Die Einführung der Abrufarbeit im Krankenhaus - Das flexible Arbeitszeitmodell - Der Weg aus der Misere


Hausarbeit, 2005

15 Seiten, Note: 1,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Abrufarbeit
2.1 Die Arbeitssituation im Bereich der stationären Pflege im Krankenhaus
2.2 Einsparungen im Krankenhaus
2.3 „Saisonbedingter Arbeitsanfall“
2.4 Das im Jahr 2004 neu eingeführte Krankenpflegegesetz

3. Flexibles Arbeitszeitmodell – der Weg aus der Misere?
3.1 KAPOVAZ oder Abrufarbeit
3.2 Vorteile der Abrufarbeit
3.3 Nachteile der Abrufarbeit

4. Übertrag der Abrufarbeit auf das St. Josefskrankenhaus Heidelberg
4.1 Abrufarbeit auch im Krankenhaus
4.2 Eine Theorie wird in die Praxis umgesetzt
4.3 Schritte zur Einführung der Abrufarbeit

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

7. Eidesstattliche Erklärung

1. Einleitung

Momentan herrscht im Gesundheitswesen eine große Umbruchstimmung. Überall muss eingespart werden, die Gelder werden knapp. Die Krankenkassenbeiträge steigen, die Patienten werden zur Eigeninitiative aufgerufen. Sie sollen außerhalb der normalen Krankenkassenbeiträge privat Leistungen und Zuzahlungen übernehmen. Und trotzdem reicht das Geld nicht, um die immer älter und somit gesundheitlich auffälliger werdenden Menschen zu behandeln. Es muss gespart werden. Die Krankenhäuser bleiben davon auch nicht verschont.

Die neue Gesundheitsreform erfordert somit nicht nur drastische Einsparungen, sondern sie verändert auch die Krankenhausfinanzierung. Durch das im Jahr 2007 in Kraft tretende DRG-Abrechnungssystem, in dem leistungsgerecht bezahlt wird, sind die Krankenhäuser momentan sehr verunsichert. Die Krankenhäuser versuchen alles, um durch wirtschaftlicheres Arbeiten mehr Geld einzusparen. Gleichzeitig soll jedoch mehr Leistung erbracht werden. Die Patienten werden hingegen immer anspruchsvoller, verlangen Qualität und setzten immer mehr Leistungen voraus. Sie entwickeln ein Kundenverhalten. Dementsprechend sollte ein Krankenhaus nicht mehr nur als eine „soziale Einrichtung“, sondern als ein Dienstleistungsunternehmen betrachtet werden.

Um den veränderten Anforderungen und dem Einsparungsprozess eines Krankenhauses gerecht zu werden, muss ein solches Unternehmen sich den Veränderungen stellen. Jedes Krankenhaus muss veraltete Strukturen überdenken und durch zeitgemäße ersetzen. Die Krankenhäuser haben damit jedoch große Probleme, da die Führungskonzepte sehr festgefahren sind. Neue Konzepte und Lernprozesse werden nicht akzeptiert und können nur schwer umgesetzt werden.

Um jedoch ein Krankenhaus in Zukunft als wirtschaftlich rentables Unternehmen führen zu können, müssen diese zu lernenden und offenen Organisationen werden. Dazu gehört nicht nur, das die Leistungen den neuen Anforderungen angepasst werden, sondern auch, dass das Personal bedarfsgerecht eingesetzt wird.

Die Personalkosten werden im Bereich „Pflege“ mit etwa 70 Prozent der Gesamtkosten beziffert (Lütkefent-2003-Seite 9). Dies verdeutlicht den großen Stellenwert des Krankenpflegepersonals. Es verdeutlicht aber auch, das mit dem sinnvollen Einsatz des Pflegepersonals eine rentablere Wirtschaftlichkeit zu erreichen ist.

In meiner Hausarbeit möchte ich meine Gedanken über den bedarfs- und kapazitätsorientierten Einsatz von Mitarbeitern aufzeigen. Des weiteren werde ich detailliert die Notwendigkeit dieser Veränderungen darstellen. Ebenso werde ich darauf eingehen, wie die jetzige Situation in meinem Arbeitsfeld, dem St. Josefskrankenhaus in Heidelberg, ist und meine Ideen auf das St. Josefskrankenhaus übertragen. Ich beziehe auch arbeitsrechtliche und tarifrechtliche Hintergründe mit ein. Ebenso zeige ich die Vor- und Nachteile der Abrufarbeit für den Mitarbeiter wie auch das Unternehmen auf.

Am Ende meiner Arbeit möchte ich meine Überlegungen nochmals zusammenfassen und auf die Schwierigkeiten bei der Einführung des neuen Arbeitszeitmodells eingehen.

2. Abrufarbeit

2.1 Die Arbeitssituation im Bereich der stationären Pflege im Krankenhaus

Die Arbeitssituation im stationären Pflegebereich wird immer schwieriger. Es herrscht ein großer Druck, dem die Mitarbeiter ausgesetzt sind. Dieser Druck ergibt sich aus folgenden Aspekten:

Der Arbeitsaufwand wird durch genauere und detailliertere Dokumentation größer. Eine umfassende Dokumentation und eine genaue Erfassung des Pflegeprozesses erfordern ein hohes Zeitaufkommen. Nur anhand einer genauen und lückenlosen Dokumentation, die in vielen Punkten kongruent sein muss, kann in Zukunft die Qualität der Pflegeleistung nachgewiesen werden. Von den Pflegekräften wird immer mehr „Schreibarbeit“ gefordert.

Die Krankenhäuser müssen sich immer mehr zu Dienstleistungsunternehmen entwickeln. Ein Krankenhaus muss in Zukunft kundenorientiert und wirtschaftlich arbeiten. Die Ansprüche der Patienten/Kunden steigen. Die Patienten entwickeln durch die von ihnen selbst erbrachten Zuzahlungen ein Kundenverhalten. Das ist durchaus legitim, jedoch ergibt sich daraus für die Pflegekräfte wiederum erneute und zusätzliche Arbeit. Die Wünsche und Bedürfnisse des Patienten müssen schon bei der Aufnahme mit ihm abgeklärt werden. Denn Kundenorientierung und Kundenzufriedenheit muss in der Zukunft eines Unternehmens an vorderster Stelle stehen. Durch die zum Teil noch veralteten Vorstellungen einer „sozialen Institution“ wird dieses Umdenken in den Krankenhäusern erschwert. Nicht nur die Patienten haben noch diese veralteten Vorstellungen, auch bei vielen Pflegekräften trifft man noch auf diese Einstellung. Um langfristig die Existenz des Unternehmens zu sichern, muss hier ein Umdenken erfolgen.

Darüber hinaus verkürzt sich die Liegezeit der Patienten. Die mittlere Verweildauer der jeweiligen DRG ergibt die optimale Liegezeit. Die Patienten werden somit schneller entlassen und auf den Stationen herrscht ein immer größer werdender Durchfluss der Patienten. Durch die kürzere Liegezeit ergibt sich aber auch ein erhöhtes Arbeitsaufkommen. Der Patient muss in kürzerer Zeit seine Behandlung und Untersuchungen erhalten. Diese Reduzierung bedeutet ein erhöhtes Pflegeaufkommen. Durch die Verkürzung der Liegezeit kommt es natürlich auch zu einer Erhöhung der Fälle. Das heißt, dass pro Jahr mehr Patienten behandelt werden. Dies führt ebenfalls zu einer Mehrbelastung des Pflegepersonals.

Durch die steigende Konkurrenz der umliegenden Krankenhäuser kommt es zu einem immer größer werdenden Leistungsangebot. Ein großes Leistungsangebot macht ein Krankenhaus attraktiv. Die Krankenhäuser müssen immer mehr Leistungen ambulant anbieten, um den Krankenkassen, den Leistungen der Konkurrenz und den Bedürfnissen des Patienten gerecht zu werden. Durch die vielen angebotenen ambulanten Leistungen liegen auf den Stationen immer mehr schwer kranke Patienten. Die Patienten werden immer älter und die chronischen Erkrankungen nehmen immer mehr zu. Diese Patienten haben ein großes Pflegebedürfnis. Solche Patienten zu pflegen und zu betreuen erfordert ein hohes Maß an Zeit für die examinierten Pflegekräfte. Die Pflege von schwer kranken Patienten kann auch nicht von „Hilfskräften“ übernommen werden. Sie besitzen nicht die fachliche Qualifikation, um die Bedürfnisse dieser Patienten zu erkennen.

Durch all diese hier aufgeführten Aspekte ergibt sich ein sehr hoher Druck und ein hohes Spannungsverhältnis in der Pflege im stationären Bereich. Dieser Belastung können die Mitarbeiter auf Dauer nicht Stand halten. Sie werden krank und fallen auf lange Sicht aus. Somit verschärft sich die Situation noch mehr. Auch die Qualität der Pflege kann unter all diesen Aspekten nicht gewährleistet werden. Es muss eine Möglichkeit gefunden werden diesen Druck auf die Mitarbeiter etwas zu verringern.

2.2 Einsparungen im Krankenhaus

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, muss ein Krankenhaus in Zukunft Geld einsparen. Etwa 70% der Gesamtkosten eines Krankenhauses muss für das Pflegepersonal veranschlagt werden. Woran kann also ein Krankenhaus am sinnvollsten und effektivsten einsparen? Natürlich am Pflegepersonal. Freigewordene Stellen werden lange Zeit frei gehalten oder gar nicht mehr besetzt. Ersatz für Langzeitkranke und Beansprucher der Elternzeit wird nicht gesucht. Die Stellen bleiben frei und müssen somit von anderen Mitarbeitern kompensiert werden. Außerdem werden zum Großteil nur noch Zeitverträge angeboten. Meistens nur Jahresverträge. Der nach der PPR errechnete Stellenschlüssel einer Station gilt schon lange nicht mehr. Und das nicht, weil die Patienten weniger Pflege benötigen, sondern weil Gelder eingespart werden müssen. Der Druck auf das Personal steigt weiterhin an. Der Arbeitsanfall ist mit dem vorhandenen Personal kaum noch zu bewältigen. Es muss sich etwas ändern!

2.3 „Saisonbedingter Arbeitsanfall “

Unter „saisonbedingter Arbeitsanfall“ verstehe ich folgendes:

Wie die nachfolgende Grafik verdeutlichen soll, ist über die letzten 3 Jahren im St. Josefskrankenhaus in Heidelberg festzustellen, dass die Belegungszahlen sehr schwanken. Eine Abteilung ist nicht immer voll belegt. Es gibt Monate in denen keine Betten mehr frei sind und sogar auf „Flurbetten“ zurückgegriffen werden muss. Aber es gibt auch Monate, in denen die Bettenauslastung sehr gering ist. Diese Schwankungen zeigen eine gleichbleibende Wiederkehr. Am Anfang eines Jahres, also in den ersten vier Monaten, ist die Belegung ausgezeichnet. Dann zwischen Ostern und Pfingsten geht sie wieder zurück. Über die Sommermonate ist eine ungefähr gleiche Bettenauslastung in allen 3 Jahren zu verzeichnen. Ende des Jahres, vor allem natürlich um die Weihnachtszeit und um den Jahreswechsel, ist die Bettenauslastung geringer.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In den letzten 3 Jahren hat sich also gezeigt, dass die Bettenauslastung am Anfang eines Jahres sehr groß war. Zu solchen „Spitzenzeiten“ ist der Arbeitsaufwand für die Mitarbeiter kaum noch zu bewältigen. Sie sind völlig überlastet. Überstunden müssen geleistet werden. Im Gegensatz dazu gibt es wieder „ruhige Zeiten“, in denen sich der Mitarbeiter „erholen“ kann. Doch so einfach ist das nicht. Eine stressige Zeit voller großer Belastung zehrt sehr an den Kräften der Mitarbeiter. Sie sind ausgelaugt und werden unmotiviert. Ein hohes Qualitätsniveau ist aber nur mit motivierten und engagierten Mitarbeitern zu erreichen. Die „ruhigen Zeiten“ müssen dann auch dafür verwendet werden, die im ersten Jahresviertel erworbenen Überstunden wieder abzubauen. In diesen Monaten zeigt sich zwar eine geringere Bettenauslastung, aber da ja viele im „Frei“ sind, bleibt die Belastung für den Mitarbeiter nahezu gleich. Sie können sich zwar in den freien Tagen, in denen sie die Überstunden abbauen, etwas erholen und ihre sozialen Kontakte pflegen, bei der Arbeit hingegen herrscht jedoch der gleiche Stress und Druck.

In den Herbstmonaten sind laut der graphischen Darstellung die Betten nicht voll ausgelastet, jedoch ist hier festzustellen, dass ab Mitte September sehr wenig Schüler auf den Stationen eingesetzt sind. Die Examensschüler haben Prüfung und die Erst- und Zweitkursschüler sind in den Außeneinsätzen. Somit müssen in dieser Zeit auf den Stationen auch wieder sehr viel Dienste durch das Stammpersonal abgedeckt werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Einführung der Abrufarbeit im Krankenhaus - Das flexible Arbeitszeitmodell - Der Weg aus der Misere
Veranstaltung
Weiterbildung zur Leitung des Pflegedienstes einer Station/Einheit im Krankenhaus
Note
1,2
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V46687
ISBN (eBook)
9783638438285
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand
Schlagworte
Einführung, Abrufarbeit, Krankenhaus, Arbeitszeitmodell, Misere, Weiterbildung, Leitung, Pflegedienstes, Station/Einheit
Arbeit zitieren
Sabine Steinacker (Autor), 2005, Die Einführung der Abrufarbeit im Krankenhaus - Das flexible Arbeitszeitmodell - Der Weg aus der Misere, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46687

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