Didaktische Konzeptionen zur Wortschatzarbeit in der Sekundarstufe 1


Hausarbeit, 2019

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärung „Wort“
2.1 Was ist der Wortschatz?

3. Wortschatzarbeit in der Schule
3.1 Allgemeine Ziele
3.2 Stellenwert der WSA im Deutschunterricht

4. Didaktische Konzeptionen
4.1 Traditionelle WSA
4.2 Lexikonorientierte WSA
4.2.1 Beispielaufgaben zur lexikonorientierten Wortschatzarbeit
4.3 Textorientierte WSA
4.4 Robustes Wortschatztraining

5.Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Heiner Willenberg stellt im Zusammenhang mit der Studie zu den Deutsch-Englisch-Schülerleistungen international (DESI) ein alarmierendes Ergebnis vor: 61,8% der Schüler kommen über die Niveaustufe 1 (Basiswortschatz) nicht hinaus. Ausschließlich die erste Niveaustufe erreichen 29,4% und unter der Niveaustufe 1 bleiben 38,2 %. Das heißt weniger als 50 % der Schüler verfügen über einen Wortschatz, der über den Basiswortschatz hinausgeht.

Beispiele für Wörter des Basiswortschatzes sind: „Ofen, sich kühl anfühlen oder meinen“. In Niveau 2 sind es Abstrakta wie „Standuhr“ oder „defensiv“ und unter Niveaustufe 3 fallen Redensarten und Metaphern (vgl. Willenberg 2007, 151).

Da diese und weitere Studien und Untersuchungen zu dem Schluss kommen, dass es vor allem Wortschatzprobleme von Schülern sind, welche die Lernprozesse in anderen schulischen Bereichen erschweren, bietet die vorliegende Arbeit einen Einblick in die Wortschatzarbeit an Schulen, ihre Wichtigkeit, Methoden und Alternativen zum bisherigen Vorgehen.

Vorerst mit Begriffserklärungen zum Terminus „Wort“ und „Wortschatz“, des Weiteren wird der Erwerb von Wortschatz in Zusammenhang mit dem mentalen Lexikon betrachtet. Anschließend wird spezieller auf die Wortschatzarbeit an Schulen eingegangen. Was sind die allgemeinen Ziele von Wortschatzarbeit? Wie intensiv und in welcher Form wird Wortschatzarbeit tatsächlich in Schulen umgesetzt? Hierbei fällt der Blick auch auf den Lehrplan von Baden-Württemberg. Anschließend werden didaktische Konzeptionen erläutert, verglichen und mit Beispielaufgaben abgeschlossen dargestellt.

Im Folgenden wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit, ausschließlich die männliche Form benutzt. Es können dabei sowohl männliche als auch weibliche Personen gemeint sein.

2. Begriffserklärung „Wort“

„Wörter sind unser Tor zur Welt, Wörter sind unser Weg zu den Menschen: Sie ermöglichen uns das Denken, sie sind Grundlage unserer Verständigung miteinander“ (vgl. Ulrich 2010, 3).

Für die meisten Menschen sind Wörter die Sprache. Jedoch gibt es keine allgemeingültige Definition vom „Wort“. Jeder Sprecher und jeder Lerner einer Sprache besitzt ein intuitives Verständnis eines Wortes. Trotzdem ist es schwierig, diesen Begriff linguistisch zu erfassen (vgl. Ender 2007, 58).

Nach Ferdinand de Saussure ist ein Wort ein sprachliches Zeichen. Es besitzt zwei Seiten und kann durch folgende Figur dargestellt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: https://www.mediensprache.net/de/basix/semiotik/zeichen/de_saussure.aspx

Die „Vorstellung“ wird auch „Bezeichnetes“ und das „Lautbild“ „Bezeichnendes“ genannt. Die beiden Bestandteile sind miteinander verbunden. Das Bezeichnete bzw. die Vorstellung oder auch Bedeutungsseite beschreibt das Konzept, das sich hinter einem Wort verbirgt. Man nimmt an, dass eine gegebene Vorstellung, beispielsweise das Bild eines Baumes, im Gehirn ein Lautbild auslöst, nämlich das Wort „Baum“ (vgl. Saussure 2001, 14; 76-79). Es gibt unterschiedliche Ansätze der Definition des Wortbegriffs. Die einzelnen Ansätze werden im Folgenden kurz erläutert.

Der formal-orthographische Ansatz

Nach orthographischen Kriterien wird das Wort als eine Buchstabenfolge definiert, die auf beiden Seiten durch ein Leerzeichen zum nächsten Wort getrennt ist (vgl. Ender 2007, 59). Die Pause spielt demnach beim Definieren des schriftlichen Wortes eine große Rolle. Wann aber eine Pause gelassen werden muss, ist häufig unklar (vgl. Römer und Matzke 2003, 23). Problematisch hierbei ist auch, dass sich diese Definition ausschließlich auf geschriebenes Material beschränkt. Wörter sind jedoch nicht an Schriftlichkeit gebunden, denn die Schrift erschien erst weit nach der gesprochener Sprache (vgl. Ender 2007, 59).

Der phonetische-phonologische Ansatz

Mit dem phonetischen Ansatz kann versucht werden, Wörter als eigenständige Lautfolgen zu definieren. Ein Wort wäre somit die Lautfolge, die sich durch eine Pause von anderen trennt. (vgl. Ender 2007, 59-60). Außerdem können gesprochene Wörter in Laute, Silben und Akzente zerlegt werden. Einige Laute (Phoneme) verfügen über unterscheidende Merkmale, welche dazu führen, dass sich verschiedene Wörter in ihrem Klang unterscheiden. Ein Beispiel hierfür wäre Hut, gut und Mut. „H, G, M sind hier bedeutungsdifferenzierend“ (vgl. Römer und Matzke 2003, 22-23). Jedoch sind nicht alle unterschiedlichen Bedeutungen mit verschiedenen Klangbildern verknüpft, wie im Beispiel der „Bank“, diese ist einerseits eine Sitzgelegenheit, andererseits ein Geldinstitut (vgl. Römer und Matzke 2003, 23).

Der semantische Ansatz

Der semantische Ansatz definiert das Wort als ein Zusammenschluss einer besonderen Bedeutung mit einer bestimmten Lautfolge und einer besonderen grammatikalischen Verwendung. Probleme hierbei stellen die gebundenen Morpheme und die Komposita dar. Gebundene Morpheme wie un- oder -ig sind eindeutig bedeutungstragend. Außerdem bestehen sie aus einer Lautfolge, werden in bestimmten grammatikalischen Kontexten verwendet und trotzdem grundsätzlich nicht als Wörter definiert (vgl. Ender 2007, 60-61). Das semantische Wort wird auch als kleinster selbstständiger Bedeutungsträger bezeichnet, d.h. die Sprecher können mit ihm einen Inhalt verbinden. Das Lexem „Tisch“ bezeichnet einen konkreten Gegenstand; Liebe ein Gefühl und „grün“ eine Farbe (vgl. Römer und Matzke 2003, 28).

Der grammatikalische Ansatz

Betrachtet man die grammatikalische Definition, scheint diese am wenigsten problematisch. Diese Defintion baut auf Kriterien der Mobilität, was bedeutet, „dass ein Wort nicht an eine bestimmte Stelle in einem Satz gebunden ist (..)“ (vgl. Ender 2007, 61).

Zum Beispiel kann der Satz „Morgen bringe ich dir das Lehrbuch“ auch „Ich bringe dir das Lehrbuch morgen“ lauten, ohne dass der Sinn verändert wird. Aber nicht alle Wörter sind gleich mobil, sondern können nur in größeren Phrasen verschoben werden. Man betrachte den Artikel „das“ - dieser kann trotz seiner inneren Stabilität nicht von „Lehrbuch“ entfernt und unabhängig im Satz verschoben werden. Trotz einiger Einschränkungen sind die Kriterien der Mobilität und der internen Stabilität die, die als zentrale Charakteristika von Wörtern genannt werden können (vgl. Ender 2007, 61-62).

Die Definition des prototypischen Wortes

Diese Definition ist zusammenfassend dargestellt und gekennzeichnet durch die Isolierbarkeit in Rede und Schrift, den selbstständigen Bedeutungscharakter, die Morphemstruktur und den kommunikativen Charakter, etwas darzustellen, sei es Gefühle auszudrücken oder eine Intention zu transportieren (vgl. Römer und Matzke 2003, 32).

Auch Ulrich spricht von mehr oder weniger „typischen“ Wörter, welche als „Prototyp“ bezeichnet werden und folgende Merkmale aufweist: in mündlicher Rede wie in der Schrift isolierbar, selbstständiger Bedeutungsträger und besteht aus einem ‚freien‘ Morphem und ist dann ein einfaches Wort, oder besteht aus mehreren Morpheme und ist dann ein komplexes Wort (vgl. Ulrich 2010, 5).

2.1 Was ist der Wortschatz?

„Mit dem Terminus ‚Wortschatz‘ hat die deutsche Sprache die Hoffnung formuliert, dass Menschen die Fülle ihrer sprachlichen Bezeichnungen als wertvoll empfinden“ (vgl. Willenberg 2007, 148).

Der Wortschatz wird bezeichnet als all jene Wörter, die einer Person zum Verstehen und zur Kommunikation zur Verfügung stehen (vgl. Ender 2007, 63). Außerdem wird er auch als menschliches inneres „mentales Lexikon“ bezeichnet. Es handelt sich hierbei um einen Teil des Langzeitgedächtnisses, in dem die Lexeme der Sprache mental repräsentiert werden (vgl. Ulrich 2010, 22).

Das im mentalen Lexikon repräsentierte Wissen ist nach eigenen Kriterien gespeichert, welche nicht mit denen eines Wörterbuchs übereinstimmen. Den Lexemen werden spezifische Informationen zugeordnet, diese können in vier Aspekte des Wortwissens unterteilt werden: phonologische bzw. formale Merkmale, morphologische Charakteristika, syntaktische Aspekte und sematische bzw. konzeptuelle Aspekte. Folglich bedeutet es, ein Wort zu kennen, wenn man seine Lautgestalt kennt, um es ausgesprochen in der Rede zu identifizieren, außerdem seine orthografische Erscheinungsform, um es in geschriebenen Texten zu erfassen. Sowie seine morphologischen Verwendungsmöglichkeiten, z.B. Singular, Plural, um diese produzieren zu können. Der dritte Aspekt – der syntaktische - ist wichtig, um das Wort in verschiedene syntaktische Rollen im Text erkennen und korrekt und vielseitig verwenden zu können. Der letzte Aspekt ist der Semantische, also die Bedeutung des Wortes zu definieren, um es generell zu verstehen und sinngerecht verwenden zu können (vgl. Ender 2007, 71).

Nach Bußmann lässt sich der Wortschatz als „die Gesamtmenge aller Wörter einer Sprache zu einem bestimmten Zeitpunkt“ bezeichnen. „Ideal wäre als ‚Wortschatz‘ also jene Menge an Wörtern zu bezeichnen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt mental verankert sind und über die man im Fall realer Kommunikation sowohl rezeptiv als auch produktiv mühelos verfügt. Und zwar sowohl mündlich als auch schriftlich“ (Detering 2000).

Wie Detering in seiner Defintion von Wortschatz erwähnt, ist das individuelle Lexikon unterteilt in den produktiven und rezeptiven Wortschatz. Nach Bohn wird hier „zwischen dem, was jemand versteht und dem, was jemand anwenden möchte“ unterschieden. Ersteres ist der rezeptive, zweiteres der produktive Teil des mentalen Lexikons. Die Zahl der Wörter die Lernende aktiv verwenden, ist deutlich kleiner als die Anzahl derer, mit denen sie passiv vertraut sind (vgl. Ender 2007, 69).

Der Umfang des individuellen Wortschatzes kann nur geschätzt werden. Jene Schätzungen zeigen enorme Schwankungen: Bußmann führt 6000 bis 10000 Wöter auf, während Aitchison von 50 000 bis 250 000 Wörtern spricht. Allerdings beziehen sich Bußmanns Angaben auf das Deutsche und Aitchisons auf das Englische (vgl. Lutzeier 1995, 16). Das der Umfang des Wortschatzes nur geschätzt werden kann, hat verschiedene Gründe. Eine Ursache ist, dass das Lexikon einer Sprache wie ein offenes System funktioniert, in das immer wieder neue Wörter aufgenommen werden. Gleichzeitig werden andere Wörter ungeläufig und fallen aus dem System. Wichtiger jedoch als die Frage nach der Wortmenge, ist die der Benutzungshäufigkeit der einzelnen Wörter. Diese Fragestellung ist relevant für die Ableitung von Grundwortschätzen (vgl. Römer und Matzke 2003, 38).

Unter dem Grundwortschatz versteht man laut Lutzeier folgendes: „Als Grundwortschatz zählt eine Ansammlung von möglichst morphologisch einfachen Wörtern, die mindestens Bezeichnungen für Körperteile, Bezeichnungen für Nahrungsmittel, also für Speisen und Getränke, Farbbezeichnungen und Bezeichnungen für Pflanzen, Bäume, Tiere und wichtige Himmelskörper umfassen“ (Lutzeier 1995).

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Didaktische Konzeptionen zur Wortschatzarbeit in der Sekundarstufe 1
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
19
Katalognummer
V491868
ISBN (eBook)
9783346019424
ISBN (Buch)
9783346019431
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wortschatz, Wortschatzarbeit, Sekundarstufe, Didaktik
Arbeit zitieren
Michelle Espert (Autor), 2019, Didaktische Konzeptionen zur Wortschatzarbeit in der Sekundarstufe 1, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/491868

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