Geschichte der olympischen Spiele: Mythen und Historie


Hausarbeit, 2005

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Ort und Ursprung der Olympischen Spiele

3. Ursachen und Bewertung der Legendenbildung

4. Gründungslegenden und Mythologie
4.1 Pelops und Oinomaos
4.2 Herakles

5. Das Orakel des Zeus Olympos und die Spiele

6. Abschluss

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Man ist es gewohnt, Olympia untrennbar mit den Begriffen Sport und Wettkampf verknüpft zu sehen. Dass dies zweifellos nicht unberechtigt geschieht, bezeugen zahlreiche vor allem archäologische und schriftliche Quellen. Das Olympia der Antike kam tatsächlich durch den Sport erst zu seiner eigentlichen Popularität und wurde durch ihn zu einem der bekanntesten panhellenischen Wettkampfplätze.[1]

Insbesondere die Beschäftigung mit der griechischen Mythologie gibt Aufschluss über die Bedeutung, die dem Sport gerade im Zusammenhang mit Olympia zugemessen wurde: Nicht selten wurde er in zahlreichen Legenden in die historischen Ursprünge des Ortes und seines Heiligtums zurückprojiziert und nahm bei dessen Gründung gewissermaßen konstitutiven Charakter an. Auch die Frage, ob mit der Errichtung des Kultplatzes in Olympia von Anfang an ein Platz geschaffen wurde, der allen Griechen gemeinsam gehören sollte, wurde von antiken Autoren häufig positiv beantwortet[2] und findet auch heute ihren Niederschlag in den Idealvorstellungen vieler Menschen.

Bei einer genaueren Untersuchung der tatsächlichen Ursprünge des Heiligtums und seiner Entwicklung zum bevorzugten Wettkampfort stellt sich jedoch heraus, dass viele dieser allgemein üblichen Vorstellungen nicht der historischen Wirklichkeit entsprechen und dementsprechend sorgfältig hinterfragt werden müssen.

In der vorliegenden Arbeit soll ein besonderer Schwerpunkt auf die historischen Hintergründe der Gründung des Kultplatzes in Olympia gelegt und auf der Grundlage historischer Quellenliteratur sowie unter Einbezug der zu diesem Thema recht umfangreichen Forschungsliteratur die Umstände aufgezeigt werden, die ihn möglicherweise zur berühmten und allen Griechen bekannten Zentrale des Wettkampfs machten. Anhand einiger Beispiele gilt es herauszuarbeiten, welche besondere Rolle der Mythologie in diesem Zusammenhang zukam.

Es ist allerdings zu beachten, dass „moderne Erklärungsversuche mit ihren religionswissenschaftlichen, ethnologischen, psychologischen und archäologischen Argumenten, mit ihren Methoden der philologisch-historischen Quellen- und Mythenkritik sowie ihren komparatistischen Möglichkeiten“ genauso wenig wie naive Mythengläubigkeit zuverlässige Antwort auf die Ursprungsfrage geben und deshalb nicht als absolut gelten können.[3]

2. Ort und Ursprung

Dort, wo der Gebirgsfluss Kladeos im Nordwesten der Peloponnes in den breiten Fluss Alpheios mündet, liegt Olympia, am Fuße des Berges Kronos, der wohl ältesten Stätte der Gottesverehrung dieses Ortes. Es ist eine fruchtbare von den sie umgebenden Gebirgszügen Achaias und Arkadiens geschützte Ebene mit bewaldeten Talmulden und Hügelketten. Durch die gute Bewässerung begünstigt, erfreut sich die Landschaft einer üppigen Vegetation: Fichten, Platanen, Ölbäume, Weißpappeln und Palmen säumen sowohl das Flachland als auch die Hügel. Im Tal wachsen Öl, Wein, Getreide und Gartenfrüchte. Es ist eine „liebliche Landschaft“, die „in einen grünenden und blühenden Hain hochwipflicher Bäume und duftender Büsche“ eingebettet liegt.[4]

Angesichts einer solchen Attraktivität, die im Altertum wohl noch üppiger und unberührter gewesen sein dürfte als sie heute ist, verwundert es nicht, dass gerade hier im Laufe der Zeit ein Heiligtum von nicht geringer Bedeutung für die gesamte griechische Welt der Antike entstand. Strabon schreibt über diese Gegend:

Der Alpehios, nachdem er den Ladon, den Erymanthos und andere unbedeutendere Flüsse in sich aufgenommen hat, läuft durch die Phrixa, die Pisatis und Triphylien unmittelbar an Olympia vorbei zum Silzilischen Meer und mündet zwischen Phea und Epitalion. An seiner Mündung liegt der Hain der Alpheionischen oder Alpheiusischen Artemis, […] der von Olympia gegen achtzig Stadien entfernt ist. Dieser Göttin zu Ehren wird auch in Olympia alljährlich ein Fest abgehalten, ebenso wie der Elaphia und der Daphnia. Das ganze Land ist überhaupt voll von Artemis-, Aphrodite- und Nymphen-Heiligtümern, die infolge des Was-

serreichtums meist in Hainen von ** liegen.[5]

Die Fruchtbarkeit des Landes, die reichen Ernteerträge, die Bedingungen, welche Landwirtschaft und Viehzucht begünstigten, all das sicherte den Gutsbesitzern und Bauern ihren Lebensunterhalt und verschaffte ihnen darüber hinaus Wohlstand und Reichtum. Ein Verlust dieser Vorzüge würde den Verlust ihrer Lebensgrundlage bedeuten. Auf einem solchen Hintergrund wird es verständlich, dass es vor allem Fruchtbarkeitsgottheiten waren, die in der Gegend von Olympia ursprünglich besondere Verehrung erfuhren, unter ihnen die Erdmutter Gaia, Artemis, Aphrodite und Demeter.[6] Es galt, sie zufrieden zu stellen, um ihre Gunst und damit die Fruchtbarkeit des Landes zu garantieren. Zahlreiche wohl als Votivgaben dienende Miniaturnachbildungen von Tieren aus Bronze und Ton, die in der Gegend von Olympia gefunden worden sind, zeugen von der bäuerlichen Herkunft der Opfernden und bestätigen die Annahme, dass der Kult sich zu Beginn vornehmlich auf die landwirtschaftlichen Gegebenheiten gründete.[7]

Es ist nahe liegend, dass sich die Bewohner schon in der Frühgeschichte Olympias im Alpheiostal versammelten, um Kultfeste abzuhalten, so wie dies wohl auch in anderen Regionen Griechenlands zu Ehren der jeweils verehrten Götter allgemein üblich war. Diese Feste beinhalteten vornehmlich die direkte Kontaktaufnahme zu den Göttern durch Opfer und Gebete, zusätzlich waren jedoch der Genuss von gemeinsamen Mahlzeiten, Tanz, Musik und Sport aller Wahrscheinlichkeit ebenfalls Bestandteil der Feierlichkeiten. Auch das war nichts Ungewöhnliches, sondern ein von jeher selbstverständlicher und akzeptierter Bestandteil der Götterkulte. In diesem Rahmen spielte der sportliche Wettkampf keine übergeordnete Rolle, sondern war nur einer unter mehreren Programmpunkten des Kultfestes. Das war nichts spezifisch Olympisches, denn es fanden in ganz Griechenland überall dort, wo ein Gott Verehrung erfuhr, sportliche Aktivitäten statt, die auch bei Erfolgen durch Siegespreise unterschiedlicher Art entsprechend gewürdigt wurden. Durch die körperliche Ertüchtigung konnte neben den kostbaren gegenständlichen Opfergaben auch die menschliche Kraft und Schönheit den Göttern gewissermaßen als Opfer dargebracht werden.[8]

Der Kultplatz in Olympia war also ursprünglich von rein lokaler Bedeutung, die sich nicht grundlegend von der Bedeutung anderer Orte unterschied. Er entwickelte sich erst später zu dem für alle Griechen so überaus wichtigen Wettkampfplatz. Die Umstände, auf die diese Entwicklung zurückzuführen ist, können nicht einwandfrei benannt werden. Ihre Erforschung wird durch die große Zahl von Gründunglegenden erschwert, die eine scharfe Trennung zwischen Mythos und Wirklichkeit nicht zulässt.

3. Ursachen und Bewertung der Legendenbildung

Die Beschäftigung mit den tatsächlichen, der historischen Wirklichkeit entsprechenden Ursprüngen der Olympischen Spiele führt unweigerlich zu einer verwirrenden Vielzahl von Überlieferungssträngen, die sich einander zum großen Teil widersprechen. Diese Widersprüchlichkeit scheint schon in der Antike bestanden zu haben, denn beispielsweise Pausanias berichtet über mehrere nicht miteinander in Einklang zu bringende Versionen, die ihm wohl von verschiedenen Seiten nahe gebracht worden sind, als er Olympia im 2. Jahrhundert nach Christus einen Besuch abstattete, um sich über die Ursprünge der Spiele zu informieren.[9] Für das Verständnis der Unterschiedlichkeit und teilweise auch Widersprüchlichkeit der einzelnen Legenden gibt u. a. die Betrachtung der politischen Verhältnisse Olympias Aufschluss.

Von jeher war der begehrte Kultplatz im Alpheiostal Gegenstand von Streitigkeiten zwischen den umliegenden Gauen. Man betrachtete ihn selbst in Zeiten großer panhellenischen Bekanntheit durchaus nicht als Gemeingut aller Griechen. Bis etwa in das 6. Jahrhundert vor Christus hinein gehörte Olympia zum Gau Triphylien, einem Teil Arkadiens. So weit man die Quellen zurückverfolgen kann, gab es deshalb permanent Streit mit dem Erzrivalen Elis. Von diesen Auseinandersetzungen berichtet beispielsweise der homerische Held Nestor, Fürst von Pylos, der in dieser Gegend über ausgedehnte Ländereien verfügte, seinen Kameraden im Heerlager vor Troja.[10] Anfangs war es hierbei eher um die fruchtbare Landschaft und den damit verbundenen Wohlstand als um das Heiligtum selbst gegangen. Als es den Eleern im frühen 6. Jahrhundert gelang, ihre Herrschaft über das Alpheiostal und damit auch über den Kultplatz auszuweiten, hatte dieser inzwischen an Bedeutung gewonnen, was sich darin zeigt, dass die Eleer nun als diejenigen galten, die „in die Tradition des Kultplatzes gewaltsam eingegriffen hatten.“[11] Dieser Ruf haftete ihnen noch lange Zeit an.

[...]


[1] Siebler M., Olympia. Ort der Spiele, Ort der Götter, Stuttgart 2004, S. IX.

[2] Sinn U., Olympia. Kult, Sport und Fest in der Antike, München 2002, S. 9.

[3] Ulf, C. – I. Weiler, Der Ursprung der antiken olympischen Spiele in der Forschung. Versuch eines kritischen Kommentars, in, Stadion VI, 1980, S. 2.

[4] Boetticher, A., Olympia. Das Fest und seine Stätte, Berlin 1886, S. 25.

[5] Strab. VIII 3,12.

[6] Erst etwa ab dem 10. Jahrhundert fand der kultische Wandel statt, der Zeus in den Vordergrund rückte und die anderen Götter verdrängte. Dies konnte vor allem auf Grund des Zeusorakels geschehen, von dem noch zu sprechen sein wird. Vgl. Schneider-Ferber, K., Götterdienst und Kriegsorakel. Vom Kult zum Sport in Olympia, in: G/Geschichte – G/Spezial, Olympia-Sonderheft 3, 2004, S. 16 f.

[7] Sinn (2002), S. 16 f.

[8] Harbott, R., Olympia und die Olympischen Spiele von 776 v. Chr. bis heute, Berlin 1935, S. 8 f.

[9] Siebler (2004), S. 129 f.

[10] Hom., Il. XI 670 ff.

[11] Sinn (2002), S. 11.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Geschichte der olympischen Spiele: Mythen und Historie
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Seminar für Alte Geschichte und Epigraphik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V46695
ISBN (eBook)
9783638438353
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Spiele, Mythen, Historie
Arbeit zitieren
Ella Plett (Autor), 2005, Geschichte der olympischen Spiele: Mythen und Historie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46695

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