Der Übergang von Kapitalismus zu Sozialismus bei Joseph Schumpeter. Eine realistische Prognose?

Die Zukunft der wirtschaftlichen Entwicklung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
25 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1) Einleitung
1 1.1 Motivation – die Zukunft der wirtschaftlichen Entwicklung
2 1.2 Thema & Ziel – der Übergang von Kapitalismus zu Sozialismus bei Schumpeter
3 1.3 Methode & Aufbau

2) Schumpeter und die Zukunft der wirtschaftlichen Entwicklung
4 2.1 Vorwort
5 2.2 Definitionen
6 2.3 Der Übergang von Kapitalismus zu Sozialismus
2.3.1 Die historische Leistung des Kapitalismus
2.3.2 Kreative Zerstörung
2.3.3 Der Unternehmer bei Schumpeter
2.3.4 Der Niedergang des Kapitalismus
2.3.5 Der Beginn des Sozialismus

3) Marx und die proletarische Revolution

4) Thiel und das Entstehen von Innovation

5) Diskussion
7 5.1 Die Zukunft des Unternehmers
8 5.2 Das Monopol – Chance oder Risiko?
9 5.3 Die ökonomische Entwicklung
10.. 5.4 Funktioniert der Sozialismus?
11.. 5.5 Fazit

6) Literaturverzeichnis

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1) Einleitung

1.1 Motivation – die Zukunft der wirtschaftlichen Entwicklung

Die Frage nach der Zukunft der wirtschaftlichen Entwicklung scheint eine komplexe und vielschichtige Antwort zu erfordern – sie beinhaltet ökonomische, historische, technologische, politik- und gesellschaftswissenschaftliche Fragestellungen. Doch warum sich mit dieser Frage auseinandersetzen? Als eine Frage von interdisziplinärer Natur ist sie wie geschaffen für eine philosophische Untersuchung, welche die verschiedenen Disziplinen erst vereinen kann. Neben reinem, akademisch motiviertem Erkenntnisdrang ist die Zukunft der wirtschaftlichen Entwicklung das vielleicht zentrale Problem der Menschheit1. Einen Beitrag zur Erforschung der Zukunft der wirtschaftlichen Entwicklung zu leisten ist deshalb sowohl aus theoretischer als auch aus praktischer Perspektive von hoher Relevanz.

1.2 Thema & Ziel – der Übergang von Kapitalismus zu Sozialismus bei Schumpeter

Joseph A. Schumpeter gilt als einer der herausragendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts. Neben dem Begriff der „Kreativen Zerstörung“ bleibt von ihm v.a. die These, der Kapitalismus sei als System inhärent instabil und werde daher schrittweise und auf friedlichem Wege durch ein sozialistisches System ersetzt. Das Ziel ist, diese Theorie in einem ersten Schritt nachzuvollziehen und zu erläutern, sie anschließend mit teilweise konkurrierenden Prognosen anderer Ökonomen zu vergleichen und abschließend selbstständig zu evaluieren.

1.3 Methode & Aufbau

Im ersten Abschnitt soll nachvollzogen werden können, wie Schumpeter seine Theorie entwickelt und welche ökonomischen, soziologischen und philosophischen Annahmen dieser zugrunde liegen. Im Wesentlichen wird hierbei nach einem kurzen Vorwort und einigen notwendigen Definitionen auf die Teile II und III seines Werks „Capitalism, Socialism and Democracy“ (CSD) zurückgegriffen und deren Inhalt in kondensierter Form wiedergegeben. Ferner fließen von ihm verfasste, kürzere Werke in die Darstellung seiner Theorie mit ein, v.a. „March into Socialism“ (MiS).

Im zweiten Teil werden die Ideen Schumpeters mit den Theorien von Karl Marx und Peter Thiel2 verglichen. Hier wird auch auf den ersten Teil von „Capitalism, Socialism and Democracy“, eine Bewertung der marxistischen Wirtschaftstheorie durch Schumpeter, näher eingegangen. Eine vollständige Darstellung dieser Gedankengebäude würde das Maß einer Hausarbeit jedoch natürlich um ein Vielfaches sprengen, weshalb diese Autoren nur hinsichtlich eines direkten Vergleiches zu der Fragestellung hin untersucht werden.

Der letzte Abschnitt dieser Arbeit legt den Schwerpunkt auf die selbstständige Diskussion der zuvor eher deskriptiven beiden Abschnitte. Hierbei soll in einem ersten Schritt das vorliegende Material weiter analysiert und anschließend eine eigene Prognose zur Zukunft der wirtschaftlichen Entwicklung erstellt werden.

2) Schumpeter und die Zukunft der wirtschaftlichen Entwicklung

”Capitalism is economically stable, but politically and socially unstable”

- Joseph A. Schumpeter

2.1 Vorwort

Es ist nicht auszuschließend, dass die Wahl des Titels dieser Arbeit bei Schumpeter Missfallen erregt hätte. Zum einen, da eine Prognose zur Zukunft der wirtschaftlichen Entwicklung getroffen werden soll. Wie Schumpeter jedoch explizit anmerkt, handelt es sich bei seinen Aussagen jedoch nicht um eine Prognose oder Vorhersage im engeren Sinne, welche ähnlich einer unwissenschaftlichen Prophezeiung stets auf mehr ziele als auf eine reine Extrapolation der diagnostizierten Tendenzen (MiS: S.2). So sei es z.B. unmöglich gewesen, auf der Basis des zaristischen Russlands die Entwicklung hin zu einem kommunistischen Regime über den Weg einer durch einen Krieg katalysierten Revolution seriös prognostizieren zu können (MiS: S.2). Neben ungeahnter, zu neuen Entwicklungen hinführender Ereignisse einerseits, sowie der Tatsache, dass eine Entwicklung auf Grund von wachsenden Widerständen jederzeit an einem gewissen Punkt stoppen oder sich sogar ins Gegenteil verkehren könne, sei an eine wirkliche Vorhersage mit tatsächlichem Wahrheitsanspruch aus wissenschaftlicher Perspektive nicht zu denken (MiS: S.2)3.

Ferner ist der Begriff „Übergang“ problematisch: Als bewusst neutral gewählte Begrifflichkeit impliziert er doch, dass zwischen dem kapitalistischen und dem sozialistischen System ein plötzlich überwundener Unterschied existiert, wohingegen es laut Schumpeters Theorie eher zu einer schrittweise vollzogenen Konvergenz beider Systeme kommen kann (CSD: S.156). Wenn im Rahmen dieser Arbeit vom „Übergang“ vom einen zum anderen System gesprochen wird, ist darunter stets ein graduell ablaufender Prozess zu verstehen.

Schumpeters Werk CSD wurde im Jahr 1942 erstmals veröffentlicht. Seitdem sind mehr als 70 Jahre vergangen, weshalb an dieser Stelle einige Fragen gestellt werden können: Lag Schumpeter mit seiner Prognose also falsch? Ist die Prognose korrekt, aber nur noch nicht eingetroffen? Sind wir bereits ein gutes Stück näher am Sozialismus als zu Zeiten Schumpeters und haben einfach nicht realisiert? Und falls ja, wird sich diese Entwicklung weiter vollziehen und ist danach ein aus einem messianischen Weltbild entlehntes und mit Marx vergleichbares „Ende der Geschichte“ erreicht? Diese und weitere Fragen sollen im letzten Teil der Arbeit diskutiert werden, allerdings muss zuvor erst im folgenden Teil der Gedankenprozess Schumpeters näher erläutert werden. Zunächst stellt sich jedoch die Frage, was Schumpeter unter den Begriffen „Kapitalismus“ und „Sozialismus“ überhaupt versteht.

2.2 Definitionen

Die Begriffe „Kapitalismus“ und „Sozialismus“ wurden und werden im Verlauf der Geschichte so häufig verwendet, dass oft nicht klar ist, was mit den beiden Begriffen damals gemeint wurde bzw. heute darunter verstanden wird. Eine Abgrenzung der Begriffe „Liberalismus“, „Kapitalismus“, und „Marktwirtschaft“ fallen dem Laien ebenso schwer wie die Unterscheidung zwischen „Kommunismus“ und „Sozialismus“. Um Missverständnissen vorzubeugen, gilt es, beide Begriffe nach der Auslegung Schumpeters zu definieren (MiS: S.1ff):

Sozialismus: Eine Gesellschaftsordnung, bei der die Produktionsmittel von einer öffentlichen Autorität kontrolliert werden. Diese entscheidet auch darüber, wie und was für wen produziert wird. Ein großer Bürokratieapparat ist hierzu erforderlich. Eine zentralisierte staatliche Struktur ist daher sehr wahrscheinlich, aber nicht zwingend notwendig. Freiheit der Berufswahl und durch Konsumentenentscheidungen getriebener wirtschaftlicher Wettbewerb ist möglich.

Kapitalismus: Wird von Schumpeter v.a. in Abgrenzung zu Sozialismus beschrieben. Die Produktionsmittel sind in privater Hand, die Produktionsentscheidungen basieren auf Angebot und Nachfrage des Marktes. Eine dezentrale staatliche Struktur ist möglich und tendenziell effizienter. Dem einzelnen Individuum werden weitgehende Freiheiten eingeräumt.

Wie gut zu erkennen ist, sind Schumpeters Definitionen der beiden Wirtschaftssysteme recht abstrakt und lassen der Fantasie des Lesers, v.a. in Bezug auf die Weite der konkreten Rechte eines einzelnen Individuums, noch weiten Spielraum. Entscheidend ist hier jedoch, dass bei Schumpeter der zentrale strukturelle Unterschied zwischen Kapitalismus und Sozialismus v.a. hinlänglich Kontrolle und Besitz der Produktionsmittel besteht. Obwohl sein Werk nicht nur ökonomischer Natur ist, sondern auch eine starke soziologische Komponente birgt, wird die Frage nach der Verträglichkeit zwischen gelenktem Wirtschaftssystem und individueller Entscheidungsfreiheit ausgeblendet. Der Übergang von Kapitalismus zu Sozialismus besteht für Schumpeter in der Entwicklung von kleineren Betrieben in Privatbesitz über durch Monopolisierung entstandene, wenige Großkonzerne und der anschließenden „Eroberung von Privatwirtschaft und Handel durch den Staat“ (MiS: S.1). Ebendieser Prozess soll nun ausführlich erläutert werden.

2.3 Der Übergang von Kapitalismus zu Sozialismus

”Can Capitalism survive? No. I do not think it can.“

Mit dieser plakativen Frage und noch plakativeren Antwort eröffnet Schumpeter seine Analyse und beginnt damit, seine Theorie näher zu erläutern. Zu einem Übergang von Kapitalismus zu Sozialismus werde es kommen (unter Berücksichtigung aller bereits erwähnten Unwägbarkeiten), allerdings nicht trotz, sondern gerade wegen des durchschlagenden Erfolgs des kapitalistischen Systems. Ebendieser Erfolg werde selbst unvermeidlich Bedingungen generieren, unter denen der Kapitalismus nicht mehr lebensfähig sei und daher vom Sozialismus als Wirtschaftssystem abgelöst werde (CSD: S.61). Die Akzeptanz oder Ablehnung dieser Idee solle dabei nicht von der persönlichen politischen Präferenz des Wissenschaftlers abhängen, – es gäbe Konservative, die seine Theorie unterstützten, und Linke, die dieser Theorie ablehnend gegenüberstünden – sondern nur von dem Ergebnis einer objektiv rationalen Analyse (CSD: S.62). Gemäß Schumpeter kommt es also zur Selbstzerstörung des kapitalistischen Systems: Der Kapitalismus siegt sich zu Tode.

2.3.1 Die historische Leistung des Kapitalismus

Schumpeter beginnt seine Analyse mit einem kurzen Überblick über die bisherigen Erfolge des Kapitalismus. Auch wenn es eine schwierige Aufgabe sei, die auch wenig über die tatsächliche Lebenszufriedenheit der Menschen aussagen könne, sei die Bestimmung des Wachstums der gesamten Wirtschaftsproduktion über die Zeit, eine eng mit der Produktivität, der Kaufkraft oder dem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf verwandte Größe, ein guter Indikator, um die bisherige Leistung des Kapitalismus quantifizieren zu können (CSD: S.64ff)4. Ferner wird erwähnt, dass der Kapitalismus seit Beginn der statistischen Erfassung entgegen landläufiger Meinung nicht die Einkommens- und Vermögensunterschiede erhöht habe; die Einkommens- und Vermögenspyramide sei vielmehr seit einem Jahrhundert recht konstant (CSD: S.65f). Die eigentlich historische Leistung des Kapitalismus bestehe vielmehr in der Erschließung neuer Märkte, sowohl hinsichtlich neuer Technologien als auch neuer Absatzmärkte (CSD: S.67ff). Die daraus resultierende Massenproduktion sei eine dem Kapitalismus inhärente Eigenschaft und werde im Verlauf der Geschichte sämtliche Armut beseitigen. Während zu Beginn des 18. Jahrhunderts der überwiegende Teil der Menschheit noch gleich reich – oder besser gleich arm – gewesen sei, habe das moderne kapitalistische Wirtschaftssystem bereits große Teile der Menschheit aus der Armut befreit5. Eine effiziente Allokation der Ressourcen sei zwar gegeben, aber nicht notwendigerweise eine sozial verträgliche Distribution der Güter. Wie am Beispiel der industriellen Revolution erkennbar, sei eine weitere Eigenschaft des Kapitalismus die rapide Einführung neuer Technologien mit einer temporären Erhöhung der Arbeitslosigkeit in einer anschließenden Adaptionsphase (CSD: S.69). Laut Schumpeter ist die eigentliche Tragik des Kapitalismus jedoch nicht die Arbeitslosigkeit per se, sondern das Unvermögen des Systems, Arbeitslosigkeit adäquat bekämpfen zu können, ohne Bedingungen für das zukünftige wirtschaftliche Wachstum zu verschlechtern. Die Eliminierung von Arbeitslosigkeit sei einer der Vorzüge des Sozialismus (CSD: S.70), auch wenn der durch den Kapitalismus hervorgerufene Wohlstandszuwachs zumindest die Finanzierung eines Sozialstaats möglich mache. Trotz einiger Defizite bei der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und relativer Armut vertritt Schumpeter eine Meinung, die auch heute unter Ökonomen allgemein anerkannt ist: Der moderne Kapitalismus habe sich mit dem Beginn der Industriellen Revolution, ausgehend von England in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert, konstituiert und in den darauffolgenden zwei Jahrhunderten zu einem noch nie dagewesenen globalen Wohlstandszuwachs geführt.

2.3.2 Kreative Zerstörung

Zentral für das Verständnis Schumpeters ist die Theorie der kreativen oder schöpferischen Zerstörung. Diese Idee, wonach jede ökonomische Entwicklung auf einer Neukombination von Produktionsfaktoren und einer daraus folgenden Zerstörung alter Strukturen basiert, soll im Folgenden detailliert nachvollzogen werden: Im Kapitel „Plausible Capitalism“ wird die Theorie der klassischen Ökonomie erläutert, wonach ein vollkommener Markt die beste Voraussetzung eines prosperierenden kapitalistischen Systems ist (CSD: S.77ff). Dieser zeichnet sich durch vollständige Konkurrenz aus, was bedeutet, dass ohne Markteintrittsbarrieren und unter vollständiger Information vielen Konsumenten viele Produzenten gegenüberstehen und kein einzelner Marktakteur durch sein Verhalten die Preisbildung beeinflussen kann. Schumpeter konstatiert daraufhin, dass ein solch vollkommener Markt ein rein theoretisches Gedankenkonstrukt sei und die Realität meist in keiner Weise widerspiegele (CSD: S.79). Vielmehr sei zu beobachten, dass gerade die Zeit des größten wirtschaftlichen Wachstums, die mitunter romantisch verklärte Gilded Age 6, zusammenfalle mit der höchsten Zahl von Monopolen, der größten Konzentration von Kapital und einem rasanten technischen Fortschritt. Die ökonomische Struktur dieser Epoche lasse sich am besten als Laissez-faire Kapitalismus bezeichnen, eine Wirtschaftsordnung, die im Vergleich zu moderneren, vergleichsweise regulierten Systemen bestenfalls schwach sozialstaatlich geprägt ist, keine anti-trust Kartellmaßnahmen kennt und generell dem Unternehmer noch wesentlich mehr Entscheidungsspielraum gibt7. Ausgehend von diesen Betrachtungen beginnt Schumpeter nun, die seiner Meinung nach essentiellen Eigenschaften des Kapitalismus zu skizzieren: Die klassische Ökonomie habe ein viel zu statisches Modell des Kapitalismus entworfen, wie man gerade an dem Dogma des vollkommenen Marktes erkennen könne. Dieser führe zwar durch vollständige Konkurrenz zu einer für den Konsumenten optimalen Preisbildung, erkläre aber nicht, wie genau wirtschaftlicher Fortschritt eigentlich entstehe. Als Beispiel hierfür nennt Schumpeter den Einzelhandel: Die Landebesitzer stehen untereinander auf jeden Fall (näherungsweise) in vollständiger Konkurrenz zueinander, der Konsument kann also Güter zum optimalen Preis konsumieren, Fortschritt im Sinne von der Einführung neuer Güter könne man jedoch nicht beobachten. Dies sei für den einzelnen Ladenbesitzer auch überhaupt nicht möglich, da mit steigender Konkurrenz seine Gewinnmarge und damit seine Möglichkeiten zur Reinvestition schwinden. Für Schumpeter sind also ein vollkommener Markt und wirtschaftlicher Fortschritt zwei völlig voneinander losgelöste Entitäten, welche sich auch nur höchstens beschränkt gegenseitig bedingen, oder sich im Falle der Ladenbesitzer im Einzelhandel sogar widersprechen. Dieser Fortschrittsgedanke ist jedoch für ihn das eigentliche Kennzeichen des Kapitalismus: Kapitalismus bei Schumpeter ist nie statisch, sondern ein nach seinem inneren Wesen nach dynamisches, sich in permanenter Wandlung befindendes System. Im Prozess der kreativen Zerstörung würden alte Systeme durch eine Neukombination von Produktionsfaktoren bzw. durch deren erstmalige Kreation zerstört und durch ein neues System ersetzt. Um nun zu verstehen, wie dieser Prozess stattfinden kann, tritt die für Schumpeters Theorie zentrale Figur hervor, der Unternehmer.

[...]


1 So verschieden die Prognosen einzelner Denker auch sein mögen – die Annahme, dass die Wirtschaftsstruktur ein entscheidendes Merkmal einer jeden Zivilisation ist und alle weiteren politischen und gesellschaftlichen Eigenschaften letztlich von ihrem wirtschaftlichen System ableitbar sind, ist eine Prämisse, in welcher sich die meisten Wissenschaftler einig sind.

2 Peter Thiel ist ein US-amerikanischer Investor und gilt als einer der einflussreichsten Denker im Silicon Valley. Als Unternehmer ist er v.a. als Mitgründer von PayPal und erster externer Geldgeber von Facebook bekannt

3 Auch wenn an dieser Stelle der Begriff nicht genannt wird, liegt der Arbeit Schumpeters der Gedanke der Ceteris-Paribus -Analyse der modernen Volkswirtschaftslehre zugrunde: Gewisse, im Vorhinein definierte und beobachtbare Tendenzen werden analysiert und im Falle einer „Prognose“ ohne einen umfassenden Wahrheitsanspruch in die Zukunft hin extrapoliert. Da diese Arbeit jedoch nicht nur die Wiedergabe der Gedanken Schumpeters zum Ziel hat, sondern auch eine eigene Ideen zur Zukunft der Wirtschaft enthalten soll, sei der Gebrauch der Begrifflichkeit „Prognose“ an dieser Stelle verziehen.

4 So sei demnach die amerikanische Wirtschaft von 1870 bis 1930 um jährlich 3.5% gewachsen, in dem darauffolgenden Jahrzehnt habe sich das Wachstum aber bereits merklich abgeschwächt und langfristig sei ebenso eine weitere Abkühlung des jährlichen Wachstums hin zu einem eher stagnierenden System zu erwarten.

5 Hier ist zu erwähnen, dass Schumpeter sowohl einen absoluten als auch einen relativen Armutsbegriff gebraucht: Während der Kapitalismus die absolute Armut, gemessen am Lebensstandard des ärmsten Teils der Bevölkerung, sehr effizient bekämpfen könne, bleibe die relative Armut, also der verhältnismäßige Unterschied zwischen Arm und Reich, über den Lauf der Zeit beinahe konstant.

6 Zeitraum der 1870er bis zur Jahrhundertwende, seltener bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs.

7 Schumpeter erläutert hier exemplarisch die Geschichte der Standard Oil Company: 1863 von John D. Rockefeller gegründet, kontrollierte sie bereits 1891 70% des Weltmarktes, bevor sie ab 1906 unter Theodore Roosevelt im Rahmen des ersten Antitrust Acts schrittweise entflochten und aufgelöst wurde.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Der Übergang von Kapitalismus zu Sozialismus bei Joseph Schumpeter. Eine realistische Prognose?
Untertitel
Die Zukunft der wirtschaftlichen Entwicklung
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Philosophisches Seminar)
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
25
Katalognummer
V493056
ISBN (eBook)
9783668996083
Sprache
Deutsch
Schlagworte
übergang, kapitalismus, sozialismus, joseph, schumpeter, eine, prognose, zukunft, entwicklung
Arbeit zitieren
Leonard Ernst (Autor), 2018, Der Übergang von Kapitalismus zu Sozialismus bei Joseph Schumpeter. Eine realistische Prognose?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/493056

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