Emotionale Intelligenz. Notwendige Fähigkeit auf der Führungsebene?


Hausarbeit, 2018
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1. Definition Emotionen
2.2. Definition Intelligenz
2.3. Emotionale Intelligenz

3. Emotionale Intelligenz nach Mayer und Salovey
3.1. Selbststeuerung
3.2. Soziale Kompetenz

4. Notwendigkeit EI bei Führungskräften

5. Erlernbarkeit emotionaler Führungskompetenzen

6. Schlussbetrachtung

Handlungsempfehlungen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der Praxis stehen in vielen Wirtschaftsbereichen und insbesondere auch in den hohen Managementpositionen, so erweckt des zumindest den Eindruck, eher die Hard-Skills und die kognitiven Fähigkeiten im Vordergrund bei der Einstellung. So scheint es wichtiger zu sein einen besonders hohen, qualifizierten Bildungsabschluss mit bestmöglichen Referenzen zu haben als persönliches Engagement und soziale Fähigkeiten. Emotionen werden auf der Führungsetage schnell als Schwäche und Instabilität angesehen. Sollen Führungskräfte doch Macht, Autorität und Stärke in schwierigen Situationen verkörpern. Emotionen scheinen im Berufsleben unerwünscht und fehl am Platz und emotionale Reaktionen erwecken einen unprofessionellen Eindruck (vgl. Blochberger 2010). Doch Emotionen sind breit gefächert. Setzt man die richtigen Emotionen mit der passenden Intensität gezielt ein, können sie einen positiven Einfluss auf Entscheidungen oder Prozesse nehmen, auch im Berufsleben. So kann im Mitarbeitergespräch, bei dem auf mangelnde Leistungen hingewiesen werden soll, das ideale Maß an Empathie positiv zur Zielerreichung beitragen. Doch beim Einsatz von Emotionen bleibt stets zu beachten: „Einfach nur „nett“ sein genügt nicht.“ (Harvard Business Manager 2017)

Es gilt auf jeden Mitarbeiter individuell eingehen zu können, da jeder Mensch andere Verhaltensmuster hat und situativ anders reagiert. Hier stellt sich nun die Frage, ob (angehende) Führungskräfte, die bereits durch kognitive Fähigkeiten überzeugen, auch gleichzeitig durch ihren Umgang mit Emotionen als Führungskraft überzeugen und wenn nicht, ob der Umgang mit Emotionen dann erlernbar ist.

Im Rahmen dieser Hausarbeit sollen einige bedeutende Aspekte der Emotionalen Intelligenz herausgearbeitet werden, um aufzuzeigen, inwiefern Emotionale Intelligenz wichtig für Führungskräfte ist und inwiefern diese erlernbar ist. Nach den Begriffsdefinitionen von Emotion, Intelligenz und Emotionaler Intelligenz folgt eine detailliertere Auseinandersetzung mit der Begriffsdefinition der Emotionaler Intelligenz nach Mayer und Salovey. Nachfolgend wird die Notwendigkeit Emotionaler Intelligenz bei Führungskräften erläutert. Es folgt die Darstellung, ob emotionale Führungskompetenzen erlernbar sind. Abschließend erfolgt eine Schlussbetrachtung zum Thema.

2. Definitionen

Zunächst werden die für diese Hausarbeit wichtigsten Begriffe Emotionen, Intelligenz und Emotionalen Intelligenz kurz definiert und betrachtet.

2.1. Definition Emotionen

„Affekt, Gefühl, psychische Erregung; innere Empfindung, die angenehm oder unangenehm empfunden und mehr oder weniger bewusst erlebt wird, z.B. Freude, Angst, Kummer, Überraschung. Die Emotion ist ein komplexes Muster aus physiologischen Reaktionen (z.B. Steigerung des Blutdrucks), Gefühlen (z.B. Liebe, Wut), kognitiven Prozessen (Interpretation, Erinnerung und Erwartung einer Person) sowie Verhaltensreaktionen (z.B. lachen, weinen).“ (Gabler 2018: Emotion)

Emotionen nehmen großen Einfluss auf das Handeln und Agieren von Menschen, sei es positiv oder negativ. Dies geschieht durch Impulse, die besonderes bei starken Emotionen wie Angst, Wut oder Freude aufkommen. Insbesondere in Gefahrensituationen schützt sich der Körper durch emotionale Reaktionen, bevor kognitive Fähigkeiten zugreifen. Was für einen Affekt oder Impuls eine Emotion auslösen kann, hängt unter anderem von der Persönlichkeit und den eigenen Erfahrungen ab. Ebenso sind die nonverbalen Ausdrücke von Emotionen individuell stark ausgeprägt. So kann es einigen Menschen schwerer fallen beispielsweise Trauer zu zeigen.

An dieser Stelle sei noch kurz der Unterschied zwischen Emotion und Gefühl zu erwähnen, da diese Begriffe oft gleichgesetzt werden. Die Begriffe unterscheiden sich in der Hinsicht, dass Emotionen nicht bewusst wahrgenommen und erlebt werden. Gefühle werden hingegen bewusst vom Menschen erlebt (Klein 2003, 35).

Zusammenhänge zwischen Emotionen und Intelligenz lassen sich bei zwischenmenschlichem Verkehr feststellen. Emotionen werden bewusst so eingesetzt, dass sie den Gegenüber beeinflussen in seinen Entscheidungen und seiner Wahrnehmung. Auch ist es das Verständnis, die Emotionen Anderer korrekt zu deuten und angemessen mit ihnen umzugehen. Diese Fähigkeit wird auch als Emotionale Intelligenz bezeichnet, die im folgenden Abschnitt weiter betrachtet wird.

2.2. Definition Intelligenz

Intelligenz ist „in der Psychologie ein hypothetisches Konstrukt (d.h. eine Erklärung für ein nicht direkt beobachtbares Phänomen), das die erworbenen kognitiven Fähigkeiten und Wissensbestände einer Person bezeichnet, die ihr zu einem gegebenen Zeitpunkt zur Verfügung stehen. Je nach theoretischer Auffassung werden meist verschiedene Formen der Intelligenz unterschieden, z.B. a) fluide (Fähigkeit, Beziehungen zu erfassen und anzuwenden) vs. kristalline (verbale und sprachgebundene Fähigkeiten) Intelligenz, oder b) sieben eigenständige Formen der Intelligenz (Raumvorstellung, Sprachverständnis, Wortflüssigkeit, Rechenfertigkeit, Induktion, Wahrnehmungsgeschwindigkeit und mechanisches Gedächtnis).“ (Gabler 2018: Intelligenz) Synonym werden für Intelligenz auch Begriffe wie Denkvermögen, Gelehrtheit, Intellekt und Klugheit verwendet. (Duden 2018: Intelligenz)

Demnach umfasst Intelligenz unter anderem die Fähigkeit, neue Herausforderungen und Gegebenheiten zu erkennen und mit diesen umzugehen.

Die meist verwendeten Verfahren, mit denen Intelligenz gemessen wird, erfolgen anhand des Intelligenzquotienten (IQ).

Ein hoher Intelligenzquotient oder ein hoher akademischer Abschluss liefern jedoch keinen Aufschluss über die Fähigkeit mit den eigenen Emotionen, oder auch derer anderer umgehen zu können.

Da nun die Begriffe Emotionen und Intelligenz kurz erläutert wurde, folgt die Definition Emotionale Intelligenz, die die bisherigen Begriffe eint.

2.3. Emotionale Intelligenz

Bei der Emotionalen Intelligenz greifen nun die beiden Begriffe Emotionen und Intelligenz ineinander. In der Literatur lassen sich mittlerweile mehrere Forschungsansätze finden, eine der ersten ist jedoch der von Mayer und Salovey:

"Emotional Intelligence includes the ability to engage in sophisticated information processing about one’s own and others’ emotions and the ability to use this information as a guide to thinking and behavior. That is, individuals high in emotional intelligence pay attention to, use, understand, and manage emotions, and these skills serve adaptive functions that potentially bene fi t themselves and others". (Salovey, Mayer, 1993)

Nach Mayer und Salovey gibt es ein Entwicklungsmodell der Emotionalen Intelligenz aus sechzehn Schritten, welches bereits in der Kindheit beginnt und bis ins Erwachsenenalter hineinreicht. Dieses Modell lässt sich in die folgenden vier Überthemen zusammenfassen:

1- Wahrnehmung, Bewertung und Ausdruck von Emotion
2- Assimilation von Emotionen
3- Emotionen verstehen und analysieren
4- Reflektierende Steuerung von Emotionen zur Voranbringung der emotionalen und intellektuellen Entwicklung

Die Emotionale Intelligenz umfasst demnach verschiedene psychologische Fähigkeiten, die sich im Laufe des Lebens aufgrund von Umweltfaktoren unterschiedlich stark ausprägen. Das reine Wissen über das Vorhandensein verschiedener Emotionen und wie diese anzuwenden sind, reicht bei der Emotionalen Intelligenz nicht aus. Es bedarf zusätzlich die Fähigkeit und den Willen diese auch umsetzen zu können und zu wollen. Allerdings ist für diesen Schritt ein gewisses Grundwissen notwendig, um zu wissen, wie mit Emotionen umgegangen werden soll. Ist die Fähigkeit der Emotionalen Intelligenz stärker ausgeprägt, kann dies als Stärke einer Person betrachtet werden. Andererseits hingegen als Schwäche.

Im folgenden Kapitel wird das Modell der Emotionalen Intelligenz nach Mayer und Salovey ausführlicher vorgestellt.

Die Emotionale Intelligenz umfasst in den meisten Theorien fünf Ebenen: Selbstwahrnehmung, Selbststeuerung, Selbstmotivation, Empathie und soziale Kompetenz. In dieser Hausarbeit werden die Fähigkeiten der Selbststeuerung und sozialen Kompetenz kurz beschrieben, da diese für Führungskräfte von besonderer Bedeutung sind.

3. Emotionale Intelligenz nach Mayer und Salovey

Salovey und Mayer gehen in Ihrer Theorie davon aus, dass es neben den kognitiven Informationen im Alltag auch irrationale Informationen gibt, die von jedem Menschen verarbeitet werden müssen. Dabei geht jeder Mensch individuell mit der Verarbeitung von Emotionen um. Ebenso ist auch die Intensität der erlebten und ausgestrahlten Emotionen stark variierend, was sich unterschiedlich auf kognitive Prozesse auswirken kann.

Neben den Emotionen und Gefühlen, die nach Außen ausgestrahlt werden, gibt es auch Emotionen und Gefühle, die durch eigene Gedanken im Inneren durchlebt werden. Diese wirken sich massiv auf die Emotionen aus, die nach außen hin sichtbar sind (Mayer, Salovey, Gomberg-Kaufman & Blainey, 1991). Hierbei werden zwischen restriktiven Gedanken und motivierenden Gedanken entschieden. Bei Ersterem findet eine Ermahnung oder Erinnerung des eigenen Bewusstseins statt. Bei dem zweiten Aspekt wird das eigene Ich durch positives Zureden motiviert und ermutigt.

Salovey und Mayer gehen in ihrer Theorie davon aus, dass es sich bei der Emotionalen Intelligenz um eine Fähigkeit handelt, die von der allgemeinen, kognitiven Intelligenz divers ist.

Salovey und Mayer definieren Emotionale Intelligenz wie folgt: „The subset of social intelligence that involves the ability to monitor one`s own and other`s feelings and emotions, to discriminate among them and to use this information to guide one`s thinking and actions” (Mayer und Salovey 1990, 189).

Demnach geht es bei der Emotionalen Intelligenz nicht nur um die Wahrnehmung der eigenen Emotionen und Gefühle sowie der von anderen, sondern auch um die anschließende Verarbeitung der dadurch gewonnenen Informationen. Durch die Nutzung der gewonnenen Informationen werden die Gedanken und das Handeln beeinflusst.

3.1. Selbststeuerung

Selbststeuerung beschreibt, dass mit positiven, als auch mit negativen Emotionen situativ angemessen umgegangen werden kann. Bei jeglicher Form von Emotionen, auch stark negativer, sollte mit den eigenen Gefühlen umgegangen werden können (vgl. Olesch 1999). Eine Verdrängung der Emotionen ist nicht das Ziel, sondern eher die Botschaft der Emotionen zu verstehen und hieraus eine Handlungsstrategie zu ermitteln. Zumindest in der Hinsicht, wie es einem Menschen möglich ist. Situativ angemessen zu reagieren kann eine Fähigkeit darstellen, die ggf. erlernt werden muss.

Ist die Fähigkeit der Selbststeuerung hinreichend für eine Führungskraft ausgeprägt, gelingt der Umgang mit positiven als auch negativen Emotionen, um damit im Berufsalltag Ziele besser oder leichter zu erreichen (vgl. Theilacker/Sobeck 1999, S. 47-50). Hierfür ist ggfs. langes Training notwendig, um insbesondere den Umgang mit negativen Konfrontationen zu erlernen. Verfügt eine Führungskraft über ein gutes Maß an Selbststeuerung ist dies bereits ein Kennzeichen für emotionale Intelligenz, da auch der Umgang mit schwierigen Emotionen wie Wut und Trauer gelingt. Das Ziel der Selbststeuerung ist die Unterlegenheit der eigenen Emotionen, indem das eigene Ich einen inneren Einfluss nimmt und darauf hinwirkt zunächst ruhig zu bleiben und gezielt mit dem selbst gewählten Maß an Emotion zu reagieren (vgl. Olesch 1999). Ob Selbststeuerung beherrscht wird, lässt sich beispielsweise an Fähigkeiten wie dem Taktgefühl und der Selbstwahrnehmung und -reflexion messen. Personen, die über ein hohes Maß an Selbststeuerung verfügen neigen seltener zu Nervosität, Unsicherheit und Problemlösekonflikten. Ein zu hohes Maß an Selbststeuerung kann jedoch emotionslos wirken und bewirken somit einen gegenteiligen Effekt. Daher ist ein regelmäßiges Training der Selbststeuerung mit Feedbackgesprächen sinnvoll und notwendig.

3.2. Soziale Kompetenz

Die soziale Kompetenz umfasst die Fähigkeit soziale Kontakte zu knüpfen und Beziehungen zu pflegen. Diese Kompetenz ist bei einigen Personen bereits durch eine hohe Kontaktfreudigkeit zu anderen Menschen gut ausgeprägt, anderen fällt es hingegen schwer auf Personen zuzugehen.

Ein angemessener Umgang mit Menschen erfolgt erst durch die Verknüpfung der sozialen Kompetenz mit Empathie (vgl. Krause 2007, 22). Um die eigene soziale Kompetenz weiterzuentwickeln, ist es wichtig die eigenen vorhandenen Kompetenzen richtig einschätzen zu können. Erst dann ist es möglich diese weiter auszubauen. Soziale Kompetenz wird auf der Teamebene, aber auch auf der Führungsebene benötigt. Zudem stellt sie eine der wichtigen Fähigkeiten hinsichtlich des Konfliktmanagements dar.

Liegt soziale Inkompetenz vor, kann nicht von Emotionaler Intelligenz gesprochen werden. Soziale Kompetenz beinhaltet verbale als auch nonverbale Botschaften richtig deuten zu können und angemessen zu reagieren. Verbale Botschaften sind nicht immer gleich mit der nonverbalen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Emotionale Intelligenz. Notwendige Fähigkeit auf der Führungsebene?
Hochschule
Nordakademie Hochschule der Wirtschaft in Elmshorn
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V470024
ISBN (eBook)
9783668935501
Sprache
Deutsch
Schlagworte
emotionale, intelligenz, notwendige, fähigkeit, führungsebene
Arbeit zitieren
Marina Meyer (Autor), 2018, Emotionale Intelligenz. Notwendige Fähigkeit auf der Führungsebene?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/470024

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