Warum entstehen soziale Phobien? Epidemiologie und Therapiemöglichkeiten der Angststörung


Hausarbeit, 2016
14 Seiten, Note: 3,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärungen
2.1 Definition ‚Phobie’
2.2 Definition ‚Sozial’

3. Soziale Phobie
3.1 Epidemiologie
3.2 Abgrenzung der Sozialen Phobie
3.3 Therapiemöglichkeiten
3.4 Fallbeispiele

4. Zoon politikon nach Aristoteles

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abstract

Nicht wenige Menschen der Bevölkerung sind an einer Sozialen Phobie erkrankt. Einer der häufigsten Angststörung, die ein Leben der Betroffenen stark einschränkt und therapiert werden kann und muss, um Betroffenen wieder mehr Lebensqualität zu gewährleisten. Durch die Erklärung der sozialphobischen Störung soll geklärt, beziehungsweise herausgefunden werden, welchen Einfluss Menschen auf diese spezielle Phobie haben können, obwohl Menschen ohne andere Menschen nicht lebensfähig sind, welches die These dieser Hausarbeit darstellt. Die These nimmt Bezug auf Aristoteles, der besagt, ein Mensch sei mit dem Beginn seines Lebens auf Mitmenschen angewiesen.

Der Ursprung der Krankheit ist noch nicht vollständig geklärt, jedoch gibt es verschiedene Faktoren, die bei jedem Betroffenen die Soziale Phobie auslösen.

1. Einleitung

Jeder weiß, dass ein Mensch ohne soziale Kontakte nicht lebensfähig ist. Ein Kind wird von seinen Eltern großgezogen und fühlt sich geborgen in der Umgebung seiner Familie. Geht zur Schule, wird erwachsen, hat Freunde und Bekannte und geht eventuell Partnerschaften ein. Jeder Mensch hat zu jeder Zeit mit anderen Menschen zu tun. Er geht einkaufen, sieht einen Großteil von Menschen, bezahlt seine Lebensmittel bei der Kassiererin an der Kasse. Er geht in einem Restaurant schick essen, neben einer Vielzahl von anderen Menschen und bezahlt beim Kellner die Rechnung oder geht in die Stadt, um beispielsweise ein paar neue Kleidungsstücke zu kaufen. Ganz alltägliche Situationen, die für uns als normal und als nichts Besonderes erscheinen.

Des Weiteren geht es ihm sogar schlecht, sobald die grundlegenden Sozialkontakte fehlen, dieser isoliert und desintegriert von der Gesellschaft ist. Der Mensch ist dann einsam.

Demgegenüber steht nun einer der häufigsten Angststörungen: die Soziale Phobie, denn es gibt Menschen, die genau vor den beschriebenen und noch vor vielen anderen Situationen Angst haben.

Eine Soziale Phobie, das heißt die Angst vor sozialen Situationen, ist der genaue Widerspruch zu dem, was ich davor geschrieben habe. Menschen, die an einer Sozialen Phobie leiden, haben Angst vor Menschen, die sie normalerweise zum Leben brauchen. Warum entsteht sie dann?

Diese Frage möchte ich in der folgenden Hausarbeit für mich herausfinden und entsprechende Lösungsansätze für diese Frage finden.

Um die Hausarbeit einheitlich zu verstehen, definiere ich anfangs die hierfür notwendigen Begriffe, die die Soziale Phobie beinhaltet, gebe einen kurzen Einblick in die Epidemiologie der Angststörung und Therapiemöglichkeiten, um diese zu behandeln.

Dass der Mensch ohne soziale Kontakte nicht überlebensfähig ist, ist eine These, die von Aristoteles verfasst wurde. Auf diese werde ich mich anschließend beziehen, um den Widerspruch dessen mit der Sozialen Phobie zu verdeutlichen.

Dem nachgestellt sind Fallbeispiele von Sozialphobikern1, wonach ich meine für mich gefundene Lösung erläutern möchte, die ich aus den Ausarbeitungen der Hausarbeit gezogen habe.

2. Begriffsklärungen

Um die Hausarbeit einheitlich zu verstehen, bedarf es einer allgemeinen Klärung der verwendeten Begriffe, die im Folgenden definiert werden.

2.1 Definition ‚Phobie’

Um eine Soziale Phobie definieren zu können, bedarf es einer allgemeinen Klärung des Wortes. Eine Phobie ist eine respektive Angststörung und löst bei Betroffenen, wie in dem Wort schon vorhanden, eine unangemessene starke Angst aus, die in oder vor bestimmten Situationen oder beim Anblick bestimmter Objekte auftritt, beziehungsweise durch diese ausgelöst wird. Obwohl die Objekte und Situationen ungefährlich sind, führen diese zu einer übersteigerten Angstreaktion.

Die Angst, die die Betroffenen verspüren, führt zu unangenehmen körperlichen Symptomen, wie zum Beispiel Zittern, Schwitzen oder Herzrasen.

Durch diese ausgelösten Symptome reagieren betroffene Personen oftmals mit Vermeidung solcher Situationen, welche diese zum Teil stark im Leben einschränken kann.

2.2 Definition ‚Sozial’

Die Soziale Phobie setzt sich aus zwei Komponenten zusammen. Die Angststörung an sich (die Phobie, wie oben erklärt) und die Art dieser Angst. Die hier in dieser Hausarbeit thematisierte Art nennt sich ‚Sozial’. Sozial sind alle zwischenmenschlichen Handlungen und bezieht sich somit auf Menschen, die in einer Gesellschaft miteinander leben und handeln. Diese Gesellschaft bildet einen Sozialraum, in dem jeder einzelne Mensch lebt, welcher sich aus den sozialen Beziehungen und Netzwerken ergibt und somit aus allem, was sozial in ihm geschieht (Zippert, Beldermann & Heide, 2016).

„Der Mensch wird [...] in der Erfahrung einer Wirklichkeit, in der er sich immer schon vorfindet [verstanden] (Grunwald & Thiersch, 2004, S. 20), das heißt in der Erfahrung des Raumes, der Zeit und der sozialen Beziehungen (Grunwald & Thiersch, 2004).

Die erfahrene Wirklichkeit setzt sich aus unterschiedlichen Lebensräumen oder Lebensfeldern zusammen, wie zum Beispiel die Familie, die Arbeit oder Jugendgruppen.

Menschen gehen im Leben durch eine Vielzahl von Lebensräumen, die sich aus bestimmten Menschen zusammensetzen (Grunwald & Thiersch, 2004).

Dadurch, dass ein Mensch in seinem Leben diese verschiedenen Räume durchläuft, ist er auf seinem Lebensweg immer mit verschiedenen Menschengruppen konfrontiert und somit mit sozialem Handeln.

3. Soziale Phobie

Hat ein Mensch jedoch Angst vor sozialen Handlungen, beziehungsweise vor sozialen Situationen, so leidet dieser wahrscheinlich an einer Sozialphobie, die dritthäufigste psychische Störungen und die häufigste Angststörung (Stangier, Heidenreich, & Peitz, 2003).

Angst vor bestimmten Situationen wie einer Prüfung, ängstliche Unruhe oder Schüchternheit sind nichts Ungewöhnliches und werden als normal angesehen und nicht als eine Phobie (Stangier & Fydrich, 2002). Erreichen jedoch die sozialen Ängste ein extremes Ausmaß und wird zu einem chronischen und belastendem Problem, das im Extremfall das ganze Leben massiv beeinträchtigen kann, so spricht man von einer Sozialphobie. Die Sozialphobie löst bei den meisten Betroffenen eine dauerhafte, unangemessene starke Angst und Vermeidung von Situationen aus, in denen diese mit unbekannten Personen zu tun haben und dadurch einer möglichen Bewertung ausgesetzt sind (Stangier & Fydrich, 2002). Sie wollen unter keinen Umständen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Sie reagieren auf vier verschiedenen Verhaltensebenen: auf der kognitiven, emotionalen, physiologischen und motorischen Ebene (Stangier et al., 2003).

Die Betroffenen sind davon überzeugt oder erwarten, dass das eigene Verhalten von anderen negativ oder als peinlich bewertet wird (Stangier et al., 2003) und „befürchten zu versagen, sich lächerlich zu machen oder durch ungeschicktes Verhalten gedemütigt zu werden“ (Margraf & Rudolf, 1999, S. 4). Dieses verdeutlicht die kognitive Ebene. Die emotionale Ebene zeigt die Angst und Unsicherheit, die physiologische Ebene weist die Symptome auf, die ein Mensch verspürt, sobald dieser sich in einer sozialen Situation befindet. Symptome sind beispielsweise Herzrasen, Erröten, Schwitzen, Atemnot oder Zittern. Dass der Mensch auf derartige Situationen mit Vermeidung reagiert und eine motorische Unruhe aufweist, zeigt die motorische Ebene (Stangier et al., 2003).

Die Soziale Phobie kann sowohl eng umschrieben sein, indem gesagt werden kann, dass eine betroffene Person zum Beispiel Angst vor dem öffentlichen Sprechen hat, jedoch kann diese Phobie auch einen Großteil aller zwischenmenschlichen Aktivitäten mit einschließen (Margraf und Rudolf, 1999).

Dabei wird zwischen der diskreten, nicht generalisierten Sozialen Phobie und der generalisierten Phobie unterschieden. Bei generalisierten Sozialphobien fürchten sich die Betroffenen vor den meisten sozialen Situationen. Bei den diskreten, nicht generalisierten Phobien empfinden Betroffene nur vor einer oder wenigen sozialen Situationen diese Angst (Stangier & Fydrich, 2002), welches ebenso schwierig zu unterscheiden ist „wie die Abgrenzung [von der Sozialphobie] zur Selbstunsicher-Vermeidenden Persönlichkeitsstörung“ (Stangier et al., 2003, S. 16). Bei beiden reagieren die Betroffenen mit Zurückgezogenheit, beziehungsweise sozialer Isolation, das heißt mit der Desintegration von der Gesellschaft.

Soziale Phobien werden in den meisten Fällen nicht angemessen diagnostiziert und behandelt, da „viele Betroffene ihre Probleme aus Scham verschweigen oder als unveränderlichen Charakterzug interpretieren“ (Stangier et al., 2003, S. 16).

3.1 Epidemiologie

Die „Soziale Phobie ist [...] einer der häufigsten psychischen Störungen“ (Stangier et al., 2003, S. 16). Die Lebenszeitprävelenzrate liegt bei 13,3% und die Jahresprävelenzrate bei 7,9%, die sich bei einer epidemiologischen Untersuchung an 8000 Menschen in Amerika ergaben. Circa 40% der Betroffenen sind an dem generalisierten Subtyp erkrankt und bei dem nicht generalisierten Subtyp ist die häufigste Form der Angst die Redephobie (Stangier et al., 2003).

Frauen erkranken schneller an einer Sozialen Phobie, da das Risiko bei ihnen 1,4-mal höher ist als bei Männern, an einer Sozialen Phobie zu erkranken.

Die Soziale Phobie beginnt zu 75% vor dem 16. Lebensjahr, zieht einen chronischen Verlauf nach sich und dauert circa 20 Jahre. „Der Verlauf ist günstiger bei höherem Bildungsniveau, einem späteren Beginn (nach dem 11. Lebensjahr) und Abwesenheit von Komorbidität“ (Stangier et al., 2003, S. 18), da 81% der Betroffenen einer Sozialen Phobie noch an einer weiteren psychischen Störung erkrankt sind.

3.2 Abgrenzung der Sozialen Phobie

„Die Abgrenzung Sozialer Phobien von anderen Störungen [ist] nicht immer leicht“ (Mitte, Stangier & Heidenreich, 2007, S. 19). Schon alleine die Unterscheidung von einer Sozialphobie zu normaler Schüchternheit ist schwierig und wird meist erst dann behandelt, wenn das Leben eines Betroffenen schon stark eingeschränkt wird.

Auch bei anderen psychischen Störungen zeigen sich sozialer Rückzug und Befürchtungen vor sozialen Situationen. Die Schwierigkeit der Abgrenzung wird durch die Überlappung von Symptomen und der hohen Komorbiditätsrate verursacht (Mitte et al., 2007). Beispielsweise befürchtet ein Betroffener der Agoraphobie das Erleben von körperlicher Bedrohung und vermeidet deshalb Menschenansammlungen. Bei der Sozialen Phobie hingegen befürchtet der Betroffene die negative Bewertung, während einer Interaktion mit anderen Menschen und vermeidet aus diesem Grund Menschenansammlungen (Mitte et al., 2007).

Auch ein Betroffener einer Zwangsstörung vermeidet häufig Interaktionen mit anderen Personen. „Dies ist häufig auf Schamgefühle aufgrund des ritualisierten Verhaltens zurückzuführen“ (Mitte et al., 2007, S. 19 f.).

„Da Angst vor negativer Bewertung und Schamgefühle auch bei vielen anderen psychischen Störungen auftreten, [wird empfohlen] immer zu überprüfen, ob diese vollständig auf die andere Störung bezogen werden können“ (Mitte et al. 2007, S. 21).

3.3 Therapiemöglichkeiten

Bei einer Sozialphobie kommen unterschiedliche Therapien, je nach Einzelfall, zum Einsatz. Einige der Therapiemöglichkeiten sind die Pharmakotherapie, die psychisch fundierte Therapie, kognitiv-behaviorale Gruppentherapie und die kognitive Verhaltenstherapie, auf die sich fast alle Therapiestudien beziehen (Stangier et al., 2003).

Die „Grundlage der kognitiven Verhaltenstherapie von Sozialen Phobien ist das kognitive Modell von Clark und Wells“ (Stangier et al., 2003, S. 57).

Die therapeutischen Ansätze beziehen sich auf „das systematische Training sozialer Fertigkeiten, indem in Rollenspielen entsprechende Situationen nachgestellt und dann in schrittweisem Vorgehen die angestrebten Veränderungen vorgenommen werden“ (Margraf & Rudolf, 1999, S. 238).

[...]


1 Aus Gründen der Lesbarkeit wurde die männliche Form gewählt, jedoch beziehen sich die Angaben auf

Angehörige beider Geschlechter.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Warum entstehen soziale Phobien? Epidemiologie und Therapiemöglichkeiten der Angststörung
Hochschule
Fachhochschule der Diakonie GmbH
Note
3,0
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V492956
ISBN (eBook)
9783668996007
Sprache
Deutsch
Schlagworte
warum, phobien, epidemiologie, therapiemöglichkeiten, angststörung
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Warum entstehen soziale Phobien? Epidemiologie und Therapiemöglichkeiten der Angststörung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492956

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