Über die ethische Verwerflichkeit der Tierversuche im Rahmen der “Grundlagenforschung”


Hausarbeit, 2018
20 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Geschichte der Tierversuche

3. Was bedeutet Grundlagenforschung?

4. Tierversuch nicht gleich Tierversuch?

5. Was gegen Tierversuche zum Zweck der Grundlagenforschung spricht

6. Zahlen und Fakten

7. Schlusswort

8. Quellen

1. Einleitung

Dieser Text soil sich mit der Frage nach der ethischen Vertretbarkeit von Tierversuchen im Rahmen der wissenschaftlichen sogenannten Grundlagenforschung befassen. Obwohl die steigende Relevanz der Ethik von Tierversuchen im gesellschaftlichen Bewusstsein und in der offentlichen Diskussion (das heisst: das Thema ist brandaktuell) Grund genug sein mogen, diesen Text zu verfassen, ist doch letztlich die in mir schlummernde Liebe zu jedem einzelnen Tier der Grund warum ich mich nun hinsetze und diesen Text schreibe, der wahrscheinlich niemals grofee Kreise ziehen wird.

Als allererstes werde ich nach bestem Konnen kurz die Geschichte der Tierversuche in der Wissenschaft (insbesondere in der Medizin) darstellen, wodurch sich auch die wissenchaftliche Relevanz der Tierversuche erschliefeen sollte. Im nachsten Punkt soll kurz und hoffentlich unterhaltsam der Begriff Grundlagenforschung erlautert werden, da die Wissenschaft ein sehr weites Spektrum an Methoden und Herangehensweisen hat und ich mich in diesem Text auf die Grundlagenforschung spezialisieren will. Dies fuhrt den Leser und mich zum nachsten Punkt, ob denn Tierversuch nicht gleich Tierversuch ist und warum ich Tierversuche gerade im Rahmen der Grundlagenforschung ablehne. Die genauen Argumente dazu folgen im funften Kapitel, Zahlen und Fakten zu Tierversuchen im allgemeinen werden diese im 6. Kapitel untermauern. Im Schlusswort werde ich mein Fazit ziehen und hoffen, zu weiterem Nachdenken zu dem Thema angeregt zu haben. Quellen, die ich fur diese Arbeit verwendet habe sind am Schluss unter Punkt 8 aufgelistet.

2. Geschichte der Tierversuche

1 Bereits im 6. Jahrhundert vor Christus sind die ersten Tierversuche durchgefuhrt worden, namlich vom griechischen Arzt Alkmaion von Kroton (570 bis 500 v. Chr.). Die Idee war, anhand des Korpers eines Tieres Ruckschlusse auf den Korper des Menschen zu gewinnen. Auf diese Weise war es aufeerdem einfacher, seinen Wissensdurst zu stillen, wenn man bedenkt, dass das Aufschneiden und Untersuchen von menschlichen Leichen bis vor gar nicht so langer Zeit quer durch die Kulturen verboten war (eine unterhaltsame Umschreibung dieser Situation bietet mit Sicherheit der fiktive Film “Der Medicus”). Im Gegensatz zur Sektion menschlicher Leichen stellte das Untersuchen tierischer lebender und toter Korper kein ethisches Problem dar, uber die Folgen fur das Tier brauchte man sich keine Gedanken zu machen, und gesetzliche Hurden gab es nicht. So lasst sich der Aufschwung erklaren, den die Methode Tierversuch im Laufe der Zeit erfuhr.

Der “Begrunder der Medizin als Wissenschaft”, der beruhmte Arzt Hippokrates von Kos (460 bis 370 v. Chr.), war der erste Arzt, der Krankheiten versuchte, durch Naturbeobachtung statt durch Ubernaturliches (Gott, Teufel...) zu erklaren. Er war ein wandernder Arzt und sammelte auf diese Weise durch Beobachtung seiner vielen Patienten Erkenntnisse uber verschiedenste Leiden des Menschen. Wenn auch viele dieser Erkenntnisse aus heutiger Sicht nicht mehr korrekt sind, so ist sein bis heutiger wichtiger Beitrag zum Wohle des Menschen die Entwicklung der klinischen Forschung, die er allerdings noch ohne jegliche Tierversuche betrieb.

Wahrend in der Geschichte des antiken Griechenlands das Offnen von menschlichen Leichen grundsatzlich strikt verboten war, gab es doch wenige Jahrzehnte im 3. Jahrhundert vor Christus, in denen in der Alexandrinischen Arzteschule menschliche Leichen zu wissenschaftlichen Zwecken geoffnet und untersucht wurden. Wenige Wissenschaftler wie zum Beispiel Herophilos von Chalkedon (330 bis 260 v. Chr.) (der wahrscheinlich auch die lebenden Korper einiger Gefangener zerschnitt) oder Erasistratos (31 0 /3 0 0 bis 245 v. Chr.) konnten durch diese Untersuchungen eine wahre Wissensexplosion herbeifuhren - ebenfalls ganz ohne Tierversuche.

Aus dem 2. Jahrhundert nach Christus - das Offnen menschlicher Leichen war langst wieder verboten - bekannt ist Galen (13 0 bis 200 nach Christus), der “Vater der Vivisektion”. Er war und ist nach wie vor beruhmt fur seine Leidenschaft fur Tierversuche - und fur die falschen Erkenntnisse, die er dadurch bekam und die sich lange in den Lehrbuchern der Anatomie hielten. Obwohl er auch als Gladiatorenarzt tatig war und auf diese Weise viele Einblicke in den menschlichen Korper gewann, der Gladiatoren haufig schwer verletzt waren, setzte er doch vor allem auf Versuche an lebenden und toten Tieren. Dadurch, und auch dadurch, dass er die Werke der grofeen Arzte vor ihm zusammenfasste, war ihm uber fast 1500 Jahre seine Stellung in der Medizin sicher, und auch wenn immer wieder Arzte herausfanden, dass vieles von dem, was Galen schrieb, einfach nicht korrekt war, traute sich lange niemand, seine Werke offentlich infrage zu stellen.

Andreas Vesalius, ein belgischer Arzt des 16. Jahrhunderts (1514 bis 1564) war der erste, der sich traute, Galens Erkenntnisse infrage zu stellen und der auch feststellte, dass Galen wahrscheinlich nie eine menschliche Leiche geoffnet und untersucht hatte. Nachdem Vesalius Werke ihrerseits anfanglich aus verschiedenen Grunden sehr unstritten waren, wurde letztlich doch die Sektion menschlicher Leichen als Standardmethode fur die Anatomie akzeptiert.

In der folgenden Zeit gab es viele neue Erkenntnisse uber den menschlichen Korper. Weil menschliche Leichen fur die Sektion allerdings nach wie vor schwer zu beschaffen waren, schrieben einige Arzte und Wissenschaftler, die ihre Erkenntnisse an menschlichen Leichen gesammlt haben, Tierversuchen zu (die tatsachlich oft nebenher praktiziert wurden), da viele Leichen illegal untersucht wurden.

Die Art der Tierversuchsverwendung, die wir heute haben, verdanken wir Claude Bernard (1813 bis 1878), der bekannt ist fur seinen besonders grausamen Umgang mit Tieren (und der aufgrund seiner Grausamkeit sogar von Frau und Kindern verlassen wurde).

"Bernard beantworte schonungslos jede seiner Fragen in unvorstellbar grausamen Tierversuchen. Beispielsweise studierte er die Hitzeeinwirkung auf Korper an Kaninchen und Hunden, indem er diese Tiere bei lebendigem Leib so lange in einem Ofen erhitzte bis sie starben. (43) Bernard erklarte, dass er als Physiologe - und somit als eine Art Ubermensch - die Schmerzensschreie der Tiere uberhort und sich davon nicht beeindrucken lasst. (44) Erfand es schlicht ,absurd' und ,sinnlos' uberhaupt uber Tierversuche zu diskutieren und vertratfolgende Ansicht: ,Da es unmoglich ist, es allen recht zu machen, braucht sich der Forscher nur um die Meinung der Forscher, die ihn verstehen, zu kummern und sein Verhalten nur nach seinem eigenen Gewissen zu richten.' (45)"2

Bernard ist derjenige, der als erstes dem Tierversuch mehr Wert zuschrieb als Versuche am Menschen. Klinische Studien am Menschen empfand er als verantwortungslos, weil diese angeblich zu viele Unsicherheiten mit sich brachten. Echte verwendbare Ergebnisse liefeen sich nur durch Versuche an lebendigen Tieren unter immer wieder gleichen Bedingungen gewinnen. Er setzte den Standard, dass am Menschen gewonnene Erkenntnisse nur dann von Wert sein, wenn sie in Tierversuchen bestatigt wurden. Uber die Grausamkeit Bernards gibt es viele Geschichten, die hier nicht alle Platz finden. Wichtig finde ich aber noch zu wissen, dass einer seine Studenten schliefelich eine Anti-Tierversuchs-Gesellschaft grundete.

Eine ganze Anzahl an Wissenschaftlern und Arzten entdeckte bis heute alle moglichen Vorgange am menschlichen Korper. Die wichtigsten Erkenntnisse bekamen aber immer wieder erst dann Anerkennnung, wenn sie durch Tierversuche bestatigt wurde, obwohl es zahlreiche anatomische Beispiele oder Beispiele von Krankheiten gibt, bei denen menschlicher und tierischer Korper einfach nicht ubereinstimmen.

3. Was bedeutet Grundlagenforschung?

“Grundlagenforschung: Originare Untersuchungen mit dem Ziel, den Stand des Wissens zu vermehren, ohne Ausrichtung auf ein spezifisches Ziel.”3

“Grundlagenforschung bezeichnet experimentelle oder theoretische Arbeiten, die in erster Linie dem Erwerb neuen Grundlagenwissens ohne erkennbare direkte praktische Anwendungsmoglichkeiten dienen.”4

“Die Zweckfreiheit der Grundlagenforschung soll in den betreffenden Disziplinen zu neuen Denkrichtungen verhelfen.”5

Mit diesen drei Zitaten ist mit Sicherheit schon gut zusammengefasst, was Grundlagenforschung im Kern ausmacht. Es geht um Experimentieren und Erforschen, darum, die Grenzen des menschlichen Geistes und des Wissens einfach aufeer Acht zu lassen, ja gar zu sprengen und die Neugier zu befriedigen. Es ist das, was man in der Schule im allerersten Jahr im Chemieunterricht macht: Was passiert, wenn ich dieses und jenes zusammen in ein Reagenzglas kippe? Ohh, die Flussigkeit wird rosa!!

[...]


1 Das gesamte Kapitel stutzt sich auf die Informationen auf der folgenden Internetseite: https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/infos/allgemein/2514-tierversuche-in-der-medizingeschichte?gclid=CjwKCAjwrNjcBRA3EiwAIIOvq6PzeRRSlWI 0 gyahp wntkNGloEsrLVwXBROIAgFufkVkFJWeXHsa7xoC5FAQAvD_BwE

2 https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/infos/allgemein/2514- tierversuche-in-der- medizingeschichte?gclid=CjwKCAjwrNjcBRA3EiwAIIOvq6PzeRRSlWI0gyahp wntkNGloEsrLVwXBROIAgFufkVkFJWeXHsa7xoC5FAQAvD_BwE

3 http://www.ovgu.de/Forschung/Beratung/Forschungsf%C3%B6rderung/F%C3%B6rdermittelgeber/Bund/Forschungsarten_+SME_Definition-p-33106.html

4 Ebd.

5 http://www.science-at- home.de/lexikon/lexikon_det_00070701000056.php

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Über die ethische Verwerflichkeit der Tierversuche im Rahmen der “Grundlagenforschung”
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Autor
Jahr
2018
Seiten
20
Katalognummer
V490390
ISBN (eBook)
9783668975040
Sprache
Deutsch
Schlagworte
über, verwerflichkeit, tierversuche, rahmen, grundlagenforschung”
Arbeit zitieren
Alina Rohde (Autor), 2018, Über die ethische Verwerflichkeit der Tierversuche im Rahmen der “Grundlagenforschung”, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490390

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