Gewalt und Krieg im frühen Christentum

Zum Paradoxon christlicher Gewaltanwendungstheorien unter besonderer Berücksichtigung der augustinischen Lehre vom Bellum Iustum


Hausarbeit, 2018
35 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Zur Dialektik christlichen Gewaltverzichts und gesellschaftlicher Realität in der römischen Kaiserzeit

3. Der gerechte Krieg in Augustinus´ De Civitate Dei

4. Augustinus zwischen Gewalt und Toleranz – Heiliger Krieg und der Umgang mit Abweichlern

5. Fazit

1. Einleitung

Das Christentum versteht sich seit jeher als Religion des Gewaltverzichts und der Feindesliebe. Friede, Liebe und Versöhnung stehen im Zentrum der Überlieferungen des Neuen Testaments. Die Botschaft Jesu sollte die Spirale menschlicher Gewalt durchbrechen. Nicht der wehrhafte, sondern der wehrlose, Leid ertragende, auf Gottes Gerechtigkeit vertrauende Mensch galt als wahrer Christ und wurde gerade durch eine unbedingt friedliche Lebensführung geadelt.1

Die gewaltfreie Lehre Jesu lebte vor allem in den christlichen Urgemeinden fort. Aufgrund dieser rigorosen Friedenshaltung geriet die Minderheit der Christen zunehmend in Konflikt mit dem römischen Imperium. Probleme ergaben sich für deren Anhänger dort, wo die Teilhabe am öffentlichen Leben mit ihren kultischen Handlungen bis hin zum Dienst in der Armee oder im Beamtenapparat in Widerspruch zur Lehre der frühchristlichen Kirche geriet und deren Partizipation als Abkehr von Gott interpretiert werden konnte. Die aktive Teilnahme an heidnisch-römischen Kulten war deshalb für viele Mitglieder des neuen Glaubens undurchführbar. Gerade der Soldatenberuf schien mit der von Jesus gepredigten Abkehr von Gewalt unvereinbar zu sein.2 Doch erwiesen sich jene Aussprüche Christi, die vor dem Hintergrund des erwarteten Weltendes getätigt wurden, in der Praxis als unhaltbar. Das prophezeite Reich Gottes auf Erden kam nicht und machte daher Anpassungen der christlichen Friedensethik an die Verfasstheit der irdischen Welt notwendig. Dies betraf im Besonderen jene Glaubenssätze des Gewaltverzichts sowie der Nächsten- und Feindesliebe, die einer Angleichung an die gesellschaftliche Realität bedurfte.3

Die Kirche war gezwungen, Gemeindeverfassungen und kirchliche Ämter auszubilden sowie Richtlinien für das christliche Leben aufzustellen. Ein Christentum, das Teil der Welt sein wollte, durfte sich dieser nicht verschließen und musste die Institutionen selbiger berücksichtigen. Mit seiner wachsenden Bedeutung geriet der neue Glaube zunehmend ins Spannungsfeld von religiösem Anspruch und politischer Realität und wurde mehr und mehr in weltliche Machtzwänge verstrickt. Im Zuge der Konstantinischen Wende wurde das Christentum mit anderen Religionen im Imperium Romanum gleichgestellt, 380 n. Chr. gar von Kaiser Theodosius I. zur Staatsreligion erhoben. Damit stieg die Kirche zu einer gesellschaftlichen Institution auf, die fortan die Kriege des Reiches mitverantworten musste. Die Auseinandersetzung um die Anwendung von Gewalt und Zwangsmaßnahmen erfuhr im innerkirchlichen Disput wachsende Bedeutung. Zwar war die Vereinbarkeit von Krieg und Soldatendienst mit dem Christentum bereits zuvor von zeitgenössischen Autoren diskutiert worden, doch machte die staatstragende Funktion der Kirche neue Rechtfertigungstheorien der Gewaltanwendung eines nunmehr christlichen Staates notwendig.4

Eine herausragende Rolle in diesem Disput nahm Augustinus von Hippo ein, der die antike Idee des Bellum Iustum aufgriff und der christlichen Lehre anpasste. Auf eben jenem Kirchenvater, der im Jahr 430 verstarb und bis heute als herausragende theologische Autorität gilt, wird der Fokus der vorliegenden Arbeit liegen.5 Im Mittelpunkt soll seine Lehre vom gerechten Krieg stehen. Diese soll in die Frage nach der Metamorphose des Gewaltbegriffes, ausgehend vom Gewaltverzicht der frühen Christengemeinden, eingebettet sein und nachzeichnen, wie die Legitimation von Gewalt allmählich Eingang in die Kirche fand und von ihren theologischen Autoritäten begründet wurde. Am Beispiel des augustinischen Bellum-Iustum-Modells wird der Frage nachgegangen, mit welchen Argumentationsmustern eine Vereinbarkeit von Krieg und Gewalt in militärischen Konflikten mit christlicher Dogmatik herzustellen versucht wurde.

Augustinus´ umfangreiche schriftstellerische Tätigkeit erlaubt es nicht, alle seine Werke in dieser Arbeit zu behandeln, weshalb dem hier verwendeten Quellenfundus nur ausgewählte Schriften beigefügt wurden. Da der Kirchenvater keine zusammenhängende Lehre von Gewalt und gerechtem Krieg formulierte, sondern Ausführungen dazu in unterschiedlichen Werken zu finden sind, fand die Literaturauswahl nach Umfang der themenspezifischen Äußerungen und selbstverständlich inhaltlicher Relevanz statt. Besonders bedeutsam ist daher die Schrift De Civitate Dei, die nach dem Fall Roms 410, vermutlich zwischen 413 und 426, entstand. Die Nachwirkungen dieses Ereignisses fanden unverkennbar Einzug in das Werk, das hernach erstarkenden heidnischen Strömungen Einhalt zu gebieten versucht und das Christentum gegen diese verteidigt. Es stilisiert die Geschichte der Welt zum Kampf zwischen Gott und Teufel. Augustinus entwirft die Idee vom Gottesstaat, der als Gegensatz zur vergänglichen irdischen Herrschaft konstruiert wird. In seinen Ausführungen dazu geht er auch auf zentrale Aspekte einer Bellum-Iustum-Lehre ein, die sich in der Beschreibung staatlicher Aufgaben und zwischenstaatlicher Beziehungen sowie in der Frage nach Gewalteinsatz im Ringen irdischer Herrschaften manifestiert. Die in De Civitate Dei enthaltenen Textpassagen liefern den wohl größten Beitrag zur augustinischen Gewalttheorie.6 Daneben werden auch mehrere Briefe des Kirchenvaters, die im Kontext des Donatistenstreits entstanden sind, als Quellen angeführt. Diese sind vor allem für das vierte Kapitel bedeutsam, da sie den Umgang mit abweichenden Lehren behandeln und Augustinus´ Haltung offenbaren.

Zur genannten Thematik steht eine umfangreiche Sammlung an Forschungsliteratur zur Verfügung, die im Folgenden ausgeführt werden soll. Zur Dialektik von Frieden und Gewalt im innerchristlichen Diskurs der ersten Jahrhunderte seien die Arbeiten von Ulrich Luz7 und Hanns Christof Brennecke8 genannt. Ersterer zeichnet die Neugewichtung der Begriffe Feindesliebe und Gewaltverzicht im frühen Christentum nach und verweist dabei auch auf die teils aggressiven Töne im Neuen Testament, wohingegen letzterer der Frage nach der Vereinbarkeit von Soldatenberuf und christlichem Glauben nachgeht und im Zuge dessen die Meinungen wichtiger Theologen der frühen Kirche wiedergibt. Dem Wandel des Gewaltverzichtsanspruchs des frühen Christentums und dessen wachsender Bedeutung widmet sich die Ausarbeitung von Georg Bandler9. Die Rolle der Kirche im Spannungsfeld von Religion und Politik in der Spätantike erfährt bei Robert Jonischkeit10 eine intensive Betrachtung. Zu einem ähnlichen Thema sei auch der Aufsatz von Andreas Merkt11 genannt. Wobei dieser vor allem die Verfolgungen der Christen in den ersten drei Jahrhunderten in den Blick nimmt.

Dem Themenkomplex des Bellum Iustum in der Antike nimmt sich das Werk von Jessica Jensen12 an. Darin gibt sie die Meinungen prominenter christlicher Gelehrter wieder, wodurch sie den Diskurs um die Vereinbarkeit von Gewaltanwendung und christlichem Bekenntnis nachvollziehbar macht. Ihre Arbeit war somit für die Erstellung des zweiten Kapitels unerlässlich. Zum Krieg bei den Römern weiß Heinz-Günther Stobbe13 zu berichten, wobei er sich zunächst auf die Legitimität des Krieges im klassischen Rom bis hin zum ciceronianischen Begriff des Bellum Iustum bezieht. Im Anschluss daran wird auch das augustinische Verständnis von gerechter Gewaltanwendung detailliert ausgeführt und der Umgang mit Abweichlern und Ketzern thematisiert. Dazu ist auch die Arbeit Arnold Augenendts14 zu nennen, in welcher dieser vorrangig die zunehmende Symbiose von Staat und christlicher Kirche in der Spätantike betrachtet und im Zuge dessen auch auf die Handhabung abweichender Lehren eingeht. Der religiösen Inszenierung von staatlicher Gewalt sowie des Begriffs des Religionskrieges nimmt sich der Aufsatz von Mischa Meier15 an.

Einen Überblick zum Leben und literarischen Schaffen von Augustinus gibt Wilhelm Geerlings.16 Hierbei war die von ihm vorgenommene Auflistung vorhandener Editionen des augustinisches Schrifttums besonders hilfreich. Ebenfalls zur Biographie des Kirchenvaters ist das von Volker Henning Drecoll herausgegebene Augustin-Handbuch unbedingt zu nennen. Einen Einblick in den vorhandenen Schriftbestand sowie den Stand der Augustinus-Forschung geben die darin enthaltenen Aufsätze von Dorothea Weber17 und Volker Henning Drecoll18. Wichtige biographische Angaben finden sich dagegen im Text von Jochen Rexer19, der unter Mitwirkung Drecolls entstand und ebenfalls in dem von ihm publizierten Handbuch abgedruckt ist. Darin enthalten ist auch ein Artikel von Katharina Greschat20, in welchem diese die Bedeutung Nordafrikas als intellektuelles Zentrum der präaugustinischen Kirche herausstellt. Zu Augustinus´ Rolle im Donatistenstreit seien die Aufsätze von Pamela Bright21 genannt.

Dessen Wirken als Bischof wird von Daniel E. Doyle22 näher untersucht. Zur augustinischen Lehrmeinung vom Bellum Iustum und seinem Verhältnis zur Gewalt und staatlichen Macht sind die Arbeiten Johannes Brachtendorfs23 und Herbert Kochs24 hinzugezogen worden, wobei letzterer auch dem Donatistenstreit und dem Umgang mit Abweichlern Beachtung zuteil werden lässt. Der gerechte Krieg nach Augustinus wird ebenso bei Heinhard Steiger25 thematisiert. Zur Wirkung seiner Lehre für die mittelalterliche Gewalttheorie seien auch die Arbeiten Norbert Ohlers26 und Josef Semmlers27 erwähnt. Kritikpunkte sowohl zur Lehre vom gerechten Krieg an sich als auch zur augustinischen Auslegung dessen werden in den Arbeiten Eugen Drewermanns28 und Christoph Horns29 angeführt. Beide Autoren offenbaren die Schwächen der Bellum-Iustum-Idee und halfen, den kritischen Blick für die Thematik zu schärfen. Zum Verhältnis von Bellum Iustum und heutiger politischer Praxis sowie der Bedeutung historischer Perspektivierung zur gegenwärtigen Orientierung im Diskussionsfeld um Recht im Krieg und Recht zum Krieg soll auch Martin Kintzingers Aufsatz30 nicht unerwähnt bleiben.

2. Zur Dialektik christlichen Gewaltverzichts und gesellschaftlicher Realität in der römischen Kaiserzeit

Wesentliche Elemente der Jesusüberlieferung sind die Feindesliebe und der Gewaltverzicht, welche fälschlicherweise oftmals als etwas völlig Neuartiges interpretiert worden sind. Doch werden beide Begriffe in religiösem Kontext nicht erst durch den Religionsstifter aus Nazareth erstmalig verwendet, sondern sie waren bereits zuvor Bestandteil der Lehrmeinung einiger Rabbiner. Bei Jesus allerdings erstreckte sich die Forderung nach Liebe auf alle Menschen gleichermaßen und nicht vorrangig auf die Mitglieder einer Glaubensgemeinschaft, was seine Auffassung von älteren unterschied.31

Sein Wirken und nicht zuletzt sein gewaltsamer Tod am Kreuz stellten auch auf anderer Ebene eine Zäsur dar. Denn dadurch wurde die lange Tradition durchbrochen, dass göttliche Macht auch Tötungsgewalt beinhalten müsse.32 Vielmehr erfährt der Gewaltverzicht und die Leidenserfahrung, in Nachahmung der Marter Christi, eine positive Umdeutung und stand seither im Zentrum christlichen Lebens. Nach dem neuen Glauben wird gerade der Wehrlose, der die Gewalt erträgt und auf göttliche Gerechtigkeit vertraut, wahrhaft geadelt.33 Jene rigorose Gewaltablehnung lebte in den frühen christlichen Gemeinschaften fort. Vielfach gilt die Christusgemeinde der ersten drei Jahrhunderte als wahre Kirche, da sie noch nicht durch Macht und Staatsnähe korrumpiert gewesen sei.34

Die Mitglieder dieser frühen Kirche verstanden sich zunehmend als exklusive Gemeinschaft, die in Erwartung des Gottesreichs, den Sünden der irdischen Welt zu entsagen suchte.35 Durch die sogenannte Zwei-Kreise-Lehre, nach welcher zwischen einem inneren christlichen und einem äußeren Kreis, der alle Nicht-Christen umfasste, unterschieden wurde, verlor der Liebesbegriff Jesu allmählich seine universale Bedeutung und definierte eine Trennlinie zwischen Christengemeinde und dem Rest der Welt.36 Die strenge Einhaltung der christlichen Regularien brachte deren Anhänger zunehmend in Konflikt mit der Gesellschaftsmehrheit im römischen Imperium. Der Zwiespalt zwischen dem Verbleib im sozialen Gefüge und der Weigerung gesellschaftlicher Teilhabe offenbarte sich vor allem dort, wo sich religiöser Anspruch eines Anhängers Christi und weltliche Pflichten eines römischen Bürgers überschnitten. Dies war vor allem bei kultischen Handlungen zu Ehren des Kaisers und der heidnisch- römischen Staatsgötter, die öffentlich vollzogen wurden, sowie im Staats- und Militärdienst der Fall.37 Auf die Frage nach der Integration der Christen in die römische Gesellschaft gaben auch die Evangelien keine eindeutige Antwort.38 Der Zwiespalt zwischen Distanz und Integration ließ die Anhänger Jesu als Fremdlinge im Imperium erscheinen, dabei findet sich weder beim Religionsstifter noch bei der christlichen Urgemeinde eine generelle Ablehnung von staatlicher Gewalt und Militär. Die politische Verfasstheit der irdischen Welt wird gar zur Aufrechterhaltung der Ordnung anerkannt und im Rahmen dessen werden auch Zwangsmaßnahmen gewissermaßen legitimiert. Brennecke stellt sogar fest, dass selbst der Soldatenberuf kein prinzipielles Taufhindernis darstellte.39

Zunächst wird dieser scheinbare Widerspruch allerdings durch zeitgenössische Autoren kaum reflektiert, da die Anhängerschaft des Christengottes im Reich gesellschaftlich zunächst irrelevant und auch die Zahl christlicher Waffenträger gering war. Im Verlauf des 3. Jahrhunderts wuchs jedoch die Bedeutung der Christen innerhalb des Imperiums. Ihre Zahl im Staats- und Militärdienst stieg an und sogar für den Erhalt des römischen Weltreichs wurden sie zunehmend bedeutsam. Christen waren in allen gesellschaftlichen Schichten vertreten. Dies machte eine literarische Behandlung des Verhältnisses von Christentum und Staat notwendig.40 In der Folge entbrannte ein innerkirchlicher Disput, an dem sich führende Theologen beteiligten. Dieser soll hier jedoch nicht im Einzelnen nachgezeichnet werden, da es den Umfang der vorliegenden Arbeit über die Maßen beanspruchen würde. Es sei dazu auf Hanns Christof Brennecke verwiesen, der die Positionen der prominenten Wortführer des 3. und 4. Jahrhunderts umfassend abbildet.41

Die Reflexion war uneinheitlich, doch kommt Brennecke zu dem Schluss, dass gerade Theologen in leitender Position Christsein und den Dienst für Staat und Militär mehrheitlich nicht als generellen Widerspruch betrachteten.42 Dies legt den Schluss nahe, dass zumindest theoretisch die Vereinbarkeit von christlichem Glaube und staatsbürgerlicher Verantwortung möglich war. Praktisch allerdings wurden die Anhänger Christi vor große Probleme gestellt. Die wachsende Bedeutung des Kaiserkultes, welcher mit Diokletian zu Beginn des 4. Jahrhunderts einen Höhepunkt erfuhr, ließ den Dissens zwischen christlich-religiöser Glaubenspraxis und den in der Öffentlichkeit vollzogenen kultischen Handlungen zu Ehren der römischen Staatsgötter und des Kaisers zutage treten. Die öffentliche Personenverehrung und das Darbieten von Opfergaben waren mit der Glaubensauffassung der Christen unvereinbar, galten derartige als Götzendienst verstandene Handlungen doch als schwerer Frevel und die Teilhabe daran als Abfall vom christlichen Glauben.43

Gleichzeitig waren jene heidnischen Kulte und ihr offensichtlicher Vollzug wichtig für das Gemeinwesen im Römischen Reich. Die Verweigerungshaltung vieler Jesusanhänger brachte ihnen den Ruf ein, gesellschaftlich schädlich, gar politisch gefährlich zu sein.44 Die wohl eher formal-rechtliche, seltener aktiv vollzogene Verfolgung der Christen führte im 3. und 4. Jahrhundert zu einer zunehmenden Abkehr von der als pompa diaboli geächteten irdischen Welt.45 Beeinflusst durch die zu jener Zeit wieder an Aktualität gewinnende Endzeiterwartung definierten viele christliche Autoren das Imperium Romanum und die Kirche als Gegensatz, als Dualismus zwischen dem himmlischen Reich Gottes und dem teuflischen Reich der römischen Kaiser. Dies führte auch zu einer weitgehenden Ablehnung der vom Imperium geführten Kriege.46

Dieses von Jonischkeit als eine auf das Weltende gerichtete „seperatistische Sozialethik“47 bezeichnete Verhalten der frühen Christengemeinde wurde erst mit der Konstantinischen Wende mehrheitlich aufgegeben.48 Die Distanz zwischen Kirche und Staat verringerte sich, das Christentum wurde privilegiert, 380 n. Chr. durch Kaiser Theodosius gar zur Staatsreligion erhoben.49 Damit stellte sich abermals die Frage nach dem Verhältnis zwischen Kirche und Staat, deren Klärung für die Christen, die sich in ihrem täglichen Leben mit kirchlicher sowie weltlicher Ordnung konfrontiert sahen, überaus bedeutsam war.50 Eine Kirche, die an der Welt partizipieren wollte, war gezwungen, die gesellschaftliche Realität anzuerkennen und deren institutionelle Gegebenheiten zu achten. Gleichsam musste sie sich organisieren, Gemeindeverfassungen entwickeln und Regularien für christliches Leben sowie kirchliche Ämter erstellen.51

[...]


1 Luz, U., Feindesliebe und Gewaltverzicht: Zur Struktur und Problematik neutestamentlicher Friedensideen, in: S. Förster u.a. (Hrsg.), Krieg und Christentum. Religiöse Gewalttheorien in der Kriegserfahrung des Westens, Paderborn u.a. 2009 (Krieg in der Geschichte 50), 137-149, S. 137-142.

2 Jonischkeit, R., Eine ethische Diskussion altkirchlicher Argumente über Krieg und Frieden im Umfeld der Konstantinischen Wende, Innsbruck 2009, S. 28.

3 Luz, U., Feindesliebe und Gewaltverzicht, S. 144.

4 Jonischkeit, R., Eine ethische Diskussion altkirchlicher Argumente, S. 38-41.

5 Geerlings, W., Augustinus – Leben und Werk. Eine bibliographische Einführung, Paderborn u.a. 2002, S. 97.

6 Geerlings, W., Augustinus – Leben und Werk, S. 66.

7 Luz, U., Feindesliebe und Gewaltverzicht, 137-149.

8 Brennecke, H. C., Kriegsdienst und Soldatenberuf für Christen und die Rolle des römischen Heeres für die Mission, in: S. Förster u.a. (Hrsg.), Krieg und Christentum. Religiöse Gewalttheorien in der Kriegserfahrung des Westens, Paderborn u.a. 2009 (Krieg in der Geschichte 50), 180-211.

9 Bandler, G., Töten oder lieben. Gewalt und Gewaltlosigkeit in Religion und Christentum, München 1994.

10 Jonischkeit, R., Eine ethische Diskussion altkirchlicher Argumente.

11 Merkt, A., Verfolgung und Martyrium im frühen Christentum. Mythos, Historie, Theologie, in: J. H. Tück (Hrsg.), Sterben für Gott – Töten für Gott. Religion, Martyrium und Gewalt, Freiburg im Breisgau 2015, 192-206.

12 Jensen, J., Krieg um des Friedens willen. Zur Lehre von gerechten Krieg, Baden-Baden 2015 (Nomos Universitätsschriften. Recht 858).

13 Stobbe, H.-G., Religion, Gewalt und Krieg. Eine Einführung, Stuttgart 2010 (Theologie und Frieden 40).

14 Angenendt, A., Toleranz und Gewalt. Das Christentum zwischen Bibel und Schwert, Münster 2007.

15 Meier, M., Der christliche Kaiser zieht (nicht) in den Krieg. „Religionskriege“ in der Spätantike, in: S. Förster u.a. (Hrsg.), Krieg und Christentum. Religiöse Gewalttheorien in der Kriegserfahrung des Westens, Paderborn u.a. 2009 (Krieg in der Geschichte 50), 254-278.

16 Geerlings, W., Augustinus – Leben und Werk.

17 Weber, D., Handschriften-Tradition und Ausgaben, in: V. H. Drecoll (Hrsg.), Augustin Handbuch, Tübingen 2007, 2-7.

18 Drecoll, V. H., Zum Stand der Augustinforschung, in: V. H. Drecoll (Hrsg.), Augustin Handbuch, Tübingen 2007, 13-19.

19 Rexer, J. u.a., Vita: wichtigste lebensgeschichtliche Daten, in: V. H. Drecoll (Hrsg.), Augustin Handbuch, Tübingen 2007, 36-49.

20 Greschat, K., Theologische Traditionen Nordafrikas vor Augustin (Tertullian, Cyprian), in: V. H. Drecoll (Hrsg.), Augustin Handbuch, Tübingen 2007, 92-97.

21 Bright, P., Das Donatistische Schisma bis 390 n. Chr., in: V. H. Drecoll (Hrsg.), Augustin Handbuch, Tübingen 2007, 98-104; sowie Bright, P., Augustin im Donatistischen Streit, in: V. H. Drecoll (Hrsg.), Augustin Handbuch, Tübingen 2007, 171-178.

22 Doyle, D. E., Augustin als Bischof: Visitator und Richter, in: V. H. Drecoll (Hrsg.), Augustin Handbuch, Tübingen 2007, 218-224.

23 Brachtendorf, J., Augustinus: Friedensethik und Friedenspolitik, in: S. Förster u.a. (Hrsg.), Krieg und Christentum. Religiöse Gewalttheorien in der Kriegserfahrung des Westens, Paderborn u.a. 2009 (Krieg in der Geschichte 50), 234-253.

24 Koch, H., Der geopferte Jesus und die christliche Gewalt, Düsseldorf 2009.

25 Steiger, H., „Bellum iustum“ versus Gewaltverbot?. Humanitäre Intervention und „just war“ gegen Schurkenstaaten, in: C. Mayer (Hrsg.), Augustinus – Recht und Gewalt. Beiträge des V. Würzburger Augustinus-Studientages am 15./16. Juni 2007. Mit einer kommentierten Quellensammlung zur Dichtertätigkeit Augustins, Würzburg 2010 (Cassiciacum 39, 7 = Res et signa. Augustinus-Studien 7), 97-146.

26 Ohler, N., Krieg und Frieden im Mittelalter, München 1997.

27 Semmler, J., Bellum Iustum, in: H. Hecker (Hrsg.), Krieg in Mittelalter und Renaissance, Brühl 2005 (Studia humaniora 39), 41-64.

28 Drewermann, E., Der Krieg und das Christentum. Von der Ohnmacht und Notwendigkeit des Religiösen, Regensburg 1982.

29 Horn, Ch., Augustinus über politische Ethik und legitime Staatsgewalt, in: C. Mayer (Hrsg.), Augustinus – Recht und Gewalt. Beiträge des V. Würzburger Augustinus-Studientages am 15./16. Juni 2007. Mit einer kommentierten Quellensammlung zur Dichtertätigkeit Augustins, Würzburg 2010 (Cassiciacum 39, 7 = Res et signa. Augustinus-Studien 7), 49-72.

30 Kintzinger, M., Bellum iustum – gerechter Krieg oder Recht zum Krieg?, in: U. Lappenküper u.a. (Hrsg.), Macht und Recht. Völkerrecht in den internationalen Beziehungen, Paderborn u.a. 2010 (Otto-von-Bismarck-Stiftung. Wissenschaftliche Reihe 13), 3-30.

31 Luz, U., Feindesliebe und Gewaltverzicht, S. 137-139.

32 Bandler, G., Töten oder lieben, S. 337.

33 Luz, U., Feindesliebe und Gewaltverzicht, S. 142.

34 Brennecke, H. C., Kriegsdienst und Soldatenberuf für Christen, S. 180.

35 Jonischkeit, R., Eine ethische Diskussion altkirchlicher Argumente, S. 28.

36 Luz, U., Feindesliebe und Gewaltverzicht, S. 143 f.

37 Jonischkeit, R., Eine ethische Diskussion altkirchlicher Argumente, S. 28.

38 Brennecke, H. C., Kriegsdienst und Soldatenberuf für Christen, S. 180.

39 Ebd., S. 181-182.

40 Ebd., S. 185-187.

41 Eine umfangreiche Darstellung der Positionen führender Theologen findet sich bei Brennecke, H. C., Kriegsdienst und Soldatenberuf für Christen, S. 188-199.

42 Ebd., S. 200 f.

43 Brennecke, H. C., Kriegsdienst und Soldatenberuf für Christen, S. 190-192.

44 Merkt, A., Verfolgung und Martyrium im frühen Christentum, S. 193.

45 Brennecke, H. C., Kriegsdienst und Soldatenberuf für Christen, S. 182.

46 Jonischkeit, R., Eine ethische Diskussion altkirchlicher Argumente, S. 32-36.

47 Ebd., S. 36.

48 Ebd., S. 36 f.

49 Stobbe, H.-G., Religion, Gewalt und Krieg, S. 196.

50 Jonischkeit, R., Eine ethische Diskussion altkirchlicher Argumente, S. 37.

51 Jonischkeit, R., Eine ethische Diskussion altkirchlicher Argumente, S. 37-40.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Gewalt und Krieg im frühen Christentum
Untertitel
Zum Paradoxon christlicher Gewaltanwendungstheorien unter besonderer Berücksichtigung der augustinischen Lehre vom Bellum Iustum
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,0
Jahr
2018
Seiten
35
Katalognummer
V490961
ISBN (eBook)
9783668975682
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mittelalter, Augustinus, Gewalt, Christentum, Krieg
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Gewalt und Krieg im frühen Christentum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/490961

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