„To look at the Victorian children’s books still familiar today is in one way misleading but in another way illuminating: the survivors are far from representative of the entire output and come almost invariably from the minority that ignored, bent or broke the rules.“
A Little Princessvon Frances Hodgson Burnett gehört auch zu den Kinderbüchern aus der Viktorianischen Zeit, die heute noch sehr beliebt sind. Die Autorin wird ebenfalls zu denen gezählt, die eher fortschrittliche Ideen vertraten und sich nicht an bestimmte Viktorianische Werte halten wollte. Unter dem Gesichtspunkt „Kolonialismus in der Literatur des 19. Jahrhunderts“ soll in dieser Arbeit zunächst untersucht werden, inwiefern Hodgson Burnett mit ihrer Geschichte tatsächlich aus dem Rahmen des Üblichen fällt, bzw. ob sich nicht doch gewisse Parallelen zu den damals üblichen „Viktorianischen Kinderbüchern“ ergeben.
Weiterhin soll ein Einblick in die Problematik der Definition von Kinderliteratur gegeben werden, die die Frage nach dem Zweck bzw. dem Wert von Kinderliteratur aufwirft. Nachdem eventuelle kolonialistische Elemente in A Little Princess näher analysiert worden sind, soll in diesem Zusammenhang der Frage nach dem Wert bzw. nach einer Neubewertung des Buches nachgegangen werden. Dies soll auch unter dem Gesichtspunkt der Rolle des Kindes als (kritischer) Leser geschehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Geschichte: A Little Princess – Frances Hodgson Burnett
3. Situation der Kinderliteratur in England zur Zeit Hodgson Burnetts
4. A Little Princess im Verhältnis zur übrigen viktorianischen Kinderliteratur
5. Wozu eigentlich Kinderliteratur?
6. Kolonialismus in A Little Princess
7. Zwischen den Zeilen
8. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Kinderbuch "A Little Princess" von Frances Hodgson Burnett im Kontext des Kolonialismus in der Literatur des 19. Jahrhunderts. Ziel ist es, den Status des Werkes innerhalb der damaligen viktorianischen Kinderliteratur kritisch zu beleuchten und zu hinterfragen, ob die Autorin konventionelle Normen bedient oder durch fortschrittliche Ansätze durchbricht, wobei auch die Rolle des Kindes als kritischer Leser in die Analyse einbezogen wird.
- Analyse viktorianischer Kinderliteratur und deren gesellschaftlicher Kontext
- Untersuchung kolonialistischer Elemente in "A Little Princess"
- Diskussion über Zweck und Wert von Kinderliteratur
- Kritische Rezeption von Saras Vorstellungskraft und Rollenverständnis
- Reflexion der Ideologie in Kinderbüchern und der Rolle des kritischen Lesens
Auszug aus dem Buch
6. Kolonialismus in A Little Princess
Was erfährt man über Indien, wenn man A Little Princess liest? Bemerkenswert ist es zunächst, daß an keiner Stelle das Wort „Kolonie“ benutzt wird. Von Anfang an wird einfach nur von „Indien“ gesprochen. Das erste, was über Indien ausgesagt wird, ist, daß das Klima dort für Kinder sehr schlecht sei. Indische „Eingeborene“ werden dem Leser als erstes als „many servants who made salaams“ und in Form einer „ayah“ (vermutlich ein Kindermädchen), die Sara vergöttert, vorgestellt. Später begegnen dem Leser in Saras Erzählungen „seltsame, dunkle Männer“, die Goldminen ausgraben.
Die indische Figur, die man in der Geschichte am besten kennenlernt, ist Ram Dass, der Diener des Freundes von Saras Vater. Sara erkennt ihn als „lascar“, was im Laufe der Geschichte nie näher erklärt wird („lascars“ waren Kolonisierte, die auf britischen Schiffen als Seemänner dienten). Trotz dieses scheinbar seriöseren Hintergrundwissens wird Ram Dass ansonsten eher in Stereotypen vorgestellt: „[...] it was the picturesque white-swathed form and dark-faced, gleaming-eyed, white-turbaned head of a native Indian [...]“, er ist unglücklich, weil weit weg von seiner warmen sonnigen Heimat, er hat „gleaming white teeth“ und „quick native eyes“, er ist ein „agile soft-footed Oriental“, „with as much agility as the monkey himself“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Fragestellung vor, inwiefern Hodgson Burnetts Werk von den viktorianischen Konventionen abweicht und welche Rolle kolonialistische Elemente sowie der Wert von Kinderliteratur dabei spielen.
2. Die Geschichte: A Little Princess – Frances Hodgson Burnett: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Entstehungsgeschichte des Buches, von der ersten Fassung als Fortsetzungsgeschichte bis hin zur bekannten Version von 1905, und fasst die Handlung kurz zusammen.
3. Situation der Kinderliteratur in England zur Zeit Hodgson Burnetts: Es wird das literarische Umfeld beleuchtet, das durch Abenteuerlust in den Kolonien und gleichzeitig durch strenge, an Mädchen gerichtete Erziehungswerte geprägt war.
4. A Little Princess im Verhältnis zur übrigen viktorianischen Kinderliteratur: Hier wird untersucht, wie sich das Werk in das Grundschema damaliger Abenteuergeschichten einfügt und wo die Autorin durch ihre modernere Haltung davon abweicht.
5. Wozu eigentlich Kinderliteratur?: Das Kapitel diskutiert die umstrittene Frage nach dem didaktischen Zweck von Kinderliteratur, der Konstruktion des "Kindes" als Leser und der Ideologie, die Literatur zwangsläufig innehat.
6. Kolonialismus in A Little Princess: Es erfolgt eine kritische Analyse der Indien-Darstellung, der Verwendung von Stereotypen bei indischen Figuren und der Abgrenzung zu britischen Gentleman-Idealen im Roman.
7. Zwischen den Zeilen: Dieser Abschnitt thematisiert die psychologische Wirkung der Geschichte auf Kinder und diskutiert eine kritische Interpretation der Rolle von Saras Vorstellungskraft.
8. Fazit: Das Fazit resümiert, dass das kritische Lesen eines Werkes wie "A Little Princess" dazu beiträgt, subtile kolonialistische Ideologien zu erkennen, ohne dass das Buch dadurch an literarischem Wert verliert.
Schlüsselwörter
Frances Hodgson Burnett, A Little Princess, viktorianische Kinderliteratur, Kolonialismus, Ideologie, Kinderbuch, Mädchenliteratur, literarische Analyse, Indien, Stereotype, Erziehung, Moral, kritisches Lesen, Vorstellungskraft, viktorianische Werte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das bekannte Kinderbuch "A Little Princess" von Frances Hodgson Burnett unter dem speziellen Fokus des Kolonialismus in der Literatur des 19. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die viktorianische Kinderliteratur, der Einfluss von kolonialen Strukturen auf die Erzählung, die Debatte um die Definition und den Zweck von Kinderliteratur sowie die psychologische Ebene der Hauptfigur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Autorin untersucht, ob Hodgson Burnetts Geschichte den damaligen viktorianischen Normen entsprach oder ob sie bereits fortschrittliche und modernere Sichtweisen vermittelte, die über das übliche Maß hinausgingen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text des Werkes in den sozio-kulturellen Kontext des 19. Jahrhunderts stellt und durch die Hinzuziehung zeitgenössischer sowie kritischer Sekundärliteratur fundiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des literaturgeschichtlichen Kontextes, die Analyse kolonialistischer Denkmuster im Buch und eine kritische Auseinandersetzung mit der Rezeption der Hauptfigur Sara Crew.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Kolonialismus, viktorianische Werte, Kinderliteratur, Stereotype, Ideologie und die kritische Lektüre literarischer Texte.
Inwiefern spielt der "Orient" im Werk eine Rolle?
Der Text zeigt, dass Indien in "A Little Princess" mystifiziert wird und oft in die Nähe der "Tausendundeiner Nacht" gerückt wird, was als koloniale Aneignungsstrategie interpretiert wird.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Imagination?
Die Arbeit differenziert zwischen einer positiven Lesart als Überlebensstrategie und einer kritischeren Sichtweise, die aufzeigt, wie Saras Fantasie die Realität verblenden kann.
Was ist das Fazit zur kolonialistischen Ideologie im Buch?
Das Fazit betont, dass das Buch durchaus kolonialistische Denkmuster aufweist, diese durch ein kritisches Lesen des Werkes jedoch für den Leser erkennbar und analysierbar werden, was die Lektüre lehrreich macht.
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- Nadia Cohen (Author), 2001, A Little Princes - Francess Hodgson Burnett, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/46797