Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Frage, welchen Einfluss philosophische Theorien auf die wissenschaftliche Psychologe ausüben und wie wiederum nachgewiesen werden kann, welchen Einfluss die philosophische Fundierung der Psychologie ihrerseits auf die Pädagogische Psychologie und das Erziehungs- und Bildungswesen ausübt.
Die im Zuge der Kognitiven Revolution zu Beginn der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstandenen Kognitionswissenschaften, in denen die verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen, etwa die Neurobiologie, die Psychologie, die Informatik oder die Linguistik, erfolgreich zusammenarbeiten, zeichnen sich besonders durch ein hohes Maß an interdisziplinärer Kooperation aus. Wissenschaftszweige wie die Kogntive Neurobiologie, die Computerlinguistik oder die Kognitive Neuropsychologie stellen Fusionen dar, in denen sich diese Interdisziplinarität manifestiert. Auch die Pädagogische Psychologie ist ein interdisziplinäres Projekt, in dem Pädagogik und Psychologie eine symbiotische Verbindung eingehen.
Auffällig ist jedoch, dass die Disziplin, aus der sowohl Psychologie als auch Pädagogik historisch hervorgingen, im interdisziplinären Diskurs selten eine entscheidende Rolle spielt. Die Rede ist von der Philosophie als Grundlage von Wissenschaft im Allgemeinen und im Besonderen. Dies mag damit zusammenhängen, dass die Philosophie sich in den Augen vieler Wissenschaftler ausschließlich mit unlösbaren theoretischen Rätseln beschäftigt, während es in der Wissenschaft doch vielmehr um empirische Resultate geht. Dies mag in vielen Fällen ein berechtigter Vorwurf sein. Im Hinblick auf die philosophischen Grundlagen der Kognitionswissenschaften, insbesondere der Kognitiven Psychologie , aus der ein Großteil der Pädagogischen Psychologie hervorgeht, trifft dieser Einwand definitiv nicht zu.
Wenn zum Beispiel im Bereich der Kognitiven Neurowissenschaft ausgesagt wird, dass kognitive Prozesse im Gehirn stattfinden, handelt es sich bereits um eine hochgradig philosophische Aussage, unabhängig davon, ob er, der Wissenschaftler, der diese Aussage trifft, sich dessen bewusst ist oder nicht. Man muss sich klar machen, dass philosophische Konzepte im Rahmen der Kognitionswissenschaften keine unlösbaren Rätsel darstellen, die man zu Gunsten der wissenschaftlichen Praxis ausklammern könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Cartesianische Erbe
3. Materialismus und Substanzmetapher
a) Allgemein
b) Behaviorismus
c) Theorien der Identität
d) Funktionalismus
e) Fazit
4. Die Substanzmetapher in der Pädagogische Psychologie
a) Allgemein
b) Pädagogik und Behaviorismus
c) Pädagogik und Kognitive Psychologie
d) Was ist Wissen?
e) Was ist Transfer?
5. Die Substanzmetapher in der Kognitiven Neurowissenschaft
a) Allgemein
b) Empirische Untersuchung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss der sogenannten "Substanzmetapher" als materialistische Grundlage auf die psychologischen Theorien und deren Anwendung in der Pädagogischen Psychologie. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob die Reduktion mentaler Prozesse auf materielle Zustände oder Computer-Metaphern wissenschaftlich haltbar und für die pädagogische Praxis förderlich ist.
- Historische Herleitung des Leib-Seele-Dualismus (Cartesianisches Erbe)
- Materialistische Lösungsversuche durch Behaviorismus, Identitätstheorie und Funktionalismus
- Kritische Analyse der Computermetaphorik bei der Modellierung menschlichen Geistes
- Auswirkungen des kognitionswissenschaftlichen Paradigmas auf Wissen und Transfer
- Empirische Untersuchung zur Wirkung neurowissenschaftlicher Stimuli auf die Bewertung von Erklärungen
Auszug aus dem Buch
Die Substanzmetapher in der Pädagogische Psychologie
Bei der Pädagogischen Psychologie handelt es sich um ein interdisziplinäres Geflecht aus Psychologie und Pädagogik. In einem aktuellen Standardwerk der Pädagogischen Psychologie wird Pädagogik als Wissenschaft von der Bildung und Erziehung des Menschen definiert. Die Psychologie wird hingegen als Wissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen beschrieben.71 Da es sich bei der Pädagogik um die Wissenschaft der Erziehung handelt, erforscht die Pädagogische Psychologie die psychologischen Aspekte von Erziehungsprozessen. "Erziehung umfasst alle Handlungen, durch die Menschen versuchen, das Gefüge der psychischen Dispositionen anderer Menschen in irgendeiner Weise dauerhaft zu verbessern oder seine als wertvoll erachteten Komponenten zu erhalten oder die Entstehung von Dispositionen, die als schlecht bewertet werden, zu verhüten."72 Seit ihrem Bestehen ist die Pädagogische Psychologie Gegenstand kontroverser Diskussionen, die sich vor allem auf ihren Status als eigenständige Wissenschaft, auf das ihr eigene Verhältnis von Theorie und Praxis, sowie ihren tatsächlichen Nutzen für die Vorgänge im Erziehungswesen, beziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Kognitionswissenschaften und die Problematik der philosophischen Fundierung der Psychologie durch das Phänomen der Substanzmetapher.
2. Das Cartesianische Erbe: Analyse der Ursprünge des Leib-Seele-Dualismus bei René Descartes und die daraus resultierenden ontologischen sowie epistemologischen Schwierigkeiten.
3. Materialismus und Substanzmetapher: Darstellung verschiedener materialistischer Ansätze wie Behaviorismus, Identitätstheorie und Funktionalismus, die versuchen, das Leib-Seele-Problem zu lösen.
4. Die Substanzmetapher in der Pädagogische Psychologie: Untersuchung, wie behavioristische und kognitivistische Theorien die Konzepte von Bildung, Wissen und Transfer in der Pädagogik beeinflussen.
5. Die Substanzmetapher in der Kognitiven Neurowissenschaft: Kritische Betrachtung der Lokalisationsbestrebungen kognitiver Funktionen im Gehirn und Präsentation einer empirischen Untersuchung zur Bewertung kognitionspsychologischer Erklärungen.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Substanzmetapher als theoretisch unzureichende Grundlage und Plädoyer für eine differenziertere Betrachtung des menschlichen Geistes in der Pädagogik.
Schlüsselwörter
Substanzmetapher, Pädagogische Psychologie, Leib-Seele-Dualismus, Materialismus, Behaviorismus, Funktionalismus, Kognitionswissenschaft, Computer-Metaphorik, Wissen, Transfer, Kognitive Neurowissenschaft, Introspektion, Mentale Prozesse, Wissensrepräsentation, Pädagogische Praxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch, wie das Bestreben, den menschlichen Geist materialistisch als "Substanz" oder als informationsverarbeitendes System zu begreifen, die moderne Psychologie und speziell die Pädagogische Psychologie prägt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Philosophie des Geistes, der Behaviorismus, der Funktionalismus, die Kognitionswissenschaft sowie die Anwendung dieser Paradigmen im Bildungs- und Erziehungswesen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Einfluss philosophischer Konzepte (insbesondere der Substanzmetapher) auf die wissenschaftliche Psychologie historisch nachzuweisen und deren problematische Konsequenzen für das Erziehungs- und Bildungswesen zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben einer hermeneutisch-philosophischen Analyse der Theorien des Geistes führt der Autor eine eigene empirische Untersuchung durch, um zu prüfen, wie neurowissenschaftliche Stimuli die Bewertung kognitionspsychologischer Erklärungen bei Laien beeinflussen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung vom cartesianischen Dualismus über den Behaviorismus bis hin zum Funktionalismus und der Kognitiven Neurowissenschaft, stets im Kontext der Suche nach der Substanzmetapher.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Substanzmetapher, Pädagogische Psychologie, Materialismus, Computer-Metaphorik sowie Wissen und Transfer charakterisiert.
Was ist das Hauptergebnis der empirischen Untersuchung?
Die Untersuchung zeigt, dass Probanden kognitionspsychologische Erklärungen als präziser und wissenschaftlicher bewerten, wenn diese mit bildlichen Darstellungen von Hirnregionen angereichert sind, selbst wenn die Erklärungen inhaltliche Mängel aufweisen.
Wie bewertet der Autor die Computermetaphorik für den Menschen?
Der Autor warnt eindringlich davor, den Menschen als "Informationsverarbeiter" oder "Computer" zu sehen, da dies eine Entmenschlichung darstellt und wesentliche Aspekte wie die semantische Komponente mentaler Prozesse ausklammert.
- Arbeit zitieren
- Ole Albrecht (Autor:in), 2013, Zur Problematik der Substanzmetapher in der Pädagogischen Psychologie. Studien zur Philosophie des Geistes und dem Leib-Seele-Problem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/471047