Konzepte der Medienerziehung. Welchen Einfluss haben Massenmedien auf Kinder und Jugendliche?


Hausarbeit, 2000

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Konzepte der Medienerziehung

3.Medienerziehung im Vorschulalter

4.Medienerziehung in der Schule

5.Schlussteil

6.Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In hochindustrialisierten Welten gehören Medien (Fernsehen, Video, Computer) mittlerweile zum Teil unseres Alltags. Moderne Menschen scheinen sich kritiklos Werbesendungen, Spielfilmen, Gewaltdarstellungen, aber auch Nachrichtensendungen, Reportagen und Dokumentationsreihen hinzugeben. Schon Kleinkinder werden durch die Medien beeinflusst und oftmals übernehmen diese, allen voran das Fernsehen, die Erziehungsfunktion mit inhaltlich und pädagogisch oftmals fragwürdigen Sendebeiträgen.

Viele lehnen geradezu die neue Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenmultimediale Erlebniswelt wegen ihrer Gefahr der Reizüberflutung, Entfremdung der Kinder von den Eltern durch die Technik, emotionaler Verarmung oder fiktionaler Angebote ab. In den Bereichen kommt es immer mehr in der Werbung, im Urlaub oder in der Freizeit zu einer Hinwendung auf erlebnisorientierte Inhalte. Der ständige Konsument ist dazu verurteilt, sich stets neuen und stärkeren Reizen zuzuwenden, um seinem Bedürfnis nach Anerkennung nachzukommen und seinen beruflichen Status zu sichern.

Der Sinn des Lebens, dieses zu erleben, wie es ROUSSEAU formulierte, ist heute ins Gegenteil gekippt. Der Sinn des Lebens bedeutet nicht mehr, wie früher, i. S. des zentralen Satzes „Greifen = Begreifen" eine Lebenserfahrung zu machen (vgl.: Émile oder über die Erziehung, ROUSSEAU, 1762) und einem Lernen, das zur persönlichen Mündigkeit erzieht, zu folgen, sondern dieser Sinn stellt sich heute als zentraler Satz „Erleben, um zu leben!" dar.

Ohne ein tägliches Erlebnis droht der moderne Mensch in emotionale Vereinsamung zu fallen. Der eigentlich positiv besetzte Begriff der Freizeit wird nun negativ mit Begriffen wie Freizeitstress, Urlaubszwang oder gemeinsamen Pflichtunternehmungen im Freundeskreis assoziiert und auch erfahren.

Es ist zu fragen, ob sich die Pädagogik - auch als Instanz der Wertevermittlung - bei der Umwandlung von der Arbeits- zur Dienstleistungs- und nun zur beginnenden Informationsgesellschaft den neuen Anforderungen gestellt hat. Angesichts der durch die Medien vermittelten Sendungen und durch das zunehmende Informationsangebot fühlt sich der einzelne Bürger hilflos. Insbesondere dann, wenn er nicht die Kenntnisse hat, derer es bedarf, um im Informationszeitalter zu arbeiten (Computer- und Internetkenntnisse).

Durch die Umgestaltung der Kulturwerte kommt es zu einer Gestaltung einer Massenkultur, die das kollektive Erleben von Konzerten, Demonstrationen, Medienabenden als notwendig ansieht. Alles, auch Medieninhalte, wird konsumiert, um mit den Freunden vom Informationsstand her mithalten zu können. Aber all zu Oft schlägt diese Aufnahme medialer Reize in Aggression, Wut und Gewalt um. Durch den täglichen Stress kommt es zu Kreislaufproblemen und einem erhöhten Blutdruck. Kinder scheinen heutzutage nicht in der Lage, dem Unterrichtsgeschehen angemessen zu folgen und sind häufiger abgelenkt.

Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die eine Koexistenz, ein Leben mit den Medien unter kritischer Reflexion ihrer Inhalte, befürworten und sich dafür einsetzen, die Medien als notwendige Informationsträger in demokratisch legitimierten Gesellschaften anzusehen. Medien haben eine soziale Funktion (=Kommunikationsmittel), sie dienen als Ausdrucksmittel zur Abgrenzung nach außen und helfen, Phantasien zu entwickeln sowie das körperliche Selbstempfinden inkl. der damit verbundenen Gefühle zu fördern bzw. zu reflektieren.

Medien dienen als realitätsvermittelnde Instanzen, sie helfen, die komplexe Welt verständlicher zu gestalten, über die Medien werden Erkenntnisse in Wissenschaft, Kultur, Politik und Gesellschaft etc. vermittelt.

Im Folgenden werde ich daher die Konzepte eines sinnvollen, kritischen und verantwortungsbewussten Umgangs mit den Medien im Kontext der jeweiligen Erziehungsinstanz (Elternhaus, Kindergarten, Schule) darstellen. Mithin geht es um die Frage der Bedeutung der Medien im Rahmen der Sozialisation.

Es stellt sich nun die Frage, ob es durch eine frühzeitige Begleitung des zu Erziehenden möglich ist, schädlichen Wirkungen der Medien wie Streß oder der Gefahr der Verfremdung von Realitätsvorstellungen, vorzubeugen. Darüber hinaus geht es um einen verantwortungsvollen Umgang mit den Medien sowie um die kreative Nutzung ihrer (neuen) Möglichkeiten zur Präsentation eigener Projekte.

In den folgenden Ausführungen verwendete ich den Begriff Kommunikation als „Interpretation [eines] Empfänger[s], ob und welche Bedeutung er bestimmten Wahrnehmungen [beimisst] und ob [gegfs. eine] Kommunikation daraus folgt.« (Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge, 1997, S. 563 ff.).

Massenkommunikation:Ein Rundfunksender verschlüsselt eine Mitteilung an einen Empfänger (Rezipienten) in bestimmter Weise. Diese Verschlüsselung wird durch einen bestimmten Mitteilungszweck gesteuert. Der auf beiden Seiten vorhandene Wortvorrat wirkt hierbei begrenzend auf die Möglichkeit zur Codegenerierung. Der Empfänger entschlüsselt diese durch Radiowellen verbreitete Nachricht mit seinem Repertoire an bekannten Wörtern und gibt der Nachricht einen subjektiven Sinn. Der Sender, die Aussagen und der Empfänger stehen jedoch stets Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltengesellschaftlichen Raum, d. h. ihre Kompetenzen zur Ver- und Entschlüsselung und zur Senderwahl wird von der Gesellschaft mitbestimmt. Es wird nur die Nachricht akzeptiert, die eine bestimmte Gesellschaft als konsensfähig ansieht.

Mediensind „spezifische, technische Systeme bzw. Technologien, mit denen Aussagen indirekt, einseitig und öffentlich an ein disperses Publikum vermittelt werden." (Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge, 1997, S. 632). Ich beschränke mich i. W. auf die Medium Fernsehen, die dort getätigten Aussagen gelten aber auch für den Videobereich. Im Ansatz wird aber auch auf die Zeitungsgestaltung eingegangen.

Medienerziehung„[ist das] Feld aller Überlegungen zu dem Problemkreis, welche Ziele im Zusammenhang mit Medienfragen angestrebt werden sollen und wie diese in pädagogisch angemessener Form erreicht werden können." (Tulodziecki, 1992, S. 17).

UnterMultimediaverstehe ich die „[Vereinigung] verschiedene[rl mediale[r] Elemente (Bild, Ton, Sprache, Computer etc.) […]“ (Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge, 1997, S. 633).

Pädagogische Kompetenzmeint die "Beschreibung und Erklärung [der Praxis] Professionellen pädagogischen Handelns". (Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge, 1997, S. 568 f.).

Primäre Sozialisationmeint den Erwerb von Wissen und Normen (soziale, ökonomische und kulturelle Verhältnisse) durch ein Individuum über deren Bezugsperson(en) von der Geburt bis etwa zum Beginn des Schulalters, um in der Gesellschaft als angepasstes Individuum teilhaben und diese gestalten zu können.

Soziale Kompetenzzielt auf gewünschte, positive Verhaltensweisen innerhalb einer Gesellschaft ab, welche einem Individuum in der sog. primären Sozialisation durch sein Rollenhandeln (=Handeln im Sinne der Erwartungen an den Inhaber einer sozialen Position) vermittelt werden.

2. Konzepte der Medienerziehung

Aus den Arbeiten von BAACKE (1979) und FRÖHLICH (1982) geht hervor, dass Medienerziehung stets im gesellschaftlich-geschichtlichen Zusammenhang verstanden werden muss. Beiden Autoren ist gemeinsam, dass sie Medien und Gesellschaft in einem Wirkungszusammenhang begreifen, welche sich gegenseitig bedingen. Medien dienen nicht nur als Herrschaftsinstrumente, die Bedürfnisse wecken und zum Kauf animieren sollen, sie sind nicht nur Erziehungsmittel mitunter mit schädigenden Einflüssen - sondern stellen auch das Mittel zum Selbstzweck dar, um sich kritisch dem Angebot der Medien zu entziehen, oder - um eine eigene, zielorientierte Medienarbeit in ein Produkt (Video-, Dokumentationsfilm) zur Information der Öffentlichkeit münden zu lassen. Heutzutage unterteilt sich die Medienerziehung in vier Konzepte (nach Tulodziecki, 1992, S. 29-43). Diese werden im Einzelnen beschrieben:

- Behütend-pflegende Medienerziehung

Mit dem Aufkommen eines breiten Presseangebotes und der Verbreitung des Kinofilmes am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jh. gelangten verschiedene Bereiche der Pädagogik, so z. B. die Lehrerschaften, zu der Auffassung, dass derartige Medien nicht zur Erziehung geeignet, sogar gefährlich auf die sittliche Entwicklung der Kinder wirken. Deshalb ist es Aufgabe der Schule gewesen, die Kinder vor solchen Einflüssen zu schützen. Die Denkweise ging sogar soweit, dass vermutet wurde, die Kinofilme hätten eine realitätsverfremdende Wirkung (z. B. beruhten Liebesfilme auf übermäßige Darstellungen von Liebesszenen) oder Würden zur Verängstigung und Überreizung der Jugendlichen führen, wobei auch spätere Gewaltbiographien nicht ausgeschlossen wurden.

Es kommt bei diesem medienerzieherischen Konzept auf die Unterbindung von mutmaßlich - schädigenden - Einflüssen auf die sich in der Entwicklung zu einer soziokulturellen Persönlichkeit befindlichen Jugendlichen an. Insbesondere hat dieses Konzept 1951 zu der Einrichtung der „Freiwilligen Selbstkontrolle [der] Filmwirtschaft" (FSK) und 1953 zum „Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften" geführt. Bei dem behütend-pflegerischen Konzept geht es zudem um die Förderung zur Erziehung mittels jugendgeeigneter Filme. So gründete sich 1950 das „Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht" (FWU) zur Medienerziehung durch die Auswahl geeigneter Unterrichtsfilme. Die Unterrichtsfilme sollen jedoch nicht nur passiv konsumiert, sondern im Gespräch verarbeitet werden. In diesem Zusammenhang geht es um die Förderung der Entwicklung von Moralvorstellungen, Kreativität und Medienkunde.

Dieses Konzept ist allerdings heutzutage vernachlässigt worden, da sich im Zuge der massenhaften Verbreiterung des Medienangebotes und unter den derzeitigen gesellschaftlichen Bedingungen der Mobilität von Erziehungspersonen eine soziale Kontrolle kaum mehr aufrechterhalten lässt.

Auch geht es nur um die unmittelbare Beziehung von Medium und Rezipient (=Empfänger), eine Betrachtung von Systemwirkungen der Gesellschaft auf den Einzelnen findet hingegen nicht statt. Es ist auch zu bemängeln, dass Kinder und Jugendliche nach dieser Konzeption als - in abgestufter Form - unfähig betrachtet werden, sich kritisch mit den Inhalten der Sendungen auseinanderzusetzen und auf diese Weise nicht gefördert werden, für ihr Handeln und auch für die Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen.

- System- und kulturorientierte Medienerziehung

Die massenhafte Verbreitung von Fernsehgeräten in den siebziger und achtziger Jahren führte zu einem schrittweisen Umdenken in der Medienerziehung. Es wurde nun generell davon ausgegangen, dass sämtliche mediale Einflüsse kybernetische Wirkungen besitzen, d. h. dass der Empfänger durch seine Programmwahl einen Einfluss auf die Medienlandschaft nehmen kann und diese beeinflusst dadurch wiederum die Entscheidungen anderer Empfänger. Insbesondere wurden die LASSWELLschen Grundlagen, demzufolge die Basis der Kommunikation auf dem Sender, dem Inhalt der Nachricht, dem Empfänger und dem verwendeten Transferkanal beruht, angewendet, um die Medienwirkungen (z. B. in einer Werbebotschaft) in gewünschter Weise beim jeweiligen Empfänger zu maximieren. Demzufolge kam es zu einer Ausrichtung der Medienerziehung auf Kommunikationsmodelle sowie zu der Würdigung neu entstandener Massenmedien.

KERSTIENS geht 1971 von einem durch Erziehung „mündigen Individuum und Mitmenschen“ (Tulodziecki, 1992, S. 35) aus. Auch für KERSTIENS sind das (Film)gespräch oder die Gestaltung eigener Plakate die Methoden der Wahl zur Medienerziehung.

Aber auch diese Methode hat Kritik hinnehmen müssen. So geht dieses Konzept von dem systemdienlichen Verhalten aller Menschen aus, welches vor allem die Wirkungen des eigenen Handelns auf die Entwicklung der Gesellschaft bezieht. Letztendlich werden die Medien jedoch eher zum eigenen Vorteil, zur Profilierung des Selbst genutzt denn zur Information breiter Bevölkerungsteile. Obwohl der Zuschauer die politische und kulturelle Verantwortung zugeschrieben bekommt, nutzt er diese nur zum Selbstzweck aus und kann sich auch nicht als Mediengestalter betätigen.

Dennoch ist es wichtig, junge Menschen zu verdeutlichen, dass die Medien die bestehende Kulturlandschaft beeinflussen und es hierbei darauf ankommt, sie zur Kritikfähigkeit zu erziehen.

- Kritisch-materialistische Medienerziehung

Aus den Erfahrungen des Nationalsozialismus ging eine ideologiekritische Medienerziehung hervor, die eigene Ansichten und Bedürfnisse quasi als kritische Gegenöffentlichkeit darstellt. Vor allem zu Zeiten der Studentenunruhen und aufgrund der Konzentrationsprozesse im Medienbereich (vgl. Axel-Springer-Verlag/Der Spiegel) mündete der Glaube an einen fremdgesteuerten Alltag in medienerzieherische Formen. So sollten Jugendliche und Erwachsene befähigt werden, ideologiekritisch zu denken, auf bestehende Medieninstitutionen verändernd - i. S. einer Vergesellschaftung der Medienproduktionsmittel - zu wirken und sich spontan, wie in der APO zu bestimmten Themen zu äußern. Inhaltlich geht es z. B. um die Aufdeckung von Monopolisierungstendenzen und Herrschaftsformen innerhalb der Gesellschaft, wie etwa im Bereich Werbung und Konsum.

Jedoch zielt dieser Ansatz eher auf die Medientheorie (Herrschaftsfunktion) denn auf konkrete Veränderung durch eine Medienerziehung ab. Auch die Ausdrucksweise ist auf K. MARX bezogen und die Schüler/Jugendlichen sind mit derartigen Theorien wenig vertraut.

- Handlungs- und interaktionsorientierte Medienerziehung

Wendet man sich nun eher dem Nutzer eines Mediums zu und integriert in diesen Ansatz sowohl die bisherigen Konzepte der Medienerziehung als auch die Begriffe Handlung und Interaktion, so gelingt ein neues Konzept.

Nach diesem handelt das Individuum stets, sei es, um Bedürfnisse zu befriedigen oder Lob zu erhalten. Das Handeln ist jedoch durch die Auswahl an Angeboten begrenzt, so dass nur bestimmte Bedürfnisse befriedigt werden. Der Mensch befindet sich also im Spannungsbogen zwischen Entscheidungsfreiheit auf der einen Seite und Regeln/Bedingungen auf der anderen Seite. Aus diesem Spannungsfeld ergibt sich erst die individuelle Bedeutung der Mediennutzung, deren sog. subjektiver Sinn.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Konzepte der Medienerziehung. Welchen Einfluss haben Massenmedien auf Kinder und Jugendliche?
Hochschule
Evangelische Fachhochschule Berlin
Veranstaltung
Pädagogikseminar 1. Semester
Note
1,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
23
Katalognummer
V470685
ISBN (eBook)
9783668960107
ISBN (Buch)
9783668960114
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medienerziehung Kinder Jugendliche Medienpädagogik Sozialisation Vorschule Kindergarten Schule Medienangebot Fernsehen TV Konsum Reflexion Werbung Soziales Lernen Konsum Gesellschaft Schulsozialarbeit Eltern Vorbild Meinungsbildung
Arbeit zitieren
Daniel Klein (Autor), 2000, Konzepte der Medienerziehung. Welchen Einfluss haben Massenmedien auf Kinder und Jugendliche?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/470685

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