Vergleich der Zweikampfdarstellungen in Homers "Ilias", Vergils "Aeneis" und Goethes "Reineke Fuchs"

Eine motivgeschichtliche Untersuchung


Studienarbeit, 1995
241 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die antike Faustkampfdarstellung
2.1 Griechische und romische Epik bei Homer und Vergil
2.1.1 Vergil in der Nachfolge Homers
2.1.2 Die historischen Entstehungsbe- dingungen der homerischen Epen
2.1.3 Die historischen Entstehungsbe- dingungen der Aeneis
2.2 Die Faustkampfdarstellung bei Homer und Vergil
2.2.1 Das Schema der homerischen und der vergilischen Faustkampfdar­stellung
2.2.2 Auftretende Figuren
2.2.3 Epischer und dramatischer Stil
2.3 Vergleichende Darstellung im Detail
2.4 Zusammenfassung zum Vergleich Homer- Vergil

3. Die mittelalterliche und neuzeitliche Zweikampfdarstellung
3.1 Die mittelalterliche und neuzeitliche Reineke-Fuchs-Literatur
3.2 Der mittelalterliche gerichtliche Zwei- kampf
3.3 Die Zweikampfdarstellung im "Roman de Renart"
3.3.1 Das Schema der Zweikampfdarstel­lung im "Roman de Renart"
3.3.2 Auftretende Figuren 7
3.4 Die Zweikampfdarstellung im "Reinaert II"
3.5 Die Zweikampf darstellung im Liibecker "Reynke de Vos"
3.5.1 Das Schema der Zweikampfdarstel­lung im "Reynke de Vos"
3.5.2 Auftretende Figuren
3.5.3 Der Erzahlstil im "Reynke de Vos"
3.6 Die Zweikampfdarstellung in Goethes "Reineke Fuchs"
3.6.1 Die historischen Entstehungsbe- dingungen des Goetheschen "Reineke Fuchs"
3.6.2 Auftretende Figuren
3.6.3 Der Erzahlstil in Goethes "Reineke Fuchs"

4. Die Zweikampfdarstellung bei Chastellain und drei weiteren franzosischen Histori- kern

5. Zusainmenfassung

Literaturverzeichnis

Anhang I

Anhang II

1. Einleitung

Jedem, der sich mit dem in Goethes "Reineke Fuchs" im 12. Gesang dargestellten gerichtlichen Zweikampf beschaftigt hat und zudem die antike literarische Tradition des Zweikampfes, die in der Nachfolge Homers nach dem Vorbild des im 23. Buch der Ilias dargestellten Faust kampfes bei Apollonios Rhodios, Theokrit und Vergil entstanden ist, kennt, fallen so- fort viele Gemeinsamkeiten der Zweikampfdarstellung der Goethedichtung mit der homerischen, vor allem aber mit der vergilischen Faustkampfdarstellung im 5. Buch der "Aeneis" auf. Die Ubereinstimmungen in der Handlungsgestaltung und in der Anlage der Figu- ren sind so zahlreich und, wie man auf den ersten Blick hin vermuten konnte, so of f ensichtlich, daft man leicht zu der Annahme gelangen kann, daft sich Goethe, oder aber zumindest der spatmittelalterliche Ltibecker Dichter, dessen im Jahre 1498 entstandenes niederdeutsches Versepos "Reynke de Vos" Goethe 17 93 fast zeilengetreu in neuhochdeutsche Hexameter iiber- tragen hat, fur seine Zweikampfdarstellung unmittel- bar der vergilischen und homerischen Vorlage bedient und diese in eine mittelalterliche Erzahlung umge- staltet haben konnte.

Betrachtet man jedoch die tatsachliche Uberliefe- rungssituation, laftt sich ein solch unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem niederdeutschen Ltibecker "Reynke de Vos" und den antiken Epen allerdings nicht feststellen, da im Mittelalter eine breitgefa- cherte Reineke-Fuchs-Literatur mit Ubersetzungen und Bearbeitungen in vielen Sprachen entstanden ist, innerhalb derer der erst im Jahre 1498 geschriebene Lubecker "Reynke de Vos" als eines der jungsten Wer- ke anzusehen ist. Der dort dargestellte Zweikampf geht, verfolgt man die mittelalterliche Uberliefe- rungssituation, iiber zwei verschollene, ganzlich unbekannte Epen sowie den mittelniederlandischen "Reinaert II" (1375) letztlich auf eine Zweikampf- darstellung zuriick, die in der sechsten Branche des im Jahre 1180 entstandenen altfranzosischen "Roman de Renart" uberliefert ist.1 Friihere, vergleichbare Zweikampfdarstellungen sind nicht bekannt.

Dieser im "Roman de Renart" dargestellte Zweikampf jedoch weist, ebenso wie die soeben genannten Dich- tungen, die auf der Grundlage des "Roman de Renart" entstanden sind, deutliche inhaltliche und struktu- relle Ubereinstimmungen mit dem vergilischen Faustkampf, aber auch mit dem homerischen Faust- und Ringkampf, auf, obwohl der Kontext ein ganzlich an- derer ist: Wahrend namlich sowohl der vergilische als auch der homerische Zweikampf im Rahmen einer (friedlichen) Leichenfeier stattfindet, ist der mit­telalterliche ein gerichtlicher Zweikampf, bei dem von vornherein feststeht, daft der Verlierer sein Leben lassen muft. Wohl aufgrund dieser vollig veran- derten aufteren Handlung und vermutlich auch wegen der Verschiedenheit der literarischen Gattungen "Heldenepos" und "Tierepos", denen die den Zweikampf enthaltenden Dichtungen zuzurechnen sind, sind die Gemeinsamkeiten zwischen den antiken und den jiinge- ren Zweikampfdarstellungen bisher von der Forschung vollig iibersehen worden, so daft es in dieser Arbeit zunachst einmal darauf ankommt zu zeigen, daft uber- haupt ein Zusammenhang zwischen der altfranzosischen Zweikampfdarstellung einerseits und der homerischen sowie der vergilischen Faustkampfschilderung ande- rerseits besteht. Hierbei stiitze ich mich, da es bislang in diesem Bereich noch keine epochenuber- greifenden Untersuchungen gibt, auf die bisher er- schienenen Arbeiten zu den antiken2, mittelalterli- chen3 und neuzeitlichen Zweikampfen.

Hauptsachlich jedoch geht es in der vorliegenden Arbeit darum, die homerische, die vergilische und die Goethesche Zweikampfdarstellung hinsichtlich des Zweikampfschemas, der Anlage der Figuren und des Erzahlstils zu analysieren und zu vergleichen. Hier­bei werden auch die vor dem "Reineke Fuchs" Goethes entstandenen mittelalterlichen Zweikampfdarstellun- gen, insofern dies dem Verstandnis des Goethetextes dient, in die Interpretation mit einbezogen. Letzt- endlich ist es das Ziel dieser Arbeit, zu einem bes- seren Verstandnis des homerischen, vergilischen und Goetheschen Epos, der hinter diesen Epen stehenden Dichter und ihrer jeweiligen Zeitalter zu gelangen und aus der Kenntnis der Unterschiede heraus festzu- stellen, wie es trotz der komplizierten mittelalter­lichen Uberlieferungssituation bei den Reineke- Fuchs-Epen zu der erstaunlichen, nicht nur das Zwei- kampfschema und die auftretenden Figuren, sondern auch stilistische Phanomene betreffenden Nahe der Goetheschen Zweikampfdarstellung zu den antiken Faustkampfschilderungen kommen konnte.

Da die antiken Epen einerseits und die mittelalter- lichen und neuzeitlichen Epen andererseits vollig verschiedenen Uberlieferungsstrangen zuzuordnen sind und lediglich die Zweikampfdarstellungen das verbin- dende Glied zwischen den Texten dieser Zeitalter darstellen, ist die Arbeit dieser inhaltlichen Un- terteilung gemali in zwei Hauptkapitel eingeteilt. Zunachst wird in Kapitel 2 die antike Tradition der Faustkampfdarstellung naher untersucht. Hierbei wer- den vor allem die Dichtung Homers (Ilias XXIII, 651­699 [Faustkampf] und XXIII, 700-739 [Ringkampf]) und das Epos Vergils (Aeneis, V, 362-484) miteinander verglichen, aber auch, insofern dies fur die Inter­pretation des vergilischen Textes erforderlich ist, die Faustkampfdarstellungen des Apollonios Rhodios (Argonautica, II, 1-97) und des Theokrit ("Die Dios- kuren") hinzugezogen. Anschliefiend werden in Kapitel 3 die mittelalterliche und die neuzeitliche Zwei­kampf darstellung im altfranzosischen "Roman de Ren- art", im mittelniederlandischen "Reinaert II", im niederdeutschen Ltibecker "Reynke de Vos" und schlieftlich in Goethes "Reineke Fuchs" naher beleuch- tet. Hierbei geht es vor allem darum, die Gemeinsam- keiten der Zweikampfdarstellung im "Reineke Fuchs" Goethes mit den antiken Faustkampfen herauszustellen. Die Zweikampf darstellung Gottscheds, die ihrerseits eine Prosaubersetzung des Lubecker "Reynke de Vos" darstellt und von Goethe neben dem "Reynke de Vos" als Hauptquelle benutzt worden ist, wird, soweit dies fur das Verstandnis notig ist, in die Untersu- chung mit einbezogen, aber nicht in einem separaten Kapitel analysiert.

Zuletzt mochte ich dann in Kapitel 4 noch kurz auf eine Zweikampfdarstellung des franzosischen Histori- kers Chastellain eingehen, die in der Mitte des 15. Jahrhunderts entstanden ist, denn auch dieser Zwei­kampf weist groBe Ubereinstimmungen mit den Zwei­kampf darstellungen der Reineke-Fuchs-Epen, insbeson- dere mit dem im "Roman de Renart" dargestellten Kampf auf. Dieser Historikertext sowie die Texte dreier weiterer franzosischer Historiker, die unter Ruckgriff auf Chastellain denselben Kampf beschreiben, sind in der bisherigen Forschung unzureichend unter- sucht und infolgedessen haufig falsch beurteilt wor­den: Wahrend Historiker wie Coulin und Huizinga4 die Zweikampfdarstellungen dieser franzosischen Ge- schichtsschreiber fur in wesentlichen Punkten au- thentisch halten, machte erstmals Meiners darauf auf- merksam, daB "hochst interessant [e] "5 Gemeinsamkei- ten zwischen den franzosischen Historikertexten und dem Liibecker "Reynke de Vos" bestehen, und wies dar­auf hin, daB auch die Zweikampf darstellungen der franzosischen Historiker zumindest zum Teil fiktio- nal sind und in Zusammenhang mit der Reineke-Fuchs- Literatur gesehen werden miissen. Allerdings bleibt es bei Meiners bei nur wenigen Beispielen und Andeu- tungen6, so daB es notig ist, die Entstehungsbedin- gungen des Textes Chastellains naher zu untersuchen und festzustellen, ob die Kampfdarstellung dieses Historikers den 14 98 entstandenen Liibecker "Reynke de Vos" und somit - indirekt - auch Goethes "Reineke Fuchs" beeinfluBt hat.

Alle mittelalterlichen und neuzeitlichen Texte, auf die in dieser Arbeit Bezug genommen wird, sind in neuhochdeutscher Sprache, also zum Teil in der Uber- setzung, im Anhang abgedruckt. Informationen zu die- sen Texten und ein Stemma, das die Abhangigkeit der einzelnen Dichtungen voneinander verdeutlicht, be- finden sich in Kapitel 3.1.

2. Die antike Faustkampfdar- stellung

2.1 Griechische und romische Epik bei Homer und Vergil

Gegenstand des Kapitels 2 ist eine vergleichende Analyse der Zweikampfdarstellungen im homerischen und im vergilischen Epos. Um die Ergebnisse, die sich aus diesem Vergleich ergeben, besser einordnen und bewerten zu konnen, mochte ich zunachst einige Bemerkungen zur generellen Abhangigkeit der Romer von den Griechen voranschicken (Kap. 2.1.1) und kurz auf die historischen Entstehungsbedingungen der ho­merischen Werke sowie der "Aeneis" eingehen (Kap. 2.1.2 und 2.1.3) . Die sich daran anschlieiiende Un- tersuchung ist der eigentliche Kernpunkt dieses zweiten Kapitels. Sie enthalt einen Vergleich des Schemas der homerischen und der vergilischen Faustkampfdarstellung (Kap. 2.2.1), einen Vergleich der Anlage der auftretenden Figuren, durch den sich wichtige Aussagen tiber den gesamten homerischen und vergilischen Text sowie uber die Intention beider Dichter machen lassen (Kapitel 2.2.2), und eine ver­gleichende Stiluntersuchung (Kapitel 2.2.3). In Ka­pitel 2.3 schlieftlich werden auch die Faustkampfdar­stellungen des Apollonios Rhodios und des Theokrit, insoweit sie Vergil als Vorlage dienten, berucksich- tigt.

2.1.1 Vergil in der Nachfolge Homers

Vergleicht man die Schriften Homkrs mit denen romi- scher Dichter bis hin zu Vergil, fallt immer wieder die Bedenkenlosigkeit auf, mit der Stoffe und Ausar- beitungen aus der alteren Dichtung von den jeweils jiingeren Dichtern aufgegriffen und zum Teil nur we- nig abgeandert in die eigenen Werke eingearbeitet worden sind. So sind, um gleich auf unseren konkre- ten Fall einzugehen, das Schema sowie inhaltliche Einzelheiten des homerischen Faustkampfes (Ilias, XXIII, 653-699) von Vergil (Aeneis, V, 362-484) iiber- nommen und auch Vorgaben anderer Dichter, insbeson- dere die Faustkampfbeschreibungen des Apollonios Rhodios (Argonautica, II, 1-97) und des Theokrit ("Die Dioskuren"), in die vergilische Version aufgenommen worden.

Heinze unterscheidet zwei "extreme[ ] Typen"7 der Nachahmung voneinander: Im einfachsten Fall gibt "ein Abschnitt fremder, meist homerischer Dichtung als Ganzes die Unterlage zu einem entsprechenden vergilischen Abschnitt" her, wahrend im komplizier- testen Fall "Motive und Zilge verschiedenster Her- kunft zu einem neuen Ganzen zusammengeflochten"8 sind. Weil im gesamten vergilischen Epos verschie- dene Formen der Nachahmung auftreten, muli man fur jede einzelne Textstelle und erst recht fur jeden komplexeren Abschnitt, z. B. den Faustkampf, separat untersuchen, um welche Form der Nachahmung es sich handelt. Beim vergilischen Faustkampf liegen beide Arten der Nachahmung vor, da Vergil einerseits gemaft des "einfachsten Falles der Nachahmung" das gesamte Kampfschema ubernommen hat, andererseits aber auch, wie ich zeigen werde, zur Fullung des Schemas Motive und charakteristische Ziige verschiedenster Herkunft kombiniert und "homerische Epitheta und Wortgruppen, Metaphern und Bilder"9 in die lateinische Sprache ubertragen hat. Dies entspricht dem "komplizier- testen Fall der Nachahmung". Neben Homer standen ihm auch die Werke einiger hellenistischer Dichter, ins- besondere die des Theokrit und des Apollonios Rhodios als Vorlagen zur Verfugung. Hinsichtlich der literari- schen Form des Epos war Homer im Bereich der griechi- schen und Ennius im Bereich der romischen Literatur das grofte Vorbild der Romer und insbesondere Vergils, der als erster bedeutender romischer Dichter nach Ennius auf diese Gattung fur seine Dichtung zurtick- griff. "Ein heroisches Epos war nur in homerischem Vers und Stil denkbar, und ein homerischer Stil in lateinischer Sprache nicht ohne Ankniipfung an Enni­us . "10

Heinze fiihrt die Tatsache, daft alle romischen Dichter deutlich erkennbar von Vorbildern abhangen, meiner Meinung nach sehr treffend auf eine "eigentiimliche Schwache der Phantasie"11 zuriick, auf einen "ur- spriinglichen Mangel an intuitiver bildlicher An- schauung, die sich sonst dem Dichtergemiit mit unwi- derstehlicher Gewalt aufdrangt, bis sie ihn zu Ge- staltung zwingt."12 Aus Mangel an Phantasie hatten die romischen Dichter, so Heinze, zu "bereits geform- ten Werkstiicken"13 gegriffen. Diese Art der Aneig- nung des Uberlieferten wurde von den Lesern und Zu- horern romischer Dichtung aber nicht nur geduldet - nur die Alexandriner wandten sich gegen die Entleh- nung homerischer Wendungen und gegen die literari- sche Form des Groftepos iiberhaupt sondern sogar gefordert, denn die Qualitat des literarischen Kunstwerkes wurde an seinem Vorbild gemessen. Man "tadelte, wo er [der Dichter] hinter seinem Vorbild zuriickzubleiben, man lobte, wo er es zu ubertreffen schien, man entschuldigte einzelne miftlungene Nach- ahmungen als Ubertreibung eines an sich loblichen Bestrebens.14 Vergil ubernahm jedenfalls ohne Scheu analoge Szenen, so daft man in der Tat davon ausgehen muft, daft er nicht nur fremde Motive nicht vermeiden wollte, sondern vielmehr "mit vollem Bewufttsein von ihnen ausgeht und an sie erinnert."15 Die ubernomme- nen Szenen werden mit Eigenem kombiniert und je nach den Erfordernissen der eigenen Erzahlung umgestal- tet. Heinze betont, daft man die Imitation "nicht als ein Zuriickbleiben hinter der Selbstandigkeit, son­dern als einen Fortschritt gegen die Ubersetzung" empfunden habe. Eigener Stil, nicht eigene Erfindung sei "des romischen Dichters Stolz die Jahrhunderte hindurch gewesen.16 Weil die romischen Dichter glaubten, durch Nachahmung die Perlen der griechi- schen Literatur fur die eigene gewinnen zu konnen, erschien ihnen die Imitation "nicht als Notbehelf, sondern als patriotische Tat".17 So macht Vergil je- derzeit bewufit seine Abhangigkeit von Homer deutlich, indem er ganz selbstverstandlich einzelne Textpassa- gen und analoge Szenarien von ihm ubernimmt. In Stilfragen hingegen bewahrt er, wie ich zeigen wer- de, stets seine Selbstandigkeit.

Die Romer orientierten sich seit ihrer Beriihrung mit der griechischen Kultur stets an den von den Grie- chen hervorgebrachten kiinstlerischen Leistungen und ubernahmen, urn nur ein Beispiel zu nennen, die grie­chische Literatur in ihrer gesamten Breite, um sie dann gleichsam an romische Verhaltnisse und Bediirf- nisse "anzupassen". Die homerischen Epen konnten im Rahmen dieses Adaptionsprozesses wegen ihrer Form- vollendetheit, wegen der Herausstellung des Hero- isch-Erhabenen, wegen der dort vorgefuhrten Besin- nung auf die exempla maiorum und nicht zuletzt auch aufgrund der Bedeutung, die die Bildung und somit auch die Kunst zu Lebzeiten Homers hatte gewinnen konnen, besonders gut auf die Situation des augu- steischen Zeitalters iibertragen werden, das nach dem Biirgerkrieg um moralisch-zivilisatorische Restaura- tion bemiiht war (s. Kap. 2.1.3). Insofern ist es kein Zufall, daft sich Vergil gerade an Homer orien- tierte, denn die literarische Form des Heldenepos bot sich sowohl fur Homer als auch fur Vergil als kon- servativ-restauratives Medium in einer Zeit der Nachkriegswirren und einer mit einem allgemeinen Werteverfall verbundenen Orientierungslosigkeit ge- radezu an. Um diese Zusammenhange noch etwas genauer zu erlautern und dadurch gleichsam das Fundament zu legen fur jede weitere Interpretation, mochte ich in den folgenden beiden Kapiteln zunachst einmal kurz auf die historischen Entstehungsbedingungen des ho- merischen und des vergilischen Epos eingehen.

2.1.2 Die historischen Entstehungsbedin­gungen der homerischen Epen

In der Homerforschung stimmt man heute weitgehend iiberein, daft Homer18 keineswegs der vielzitierte ar- me, blinde Sanger gewesen sein kann, sondern viel- mehr selbst adelig gewesen sein Oder zumindest stan- digen Umgang mit Adeligen gehabt haben und von diesen gefordert worden sein muft, weil sowohl die "Ilias" als auch die "Odyssee" deutlich die Adels- welt und deren Wertvorstellungen widerspiegeln.19 "Vor dem Hintergrund der [. . . ] Geschichte Griechen- lands und speziell der griechischen Adelsschicht kann die Entstehung der Ilias nur als Teilglied der allgemeinen Aufbruchsbewegung des 8. Jh. und naher- hin eines umfassenden Reprasentationsbediirfnisses des Adels begriffen werden."20 Als Mittel zur Be- friedigung dieses Bediirfnisses des Adels gab es den miindlich tradierten Heldensang vermutlich schon bei den Indogermanen21, mit Sicherheit aber zur Zeit der Bliite der archaischen (mykenischen) Palastkultur, die um 1200 v. Chr.22 zusammenbrach. Der Adel, der nach der neueren Forschung seine Filhrerrolle auch in den "dark ages" nie aufgegeben hat23, ubernahm nach dem Zusairunenbruch die literarische Form des Heldene- pos und auch dessen Stoff, "die groBen Taten der Ahnen ausschlieBlich der ionischen und aiolischen Aristokratie, vollbracht in jener groBen Zeit, die vor der Katastrophe lag."24 Latacz betont in diesem Zusammenhang, daB dabei die "protreptische Kraft von Heldendichtung, deren einziges Thema im Grunde Tat und Ehre ist"25, neben der unterhaltenden Funktion nicht vergessen werden darf. Ob die damalige Gesell- schaft gemaB dieses Heldenbegriffes lebte, inwieweit die von Homer erzahlten Heldentaten, Tugenden und religiosen Einstellungen der Protagonisten der Idea- lisierung dienten und ob die homerischen Epen, wie man es aus den deutschen mittelalterlichen Epen kennt, gerade ein idealisierendes Kontrastbild zur damaligen gesellschaftlich-politischen Realitat lie- ferten, muB hier unberticksichtigt bleiben, weil eine dahingehende Untersuchung den Rahmen dieser Arbeit sprengen wiirde.

Tatsache ist, daB die Jugendzeit Homers, errechnet aus der vermutlichen Entstehungszeit der Ilias, in eine Zeit des "Aufschwungs und der Wiederbelebung alten Glanzes und alter Ideale"26 fiel. Die Belebung alter Kulte, die Begriindung neuer Feste, z. B. der panhellenischen Feste in Olympia, Delphi und Delos, die "Wiederverehrung der Ahnen, denen man sich nun wieder naher fiihlen durfte"27, die Eroberung neuer Lebensraume in fremden Landern, die Aktivierung des Handels, die Steigerung der Bautatigkeit im religio- sen und weltlichen Bereich, die "Erneuerung der al- ten Heldendichtung im Geiste eines Verstandnisses, fur das lange Jahrhunderte hindurch die Vorausset- zungen gefehlt hatten"28, und der "Heroenkult,29 sind Kennzeichen fur eine "allgemeine und nicht schichtenspezifische Aufbruchsmentalitat".30 In ei- ner solchen Zeit erhielt auch die Kunst neue Impul­se, da dem Adel wieder die Grundvoraussetzungen fur Kunst, namlich Zeit und forderliche gesellschaftspo- litische Zustande, gegeben waren.

2.1.3 Die historischen Entstehungsbedin- gungen der "Aeneis"

Mit der literarischen Form des Heldenepos hat Vergil die homerische Gotterwelt und den Grundgedanken des Heldenepos der "Erhebung des Einzelnen und seiner Leistungen ins Grofie, Heroische und letztlich [der] Verknupfung seines Schicksals mit dem Gottlichen"31 sowie die grundsatzlich optimistische Haltung im wesentlichen ubernommen. Die Intention seines Schreibens ist jedoch von der Homers grundlegend ver- schieden. Wahrend Homers Zuhorer in erster Linie die Taten ihrer "Helden" moglichst ausfiihrlich horen wollten, um sich daran zu erfreuen, und Homer des- halb bestrebt ist, die Szene, die ihm vor Augen steht, "in all ihren wechselnden Momenten festzuhal- ten und dem Horer vor Augen zu stellen", der Schwer- punkt also in der epischen Breite, in der "Totalitat der Wiedergabe [liegt], wobei der Phantasie der Ho- rers moglichst wenig iiberlassen bleibt"32, schreibt Vergil weniger zur belehrenden Unterhaltung, sondern mehr zur unterhaltenden Belehrung. Ihm geht es zwar auch um die Darstellung von Heldentum und um die Erzahlung beruhmter Taten, aber er bedient sich des Stoffes zu einem anderen Zweck: Er beabsichtigt in erster Linie, durch Bilder erzieherisch-moralisch auf das Gefiihl der Zuhorer und Leser einzuwirken, um seinen Vorstellungen von einem besseren, friedliche- ren Zielen und kulturellen Werten zugewandten romi- schen Reich, das er, wie die meisten seiner Zeitge- nossen, nach den Kriegswirren herbeisehnte, Ausdruck zu verleihen. Auch einige andere zeitgenossische Kunstler, beispielsweise Horaz33, trugen mit dazu bei, durch die Verbreitung neuer, optimistischer Ideen und die Verkiindigung des Beginns eines neuen Zeitalters die "augusteische Klassik" vorzubereiten.

Tatsachlich kam es, nicht zuletzt gerade durch die dichterische Propagierung humanerer Ideale, in der Regierungszeit des Augustus nach der Beendigung der Wirren der Burgerkriege zu einem neuen okonomischen, moralischen und ktinstlerischen Aufschwung, der als Wiederkehr der aurea saecula, des Zeitalters des Saturnus, in dem paradiesische Zustande herrschten, empfunden wurde, als dessen Urheber Augustus schlieBlich von den Dichtern und Kiinstlern seiner Zeit gefeiert und verherrlicht wurde und dessen "Strahlungsmitte"34 er auch wirklich war. Augustus versammelte die bedeutendsten Kunstler seiner Zeit um sich und kam ihnen mit Verstandnis und eigenen Anregungen entgegen. Vergil hat ihm die "Georgica" in ihrem gesamten Umfang vorgelesen. 35

Kennzeichnend fur diese Nachkriegsepoche war, wie schon zu Zeiten Homers, der Wunsch der Menschen nach Restauration, nach der Wiederherstellung vergange- ner, gliicklicherer Zustande. Man erinnerte sich der Vorbilder altromischer Tiichtigkeit und wollte die mores maiorum "nicht nur kennen, sondern sie in ih- rer Reinheit wiederherstellen, das Abgestorbene ins Leben zuriickruf en. "36 Sittlichkeit, Tugendhaftigkeit und die pietas, die Aeneas in der Aeneis verwirk- licht, sollten keine Worthulsen, sondern Realitat sein und wurden von Dichtern wie Vergil im Orakelton und in feierlich-stimmungsvollen Bildern37 heraufbe- schworen.38 Vergil befriedigt diesen "Drang nach mo- ralischer Entstihnung und Reinigung"39, indem er sei- nen Zuhoren das Verhalten ideal-vorbildlicher Figuren, z.B. des Aeneas, sowie altitalische Riten und Kulte vor Augen fuhrt, die damals nicht als "gelehrte Kuriositaten, sondern [als] ehrfurchter- weckende, altgeheiligte Zeugnisse einer gliickliche- ren Vorzeit"40 galten. Er gestaltete in der Aeneis den Weg Roms zur Weltherrschaft als Heilsgeschichte, die ihr glorreiches Ziel in Augustus gefunden hat. Das epische Geschehen ist "nicht nur stofflich mit der romischen Geschichte eng verbunden, sondern es wird zielgerichtet und sinnbestimmt durch die Ent- faltung einer Romidee, die ihre Trager erfiillt und deren Handlungen leitet."41

Da der dichterischen Darstellung aktuellen gesell- schaftlich-politischen Geschehens jedoch keine "Kraft der Verewigung"42 und keine Erhebung auf eine hohere Ebene innewohnen wtirde, verlegte Vergil das Geschehen in der "Aeneis" auf die "hohere Ebene ei­ner mythischen Wirklichkeit". Auf diese Weise konnte er beliebig alte historische und mythologische Stof- fe in sein Werk aufnehmen und gemafi seiner Intention umgestalten.

2.2 Die Faustkampfdarstellung bei Homer und Vergil

2.2.1 Das Schema der homerischen und der vergilischen Faustkampfdarstellung

Das Schema des Faustkampfes hat Vergil von Homer tiber- nommen: Nach der Preisvergabe fur den vorangegange- nen Wettkampf und der Bestimmung der Preise fur den Faustkampf rufen die jeweiligen Spielleiter zur Teilnahme am Faustkampf auf.43 Homer und Vergil benut- zen fur diesen Aufruf beide die wortliche Rede. Die Preise fur den Faustkampf sind im Vergleich zu den fur die anderen Wettkampfe ausgesetzten Preisen re- lativ geringen Wertes. Es meldet sich fur den Kampf jeweils ein aufterordentlich kraftiger, "anerkannt trefflicher Kampfer"44, der sich im Faustkampf vor- her schon mehrfach bewahren konnte (Erzahlerbe- richt). Dieser greift nach dem ausgesetzten Preis und stellt deutlich heraus, daft er ihm zustehe, weil er selbst im Faustkampf der Beste sei.45 Homer und Vergil benutzen fur die prahlerische Selbst- darstellung der Figuren wiederum beide die wortliche Rede. Die Furcht der anderen vor dem Imponiergehabe der Kampfer ist so groft, daft sich zunachst keiner zu kampf en traut. So wird Aeneas bei Vergil von alien Trojanern aufgefordert, Dares die versprochene Sie- gespramie ohne Kampf zu lassen46, wahrend Homer die Achaier zumindest alle verstummen laftt, bevor sich Euryalos meldet.47 Dann kommt es zum Kampf, den der Verlierer jeweils Blut ausspeiend und hangenden Kop- fes verlaJit. Am Schluli des Faustkampfes steht die Preisverleihung, die aber von beiden Dichtern auf verschiedene Weise ausgefiihrt wird.

Wahrend also die Schemata der beiden Kampfschilde- rungen in wesentlichen Punkten ubereinstimmen, un- terscheiden sich die Darstellungen in vielen De­tails: Vergils Version ist um einiges langer und wirkt schon durch den Reichtum an zusatzlichen An- deutungen, durch Anspielungen, die sich von den ho- merischen unterscheiden, sowie durch die Verschie- denheit von Kontext und Intention des Dichters ganz anders als der homerische Text. Verschiedene Passa- gen sind zudem in unterschiedlicher Lange ausge- fiihrt. Durch inhaltliche und kompositionelle Eigen- tiimlichkeiten verschieben sich der Schwerpunkt der Erzahlung und die Perspektive. Dies geschieht eben- falls durch die jeweils unterschiedliche Charakteri- sierung und das unterschiedliche Auftreten der Figu- ren, das den Gegenstand des folgenden Kapitels bil- det.

2.2.2 Auftretende Figuren

Charakteristisch fur die im homerischen und im ver- gilischen Faustkampf auftretenden Figuren ist, daft sie nur Randfiguren sind. Wahrend in alien ubrigen Wettkampfen bei Homer nur beriihmte Fiirsten wie Odys­seus und Aias auftreten48, tritt beim Faustkampf ne- ben dem Fiirsten Euryalos, einem Heerftihrer im Ge- folge des Diomedes49, auch Epeios an, ein Mann von untergeordneter Stellung, der von sich selbst aus- sagt, daB er im Krieg nicht sonderlich tapfer sei und sich ausschlieBlich auf den Faustkampf ver- stehe.50 Wahrend Ameis/Hentze meint, daB Epeios nicht mit dem Erbauer des trojanischen Pferdes identisch sei, weil jegliche diesbeziigliche Andeutung fehlt51, denke ich, daB dies als Argument nicht ausreicht. Man kann lediglich mit Sicherheit sagen, daB Epeios nirgendwo als tapferer Held auftritt, kein Furst ist und demnach sowohl in der "Ilias" als auch in der "Odyssee"52 allenfalls als Nebenfigur fungiert.

Durch das Auftreten des Epeios als Figur niederen Ranges erfahrt der Faustkampf bei Homer eine deutli- che Abwertung. DaB er in der Reihe der Wettkampfe in keinem besonderen Ansehen steht, zeigt ebenfalls der Vergleich der ausgesetzten Preise, denn wahrend die Sieger in den anderen Disziplinen eine Frau, einen groBen DreifuB im Wert von acht Rindern53, einen verzierten, silbernen Becher54 und ahnliche wert- volle Preise erhalten, ist fur den Sieger im Faustkampf lediglich ein Maultier vorgesehen, das dazu noch schwer zu zahmen ist. Der Zweitplazierte erhalt nur einen doppelhenkeligen Pokal bzw. Becher (8ejtac apxpuameXXov55 ) , dessen Material, Verzierung und Herkunft nicht einmal angegeben werden - wohl weil er relativ wertlos ist. Das Maultier und der Becher sind mit Abstand die niedrigsten Preise, die iiber- haupt verteilt werden. Das Maultier mit seinem wi- derspenstigen Sinn steht im grellen Kontrast zu den iibrigen erhaben wirkenden Preisen und der Erhaben- heit der vornehmen Helden. Es symbolisiert in seiner Widerspenstigkeit direkt die Dummheit und das "geistige Aulienseitertum" seines zukiinftigen Besit- zers, der ausschlielilich im Faustkampf Qualitaten zeigt, unfahig ist, seinen Verstand zu irgendeiner hoheren Einsicht zu gebrauchen, als ungehobelter Schlager nur seiner eigenen Lebensmaxime folgt und sich in seinem Verhalten in keiner Weise an dem Ver- haltenskodex orientiert, der fur die groiien Helden Homers verbindlich ist. Insofern kommt ihm als Sieger zu, was er verdient und was ihm gemafi ist. Die ganze Situation wirkt komisch und lacherlich, obwohl Homer auf der anderen Seite den heroischen Tenor bewahrt, indem sowohl Epeios ("rito" (tuchtig, gut, edel) und "[LEyac" (groli, gewaltig)56 ) als auch Euryalos, der ja ohnehin vornehmer Herkunft und demnach nach griechi- schem Denken auch edel und tapfer ist, die Attribute wirklicher Helden zugesprochen werden. Dali aber Epeios nicht wirklich zu den grolien Helden gehort, sondern eine komische Figur ist, wird spatestens bei seinem zweiten Auftreten beim Diskuswerfen deutlich, als er, antretend gegen Aias, den Fiirsten Polypoites und dessen Landsmann Leonteus57, so miserabel wirft, dali alle uber ihn lachen.58 Epeios ist eben nur auf Grund seiner Boxkunst ein "Held". Er beherrscht ein- zig das Boxen perfekt und wird in jeder anderen Be- ziehung nicht ernstgenommen.

Wahrend es bei Vergil ganz ausgeschlossen ist, daB Kampfer niedrigerer Herkunft gewinnen, ist dies bei Homer durchaus moglich, aber auch hier ist dies letztlich nur durch den geringeren Wert des Faustkampfes zu erklaren. Beachtet man die Regel, nach der Homer seine Helden siegen laBt, erkennt man, daft normalerweise nur die groBen, erfahrenen Hel­den59, und unter diesen diejenigen, die in der je- weiligen Disziplin die starksten Kampfer sind oder liber die beste Ausriistung, z.B. die besten Pferde, verfiigen60, in zweiter Linie dann diejenigen, die von den Gottern begtinstigt sind (s. Wettlauf) und zuletzt erst die, die charakterlich iiberlegen sind, siegen.61 So kann der wenig bekannte Fiirst Polypoi- tes gegen den hochberuhmten Aias ohne weiteres im BogenschieBen gewinnen, weil er in diesem Wettkampf der Bessere ist. Die Fahigkeiten der griechischen Kampfer sind unterschiedlich: Der eine ist starker oder geschickter, der andere dafiir schneller Oder tapferer. Die Helden vornehmer Herkunft scheinen wenigstens im Wettkampf vergleichbare Krafte und Chancen zu besitzen.

Bei der Figur des Epeios verstoBt Homer gegen die Regel, daB der bertihmtere, groBere und edlere Held den Kampf gewinnt, denn in der homerischen Faustkampfdarstellung siegt der erfahrenere Kampfer, der mit der im voraus angekiindigten Roheit agiert. DaB Epeios gewinnt, obwohl Homer keine andere Figur, vor allem keinen der wirklich groften Helden, so grob und kaltschnauzig auftreten lafit wie ihn, der sofort bereit ist, jedem potentiellen Gegner die Knochen zu brechen62, liegt moglicherweise in der Scheu Homers, einen groften Helden in einer so brutalen Disziplin wie dem Faustkampf siegen zu lassen, und zeigt, wenn sich dies bestatigen lafit, wiederum deutlich Homers Abwertung des Faustkampfes, bei dem selbst die hohe Abstammung und die gottliche Herkunft des Euryalos nichts gegen das Walten der (geist- und gottlosen) Korperkrafte auszurichten vermogen. Beim Ringkampf zwischen Aias und Odysseus hingegen wird, obwohl beide Kampfer begierig sind, den ersten Preis zu erhalten, die Darstellung von Gewalt bewuftt vermie- den: Der Kampf wird vorzeitig von Achill abgebro- chen, um eine unnotige Ermattung63 und Verletzung der Kampfer zu vermeiden. Der Wettkampf unter edlen Helden soil, auch wenn er, wie es in der Antike der Fall war, generell immer zugleich auch als Kriegs- vorbereitung betrachtet wurde und in der Dichtung entsprechend auf kriegerische Ereignisse voraus- weist64, den Charakter des spielerischen Kampfes um Ehre nach dem Vorbild der friedlichen griechischen Agone behalten und nicht ernst und brutal werden.

Fur die Figuren der "Aeneis" gilt grundsatzlich, daft die Manner, die im Gefolge des Aeneas auftreten, durchgehend weniger beruhmt sind als die groften Hel­den Homers. Zudem haben, wie Cairns bemerkt, die mei- sten bei den Leichenspielen auftretenden Wettkampfer keine Verbindung zu den romischen gentes. Stehen sie tiberhaupt mit diesen in Verbindung, so handelt es sich auf f allenderwei.se wiederum, abgesehen von den durch lulus reprasentierten Iuliern, nie um die be- kanntesten gentes der vergilischen Zeit.65 Dies liegt zunachst einmal daran, daft im Verhaltnis des Aeneas zu seinen Gefahrten das aus vergilischer Sicht ideale Verhaltnis des Princeps zu seinen Un- tertanen nachgebildet ist, das es keinem Untertan ermoglicht, es dem Princeps auch nur annahernd an pietas und anderen virtutes gleichzutun, wahrend bei Homer machtvolle, autonome Fursten auftreten, die beim Kampf um Troja nur voriibergehend dem Oberbefehl des Agamemnon gehorchen. So verweist Vergil direkt auf die aktuelle politische Situation und stellt dem Leser diejenigen Vorstellungen vom Verhaltnis zwi- schen Herrscher (Augustus) und Volk vor Augen, die er - einerseits als von Maecenas und somit von Au­gustus Geforderter66, andererseits wohl aber auch als Privatmann - nach den Biirgerkriegswirren (s. Kap. 2.1.3) hatte. Bei seiner Bemiihung, zur Aufwer- tung des Status der Julier ("they are presiding (Aeneas) and performing (lulus) at the games"67 ) die Namen anderer beriihmter altromischer Familien in seiner Dichtung moglichst wenig hervorzuheben, folgt Vergil einer grundsatzlich in der f rtihkaiserzeitli- chen Dichtung zu beobachtenden Tendenz.68

Ein zweiter Grund fur die geringere Beruhmtheit der vergilischen Helden ist aber sicherlich auch darin zu suchen, daft Vergil, der ja ein typisch romisches Epos mit romischen Helden schreiben wollte, bei sei­ner Gestaltung des ersten romischen mythisch- geschichtlichen Epos iiberhaupt generell vor dem Pro­blem stand, fast alle Figuren erst erfinden zu mus- sen. Wahrend Homer die Namen der den damaligen Zuho- rern durchaus vertrauten Helden nur nennen, bekannte Zuge wiederholen oder bekannte Bilder mit neuen Zti- gen ausstatten mufite, um sicher sein zu konnen, je- dermanns Aufmerksamkeit zu erlangen, war Vergil geno- tigt, neben den Figuren selbst auch den gesamten historischen und mythologischen Hintergrund fur vie- le seiner Figuren zu schaffen. Dies gilt sowohl fur die Stammvater der spateren romischen gentes, die eingefuhrt werden, um das historische Interesse der Zuhorer zu befriedigen und eine romische Geschichte zu begrtinden, als auch fur Figuren wie Dares und Entellus, die im Laufe der Erzahlung durch ihr Han- deln Beriihmtheit erlangen.

In diesem Zusammenhang hat Cairns sehr gut beobach- tet, dali die Spiele von Vergil ganz bewuftt unter an- derem deshalb in Buch 5, also in chronologischer Hinsicht vor die Landung der Trojaner in Italien, plaziert worden sind, weil in den Spielen vielen bis dahin noch weitestgehend unbekannten und gegentiber Aeneas ruhmlosen Trojanern die Gelegenheit gegeben werden sollte, Heroenstatus zu gewinnen69 und somit alle diejenigen Eigenschaften zu zeigen, die gemafl dem seit Homer tiber Pindar und Bacchylides und schliefi- lich Kallimachos70 in der Dichtung tradierten Tugend- konzept fur einen Heroen verbindlich waren: Das Zei­gen der "virtus", das Auf sichnehmen der mit dem Heldentum verbundenen Mtihe und die Demonstration von Ktihnheit.71 Es war of f ensichtlich Vergils Absicht, die Trojaner in Italien mit nachgewiesenermaften gro- Beren Heroen ankommen zu lassen.72 Cairns meint, das starke Betonen der Anstrengungen der Trojaner in den Spielen gleiche zum Teil die Leiden der Trojaner aus, "being somewhat played down elswhere so as to highlight those of Aeneas, the suffering hero par excellence".73 Die bei Vergil zu beobachtende bewuftte Vermeidung der Erwahnung beriihmter Familien in der Dichtung und die dadurch nicht so stark wie bei Homer an einzelne hervorragende Personen gebundene Heroi- sierung habe zur Folge, daft sich die Wirkung der Heroisierung, die ja nicht auf das Leben der Heroen beschrankt bleibt, sondern sich auf die Familie des Helden, auf seine Stadt74, schlieftlich auch - gemaft Vergils dichterischer Intention - auf seine ganze Nation und deren Nachfahren bezieht, besonders aus- gedehnt unter den augusteischen Romern verbreiten konne "by making the heroised athletes more general­ly representative of the race as a whole."75 Vergil ging es demnach nicht mehr, wie Homer, darum, die Tugenden einzelner Helden zu zeigen, sondern es kam ihm vor allem darauf an, neben der Tugend des Herr- schers die virtus des gesamten trojanischen76 und somit in der Folgezeit romischen Volkes zu demon- strieren, das stolz auf die Helden und auf Ascanius, der im lusus Troiae zu Ehren seines Groftvaters seine Truppen anfiihrt, zuruckblickt, "joyfully seeing in the boy's faces the features of their Trojan an­cestors .77

Weil es jedoch nach romischer Vorstellung nicht schicklich war, daft vornehme Manner wie bei den Griechen im athletischen Agon, sei es im Wettlauf, im Faust- Oder Ringkampf, auftraten, offentliches Wagenlenken und die Teilnahme an Regatten dagegen als vornehmere Disziplinen galten, die weniger ent- ehrend waren und deshalb eher toleriert und mit der Zeit sogar auch fur die Ritter iiblich wurden78, konnte Vergil die romischen Ahnherren zwar bei der Regatta zeigen, nicht aber im Wettlauf oder im Faustkampf. Der Faustkampf namlich war das Metier der Gladiatoren, die als Berufskampfer zur Belusti- gung der Zuschauer in der Arena ihr Geld verdien- ten.79 Diese gehorten der unteren Gesellschafts- schicht an und waren rohe Schlagertypen, von denen sich die vornehmen Burger Roms distanzierten und mit denen naturlich auch die Ahnherren der romischen Geschlechter im vergilischen Epos nichts gemein ha- ben durften. Zwar gab es zur Regierungszeit des Au­gustus zunehmend mehr junge Angehorige des Ritter- standes, die sich in Geldnot befanden und aus diesem Grunde den damals sehr lukrativen Beruf des Schau- spielers ergriffen oder gar in der Arena als Gladia­toren tatig wurden80, aber zur Entstehungszeit der "Aeneis" war das Auftreten von Rittern in der Arena noch eine grofte Ausnahme81, die auch nur dann iiber- haupt tolerabel und nicht mit einer Deklassierung der betroffenen Person verbunden war, wenn der Kampf unentgeltlich stattfand.82 Der Wettlauf hingegen schadete in der augusteischen Zeit dem Ansehen jun- ger Leute nicht, zumal Augustus selbst, der der Ago- nistik "in jeder Form seine lebhafteste Teilnahme" zuwandte83, durch die Begriindung der - allerdings nur auf griechischem Boden stattfindenden - actischen Spiele, durch die auch in vielen Provinz- stadten die Einrichtung zahlreicher neuer, standiger Spiele angeregt wurde84, "etwas von dem alten grie- chischen Geiste edler Agonistik wieder aufleben"85 lassen wollte. Deshalb war es fur Vergil nicht pro- blematisch, beim Wettlauf junge Leute vornehmer Her- kunft wie Diores86 in einer an die griechischen Ago- ne erinnernden Atmosphare um die Ehre des Sieges kampfen zu lassen. Auch das Wagenrennen war fur die ritterlichen "edle[n] Manner und Knaben" durch den Kaiser legitimiert, zumal diese in Rom seit dem Jahr 28 v. Chr. bei den periodisch gefeierten ludi pro salute divi Augusti als Wettfahrer in der Arena auf- treten durften.87 Wahrend Augustus, wie Sueton be- zeugt, Jiinglinge von hohem Adel sogar an Tierkampfen im Circus teilnehmen lieft88, schadeten Gladiatoren- kampfe allerdings nach wie vor dem Ansehen des kamp- fenden Romers. Vergil beriicksichtigt diese realen gesellschaftlichen Verhaltnisse in seinem Epos, in­dent er bei der Erwahnung von Dares und Entellus jede mogliche historische Beziehung fernzuhalten sucht und "das mythische Element stark betont".89

Die Betonung des Mythischen hat auch noch einen wei- teren Vorteil: Das Geschehen wird auf eine hohere Ebene verlagert. Dadurch wird es moglich, Einzelhei- ten typisch-romischer Kampftechniken, z.B. die Ver- wendung der gef ahrlichen, mit Eisen und Blei be- schwerten90 romischen Caestus in die Darstellung einzuflechten und die ganze Harte des romischen Faustkampfes vorzufiihren, ohne jedoch direkt einen romischen Faustkampf zu beschreiben. Die grausame Realitat der Zirkusspiele wird bewuBt in den Hinter- grund gedrangt, wahrend an die positiv-heldenhaften Taten des Halbgottes Eryx, des Butes und des Hercu­les erinnert und Dares in die Reihe dieser beruhmten Kampfer gestellt wird.91 Die Atmosphare bleibt trotz alter kampferischer Brutalitat homerisch-spiele- risch, bleibt die des homerischen athletischen Agons.

Weil Vergil aus den genannten Griinden das mythische Element betonen muB, wird uns Dares als Sieger uber Butes bei den Leichenspielen des Hektor und zudem als einziger Kampfer, der gegen Paris bestehen konn- te, vorgestellt.92 Entsprechend wird Entellus als Schuler des Faustkampfers Eryx eingefiihrt, der sei- nerseits Hercules am sizilischen Strand im Kampf urn die Rinder des Geryon unterlag. Die Erwahnung des Eryx an dieser Stelle ist in mehrfacher Hinsicht von Vergil wohlmotiviert: Zum einen ist Eryx als Sohn der Venus und des Butes Halbbruder des Aeneas und gewinnt dadurch natiirlich beim Zuhorer enorm an Bedeu- tung und Interessantheit, zum anderen wird iiber Bu- tes und Eryx eine unmittelbare Verbindung zu Entel- lus und zu Dares hergestellt, die auf diese Weise im Beziehungsgef lecht der Figuren des Epos ihre feste Rolle finden, nicht mehr als Fremdkorper dastehen und infolgedessen von Vergils Zuhorerschaft williger akzeptiert werden. Zudem ist Eryx noch von alters her durch den Mythos eng mit Sizilien, dem Veran- staltungsort fur die Wettspiele zu Ehren des Anchi- ses, verbunden: Eine alte antike Legende fiihrt ihn an als Stifter des beriihmten Heiligtums der Venus.93

Wahrend bei Homer nur die Namen der Faust kampfer, deren Vater und - nur bei Euryalos94 - in sehr weni- gen Worten die beruhmteste Tat des Helden erwahnt werden, ist Vergil aus den soeben genannten Grunden bei der Einfiihrung neuer Figuren wesentlich ausfiihr- licher.

Dares ist Trojaner und spielt in der "Aeneis" in den kriegerischen Ereignissen, die nach den Wettspielen stattfinden, keine Rolle mehr. Er wird lediglich noch einmal erwahnt, als er von Turnus in Aeneis XII, 363 getotet wird. Dares benimmt sich in seinen Worten der vergilischen Auffassung von Schicklich- keit gemaft weniger roh und grobschlachtig als Epeios. Er droht nicht, seinem Gegner die Knochen zu brechen und ihn zu toten, sondern beschrankt sich auf Imponiergehabe (er reckt sein Gesicht empor95 ostenditque umeros latos alternaque iactat / bracchia protendens et uerberat ictibus auras96 ) und grofie Reden. Wahrend Dares als riicksichtslos ehrgei- ziger Kampfer dariiber hinaus keine weitere Charakte- risierung erfahrt97 und deshalb hinsichtlich seiner individuellen und menschlichen Eigenschaften sehr blafi bleibt, ist die Figur seines Gegners Entellus "erheblich bereichert und psychologisch vertieft: Weder Ehrgeiz noch das Verlangen nach dem Preise bewegen den Greis Entellus zu dem scheinbar unglei- chen Kampf; Er wird durch Acestes' Worte und sein eigenes Gefiihl bei der Ehre gefafit; im Namen des gottlichen Eryx, dessen Schuler er sich zu sein riihmt, und um nicht selbst als Trager erlogenen Ruhms, als eitler Prahler dazustehn, auch als Ver- treter Siziliens gegeniiber Troja [...] wagt er den Straub mit dem rtistigeren Gegner; ein erster Miber- folg reizt ihn noch mehr, die Scham und das Bewubt- sein dessen, was er war und noch ist (pudor et con- scia virtus, 455), verdoppelt seine Kraft und fiihrt ihn zum glanzenden Sieg."98 Die Betonung dieser psy- chologischen Komponente und die Wichtigkeit der cha- rakterlich-moralischen Qualitaten des Helden fur den Ausgang eines Kampfes ist charakteristisch fur die vergilische Erzahlung, in der immer wieder in ent- scheidenden Situationen durch den Sieg der Psyche99 uber die groliere Muskelkraft die Gesetze der Wahr- scheinlichkeit zum Zwecke der Statuierung morali- scher Ideale und zur Steigerung der Spannung durch- brochen werden.100

Auffallig ist, daft im Boxkampf dieser vorbildlich- moralische Part ausgerechnet von einem Sizilianer (Siculer bzw. Sicaner) vertreten wird, denn Entellus ist der einzige Nichtro j aner, den Vergil in einem Kampf gewinnen laftt. Wahrend Vergil in der gesamten "Aeneis" das Gemeinschaftsgefuhl der Trojaner und deren Eintracht untereinander betont und auf diese Weise daftir sorgt, daft der Ruhm des Sieges in dieser Gemeinschaft verbleibt101, um spater auf die direk- ten Nachfolger der Trojaner, die Romer, iibertragen werden zu konnen - und dies ist, wie Cairns immer wieder betont, einer der wichtigsten Aspekte der in der "Aeneis" stattfindenden Spiele und der "Aeneis" uberhaupt -, hat er gerade im Falle des Faustkampfes bewuftt gegen diese Regel verstoften und den Entellus, der, wie dem auf Hygin zuruckgehenden Stellenkommen- tar des Servius zur Aeneis 5.38 9 zu entnehmen ist102, urspriinglich Trojaner war, zu einem Sicaner gemacht, der allerdings im Fortgang der Erzahlung uberhaupt nicht mehr auftritt. Hier reicht sicherlich, wie Cairns bemerkt, das Anfiihren der Vorliebe des Au­gustus fur "mixed-race boxing matches"103 als Erkla- rung nicht aus. Vielmehr ist der wichtigste Faktor sicherlich ein moralischer104: Vergil, dessen ober- stes Prinzip es ist, die Eintracht er Trojaner (vor allem gegenuber der Zwietracht der Italer105 )

[...]


1 In Kapitel 3.1 befindet sich ein Stemma, das die Abhängigkeit der in dieser Arbeit relevanten mittelalterlichen und neuzeitlichen Texte voneinander darstellt.

2 Zum antiken Zweikampf s. Heinze und Fries!

3 Zum mittelalterlichen Zweikampf s. u.a. Coulin: gericht- licher Zweikampf; Coulin: Verfall; Frevert, S. 19-22!

4 Huizinga, S. 133

5 Meiners, S. Ill

6 ebenda

7 Heinze, S. 252

8 ebenda

9 Heinze, S. 249

10 ebenda

11 Heinze, S. 253

12 ebenda

13 Heinze, S. 253

14 Heinze, S. 254

15 Heinze, S. 251

16 Heinze, S. 254

17 Heinze, S. 255. Vgl. Heyne/Wagner, S. 723: "...nihil magnificentius ac splendidius fuerit visum in poeta, quam si Graecorum poetarum loca et inventa commode et ingeniose in sua carmina transferret."

18 Man weift auch heute noch nicht sicher, ob Homer viber- haupt als historische Person zu betrachten ist und ob er der Dichter der Ilias und der Odyssee war. Die "homerische Frage" und die Frage, wie umfangreich die von Homer geschaffenen Werke wirklich gewesen sind, soli aber hier nicht diskutiert werden.

19 Latacz, S. 42

20 Latacz, S . 85

21 Latacz, S. 49

22 Latacz, S . 47 ff

23 Latacz, S. 58

24 Latacz, S. 62

25 Latacz, S. 64

26 Latacz, S . 74

27 Latacz, S . 77

28 ebenda

29 Latacz, S. 76

30 ebenda

31 Burck, S. 234

32 Heinze, S. 406

33 Heinze, S. 493

34 Stauffenberg, S. 180

35 Sueton, Vergili vita, S. 61: "georgica reuerso post Actiacam uictoriam Augusto atque Atellae reficiendarum faucium causa coimnoranti per continuum quatriduum legit, suscipiente Maecenate legendi uicem quotiens interpella- retur ipse uocis offensione."

36 Heinze, S. 479

37 S. Heinze, S. 170. Wahrend Homer die Kampfe sachlich und selbstverstandlich einfuhrt und ebenso niichtern enden lalit, leitet Vergil sie durch ein feierliches Gebet am Grab des Anchises, durch das Schlangen-Wunder, durch das Opfer und durch Trompetenklang ein und beendet sie mit dem leuchtenden, in die Zukunft weisenden Bild des von Ascanius und seinen Leuten gerittenen lusus Troiae.

38 S. Stauffenberg, S. 184: Von Stauffenberg stellt test, daS die neuere Forschung bei Vergil und Horaz das Sehe- rische besonders hervorgehoben und erkannt hat, daB die­se "einen Urtypus romisch-italischen Dichtertums, den des vates, erneuern wollten und erneuert haben."

39 Heinze, S. 479

40 ebenda

41 Burck, S. 234

42 Stauffenberg, S. 189

43 Ilias, XXIII, 657; Aeneis, V, 363

44 Heinze, S. 154

45 Ilias, XXIII, 666 ff.; Aeneis, V, 383 ff.

46 Vgl. Aenaeis V, 386: "cuncti simul ore fremebant / Dar- danidae reddique uiro promissa iubebant".

47 Vgl. Ilias, XXIII, 676: "oi 8'apa 7tavTea ockt|v eyevovto aumfj. "

48 Vgl. die Wettkampfe, von denen in der Odyssee, IX, 110 ff., berichtet wird. Auch dort treten nur die edelsten Sohne der Phaaken auf.

49 s. Ilias, 11, 565 ff.

50 Ilias, XXIII, 669 f.

51 51 Ameis/Hentze, Bd. 2, Heft 4, s. 80, Anm. zu Ilias XXIII, 665

52 s. Odyssee, VIII, 493; XI, 524

53 Ilias, XXIII, 702 f.

54 Ilias, XXIII, 741 f.

55 Ilias, XXIII, 656

56 Ilias, XXIII, 664; Dares ("uastis cum uiribus" [Aeneis, V, 368] ) wird nach dem Muster des homerischen Epeios eingefuhrt.

57 Ilias, II, 738 ff.

58 Ilias, XXIII, 840

59 S. Ilias, XXIII, 586 ff.: Antiloch gesteht Menelaos den zweiten Platz zu, weil dieser alter und deshalb besser und iiberlegen sei.

60 S. Ilias, XXIII, 271 ff.: Achill wiirde gewinnen, wenn er antrate, weil er liber die besten Pferde verfugt und Dio- medes gewinnt tatsachlich, weil seine Pferde schneller sind als die der anderen (s. Ilias, XXIII, 373 ff.).

61 S. Heinze, S. 153

62 Ilias, XXIII, 673

63 Ilias, XXIII, 735 ff.

64 Cairns, S. 222, 229

65 Cairns, S. 225

66 Cairns, S. 225 f. (Fuftnote 55)

67 Cairns, S. 226

68 Cairns, S. 225 f. (Fuftnote 55)

69 Cairns, S. 224

70 Cairns, S. 218

71 Cairns, S. 226

72 Cairns, S. 224

73 Cairns, S. 226

74 Cairns, S. 220

75 Cairns, S. 226

76 ebenda

77 Cairns, S. 247

78 Heinze, S. 156

79 Die Gladiatoren waren Kriegsgefangene, Schwerverbrecher, Sklaven, aber seit dem Ausgang der Republik auch Freige- borene (s. Der Kleine Pauly, Bd. 2, S. 803, Stichwort "Gladiator").

80 Lebek, S. 47 ff

81 Lebek, S. 53

82 Lebek, S. 49

83 Heinze, S. 155; Die korperliche Ertuchtigung junger Leute wurde von Augustus bewuiit gefordert.

84 Heinze, S. 155

85 ebenda

86 Aeneis, V, 297

87 Heinze, S. 155

88 Sueton, Augustus 43

89 Heinze, S. 156

90 Aeneis, V, 405

91 Die Sieger in den Wettkampfen wurden seit Pindar stets als Nachfolger der Heroen und solcher, die ihnen gli- chen, betrachtet, denn Pindar fiihrte erstmals in seinen Dichtungen die Einrichtung der groBen Spiele auf Heroen der vortrojanischen Zeit wie Herakles, Pelops, Pylades von Orest und Sisyphus zuriick (Cairns, S. 219).

92 Aeneis, V, 370 ff. Paris tritt in einer Hyginus-Fabel als Boxer auf (Variante des Paris-Bildes).

93 Die Legende datiert Eryx in die mythische Vorzeit zu- rtick.

94 Ilias, XXIII, 677 ff.

95 Aeneis, V, 368 f.

96 Aeneis, V, 376 ff.

97 Eventuell deshalb, weil es uber ihn auch nicht viel mehr zu sagen gibt.

98 Heinze, S. 155

99 Heinze, S. 164

100 So ist es einerseits wenig glaubhaft, dah ein alter Mann wie Entellus uberhaupt gegen den jiingeren, durch- trainierten Dares gewinnen kann. Andererseits bezweifelt Heinze durchaus zu Recht, da!3 es in einem Kampf jemals vorkommt, "daU ein zunachst ebenburtiger, ja in manchem Betracht uberlegener Kampfer wie Dares plotz- lich der neu erwachten Wut des Gegners ganzlich hilflos und wehrlos anheimfallt", und ftihrt dies auf die auf spannungserzeugende Handlungshohepunkte hin ausgerich- tete dramatische Technik Vergils zuriick (Heinze, S. 164).

101 Cairns, S. 227

102 ebenda

103 ebenda

104 ebenda

105 Cairns, S. 228

Ende der Leseprobe aus 241 Seiten

Details

Titel
Vergleich der Zweikampfdarstellungen in Homers "Ilias", Vergils "Aeneis" und Goethes "Reineke Fuchs"
Untertitel
Eine motivgeschichtliche Untersuchung
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Altertumskunde)
Autor
Jahr
1995
Seiten
241
Katalognummer
V493520
ISBN (eBook)
9783668986718
ISBN (Buch)
9783668986725
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dieser Text wurde ursprünglich als Abschlussarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für die Lehrämter für die Sekundarstufe II und Sekundarstufe I beim Staatlichen Prüfungsamt für Erste Staatsprüfungen für Lehrämter an Schulen an der Universität zu Köln eingereicht. Ich habe diese Arbeit, auch wenn sie schon älter ist, aufgrund einiger forschungsrelevanter Aspekte nun doch noch nachträglich bei GRIN publiziert. Inklusive 65 Seiten Anhang
Schlagworte
latein, motivgeschichte, zweikampf, homer, vergil, goethe, altertumswissenschaft, lateinische philologie, ilias, aeneis, reineke fuchs, zweikampfdarstellung, literatur, altertumskunde, antike
Arbeit zitieren
Dr. Ilona Hündgen (Autor), 1995, Vergleich der Zweikampfdarstellungen in Homers "Ilias", Vergils "Aeneis" und Goethes "Reineke Fuchs", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/493520

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