Was ist Rechtschreibung überhaupt? Wie entstand die deutsche Orthographie? Wie erlernen Kinder die Grundlagen der (Recht)Schreibung? Diesen Fragen soll im ersten Teil dieser Arbeit nachgegangen werden.
Im zweiten Teil geht es um die Groß- und Kleinschreibung. Dabei möchte ich mich auf die satzinterne Großschreibung beschränken. Es wird deutlich, dass dieser Aspekt seit je her eines der größten Probleme für Lerner darstellt und als Ursache für die meisten Fehler in der Rechtschreibung gilt. Nach einem historischen Abriss zur Entwicklung der Groß- und Kleinschreibung und der Darstellung der Problemlage sollen didaktische Ansätze zur Vermittlung der GKS vorgestellt werden. Anschließend wird dargestellt, wie der Duden die GKS erklärt, bevor ausgewählte Studien vorgestellt werden, die belegen, welchen Platz die GKS bei den Fehlern in der Rechtschreibung einnimmt.
Der dritte Teil behandelt die Getrennt- und Zusammenschreibung, die nach der GKS die zweitgrößte Fehlerquelle darstellt. Zunächst wird die Geschichte der Getrennt- und Zusammenschreibung aufgezeigt. Anschließend wird auf einen der größten Problembereiche innerhalb der GZS aufmerksam gemacht: die Nomen-Verb-Verbindungen. Es sollen Erklärungsansätze und Hilfestellungen zu bekannten Schwierigkeitsbereichen gegeben werden. Zuletzt wird den Fragen nachgegangen, wie Kinder die GZS erlernen und welchen Stellenwert diese in den Bildungsstandards des Landes Baden-Württemberg einnimmt. Dabei soll vergleichend auf die GKS zurückverwiesen werden.
Im vierten Teil soll auf die neuere graphematische Forschung eingegangen werden, die das deutsche (Recht)Schreibsystem aus einem anderen Blickwinkel beobachtet: Graphematischer Wandel, graphematische Silbe und graphematischer Fuß sind Schlagwörter, auf die ich mich berufen möchte.
In einer abschließenden Konklusion werden die Ergebnisse dieser Arbeit schließlich noch einmal zusammengefasst.
"Ein Hauptgrund für abgelehnte Bewerbungen sind die mangelnden Rechtschreibkenntnisse der Schulabgänger" (Praxis Deutsch Heft 170). Diese oder ähnliche Aussagen hört man immer öfter. Und tatsächlich: "Fehlerhaftes Schreiben trotz gebräuchlichen Wortschatzes zeigt sich bei […] fünfundzwanzig Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung, dies betrifft vor allem die Rechtschreibung" (Grotlüschen / Riekmann 2011:6). Wie unzulänglich die Rechtschreibung vieler Deutscher tatsächlich ist, wird einem bewusst, wenn man sich vertieft mit diesem Thema auseinandersetzt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Aspekte der deutschen Rechtschreibung und die neuere graphematische Forschung
1. Allgemeines zur Orthographie
1.1 Grundlagen der deutschen Orthographie
1.2 Orthographieerwerb
2. Die Groß- und Kleinschreibung im Deutschen
2.1 Geschichte der Groß- und Kleinschreibung
2.2 Problemlage
2.3 Didaktik der Groß- und Kleinschreibung
3. Die Getrennt- und Zusammenschreibung im Deutschen
3.1 Geschichte der Getrennt- und Zusammenschreibung
3.2 Problemlage bei Nomen-Verb-Verbindungen
3.3 Didaktische Überlegungen
4. Die neuere graphematische Forschung
4.1 Graphematischer Wandel
4.2 Graphematische Silbe
4.3 Graphematischer Fuß
III. Konklusion
IV. Bibliographie
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das deutsche Rechtschreibsystem mit einem besonderen Fokus auf die Groß- und Kleinschreibung sowie die Getrennt- und Zusammenschreibung. Das Ziel ist es, die didaktische Vermittlung dieser Phänomene kritisch zu beleuchten, historische Hintergründe aufzuzeigen und den syntaktischen Ansatz als erfolgversprechende Alternative zum traditionellen lexikalischen Ansatz zu präsentieren.
- Grundlagen der deutschen Orthographie und des Orthographieerwerbs
- Analyse der historischen Entwicklung und Problemlage der Groß- und Kleinschreibung
- Untersuchung von Nomen-Verb-Verbindungen innerhalb der Getrennt- und Zusammenschreibung
- Kritik an gängigen didaktischen Lehrmethoden in Schulbüchern
- Einführung in die neuere graphematische Forschung (Wandel, Silbe, Fuß)
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Der lexikalische Ansatz
Der lexikalische oder wortartbezogene Ansatz ist das traditionelle Verfahren zur Vermittlung der satzinternen Großschreibung und wird in den meisten Schulbüchern gelehrt. Wie dieser didaktische Ansatz zustande kam, wurde bereits in Kapitel 2.1 dieser Arbeit angesprochen, in Bezug auf die historische Entwicklung der GKS:
„[Die Grammatiker] haben in den ca. 100 Jahren, in denen sich die Großschreibung im Deutschen etablierte, aufgelistet, welche Wörter in den vorliegenden Texten großgeschrieben wurden, und haben versucht, sie Begriffen unterzuordnen […]. Die Rekonstruktion der Grammatik war darum Interpretation derer, denen es primär um den Nachvollzug der Textgestaltung in didaktischer Absicht ging und die dabei von ihrer Vorstellung von Schrift geleitet wurden“ (Röber-Siekmeyer 1999:52).
Mentrup (1979) gibt eine Übersicht über die Versuche der Grammatiker, anhand der vorliegenden Texte Regularitäten für den Gebrauch der Großschreibung zu finden:
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problematik mangelnder Rechtschreibkenntnisse und gibt einen Überblick über die Themenbereiche sowie die Zielsetzung der Arbeit.
II. Aspekte der deutschen Rechtschreibung und die neuere graphematische Forschung: Dieses Hauptkapitel bietet eine theoretische Fundierung über die Orthographie, den Orthographieerwerb sowie detaillierte Analysen zur Groß- und Kleinschreibung und Getrennt- und Zusammenschreibung.
III. Konklusion: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse der Arbeit zusammen und betont die Notwendigkeit, syntaktische Ansätze stärker in der Didaktik zu verankern.
IV. Bibliographie: Dieses Verzeichnis listet sämtliche verwendete wissenschaftliche Literatur, Quellen und Lehr- bzw. Lernmittel auf.
Schlüsselwörter
Orthographie, Großschreibung, Kleinschreibung, Getrenntschreibung, Zusammenschreibung, Nomen-Verb-Verbindung, Wortart, Syntax, Didaktik, Graphematik, Rechtschreibunterricht, Schriftspracherwerb, Substantivierung, Sprachreflexion, Fehleranalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den zentralen Herausforderungen der deutschen Rechtschreibung, insbesondere der Groß- und Kleinschreibung sowie der Getrennt- und Zusammenschreibung, und hinterfragt aktuelle didaktische Ansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit thematisiert die historische Entwicklung der Rechtschreibung, die didaktische Vermittlung in der Schule, empirische Forschungsergebnisse zur Fehlerhäufigkeit und neue Erkenntnisse der graphematischen Forschung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Schwächen des traditionellen, wortartenbasierten Lernens aufzuzeigen und zu begründen, warum ein syntaktisch orientierter Ansatz für den Lernerfolg effektiver ist.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der Analyse von Fachliteratur, historischen Quellen und verschiedenen empirischen Studien zur Fehleranalyse basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Groß- und Kleinschreibung, die Getrennt- und Zusammenschreibung (besonders Nomen-Verb-Verbindungen) sowie einen Exkurs in die neuere graphematische Forschung (Wandel, Silbe, Fuß).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Orthographie, GKS, GZS, Nomen-Verb-Verbindungen, didaktische Ansätze, Syntaktischer Ansatz und Graphematik.
Was kritisiert die Autorin an der aktuellen Schulbuchdidaktik?
Die Autorin kritisiert, dass viele Schulbücher weiterhin auf starren, lexikalischen Regeln und der oft unzureichenden "Artikelprobe" beharren, anstatt Schülern ein tieferes Verständnis für die syntaktischen Strukturen zu vermitteln.
Warum sind Nomen-Verb-Verbindungen ein spezieller Problembereich?
Sie stellen ein Grenzgebiet dar, bei dem die Entscheidung zwischen Getrennt- und Zusammenschreibung oft nicht eindeutig über einfache Regeln zu fällen ist, was zu Verwirrung bei Lernenden führt.
- Arbeit zitieren
- Kathrin Vogler (Autor:in), 2017, Aspekte der deutschen Rechtschreibung und die neuere graphematische Forschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492889