Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Literaturwissenschaft - Vergleichende Literaturwissenschaft

Leporello bei Gumiljow, Da Ponte und Molina. Zur Evolution und Emanzipation einer Dienerfigur

Titel: Leporello bei Gumiljow,  Da Ponte und Molina. Zur Evolution und Emanzipation einer Dienerfigur

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2019 , 33 Seiten , Note: 3,0

Autor:in: Florian Arleth (Autor:in)

Literaturwissenschaft - Vergleichende Literaturwissenschaft
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Hausarbeit möchte ergründen, ob sich in früheren Adaptionen des Don Juan-Stoffes Ansätze für eine Evolution der Dienerfigur finden. Hierzu werden die Werke "Don Juan in Ägypten" von Gumiljow , Molinas "Der Verführer von Sevilla und der steinerne Gast" aus dem Jahr 1613 und Lorenzo Da Pontes "Libretto zu Don Giovanni" aus dem Jahr 1787 zur Analyse herangenommen.

Der russische Dichter Nikolai Stepanowitsch Gumiljow verfasste innerhalb seiner kurzen, von Lyrik dominierten, künstlerischen Schaffensphase den Einakter "Don Juan in Ägypten". Das Drama entstand 1912 und steht auch heute noch im Schatten von Alexander Puschkins 1830 erschienener und später als Oper realisierter Adaption des Don Juan-Stoffes. Während sich Puschkin jedoch weitestgehend an der klassischen Vorlage orientierte, schuf Gumiljow mit seinem "Don Juan in Ägypten" eine Art Fortsetzung und lässt sein Drama im Ägypten des frühen 20. Jahrhunderts an den traditionellen Handlungsstrang anknüpfen.

Bei Gumiljow entsteigt Don Juan nach seinem Höllensturz einem Felsschlitz und trifft auf einen Leporello, der es zwischenzeitlich in Amerika zu einer Hochschulprofessur gebracht hat und kurz davor steht, die Tochter eines amerikanischen Millionärs zu heiraten. Damit bietet Don Juan in Ägypten nicht nur auf Handlungsebene einen harten Kontrast zu den gängigen Adaptionen des Don Juan-Stoffes, sondern schafft auch inhaltlich einige Dissonanzen, da das Verhältnis zwischen Don Juan und der Dienerfigur mindestens hinterfragt wird. Denn Don Juan trifft bei Gumiljow einen nun gesellschaftlich angesehenen Diener an, der zudem als Tourist auftritt, also als freier Mensch, und keinesfalls, um Dienste zu verrichten.

Molinas Diener trägt den Namen Catalinon und folgt seinem Herren durch die üblichen Abenteuer bis zum finalen Abendessen mit der rachsüchtigen Steinstatue. Lorenzo da Ponte führtals Dienerfigur den Leporello ein, der in einem ähnlichen Beziehungs- und Handlungsschema seinem, hier mit Don Giovanni betitelten, Herrn unterstellt ist. Durch diese Übereinstimmungen ergeben sich auch die Kriterien der nachfolgenden Textanalyse und die Strukturen der jeweiligen Hauptkapitel. Anhand relevanter Textstellen wird jeweils untersucht, wie das Selbstbild des Dieners ist, in welchem Verhältnis der Diener zu der Don Juan-Figur steht, ob sich dieses Verhältnis im Laufe der Handlung ändert, und ferner, ob es Ansätze für die später bei Gumiljows Diener vorhandene wissenschaftliche Karriere gibt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Diener und Herr in der Tradition

2.1 Ursprünge in der Commedia dell'arte

2.2 Die Dienerfigur der Comedia nueva

2.3 Die Entwicklung im Dramma Giocoso

3 Catalinon bei Molina

3.1 Der Vater-Sohn-Vergleich

3.2 Die moralische Instanz

3.3 Die Ohrfeige

3.4 Die letzten gemeinsamen Abendessen

4 Leporello bei Da Ponte

4.1 Gehorsam wider Willen

4.2 Die Geburt eines Wissenschaftlers

4.3 Identitätsbetrug und körperliche Nötigung

4.4 Von Mundraub und Strafe

5 Leporello bei Gumiljow

5.1 Ein unerwartetes Wiedersehen

5.2 Der emanzipierte Diener

5.3 Ein vollendeter Wissenschaftler

5.4 Don Juans Gönner

6 Fazit

6.1 Die Fesseln der Tradition

6.2 Vom väterlichen Diener zum alten Freund

6.3 Die Entwicklung eines Wissenschaftlers

6.4 Eine Emanzipation mit Hindernissen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Evolution und Emanzipation der Don-Juan-Dienerfigur über drei Jahrhunderte hinweg, indem sie die Entwicklung von Molinas Catalinon über Da Pontes Leporello bis hin zu Gumiljows Leporello analysiert und dabei prüft, inwieweit der Diener eine vom Herrn unabhängige Identität entwickeln konnte.

  • Traditionslinien der Dienerfigur (Commedia dell'arte bis Dramma Giocoso)
  • Analyse der Vater-Sohn- und Dienstherren-Beziehung bei Molina
  • Die Figur des Leporello als aufschneiderischer Nachahmer bei Da Ponte
  • Wissenschaftliche Ambitionen und Rollenwechsel bei Gumiljow

Auszug aus dem Buch

3.1 Der Vater-Sohn-Vergleich

In Szene 13 des ersten Aktes kommt es nun zu dem Auftritt von Catalinon. Schauplatz dieses Debüts ist ein „Meeresufer bei Tarragona“, einem Ort zwischen Valencia und Barcelona. Wie viel Zeit seit der Flucht Don Juans aus Neapel verging, bleibt unklar. Bekannt ist nur, dass es zu einem Schiffbruch gekommen ist, was der Zuschauer, synchron mit dem Fischermädchen Tisbea, erfährt, als sich ein ertrinkender Diener von abseits der Szene bemerkbar macht:

CATALINON hinter der Bühne. Ich sinke! Helft!12

Die weitere Schilderung der Geschehnisse erfolgt durch das Fischermädchen:

Ein Jüngling

Bewältigt kühn die Flut,

Dem Rufenden zu helfen;

O edler Heldenmuth!

Er nimmt ihn auf die Schultern;

Als ein Aeneas er,

Als ein Anchises Jener,

Wenn Troja ist das Meer.

Er theilt mit Kraft die Wogen;

Das nenn' ich kühn geschwommen!13

Es trug sich nun folgendes zu: Don Juan, der „Jüngling“, schwamm zu seinem Diener, dem „Rufenden“, schulterte diesen und erreichte den Strand. Dass Tisbea hier einen Vergleich mit der griechischen Mythologie anstellt, ist etwas befremdlich. Anchises war der Sage nach der Vater von Aeneas, den er heimlich mit Aphrodite, in Hirtinnengestalt, gezeugt hatte. Ihm widerfährt eine Gottesstrafe, nachdem er im Rausch sein Versprechen bricht und die Identität der Mutter von Aeneas preisgibt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Don-Juan-Motiv ein und formuliert die Forschungsfrage, ob in den Adaptionen Ansätze für eine Evolution der Dienerfigur erkennbar sind.

2 Diener und Herr in der Tradition: Dieses Kapitel arbeitet die historischen Wurzeln der Dienerfigur heraus, insbesondere den Typus des lustigen Bediensteten (Gracioso) und seine Entwicklung in der Commedia dell'arte und der Commedia nueva.

3 Catalinon bei Molina: Hier wird analysiert, wie Catalinon als moralische Instanz auftritt und die komplexe Vater-Sohn-ähnliche Beziehung zu seinem Herrn Don Juan begründet.

4 Leporello bei Da Ponte: Dieses Kapitel befasst sich mit der Charakterisierung Leporellos als frustrierter, derber Diener, dessen Identität zunehmend durch Don Giovannis Intrigen und seine eigene Arbeit an einem Register geprägt wird.

5 Leporello bei Gumiljow: Hier wird der Leporello bei Gumiljow untersucht, der sich als akademisch gebildeter, emanzipierter Tourist und Ägyptologe von der klassischen Dienerrolle gelöst hat.

6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass eine Emanzipation der Dienerfigur stattgefunden hat, die bei Gumiljow in einer Inversion des Rollenverhältnisses gipfelt.

Schlüsselwörter

Don Juan, Leporello, Catalinon, Emanzipation, Dienerfigur, Literaturwissenschaft, Dramenanalyse, Adaptionsgeschichte, Commedia dell'arte, Wissenschaftler, soziale Evolution, Theatergeschichte, Gumiljow, Da Ponte, Molina.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und Emanzipation der Dienerfigur in verschiedenen Don-Juan-Adaptionen.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Der Fokus liegt auf der Charakterwandlung des Dieners, der Beziehung zum Herrn sowie dem gesellschaftlichen Aufstieg und der Emanzipation von der ursprünglichen Unterordnung.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt, ob sich in den untersuchten Adaptionen Ansätze für eine Evolution der Dienerfigur finden lassen und ob der Leporello bei Gumiljow als emanzipierte, von Don Juan unabhängige Figur gelten kann.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Die Autorin oder der Autor verwendet eine komparative Textanalyse relevanter Textstellen aus drei spezifischen Werken: Molina, Da Ponte und Gumiljow.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Werke einzeln analysiert, beginnend mit den theoretischen Wurzeln, gefolgt von der detaillierten Untersuchung der drei dienerzentrierten Kapitel zu Catalinon und Leporello.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Don Juan, Dienerfigur, Emanzipation, Adaptionsgeschichte und Literaturwissenschaft charakterisiert.

Wie unterscheidet sich der Leporello bei Gumiljow von seinen Vorgängern?

Während Catalinon und der klassische Leporello noch fest in Dienstverhältnissen und Standesgrenzen verhaftet sind, tritt Gumiljows Leporello als selbstbewusster, akademisch erfolgreicher Ägyptologe auf, der seinen Herrn eher wie einen alten Freund betrachtet.

Welche Bedeutung kommt der "wissenschaftlichen Karriere" des Dieners zu?

Die wissenschaftliche Laufbahn dient als Indiz für die zunehmende Autonomie des Dieners; sie symbolisiert den Übergang vom bloßen „Chronisten“ oder Diener zu einem eigenständigen Individuum, das die Kontrolle über sein Leben übernimmt.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Leporello bei Gumiljow, Da Ponte und Molina. Zur Evolution und Emanzipation einer Dienerfigur
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Deutsch als Fremdsprachenphilologie)
Veranstaltung
HS Casanova & Co
Note
3,0
Autor
Florian Arleth (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
33
Katalognummer
V490592
ISBN (eBook)
9783668969841
ISBN (Buch)
9783668969858
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Don Juan Don Giovanni Da Ponte Gumiljow Molina Leporello Catalinon
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Florian Arleth (Autor:in), 2019, Leporello bei Gumiljow, Da Ponte und Molina. Zur Evolution und Emanzipation einer Dienerfigur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490592
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  33  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum