George Lakoff und Mark Johnson postulieren, dass Metaphern nicht lediglich ein rhetorisches Stilmittel mit schmückender Funktion, sondern vielmehr ein fester Bestandteil unserer Alltagssprache seien, da wir in ihnen denken und sie folglich unsere Wahrnehmung und unser Handeln beeinflussen würden. Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen wie überzeugend diese Theorie ist, deren Autor Lakoff von Steven Pinker als der "messiah of metaphor" belächelt wird.
Die kognitiv-linguistische Metapherntheorie Lakoff und Johnsons unterscheidet sich demnach stark von den traditionellen Metapherntheorien, bei denen Metaphern als ein rein sprachliches Phänomen gelten. Eine dieser traditionellen Metaphernauffassungen ist die Substitutionstheorie, die in dieser Arbeit kurz erläutert wird, bevor Lakoff und Johnsons konzeptuelle Metapherntheorie und deren wesentlichen Unterschiede zur letzteren Theorie vorgestellt werden.
Infolgedessen soll erklärt werden, was genau unter einer konzeptuellen Metapher verstanden wird und wie das "mapping", also der Prozess der metaphorischen Verbindung zwischen zwei konzeptuellen Bereichen, die gemeinsam eine konzeptuelle Metapher ausmachen, verläuft. Um dies zu veranschaulichen werden die konzeptuelle Metapher "el amor es un viaje" und die von ihr abgeleiteten metaphorischen Ausdrücke, in denen sich diese sprachlich manifestiert, vorgestellt und erläutert. Als Abschluss des theoretischen Teils werden die drei von Lakoff und Johnson vorgestellten Typen der konzeptuellen Metapher definiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Traditionelle Auffassung von Metaphern: Substitutionstheorie
3. Lakoff und Johnsons kognitiv-konzeptuelle Metapherntheorie
3.1 Konzeptuelle Metaphern und metaphorisches Mapping
3.2 Metaphorische Ausdrücke
3.3 Typologie der konzeptuellen Metaphern
4. Diskussion
4.1 Terminologie
4.2 Anwendbarkeit
5. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die kognitiv-konzeptuelle Metapherntheorie von George Lakoff und Mark Johnson, um zu bewerten, wie überzeugend ihre These ist, dass Metaphern nicht nur rhetorische Stilmittel, sondern grundlegende Bestandteile unseres konzeptuellen Systems sind, die unser Denken und Handeln beeinflussen.
- Grundlagen der traditionellen Substitutionstheorie vs. konzeptuelle Metapherntheorie
- Mechanismen des metaphorischen "Mappings" zwischen Ursprungs- und Zielbereichen
- Differenzierung der Metapherntypen (strukturell, orientierend, ontologisch)
- Kritische Analyse der Terminologie und methodischen Anwendbarkeit
- Empirische Fundierung der Theorie durch linguistische und interdisziplinäre Studien
Auszug aus dem Buch
3.1 Konzeptuelle Metaphern und metaphorisches Mapping
Aus Lakoffs und Johnsons kognitiv-linguistischer Sicht liegt das Wesen der Metapher darin, “[...] to understand and experience one kind of thing in terms of another“ (1980:5). Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass man um über gewisse abstrakte Konzepte wie beispielsweise AMOR, TIEMPO, IDEAS überhaupt reden zu können, zwangsläufig unbewusst Metaphern gebraucht und diese deshalb in jeder Sprache, und vor allem auch unserer Alltagssprache fest verankert seien (Lakoff & Johnson 1980:3; Goschler 2008:22).
Kövecses (2002:4) erläutert, dass eine konzeptuelle Metapher immer aus zwei konzeptuellen Bereichen zusammengesetzt ist: “CONCEPTUAL DOMAIN (A) IS CONCEPTUAL DOMAIN (B) [...]“. Die systematische Verbindung jener konzeptuellen Bereiche wird als “mapping“ bezeichnet und erfolgt laut Lakoff automatisch und unbewusst (1993:202). Im Deutschen lässt sich “mapping“ als der Prozess der metaphorischen Übertragung verstehen (Hager 2013:22). Dabei gilt der konzeptuelle Bereich, der anhand eines anderen konzeptuellen Bereiches beschrieben und verstanden werden soll, als der Zielbereich. Der Zielbereich ist üblicherweise ein abstraktes, nicht-physisches, schwer fassbares Konzept. Der konzeptuelle Bereich hingegen, der konkreter und sinnlich erfahrbar ist und anhand dessen metaphorische Ausdrücke abgeleitet werden um den komplexen Zielbereich fassbarer zu machen, nennt sich Ursprungsbereich (Kövecses 2002:4-6).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Theorie von Lakoff und Johnson ein, stellt die Forschungsfrage und erläutert den Aufbau der Untersuchung sowie die Gegenüberstellung von traditioneller und kognitiver Metapherntheorie.
2. Traditionelle Auffassung von Metaphern: Substitutionstheorie: Dieses Kapitel erläutert das klassische Verständnis der Metapher als rein rhetorisches, ersetzendes Stilmittel, wie es bereits von Aristoteles definiert wurde.
3. Lakoff und Johnsons kognitiv-konzeptuelle Metapherntheorie: Hier werden die Grundannahmen der kognitiven Theorie dargelegt, die Metaphern als strukturgebendes Element menschlichen Denkens begreift.
3.1 Konzeptuelle Metaphern und metaphorisches Mapping: Das Kapitel erklärt den Prozess der kognitiven Verbindung zwischen abstrakten Zielbereichen und konkreten Ursprungsbereichen.
3.2 Metaphorische Ausdrücke: Es wird analysiert, wie sich konzeptuelle Metaphern sprachlich in Alltagsausdrücken manifestieren, illustriert am Beispiel der Metapher "Liebe ist eine Reise".
3.3 Typologie der konzeptuellen Metaphern: Dieses Kapitel klassifiziert Metaphern in die drei Haupttypen: strukturelle, Orientierungs- und ontologische Metaphern.
4. Diskussion: Dieser Teil setzt sich kritisch mit der Theorie auseinander, insbesondere hinsichtlich der wissenschaftlichen Fundierung und Validität.
4.1 Terminologie: Hier wird die vage und teils inkonsistente Verwendung von Kernbegriffen innerhalb der Theorie von Lakoff und Johnson thematisiert.
4.2 Anwendbarkeit: Dieser Abschnitt hinterfragt die methodische Strenge der Theorie und fordert die Einbeziehung empirischer Daten aus anderen Fachdisziplinen.
5. Fazit: Das Fazit resümiert die Erkenntnisse, würdigt den wissenschaftlichen Beitrag der Theorie und gibt einen Ausblick auf notwendige zukünftige Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Konzeptuelle Metapherntheorie, Kognitive Linguistik, Metaphorisches Mapping, Ursprungsbereich, Zielbereich, Substitutionstheorie, Orientierungsmetaphern, Ontologische Metaphern, Strukturelle Metaphern, Sprachphilosophie, Kognition, Alltagsmetapher, Linguistische Daten, Empirische Forschung, Metaphernverstehen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die konzeptuelle Metapherntheorie von George Lakoff und Mark Johnson und stellt sie dem traditionellen Metaphernverständnis gegenüber.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind die kognitive Linguistik, die Rolle von Metaphern bei der Strukturierung des menschlichen Denkens sowie die wissenschaftliche Kritik an diesen Thesen.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage lautet, wie überzeugend die Theorie ist, dass Metaphern einen festen Bestandteil unserer Alltagssprache bilden und unser Denken und Handeln maßgeblich beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Auseinandersetzung mit der Fachliteratur und die Analyse linguistischer Beispiele im Kontext bestehender empirischer Kritik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der konzeptuellen Metapherntheorie, deren Typologie, sowie eine kritische Diskussion zur Terminologie und methodischen Anwendbarkeit der Theorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Konzeptuelle Metapher, Mapping, Kognitive Linguistik, Metapherntypologie, Sprachphilosophie und empirische Validität.
Warum wird die Substitutionstheorie in der Arbeit erläutert?
Sie dient als Kontrastfolie, um die grundlegenden Unterschiede und den Paradigmenwechsel, den Lakoff und Johnson herbeiführten, besser herauszuarbeiten.
Welche spezifische Kritik wird an Lakoff und Johnson geübt?
Kritisiert werden vor allem die vage Terminologie, die zirkuläre Argumentation sowie die Fixierung auf rein sprachliche Daten ohne hinreichende Einbeziehung neuro- oder psycholinguistischer Studien.
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- Anna Vollmer (Author), 2016, In Metaphern Denken. Lakoff und Johnsons konzeptuelle Metapherntheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/470221