Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Fragen, welche organisatorischen, kommunuikativen und gestalterischen Möglichkeiten bei der Inszenierung von Parteitagen angewendet werden, wie die Medien in ihrer Berichterstattung darauf reagieren und welche Entwicklungen in der deutschen Parteitagskultur zu erwarten sind. Damit soll ein Beitrag zur Bewertung des wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnisses von Politik und Medien geleistet werden. Zunächst werden Funktion, Form und Organisation von Parteitagen erläutert. Darauf aufbauend erfolgt ein Überblick zu den räumlichen, zeitlichen und optischen Inszenierungstechniken. Ein eigenständiges Kapitel befasst sich mit den unterschiedlichen Kommunikationsformen auf Parteitagen und deren Verschiebungen, bevor eine Analyse der medialen Parteitagsberichtberichterstattung vorgenommen wird. Am Beispiel des SPD-Parteitags Leipzig 1998 werden die Inszenierungsmerkmale konkret dargestellt und das mediale Echo abgebildet. In der Schlussbetrachtung wird ein Ausblick auf die Entwicklung von Parteitage n gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1 Untersuchungsgegenstand und Erkenntnisinteresse
1.2 Forschungsfrage und Struktur der Untersuchung
2. Parteitage - Definitionen und Grundlagen
2.1 Funktionen
2.2 Parteitagsformen
2.3 Strukturelle Organisation
3. Inszenierung von Parteitagen
3.1 Räumliche Komponente
3.2 Zeitliche Komponente
3.3 Optische Komponente
4. Kommunikationsmuster von Parteitagen
4.1 Binnenkommunikation
4.2 Außenkommunikation
5. Parteitagsberichterstattung in den Medien
5.1 Vorberichterstattung
5.2 Parallele und nachgelagerte Berichterstattung
6. SPD-Parteitag Leipzig 1998 – das Urbild für die politische Showbühne
6.1 Modernisiertes Veranstaltungsmanagement
6.2 Telemediatisierung
6.3 Probleme der Funktionsausübung
6.4 Reaktion der Journalisten
6.5 Verhältnis zwischen Politik und Medien
7. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die organisatorischen und kommunikativen Inszenierungsstrategien deutscher Parteitage unter dem Einfluss der Mediendemokratie und analysiert, wie diese medienwirksam aufbereiteten Ereignisse die politische Willensbildung sowie das Verhältnis zwischen Parteien und Medien beeinflussen.
- Wandel von Parteitagen zu medienwirksamen Inszenierungen
- Einfluss der Medienlogik auf die Parteitagskultur
- Rolle der Parteiprominenz vs. Delegiertenpartizipation
- Professionalisierung durch Event-Management
- Analyse des SPD-Parteitags Leipzig 1998 als Fallbeispiel
Auszug aus dem Buch
6.2 Telemediatisierung
Die dramaturgische Entwicklung des Leipziger Parteitags zielte nahezu ausschließlich auf das TV-Publikum ab. Die SPD brauchte für eine optimale Ausschöpfung des Wirkungspotenzials ansprechende und überzeugende Bilder, die keine Zweifel an der Regierungsfähigkeit der Partei ließen. Indem die Organisatoren Inszenierungselemente aus Kino und Showbusiness miteinander verflochten, gossen sie den Parteitag in eine Form der medialen Unterhaltung, wie sie dem Fernsehzuschauer aus gängigen TV-Formaten (z.B. „Wetten, dass...“, Talkshows, Live-Konzerte etc.) vertraut ist. Das Politische an der SPD-Veranstaltung war dadurch soweit isoliert, um es mit angenehm zu rezipierenden Momentaufnahmen zu verschmelzen, ohne auf das Deutungsschema der Politik verzichten zu müssen. Dörner sieht darin die Produktion eines „Feel-Good“-Faktors beim Rezipienten, in dessen Folge Gerhard Schröder eine Transformation vom „realen Akteur“ in eine „hyperreale Medienfigur“ durchlebte (Dörner 2002: S. 322). Ähnlich wie bei den so genannten Daily-Soaps im Fernsehen präsentierte die SPD im Dörnerschen Verständnis eine „Als-Ob-Welt“ (Dörner 2002: S. 323), deren Inhalt sich im Idealfall zu einem „Image der Handlungsfähigkeit“ auswächst (Müller 2002a: S. 150).
Ohne dieses von Hitzler charakterisierten „impression management“ (Hitzler 2002: S. 38) kann kein Politiker in den Wahlkampf ziehen. Folglich werden physische Konflikte, wie sie auf Parteitagen eigentlich als Meinungs- und Willensbildungsprozess ausgetragen werden sollen, durch zeichenhafte und symbolische Formen der Auseinandersetzung ersetzt (Hitzler 2002: S. 41).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung des Untersuchungsgegenstands zur Rolle von Parteitagen im Rahmen der parlamentarischen Demokratie und deren Wandel hin zur medialen Inszenierung.
2. Parteitage - Definitionen und Grundlagen: Erläuterung der Funktionen, Formen und der strukturellen Organisation von Parteitagen als oberste Entscheidungsgremien.
3. Inszenierung von Parteitagen: Analyse der räumlichen, zeitlichen und optischen Gestaltungselemente, die der Inszenierung dienen.
4. Kommunikationsmuster von Parteitagen: Untersuchung der Unterscheidung zwischen interner Binnenkommunikation und der auf Medien ausgerichteten Außenkommunikation.
5. Parteitagsberichterstattung in den Medien: Analyse der medialen Reaktion, unterteilt in die Vorberichterstattung sowie die parallele und nachgelagerte Berichterstattung.
6. SPD-Parteitag Leipzig 1998 – das Urbild für die politische Showbühne: Fallstudie zur Professionalisierung der Inszenierung am Beispiel des SPD-Parteitags 1998 und deren Auswirkungen.
7. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse zur funktionalen Störung des Willensbildungsprozesses durch den Inszenierungsdruck.
Schlüsselwörter
Parteitage, Mediendemokratie, Inszenierung, Parteitagskommunikation, politische Willensbildung, Telemediatisierung, Impression Management, SPD-Parteitag 1998, Medienlogik, Politische Kommunikation, Parteiprominenz, Wahlwerbung, Event-Management, Außenkommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die moderne Gestaltung von Parteitagen und untersucht, wie diese Veranstaltungen durch Inszenierungsstrategien zunehmend auf die Bedürfnisse der Medien ausgerichtet werden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die politische Willensbildung, die Professionalisierung von Parteitagsinszenierungen, die Rolle der Medien bei der Berichterstattung sowie das Spannungsfeld zwischen Parteiinteressen und journalistischer Distanz.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, welche Inszenierungs- und Kommunikationsstrategien auf Parteitagen eingesetzt werden und welche Konsequenzen sich daraus für das Verhältnis zwischen Parteiführung, Mitgliedern und Medien ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Arbeit, die auf Literaturanalyse, der Untersuchung von Kommunikationsmustern und einer Fallstudienanalyse (SPD-Parteitag 1998) basiert.
Was sind die Schwerpunkte im Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in Grundlagen, Inszenierungstechniken, die Analyse von Kommunikationsmustern, die mediale Berichterstattung sowie eine detaillierte Fallstudie zum SPD-Parteitag in Leipzig.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Telemediatisierung, Impression Management, Mediendemokratie und die politische Showbühne prägen den Kern der Analyse.
Warum wird der SPD-Parteitag von 1998 als "Urbild" bezeichnet?
Der Autor führt an, dass dieser Parteitag durch seine Professionalität, das detaillierte Drehbuch und die bewusste Nutzung von Inszenierungselementen aus dem Showbusiness einen neuen Maßstab für die "politische Showbühne" setzte.
Welche Rolle spielen die Delegierten in diesem neuen Inszenierungsmodell?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Delegierte zunehmend ihre ursprüngliche Rolle als aktive Gestalter der politischen Leitlinie verlieren und stattdessen eher als Kulisse oder Statisten für die mediale Außenwirkung fungieren.
Wie wirkt sich die Telemediatisierung auf den politischen Inhalt aus?
Die Telemediatisierung führt dazu, dass programmatisch-sachliche Diskussionen in den Hintergrund treten und durch zeichenhafte, emotionale und symbolische Inszenierungen ersetzt werden, die besser in das Format der Fernsehberichterstattung passen.
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- Dipl.-Journ. Michael Schulte (Author), 2005, Politische Showbühne. Inszenierung und Kommunikationsmuster von Parteitagen und ihre mediale Berichterstattung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47094