Diese Arbeit befasst sich mit der Einordnung des klassischen Parthenon-Tempels anhand der Typologiedefinition der architektonischen Gestaltungselemente.
Zunächst wird dabei ein kurzer historischer Überblick über die Entstehungszeit des Tempels gegeben, bevor die verschiedenen Elemente des Tempels dann jeweils einzeln analysiert und architektonisch eingeordnet werden. Besonders wird dabei auf die Elemente der Ringhalle, auf das Kapitel und auf das Stereobat eingegangen.
Weiterhin finden als Bauelemente spezielle die Kurvatur des Stereobats und die Inklination der Säulen besondere Beachtung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Einordnung des klassischen Parthenon-Tempels anhand der Typologie -Definitionen der architektonischen Gestaltungselemente
3. Die Säule in der dorischen Ordnung
4. Das Kapitel
5. Klassische Form der Säule und des Gebälks beim Parthenon
6. Tektonisches Schema
7. Der sog. dorische Eckkonflikt
8. Ein rezeptionsgeschichtlicher Ansatz
9. Die Kurvatur des Stereobats
10. Die Inklination der Säulen
11. Verbindungsmittel / Restaurierung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die architektonischen Gestaltungselemente und technischen Finessen des Parthenon in Athen, um dessen Stellung innerhalb der griechischen Sakralarchitektur und die Perfektion seiner baulichen Umsetzung zu beleuchten.
- Historischer Kontext und Entstehung des Parthenon
- Typologie und Entwicklung des dorischen Ringhallentempels
- Konstruktive Besonderheiten der dorischen Ordnung
- Lösungsstrategien für den dorischen Eckkonflikt
- Optische Korrekturen wie Kurvatur und Inklination
Auszug aus dem Buch
Die Kurvatur des Stereobats
Bei Anfang der 1970er Jahre durchgeführten Messungen und Grabungen am Parthenon ergeben in der Längsrichtung (mittl. Länge: 75,0 m) eine Überhöhung (Kurvatur) von max. ca. 11 cm, in Querrichtung (mittl. Länge: 32,5 m) eine max. Überhöhung von ca. 6 cm Stichhöhe. Dieses Phänomen lässt sich grabungstechnisch bis hinunter in die 8. Fundamentschicht verfolgen. Eine genaue Kenntnis der geometrischen Zusammenhänge und deren Umsetzung bei der Steinbearbeitung führte dazu, daß die einzelnen Gesteinsblöcke trapezförmig zugehauen worden sind. Nur so erhält man eine durchgängige gleichmäßige Kurve ohne allzu große Fugen.
Diese Durchgestaltung des Stereobates ist im Ergebnis eine eigenständige Plattform für den Tempel, im Gegensatz zum Podium römischer Tempel. Der Stereobat ist quasi der Sockel der Bauplastik.
Der Sinn der Überhöhung ist wahrscheinlich die schon in der Antike bekannte Tatsache, dass die Plastizität von großen, kubischen Baukörpern infolge des Sehvorgangs verloren geht. D.h. wir sehen nur bis zu einer Distanz von ca. 6 m dreidimensional, darüber hinaus werden nur Flächen wahrgenommen. Die Kurvatur beim Parthenon erzeugt auf eine subtile Weise eine quasi gesteigerte dreidimensionale Wahrnehmung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den historischen Kontext der Neukonsolidierung Athens nach den Perserkriegen und die Bauphase des Parthenon unter Iktinos.
2. Die Einordnung des klassischen Parthenon-Tempels anhand der Typologie -Definitionen der architektonischen Gestaltungselemente: Erläutert die Entwicklung des Ringhallentempels vom Experimentierstadium bis hin zur kanonischen Form.
3. Die Säule in der dorischen Ordnung: Behandelt die statische Funktion der Säule sowie Gestaltungselemente wie Kanneluren und Entasis.
4. Das Kapitel: Analysiert den Übergang von der Säule zum Architrav und die konstruktive Rolle von Abakus und Echinus.
5. Klassische Form der Säule und des Gebälks beim Parthenon: Beschreibt die Proportionen und Details der dorischen Ordnung spezifisch für den Parthenon.
6. Tektonisches Schema: Thematisiert das Spiel zwischen Stütze und Last als Grundprinzip der griechischen Sakralarchitektur.
7. Der sog. dorische Eckkonflikt: Erläutert die geometrische Problematik an den Ecken und die subtilen Lösungen durch Kontraktion und Neigung.
8. Ein rezeptionsgeschichtlicher Ansatz: Reflektiert über die Bedeutung des Parthenon als Forschungsgegenstand der Archäologie.
9. Die Kurvatur des Stereobats: Analysiert die bewusste Überhöhung des Unterbaus zur Vermeidung optischer Flächigkeit.
10. Die Inklination der Säulen: Beschreibt die gezielte Neigung der Bauteile zur optischen Verfeinerung und die bautechnische Präzision bei der Ausführung.
11. Verbindungsmittel / Restaurierung: Beleuchtet historische Befestigungstechniken wie Eisenklammern und heutige Herausforderungen bei der Erhaltung des Baus.
Schlüsselwörter
Parthenon, Akropolis, dorische Ordnung, Ringhallentempel, Peripteros, Iktinos, Kurvatur, Inklination, dorischer Eckkonflikt, Stereobat, Entasis, griechische Sakralarchitektur, Bautechnik, Marmor, Restaurierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Architektur des Parthenon auf der Athener Akropolis und analysiert dessen gestalterische sowie konstruktive Merkmale.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Entwicklung des dorischen Ringhallentempels, die spezifische Formensprache des Parthenon sowie die Anwendung optischer Korrekturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Perfektion und die technischen Feinheiten aufzuzeigen, mit denen die Erbauer des Parthenon arbeiteten, um den Bau aus der Starrheit reiner Geometrie zu lösen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine archäologisch-kunsthistorische Analyse durchgeführt, die historische Kontexte mit technischen Beobachtungen und Baudetails verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Säulen, Gebälk, konstruktiven Schemata, optischen Phänomenen wie Kurvatur und Inklination sowie Fragen zur Restaurierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Peripteros, dorischer Eckkonflikt, Entasis, Kurvatur, Inklination und klassische Ordnung.
Was genau ist der "dorische Eckkonflikt"?
Es handelt sich um eine geometrische Herausforderung, bei der die Ecktriglyphe sowohl die Gebälkkante als auch die Säulenachse markieren muss, was im klassischen Bau durch subtile Verschiebungen gelöst wurde.
Welche Bedeutung hat die Kurvatur für den Betrachter?
Die leichte Wölbung des Stereobats verhindert den optischen Eindruck, dass große Bauwerke bei Distanz nur flächig wirken, und steigert so die dreidimensionale Wahrnehmung.
- Arbeit zitieren
- M. Sartorio (Autor:in), 1995, Die Architektur des klassischen Parthenon. Ein architekturtheoretischer Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492177