Überarbeitung, Beurteilung und Bewertung von Schülertexten


Hausarbeit, 2019

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2. Textüberarbeitung
2.1 Der Schreibprozess
2.2 Bedeutung der Überarbeitung
2.3 Perspektiven für den Deutschunterricht
2.4 Methoden zur Überarbeitung
2.4.1 Schreibkonferenzen
2.4.1.1 Vorbereitung einer Schreibkonferenz
2.4.1.2 Freies Schreiben in Kombination mit Schreibkonferenzen
2.4.2 Autorenrunde
2.4.3 Text-Hand

3. Textbeurteilung
3.1 Definitionen
3.1.1 Bewertung
3.1.2 Beurteilen
3.1.3 Benoten
3.2 Formen
3.2.1 Fördernde Beurteilung
3.2.1.1 Bewertung der Anwendbarkeit der fördernden Beurteilung
3.2.1.2 Förderndes Beurteilen von kreativen Texten
3.3 Bewertend-überprüfende Beurteilung

4. Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die wichtigste Aufgabe eines Deutschlehrers besteht darin, den Unterricht so zu gestalten, dass die Kinder Freude am Umgang mit der Sprache erlangen, motiviert Lesen und Schreiben und sich selbst von Beginn an als kompetent und erfolgreich erleben. Die Schülerinnen und Schüler1 sollen Selbstvertrauen in die eigenen Schreibleistungen entwickeln und Freude am Lernen haben. Besonders in der Grundschule ist es von Bedeutung, die Kinder zur Textproduktion zu ermutigen, da in diesem Alter der Grundstein für die spätere Schreibbereitschaft und vor allem für die Freude am Schreiben gelegt wird.

Jedoch müssen die erbrachten Leistungen überarbeitet sowie bewertet und messbar gemacht werden, was oft im Kontrast zur Lernfreude und Begeisterung für den Schreibprozess steht. Es kommt die Frage auf, wie schriftliche Leistungen überarbeitet und bewertet werden können, ohne Frust bei den SuS zu erzeugen und Entmutigung hervorzurufen. Lehrkräfte müssen für die Beurteilung ein hohes Maß an Sensibilität und pädagogischer Kompetenz aufweisen. Somit hat das Schreiben, besonders das Schreiben als Prozess, im Deutschunterricht einen wesentlich höheren Stellenwert erhalten, als noch vor ein paar Jahren. Hervorgerufen durch diesen Wandel hat natürlich auch die Frage nach der „richtigen“ Beurteilung von Schülertexten an Bedeutung gewonnen.

Diese Arbeit wird sich daher mit den Bereichen Überarbeitung, Beurteilung und Bewertung von Schülertexten auseinandersetzen, um einen Einblick in die Komplexität dieser Themen zu gewähren und um Handlungsmöglichkeiten im Kontext Schule zu eröffnen.

2. Textüberarbeitung

2.1 Der Schreibprozess

Die mündliche Kommunikation ist ein Wesensmerkmal des Menschen, das sich unbewusst und von selbst entwickelt. Tagtäglich hören wir zu und reden, ohne die Regeln, die wir dabei anwenden, wahrzunehmen. Die schriftliche Kommunikation wird in der Schule erworben und unterliegt einem offensichtlichen Regelkonstrukt, was für SuS zu einer großen Herausforderung werden kann. Die Schwierigkeiten liegen zum einen am seltenen Üben, zum anderen an der Tatsache, dass das Schreiben ein hochgradig komplexer Prozess ist, wobei die Sprache im Text verdinglicht wird (vgl. Augst, 1988: 52).

Der Schreibprozess unterliegt einem Schema, dass seinen Anfangspunkt immer in der Motivation des Schreibenden2 findet (vgl. Spitta, 1998: 30). Aus dieser Motivation heraus entwickelt sich die Zielsetzung, die den weiteren Prozess bestimmt. Hieran knüpft die systematische Planung an, in der Überlegungen über den inhaltlichen Schwerpunkt angelegt werden. Inhalt und Adressat ergeben sich hierbei aus der Motivation bzw. dem Ziel des Schreibenden heraus. Des Weiteren müssen in der systematischen Planung die Textform und die Stilebene überdacht werden sowie, falls notwendig, eine Aneignung von Wissen erfolgen. Diese Phase schafft somit ein erstes Bild für den Schreibenden über das Schreibprodukt, da ein mentaler Textentwurf vorgenommen wird (vgl. ebd.: 22). Im nächsten Schritt wird der mentale Entwurf in eine schriftliche Form übersetzt. Der nun beginnende Produktionsprozess erschafft einen Inhalt, der eine strukturierten Handlungsablauf umfasst und eine lineare Struktur aufweist. Dabei stehen die Wortwahl, der Satzbau, die Satzverknüpfungen und abschließend die Rechtschreibung und die Zeichensetzung im Fokus (vgl. Augst, 1988: 53).

Diesem komplexen Prozess unterliegen dabei drei verschiedene Arten von Schreibverhaltensweisen, die je nach Intellekt, Vorliebe, Situation und Stimmung, unterschiedlich verlaufen können. Das linear logische Verhalten verfasst einen Text Stückweise unter Einhaltung eines genauen Plans. Dem Gegenüber steht das chaotisch- kreative Verhalten, dass von einer festen Reihenfolge absieht und keiner genauen Gliederung folgt. Das letzte mögliche Verhalten kombiniert die beiden zuvor beschriebenen Schreibverhaltensweisen und kann daher lineare als auch nicht lineare Komponenten enthalten. Das Ergebnis des Produktionsprozesses, ganz gleich auf welche Art es entstanden ist, ist der erste schriftliche Entwurf.

Der schriftliche Entwurf wird nun im Überarbeitungs- und Evaluationsprozess untersucht. Dieser Prozessabschnitt wird solange wiederholt, bis der Schreiber mit dem Textprodukt zufrieden und das gesetzte Ziel erreicht ist. Diese Wiederholungsphase wird auch als Schreibprozesskarussell bezeichnet, da es eine unbegrenzte Anzahl an Wiederholungen geben kann und der Schreibprozess erst dann beendet ist, wenn es keinen Bedarf an weiteren Veränderungen gibt (vgl. Spitta, 1998: 24).

Ist das eigens gesetzte Ziel des Schreibenden erreicht, erfolgt die Reinschrift des Textes und der Schreibprozess ist abgeschlossen.

2.2 Bedeutung der Überarbeitung

„Writing is rewriting.“ – Murray3

Murray bringt in seinem Zitat den Kern des Schreibens auf den Punkt. Schreiben heißt überarbeiten. Die Überarbeitung stellt einen essentiellen Bestandteil des Schreibprozesses dar. In ständigem Rückbezug auf das gesetzte Ziel, werden durch Rückkopplungsvorgänge so lange Korrekturen vorgenommen, bis das Ergebnis in Absicht, Inhalt, Form und Adressatenbezug den eigenen Zielvorstellungen entspricht (vgl. Spitta, 1992: 20).

,,Das Evaluieren und gegebenenfalls Revidieren, egal ob damit rein gedankliches oder reales Überarbeiten des noch mentalen bzw. schon realen Textes gemeint ist, stellt insgesamt den zentralen Prozeß beim Schreiben dar. In dem Augenblick, in dem ein Mensch beginnt, einen Text zu planen, werden beim geübten Schreiber bereits erste Überarbeitungsaktivitäten in Gang gesetzt." (Spitta, 1998: 27).

Dabei soll beim Überarbeiten nicht die kleinliche Korrektur von Fehlern im Vordergrund stehen, sondern das Einnehmen der Leserperspektive. Der Text soll neu gesehen werden, um eine neutrale Einschätzung vornehmen zu können.

Dabei muss der Textproduzent zunächst eine gewissen Distanz zum verfassten Produkt aufbauen, um den Text neutral bewerten zu können. In der Regel schlüpft der Schreiber dabei gedanklich in die Rolle des Lesers, wodurch der Text hypothetisch auf die mögliche Wirkung beim Adressaten in Bezug auf das eigene Ziel überprüft wird (vgl. Spitta, 1998: 24). Dies ist jedoch eine schwierige Aufgabe, da bei der Produktion eine Nähe zum Text entsteht, die es schwer macht den Text so zu lesen, als wäre er nicht der eigene. Dennoch besteht nur durch diese Distanz die Möglichkeit, eventuelle Missverständnisse oder Unklarheiten zwischen Realisiertem und Beabsichtigten zu erkennen und zu verändern (vgl. Baurmann, 2002: 92).

2.3 Perspektiven für den Deutschunterricht

Das Überarbeiten von Texten findet sich hauptsächlich als Inhalt und Aufgabe im Fach Deutsch wieder. Wie in Kapitelabschnitt 2.2 beschrieben, kommt dem Überarbeiten eine bedeutsame Rolle beim Schreibprozess zu. Kein Text wird verfasst, ohne dass das Geschriebene überdacht wird. Neben dem schriftsprachlichen Aspekt des Überarbeitens, ist auch der entwicklungsorientierte Aspekt zu nennen. Die Entwicklung schriftsprachlicher Fähigkeiten kann als Hinführung zu verschiedenen Schreibweisen aufgefasst werden. Die Aneignung und Realisierung dieser Modi verlangen, dass das Geschriebene auf sprachliche Normen, auf den Leser, und den Schreibenden selbst bezogen wird.

Die Überarbeitung berücksichtigt diese Notwendigkeit und bietet die Möglichkeit schriftsprachliche Fähigkeiten bei SuS nachhaltig zu fördern. Zudem wird durch die Verknüpfung von Produktion und Überarbeitung die Arbeit am Schreibstil in den Unterricht integriert (vgl. Baurmann & Ludwig, 1996: 17), da auch Formulierungsweisen hierbei bewertet und überdacht werden. Des Weiteren kommen die Bereiche Grammatik, Rechtschreibung, Stilistik und Wirkung beim Überarbeiten zum Tragen. Dadurch kann von einer Textoptimierung gesprochen werden, die jedoch als legitim zu betrachten ist, da selbst jeder professionelle Autor seinen Text einer Überarbeitung unterzieht (vgl. August, 1988: 55).

Das kooperative Miteinander in Form von Gruppen ermöglicht den SuS ihren Text mit verschiedenen Leserperspektiven zu konfrontieren, eine Vielfältige Diskussion sowie diverse Lösungsvorschläge für Probleme. Dies fördert eine günstige Voraussetzung dafür, dass die Perspektive des anderen, des potentiellen Lesers, eine eigene mögliche Perspektive wird (vgl. Schneuwly, 1996: 35). Diese Erfahrung mit unterschiedlichen Perspektiven ermutigt SuS zu einem flexiblen Umgang mit Sätzen und Texten. Die intensive Auseinandersetzung mit verschiedenen Textpassagen und der Verwendung von unterschiedlichen Äußerungen eröffnet SuS, dass ein Problem im Text oder eine ungünstige Formulierung eine Lösung erfordert, die eine Änderung im Text bedeuten kann (vgl. Baurmann & Ludwig, 1996: 18).

2.4 Methoden zur Überarbeitung

2.4.1 Schreibkonferenzen

In Bezug auf die Erkenntnisse aus der Schreibprozess- und Schreibentwicklungsforschung haben Didaktiker/Didaktikerinnen Konzepte entwickelt, die es Kindern in der Grundschule ermöglichen sollen, Erfahrungsräume zum Schreiben zu öffnen, die sie selbständig und eigenaktiv entdecken und erobern können. Eine Alternative für den traditionellen Aufsatzunterricht stellt ein Konzept dar, dass unter dem Begriff „Schreibkonferenz“ bekannt ist.

Die Schreibkonferenz stellt ein Verfahren dar, indem ein selbst verfasster Text vor einer kleinen kritischen Öffentlichkeit präsentiert wird, um daraufhin, mithilfe der Reaktionen der Konferenzteilnehmer, überarbeitet zu werden. Mit Hilfe von Schreibkonferenzen kann für Kinder eine Lernumgebung geschaffen werden, in der sie von anderen Kindern Anregungen, Ermutigungen und Tipps für die Überarbeitung ihrer Texte erhalten. Die Kinder benötigen Rücksprache darüber, ob und wie andere Menschen ihre Texte verstehen und empfinden, damit sie Rückschlüsse über die Erfolgsträchtigkeit ihrer Schreibstrategie ziehen können. Durch authentische und individuelle Reaktionen ihrer Mitschüler erhalten die Kinder Impulse, die es ihnen ermöglichen, diese Schreibstrategien auf ihre Wirkung hin zu überprüfen und, nach eventueller Überarbeitung, als neue Schreibstrategie zu verinnerlichen. Somit wird ein Überarbeitungsprozess in Gang gesetzt, der dem Überarbeiten eigener Texte im Rahmen des Ablaufes von Schreibprozessen einen angemesseneren Stellenwert verleiht. Dabei ist das einzelne Textergebnis nicht am wichtigsten, sondern der durchlaufene Prozess des gemeinsamen Nachdenkens und der Austausch über die gegenseitig feststellbaren Strategien der Texterstellung (vgl. Spitta, 1998: 20).

Dabei rückt die Erwartung der Lehrkraft zunächst in den Hintergrund, wodurch die Chance entsteht, dass die SuS schülerzentriert voneinander und miteinander lernen (vgl. Niemer, 1989: 16). Ein großer Vorteil hierbei ist, dass die Kritik von anderen Kindern unbelasteter angenommen werden kann, als die der Lehrkraft. Trotz dessen gehen SuS durchaus kritisch und interessiert vor und erleben dadurch einen Umgang miteinander, der von Ernsthaftigkeit geprägt ist. Sie lernen hierbei nicht nur durch ihre eigenen Schwächen und Stärken, sondern auch durch die ihre Mitschüler.

[...]


1 im Weiteren mit SuS abgekürzt

2 die Form wird neutral genutzt und gilt sowohl für weibliche als auch für männliche Personen

3 (Murray, 1968: 11)

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Überarbeitung, Beurteilung und Bewertung von Schülertexten
Hochschule
Studienseminar Buchholz für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
16
Katalognummer
V493662
ISBN (eBook)
9783668993464
ISBN (Buch)
9783668993471
Sprache
Deutsch
Schlagworte
überarbeitung, beurteilung, bewertung, schülertexten
Arbeit zitieren
Valerie Schröder (Autor), 2019, Überarbeitung, Beurteilung und Bewertung von Schülertexten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/493662

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