Global Cities als Wirtschaftsstandorte


Referat (Ausarbeitung), 2002
20 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Übersicht:

1. Einleitung

2. Globalisierung als grundlegender Prozess

3. Global Cities
3.1 Definition und Charakteristika
3.2 Bemessung und Abgrenzung
3.3 Global Cities als Wirtschaftsstandorte
3.4 Ungleichheit in Global Cities

4. Global City und Region
4.1 Global Cities im Raum
4.2 Global Cities in der Region

5. Entwicklung / Zukunft
5.1 Global Regions
5.2 Europa

6. Fazit

7. Literatur

8. Abbildungen und Tabellen

1. Einleitung

Global Cities

Bevor die Bedeutung der sogenannten „Global Cities“ als Wirtschaftsstandorte und deren Auswirkung auf die nähere, regionale Umgebung erörtert wird, soll zunächst die Frage geklärt werden, ob in diesen Zeiten rasch fortentwickelnder Technisierung im Bereich Kommunikation und Computer (Internet, Satelliten, usw.) Städte zukünftig für Unternehmen überhaupt eine Bedeutung haben werden.

Das Internet wurde als Idee eines dezentralisierten Netzwerkes geschaffen, das keinerlei Raumbezug mehr aufweist; es gibt weder Distanzen zu überwinden, noch räumliche Nähe, die verbindet: „... it would be everywhere and nowhere at once.“[1] Datenübertragung in Bruchteilen von Sekunden und hochmoderne Kommunikationsmittel – mittlerweile schon mit Bildübertragung (Videokonferenzen) – machen den Raum objektiv betrachtet unbedeutend. „... the city of bits will render the city of bricks obsolete.”[2]

Der Trend zu Back-Offices und ganzen Verwaltungsvororten außerhalb der Städte[3] ist ein deutliches Zeichen für diese Entwicklung. Bedeutende Industriestädte der Vergangenheit erleben einen massiven Bedeutungsverlust und Abwanderung der Unternehmen in profitablere Regionen und Länder (Bsp. Billiglohnländer).

Einige Städte jedoch, verzeichnen dennoch einen stetigen Zuwachs an wirtschaftlicher Bedeutung und Konzentration. Offensichtlich gibt es einige Unternehmen, die trotz aller moderner Technologie, der räumlichen Nähe eine Bedeutung zuweisen.

Wie und warum sind solche Städte entstanden ? Wodurch zeichnen sie sich aus ? Dies sind eingangs Fragen, die zu Beginn der Ausarbeitung erörtert werden, um ein Verständnis für die Bedeutung dieser Städte zu gewinnen.

Daraus folgernd soll dann die Bedeutung von Global Cities als Wirtschaftsstandorte, sowie die Global City – Umland – Beziehung betrachtet werden, sprich die Auswirkungen auf die Region; welcher Art diese sind, welche sozialen Auswirkungen sie haben, und ob sie erfolgreiche Regionalwirtschaften in irgendeiner Hinsicht beeinflussen.

2. Globalisierung als grundlegender Prozess

Die wirtschaftlichen Tätigkeiten des Menschen haben sich im Laufe der letzten Jahrhunderte sehr gewandelt. Die ersten Ansätze eines weltweiten Handels entwickelten sich bereits im 16. und 17. Jahrhundert, zur Zeit des Merkantilismus[4], als europäische Händler die Weltmeere befuhren und dabei regen Handel trieben. Gold, Gewürze und Sklaven waren neben vielen anderen die begehrtesten Waren. Auch Technologie[5] - und somit Wissen - wurde gehandelt, indem Händler z.B. neue Waffen oder sonstige Innovationen vertrieben. Die zunehmende Kolonialisierung trug sehr zur Ausweitung dieses weltweiten Handels bei, nicht zuletzt durch die Mitwirkung des Staates, der als kontrollierendes und koordinierendes Organ die Kolonien verwaltete[6]. Die Händler nutzten ihrerseits schon damals gewisse Städte als Ausgangspunkte ihres Handels. Amsterdam, Hamburg oder Venedig waren durch ihre Seelage und Häfen bekannte Handelsstädte des Mittelalters (z.B. Hansestädte).

Im Zuge der dann folgenden Entwicklung des Transportwesens und der Kommunikations-mittel, sowie der ab Mitte des 18. Jahrhundert einsetzenden Industrialisierung mit Einführung der Dampfmaschine und einer Vielzahl darauf aufbauender Innovationen, entwickelte sich der Handel von seiner Vorform des Welthandels immer weiter. Eine weitere Innovation trug dann nach den Weltkriegen maßgeblich zur Entwicklung des heutigen globalen Handels bei: die Entwicklung der Computer. Sie bilden die Grundlage zur Steuerung des neuen globalen Handels, mit abnehmender Bedeutung des nationalen Handels[7]. Dies ist am deutlichsten am Beispiel der Finanzmärkte zu beobachten[8]. Wie eingangs beschrieben, ermöglicht die I nformations- u nd K ommunikationstechnologie (IuK) heute die Abwicklung von Geschäften an jedem beliebigen Standort. Die durch die Technik ubiquitäre Informationsverfügbarkeit, führte dann auch zu Dezentralisierungserscheinungen, wie z.B. „offshoring“ oder die Auslagerung sogenannter „back-office“-Funktionen[9]. Während es in der produzierenden Industrie, also im sekundären Sektor, vermehrt zur Verlagerung in den suburbanen Raum oder in Billiglohnländern kam, verzeichnete der tertiäre Sektor und vor allem die hochspezialisierten Dienstleistungen einen enormen Zuwachs.

Der Bedeutungsverlust großer Industriestädte stand dabei im Gegensatz zum Wachstum einiger weniger Städte. Diese Städte waren oftmals schon historisch von Bedeutung gewesen, wegen ihrer besonderen Position, die sich weniger durch ihre Größe, als durch ihre Funktionen auszeichnete[10]. Beispiel für eine solche Stadt ist London, die sich, wie im Folgenden zu sehen sein wird, zu einer der führenden (wenn nicht sogar die führende) Weltstädte entwickelt hat. Obwohl die Entstehung dieser Städte ein längerer Prozess war, ist ihre Erforschung erst seit Beginn der achtziger Jahre in den Vordergrund gerückt. Patrick Geddes[11] war einer der wenigen, der diese Entwicklung vorher eingehend dokumentiert und erforscht hat. Schon damals definierte er sogenannte „world cities“ anhand ihrer Funktionen. Wenig später definierte Saskia Sassen den Begriff der „global City“

3. Global Cities

3.1 Definition und Charakteristika

Wenn Information durch moderne Technologie überall, sofort verfügbar ist, warum existiert dennoch ein Bedarf für Städte ? Als Antwort können zwei unterschiedliche „Schulen“ herangezogen werden. Michael Storper (1997) repräsentiert die erste, die eine eher urbane Begründung liefert. Demnach führt die Technologie – er nennt sie auch „metacapacities“ – nicht zu Dispersion, da die derzeitige Weltwirtschaft von den Unternehmern ein großes Know-how und ständiges Lernen und Weiterentwickeln fordert. Dies geschieht meist kollektiv und lokal, und ist nur schwer auf andere Orte übertragbar. Städte übernehmen seiner Meinung diese Aufgabe, indem sie dichte Netzwerke des Erfahrungsaustausches und Lernens bilden[12]. Saskia Sassen (2000/01), als Vertreterin der zweiten „Schule“, stellt eher die Bildung von Netzwerken in den Vordergrund. Dafür bedarf es zunächst der Definition von Global Cities. Für S. Sassen dienen sie erstens als Steuerungszentralen innerhalb der Organisation der Weltwirtschaft, zweitens als wesentliche Standorte für die derzeit führenden Wirtschaftszweige, und drittens als wesentliche Produktionsstandorte dieser Gewerbezweige, wozu auch die Produktion von Innovationen gehört[13]. Paul Knox bezeichnete Global Cities als Zentren der Geschäftsdienste, der internationalen Finanzen, der transnationalen Institutionen und der Telekommunikations- und Informationsprozesse[14].

Aufgrund ihrer Definition formulierte Sassen: „The network of world cities, and not just single cities, is intrinsic to the process.“[15] Damit sind Global Cities mehr als nur Orte mit vielen Transaktionen. Vielmehr haben sich dort hochspezialisierte Dienstleister angesiedelt, die weltweit ihre Dienste anbieten und ihre Produkte an sehr fortschrittliche Produzenten verkaufen. Sie selbst haben wiederum spezialisierte Dienstleister nachgezogen, so dass es zu einer Verdichtung von Wissen in diesen Städten kommt, ganz ähnlich der Sichtweise Storpers[16]. Allerdings sind diese Städte immer Teil eines globalen Netzwerkes und stehen miteinander in Verbindung und Austausch.

Global Cities sind heute Zentren für Politik (sowohl national, als auch international) und Wirtschaft (ebenfalls auf nationaler und internationaler Ebene), indem sie Umschlagplätze nicht nur für ihre, sondern auch für die Wirtschaft anderer Länder darstellen. Weiter sind sie Zentren für Banken, Versicherungen und ähnliche Finanzdienstleister, ebenso für fortschrittlichste Aktivitäten in Medizin, Rechtswesen, Bildung, Forschung und Entwicklung, sowie Informationsbeschaffung und –verteilung (Medien). Sie sind auch Orte großen Konsums (sowohl von Luxusgütern für die Minderheit und Massengütern für die Mehrheit), vielfältiger Kultur, Kunst und sonstiger Unterhaltung[17].

Man beschreibt diese Veränderung der Wirtschaft und deren Ansammlung in Global Cities auch als „informationalization of economy“, und geht sogar soweit, die Tertiärisierung als fundamentalen Entwicklungssprung der Wirtschaft zu sehen, ganz ähnlich der Industrialisierung im 18./19. Jahrhundert.

3.2 Bemessung und Abgrenzung

Sucht man in der Literatur nach Abgrenzungskriterien oder Methoden zur Bemessung von Global Cities, findet man einige verschiedene Ansätze, aber keine allgemein gültige und anerkannte Formel zu Bestimmung. Das Problem liegt einerseits an der unterschiedlichen Definition von Global Cities, andererseits hat sich das menschliche Weltbild enorm gewandelt, nicht jedoch die menschliche Denkweise. Bei Betrachtung der Erde auf einem der ersten bemannten Raumflüge realisierten die Astronauten das fehlen der politischen Grenzen.[18] Die politischen Grenzen, so wie wir sie kennen, existieren nur in unseren Köpfen. Sie sind administrativ und nicht real. Dies galt zu Beginn überwiegend auch für den Welthandel, der mit staatlicher Hilfe und Unterstützung betrieben wurde.[19] Die technische Weiterentwicklung der Kommunikation von Laufboten über Postkutschen, Telegraphie bis zur einer „wireless-communication“, sowie die rasante Entwicklung der Verkehrs- und Transportmittel, vom Pferd über Eisenbahnen bis hin zum Flugzeug, führten einerseits zum Phänomen des „global shrinking“, andererseits ermöglichten sie erst die Globalisierung. Deregulierungen in vielen Bereichen des Handels ermöglichten die Entstehung einer Vielfalt neuer „Flüsse“ (von Kapital, Gütern und Arbeit) auch über Landesgrenzen hinweg. Städte sind es heute, welche die Weltwirtschaft steuern und bedeutend sind für Innovation und Trends, nicht länger Staaten. So kommt es in der Wissenschaft zur Formulierung sogenannter Metageographien[20] oder gar zum Ende der Geographie[21]. So muss sich demnach auch die Sichtweise der Menschen ändern, da bereits heute die stadtbezogene Entwicklung die staatsbezogene ablöst; Städte konkurrieren miteinander, nicht länger Staaten. Ein Beispiel dafür ist der Wettstreit zwischen London und Frankfurt auf dem Finanzsektor.

[...]


[1] Campanella, 1997

[2] Campanella, 1997

[3] So z.B. New Jersey für New York oder Leeds in England

[4] siehe auch Leser (1997), S. 504

[5] Soja (2000), S. 193

[6] Soja (2000), S. 193

[7] Sassen (2002)

[8] Taylor, P.J., D.R.F. Walker und J.V. Beaverstock (2002)

[9] Sassen (2002)

[10] Hall, P. (1997)

[11] Geddes, P. (1915): Cities in evolution.

oder Hall, P. (1966): The world cities.

[12] Taylor, P.J., D.R.F. Walker und J.V. Beaverstock (2002)

[13] Sassen, S.(1994)

[14] Knox, P.L (1995)

[15] Taylor, P.J., D.R.F. Walker und J.V. Beaverstock (2002)

[16] Taylor, P.J., D.R.F. Walker und J.V. Beaverstock (2002)

[17] Hall, P. (1997)

[18] Taylor, P.J., D.R.F. Walker und J.V. Beaverstock (2002)

[19] Soja (2000), S. 193

[20] Taylor, P.J., D.R.F. Walker und J.V. Beaverstock (2002)

[21] Soja (2002), S. 190

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Global Cities als Wirtschaftsstandorte
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Rahmenbedingungen für erfolgreiche Regionalwirtschaften
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V47153
ISBN (eBook)
9783638441568
Dateigröße
1256 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Oberseminar am GIUB (Geographisches Institut Uni Bonn)
Schlagworte
Global, Cities, Wirtschaftsstandorte, Rahmenbedingungen, Regionalwirtschaften
Arbeit zitieren
Christopher Alting (Autor), 2002, Global Cities als Wirtschaftsstandorte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47153

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