Bevor die Bedeutung der sogenannten „Global Cities“ als Wirtschaftsstandorte und deren Auswirkung auf die nähere, regionale Umgebung erörtert wird, soll zunächst die Frage geklärt werden, ob in diesen Zeiten rasch fortentwickelnder Technisierung im Bereich Kommunikation und Computer (Internet, Satelliten, usw.) Städte zukünftig für Unternehmen überhaupt eine Bedeutung haben werden.
Das Internet wurde als Idee eines dezentralisierten Netzwerkes geschaffen, das keinerlei Raumbezug mehr aufweist; es gibt weder Distanzen zu überwinden, noch räumliche Nähe, die verbindet: „... it would be everywhere and nowhere at once.“ Datenübertragung in Bruchteilen von Sekunden und hochmoderne Kommunikationsmittel - mittlerweile schon mit Bildübertragung (Videokonferenzen) - machen den Raum objektiv betrachtet unbedeutend. „... the city of bits will render the city of bricks obsolete.” Der Trend zu Back-Offices und ganzen Verwaltungsvororten außerhalb der Städte ist ein deutliches Zeichen für diese Entwicklung. Bedeutende Industriestädte der Vergangenheit erleben einen massiven Bedeutungsverlust und Abwanderung der Unternehmen in profitablere Regionen und Länder (Bsp. Billiglohnländer).
Einige Städte jedoch, verzeichnen dennoch einen stetigen Zuwachs an wirtschaftlicher Bedeutung und Konzentration. Offensichtlich gibt es einige Unternehmen, die trotz aller moderner Technologie, der räumlichen Nähe eine Bedeutung zuweisen. Wie und warum sind solche Städte entstanden ? Wodurch zeichnen sie sich aus ? Dies sind eingangs Fragen, die zu Beginn der Ausarbeitung erörtert werden, um ein Verständnis für die Bedeutung dieser Städte zu gewinnen.
Daraus folgernd soll dann die Bedeutung von Global Cities als Wirtschaftsstandorte, sowie die Global City - Umland - Beziehung betrachtet werden, sprich die Auswirkungen auf die Region; welcher Art diese sind, welche sozialen Auswirkungen sie haben, und ob sie erfolgreiche Regionalwirtschaften in irgendeiner Hinsicht beeinflussen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Globalisierung als grundlegender Prozess
3. Global Cities
3.1 Definition und Charakteristika
3.2 Bemessung und Abgrenzung
3.3 Global Cities als Wirtschaftsstandorte
3.4 Ungleichheit in Global Cities
4. Global City und Region
4.1 Global Cities im Raum
4.2 Global Cities in der Region
5. Entwicklung / Zukunft
5.1 Global Regions
5.2 Europa
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die Rolle von Global Cities als zentrale Wirtschaftsstandorte in einer zunehmend globalisierten Welt zu analysieren und deren Auswirkungen auf das regionale Umland sowie soziale Disparitäten zu beleuchten. Dabei wird untersucht, ob physische Standorte trotz fortschreitender digitaler Entkoppelung der Wirtschaft weiterhin von entscheidender Bedeutung sind.
- Bedeutung von Global Cities in Zeiten der Digitalisierung
- Prozess der Globalisierung als treibende Kraft wirtschaftlicher Standortveränderungen
- Charakterisierung und wissenschaftliche Vermessung von Global Cities
- Soziale Auswirkungen und wachsende Disparitäten innerhalb globaler Metropolen
- Beziehung zwischen Global City und Region sowie die Entwicklung zukünftiger Wirtschaftsräume
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition und Charakteristika
Wenn Information durch moderne Technologie überall, sofort verfügbar ist, warum existiert dennoch ein Bedarf für Städte ? Als Antwort können zwei unterschiedliche „Schulen“ herangezogen werden. Michael Storper (1997) repräsentiert die erste, die eine eher urbane Begründung liefert. Demnach führt die Technologie – er nennt sie auch „metacapacities“ – nicht zu Dispersion, da die derzeitige Weltwirtschaft von den Unternehmern ein großes Know-how und ständiges Lernen und Weiterentwickeln fordert. Dies geschieht meist kollektiv und lokal, und ist nur schwer auf andere Orte übertragbar. Städte übernehmen seiner Meinung diese Aufgabe, indem sie dichte Netzwerke des Erfahrungsaustausches und Lernens bilden12. Saskia Sassen (2000/01), als Vertreterin der zweiten „Schule“, stellt eher die Bildung von Netzwerken in den Vordergrund. Dafür bedarf es zunächst der Definition von Global Cities. Für S. Sassen dienen sie erstens als Steuerungszentralen innerhalb der Organisation der Weltwirtschaft, zweitens als wesentliche Standorte für die derzeit führenden Wirtschaftszweige, und drittens als wesentliche Produktionsstandorte dieser Gewerbezweige, wozu auch die Produktion von Innovationen gehört13.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung hinterfragt die Bedeutung physischer Standorte in einer durch Digitalisierung geprägten Welt und legt den Fokus auf die Auswirkungen von Global Cities auf die regionale Entwicklung.
2. Globalisierung als grundlegender Prozess: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des Welthandels von der Kolonialisierung bis zur modernen Informations- und Kommunikationstechnologie nach.
3. Global Cities: Hier werden Definitionen, Abgrenzungsmethoden und die spezifische wirtschaftliche Funktion dieser Städte als Zentren für Finanzen und hochspezialisierte Dienstleistungen analysiert.
4. Global City und Region: Dieser Abschnitt thematisiert das Spannungsfeld zwischen der autarken Entwicklung von Global Cities und der vernachlässigten, oftmals ausgebeuteten umgebenden Region.
5. Entwicklung / Zukunft: Kapitel 5 befasst sich mit der Bildung globaler Wirtschaftsregionen (Pan-Regions) und den spezifischen strukturellen Besonderheiten des europäischen Städtenetzwerkes.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Rolle der Global Cities als Innovationsmotoren zusammen, mahnt jedoch vor den wachsenden sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten, die dringend nachhaltige Lösungsansätze erfordern.
Schlüsselwörter
Global Cities, Globalisierung, Weltwirtschaft, Wirtschaftsstandort, Standortfaktoren, Informationalisierung, Tertiärisierung, Cluster, Regionalwirtschaft, Soziale Disparitäten, Netzwerkökonomie, Stadtmarketing, Infrastruktur, Informationsgesellschaft, Wissensökonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von sogenannten Global Cities als führende Wirtschaftsstandorte im Kontext globaler Vernetzung und technologischem Wandel.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Mittelpunkt stehen die Entstehung globaler Handelsstrukturen, die wirtschaftliche Funktion von Weltstädten, die Auswirkungen auf ihr Umland und die sozialen Auswirkungen in Form von Disparitäten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, warum Global Cities trotz moderner Kommunikationsmittel für Unternehmen unverzichtbar bleiben und wie sie ihre Region beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer deskriptiven Auswertung aktueller Konzepte der Anthropogeographie, ergänzt durch die Analyse von Modellen und Inventaren des GaWC (Globalization and World Cities).
Was wird im Hauptteil analysiert?
Der Hauptteil behandelt theoretische Definitionen von Global Cities, Methoden ihrer Klassifizierung, ihre Rolle als Steuerungseinheiten der Weltwirtschaft sowie die damit einhergehende soziale und regionale Polarisierung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Globalisierung, Netzwerkökonomie, Wirtschaftsstandort, soziale Disparitäten und Regionalwirtschaft einordnen.
Wie wirken sich Global Cities auf ihre direkte Umgebung aus?
Laut dem Text neigen Global Cities dazu, sich von ihrer Region abzukapseln und als autarke Systeme zu agieren, was das Umland oft von Wachstum und Investitionen ausschließt.
Was ist mit dem Begriff „jobless growth“ in diesem Zusammenhang gemeint?
Der Begriff beschreibt das Phänomen, dass trotz des massiven Wachstums im Dienstleistungssektor von Global Cities eine zunehmende Entwertung der Arbeit und eine wachsende soziale Kluft zwischen Hochspezialisierten und Geringqualifizierten entsteht.
- Quote paper
- Christopher Alting (Author), 2002, Global Cities als Wirtschaftsstandorte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47153