Der Rap in Deutschland und Frankreich sowie seine Ursprünge


Hausarbeit, 2005
44 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition: Was versteht man unter Rap?
(Sabrina Sode)

3. Die Entwicklung des Rap (Sabrina Sode)
3.1 Der Ursprung
3.2 Die Bronx Anfänge und die Old School
3.3 Die New School

4. Die Entwicklung des Rap franVais (Stefanie Kimpel)
4.1 Kurze Biographie von IAM
4.1.1 IAM: Nés sous la même étoile (1997)
4.2 Kurze Biographie von Fonky Family
4.2.1 Fonky Family: Cherche pas à comprendre (1997)
4.3 Kurze Biographie von NTM
4.3.1 NTM: Laisse Pas Traîner Ton Fils (1995)

5. Die Entwicklung des Deutschrap (Tasja Ziegler)
5.1 Von Amerika nach Detschland - Die Anfänge
5.2 Der Weg zum kommerzialisierten Deutschrap
5.3 Alte Schule vs. Neue Schule
5.4 Die verschiedenen Rap Stile und ihre Vertreter
5.5 Deutschrap der Gegenwart
5.6 Vorstellung dreier Gruppen bzw. Solokünstler:
5.6.1 Biographie von Advanced Chemistry:
5.6.1.1 Advanced Chemistry - Fremd im eigenen Land (1992):
5.6.2 Biographie von Eko Fresh
5.6.2.1 Eko Fresh - Die Abrechnung (2005)
5.6.3 Biographie von Sido :
5.6.3.1 Sido - Mein Block (2004)
5.7 Fragwürdiger HipHop?

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

8. Internetquellen

1. Einleitung

„Rap oder HipHop, wie man heute dazu sagt, hat den ursprünglich lokal begrenzten Wirkungskreis längst verlassen und ist zu einem internationalen Massenphänomen gewachsen.“[1] Doch wie vollzog sich die Entwicklung des Rap? Wo hat die Rap- Musik ihren Ursprung? Wie sieht die Entwicklung dieses Genres in Frankreich und Deutschland aus und wie unterscheiden sich diese?

Diese Fragen gilt es in unserer Hausarbeit näher zu untersuchen, um Antworten auf die ausstehenden Fragen zu erhalten.

Daher werden wir eingangs eine Definition geben und klären, was unter Rap-Musik verstanden wird. Im Anschluss daran, wird der Ursprung des Rap zurückverfolgt und dargestellt, wie sich dieser Musikstil überhaupt entwickelte, bevor wir auf die Entwicklung des Rap in Frankreich und Deutschland zu sprechen kommen, was zugleich unseren Schwerpunkt darstellen soll. Am Ende wird versucht in einer Zusammenfassung die Entwicklungen in Frankreich und Deutschland zu vergleichen und mögliche Unterschiede oder Gemeinsamkeiten herauszufiltern.

Bei unseren Untersuchungen bezogen wir uns in Bezug auf die Entwicklung des Rap in Frankreichs in erster Linie auf die Publikation von Professor Dietmar Hüser. Bei der Entwicklung des deutschsprachigen Rap konnte uns die Veröffentlichung von Sascha Verlan weiterhelfen.

An dieser Stelle sei zu erwähnen, dass nur eine geringe Anzahl an deutschsprachigen Publikationen zu finden waren. Lediglich Veröffentlichungen zum amerikanischen Rap konnten von uns mehrfach gefunden werden. Das Internet wurde für uns eine der wichtigsten Quellen. Hier konnten wir sowohl Artikel zum französischen als auch zum deutschen Rap wiederfinden.

Mittlerweile lassen sich ganze Regale von Monographien, die die amerikanische Rap-Szene untersuchen, in den Bibliotheken wiederfinden. Dagegen sehen die Publikationen zu Rap in Frankreich aber auch zu Rap in Deutschland sehr bescheiden aus. In Bezug auf Frankreich lässt sich sagen, dass die erste Auflage eines 1990 erschienenen Essays von Georges Lapassade und Philippe Rousselot lange Zeit die einzige wegweisende Veröffentlichung darstellte. Erst nach fünf Jahren kam eine breit angelegte Studie auf den Markt. Daher erscheint es kaum verwunderlich, dass die deutsche Auseinandersetzung mit französischem Rap noch später einsetzte.[2]

2. Definition: Was versteht man unter Rap?

Unter Rap- Musik versteht man einen populären Musikstil, der sich Ende der siebziger Jahre in New York herausgebildet hat und im Sommer 1979 in der Diskoszene New Yorks schlagartig Furore machte.[3]

Die Rap- Bewegung entspricht einer urbanen Subkultur und ist geprägt durch eine eigne Sprache und Symbolik sowie einem eigenen Lebens- und Kleidungsstil. Sie artikuliert sich über mehrere Ausdrucksmedien, dem tänzerischen Element (Breakdance), der Symbolik (Graffiti), seiner speziellen Musik (DJ-ing) und der sprachlichen Komponente, dem Sprechgesang, als charakteristisches Kennzeichen.[4] Rhythmische Musik mit gereimten Texten sind Ausdruck des Rap. Der Begriff ist abgeleitet von dem amerikanischen Begriff „to rap“ und bedeutet nichts anderes als „quatschen“ oder „quasseln.“ Er bezieht sich auf die rhythmische Schnellsprechpraxis der Discjockeys (DJ´s) in den afroamerikanischen Diskotheken, die eine zum Tanzen einladende Atmosphäre schafften, durch rasante Wortkanonaden und dem im Wechsel cleveren Ineinanderfahren von Titelfragmenten. Daher wurde bereits in den siebziger Jahren eine spezielle Technik entwickelt, die als „Scratching“ bezeichnet wurde. Bei dieser Technik können die Platten durch das Zwischenlegen einer Filzscheibe auf dem Plattenteller beweglich gemacht werden. Dadurch können die Platten, trotz des laufenden Plattentellers, angehalten und mit der Hand rhythmisch hin und her bewegt werden. So entsteht aus der Musik heraus ein rhythmisiertes Geräusch, welches durch Loslassen der Platte wieder in Musik übergehen kann oder zu einer auf einem anderen Plattenspieler laufenden Platte hinzugemischt wird. Bei Live- Auftritten begleiten die Discjockeys die Sänger und mischen ihnen die Musik aus Plattenaufnahmen als instrumentalen Background zusammen.[5]

Im letzen Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts haben die Rap und HipHop- Bewegung, die Jugend und Populärkultur maßgeblich beeinflusst. Mehr oder weniger nach den amerikanischen Vorbildern strebend, tauchen überall auf der Welt Spielarten dieses Musikstils auf.[6]

HipHop und Rap stellen keine Synonyme dar, sondern stehen vielmehr in einem Über/Unterordnungsverhältnis zueinander, wobei der Rap das musikalische Standbein der HipHop- Kultur verkörpert.[7]

3. Die Entwicklung des Rap

3.1 Der Ursprung

Um die Geschichte des Rap zu beschreiben, ist es unumgänglich weit in die Vergangenheit der Migranten, insbesondere der afrikanischen in den USA, zu blicken. „Rap verweist auf das Erbe musikalischer Ausdrucks- und Protestformen afroamerikanischer Bevölkerungsgruppen in den Vereinigten Staaten.“[8] Bis in das frühe 17. Jahrhundert hinein lassen sich Grundlagen spezifischer schwarzer Musik zurückverfolgen. Die ersten Sklaven landeten in den englischen Kolonien auf nordamerikanischem Boden. Auf den Großplantagen der Baumwoll- und Tabakfabriken kamen eine große Zahl an Sklaven zum Einsatz. Sogenannte Mikrogesellschaften entwickelten sich, in denen das Musizieren einen hohen Stellenwert einnahm.[9] Nachdem die ersten Afrikaner den amerikanischen Boden berührten, wurde ihnen jegliche Art der Selbstbestimmung genommen, die Ausübung afrikanischer Traditionen und Rituale verboten. Zu den Verboten gehörte es vor allem die Sprache des jeweiligen Herkunftslandes zu sprechen. Um trotz dieser Umstände kommunizieren zu können, musste eine von den Weißen nicht durchschaubare Alternative gefunden werden. So begannen die Sklaven auf dem Feld eigens formulierte Lieder, die sogenannten „work songs“ und „spirituals“ zu singen. Im Wesentlichen verlief diese Kommunikation über das „call- and- response- Prinzip“, wobei ein Solist Botschaften übermittelte, welche vom Chor der restlichen Sklaven beantwortet wurden. Somit war eine interne Kommunikation möglich. Diese Methode findet sich auf unterschiedlicher Weise in fast jeder afroamerikanischen Musikrichtung wieder.[10] Hieraus entwickelten sich im Laufe der folgenden Jahrhunderte verschiedenste Formen afroamerikanischer Musikstile. Zu nennen sind an dieser Stelle Jazz, Blues oder Gospel, die gleichzeitig die Vorläufer der Rap-Musik darstellen.[11]

3.2 Die Bronx Anfänge und die Old School

In der südlichen Bronx, einem ehemaligen amerikanischen Ghetto, liegt der Geburtsort des Rap.[12] Auf verlassenen Hinterhöfen oder in stillgelegten Fabrikhallen organisierten die Jugendlichen der Bronx ihre eigenen Partys, da ihnen die finanziellen Mittel für Discobesuche fehlten. Die Musik, die auf diesen Blockpartys gespielt wurde, die Breakbeats, waren rein instrumental. Der dazugehörige Tanzstil wird heute noch Breakdance und die Tänzer B-Boys genannt. Im Laufe der Zeit aber wurden die Techniken der Discjockeys immer komplexer und ihr Publikum so begeistert, dass es versäumte, zu den Beats zu tanzen. Daraufhin wurden einige junge Entertainer engagiert, die durch ihren Sprechgesang von den DJ´s ablenken und zum Tanzen anregen sollten. Sie „rappten“ zur Musik, dass heißt sie erzählten kurze Geschichten oder lobten die Fähigkeiten der DJ´s in Reimform. Es zeigte sich jedoch, das sich die Master of Ceremony (MCs), wie sich diese Sänger nannten, bedeutend profilieren konnten und die DJ´s immer mehr in den Hintergrund verdrängten. Ab diesem Zeitpunkt bestimmten sie die weitere Entwicklung. Diese erste Phase des Rap war gekennzeichnet durch eine tiefe Verwurzlung in der Jugendkultur von New York. Die Musik wurde von schwarzen Tänzern für schwarze Tänzer gemacht.[13] Sie bot den Jugendlichen die Möglichkeit gegen die Missstände wie Ausbeutung, Unterdrückung, Rassentrennung oder Ausgrenzung zu demonstrieren. Die Musik entwickelte sich zu einem Medium, mit deren Hilfe man der eigenen Sicht der Dinge Ausdruck verleihen konnte. Darüber hinaus stand sie nicht zuletzt auch für die Chancengleichheit farbiger Minderheiten in den Vereinigten Staaten sowie für einen gleichberechtigten Zugang zu wirtschaftlichen und kulturellen Gütern.[14]

Doch wer prägte diese frühe Phase des amerikanischen Rap? Zur Urheberschaft dieses Genre gibt es verschiedene Ansätze, die ich an dieser Stelle kurz anführen werde.

Neben Kool DJ Herc oder DJ Hollywood wird auch Grandmaster Flash genannt. Jedenfalls war es der Rapper Afrika Bambataa, der mit seiner selbstgegründeten „Zulu Nation“ die ersten HipHop Battles organisierte, die zur gewaltlosen Auseinandersetzung mit den Problemen der Jugendlichen in den Ghettos diente. Als ein lockerer Zusammenschluss einzelner Individuen strebte die Zulu- Nation nach Erfolg, Frieden und Eintracht, während Gewalt, Drogen oder Alkohol verpönt waren.[15] Discjockeys wie Afrika Bambataa und Kool DJ Herc waren es, die die frühe Phase des Rap prägten, bis Ende der siebziger Jahre die ersten Platten erschienen.[16] Während Kurtis Blow der erste Rapper mit einem Plattenvertrag war, landeten 1979 die Gruppe Sugar Hill Gang mit „Rapper´s Delight“ einen internationalen Hit.[17] Daneben waren es Discjockeys wie beispielsweise Grandmaster Flash, die den Rap international verbreiteten und zum Durchbruch verhalfen. Dadurch entwickelte sich der Rap in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre zu einer Musikmode, die in allen Spielarten der populären Musik aufgegriffen wurde. Diese frühe Phase in der Entwicklung des Rap wird als „Old School“ bezeichnet.[18]

3.3 Die New School

Als Anfang der achtziger Jahre die ersten bezahlbaren Sampler auf den Markt kamen, wurde es möglich, auch kurze Sequenzen zu samplen oder viele Samples übereinander zuschichten. Ein Sampler ist ein digitales Aufnahmegerät mit unterschiedlichen Speichereinheiten, die per Tastendruck einzeln abgerufen werden können. Damit setzte eine neue Phase der HipHop- Geschichte ein, die „New School“ genannt wurde. Die New School ist vor allem gekennzeichnet durch die Erfolgsgeschichte eines alternativen Plattenlabels DEF JAM, die Künstler wie RUN DMC, Public Enemy oder die ersten weißen Rapper, die Beastie Boys, hervorbrachten.[19]

Während die Old School für einen Rap oftmals ein einziger Beat zur Bestimmung des gesamten Tracks ausreichte, war die New School dadurch gekennzeichnet, dass sie einzelne Teile aus verschiedenen Songs zusammenmischte.[20]

Der Rap begann sich in dieser Phase national auszubreiten und politisch zu radikalisieren. Die Szene professionalisierte sich und der subkulturelle Charakter, der das Genre in seiner Anfangsphase prägte, ging verloren. Eine ganz neue Generation betrat die Bühne, die in ihren Aussagen aggressiver und provozierender agierte als ihre Vorgänger.[21]

Ende der achtziger Jahre entwickelte sich an der Westküste, vor allem in Los Angeles, der ganz anders ausgerichtete „Gangsta Rap,“ charakterisiert durch seine gewaltverherrlichenden Texte, in denen Drogen, Alkohol oder Sex thematisiert werden. Der Gangsta Rap befasst sich wie der politische Rap mit dem Leben in den amerikanischen Ghettos. Allerdings fehlten bei diesem Subgenre weitgehend politische Lösungsvorschläge.[22]

In den neunziger Jahren wurde der Rap, nach der Polarisierung und dem Rückzug auf extreme Positionen in den späten achtziger Jahren, wieder facettenreicher in seiner Vermischung mit anderen Musikstilen. Inhaltlich thematisierte der Rap aber weiterhin afroamerikanische Themen. Auch in Zukunft wird die Rap- Musik für afroamerikanische Jugendliche ein Ausdrucksmittel darstellen.[23] Doch längst stellen HipHop und Rap keine Domäne farbiger Minderheiten in den Vereinigten Staaten dar. Wie andere populäre Musik – und Ausdrucksformen konnte der Rap weit über die Neue Welt hinaus Verbreitung und Anerkennung finden.[24]

4. Die Entwicklung des Rap franVais

Der französische wie auch deutsche Rap spielt eine unleugbar soziale Rolle und gerappt wird zu jedem Thema. Dadurch kann Rap alle möglichen Sichtweisen zu Problemen wie z.B. Rassismus anbieten. Angesprochen werden vordergründig junge Leute, die auf die Probleme aufmerksam gemacht werden. Der „Papa“ des HipHop Afrika Bambaata sagt, dass Rap nur eine Fortsetzung einer Tradition ist, die die Jugend beeinflusst, vergleichbar mit den 60-ern, wo z.B. die Beatles eine bestimmte Kritikhaltung bei den Menschen verursacht haben.

Der französische Soziologe Francois Dubay findet es erstaunlich, wie Rapper an Kultur, Wurzeln und Identität denken und darüber sprechen können, ohne Sprachbarrieren zu haben.[25]

„Der Rap ist im Endeffekt eine so reichhaltige Musik, dass man alles hineinprojizieren kann, alles unterbringen und alles von ihm erhoffen kann. Unter anderem eben auch eine soziale Position.“[26]

Die Anfänge des Rap in Frankreich, lassen sich in den beginnenden 80-er Jahren einordnen zu einer Zeit, in der Fragen nationaler Identität in Frankreich aufkamen und diskutiert wurden.

In den Nachkriegsjahren galt Frankreich noch als ein Musterbeispiel eines Nationalstaats. Die Franzosen fühlten sich als eine Einheit. Dieses Bild wurde durch beginnende sozio-kulturelle Wandlungsprozesse getrübt.

Zu dem Zeitpunkt, also 1980, befinden wir uns in den Anfängen Mitterands, der versuchen musste den Menschen eine Zukunftsperspektive zu geben. In dieser Zeit hatten die Politiker auch noch mit anderen Herausforderungen zu kämpfen wie z.B. der Weltmachtanspruch, die globale Vernetzung und die exportabhängige Produktion.

Man konnte den Trend zu einer horizontal differenzierten Ausgrenzungsgesellschaft erkennen. Das bedeutet auch, dass es soziale Disqualifikationen gab und ethnische Minderheiten größer wurden. Durch die Wirtschaftskrise kamen viele nord- und schwarzafrikanische Arbeitsmigranten nach Frankreich, die sich am Rande der Städte in Großvierteln ansiedelten. So entstanden „schwierige Viertel“ und die „Krise der Vorstädte“.[27]

Somit gab es bereits seit den 80- er Jahren Berichte über Unzufriedenheit und Unruhen in den Trabantenstädten der Großräume Paris und Lyon und eine sogenannte „Vorortproblematik“ entstand.

Die Musikrichtung des HipHop/Rap steht in vielen verschiedenen musikalischen Traditionslinien und entwickelte sich unter anderem unter den genannten Hintergründen.

Man kann sagen, dass seit den 70- er Jahren nicht mehr sehr viel nachgekommen ist, an politikorientierten Texten. Eine Ausnahme bildet dabei der Rap, der sich vergleichsweise mit anderen Musikströmen sehr viel mehr engagierter und politisierter darstellt.

Er etablierte sich in Frankreich erst in den 90- er Jahren, doch seine Anfänge und Ursprünge liegen in den Jahren 1981/82, als man auf den amerikanischen Rap aufmerksam wurde und anfing, sich für diese neue Musikrichtung zu interessieren. Der Rap fand seine Verbreitung in den gerade erst zugelassenen „radio libres“ und die erste richtige Rap-Welle war bis 1984/85 als z.B. auf dem Fernsehsender TF1 mehrere Sendungen mit dem Titel „HipHop“ ausgestrahlt wurden. Vorbilder der ersten Rap-Gruppen waren die Stücke aus den USA, doch fingen die französischen Rapper bereits Ende der 80-er Jahre an, ihren eigenen Stil zu kreieren und lösten sich somit immer mehr von den amerikanischen Vorbildern. Eine neue, eigene Identität bildete sich heraus, der Rap franVais.[28]

Nicht nur die regelmäßigen HipHop-Shows im Radio waren wichtig für die Szene, sondern auch die „Block Parties“, die Dj Dee Nasty ab 1984 in den sogenannten terrains vagues bei der Metrostation La Chapelle veranstaltete. Ähnliches kennt man vielleicht aus der Techno-Szene.

Schließlich nach einer zwischenzeitlichen Flaute, als man die Musikrichtung schon als eine flüchtige Modeerscheinung abtat, flammte der Rap in den Medien wieder auf. 1990 erschien der erste Rap-Sampler mit dem Namen „Rappitude“, auf dem schon sehr viele Künstler vertreten waren, die in den Folgejahren wichtig für die HipHop Szene in Frankreich wurden. Diese Platte wurde von dem Label „Labelle Noir“ herausgebracht und verkaufte sich über 40.000- mal. Ein Prozess der Kommerzialisierung setzte ein. Bis zum Beginn der 90- er war man davon ausgegangen, dass sich die französische HipHop Szene nur in Paris abspielen würde, bis dann IAM aus Marseille auftauchte.

Es entwickelte sich eine mehr oder weniger Konkurrenz zwischen Paris und Marseille, wie man dies vielleicht aus den USA kennt mit der „East-Coast“ und der „West-Coast“, doch nicht auf so einer „gangsta-rap-Schiene“ und Kriegen zwischen den Gruppen.[29]

Ab den 90- er Jahren gab es dann auch spezielle Rap-Zeitschriften, angefangen mit L`Affiche (1990), Groove, Radikal, R.E.R.(1996/97), RAP (1998), Segment, Da Niouz (2000), Rap Images, Real (2001) und Get Busy (2002).[30]

1991/92 kamen bereits die ersten national erfolgreichen Rap- Cd´s auf den Markt, wie z.B. von IAM, MC Solaar...

1992 wurde der erste nationale Musikpreis, der „Victoire de la musique“ an einen Rapper verliehen, mit dem Namen MC Solaar. Weiterhin gab es zwei „Victoires“ an Rapper 1994 bzw. 1995.

Das Rap in der Gesellschaft auch kritisch betrachtet worden ist, zeigt unter anderem, dass im September 1992 ein Verfahren gegen die Rap-Gruppe Ministère Amer wegen „Aufforderung zum Mord gegen Polizeibeamte ohne Folgen“ von Innenminister Jean- Louis Debré anberaumt wurde. Im November 1996 wurden die beiden Sänger der Gruppe Suprême NTM zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, davon drei Monate auf Bewährung und einem halben Jahr Auftrittsverbot in Frankreich wegen „outrage à la police“.[31]

1995 kam ein Film in die Kinos, der ein Bild von der französischen Rap-Szene vermittelte, das man sich gerade auch in Deutschland von französischen Rap machte. Der Film, mit Namen „La Haine“ von Matthieu Kossovitz, zeigt die triste Pariser banlieue, Polizeigewalt und jugendliche Gangs und stellt Rap als die Musik der banlieue dar, die von jungen Migranten, von Kleinkriminellen und Außenseitern gehört und gemacht wird. Das Thema ist ganz klar: Gewalt. Unterlegt wird das ganze durch einen eindrucksvollen Rap-Soundtrack. Das Rapper nicht als Künstler, sondern als gewaltbereite Ghettokids dargestellt wurden, zeigt auch die Fernsehsatire „Les Guignolles“, die NTM als solche darstellt und so gestalteten sich auch die Interviews.[32]

[...]


[1] Ertl, Franz: Rap, funk, Soul, ein Nachschlagewerk, Köln 1992, S.45.

[2] vgl. Hüser, Dietmar: RAPublikanische Synthese, Eine französische Zeitgeschichte populärer Musik und politischer Kultur, Köln u.a. 2004, S.5.

[3] vgl. Hüser, Dietmar: RAPublikanische Synthese, Eine französische Zeitgeschichte populärer Musik und politischer Kultur, Köln u.a. 2004, S.3.

[4] www.mediaculture-online.de/fileadmin/bibliothek/hueser_hip hop/hueser_hip hop.pdf (Stand:01.07.2005)

[5] vgl. Wicke, Peter; Ziegenrücker, Kai-Erik: Handbuch der populären Musik, Zürich 1997³, S.418.

[6] vgl. Hüser, Dietmar: RAPublikanische Synthese, Eine französische Zeitgeschichte populärer Musik und politischer Kultur, Köln u.a. 2004, S.45.

[7] www.mediaculture-online.de/fileadmin/bibliothek/hueser_hip hop/hueser_hip hop.pdf (Stand:01.07.2005).

[8] Hüser, Dietmar: RAPublikanische Synthese, Eine französische Zeitgeschichte populärer Musik und politischer Kultur, Köln u.a. 2004, S.45.

[9] vgl. Hüser, Dietmar: RAPublikanische Synthese, Eine französische Zeitgeschichte populärer Musik und politischer Kultur, Köln u.a. 2004, S.45.

[10] www.sterneck.net/musikfree-jazz/index.php (Stand:01.07.05).

[11] vgl. Hüser, Dietmar: RAPublikanische Synthese, Eine französische Zeitgeschichte populärer Musik und politischer Kultur, Köln u.a. 2004, S.46.

[12] vgl. Hüser, Dietmar: RAPublikanische Synthese, Eine französische Zeitgeschichte populärer Musik und politischer Kultur, Köln u.a. 2004, S.49.

[13] vgl. Verlan, Sascha: Arbeitstexte für den Unterricht, Rap- Texte, Stuttgart 2000, S.8-9.

[14] vgl Hüser, Dietmar: RAPublikanische Synthese, Eine französische Zeitgeschichte populärer Musik und politischer Kultur, Köln u.a. 2004, S. 46.

[15] vgl. Hüser, Dietmar: RAPublikanische Synthese, Eine französische Zeitgeschichte populärer Musik und politischer Kultur, Köln u.a. 2004, S. 50-51.

[16] vgl. Wicke, Peter; Ziegenrücker, Kai-Erik: Handbuch der populären Musik, Zürich 1997³, S.418.

[17] vgl. Hüser, Dietmar: RAPublikanische Synthese, Eine französische Zeitgeschichte populärer Musik und politischer Kultur, Köln u.a. 2004, S.50.

[18] vgl. Wicke, Peter; Ziegenrücker, Kai-Erik: Handbuch der populären Musik, Zürich 1997³, S.418.

[19] vgl. Verlan, Sascha: Arbeitstexte für den Unterricht, Rap Texte, Stuttgart 2000, S.17.

[20] vgl. Ertl, Franz: Rap, Funk, Soul, Ein Nachschlagewerk, Köln 1992, S.46.

[21] vgl. Hüser, Dietmar: RAPublikanische Synthese, Eine französische Zeitgeschichte populärer Musik und politischer Kultur, Köln u.a. 2004,S. 52.

[22] vgl. Grimm, Stephanie: Die Repräsentation von Männlichkeit in Punk und Rap, Tübingen 1998, S. 71.

[23] vgl. Grimm, Stephanie: Die Repräsentation von Männlichkeit in Punk und Rap, Tübingen 1998, S. 71.

[24] vgl. Hüser, Dietmar: RAPublikanische Synthese, Eine französische Zeitgeschichte populärer Musik und politischer Kultur, Köln u.a. 2004,S. 57.

[25] vgl.: Dufresne, David: Yo! Rap Revolution. Geschichte, Gruppen. Bewegung, Paris 1992, S.35f.

[26] Dufresne, David: Yo! Rap Revolution. Geschichte, Gruppen. Bewegung, Paris 1992, S.36.

[27] vgl.: Hüser, Dietmar: RAPublikanische Synthese. Eine französische Zeitgeschichte populärer Musik und politischer Kultur, Köln u.a. 2004, S.1f.

[28] vgl.: www.histinst.rwth-aachen.de/default.asp?documentId=72 (Stand: 24.06.´05)

[29] vgl.: www.pons.de/speziell/ausbild/hiphop/hipstory/hipstory.htm#frankreich Stand:(01.07.´05)

[30] vgl.: Hüser, Dietmar: RAPublikanische Synthese. Eine französische Zeitgeschichte populärer Musik und politischer Kultur, Köln u.a. 2004, S.12.

[31] vgl.: www.histinst.rwth-aachen.de/default.asp?documentId=72 Stand: ( 24.06.´05)

[32] vgl.: www.pons.de/speziell/ausbild/hiphop/hipstory/hipstory.htm#frankreich Stand:(01.07.´05)

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Der Rap in Deutschland und Frankreich sowie seine Ursprünge
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Populäre Musik als politische Kommunikation-Deutschland und Frankreich im Vergleich
Note
2,3
Autoren
Jahr
2005
Seiten
44
Katalognummer
V47202
ISBN (eBook)
9783638441995
Dateigröße
626 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutschland, Frankreich, Ursprünge, Populäre, Musik, Kommunikation-Deutschland, Vergleich
Arbeit zitieren
Stefanie Kimpel (Autor)Sabrina Sode (Autor)Tasja Ziegler (Autor), 2005, Der Rap in Deutschland und Frankreich sowie seine Ursprünge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47202

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