In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem römischen Autor Velleius Paterculus und der Beschreibung des Prinzipats des Tiberius in dessen Historia Romana. Um dem Leser einen Überblick über den in der Quelle beschriebenen Zeitraum und die Entstehung des Prinzipats zu geben, beginne ich die Arbeit mit einer kurzen Beschreibung des historischen Hintergrundes. Darauf folgt eine allgemeine Beschreibung der Quelle und ihres Aufbaus, sowie ein Kapitel über den Lebenslauf des Autors. Die Biographie des Velleius Paterculus erklärt bereits teilweise seine positive Einstellung gegenüber Tiberius. Im Analyseteil, dem vierten Kapitel, befasse ich mich nur mit einem Ausschnitt der Quelle, nämlich den letzten Kapiteln, in denen Velleius die Zeit von der Machtübernahme des Tiberius Caesar an bis zum Jahr 30 n. Chr. beschreibt. Velleius Art Tiberius Regierung zu beschreiben ist zwar sehr einseitig positiv geprägt, jedoch ist die Historia Romana die einzige erhaltene Schrift eines Zeitzeugen zu der Regierung des Tiberius. Die Sichtweise des Velleius verrät viel über die Einstellung der römischen Oberschicht zum Prinzipat und die Vorteile die diese Form der Regierung der Schicht der sogenannten homines novi verschaffte. Ich beschränke mich in diesem Hauptteil der Arbeit auf die Regierungszeit des Tiberius und lasse dessen militärische Karriere aussen vor.
Diese ist zwar eine der Grundlagen für die gute Beziehung zwischen Tiberius und dem Autor, darauf gehe ich aber im Abschnitt zur Biographie des Velleius Paterculus kurz ein. Die Angaben über den Lebenslauf des Autors sind sehr knapp, da darüber heute sehr wenig bekannt ist, die meisten erhaltenen Informationen stammen aus der Historia Romana selbst, die jedoch auch nur teilweise erhalten ist. Auf den Adressaten der Historiographie, M. Vinicius, gehe ich in einem eigenen Abschnitt kurz ein um die Verbindung zwischen ihm und dem Autor, die vermutlich maßgeblichen Einfluss auf den Inhalt und Stil des Buches hatte, aufzuzeigen. In einem kurzen Fazit werden schließlich die Ergebnisse zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Historia Romana des Velleius Paterculus
3. Die Biographie von Velleius Paterculus
4. Die Beschreibung der Regierung von Tiberius bei Velleius Paterculus
4.1. Die Kapitel über Seian
4.2. Die Kapitel 129 bis 131
5. Der Adressat der Historia Romana
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Werk "Historia Romana" des römischen Autors Velleius Paterculus mit dem primären Ziel, die Darstellung der Regierungszeit des Kaisers Tiberius zu analysieren. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwieweit die einseitig positive Sichtweise des Autors als Zeitzeuge durch seine persönliche Bindung zum Kaiserhaus und seine Zugehörigkeit zur Schicht der "homines novi" geprägt ist und welche Rückschlüsse dies auf das zeitgenössische Herrscherbild zulässt.
- Historische Einordnung der Historia Romana und des Autors Velleius Paterculus.
- Analyse der positiven Darstellung der Machtübernahme und Regierungsweise des Tiberius.
- Untersuchung der Rolle von M. Vinicius als Adressat des Werkes.
- Deutung der Charakterisierung wichtiger Persönlichkeiten wie Seian und Germanicus.
- Reflexion des Geschichtswerks als Instrument der Herrschaftslegitimation und Panegyrik.
Auszug aus dem Buch
4. Die Darstellung der Regierung des Tiberius Caesar bei Velleius Paterculus
Die letzten Kapitel der Historia Romana behandeln eine Zeit, die ihr Autor selbst erlebt hat. Dies zeigt sich auch an ihrer Ausführlichkeit im Vergleich zu anderen Kapiteln der Historiographie. Zudem weist Velleius Paterculus an verschiedenen Stellen auf seine eigene Beteiligung an den Ereignissen hin, wie zum Beispiel in Kapitel 124 (4). Die positive Einstellung des Autors gegenüber dem Prinzipat und vor allem gegenüber Tiberius spiegeln sich sowohl im Aufbau als auch in der Sprache und Wortwahl dieser Kapitel wieder. So stellt Velleius Paterculus die Übernahme der Macht durch Tiberius nach dem Tod von Augustus im Jahr 14 n. Chr. als von Volk und Senat erwünscht und rein positiv für den römischen Staat dar. Diese Wirkung erzielt er, indem er positiv und negativ besetzte Begriffe gegenüberstellt, um die Vorzüge von Tiberius Caesar mit Hilfe dieser Hell- Dunkel- Kontraste zu beschreiben. Hierbei verknüpft er die Machtübernahme durch Tiberius direkt mit der Rettung vor einem befürchteten „[...] Zusammenbruch der Welt [...] “ und spielt damit auf die Angst vieler Römer vor einem Machtvakuum und der daraus resultierenden Gefahr eines Bürgerkrieges an.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert den Aufbau der Hausarbeit und die Zielsetzung, die Darstellung des Prinzipats des Tiberius bei Velleius Paterculus kritisch zu untersuchen.
2. Die Historia Romana des Velleius Paterculus: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über Entstehung, Erhaltung und den universalgeschichtlichen Ansatz des Werkes sowie dessen Einordnung als Zeitzeugenbericht.
3. Die Biographie von Velleius Paterculus: Es werden die Lebensumstände des Autors beleuchtet, insbesondere seine familiären Hintergründe und die Bedeutung seiner militärischen Laufbahn für seine Loyalität zum Kaiserhaus.
4. Die Beschreibung der Regierung von Tiberius bei Velleius Paterculus: Der Hauptteil analysiert die spezifische, stark positive Darstellung der Tiberius-Herrschaft, wobei rhetorische Kontraste und die Entschuldigung schwieriger politischer Phasen hervorgehoben werden.
4.1. Die Kapitel über Seian: Dieser Abschnitt untersucht die Rechtfertigung des Aufstiegs von Aelius Seianus durch Velleius und ordnet diese in den Kontext politischer Notwendigkeiten und persönlicher Loyalität ein.
4.2. Die Kapitel 129 bis 131: Hier wird analysiert, wie der Autor durch die Hervorhebung einzelner Tugenden Tiberius' sowie die Vergöttlichung des Augustus und Livias ein Idealbild der kaiserlichen Regierung entwirft.
5. Der Adressat der Historia Romana: Dieses Kapitel arbeitet heraus, dass das Werk primär als Geschenk für den Freund M. Vinicius konzipiert war, was den informellen und selektiven Charakter der Darstellung erklärt.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Velleius Paterculus mit seiner Historiographie den Grundstein für die lateinische Panegyrik legte und weniger ein objektives Geschichtswerk als vielmehr ein legitimierendes Herrscherbild schuf.
Schlüsselwörter
Velleius Paterculus, Historia Romana, Tiberius, Prinzipat, M. Vinicius, Seian, homines novi, Kaiserlob, Panegyrik, Zeitzeugenbericht, römische Geschichte, Herrscherideal, Augustus, Livia, Germanicus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die "Historia Romana" des Velleius Paterculus mit dem Fokus auf die Darstellung der Regierungszeit des Kaisers Tiberius.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die historiographische Aufarbeitung des Prinzipats, die persönliche Motivation des Autors und die Funktion des Textes als Herrschaftslegitimation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die einseitig positive Sicht des Autors auf Tiberius zu hinterfragen und deren Ursachen in der Biografie des Velleius Paterculus zu verorten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine textanalytische Untersuchung, bei der die Primärquelle im historischen Kontext unter Berücksichtigung moderner Forschungsliteratur interpretiert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Darstellung der Machtübernahme, dem Umgang mit dem Berater Seian und der Zeichnung des Tiberius als "guter Herrscher".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Velleius Paterculus, Tiberius, Prinzipat, homines novi, Panegyrik und Herrscherlob.
Warum spielt die Person M. Vinicius eine so wichtige Rolle für das Werk?
Als Adressat des Werkes beeinflusste Vinicius vermutlich den Stil und die Auswahl der Informationen, da er ein enger Freund des Autors und Zeitgenosse der beschriebenen Ereignisse war.
Wie bewertet der Autor den Aufstieg von Seian?
Velleius rechtfertigt die Machtstellung Seians als eine Entscheidung des Kaisers, die dem Wohl des Staates diene, wobei er konkrete negative Taten ausklammert.
Welche Bedeutung hat das Gebet am Ende der Historia Romana?
Es markiert den Übergang des Werkes in eine panegyrische Form, in der der Autor um Stabilität für das Prinzipat und einen fähigen Nachfolger für Tiberius bittet.
- Quote paper
- Denise Engel (Author), 2004, Die Beschreibung der Regierung des Kaisers Tiberius in der Historia Romana von Velleius Paterculus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47947