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Zu: Theo Sundermeiers „Interreligiöse Hermeneutik“

Darstellung und Analyse aus religionspädagogischer Perspektive

Title: Zu: Theo Sundermeiers „Interreligiöse Hermeneutik“

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 28 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Anita Glunz (Author)

Theology - Religion (For Pre-University Students)
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Die letzten Jahre haben gezeigt, dass Weltfrieden ohne Religionsfrieden undenkbar geworden ist. Es kann aber keinen Religionsfrieden ohne den Dialog zwischen den Religionen geben und wiederum keinen Dialog ohne genaue Kenntnis voneinander. Und obwohl wir heutzutage in einer Welt leben, in der das Nebeneinander von verschiedenartigen, teilweise kontroversen Überzeugungen, Weltanschauungen, Religionen und politischen Positionen selbstverständlich geworden ist, sind wir weit davon entfernt, zu wissen, wie wir dies bewerten und damit umgehen sollen. Gerade in der Schule, als dem Ort der individuellen Bildung und Erziehung, wird gewollt oder ungewollt interreligiöses, multikulturelles Zusammenleben praktiziert. Deshalb sind Fähigkeiten und Verhaltensweisen zu entwickeln, die ein Wechsel von gewachsener Identität und anzustrebender Verständigungsfähigkeit fördern. Da diese Bildungsaufgaben maßgeblich ethische und religiöse Dimensionen in sich schließen, muss sich im Speziellen die Religionspädagogik der Entwicklung interreligiöser Lernkonzepte widmen. In dieser Hinsicht soll zunächst das Modell der „interreligiösen Hermeneutik“ von Theo Sundermeier präsentiert und im Hinblick auf seinen Ertrag für den religionspädagogischen Einsatz analysiert werden. Dabei muss genauer eruiert werden, welche Möglichkeiten es für interreligiöses Verstehen überhaupt gibt und welche entwicklungspsychologischen Voraussetzungen der Schüler für eine Entfaltung der „interreligiösen Hermeneutik“ im Sinne Sundermeiers unerlässlich sind. An den Religionspädagogen werden dabei nicht nur fachliche und didaktische, sondern ebenso hohe persönliche Anforderungen gestellt, wenn er die Schüler in ihrer Identitätsentwicklung befähigen möchte, Sachverhalte richtig zu verstehen, sie ethisch zu beurteilen und zu toleranten Konsensbildungen beizutragen. Dabei soll die christliche Perspektive an Jesu Christi Wirken als dem Leitmotiv für Offenheit und Respekt im Umgang mit anderen Religionen elaboriert werden. Die Kompetenz der Perspektivenübernahme, die einen elementaren Teil der „interreligiösen Hermeneutik“ konstituiert, soll hierfür als wichtiges Lernziel für den interreligiösen Austausch definiert und expliziert werden, bevor die Arbeit mit einem Rückblick auf die gewonnenen Einsichten und einem Ausblick auf weitere Aufgaben interreligiösen Lernens zu demselben Fazit wie einem Zitat aus der Feder Johann Wolfgang von Goethes gelangt: „Dulden heißt beleidigen“.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Darstellung von Theo Sundermeiers Entwurf der “interreligiösen Hermeneutik”

2.1 Voraussetzungen und Begriffsklärungen – „Differenz und Konvivenz“

2.2 Die vier Begegnungsmodelle

2.3 Vier Stufen der „interreligiösen Hermeneutik“

3. Analyse aus religionspädagogischer Perspektive

3.1 Gefahren und Chancen für den Religionsunterricht

3.2 Bezug zur Identitätsentwicklung im Jugendalter

3.3 Jesus Christus als Beispiel für Konvivenz

4. Perspektivenwechsel im Sinne der “interreligiösen Hermeneutik”

5. Konklusion

6. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Theo Sundermeiers Entwurf der „interreligiösen Hermeneutik“ und analysiert dessen Potenzial für die religionspädagogische Praxis in einer multikulturellen Gesellschaft. Ziel ist es, Möglichkeiten für interreligiöses Verstehen aufzuzeigen und zu prüfen, wie Lernkonzepte entwickelt werden können, die sowohl Identitätsentwicklung fördern als auch einen respektvollen, konstruktiven Umgang mit dem „Fremden“ ermöglichen.

  • Grundlagen der „interreligiösen Hermeneutik“ nach Theo Sundermeier.
  • Differenzierung zwischen verschiedenen Begegnungsmodellen (Gleichheit, Alterität, Komplementarität, Konvivenz).
  • Methodische Stufen des Verstehensprozesses (Phänomen-, Zeichen-, Symbol- und Relevanzebene).
  • Religionspädagogische Analyse: Chancen und Gefahren im schulischen Kontext.
  • Die Rolle der Identitätsentwicklung und das Konzept der Perspektivenübernahme.

Auszug aus dem Buch

2.1 Voraussetzungen und Begriffsklärungen – „Differenz und Konvivenz“

Jeder Mensch ist durch seine kulturelle Herkunft, seine Schulbildung und Sozialisation in dem Maße geprägt, dass ihm sein bisheriges Wissen in der Begegnung mit dem ganz Anderen zunächst obsolet erscheint. Wenn der eigene Horizont als Schablone angelegt wird, führt die Kommunikation mit dem Fremden ins Leere, denn sie hat kein Verstehen zur Grundlage. Der Terminus „‘Fremder’ wird hier als geographisch und kulturell bestimmter Distinktionsbegriff gebraucht und bezeichnet denjenigen, der von außerhalb des eigenen Wohnraumes und Staates kommt und kulturell anders geprägt ist, also der Ausländer, der zum Gast wird [...].“2 Die Kunst des Verstehens rekurriert traditionellerweise auf die Hermeneutik, wie sie im Gefolge von Schleiermacher und Gadamer ihre Sternstunden hatte. Doch bereits seit den 60er Jahren wurde sie als infertiles Jonglieren mit abstrakten, aus der „Luft“ gegriffenen Interpretamenten diskreditiert, die mit der Realität auf Erden wenig gemein hatte. Denn „die Welt sollte nicht mehr interpretiert, sondern verändert werden,“3 was einer Absage an die klassische Hermeneutik gleichkam. Das Ziel von Gadamers hermeneutischem Zirkel in der Adaption nicht nur eines fremden Textes, sondern auch eines Subjekts, impliziert über die verstehende, schrittweise Annäherung der unterschiedlichen Perspektiven ein Identischwerden beider Positionen in der Verschmelzung ihrer Horizonte. Doch kommt eine Begegnung unter solchen Vorzeichen vielmehr einer überheblichen Vereinnahmung des Gegenübers gleich, die eine respektvolle Begegnung desavouiert. Daher brauchen „wir [...] eine „Differenzhermeneutik , die das Differente verstehen lehrt [...], die praktische Hilfe bietet, die Nähe des Zusammenlebens einzuüben und zugleich die richtige Distanz bewahrt, die die Identität des Fremden respektiert und die uns allen gemeinsame Menschwürde achtet.“4

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs in einer von politischer Instabilität und religiöser Pluralität geprägten Welt und leitet die Untersuchung des Modells der „interreligiösen Hermeneutik“ für den Religionsunterricht ein.

2. Darstellung von Theo Sundermeiers Entwurf der “interreligiösen Hermeneutik”: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Entwurfs referiert, wobei insbesondere der Begriff der Konvivenz sowie die verschiedenen Begegnungsmodelle und die vier Stufen des hermeneutischen Verstehensprozesses erläutert werden.

3. Analyse aus religionspädagogischer Perspektive: Dieses Hauptkapitel untersucht die Anwendbarkeit des Modells im Unterricht, reflektiert Chancen und Gefahren, diskutiert den Bezug zur Identitätsentwicklung und nutzt die Figur Jesu als christliches Leitbild für Konvivenz.

4. Perspektivenwechsel im Sinne der “interreligiösen Hermeneutik”: Das Kapitel konkretisiert die geforderte Perspektivenübernahme unter Rückgriff auf das Modell der „inneren Teammitglieder“ von Schulz von Thun als methodisches Werkzeug für den Lernprozess.

5. Konklusion: Das Fazit resümiert die gewonnenen Einsichten, betont die Relevanz der Konvivenz als pädagogisches Ziel und benennt noch offene Desiderate für die weitere Entwicklung von Unterrichtsmaterialien und Schulformen.

6. Bibliographie: Das Verzeichnis listet die für die Arbeit herangezogene Fachliteratur und Quellen auf.

Schlüsselwörter

Interreligiöse Hermeneutik, Konvivenz, Differenz, Religionspädagogik, interreligiöses Lernen, Identitätsentwicklung, Perspektivenwechsel, Dialog, Weltreligionen, christliche Perspektive, Fremdheitserfahrung, pädagogisches Handeln, religiöse Bildung, Ethik, interkulturelle Hermeneutik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der „interreligiösen Hermeneutik“ nach Theo Sundermeier und analysiert, wie dieses theoretische Modell in einen modernen, lebensweltlich orientierten Religionsunterricht integriert werden kann, um interreligiöses Verstehen zu fördern.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zu den zentralen Themen gehören die Bedeutung des Konvivenz-Begriffs, der Prozess des interreligiösen Verstehens, die Herausforderungen der Identitätsbildung im Jugendalter sowie die christlich-theologische Fundierung von Offenheit und Respekt.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, zu erörtern, unter welchen Bedingungen und mit welchen methodischen Schritten der religionspädagogische Unterricht Lernende dazu befähigen kann, fremde Religionen authentisch zu verstehen, ohne dabei die eigene Identität zu verlieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine darstellende und analysierende Methode, indem sie zunächst Sundermeiers Entwurf systematisch referiert und diesen anschließend religionspädagogisch durch eine kritische Prüfung auf seine Anwendbarkeit im schulischen Kontext hin untersucht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil wird analysiert, wie die „interreligiösen Hermeneutik“ methodisch in die Stufen der Phänomen-, Zeichen-, Symbol- und Relevanzebene im Religionsunterricht übertragen werden kann, wobei auch Probleme wie die Gefahr der Identitätskonfusion diskutiert werden.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Konvivenz, Differenz, Perspektivenwechsel, Identitätsentwicklung und interreligiöse Lernkonzepte charakterisiert.

Welche Rolle spielt die „Konvivenz“ bei Sundermeier?

Konvivenz bildet bei Sundermeier den Rahmen und die Voraussetzung für jeden Dialog. Es bezeichnet einen Freiheitsraum des Zusammenlebens, in dem sich Menschen unterschiedlicher Herkunft begegnen, einander helfen und voneinander lernen, ohne dass dabei eine Seite die andere vereinnahmt.

Warum wird das „innere Team“ von Schulz von Thun herangezogen?

Das Modell wird herangezogen, um den komplexen Prozess der Perspektivenübernahme methodisch zu konkretisieren. Durch die Rollen von Perspektivenunterscheider, Wachpolizist, Schlussfolgerer, Kontrolleur und Umsetzer wird der mentale Lernprozess im interreligiösen Dialog für Schüler nachvollziehbar gemacht.

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Details

Title
Zu: Theo Sundermeiers „Interreligiöse Hermeneutik“
Subtitle
Darstellung und Analyse aus religionspädagogischer Perspektive
College
University of Tubingen  (Evang.-theolog. Seminar)
Course
Dem Fremden begegnen – nicht-christliche Religionen und religiöse Bewegungen als Thema des Religionsunterrichts
Grade
1,5
Author
Anita Glunz (Author)
Publication Year
2005
Pages
28
Catalog Number
V46608
ISBN (eBook)
9783638437585
ISBN (Book)
9783638658904
Language
German
Tags
Theo Sundermeiers Hermeneutik“ Fremden Religionen Bewegungen Thema Religionsunterrichts
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anita Glunz (Author), 2005, Zu: Theo Sundermeiers „Interreligiöse Hermeneutik“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46608
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