In dieser Hausarbeit soll das Wesen der modernen Demokratie in ihrem inneren Kern beleuchtet werden und zwar dahingehend, ob grundlegende Merkmale der Demokratie tatsächlich erfüllt werden oder eben nicht. Demokratie ist dem Wortsinne und der politischen Theorie nach als Herrschaft des Volkes definiert.
Es gibt verschiedene Richtungen. Die repräsentative Demokratie ist eine Variante, die in der Moderne immer häufiger zu finden ist und nach Francis Fukuyama das Ende der politisch systemischen Geschichte darstellt. Demnach hätten sich die extremen Pole des Kommunismus und Nationalismus als nicht zukunftsfähig erwiesen. Der Liberalismus als Ausdruck freier Marktwirtschaft werde sich auf der ganzen Welt durchsetzten. Doch damit können, wie ich in dieser Hausarbeit zeigen
werde, demokratietheoretische Probleme einhergehen.
Nach Hegelscher Philosophie könnte man die Annahmen als Synthese innerer Systemwiedersprüche interpretieren. Erfüllt die repräsentative Demokratie ihre eigenen Postulate in praktischer Politik? Wird die Lebenswirklichkeit der Menschen in
Parlamenten abgebildet oder stehen Abgeordnete eher für die Interessen einer bestimmten Klientel ein, der sie sich vielleicht sogar selbst zugehörig fühlen? Werden die Belange und Wünsche der Mehrheit der Bevölkerung politisch relevant? In wie weit hängt politischer Einfluss vom sozialökonomischen Status, und eng damit verknüpft der Herkunft ab? Letztlich laufen diese Fragen in ihrer Summe auf die Gesamtfrage hinaus, ob wir in Deutschland in einer Demokratie oder vielmehr in einer Plutokratie leben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Theoretische Grundlagen: Demokratie und Plutokratie
2. Responsivität und Repräsentation
3. Soziologie der Partei
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Hausarbeit untersucht, inwiefern die theoretischen Merkmale der modernen Demokratie in der praktischen Politik tatsächlich erfüllt sind oder ob zunehmende sozioökonomische Ungleichheiten, Privatisierung und die Macht von Eliten auf eine Entwicklung hin zur Plutokratie hindeuten.
- Analyse des Spannungsfeldes zwischen Demokratie und Plutokratie in modernen Systemen.
- Untersuchung der Responsivität des Bundestages gegenüber den Interessen unterschiedlicher sozialer Gruppen.
- Betrachtung der Repräsentation und Kandidatenfindung innerhalb politischer Parteien.
- Rolle der Ökonomisierung und des Neoliberalismus bei der Aushöhlung demokratischer Prozesse.
- Anwendung des "ehernen Gesetzes der Oligarchie" nach Robert Michels auf moderne Parteistrukturen.
Auszug aus dem Buch
3. Soziologie der Partei
Die aktivsten Akteure im politischen Prozess sind gemeinhin die Parteien. Sie treten zu Wahlen an, erarbeiten Programme und treten in dies Diskurse ein, die als gesellschaftlich relevant gelten. Mal gelingt ihnen das besser, mal schlechter. Jedenfalls geht aus den Reihen politischer Parteien Machtkonzentration hervor. In Deutschland konzertiert sich diese macht meist auf CDU oder SPD. Die große Koalition gilt aus demokratietheoretischer Sicht als zunehmend problematisch. Die Ränder werden stärker und die ehemaligen Volksparteien verlieren immer mehr an Boden. Macht abzugeben, wenn man sie einmal in Händen hält, scheint schwer zu fallen. So wie finanzielle Macht im Wirtschaftsgeschehen häufig vererbt wird, ist es teils auch bei den Schalthebeln der Politik.
Innerhalb der Parteien läuft die Kandidatenfindung längst nicht so demokratisch, wie man es sich erhoffen könnte. Sozialer Status und Netzwerkstrukturen hängen in hohem Grade vom Elternhaus, von der Herkunft ab. Finanzielle Freiheit ermöglicht ein gänzlich anderes Auftreten, als finanzieller Druck. Es sind die ökonomisch gut situierten Menschen mit hohen Bildungsabschlüssen, die sich überdurchschnittlich häufig in politischen Parteien engagieren und irgendwann in Führungsämter eintreten. Um Führungsämter zu ergreifen, ist nun eine Charakterstärke erforderlich, die selektiv wirkt. Nicht jeder Mensch ist ein guter Redner, nicht jeder verfügt über Netzwerke und finanzielle Ressourcen. Wer sich präsentieren kann, ist im Vorteil und das selbst dann, wenn er oder sie über weniger Kompetenzen verfügt, als andere Kandidaten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Wesen der modernen Demokratie und hinterfragt kritisch, ob grundlegende Merkmale in der Praxis erfüllt werden oder plutokratische Tendenzen überwiegen.
1. Theoretische Grundlagen: Demokratie und Plutokratie: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Demokratie und Plutokratie und untersucht, wie die Machtverteilung und die Interessenvertretung in der Realität der repräsentativen Demokratie funktionieren.
2. Responsivität und Repräsentation: Hier werden die Studien von Armin Schäfer analysiert, um aufzuzeigen, wie das politische System systematisch die Interessen der Reichen bevorzugt und die soziale Ungleichheit politische Prozesse verzerrt.
3. Soziologie der Partei: Unter Einbeziehung des "ehernen Gesetzes der Oligarchie" von Robert Michels wird beleuchtet, wie parteiinterne Machtstrukturen und die Rekrutierung von Eliten eine demokratische Vertretung der breiten Bevölkerung erschweren.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und diskutiert die Gefahr einer zunehmenden Entdemokratisierung durch neoliberal geprägte, ökonomische Interessen.
Schlüsselwörter
Demokratie, Plutokratie, Responsivität, Repräsentation, Soziologie der Partei, Oligarchie, Neoliberalismus, soziale Ungleichheit, politische Partizipation, Lobbyismus, Kapitalakkumulation, Machtverteilung, Bundestagsabgeordnete, Kandidatenfindung, Machtkonzentration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen demokratischen Idealen und einer möglichen plutokratischen Realität in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Responsivität politischer Institutionen, der Repräsentation unterschiedlicher sozialer Schichten und der soziologischen Struktur von Parteien.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet, ob das politische System in Deutschland tatsächlich eine Demokratie darstellt oder eher als eine Plutokratie einzustufen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine politikwissenschaftliche und soziologische Analyse, indem er theoretische Konzepte (z.B. nach Robert Michels) mit aktuellen empirischen Studien (z.B. von Armin Schäfer) verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Demokratie und Plutokratie, der ungleichen politischen Responsivität je nach sozialem Status und der parteiinternen Elitenbildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Demokratie, Plutokratie, Responsivität, soziale Ungleichheit und Oligarchie geprägt.
Welche Rolle spielt die Parteiensoziologie in dieser Arbeit?
Sie dient dazu, aufzuzeigen, wie interne Machtstrukturen in Parteien dazu führen, dass vor allem ökonomisch gut situierte Gruppen politischen Einfluss ausüben.
Warum wird das "eherne Gesetz der Oligarchie" als Referenz herangezogen?
Es erklärt, warum Organisationen – wie politische Parteien – dazu tendieren, trotz demokratischer Basisstrukturen Macht in kleinen Zirkeln zu konzentrieren.
- Arbeit zitieren
- Johannes Renner (Autor:in), 2019, Demokratie oder Plutokratie? Eine Untersuchung zu Responsivität und Repräsentation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/470038