Zwischen Ethik und Kommerz. Bekleidungsfertigung in einer globalisierten Welt


Hausarbeit, 2018
12 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

1. Bekleidungsindustrie und Globalisierung

2. Situation in der Bekleidungsbranche
2.1 Baumwollproduktion
2.2 Textilveredelung
2.3 Konfektionierung

3. Wer verdient was?

4. Fazit

III. Literaturverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anbauflache von Baumwolle weltweit nach ausgewahlten Landern

Abbildung 2: Wichtigste Herkunftslander fOr Bekleidungsimporte nach Deutschland nach Einfuhrwert 5

Abbildung 3: PreisaufschiOsselung eines T-Shirts

1. Bekleidungsindustrie und Globalisierung

"Im Jahr 2017 gaben die deutschen Haushalte rund 61,78 Milliarden Euro für Beklei- dung aus."

- Statista

"Durchschnittlich 60 neue Kleidungsstücke

pro Jahr hängen wir Deutsche in unseren Kleiderschrank. Und wir tragen

Kleidung nur halb so lange wie noch vor 15 Jahren."

- Johanna Felde

Kleidungskonsum ist für die Deutschen selbstverständlich. Die Menschen folgen ger- ne den neusten Modetrends und füllen ihre Kleiderschränke mit Kleidern, die sie nicht mal alle tragen. Doch welche Gedanken macht man sich beim Shopping in den Geschäften? Welche Fragen stellt sich der Konsument bei T-Shirt-Preisen für 2,99 €? Der gesunde Menschenverstand sagt direkt, dass solche Preise nicht für faire Ar- beitsbedingungen und Umweltschutz stehen können. Doch in der Textilbranche sind diese Fragen in den Hintergrund gerückt. Man sieht es seiner Kleidung nicht an, wer sie gefertigt hat und durch wie viele Hände sie gelaufen ist. Das Einzige was daran erinnern könnte, sind die bekannten Beschriftungen wie „Made in Bangladesh“, „Made in China“ oder ähnliche auf den Etiketten der Kleidung. Doch was dahinter steckt und welche Produktionsbedingungen und Umweltverschmutzung dies bedeu- tet ist daraus nicht direkt zu erkennen. Was man nicht sieht, kann leichter ignoriert und vergessen werden. Man ist sich selbst auch nicht bewusst, welche Wege für die Herstellung von Textilien bestritten werden müssen, welche Stationen die Kleidung durchläuft und wie viele Kilometer sie zurücklegt, bis sie in den Regalen liegt. Dieser Teil unseres Kleidungskonsums wird verdrängt und das nicht nur auf Seiten der Kon- sumenten, sondern auch auf Seiten der Herstellerfirmen. Doch genau dieses Ver- drängen wirft Fragen auf, wie moralisch oder unmoralisch dieses Verhalten ist und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.1

Diese Arbeit soll daher einen Einblick in die Bekleidungsherstellung geben. Dabei soll es um die Missstände in der intransparenten Lieferkette gehen und darum, woher unsere Kleidung eigentlich kommt und wer wie viel daran verdient.

2. Situation in der Bekleidungsbranche

Bis ein Kleidungsstück bei uns in den Regalen liegt, muss es eine weite Reise auf sich nehmen. Bis die Baumwolle zu einem T-Shirt oder einer Jeans fertiggestellt und dann nach Deutschland exportiert wird, müssen viele Fertigungsschritte durchlaufen werden, die in verschiedenen Ländern durchgeführt werden. Möglich ist diese Welt- reise und die Suche nach den billigsten Produktionsstätten durch die Globalisierung und Vernetzung der Welt. Doch wo befinden sich diese Produktionsstätten?

2.1 Baumwollproduktion

Der Grundstein für ein jedes T-Shirt oder eine jede Jeans stellt die Baumwolle dar. Zur Produktion von Baumwolle sind dabei Sonne und reichlich Wasser essentiell. Daher kommt eigentlich als Erstes der Gedanke, Baumwolle in Ländern mit hohem Regenvorkommen anzubauen. Das Problem liegt allerdings bei der Baumwollernte, denn wenn die Baumwolle geerntet wird und die Baumwollblüten sich voll Wasser saugen, verfaulen diese und sind nicht mehr nutzbar. Daher werden die Baumwoll- produktionen in trockene Länder verlegt und müssen durch den fehlenden Regen künstlich bewässert werden. Doch durch diese künstliche Bewässerung werden für ein Baumwoll-Shirt durchschnittlich 2.700 Liter Wasser verbraucht. Zur Verdeutli- chung: Dies bedeutet, dass für die weltweite Baumwollproduktion genauso viel Was- ser verbraucht wird, wie die Haushalte weltweit verbrauchen.2 Problem ist dabei vor allem, welches Wasser verwendet wird. Am Beispiel des Aralsees in Usbekistan zeigt sich, was passiert, wenn ausschließlich Grundwasser oder Wasser aus Fließgewäs- sern, also „blaues“ Wasser verwendet wird. Denn diese Nutzung hat dazu geführt, dass der Aralsee in den letzten Jahrzehnten über 60% seiner Fläche verloren hat. Anders wird wie Bewässerung zum Beispiel in Indien gewährleistet. Hier wird „grü- nes“ Wasser zur Bewässerung der Baumwollfelder genutzt, das heißt das Nieder- schlagswasser. Allerdings wird in der weltweiten Baumwollproduktion nur die Hälfte des Wasserverbrauchs aus Niederschlagswasser gewonnen. Somit stellt der Was- serverbrauch, der für die Baumwollproduktion aufgewendet wird eine extreme Um- weltbelastung dar.3 Auch die eingesetzten Pestizide, etc. bilden einen Eingriff in das natürliche Gleichgewicht.

Während die empfindliche Baumwolle über sieben Monate heranwächst, ist sie durch viele Gefahren bedroht, die sie schnell zerstören können. Um dies zu verhindern werden Massen an Pestiziden und andere Schädlings- und Unkrautbekämpfern ver- wendet. Nach Aussagen der World Health Organisation kostet dieser unsachgemäße Einsatz jedes Jahr 20.000 Menschen das Leben. Doch nicht nur das - vergiftet wer- den dadurch 3.000.000 Menschen, während 735.000 Menschen chronisch erkran- ken.4

Somit fordert der steigende Textilkonsum nicht nur eine steigende Umweltbelastung sondern gefährdet auch die Menschen. Doch der Bedarf an Textilien steigt stetig an. Auslöser dafür ist neben den Industrienationen der generelle Bevölkerungswachs- tum, der für mehr Nachfrage sorgt. Zudem nimmt die Nachfrage nach Bekleidung auch in den Schwellenländern weiter zu, da dies mit dem wachsenden Wohlstand dieser Länder einhergeht. So wurden im Jahr 2016 über 100 Millionen Tonnen Textil- fasern produziert. Dies bedeutet eine Verdoppelung der Textilproduktion im Vergleich zur Produktion im Jahre 2000.5 Somit werden weltweit in den Schwellen- und Ent- wicklungsländern, wie in Abbildung 1 zu sehen, ca. 25 Millionen Hektar Land mit Baumwolle bepflanzt und bewässert, um dann weiter zum nächsten Produktions- schritt transportiert zu werden und ihre Weltreise zu beginnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anbaufläche von Baumwolle weltweit nach ausgewählten Ländern

Quelle: Statista

2.2 Textilveredelung

Nach Anbau der Baumwolle in Indien, den USA oder anderen Produktionsländern werden diese meist exportiert und zu Stoff versponnen. Dieser Stoff wieder rum wird dann ebenfalls weiter exportiert, um veredelt zu werden. Bei der Veredelung wird es in mehreren Arbeitsschritten ermöglicht, den Stoff zum Beispiel weicher zu machen, ihn einzufärben, zu bedrucken oder knitterfrei zu machen. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, den Stoff nach belieben zu verändern und ihm die gewünschten Ei- genschaften einzuverleiben. Bei dieser Prozedur zum Wunschstoff wird bei einem Kilo Stoff aber bis zu einem Kilo Textilchemie verwendet. In Deutschland sind viele dieser gefährlichen Chemikalien verboten. Daher wird die Textilveredelung zu 90 % in Ländern ausgeführt, in denen die Umweltbestimmungen eher locker gehalten sind und es geringe Umweltauflagen einzuhalten gilt. In Mexiko, Indien oder China bei- spielsweise werden die Abwässer der Produktion meist nur mangelhaft oder gar nicht gereinigt in die Flüsse und die Umwelt abgeleitet. Diese schwer abbaubaren Stoffe belasten damit nicht nur die Umwelt sondern auch die Menschen. Die Flüsse färben sich in den Farben der kommenden Saison und somit ist es nicht verwunderlich, dass ca. 80% der kontrollierten Flüsse verschmutzt sind. Somit trägt die übermäßige und staatlich nicht kontrollierte Textilproduktion dazu bei, dass die Umwelt zerstört wird und in China rund 100 Millionen Menschen kein sauberes Trinkwasser bekom- men. Doch der unkontrollierte Einsatz von Chemikalien bedroht nicht nur die Men- schen vor Ort in den Produktionsländern, sondern auch die Konsumenten. Die Che- mie, die bei der Veredelung zum Einsatz kommt macht bis zu einem Viertel des Ge- wichtes des Kleidungsstücks aus. Diese Stoffe werden vom Konsumenten auf der Haut getragen und gelangen somit in den Körper und beim Waschen der Kleidung auch in das Abwasser.6

Welche Folgen dies für die Umwelt mit sich bringt und wie die Menschen darunter leiden ist fatal. Somit ist dies ein weiterer Schritt in der textilen Wertschöpfungskette, der auf den ersten Blick moralisch verwerflich ist. Denn es ist sicher, dass es ethisch nicht korrekt ist, wenn Betriebe täglich 2.500 kg Chemikalien einsetzten und diese in Grund- und Trinkwasser gelangen. Somit werden nicht nur die Arbeiter sondern auch die Konsumenten gesundheitlichen Risiken ausgesetzt.7

[...]


1 Vgl. Hartmann Evi: Wie viele Sklaven halten Sie? - Über Globalisierung und Moral, S.9f.

2 Vgl. Global2000: Rohstoff Baumwolle und der Baumwollhandel

3 Vgl. Barz Stefanie: Wie wird mein T-Shirt produziert und was ist es wirklich wert?

4 Vgl. Chahboune Marina: Ist Baumwolle = Baumwolle?

5 Vgl. Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft: Mode und Textil, S. 2

6 Vgl. Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft: Mode und Textil, S. 10

7 Vgl. Barz Stefanie: Wie wird mein T-Shirt produziert und was ist es wirklich wert?

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Zwischen Ethik und Kommerz. Bekleidungsfertigung in einer globalisierten Welt
Note
2,0
Jahr
2018
Seiten
12
Katalognummer
V469724
ISBN (eBook)
9783668931749
ISBN (Buch)
9783668931756
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bekleidungsindustrie, Ethik, Kommerz, Bekleidungsfertigung, Bekleidung, Herstellung, Globalisierung, Textil, Umweltverschmutzung, Kinderarbeit
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Zwischen Ethik und Kommerz. Bekleidungsfertigung in einer globalisierten Welt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/469724

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