Die Situation der türkischen Bevölkerungsschicht in Deutschland. Eine Analyse der Integrationspolitik


Essay, 2018

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

1. Einleitung

In Deutschland leben momentan sehr viele Migranten, Tendenz steigend. Auffällig ist, dass diese Migranten meist untereinander bleiben und in sogenannten Ausländervierteln - auch Ghetto gennant - leben. Sie gehen einkaufen in z.B. Türkischen Läden und beherrschen die Deutsche Sprache sehr begrenzt. Der Wille die Deutsche Sprache besser zu beherrschen besteht auch nicht, es soll lediglich ausreichen um sich bei Notwendigkeit einigermaßen Verständigten zu können, wie z.B. am Arbeitsplatz. Auch ihre Kinder schaffen es meistens nicht zu einem guten Schulabschluss, wie zum Beispiel dem Abitur. Sie machen meist ihren Hauptschulabschluss und im besten Fall eine einfache Ausbildung, ansonsten beziehen sie Hartz4. Doch woran genau liegt es, dass so viele Kinder der zweiten Generation und dritten Generation, trotz der Tatsache, dass sie in Deutschland aufwuchsen, nicht wirklich integriert sind in die Deutsche Gesellschaft und in das Bildungsorientierte Leben der Deutschen? 1 Worin liegt es begründet, dass Kinder türkischstämmiger Eltern meist Verdiener der untersten Gehaltsklasse sind. Um dies untersuchen zu können muss man zunächst untersucht werden wie es überhaupt zu der Immigration der Türken nach Deutschland kam. Im Anschluss ist es wichtig herauszukristallisieren ob es überhaupt eine Integrationspolitik hinsichtlich der neu Zugewanderten Bevölkerung gab oder die Türken sich lediglich der Integrationspolitik entzogen haben und wie dies mit der Bildungspolitik zusammenhing. Zudem sollte ebenso untersucht werden wie die Deutsche Gesellschaft diese Gruppe überhaupt aufgenommen hat. Im Anschluss werden dann einige Spracherwerbstheorien thematisiert, da der Spracherwerb grundlegend ist für eine erfolgreiche Integration. Im Anschluss kann dann ein Fazit gezogen werden.

2. Die Ausgangssituation

Durch den Arbeitskräftemangel, welcher in Deutschland in der Nachkriegszeit herrschte, drohte in der Wirtschaft eine Krise. Im Spiegel aus dem Sommer 1959 wurde die Situation wie folgt geschildert :

„So ist der Kampf um Arbeiter zu einer aufreibenden Dauerbeschäftigung geworden, in die sich Personalverwaltungen großer Industrieunternehmen genauso verstrickt sehen wie kleinere Betriebe mit nur wenigen Beschäftigten.“ 2

Daher kam es zu mehreren Anwerbeabkommen, unter anderem mit Italien, Spanien und Griechenland. Die Situation, von der im folgenden die Rede ist, wurde ausgelöst durch das Anwerbeabkommen vom Oktober 1961, welches zwischen der Türkei und Deutschland unterzeichnet wurde. Dieses Abkommen setzte voraus, dass unverheiratete junge Männer nach einer Gesundheitsprüfung und einer Eignungsuntersuchung für die anzunehmende Arbeit, für ein bis maximal zwei Jahre nach Deutschland kamen und dort arbeiten. Ein familiärer Nachzug wurde vertraglich ausgeschlossen und die Arbeiter durften zunächst nur aus dem europäischen Gebiet der Türkei stammen.3 Am 30. September 1964 kam es dann zu einer Neufassung des Abkommens, in der die meisten Einschränkungen aufgehoben wurden. Diese Änderungen treten Anfang 1964 in Kraft. Während dessen wird auch in der Türkei stark nach Arbeitern geworben und die Türkische Anstalt für Arbeit und Arbeitsvermittlung gibt eine Anleitung mit dem Titel „ İşçi Olarak Almanya'ya Nasıl Gidilir ve Federal Almanya'da Yaşama Şartları“ übersetzbar als „Wie kann man als Arbeiter nach Deutschland gehen und welche Lebensbedingungen gibt es in der Bundesrepublik Deutschland“. 4 Daraufhin kamen in den nächsten acht bis neun Jahren rund 867.000 türkische Gastarbeiter nach Deutschland, von denen rund 500.000 zurückkehrten. Somit wurden die Türken Anfang 1972 zur größten Gastarbeitergruppe in Deutschland.

Mit der Zeit verbesserten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse Deutschland und der Bedarf an Arbeitern ließ nach. So kam es im November 1973 dann zu dem sogenannten „Anwerbestopp“ für Gastarbeiter. Während rund die hälfte Spanier und Griechen aufgrund der sich bessernden Lage in ihren Heimatländern zurückkehrten, gingen nur rund 27.000 von 605.000 Arbeitern bis 1980 zurück in die Türkei. Die Zahl der Türken stieg sogar an. Dies lag vor allem daran, dass die Situation in der Türkei in den 70er und 80er Jahren kritisch war. Mit dem Putsch 1980 wurden alle unabhängigen Parteien und demokratischen Rechte außer Kraft gesetzt. Diese Situation wurde verursacht durch mehrere Unstabilitäten in den Vorjahren.

Somit wurden aus rund 1,0 Millionen Türken, 1,4 Millionen Türken, darunter rund 420.000 unter 15- Jährige Kinder und viele Frauen.5

Daher stellt sich nun die Frage wie diese rund 420.000 Kinder und Jugendlichen, ohne deutsche Sprachkenntnisse, in den Schulen integriert wurden und ob es überhaupt eine Integrationspolitik gab.

3. Integrationspolitik - JA oder NEIN ?

In den Jahren nach der Einwanderung der sogenannten „Gastarbeiter“, kam es oft zu Ausgrenzung und Diskriminierungen der Türken. Der Spiegel druckte im Jahre 1973 den Artikel mit der Schlagzeile : „Die Türken kommen - rette sich, wer kann“. 6 In dem Artikel geht es darum, dass :

„Städte wie Berlin, München oder Frankfurt können die Invasion kaum noch bewältigen: Es entstehen Gettos, und schon prophezeien Soziologen Städteverfall, Kriminalität und soziale Verelendung wie in Harlem.“ 7

In dem Artikel geht es um verschiedene ethnische Herkunftsgruppen, aber der Titel berichtet nur von den Türken. Dies beweist schon, dass viele Deutsche Bürger Vorurteile gegen die Türkische Bevölkerung haben, obwohl die Situation von der in dem Artikel die Rede ist, von verschiedenen Gruppen ausgelöst wird. Diese Ansicht zieht sich durch die Artikel der 70er und 80er Jahre.

Auch der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl soll bei einem Treffen mit Margret Thatcher, der britischen Regierungschefin gesagt haben :

Über die nächsten vier Jahre werde es notwendig sein, die Zahl der Türken um 50 Prozent zu reduzieren - aber er könne dies noch nicht öffentlich sagen. Es sei unmöglich für Deutschland, die Türken in ihrer gegenwärtigen Zahl zu assimilieren.Deutschland habe kein Problem mit den Portugiesen, den Italienern, selbst den Südostasiaten, weil diese Gemeinschaften sich gut integrierten.Aber die Türken kämen aus einer sehr andersartigen Kultur. […] Deutschland habe 11 Millionen Deutsche aus osteuropäischen Ländern integriert. Aber diese seien Europäer und stellten daher kein Problem dar.“ 8

Somit zeigt sich hier, dass sogar der Bundeskanzler nie an eine vollständige Integration der Türken in Deutschland geglaubt hat. Dies begründet er damit, dass es zu viele Türken in Deutschland gibt, die zu integrieren und zu bilden sind und die Kultur der Türken sich zu stark von der Europäischen Kultur unterscheidet, was unter anderem auch an der Glaubensrichtung liegt. Diese Aussage wurde erst 30 Jahre nach der Äußerung veröffentlicht. Dies lag an dem Geheimhaltungsgesetz. Trotzdem spiegelt sie die Haltung der Gesellschaft wieder.

Des Weiteren kam es auch zu herablassenderen Aussagen, wie zum Beispiel seitens Kohls Vorgänger Helmut Schmidt: „Mir kommt kein Türke mehr über die Grenze.“ 9 oder des Kanzleramtsminister Hans-Jürgen Wischnewski, welcher über die Muslime sagte, dass sie: „ihren Hammel in der Badewanne schlachten10.

Somit war es keine Überraschung, dass auch die deutsche Bevölkerung immer mehr anfing die Türken als Last für die Gesellschaft anzusehen.

Daher ließen sich viele Türken oft in sogenannten Ghettos, in denen eher sozial schwächere Familien lebten, und Türkenvierteln, in denen Gleichgesinnte Menschen lebten, nieder.

Trotz dieser diskriminierenden Aussagen, gab es tatsächlich Integrationsversuche. Unter anderem sind einige in dem Ergebnisprotokoll der Bundesvorstandssitzung der CDU vom 17.3.1975 zusammengefasst:

„Rund 400 000 Ausländerkinder unter sechs Jahren leben bereits hier, 2/3 der Ausländerkinder erreichen z. Z. nicht den Hauptschulabschluß. Durch diesen Bildungsnotstand ausländischer Kinder werden schwerwiegende soziale Konflikte geschaffen.

Durch gezielte Maßnahmen bereits im Rahmen der vorschulischen Erziehung muss die Sprach- und Persönlichkeitsentwicklung ausländischer Kinder so gefördert werden, daß eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht der deutschen Schule möglich wird. Die verantwortlichen Stellen müssen ausreichend Schulplätze bereitstellen, die den Bedürfnissen der ausländischen Kinder entsprechen.

Die von der CDU bzw. CSU regierten Länder Baden-Württemberg und Bayern mit einem sehr hohen Ausländeranteil haben bereits vorbildliche Einrichtungen zur vorschulischen – und schulischen Bildung ausländischer Kinder geschaffen.

Wenn wir aus humanitären Gründen – aus dem Verständnis der CDU von der Familie – die Zusammenführung der Familien grundsätzlich für richtig halten, so müssen wir auch bereit sein, den ausländischen Jugendlichen ebenso wie den jugendlichen Deutschen die gleiche Chance zu einer qualifizierten Berufsausbildung zu gewähren. “ 11

Hier wird eine grobe Integrationsvorstellung formuliert. Es ist die Rede von Förderungsmaßnahmen, damit die Kinder erfolgreich am Schulunterricht Teilnehmen können. Dies wurde in den 1980er Jahren laut der Türkisch- Lehrerin und zuständigen Person für Integration an der Gesamtschule Osterfeld, Asiye Yildirim in Gruppen von ungefähr 30 SuS, welche Deutsch als Zielsprache erlernen sollten, umgesetzt.

Drei Jahre später kam es zu einer Konkretisierung dieses Integrationsprogramms. In dem Antrag der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag zu den Zukunftschancen der Kinder ausländischer Arbeitnehmer im Deutschen Bundestag, wird geschrieben:

[...]


1 Abb.1: Datenreport 2016: Sozialbericht für Deutschland, auf :https://www.destatis.de/DE/Publikationen/ Datenreport/Downloads/Datenreport2016.pdf? blob=publicationFile, S. 227.

2 Unbekannt: Die dritte Garnitur, in Der Spiegel 34/1959 (1959), http://www.spiegel.de/spiegel/print/ d-32333112.html.

3 Luft, Stefan: Die Anwerbung türkischer Arbeitnehmer und ihre Folgen, auf http://www.bpb.de/ internationales/europa/tuerkei/184981/gastarbeit (2014). ( Im folgenden zitiert als Luft: Die Anwerbung)

4 Eryılmaz, Aytac: Wie geht man als Arbeiter nach Deutschland? / İşçi Olarak Almanya'ya Nasıl Gidilir. In: Aytaç Eryılmaz, Mathilde Jamin (Hrsg.): Fremde Heimat / Yaban Silan olur. Eine Geschichte der Einwanderung, Essen 1998.

5 Luft: Die Anwerbung

6 Unbekannt: Die Türken kommen - rette sich, wer kann, in der Spiegel 31/1973 (1973), auf: http:// www.spiegel.de/spiegel/print/d-41955159.html. (Im folgenden zitiert als Unbekannt, 31/1973).

7 s. Unbekannt, 31/1973.

8 Coles, A.J.: Akte PREM 19/1036, auf http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kohl-wollte-jeden-zweiten- tuerken-in-deutschland-loswerden-a-914318.html.

9 Schmidt, Michael: Türken waren Kanzler Kohl fremd, auf http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-08/ kohl-gastarbeiter-gespraechsprotokoll (2013). (Im folgenden zitiert als Schmidt:Türken)

10 Schmidt: Türken.

11 Ausländische Arbeitnehmer — unsere Mitbürger, Konzept der CDU zur Ausländerpolitik (1977), in Grau, Andreas (Hrsg.): Dokumentation zur Ausländer- und Integrationspolitik der CDU 1956–2012, Berlin 2014, S.61.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Situation der türkischen Bevölkerungsschicht in Deutschland. Eine Analyse der Integrationspolitik
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V477605
ISBN (eBook)
9783668962422
ISBN (Buch)
9783668962439
Sprache
Deutsch
Schlagworte
situation, bevölkerungsschicht, deutschland, eine, analyse, integrationspolitik
Arbeit zitieren
Ferihan Cemre Terzioglu (Autor:in), 2018, Die Situation der türkischen Bevölkerungsschicht in Deutschland. Eine Analyse der Integrationspolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/477605

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