Die industrielle Entwicklung Indiens nach 1985


Seminararbeit, 2003
28 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

1 Das Land Indien und seine Industriestandorte
1.1 Topographische Übersicht
1.2 Räumliche Verteilung der Industriestandorte

2 Die Industrielle Entwicklung nach der Unabhängigkeit bis 1985..

3 Die politische und wirtschaftliche Ausgangsposition um 1985

4 Der siebte Fünfjahresplan (1985-1990)
4.1 Ziele und Strategien
4.2 Erläuterung und Fazit

5 Die Wirtschaftskrise von 1991
5.1 Die neue Industrieökonomik
5.2 Grenzen der neuen Industrieökonomik

6 Der achte Fünfjahresplan (1992-1997)
6.1 Ziele und Strategien
6.2 Erläuterung und Fazit

7 Der neunte und zehnte Fünfjahresplan (1997-2002;2002-2007)
7.1 Ziele und Strategien
7.2 Erläuterung und Fazit

8 Fazit der Entwicklung ab 1985 und die Situation heute

9 Der industriestandort Bangalore als Verkörperung der modernen Softwareindustrie Indiens
9.1 Politische Hintergründe
9.2 Entwicklung der Software-und Computerbranche am Beispiel der Firma Siemens

Quellenverzeichnis

1. Das Land Indien und seine Industriestandorte

1.1. Topographische Übersicht

Indien ist mit einer Fläche von knapp 3,3 Millionen Quadratkilometern der siebtgrößte Flächenstaat der Erde. Die Bundesrepublik Deutschland würde mit ihrer Fläche von rund 356.978 Quadratkilometern 13 mal Platz in Indien finden. Vom Norden nach Süden gliedert sich Indien in drei Großräume. Die Gebirgsketten des Himalaja mit seinen Ausläufern, die Beckenlandschaften der großen Flüsse Ganges und Brahmaputra, sowie das Hochland von Dekkan, das mit Ausnahme der Küste ganz Südindien einnimmt.[1]

Das Klima Indiens ist im Süden tropisch, im Norden subtropisch und wird im Wesentlichen vom Monsun bestimmt. Der jahreszeitliche Wechsel zwischen Regen- und Trockenzeit hat großen Einfluss auf die Vegetation und die Landwirtschaft des Landes. Der Südwest- Monsun beinhaltet 80% bis 90% der jährlichen Niederschlagsmenge ganz Indiens.[2]

Indien ist nach China das bevölkerungsreichste Land der Erde mit über 1 Milliarde Einwohnern. Die Besiedlungsdichte schwankt jedoch regional sehr stark. In den städtischen Ballungsräumen beträgt die Zahl der Menschen pro Quadratkilometer über 6000, während sie in Berg- oder Wüstenregionen unter 100 liegt. Grundsätzlich ist Indien mit 27% städtischer Bevölkerung eher durch dörfliche Strukturen geprägt.[3]

Diese regionalen Unterschiede lassen sich auch bei der räumlichen Verteilung der Industriestandorte beobachten.

1.2. Räumliche Verteilung der Industriestandorte

Grob kann man die Industriestandorte in folgende Zentren einordnen:

Osten: Schwerindustriezentrum:

Eisen und Stahlerzeugung, Buntemetallverhüttung, Aluminiumverhüttung, Metallindustrie, Schienenfahrzeugbau, Chemieindustrie

Süden: Computer- und Softwareindustriezentrum

Westen: Textilindustriezentrum:

Baumwoll- und Juteanbau

Nach seiner Kolonialherrschaft übernahm Indien die stark disparitäre industrielle Raumstruktur. Über die Hälfte der Fabrikarbeiter waren in der Textilbranche tätig, insbesondere in der Baumwoll- und Juteindustrie. Ihr Zentrum lag im Westen des Landes, in Bombay und Ahmedabad, aber auch in den beiden Städten Kalkutta und Madras siedelte sich die Textilindustrie an. In diesen 4 großen Regionen waren rund 70% der Industrie angesiedelt. Daher war eine räumlich gleichmäßige Verteilung der Industrie von Beginn an ein wichtiges Ziel indischer Industriepolitik. Die vier großen Stahlwerke Bhilai, Durgapur, Bokaro und Roukela wurden daher bewusst in industrieleeren Regionen im Osten des Landes errichtet. Dort gab es zwar reiche Rohstoffvorkommen (Eisen, Stahl, Kupfer und Steinkohle), aber keine Infrastruktur. Diese zu errichten überstieg bei weitem Indiens finanzielle Mittel, so dass sie schließlich massive Kapitalhilfen aus dem Ausland in Anspruch nehmen mussten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Entwicklung der Stahlproduktion in Mio. Tonnen

Nach der Errichtung der Werke stieg die Stahlproduktion rasch von 1 Mio. Tonnen in den Jahren 1960/61 auf 4,6 Mio. Tonnen 1970/71. Danach stagnierte die Produktion zunächst, da die Anlagen veraltet waren und moderne Techniken nicht adäquat genutzt wurden. Als Folge waren erhebliche Importe nötig. Durch eine Sanierung der Anlagen und durch das schnelle Industriewachstum konnte die Produktion wieder angekurbelt werden.[4]

Im Laufe der Zeit wurde die Industrieproduktion zusätzlich auf jüngere, dynamischere Binnenstandorte, wie z.B. Bangalore, verlegt. Bangalore im Süden des Landes ist heute der Hauptstandort für die Computer- und Softwareindustrie.[5]

2.Die industrielle Entwicklung nach der Unabhängigkeit bis 1985

Nach der Unabhängigkeit Indiens konzentrierte sich die staatliche Wirtschaftspolitik vor allem auf die schwerindustriellen Sektoren. Indien entwickelte sich nach dem Modell der „mixed economy“ (gemischten Wirtschaft) was bedeutete, dass die Staatsbetriebe die Schlüsselpositionen (Schwer- und Investitionsgüterindustrie) der Wirtschaft besetzten, während der Konsumgüterbereich der Privatwirtschaft vorenthalten blieb und in den restlichen Sektoren beide konkurrierten.

Als Gegengewicht zum Aufbau der Schwerindustrie wurde eine breite Güterpalette für den kleinbetrieblichen Sektor reserviert. Für die Gewährleistung einer regional ausgewogenen Entwicklung förderte der Staat durch Auflagen und Subventionen die Industrieansiedlung in strukturschwachen Gebieten und schirmte den Binnenmarkt gegen internationale Konkurrenz ab, in dem er die Importe bis auf wenige Ausnahmen ( z.B. pharmazeutische Produkte) untersagte.[6]

Politisch betrachtet war das Herzstück der gesamten Entwicklungsplanung Indiens die von Nehru 1950 geschaffene Plankommission. Ihre Aufgabe bestand darin, die vorhergesehenen entwicklungspolitischen Maßnahmen in Form eines Planes (-> Fünfjahrespläne) auszuarbeiten.

Inhalt des ersten Fünfjahresplan (1951/52-1955/56) war aufgrund der Teilung des Landes und der damit verbundenen hohen Zahl an Flüchtlingen zunächst die rasche Entwicklung der Landwirtschaft. Bereits im zweiten Fünfjahresplan (1956/57-1960/61) legte man jedoch schon den Schwerpunkt auf den industriellen Sektor, der nun massiv gefördert werden sollte. Das Ergebnis war eine massive Umschichtung der öffentlichen Investitionsausgaben vom landwirtschaftlichem Sektor hin zum Industriellen. Dieser Industrialisierungskurs wurde im dritten Fünfjahresplan (1961/62-1965/66) fortgesetzt.

Der vierte Fünfjahresplan konnte erst drei Jahre später (1969) beginnen. Der Grund lag auf der einen Seite an zwei aufeinander folgenden Dürreperioden 1965 und 1966, deren Folge ein Einbruch der Nahrungsmittelproduktion um über 20% war. Auf der anderen Seite wurde durch die massive Förderung der Industrie die Landwirtschaft, die dem privaten Sektor angehörte, vernachlässigt. Daraus resultierte eine Rationalisierung der Grundnahrungsmittel, die wiederum einen Anstieg der Preise mit sich brachte. Haushalte reduzierten darauf hin ihre Nachfrage nach Industrieerzeugnissen, was zu immer stärkeren inflatorischen Tendenzen führte und schließlich Indien in eine Wirtschaftskrise stürzte.

Die Konsequenz konnten man an den Zielen im vierten Fünfjahresplan sehen. Die Investitionen im Industriesektor wurden zurückgefahren und dementsprechend die für die Landwirtschaft und Bewässerung erhöht.

Die folgenden Fünfjahrespläne sahen keine grundlegenden Änderungen in den sektoralen Investitionen vor. Die einzige signifikante Änderung ist die seit 1980 erfolgte Steigerung der Ausgaben für Energie, da man eingesehen hatte, dass eine stärkere Förderung dieses Sektors für die weitere Entwicklung sowohl der Industrie als auch der Landwirtschaft unentbehrlich war.[7]

Hauptinstrument des Staates zur Durchsetzung industriepolitischer Ziele war die Vergabe staatlicher Kapazitätslizenzen für industrielle Investitionen nahezu jeder Art. Wesentliche unternehmerische Investitionen konnten nicht ohne staatliche Einmischung gefällt werden.

In den Jahren vor 1985 konnten die zahlreichen Staatsbetriebe mit ihrer teils monopolistischen Stellung trotz finanzieller Begünstigungen nur eine geringere Rentabilität vorweisen als die Privatwirtschaft. Der Grund hierfür lag unter anderem darin, dass die Reservierungen für den kleinbetrieblichen Sektor das Wachstum der Betriebe verhinderte, da sie ab einer bestimmten Größe mit dem Wegfall von Begünstigungen rechnen mussten. Der Schutz vor ausländischer Konkurrenz förderte die konservative technologische Orientierung der Betriebe, die sich in minimalen Forschungs- und Entwicklungskosten niederschlug.[8]

Als Ergebnis ist festzuhalten, dass die Bilanz nach knapp 40 Jahren industrieorientierter Entwicklungs- und Wirtschaftspolitik von der Produktionsseite aus als erfolgreich bezeichnet werden kann.

Die jährlich Wachstumsrate des sekundären Sektors lag im Durchschnitt bei 5,6%, was im internationalen Vergleich und besonders zu den übrigen „Dritte Welt“ Ländern durchaus vorzeigbar ist. Weiterhin verfügt Indien über eine außerordentlich diversifizierte Produktionsstruktur, die nicht zuletzt aufgrund der starken Binnenmarktorientierung und der damit verbundenen Importsubstitution zustande kam. Auf der anderen Seite erwies sich diese Importsubstitution mit ihren hohen Schutzzöllen auch als großes Hemmnis für durchgreifende Produktivitäts- und Qualitätssteigerungen. (s.o.)

Auch die unwirtschaftlichen Staatsmonopole trugen dazu bei, dass Indien auch nach 40Jahren Industrialisierung mit 70% Anteil des primären Sektors am BIP Agrarland geblieben ist. Die gesamtwirtschaftliche Konjunktur des Landes hängt mehr vom Monsun als von industriellen Zyklen ab.[9]

3. Politische und wirtschaftliche Ausgangsposition um 1985

Nach seinem Wahlsieg im Dezember 1984 versuchte Rajiv Ghandi durch seine neuen Reformziele Modernisierung, Effizienzsteigerung und Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der indischen Industrie gegen die Abschirmung des Binnenmarktes vorzugehen, in dem er versuchte sich weg von staatlichen Zwängen hin zur Privatwirtschaft zu bewegen.

[...]


[1] Vgl. Diercke Weltatlas (1989), S.157.

[2] Vgl. Bpb. (1997), S.3.

[3] Vgl. Fischer Weltalmanach (2000), S.341f.

[4] Vgl. Cable (1987), S.79ff.

[5] Vgl. Bronger (1996), S.187ff.

[6] Vgl. BpB (1997), S.44.

[7] Vgl. Bronger (1996), S.178ff.

[8] Vgl. BpB (1997), S.46.

[9] Vgl. Bronger (1996), S.182ff.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Die industrielle Entwicklung Indiens nach 1985
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
28
Katalognummer
V48432
ISBN (eBook)
9783638451482
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Indiens
Arbeit zitieren
Katrin Jansen (Autor), 2003, Die industrielle Entwicklung Indiens nach 1985, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48432

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