In Metaphern Denken. Lakoff und Johnsons konzeptuelle Metapherntheorie


Hausarbeit, 2016
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Traditionelle Auffassung von Metaphem: Substitutionstheorie

3.Lakoffund Johnsons kognitiv-konzeptuelle Metaphemtheorie
3.1 Konzeptuelle Metaphem und metaphorisches Mapping
3.2 Metaphorische Ausdriicke
3.3 Typologie der konzeptuellen Metaphem

4. Diskussion
4.1 Terminologie
4.2 Anwendbarkeit

5. Fazit

Bibliographie

1. Einleitung

In ihrem bahnbrechendem Werk Metaphors We Live By (1980) postulieren der Linguist George Lakoff und der Sprachphilosoph Mark Johnson, dass Metaphern nicht lediglich ein rhetorisches Stilmittel mit schmückender Funktion seien, die wir hauptsächlich in literarischen Texten wiederfinden, sondern vielmehr, dass Metaphern ein fester Bestandteil unserer Alltagssprache seien, da wir in ihnen denken und sie folglich unsere Wahrnehmung und unser Handeln beeinflussen würden. Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen wie überzeugend diese Theorie ist, deren Autor Lakoff von Steven Pinker als der “messiah of metaphor“ belächelt wird (Pinker 2007:245).

Die kognitiv-linguistische Metapherntheorie Lakoff und Johnsons unterscheidet sich demnach stark von den traditionellen Metapherntheorien, bei denen Metaphern als ein rein sprachliches Phänomen gelten. Eine dieser traditionellen Metaphernauffassungen ist die Substitutionstheorie, die in Abschnitt 2 kurz erläutert wird, bevor Lakoff und Johnsons konzeptuelle Metapherntheorie und deren wesentlichen Unterschiede zur letzteren Theorie in Abschnitt 3 vorgestellt werden. Infolgedessen soll erklärt werden, was genau unter einer konzeptuellen Metapher verstanden wird und wie das „mapping“, also der Prozess der metaphorischen Verbindung zwischen zwei konzeptuellen Bereichen, die gemeinsam eine konzeptuelle Metapher ausmachen, verläuft. Um dies zu veranschaulichen werden die konzeptuelle Metapher “EL AMOR ES UN VIAJE“ und die von ihr abgeleiteten metaphorischen Ausdrücke, in denen sich diese sprachlich manifestiert, vorgestellt und erläutert. Als Abschluss des theoretischen Teils werden die drei von Lakoff und Johnson vorgestellten Typen der konzeptuellen Metapher definiert.

Auch wenn die Lakoff und Johnsons Theorie in den letzten Jahrzehnten auf unheimlich viel Anerkennung gestoßen ist, ist sie jedoch mindestens ebenso häufig kritisiert worden. Einige dieser Kritikpunkte sollen in Abschnitt 4 vorgestellt und diskutiert werden. So wird der Theorie z.B. nachgesagt, dass ihre Terminologie zu vage und an einigen Stellen nicht sehr überzeugend sei. Auch ihre Anwendbarkeit wird nicht selten hinterfragt, da die Erkenntnisse meist nur auf linguistischen Daten basieren und dies nicht ausreichend als Beweis für ein metaphorisch strukturiertes konzeptuelles System sei.

Im Fazit werden die Grundannahmen von Lakoff und Johnsons konzeptueller Metapherntheorie und die vorgestellten Kritikpunkte bezüglich dieser Theorie resümiert und abschließend ein kurzer Ausblick auf die zukünftige Forschungsarbeit gegeben.

2. Traditionelle Auffassung von Metaphern: Substitutionstheorie

Der Metaphernbegriff lässt sich bis in die Antike zurückführen. So spricht bereits Aristoteles von der Metapher als einem Phänomen, welches nur in der Poetik und Rhetorik und nicht der Alltagssprache auftreten würde und somit ornamental und überflüssig sei. Er definiert die Metapher als einen Vergleich, der dadurch stattfindet, dass ein bestimmtes Wort durch ein anderes Wort ersetzt wird (Wildgen 2008:65). Hier gilt also die Formel „A ist B“ statt „A ist wie B“ denn der Vergleichspartikel „wie“ wird bei einer Metapher nicht verwendet. Diese Substitution von Wörtern kann stattfinden, weil die Wörter auf einer gewissen Ähnlichkeit beruhen. Aristoteles bringt dafür das folgende Beispiel auf: “Se lanzó el león“ (Bermúdez 2006:25). Dabei meint er nicht einen wahren Löwen, sondern bezieht sich auf den griechischen Held Achilles. Diesem werden bestimmte Eigenschaften eines Löwens zugeschrieben, wie z.B. „mutig“ und „stark“, wodurch die Wortübertragung plausibel erscheint (Bermúdez 2006:25). Demnach gelten Metaphern in der traditionellen Metaphernauffassung der Substitutionstheorie primär als ein stilistisches Mittel, von deren Gebrauch Aristoteles abrät, da sie nicht geeignet für den alltäglichen Sprachgebrauch und schon gar nicht für wissenschaftliche Texte seien, sondern gekünstelt wirken würden und unnötig seien (Wildgen 2008:65).

3. Lakoff und Johnsons kognitiv-konzeptuelle Metapherntheorie

Anders als bei der oben beschriebenen traditionellen Metaphernauffassung, bei der angenommen wird, dass metaphorische Ausdrücke lediglich wörtliche Ausdrücke ersetzen würden und Metaphern somit ein überflüssiges, höchstens ornamentales sprachliches Phänomen seien, behaupten Lakoff und Johnson, dass das konzeptuelle System des Menschen bereits grundlegend metaphorisch sei und metaphorische Ausdrücke aufgrund dessen überhaupt existieren würden (Skirl 2009:58-59; Lakoff & Johnson 1980:6). Dass Metaphern so eine wesentliche Rolle in der Strukturierung des Denkens spielen, hat laut den Wissenschaftlern also zur Folge, dass unsere Wahrnehmung und unser Handeln auch metaphorisch ausgerichtet seien und wir uns anhand der sogenannten konzeptuellen Metaphern orientieren und uns die Welt erschließen würden (Drewer 2003:5). Lakoff und Johnson vertreten also die These, dass die Metapher primär ein konzeptuelles statt sprachliches Phänomen sei und betonen den Unterschied zwischen konzeptuellen Metaphern, welche aufweisen würden, dass unser Denken metaphorisch strukturiert sei, und metaphorischen Ausdrücken, anhand derer sich dieses metaphorisch strukturierte Denken sprachlich manifestieren würde (Rolf 2005:240).

3.1 Konzeptuelle Metaphern und metaphorisches Mapping

Aus Lakoffs und Johnsons kognitiv-linguistischer Sicht liegt das Wesen der Metapher darin, “[...] to understand and experience one kind of thing in terms of another“ (1980:5). Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass man um über gewisse abstrakte Konzepte wie beispielsweise AMOR, TIEMPO, IDEAS überhaupt reden zu können, zwangsläufig unbewusst Metaphern gebraucht und diese deshalb in jeder Sprache, und vor allem auch unserer Alltagssprache fest verankert seien (Lakoff & Johnson 1980:3; Goschler 2008:22).

Kövecses (2002:4) erläutert, dass eine konzeptuelle Metapher immer aus zwei konzeptuellen Bereichen zusammengesetzt ist: “CONCEPTUAL DOMAIN (A) IS CONCEPTUAL DOMAIN (B) [...]“. Die systematische Verbindung jener konzeptuellen Bereiche wird als “mapping“ bezeichnet und erfolgt laut Lakoff automatisch und unbewusst (1993:202). Im Deutschen lässt sich “mapping“ als der Prozess der metaphorischen Übertragung verstehen (Hager 2013:22). Dabei gilt der konzeptuelle Bereich, der anhand eines anderen konzeptuellen Bereiches beschrieben und verstanden werden soll, als der Zielbereich. Der Zielbereich ist üblicherweise ein abstraktes, nicht-physisches, schwer fassbares Konzept. Der konzeptuelle Bereich hingegen, der konkreter und sinnlich erfahrbar ist und anhand dessen metaphorische Ausdrücke abgeleitet werden um den komplexen Zielbereich fassbarer zu machen, nennt sich Ursprungsbereich (Kövecses 2002:4-6). Da unsere Erfahrungen mit der physischen Welt abstrakte Bereiche verständlicher und greifbarer machen, gilt die metaphorische Übertragung als unidirektional, das heißt, der Zielbereich und der Ursprungsbereich lassen sich nicht austauschen. Abstrakte Konzepte werden stets durch Begriffe vom konkreteren Konzept beschrieben und nicht andersrum (Kövecses 2002:6). Metaphorische Ausdrücke, die eine abstrakte Sache beschreiben sollen, gehen also aus der Übertragung von Bestandteilen des konkreten, meist erfahrungsbasierten Ursprungsbereiches (source domain) auf Bestandteile des abstrakten Zielbereiches (target domain) hervor (vgl. Abb.1; Kövecses 2002:7).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Prozesse des metaphorischen Mappings (Quelle: Thu und Van Hoa 2016:48)

Eines der bekanntesten Beispiele für konzeptuelle Metaphern, die von Lakoff und Johnson aufgeführt wurden, ist die konzeptuelle Metapher “EL AMOR ES UN VIAJE“ (Lakoff & Johnson 1980:44). Wenn Menschen über ihr Liebesleben reden, benutzen sie dabei nämlich oftmals Redewendungen oder Begriffe, die eigentlich vielmehr mit dem Konzept Reise zu tun haben. Dies liegt daran, dass AMOR so ein abstraktes Konzept ist, weshalb es oftmals mit dem konkreteren Konzept VIAJE gleichgesetzt wird um jenes erste abstrakte Konzept zugänglicher zu machen. Die metaphorischen Ausdrücke die daher erfolgen, werden also nicht primär benutzt, weil sie vielleicht poetisch klingen mögen, sondern wie oben bereits geschildert, besonders deshalb um solch ein abstraktes Thema wie AMOR durch die konzeptuelle Struktur des konkreteren Konzeptes VIAJE greifbarer und verständlicher zu machen (Skirl 2009:60). In diesem Beispiel agiert das Konzept AMOR also als Zielbereich und das Konzept VIAJE als Ursprungsbereich. Metaphorische Ausdrücke, die auf diese konzeptuelle Metapher zurückführen, werden in 3.2 genannt und erläutert.

3.2 Metaphorische Ausdrücke

Konzeptuelle Metaphern manifestieren sich sprachlich also in metaphorischen Ausdrücken, indem Begriffe oder Ausdrücke des Ursprungbereiches verwendet werden um den abstrakten Zielbereich verständlicher zu machen (Kövecses 2002:5). Die folgenden in Kursivschrift aufgeführten Beispiele für metaphorische Ausdrücke führen alle auf die konzeptuelle Metapher “EL AMOR ES UN VIAJE“ zurück:

(1) Tendremos que emprender caminos separados.
(2) No creo que esta relación vaya a ninguna parte.
(3) ¿ Dónd e estamos?
(4) Esta relación es un callejón sin salida.
(5) Esta relación está yéndose a pique. (Lakoff & Johnson 2004:83)

Dies ist daran zu erkennen, dass all die Ausdrücke in Kursivschrift Elemente aufweisen die sich auf das Konzept VIAJE beziehen. Zwar mögen sich die Arten der Reise unterscheiden – so erinnert (4) beispielsweise an eine Autofahrt und (5) an eine Schifffahrt – doch Fakt ist, dass all diese Ausdrücke mit dem sinnlich erfahrbaren, konkreten Konzept VIAJE zu tun haben (Lakoff & Johnson 1980:45). Auch Beispiel (2) zeigt z.B. auf, dass Menschen oft typische Elemente der Reise mit Beziehungen verbinden, nämlich indem die Partner quasi als “Reisende“ agieren, ihre Beziehung mit einer “Reise“ verglichen werden kann und sie beide ein gewisses “Ziel“ oder eben kein Ziel im Auge haben können. Wenn wir diese Ausdrücke allerdings benutzen, denken wir jedoch natürlich primär an Beziehungen und müssen die Botschaft nicht erst mühevoll entschlüsseln (Kövecses 2002:6-7). Dies spricht für Lakoff und Johnsons These, dass wir metaphorische Ausdrücke die auf konzeptuelle Metaphern basieren, vor allem unbewusst verwenden und interpretieren und sie fest in unserer Alltagssprache verankert sind.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
In Metaphern Denken. Lakoff und Johnsons konzeptuelle Metapherntheorie
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V470221
ISBN (eBook)
9783668944459
ISBN (Buch)
9783668944466
Sprache
Deutsch
Schlagworte
metaphern, denken, lakoff, johnsons, konzeptuelle, metapherntheorie
Arbeit zitieren
Anna Vollmer (Autor), 2016, In Metaphern Denken. Lakoff und Johnsons konzeptuelle Metapherntheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/470221

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