Folgen des Einsatzes von Herbiziden während des Vietnamkrieges


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vietnam und die Spätfolgen des Krieges durch den Einsatz von Herbiziden – gestern und heute

2. Was sind Entlaubungsmittel?

3. Der militärische Nutzen von Herbiziden

4. Der Herbizideinsatz in Vietnam
4.1 Die Operation Ranch Hand
4.2 Kritik am Herbizideinsatz
4.3 Exkurs: Die Genfer Chemiewaffen-Konvention

5. Die Spätfolgen des Herbizideinsatzes in Vietnam
5.1 Gesundheitliche und soziale Auswirkungen
5.2 Nachhaltige Schädigung der Umwelt

6. Der Einsatz von Entlaubungsmittel heute

7. Quellenverzeichnis
7.1 Zeitungen und Magazine
7.2 Internetquellen

8. Anhang

1. Vietnam und die Spätfolgen des Krieges durch den Einsatz von Herbiziden – gestern und heute

Der Einsatz von Entlaubungsmitteln während des Vietnamkrieges, auch bekannt unter dem Namen “Operation Ranch Hand”, war der erste groß angelegte Einsatz von derartigen Chemikalien in der Geschichte der Kriegführung.

Auch dreißig Jahre nach dem Ende des Vietnamkrieges leiden die ehemals kriegführenden Parteien noch immer an den Auswirkungen dieses verheerenden Militäreinsatzes. Denn der Krieg in Südostasien wurde eben nicht nur mit konventionellen Waffen gefochten, sondern auch mit Chemiewaffen.

Mindestens 72 Millionen Liter hochgiftige Herbizide wurden über dem Süden Vietnams versprüht. Darunter das hochgradig mit Dioxin verseuchte Agent Orange, das wohl bekannteste Entlaubungsmittel aus dieser Zeit. Agent Orange, dieser Begriff steht stellvertretend für die 15 in Vietnam verwendeten Herbizide und war mit Abstand das giftigste Entlaubungsmittel.

Noch heute tötet dieses Dioxin, dass in den Boden des vietnamesischen Dschungels einsickerte. Es sorgt für Fehl- und Mißgeburten und zahlreiche Krankheiten. Doch nicht nur die südvietnamesische Bevölkerung ist davon betroffen. Auch die Soldaten, die an der Operation Ranch Hand teilnahmen, klagen noch heute über ein vielseitig ausgeprägtes Krankheitsbild und fordern Schadenersatz für ihr Leiden.

Der Einsatz von Herbiziden in Kriegen war umstritten. Schon während des Vietnamkrieges häuften sich kritische Stimmen, die das Besprühen verurteilten und den militärischen Nutzen zudem für fragwürdig hielten. Militärisches Kalkül stand ökologischem, ökonomischem und medizinischem Überlegen entgegen. Noch heute ist die Debatte um den Einsatz weiterhin ein Politikum, das sowohl in den USA, als auch in Vietnam die Gemüter der Politik und der Öffentlichkeit zu bewegen vermag.

Im Rahmen dieser Hausarbeit soll gezeigt werden, in welcher Form der Einsatz von Herbiziden während des Vietnamkrieges stattgefunden und welche Auswirkungen er hatte. Darüber hinaus soll auf die heutige Situation in Südvietnam eingegangen werden. Denn die Belastung der Böden, Äcker und Flüsse, des gesamten ökologischen Kreislaufes mit Dioxin, hemmt weiterhin die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Vietnams.

2. Was sind Entlaubungsmittel?

Entlaubungsmittel sind eine chemikalische Unterabteilung der großen Gruppe von Unkrautvernichtungsmitteln, der Herbizide.

Bei den im Vietnamkrieg eingesetzten Herbizide handelt es sich vor allem um Agent Blue, Agent Orange und Agent White.

Diese erhielten ihre Namen durch die blauen, orangefarbenden, beziehungs-weise weißen Banderolen, die um die Fässer mit den Chemikalien gewickelt waren, um diese besser und schneller klassifizieren zu können.

Das am häufigsten verwendete Herbizid war bekannter Maßen Agent Orange, das gut 61 Prozent der verwendeten Entlaubungsmittel ausmachte.[1]

Agent Orange ist eine 50 zu 50 Mischung der beiden Herbizide 2,4-D (2,4-Dichlorphenoxyessigsäurebutylester) und 2,4,5-T (2,4,5-Trichlorphen-oxyessigsäurebutylester).[2] Hierbei handelt es sich um einen in der US-Landwirtschaft alltäglich angewendeten Unkrautvertilger.

Jedoch entsteht bei der Produktion des Herbizides 2,4,5-T als unerwünschtes und unvermeidbares Nebenprodukt Dioxin, genauer 2,3,7,8-Tetrachlorbenzoparadioxin oder kurz TCDD. Aufgrund des großen Bedarfs an Entlaubungsmitteln während des Vietnamkrieges, kam die chemische Industrie kaum mit der Produktion der Herbizide hinterher. Bei dieser übereilten Produktion kam es zu einer verhängnisvollen Pfuscherei und somit zu einer sehr viel größeren Kontamination mit Dioxin. Im Vergleich: Das für die Landwirtschaft vorgesehene Agent Orange enthielt etwa 0,05 ppm (parts per million) an Dioxin, während das für Vietnam vorgesehene 50 ppm enthielt!

Die Verseuchung der vietnamesischen Zielgebiete mit Dioxin lag also um das eintausendfache höher als die der amerikanischen Äcker.

Die zwei anderen häufig verwendeten Entlaubungsmittel waren Agent White, das kein Dioxin und Agent Blue, das ebenfalls kein Dioxin, dafür aber Teile von Arsen enthielt.[3] Die großen Mengen an Herbiziden, die verwendet wurden, um eine rasche und nachhaltige Entlaubung herbeizuführen, lagen bei durchschnittlich 42 Litern pro Hektar.

Dies entspricht gut 32 Kilogramm pro Hektar an aktiver chemischer Substanz. Eine Dosis, die etwa 20 bis 40 Mal höher war, als es für den zivilen Nutzen gängig ist.[4]

Neben Agent Orange, das als universelles Entlaubungsmittel gelten kann, wurde Agent Blue vornehmlich gegen Reis und andere Getreidesorten eingesetzt. 86 Prozent der Entlaubungsmissionen richteten sich gegen Wälder, lediglich 14 Prozent gegen Getreidefelder. Etwa 1,7 Millionen Hektar Land wurden ein- oder mehrmalig besprüht.[5]

3. Der militärische Nutzen von Herbiziden

Das militärische Kalkül, die Ernte des Gegners zu vernichten, ist so alt, wie der Krieg selbst. Der Einsatz von Chemikalien zur Vernichtung von Getreide und zur Entlaubung von Wäldern war somit grundsätzlich nicht neu: Bereits im Ersten Weltkrieg wurden Techniken entwickelt, Herbizide aus der Luft zu versprühen.

Die USA setzten zum Ende des Zweiten Weltkrieges in sehr begrenztem Maße Entlaubungsmittel ein, um den Japanern ihre Deckung im dichten Dschungel der Pazifikinseln zu nehmen. Die chemische Industrie in den USA forschte verstärkt nach einem geeigneten Mittel.

Die Briten verwendeten Ende der 40er Jahre und Anfang der 50er Entlaubungsmittel gegen chinesische Rebellen in Malaysia und auch Israel verwendete während des Yom-Kippur-Krieges 1972 Entlaubungsmittel zur Zerstörung jordanischen Getreides.[6]

Ein Schlüsselelement der us-amerikanischen Kriegführung in Vietnam waren die weit überragende Feuerkraft und der technische Fortschritt der US-Streitkräfte. Ziel sollte es sein, geringere Mannschaftsstärke durch höhere Feuerkraft zu kompensieren.

Der tropische Regenwald Südvietnams bot jedoch sowohl dem Vietcong, als auch den regulären nordvietnamesischen Truppen ein Höchstmaß an Deckung. Geradezu unbeobachtet konnten Truppenteile verlegt und Nachschub herbeigeführt werden.

Der Gegner konnte sich also in ganz besonderer Weise die natürliche Vegetation zunutze machen und besaß dadurch einen enormen taktischen und logistischen Vorteil. Ohne genaue Informationen über feindliche Truppenbewegungen, blieb es den USA vergönnt, ihre überlegene Feuerkraft dem Feind entgegen zu setzen. Der Gedanke, mit Entlaubungsmitteln gegen diese natürliche Deckung des Feindes vorgehen zu wollen, war die logische Konsequenz.[7]

Da mit Herbiziden bisher nur im zivilen Bereich Erfahrungen gemacht wurden, galt es als eine der ersten Aufgaben, den militärischen Nutzen des Einsatzes von Herbiziden zu bestimmen, also heraus zu finden, in wie weit Herbizide als Mittel zur Kriegführung überhaupt taugen.

Im Vordergrund standen dabei die folgenden Ziele:

- Die Entlaubung von Waldgebieten, in denen die Guerillaorganisationen des “Vietcong” und später reguläre nordvietnamesische Truppen operierten, zum Aufdecken feindlicher Einrichtungen, Truppen und Kommunikationslinien sowie der Verminderung der Möglichkeit, Hinterhalte zu legen.
- Entlaubung gegnerischer Militärstützpunkte zur besseren Ortung und Bombardierung aus der Luft.
- Die Vernichtung von Ernten, die für den Nachschub des Gegners wichtig sein könnten.
- Die Entlaubung der Umgebung von US-Militärbasen, um einen offene Sicht für die Wachen zu gewährleisten.[8]

4. Der Herbizideinsatz in Vietnam

4.1 Die Operation Ranch Hand

Im Mai 1961 schickt Präsident John F. Kennedy seinen Vizepräsidenten Lyndon B. Johnson nach Saigon, um dort mit dem südvietnamesischen Präsidenten Diem über amerikanische Militärhilfe zu beraten. Die Strategie der USA gegenüber der sich zuspitzenden Krise in Südvietnam sollte nach der Definition des US-Sicherheitsrates folgende sein:

...to prevent Communist domination of South Vietnam, to create in that country a viable and increasingly democratic society, and to initiate, on an accelerated basis, a series of mutually supporting actions of military, political, economic, psychological and covert character designed to achieve this objective.[9]

[...]


[1] Siehe Westing, Arthur H.; Herbicides in War. The Long-term Ecological and Human Consequences, London/ Philadelphia 1984, S. 5.

[2] Siehe ebda., S. XI.

[3] Siehe Jaeggi, Peter (Hrsg.): Als mein Kind geboren wurde, war ich sehr traurig. Spätfolgen des Chemiewaffeneinsatzes im Vietnamkrieg, 2000, S. 17.

[4] Siehe Westing, a.a.O. S. 5.

[5] Siehe ebda., S. 8.

[6] Vgl. ebda., S. 4 f.

[7] Vgl. Buckingham, William A., Jr.: Operation Ranch Hand. The Air Force and Herbicides in Southeast Asia 1961-1971, Washington D.C., 1982., S. 146.

[8] Siehe Luber, Burkhard: When Trees become the Enemy. Military Use of Defoliants, Hildesheim 1990, S. 3 f.

[9] National Security Action Memorandum No. 52, 11. Mai 1961, in: Buckingham, a.a.O., S. 10.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Folgen des Einsatzes von Herbiziden während des Vietnamkrieges
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut)
Veranstaltung
Umwelt und Sicherheit im 21. Jahrhundert
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
22
Katalognummer
V46730
ISBN (eBook)
9783638438650
ISBN (Buch)
9783638782241
Dateigröße
881 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beleuchtet das bislang wenig untersuchte Thema zum Einsatz von Entlaubungsmitteln während des Vietnamkrieges aber auch deren Einsatz über diesen Krieg hinaus. Schwerpunkt ist der Einsatz von Agent Orange und anderer Entlaubungsmittel während der Kampfhandlungen in Vietnam. Sie bietet einen guten Einstieg in die Thematik und liefert eine Übersicht über die recht spärliche Literatur zum Thema.
Schlagworte
Folgen, Einsatzes, Herbiziden, Vietnamkrieges, Umwelt, Sicherheit, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Andreas von Münchow (Autor:in), 2003, Folgen des Einsatzes von Herbiziden während des Vietnamkrieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46730

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