfach Gegenstand verschiedener Untersuchungen und Publikationen verschiedener Disziplinen gewesen.1 Untersuchungen finden sich in der Politikwissenschaft, Soziologie sowie der Medien- und Kommunikationsforschung. Dies ist wenig überraschend, prägte sie doch das Zusammenspiel zwischen (Massen-)Medien, Politik und Öffentlichkeit nachhaltig. So gilt sie als „Meilenstein“ der Pressefreiheit und erstes Nachkriegsereignis, zu welchem die Öffentlichkeit politisch Stellung nahm. Die noch am Anfang stehende Bundesrepublik hatte damals noch keine vergleichbare Diskussion um die Rolle der Medien und insbesondere die Pressefreiheit erlebt. Bei der Kontroverse, die sowohl auf der politischen und juristischen Ebene als auch auf dem vielschichtigen Terrain der öffentlichen Meinung und medialen Berichterstattung stattfand, wurden Richtlinien für Politik und Medien im Umgang zueinander und in ihrer Position zur Demokratie festgelegt.

Die Hausarbeit will sich insbesondere mit den Wechselwirkungen der Journalistischen Arbeit des Spiegels und der Regierung Adenauer mit Verteidigungsminister Franz-Joseph Strauß beschäftigen, welche durch zunehmende Eskalation zur Affäre auswuchsen und so zu bedeutenden Folgen für die Pressefreiheit in Deutschland führten. Auch die Konsequenzen für Adenauer und Strauß sowie die Rolle Rudolf Augsteins sollen betrachtet werden. Da eine Reduktion der Auseinandersetzung auf einen Konflikt zwischen Spiegel und der Regierung Adenauer oder Augstein und Strauß den historischen Gegebenheiten nicht gerecht wird, sollen die außen- und innenpolitischen Spannungen der 1960er Jahre mit in die Betrachtung aufgenommen werden. Dabei ist insbesondere die Kubakrise und drohende Eskalation des kalten Krieges zu benennen.

Um die Bedeutung und Konsequenz der Affäre sowie der an ihr beteiligten Personen herauszuarbeiten soll sie anhand der zahlreichen Sekundärliteratur sowie Originalquellen einer chronologischen Aufarbeitung und Interpretation unterzogen werden.

2. Der Spiegel

Um die Bedeutung des Spiegels in der deutschen Medienlandschaft zu veranschaulichen soll im vorliegenden Kapitel eine kurze Vorstellung erfolgen, welche auch die wichtigsten Kritikpunkte aufgreift.

Die Wiege des Spiegels findet sich kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in der Britischen Besatzungszone in Hannover. Britische Offiziere stellen am 14. Oktober 1946 zum ersten Mal eine kleine Redaktion zusammen, mit dem Ziel, für Deutschland, ein am „ Time Magazin“ oder dem „News Review“ orientiertes Nachrichtenmagazin zu etablieren. Mit dabei sind von Beginn an Rudolf Augstein und Leo Brawand, die beide in der Geschichte des Spiegels tragende Rollen übernehmen werden. Am 16. November 1946 kommt unter dem Namen „Diese Woche“ die neue Zeitschrift mit einer Auflage von 1500 Exemplaren auf den Markt. Die für jeweils eine Reichsmark verkauften Hefte und werden den Verkäufern „aus der Hand gerissen“, was die Geschichte des Spiegels mit einem sensationellen Erfolg beginnen lässt. Aufgrund heftiger Anfangsturbolenzen, die durch die freche Redaktion und eine den Besatzungsmächten gegenüber sehr kritische Berichterstattung ausgelöst werden, wird das Blatt beinahe eingestellt. Doch die Britten lenken unter der Bedingung ein, die Zeitschrift in deutsche Hände zu überführen. So steht Rudolf Augstein im jungen Alter von 23 Jahren als einer von drei Lizenznehmern bereit. Am 4. Januar 1947 erscheint dann anstatt „Diese Woche“ der erste „Der Spiegel“ unter Ihrem neuen Chef Rudolf Augstein.2

Die weitere Entwicklung des Spiegels kann man als phänomenal bezeichnen. Die heutige Auflage liegt bei etwa eine Millionen je Ausgabe. Um das einfache Magazin ist eine vielfältige Spiegel-Gruppe entstanden, welche Neue Zeitschriftenformate wie der Uni-Spiegel, der Kultur-Spiegel und sogar Fernsehformate umfassen die von einer Tochter der Spiegel-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG produziert werden. Besonders an der Spiegel-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG ist, das Inhaber der KG neben der Familie Augstein und dem Verlag Gruner + Jahr auch die SpiegelMitarbeiter sind, die so an ihrem eigenen Produkt Anteile halten.

Verantwortlicher Chefredakteur ist zurzeit Klaus Brinkbäumer, ihm zur Seite stehen etwa 115 Redakteure und Bildredakteure dazu 23 Reporter und Autoren und 30 Spezialisten für Grafik und Layout. Die Basis für die Recherchearbeiten bietet ein umfangreiches Netz an Redaktionsvertretungen und Auslandskorrespondenten, darunter neun Vertretungen innerhalb Deutschlands und Büros u. a. in Rio de Janeiro, Tokio, Peking, Washington, Paris, London. Das Kredo der Zeitschrift hat sich seit 1946 wenig verändert: Alle Nachrichten sollen zu Geschichten verarbeitet werden, die den Menschen im Mittelpunkt seines Handelns darstellen.

Der Spiegel genießt den Ruf eines Leitmediums welches häufig von anderen Medien zitiert wird. Der Spiegel konnte sich häufig durch Kritik an politischen Umständen sowie bei der Aufklärung zahlreicher Affären (Barschel, Flick, Kohl) Auszeichnen. Dabei zeigt sich seine Macht exemplarisch an der Berichterstattung des Blattes über das Fahndungsfiasko des Verfassungsschutzes und des Bundeskriminalamtes in Bad Kleinen, welches 1998 zum Rücktritt des Generalbundesanwaltes Stahl und Bundesinnenminister Seiters führte.

Die Beurteilung des Spiegels umfasst ein weites Spektrum. So sieht Hans Magnus Enzensberger in seiner bekannten Analyse „Die Sprache des Spiegel“ eine Gefahr für die deutsche Demokratie.3 Andere Einschätzungen sehen im Spiegel das „Sturmgeschütz der Demokratie“. Zu den Kritikpunkten des Spiegel gehören der Vorwurf, dass er einseitig informiere, nur kritisiere, unlautere Mittel anwende (z. B. den berüchtigten Scheckbuch-Journalismus) und gerne Aussagen zwischen den Zeilen mache. Die einzelne Story im Spiegel enthält in der Regel eine Tendenzaussage, für die Kritiker ist dies der Beweis, dass der Spiegel nicht informiert sondern seine Leserschaft manipuliert. Gelobt wird das Magazin dagegen für das Aufgreifen von Themen über die Tagespresse hinaus, seiner Wahrnehmung der Kritik- und Kontrollfunktion sowie seiner Unabhängigkeit.4

3. Rudolf Augstein

Das aktuelle Kapitel soll den Mann, der die Geschicke des Spiegels entscheidend gesteuert hat näher beleuchten. Niemand hat den Spiegel so sehr geprägt wie er und auch sein Einfluss auf den Gesellschaftlichen Diskurs bis zu seinem Tod ist nicht zu unterschätzen. Die Rolle des Mannes, der im Jahr 2000 zum „ Journalisten des Jahrhunderts“ gewählt wurde und die Auszeichnung des „World Press Freedom Hero“ verliehen bekam, verdient besondere Aufmerksamkeit. Die Persönlichkeit Augsteins ist durchaus mit Charakteren wie Adenauer oder Schumacher zu vergleichen. Als stärkstes Unterscheidungskriterium ist jedoch zu nennen das Augstein seinen politischen Einfluss, ausgenommen von einem Ausflug für die Freien Demokraten auf das politische Podium, von seinem Schreibtisch ausübte.

Am 5. November 1923 wurde er als sechstes von sieben Kindern in Hannover als Sohn eines Fabrikant geboren. Er wuchs in bürgerlichem Umfeld auf und erhielt eine umfangreiche und katholische Erziehung. Bereits mit 15 Jahren kamen ihm schon erste Zweifel an der Kirche, aus welcher er später auch Austrat.

In der Schule galt er als Musterschüler und war meist Klassensprecher. Seine Lieblingsfächer waren Deutsch und Geschichte. Sein Hang ungeschminkt die Wahrheit zu sagen. So analysierte er zum Beispiel 1940 kritisch in einem Aufsatz die aussichtsreiche Position Englands im Krieg. Dieser Text hätte zur damaligen Zeit ausgereicht, um einen sofortige Verhaftung durchzuführen. Augstein konnte sich im Gegensatz zu vielen seiner Altersgenossen nicht für die Hitlerjugend erwärmen, dafür begeisterte er sich für Gerechtigkeit und Sozialkritik.

Seinem mit der Note eins absolvierten Abitur folgte ein Volontariat beim „Hannoverschen Anzeiger“, wo er seine ersten Kontakte mit dem Journalismus machte. Im Krieg diente Augstein als Funker bei der Artillerie an der Ostfront wo er anfing die Tapferkeit, mit der die Russen ihr Land verteidigten, zu achten. Er entwickelte Sympathie für die russischen Menschen, die sich später in seinen politischen Ansichten wiederfindet. Auch retteten ihn polnische Fremdarbeiter das Leben, als er von einem Schrapnellsplitter getroffen wurde und zu verbluten drohte.

Nach seiner Rückkehr nach Hannover war an ein Studium der Geisteswissenschaften nicht zu denken, da die Universität Göttingen noch geschlossen war. So bewarb er sich beim stellvertreten britischen Pressekontrolloffizier Major John Chaloner, und wurde angenommen. Nach einem Einsatz beim „Neuen Hannoverischen Kurier“ wurde er der Spitzenkandidat für die Chefposition beim von den Engländern geplanten Nachrichtenmagazin. Augsteins Persönlichkeit und Führungsstil prägen den Spiegel in den Anfangsjahren maßgeblich.

Rudolf Augstein war kein Mensch für große Töne und Gesten, vielmehr zeigt er sich als nachdenklicher, manchmal von Selbstzweifeln geplagter Mann und als guter Zuhörer. Diese Talente machten ihn zur Integrationsfigur der neu zusammengewürfelten Redaktion. In Verhandlungsgeschick und Gerissenheit gleichte er Adenauer.5 Zum guten Redakteur machten ihn vor allem sein messerscharfer Verstand, die rationale Denkweise und die spitzfedrigen Kommentare. Er verfügte über die Fähigkeit, Rückschläge mit stoischem Gleichmut hinzunehmen, wenn andere in der Redaktion nervös wurden, blieb Augstein ausgeglichen und ruhig.6

Politische wurde Augsteins Einstellung sozial-liberalen geprägt. In Kurt Schumacher traf er einen Mann mit ähnlichen Ansichten zu welchem er durch zahlreiche Diskussionen eine persönliche Bindung aufbaut. Augstein teilte die Ansichten des SPD-Politikers und ehemaligen KZ-Häftlings und setzte sich für eine zentrale nationale Politik und ein vereinigtes Restdeutschland ein. Die Wiedervereinigung sah er dabei sogar als wichtigstes Ziel der deutschen Nachkriegspolitik. Finden lassen sich die Standpunkte in seinen unter den Pseudonymen Jens Daniel und Moritz Pfeil veröffentlichten Kommentaren. Seine Liberalen Ansichten zeigen sich vor allem bei dem Versuch sich in den Siebzigern in den Reihen der FDP auf politischer Bühne zu etablieren, welcher jedoch nicht lange anhält. Die Wirkung seiner Kommentare und seine Rhetorik im kleinen Kreis ist perfekt, als Redner vor großem Auditorium weiß er nicht zu glänzen.7

4. Vor der Affäre

In diesem Kapitel werden die historischen Gegebenheiten vorgestellt, die Voraussetzungen für die Spiegelaffäre und somit für die Zuspitzung in der Kontroverse um die Pressefreiheit waren. Die geschichtlichen Ereignisse, die die Spiegelaffäre einrahmen und zugleich Ursache und Hintergrund sind, lassen sich in viele Dimensionen zerlegen, von denen eine Auswahl näher betrachtet werden soll.

4.1 Massenmedien in den Sechzigern

Seit Ende der fünfziger Jahre kam es zu einer deutlichen Verschiebung innerhalb der deutschen Medienlandschaft. Diese Entwicklung setzte sich aus zwei Tendenzen zusammen. Zum einen gewann das Fernsehen schnell an Bedeutung gegenüber dem Rundfunk und den Printmedien und es zeichneten sich, zweitens, im Pressebereich starke Konzentrationsvorgänge ab. Einige Zahlen zur Illustration: Die verkaufte Auflage aller Tageszeitungen steigerte sich zwischen 1954 und 1964 von 13,4 auf 17,4 Millionen täglich. Die großen Illustrierten konnten in diesen zehn Jahren ihre Auflage fast verdoppeln. Der „ Stern“ verkaufte zum Beispiel 1964 mehr als 1,5 Millionen Exemplare. Im Gegenzug sind Monopolisierungstendenzen klar zu erkennen. 1954 gab es 225 eigenständige Zeitungen, während es 1968 nur noch 150 waren. Besonders krass wirkte sich diese Entwicklung auf ländliche Kreise und kleinere Städte aus, die oftmals nur eine Lokal- oder Regionalzeitung übrig behielten. Gravierende Probleme bei der kritischen lokalen Berichterstattung waren die Folge. Gleichzeitig setzte eine intensivere und kritische öffentliche Diskussion über die Rolle der Massenmedien in der parlamentarischen Demokratie ein. Besonders die Studentenbewegung und die spätere APO (außerparlamentarische Opposition) griffen die Pressekonzentration unter den Fittichen des Axel- Springer-Konzerns und Gruner + Jahr an. Die Spiegelaffäre sollte ebenfalls ihren Beitrag zu derartigen Auseinandersetzungen um das Pressewesen leisten. Weniger publik sind dagegen kleinere Fälle, in denen die Pressefreiheit durch direkte Eingriffe bedroht schien. So zum Beispiel der Konflikt um eine Reportage des „ Stern“ 1959 über Praktiken der Agentenwerbung mit dem Titel „Wer schützt uns vorm Verfassungsschutz“.

[...]


1 Die wohl umfangreichste Dokumentation der Spiegelaffäre erschien schon 1966 im Walther-Verlag Olten: lfred Grosser und Jürgen Seifert: „Die Spiegel-Affäre Band I: Die Staatsmacht und ihre Kontrolle“, Thomas Ellwein, Manfred Liebel und Inge Negt: „Die Spiegel- ffäre Band II: Die Reaktion der Öffentlichkeit“͘ (Beide Bände wurden unter der Überschrift „Texte und Dokumente zur Zeitgeschichte“ von Jürgen Seifert herausgegeben).

2 vgl. Leo Brawand: „Rudolf ugstein”, Düsseldorf 1995, S͘ 25 ff͘

3 Hans Magnus Enzensberger: Die Sprache des Spiegel. In: Der Spiegel. Nr. 10, 1957, S. 48-51

4 vgl͘ Herman Meyn: „Massenmedien in Deutschland“ , Konztanz 1999, S͘ 177 ff͘

5 Vgl. Leo Brawand: Rudolf Augstein. ECON, Düsseldorf 1995.

6 Hans-Jürgen Jakobs, Uwe Müller: Rudolf Augstein. Ein Portrait. Heyne, München 1991.

7 vgl͘ Leo Brawand: „Die Spiegel-Story: Wie alles anfing”, Düsseldorf 1987, S͘ 67 ff͘

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Spiegel Affäre. Verlauf, Folgen und Bedeutung
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Politische Kultur, Akteurshandeln und Öffentlichkeit Seminar: Politische Skandale in der Bundesrepublik Deutschland
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V465898
ISBN (eBook)
9783668941090
ISBN (Buch)
9783668941106
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spiegelaffäre, Spiegel, Affäre, Medien, MEdienskandal, Politikskandal, Barschelskandal, Strauß
Arbeit zitieren
Michael Khan (Autor), 2015, Die Spiegel Affäre. Verlauf, Folgen und Bedeutung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/465898

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