Erziehungsstile von Eltern nach Klaus Hurrelmann mit Fallanalyse


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
6 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Einleitung

Das Thema dieser Arbeit ist die Typisierung unterschiedlicher Erziehungsstile nach Hurrelmann. Die Charakteristika des Falles ‚Dylan‘ werden mit der Typisierung verbunden. Es wird untersucht, inwieweit bestimmte Erziehungsstile zu einem gewissen Verhalten führen und ob man das Verhalten mit einem neuen Erziehungsstil korrigieren kann. Dazu wird zunächst der Fall ‚Dylan‘ skizziert und die Methoden vorgestellt, dann die Theorie eingeführt und im Anschluss wird diese mit dem Fall abgeglichen. Zum Schluss wird ein Fazit präsentiert.

Falldefinition

Als Fallbeispiel dient der dreijährige Dylan. Er hat Mutter, Vater und einen kleinen Bruder (sechs Monate alt). Dylans Verhalten zeigte, dass er zu Hause keine klaren Regeln und Grenzen gesetzt bekommt.

Zum Beispiel schlägt Dylan im Spiel mit anderen Kindern immer wieder über die Stränge obwohl diese im signalisieren, dass sie dies nicht mögen und er hört nicht, wenn ihm etwas von den Erziehern gesagt wird. Auch im Zusammenspiel mit seiner Mutter fällt auf, dass er es gewohnt ist seinen Kopf durchzusetzen. Das Anziehen dauert immer sehr lange und er läuft zwischendurch herum und kommt auch nicht wieder, obwohl die Mutter nach ihm ruft.

Nach einem Gespräch mit der Mutter wurde offensichtlich, dass sie selbst schon erkannt hat, dass sie sich nicht durchsetzen kann und sich außerstande fühlt, Dylan einen angemessenen Verhaltensrahmen vorzugeben. Sie berichtete, sie sei überfordert mit der Situation zu Hause. Ihr Mann arbeite Schicht und sie sei meistens alleine im Alltag. Ihr falle es schwer, Dylan und dem noch sehr kleinen Bruder gerecht zu werden. Im Gespräch zeigt sich, dass sie eine sehr liebevolle Mutter ist, die sich viel Sorgen um die Entwicklung ihres Kindes macht und aktiv mitarbeiten will um die Situation zu ändern und ihren Erziehungsstil zu korrigieren.

Daher wurde ihr ein Hilfeplan angeboten.

Dieser Hilfeplan, bzw. diese Hilfe zur Erziehung, wird mit den Sorgeberechtigten und mit dem Jugendamt besprochen und festgelegt. Grob unterteilt gibt es familienunterstützende (vorrangig ambulante), familienergänzende (teilstationäre) und familienersetzende (stationäre) Hilfen. Basis ist hier das SGB VIII.

In Dylans Fall wurden zwei Hilfen kombiniert. Erstens, wurde Erziehungsberatung angeboten, um Belastungen in der Familie abzubauen und die Erziehungsfähigkeit zu stärken. Zweitens, bot das Jugendamt sozialpädagogische Familienhilfe an um die eingeschränkte Erziehungskompetenz der Eltern zu fördern (Nöthen, 2018).

Methode

Um zu einer Erkenntnis zu gelangen hinsichtlich Dylans Verhalten, wurde er beobachtet. Teils verdeckt-teilnehmend, teils verdeckt-nicht teilnehmend. Um vertiefte, genaue und komplexe Kenntnis hinsichtlich der familiären Situation zu erlangen wurde ein Grundsatzgespräch zwischen Dylans Mutter und der Erzieherin geführt. Danach wurden regelmäßige Folgegespräche gemeinsam mit der Vertreterin vom Jugendamt vereinbart. (Grohmann, 2018)

Theorie

Zunächst sollte definiert werden was eigentlich Erziehung ist und welche Stile es laut Hurrelmann gibt. „Erziehung ist die soziale Interaktion zwischen Menschen, bei der ein Erwachsener planvoll und zielgerichtet versucht, bei einem Kind unter Berücksichtigung der Bedürfnisse und der persönlichen Eigenart des Kindes erwünschtes Verhalten zu entfalten oder zu stärken. Erziehung ist ein […] Prozess […], bei dem von Erwachsenen versucht wird, bewusst in den Prozess der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern einzugreifen – mit dem Ziel, sie zu selbstständigen, leistungsfähigen und verantwortungsvollen Menschen zu bilden.“ (Hurrelmann, 1994, zitiert nach Albrecht, 2017)

Das Ziel ist also, Dylan langfristig in seiner Entwicklung zu einem selbständigen Individuum zu unterstützen. Laut Hurrelmann (2002) gibt es grundsätzlich fünf verschiedene Erziehungsstile. Diese werden im Wesentlichen dadurch bestimmt, inwieweit Eltern auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen und wie stark die elterliche Autorität ist. Der autoritäre Stil setzt sich über die Bedürfnisse des Kindes hinweg und die elterliche Autorität ist tonangebend. Beim vernachlässigenden Stil ist die elterliche Autorität gering und die Bedürfnisse des Kindes werden wenig berücksichtigt. Das Kind kanns ich so missachtet fühlen. Der überbehütende Stil ist genau das Gegenteil vom vernachlässigenden Stil. Alles dreht sich um die Bedürfnisse des Kindes, die elterliche Autorität ist hoch. Das erschwert die Entfaltung der Persönlichkeit und der Selbständigkeit. Der permissive Stil ist das genaue Gegenteil vom autoritären Stil. Die Berücksichtigung der kindlichen Bedürfnisse ist hoch, aber die elterliche Autorität ist niedrig. Das Kind macht mehr oder weniger was es will ohne Grenzen zu kennen. Zuletzt, der autoritativ-partizipative Stil, gilt als optimal. Autoritativ bedeutet, dass die Autorität der Eltern zurückhaltend und umsichtig eingesetzt wird und zugleich ist er partizipativ. Das heißt, dass das Kind die Beziehung mitgestaltet, welches seinen Bedürfnissen entspricht. Grundlage ist hier, dass Erziehung ohne eine gute Beziehung nicht möglich ist und diese Beziehung auf Kooperation und Gegenseitigkeit fußt.

Abgleich Theorie und Praxis

Laut der oben skizzierten Typisierung übt Dylans Mutter einen permissiven Stil aus. Seine Bedürfnisse werden gesehen, aber sie übt kaum elterliche Autorität aus. Hurrelmann (2002) geht davon aus, dass beim permissiven Stil die Eltern bewusst diesen Stil wählen, weil sie die Ausübung von Autorität für nicht angemessen halten. Der Eigenwille des Kindes soll so nicht unterdrückt werden. Es entstehen keine klaren Regeln für den gemeinsamen Umgang zwischen Eltern und Kindern. Allerdings kann man davon ausgehen, dass Eltern sich auch durch bestimmte Umstände in gewissen Erziehungsstilen wiederfinden. Das zeigt der Fall Dylan. Seine Mutter hat sich nicht bewusst dafür entschieden, einen permissiven Stil zu pflegen. Sie ist aus Überforderung dort hineingewachsen. Sie sieht seine Bedürfnisse, hat aber nicht die elterlichen Kompetenzen Autorität dosiert einzusetzen um Dylan zu fördern. Dieser unbewusst gewählte Erziehungsstil führte bei Dylan zu den von Hurrelmann (2002) beschriebenen Auswirkungen in seinem Verhalten: ohne klare Regeln empfindet das Kind einen Mangel an Aufmerksamkeit und Zuwendung. In Folge dessen zeigt Dylan aggressives Verhalten gegenüber Spielkameraden, sowie Ablehnung gegenüber den Erziehern und seiner Mutter. Durch dieses Verhalten fordert er aber eigentlich nur eben diese Aufmerksamkeit und Zuwendung ein, die ihm sonst fehlt. Er zeigt auch den von Hurrelmann beschriebenen Selbstbezug. Was sich nicht deckt, ist der beschriebene Opportunismus und eine fehlende Entwicklung der Selbstständigkeit. Dies konnte nach der Betrachtung von Dylans Verhalten nicht bestätigt werden.

Nun war ja die Eingangsfrage, ob man Dylans Verhalten mit einem neuen Erziehungsstil korrigieren kann. Von Hurrelmann (2002) wird der autoritativ-partizipative Stil als ideal angesehen. Diese Ansicht wird auch von der Erzieherin und der Beauftragten vom Jugendamt vertreten. Durch die Beratung von Dylans Mutter durch beide Parteien und regelmäßigen Gesprächen wurde Dylans Mutter Hilfestellung gegeben, was sie im Alltag verändern kann um die Situation mit ihm zu verbessern. Wie kann also ein solcher Erziehungsstil umgesetzt werden? Hier deckt sich nun die Theorie Hurrelmanns (2002) mit den Themen in den Beratungsgesprächen. Wichtig sind ein authentisches Verhalten der Mutter und das Vorleben von positiven Verhaltensweisen. Wenn sie von Dylan Zuverlässigkeit verlangen will, muss sie bei sich selber anfangen und sich an gemeinsam getroffene Vereinbarungen und Regeln halten. Dies war in der Vergangenheit nicht immer der Fall. Dabei müssen aber auch die gegenseitigen Bedürfnisse beachtet werden, die von Dylans Mutter als auch von Dylan selber. Zeigt Dylan unerwünschtes Verhalten, soll sie ihm dies sofort und nachdrücklich mitteilen. In seinem Alter ist es wichtig, dass die Körpersprache und die Stimme eindeutig sind, da er noch keinen großen Wortschatz hat. Auch ein negatives Signal ist ein Zeichen von Zuverlässigkeit seitens der Mutter. Sie zeigt hier, dass sie auf die Einhaltung der gemeinsam getroffenen Verabredungen besteht. Entscheidend ist, dass sie Dylan immer einbezieht denn nur durch das Abstimmen der Verhaltensweisen, bekommt er einen Kompass, nach dem er sich richten kann. Das gibt ihm Sicherheit in der Beziehung zu seiner Mutter und zu sich selbst. Er lernt so, durch innere Denkprozesse sein eigenes Verhalten zu korrigieren und zu regulieren. So baut er im Laufe der Zeit auch Selbstwirksamkeit und Selbstachtung auf und steigert seine sozialen Kompetenzen. Er lernt den Umgang mit Konflikten und wie er sie selber lösen kann. Dylans Mutter setzte diese Ratschläge mit wachsendem Erfolg um. Es zeigte sich nach einiger Zeit eine sehr positive Veränderung von Dylans Verhalten. Er fing an, sich sehr für andere einzusetzen und versuchte immer mehr Kinder beim Spiel miteinzubeziehen (gesteigerte soziale Kompetenz), holte sogar Hilfe, als ein Kind mit dem Schuh feststeckte, übernahm plötzlich gerne Aufgaben (z.B. Tisch decken), reagierte positiv auf Feedback und zeigte wachsendes Vertrauen in die Erzieher. Er achtete sogar auf die Einhaltung der Regeln innerhalb der Gruppe. Die Mutter erzählte auch von positiven Entwicklungen beim Anziehen, Einkaufen und dem Benehmen zu Hause.

Schluß

Als Fazit kann festgestellt werden, dass die anfangs aufgestellten Hypothesen bestätigt werden konnten. Es sollte gezeigt werden, inwieweit Erziehungsstile zu einem gewissen Verhalten führen und ob man das Verhalten mit einem neuen Erziehungsstil korrigieren kann. Die Darstellung von Dylans Fall zeigt, dass bestimmte Erziehungsstile (hier ein permissiver) in der Tat zu einem gewissen Verhalten beim Kind geführt haben. Durch die Umlenkung auf einen autoritativ-partizipativen Stil konnte Dylans Verhalten korrigiert werden.

Die Theorie konnte größtenteils bewiesen und begründet werden. Abweichungen finden sich bei dem Thema der (un-)bewussten Wahl des Erziehungsstils (nach Hurrelmann (2002) entscheiden sich Eltern für einen Stil, nach Darstellung des Falls wird ersichtlich, dass man diesen auch unbewusst wählen kann) und des nicht ganz deckungsgleichen Verhaltens des Kindes mit der Theorie (weder opportunistisches Verhalten noch eine fehlende Entwicklung der Selbstständigkeit konnte bei Dylan erkannt werden). In dieser Hinsicht hat die Theorie dies nicht berücksichtigt und war nicht schlüssig.

In weiterer Bearbeitung und zur Einordnung in größere Zusammenhänge könnte man die Bindungstheorie von John Bowlby und Mary Ainsworth sowie die Fünf Säulen der Erziehung von Sigrid Tschöpe-Scheffler mit aufnehmen. Dies hätte aber den Rahmen dieser Arbeit gesprengt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Erziehungsstile von Eltern nach Klaus Hurrelmann mit Fallanalyse
Hochschule
Hochschule Fulda  (Sozialwesen)
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
6
Katalognummer
V491230
ISBN (eBook)
9783668977778
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erziehungsstile, Klaus Hurrelmann
Arbeit zitieren
Pia Helm (Autor), 2018, Erziehungsstile von Eltern nach Klaus Hurrelmann mit Fallanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491230

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