Arbeitslosigkeit in Deutschland. Folgen, Entwicklung und Ursachen


Diplomarbeit, 2006
93 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

Ausblick

1. Grundlagen
1.1 Definition der Arbeits- und Erwerbslosigkeit
1.1.1 Definition der Arbeitslosigkeit nach International Labour Organization
1.1.2 Definition der Arbeitslosigkeit nach Bundesagentur für Arbeit
1.2 Problem der Verzerrung

2. Folgen der Arbeitslosigkeit
2.1 Folgen für die öffentlichen Kassen und Sozialsysteme
2.2 Folgen für den Betroffenen
2.2.1 Die finanziellen Folgen
2.2.2 Die psychisch-sozialen Folgen
2.2.3 Die gesundheitlichen Folgen

3. Die Entwicklung des Arbeitsmarktes
3.1 Die Entwicklung des Arbeitsmarkts in der DDR
3.2 Die Entwicklung des Arbeitsmarkts in der Bundesrepublik Deutschland
3.2.1 Phase des Wiederaufbaus
3.2.2 Phase der Vollbeschäftigung
3.2.4 Phase der Massenarbeitslosigkeit
3.2.4.1 Die Entwicklung des Arbeitsmarktes in Gesamtdeutschland nach der Wiedervereinigung

4. Aktuelle Arbeitsmarktlage im Detail

5. Ursachen der Arbeitslosigkeit
5.1 Gesamtwirtschaftliche Ursachen der Arbeitslosigkeit
5.1.1 Friktionelle Arbeitslosigkeit
5.1.2 Konjunkturelle Arbeitslosigkeit durch Nachfrageschwankungen
5.1.2.1 Rolle der privaten Konsumgüternachfrage
5.1.2.2 Rolle der Investitionsgüternachfrage
5.1.2.3 Die Rolle der Staatsnachfrage und Staatsverschuldung
5.1.2.4 Rolle des Außenbeitrags
5.1.3 Wachstumsdefizitäre Arbeitslosigkeit durch „gestörte“ Angebotsbedingungen
5.1.3.1 Stagnationsarbeitslosigkeit versus falsche Rahmenbedingungen
5.1.3.2 Die Lohninduzierte Arbeitslosigkeit
5.1.3.3 Einfluss von sonstigen Kosten, Wechselkursen und staatlichen Interventionen
5.1.4 Strukturelle gesamtwirtschaftliche Arbeitslosigkeit
5.1.4.1 Technologische Fortschritte als Ursache für Arbeitslosigkeit
5.1.4.2 Kapitalmangel als Ursache für Arbeitslosigkeit
5.1.4.3 Demographische Entwicklungen als Ursache für Arbeitslosigkeit
5.1.4.4 Globalisierung als Ursache für Arbeitslosigkeit
5.1.5 Zusammenfassung der gesamtwirtschaftlichen Betrachtung
5.2 Teilwirtschaftliche Ursachen
5.2.1 Saisonale Arbeitslosigkeit
5.2.2 Strukturalisierte konjunkturelle Arbeitslosigkeit
5.2.3 Strukturelle teilwirtschaftliche Arbeitslosigkeit
5.2.3.1 Strukturwandelbedingte Arbeitslosigkeit
5.2.3.1.1 Branchenspezifische Arbeitslosigkeit
5.2.3.1.2 Regionale Arbeitslosigkeit
5.2.3.2 Personenbezogene Arbeitslosigkeit
5.2.3.2.1 Berufs- und qualifikationsspezifische Arbeitslosigkeit
5.2.3.2.2 Altersspezifische Arbeitslosigkeit
5.2.3.2.3 Geschlechtsspezifische Arbeitslosigkeit
5.2.3.2.4 Nationalitätsbedingte und gesundheitsbedingte Arbeitslosigkeit
5.2.4 Zusammenfassung der teilwirtschaftlichen Betrachtung

6. Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

EIDESSTATTLICHE Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Registrierte Arbeitslose und Stille Reserve 1997 – 2004

Abbildung 2: Gesamtfiskalische Kosten der Arbeitslosigkeit 2003

Abbildung 3: Die menschliche Erfahrung mit der Arbeitslosigkeit

Abbildung 4: Arbeitslosigkeit in Deutschland 1950 bis 2004

Abbildung 5: Arbeitslose und Stellenangebote nach Bundesländern

Abbildung 6: Konjunkturelle Arbeitslosigkeit

Abbildung 7: Lohnerhöhungen: das Kaufkraftargument

Abbildung 8: Einnahmen und Ausgaben des Staates in Milliarden EUR

Abbildung 9: Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts

Abbildung 10: Entwicklung der Lohnstückkosten in Deutschland

Abbildung 11: Wirtschaftswachstum und gesamtwirtschaftlicher Produktivitätsfortschritt 1950 - 2001

Abbildung 12: Bevölkerungsentwicklung in Deutschland

Abbildung 13: Saisonprofil der Arbeitslosigkeit 1997

Abbildung 14: Entwicklung der sektorale Struktur der Erwerbstätigkeit in Deutschland

Abbildung 15: Sektorale Freisetzungen und Absorptionen von Arbeitskräften in Millionen (alte Bundesländer)

Abbildung 16: Qualifikationsspezifische Arbeitslosenquoten 1991 bis 2004 in Deutschland

Abbildung 17: Teilnehmer an Ausbildungs- und Qualifizierungsprogrammen von Bund, Ländern und Bundesagentur für Arbeit (2004)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

„Arbeit ist schwer, ist oft genug ein freudloses und mühseliges Stochern; aber nicht arbeiten - das ist die Hölle.“ (Thomas Mann (1875-1955), dt. Schriftsteller)

Arbeitslosigkeit ist in Deutschland wie in vielen anderen Ländern eines der größten Probleme der Gesellschaft. Es gefährdet nicht nur die Gesellschaftsordnung, sondern führt mitunter auch zu sozialen Spannungen. Die daraus resultierende Belastung für den Staatshaushalt sowie die ungenutzten Humanressourcen und negative Folgen für die betreffenden Personen, zwingen zu praktikablen Lösungen die Abhilfe schaffen.

Das Thema Arbeitslosigkeit gehört daher zu den am meist behandelten Themen in Politik und Öffentlichkeit. Oft wird die Problematik in der Öffentlichkeit nur auf die Zahl der Arbeitslosen sowie wenigen Ursachen und Lösungsansätze beschränkt und bietet somit nicht die Grundlage für eine konstruktive öffentliche Debatte, die jedoch angesichts von 4,531 Millionen[1] Arbeitslosen mehr als notwendig ist.

Arbeitslosigkeit ist aber nicht nur ein gesellschaftliches Problem. Für jeden einzelnen Arbeitslosen bedeutet es Belastungen in vielerlei Hinsicht. Egal wie schwer und beanspruchend eine Arbeit auch ist, keine Arbeit zu haben ist oftmals viel schwieriger hinsichtlich der gesundheitlichen, sozialen, finanziellen und psychischen Folgen die dadurch entstehen. Thomas Mann hat es in dem oberen Zitat auf den Punkt gebracht und sicherlich spricht er damit vielen Menschen aus der Seele.

Ausblick

Diese Arbeit teilt sich in fünf Schwerpunkte. Nach einer allgemeinen Definition der Arbeits- und Erwerbslosigkeit und deren statistischen Abgrenzung wird auf die Folgen für die öffentlichen Träger und die einzelnen Betroffenen eingegangen. Um das Ausmaß der Arbeitslosigkeit in Deutschland aufzuzeigen wird die Entwicklung des Arbeitsmarktes in den letzten Jahrzehnten beschrieben und die augenblickliche Situation im Detail betrachtet. Da Arbeitslosigkeit keiner Willkür unterliegt, sondern auf verschiedene Ursachen zurückzuführen ist, werden im letzten Kapitel typische Ursachen benannt, klassifiziert und, soweit dies möglich ist, gewichtet.

Der 1. Abschnitt befasst sich mit der Definition der Arbeits- und Erwerbslosigkeit. Hierbei werden die zwei geläufigsten Methoden beschrieben. National hat in erster Linie die Methode der Bundesagentur für Arbeit einen großen Stellenwert. Um international vergleichbare Statistiken zu erhalten ist jedoch vor allem die Methode der International Labour Organiza­tion nötig. In Deutschland werden die dafür notwendigen Daten vom Statistischen Bundesamt erhoben und spiegeln sich in deren Arbeitsmarktstatistik wieder. Da beide Methoden nicht das ganze Ausmaß der Arbeitslosigkeit wiedergeben, wird auch auf das Problem der Verzerrung eingegangen und damit die Aussagekraft der Statistiken hinterfragt.

Mit den Folgen der Arbeitslosigkeit befasst sich das 2. Kapitel. Es werden die Konsequenzen für die öffentlichen Träger sowie die individuellen finanziellen, gesundheitlichen sowie psychisch-sozialen Probleme, die bei den Betroffenen entstehen, erläutert.

Der nächste Abschnitt geht auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Deutschland ein. Von der Gründung der Bundesrepublik Deutschland bis in unsere aktuelle Zeit werden verschiedene Phasen der Entwicklung unterschieden und erläutert. Auch auf die besondere Rolle der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wird eingegangen.

Nachdem die Entwicklung seit der Gründung der Bundesrepublik aufgezeigt wurde, wird im darauf folgenden Kapitel die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt detaillierter analysiert. Hier geht es vor allem darum, ein genaues Bild der jetzigen Situation zu erhalten.

Im letzten Kapitel werden die verschiedenen Ursachen für Arbeitslosigkeit abgegrenzt und beschrieben. Hierbei wird eine Unterteilung in gesamtwirtschaftliche und teilwirtschaftliche Ursachen vorgenommen. Da jede Ursache in ihrer Dimension anders zu bewerten ist, wird auch Auskunft über ihr jeweiliges quantitatives Ausmaß gegeben, um so eine gewisse Gewichtung zu ermöglichen.

1. Grundlagen

1.1 Definition der Arbeits- und Erwerbslosigkeit

Nach der allgemeinen Theorie der Wirtschaftswissenschaften ist Arbeits- und Erwerbslosigkeit definiert durch die Differenz, die entsteht, wenn das Arbeitskräfteangebot höher als die Arbeitskräftenachfrage ist. Die Begriffe Arbeitslosigkeit und Erwerbslosigkeit werden im allgemeinen Sprachgebrauch häufig inhaltlich gleich behandelt. Die amtliche Arbeitsmarktstatistik ordnet die Begriffe aber unterschiedlichen Konzepten zu. Die Arbeitslosenstatistiken werden in Deutschland von der Bundesagentur für Arbeit[2] herausgegeben. Die Erwerbslosenstatistiken beruhen auf international anerkannten Kriterien der International Labour Organization[3] und werden vom statistischen Bundesamt[4] ermittelt. Nach beiden Konzepten ist eine Person erwerbs- bzw. arbeitslos, wenn sie eine bestimmte Periode ohne Arbeitsplatz ist, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht und Arbeit sucht. Unterschiede zwischen den Konzepten ergeben sich nur durch verschiedene Erhebungsmethoden und Abgrenzungen. Im Folgenden werden beide Konzepte näher vorgestellt.

In dieser Arbeit wird aber die gebräuchliche Vorgehensweise verwendet, bei der die Begriffe Arbeitslosigkeit und Erwerbslosigkeit die gleiche Bedeutung haben und alle Personen einschließt die keinen offiziellen Arbeitsplatz haben, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und Arbeit suchen.

1.1.1 Definition der Arbeitslosigkeit nach International Labour Organiza­tion

Die International Labour Organiza­tion verwendet Kriterien zur Ermittlung der Erwerbslosigkeit, die international anerkannt und angewandt werden, wodurch ein Vergleich verschiedener Länder miteinander ermöglicht wird. Nach diesen Kriterien gilt als erwerbslos, wer zwischen 15 und 74 Jahre alt ist und zur Zeit der Befragung weder selbstständig war noch einer, mit Einkommen verbundener, abhängiger Tätigkeit nachging. Darüber hinaus muss die Person in den letzten vier Wochen vor der Befragung aktiv nach einer Tätigkeit gesucht haben. Der zeitliche Umfang der gesuchten Tätigkeit ist dabei unwichtig. Außerdem muss die Möglichkeit bestehen, eine gefundene Anstellung innerhalb von zwei Wochen annehmen zu können. Die Meldung bei einer Agentur für Arbeit oder einem Träger der Grundsicherung ist hier nicht nötig. [destatis_ilo]

Die Daten werden mit Hilfe einer telefonischen Befragung erhoben. Hierbei werden 30 000 zufällig ausgewählte Personen im Alter von 15 bis 74 Jahren gemäß den ILO-Definitionen befragt. Die Daten werden dann für eine Hochrechnung auf die Gesamtbevölkerung verwendet. Diese statistische Schätzung weist allerdings Messungenauigkeiten auf, die als Standardfehler bezeichnet werden. Die Höhe dieses so genannten Standardfehlers, wird über mathematische Methoden ermittelt und gibt in Form einer Wahrscheinlichkeit an, in welcher Höhe das „tatsächliche“ Ergebnis vom Ergebnis der Stichprobe abweichen kann. Der Standardfehler für die Zahl der Erwerbslosen wird in den Veröffentlichungen zur ILO-Arbeitsmarktstatistik[5] mit ausgewiesen.[destatis_ilo]

1.1.2 Definition der Arbeitslosigkeit nach Bundesagentur für Arbeit

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) definiert jemanden als arbeitslos, wenn die Person „…keine Beschäftigung hat (weniger als 15 Wochenstunden), Arbeit sucht, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht und bei einer Agentur für Arbeit oder einem Träger der Grundsicherung arbeitslos gemeldet ist.“ [def_BA]

Die Zahl der Arbeitslosen veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit am Anfang eines jeden Monats. Neben der Arbeitslosenzahl wird unter anderem auch die Arbeitslosenquote ausgegeben. Diese wird aus dem Anteil der registrierten Arbeitslosen an der Gesamtzahl abhängiger Erwerbspersonen (setzt sich aus Erwerbstätigen[6] und Erwerbslosen zusammen) ermittelt, wobei die Arbeitslosenziffer um saisonale Einflüsse bereinigt wird. [def_BA]

Die Arbeitslosenquote sollte jedoch immer in Verbindung mit der absoluten Arbeitslosenzahl betrachtet werden, da die Anzahl der Erwerbspersonen im Zeitverlauf nicht konstant bleibt.

Dass die Arbeitslosenzahlen der beiden Konzepte nur bedingt aussagekräftig sind und Verzerrungen unterliegen, wird im folgenden Abschnitt aufgezeigt.

1.2 Problem der Verzerrung

Die in Deutschland verwendeten Bezugsgrößen, die von der Bundesagentur für Arbeit ermittelt werden, weisen die „offene Arbeitslosigkeit“ in Deutschland aus. Darüber hinaus gibt es jedoch eine „verdeckte Arbeitslosigkeit“. Diese setzt sich zusammen aus einer „stillen Reserve“, Kurz- und Teilzeitarbeit sowie der Übergangsarbeitslosigkeit. [probl_verz]

Unter der „stillen Reserve“ werden alle Personen zusammengefasst, die bei günstigeren Arbeitsmarktbedingungen dem Arbeitsmarkt zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen zur Verfügung stehen. Sie beinhaltet Personen die sich in der Fort- und Umschulung oder Weiterbildung befinden. Auch Personen die an Maßnahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik, wie zum Beispiel Arbeitsbeschaffungsmassnahmen (ABM) teilnehmen oder sich im Vorruhestand befinden, zählen zur stillen Reserve. Arbeitslose, die einer Tätigkeit nachgehen möchten, sich jedoch nicht beim Arbeitsamt registrieren, zählen ebenso dazu. Diese werden in der Statistik als Stille Reserve im engeren Sinne bezeichnet. [probl_verz]

Kurz- und Teilzeitarbeit stellen ebenfalls ein Ungleichgewicht zwischen Arbeitsangebot und Nachfrage dar. Die betroffenen Personen sind zwar nicht arbeitslos, jedoch würden Arbeitsplätze verloren gehen, wenn sie Vollzeit beschäftigt werden. [probl_verz]

Auch Übergangsarbeitslosigkeit verfälscht die Statistik. Sie umfasst Personen, die der Arbeitsvermittlung nicht zur Verfügung stehen, da das Ende ihrer Arbeitslosigkeit bereits absehbar ist (beginnendes Studium, Wehr- oder Zivildienst, Rente, Mutterschutz,…). Dieser Teil müsste dem zu Folge aus der Arbeitslosenstatistik herausgenommen werden, da es sich hierbei nicht um Erwerbslose handelt, die eine Arbeit suchen. [probl_verz]

Wie aus der

Abbildung 1 ersichtlich ist, werden mit den registrierten Arbeitslosen nur ungefähr 50 bis 70 Prozent des Erwerbslosenpotentials erfasst. Erst mit Einbeziehung der Stillen Reserve wird annähernd die gesamte Unterbeschäftigung ersichtlich.

Abbildung 1: Registrierte Arbeitslose und Stille Reserve 1997 – 2004

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarktbericht 2003; für 2004: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

Auch die Daten, welche mit Hilfe der ILO-Definitionen ermittelt werden, unterliegen dem Problem der Verzerrung. Auch hier kommt es zu einer „verdeckten“ Erwerbslosigkeit. Im Gegensatz zur Statistik der BA wird hier jedoch die stille Reserve im engeren Sinne erfasst. Auch die Übergangsarbeitslosigkeit verfälscht die Statistik nicht.

2. Folgen der Arbeitslosigkeit

Arbeitslosigkeit sorgt bei den betroffenen Personen für finanzielle und oft auch für psychologische Belastungen. Der Staat muss mit finanziellen Einbußen kalkulieren und eine Regierung wird letztendlich unter anderem an den Erfolgen am Arbeitsmarkt gemessen. Nachfolgend werden die finanziellen Konsequenzen für die öffentlichen Haushalte, sowie die finanziellen, psychologischen und gesundheitlichen Auswirkungen für die betroffenen Personen näher erläutert.

2.1 Folgen für die öffentlichen Kassen und Sozialsysteme

Die Finanzierung der Arbeitslosigkeit belastet die öffentlichen Haushalte, das Rentensystem und andere Sozialsysteme, wie die Kranken- und Pflegeversicherung. Darüber hinaus wird das Produktionspotential des Landes nicht ausgelastet. Wie man aus Abbildung 2 ersehen kann, sind es in erster Linie die direkten Kosten, also die Ausgaben, die den Hauptteil der Belastungen ausmachen. Zum einen das gesetzliche Arbeitslosengeld 1, das jedem gewährt wird, der innerhalb der letzten drei Jahre mindestens zwölf Monate beschäftigt war und Beiträge in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat. Die Höhe der Zahlungen richtet sich nach dem Arbeitseinkommen[7] das im letzten Jahr vor der Entstehung des Leistungsanspruchs erzielt wurde und beträgt mindestens 60 Prozent und höchstens 67 Prozent (erhöhter Leistungssatz[8]) vom Nettoeinkommen. Die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld richtet sich nach der Länge der vorherigen Erwerbstätigkeit sowie dem Alter des Antragsstellers. Der Minimalzeitraum, für den ein Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht, beträgt sechs Monate. Die Anspruchshöchstdauer beträgt 32 Monate, wobei das Mindestalter des Antragsstellers in diesem Fall bei 57 Jahren liegt. Außerdem muss die Person die letzten 64 Monate versicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein. Wer ab dem 01.02.2006 arbeitslos wird, hat nur noch eine Anspruchshöchstdauer von zwölf Monaten. Die Ausnahmen bilden Personen, die mindestens 55 Jahre alt sind und die letzten 36 Monate versicherungspflichtig beschäftigt waren. Hier wird eine Anspruchsdauer von 18 Monaten angesetzt. [ab2_bund]

Erwerbsfähige hilfebedürftige[9] Personen, die keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld 1 haben und keiner Arbeit nachgehen können, weil sie zum Beispiel kleine Kinder erziehen oder Angehörige pflegen, erhalten Arbeitslosengeld 2 und werden nicht als arbeitslos registriert. Unter dem Arbeitslosengeld 2 werden seit 01.01.2005 die Sozialhilfe, das Wohngeld und die Arbeitslosenhilfe für alle erwerbsfähigen Personen zusammengefasst. Die Höhe der Leistung richtet sich nach dem Wohnsitz. In den alten Bundesländern beträgt der Satz 345,- Euro. In den neuen Bundesländern beläuft sich das Arbeitslosengeld 2 auf 331,- Euro. Für die ersten zwei Jahre, ab dem Wechsel vom Arbeitslosengeld 1 zu Arbeitslosengeld 2, wird ein Zuschuss gezahlt. Dieser wird nach dem ersten Halbjahr halbiert. [ab2_bund]

Abbildung 2: Gesamtfiskalische Kosten der Arbeitslosigkeit 2003

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung[10] (IAB)

Da die Abbildung 2 auf den Daten von 2003 beruht, sind die drei Kostenarten Sozialhilfe, Wohngeld und die Arbeitslosenhilfe nicht unter dem Arbeitslosengeld 2 zusammengefasst, sondern noch einzeln aufgeführt. Die durchschnittliche Arbeitslosenzahl im Jahr 2003 lag bei 4,38 Millionen und bildet somit die Grundlage für die Abbildung 2.

Weitere direkte Aufwendungen, die in der Statistik der IAB nicht berücksichtigt wurden, entstehen durch die aktive Arbeitsmarktpolitik des Staates. Dazu zählen Leistungen, die für die Arbeitsförderung verwendet werden, wie zum Beispiel Weiterbildungsmaßnahmen, Trainingsmaßnahmen, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen oder auch Vermittlungsleistungen. Im Jahr 2004 wurden dafür 18,721 Milliarden Euro[11] im Haushalt der Bundesagentur für Arbeit verbucht. [ab2_bund]

Auch Verwaltungsaufwendungen, die bei den öffentlichen Kassen aufgrund der Arbeitslosigkeit anfallen, werden in der Abbildung 2 nicht aufgeführt. Allein für diesen Posten sind im Jahr 2004, bei der Bundesagentur für Arbeit 5,096 Milliarden Euro[12] an Ausgaben angefallen. [ab2_bund]

Neben den direkten Kosten, werden die öffentlichen Kassen auch durch Mindereinnahmen belastet. Da jemand, der als arbeitslos registriert ist, weder Einkommenssteuern, indirekte Steuern[13], noch Beiträge für die Sozialversicherungen zahlt, entstehen für den Staat Einnahmeausfälle. Der größte Teil der Ausfälle wird durch die Sozialversicherungsbeiträge erzeugt. Hierzu zählen Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, Rentenversicherung, Krankenversicherung und Pflegeversicherung. [ab2_bund]

Über die aufgeführten Kosten hinaus entstehen durch Arbeitslosigkeit weitere Aufwendungen, die sich zusammensetzen aus Sozialkosten sowie dem Produktionsausfall, der entsteht, weil das Produktionspotential des Landes nicht ausgenutzt wird. Da nicht alle erwerbsfähigen[14] und arbeitswilligen Personen am Produktionsprozess teilnehmen, können nicht so viele Güter und Dienstleistungen erzeugt werden, wie es bei Beschäftigung der Personen möglich wäre. Anhand der Differenz, zwischen dem tatsächlichen und dem potentiellen Sozialprodukt bei Vollbeschäftigung[15] lassen sich diese Verluste messen. [ab2_bund]

Unter Sozialkosten versteht man Kosten, die für die Beratung und Betreuung von Arbeitslosen aufgewendet werden. Besonders für langfristige Arbeitslose werden Mittel für medizinische Maßnahmen und psychologische Hilfe benötigt. [ab2_bund]

2.2 Folgen für den Betroffenen

Die Erwerbstätigkeit bildet einen wichtigen Faktor, was den Lebensstandard, das Ansehen und die individuelle Entfaltung einer Person betrifft. Das Arbeitseinkommen bildet die Grundlage für eine finanzielle Unabhängigkeit und soziale Absicherung. Abgesehen davon, dass Erwerbslosigkeit in der Gesellschaft oft als Makel empfunden wird und damit gleichzeitig das Scheitern der Person assoziiert wird, entsteht für den Betroffenen eine finanzielle, psychische wie soziale Belastung. Da dadurch meist auch die Familien, und da vor allem die Kinder, belastet werden, sind die Folgen noch viel gravierender. Darüber hinaus entstehen für den Erwerbslosen auch gesundheitliche Probleme die umso deutlicher auftreten, desto länger die Arbeitslosigkeit anhält. [ab2_bund]

2.2.1 Die finanziellen Folgen

Die finanziellen Folgen der Arbeitslosigkeit liegen in der Tatsache begründet, dass bei Bezug von Arbeitslosengeld nur ein Einkommen von maximal 67 Prozent, wie in Punkt 2.1 beschrieben, zur Verfügung steht. Bei längerer Arbeitslosigkeit, also über den Bezugsanspruch von Arbeitslosengeld hinaus, steigt die Belastung. Vor allem auch, weil man nun bis zur Freibetragsgrenze, sein eigenes Vermögen zum Lebensunterhalt nutzen muss und dann erst auf das Arbeitslosengeld 2 zurückgreifen kann, welches nur der Sicherung des Lebensunterhaltes dienen soll. Nach einer Studie im Auftrag des IAB aus dem Jahre 1983 verfügten 18 Prozent der Arbeitslosen über Ersparnisse und Einnahmen, die ausreichen um einige Wochen der Arbeitslosigkeit zu überbrücken. Weitere 26 Prozent sahen die Möglichkeit der Überbrückung zum Teil gewährleistet und 56 Prozent hatten keinen finanziellen Spielraum. Eine Befragung die anderthalb Jahre später im Rahmen der Studie bei den Betroffenen durchgeführt wurde ergab, dass der größte Teil der Befragten ihr Konsumniveau gesenkt haben. Bei persönlichen Ausgaben haben sich 68 Prozent der Personen eingeschränkt und 50 Prozent gaben an bei den Anschaffungen gespart zu haben. Noch schwieriger war die Situation für 29 Prozent der befragten Arbeitslosen, da sie Zahlungsverpflichtungen[16] nicht mehr nachkommen konnten und zum Teil Schulden machen mussten. Bei den Langzeitarbeitlosen[17] waren es sogar 39 Prozent, die in diese Lage kamen. [iab_brink]

2.2.2 Die psychisch-sozialen Folgen

Neben den finanziellen Folgen entstehen auch nichtfinanzielle Belastungen, welche, wie in vielen empirischen Studien nachgewiesen, oft noch als schwerer empfunden werden. Allerdings besteht hier ein Zusammenhang, denn je geringer die finanzielle Belastung des Arbeitslosen ist, desto geringer sind in der Regel auch die psychischen und sozialen Auswirkungen. Folgende typische Auswirkungen können auftreten:

- Der Kontakt zu Arbeitskollegen geht verloren und damit verringert sich auch die damit verbundene Anerkennung
- Das soziale Selbstwertgefühl leidet unter Arbeitslosigkeit
- Da der gewohnte Rhythmus zwischen Arbeitszeit und Freizeit wegfällt, verändert sich die Zeitstruktur des Alltags
- Was die familiäre Entwicklung und die eigene Berufskarriere betrifft, kommt es zu einem Verlust der Zukunftsperspektive
- Die Möglichkeit der persönlichen Selbstdarstellung bei der Berufsausübung verschlechtert sich
- Sobald die Rolle als Haupternährer der Familie beeinträchtigt wird, kann es zu einem Autoritätsverlusts innerhalb der Familie kommen
- Bei wiederholter Arbeitslosigkeit oder abgelehnten Bewerbungen kommt es zu individuellen Handlungsohnmacht
- Eine gefühlte Abhängigkeit von der Arbeitsvermittlung und Arbeitsverwaltung kann auftreten
- Sollten die Entlassungen selektiv gewesen sein, kommt es mitunter zu persönlichen Schuldgefühlen

Diese möglichen Auswirkungen sind abhängig von verschiedenen Faktoren und fallen bei jeder Person unterschiedlich stark aus. Die wichtigsten Einflussgrößen bilden hierbei die Dauer und die Häufigkeit der Arbeitslosigkeit. Bei einer längerfristigen Arbeitslosigkeit kann man diese Auswirkungen in einem 4-Phasen-Modell beschreiben. Allerdings wird bei diesem Modell eine starke Vereinfachung vorgenommen, da hier eine Standardisierung der Arbeitslosen vorgenommen wird und der Prozess auch von der individuellen Situation des Betroffenen abhängig ist. [folgen_psych]

Wie aus Abbildung 3 zu entnehmen ist handelt es sich bei den vier psychischen Stationen der Arbeitslosigkeit um Schock, Optimismus, Pessimismus und Fatalismus[18]. Mit dem Verlust der Arbeit tritt man in eine Phase des Schocks ein. Bei dem Betroffenen stellt sich ein Gefühl der Verzweiflung und Resignation ein. Von diesem Schock erholt sich die Person jedoch wieder und beginnt mit der aktiven Stellensuche. Diese Phase ist von ungebrochenem Optimismus gekennzeichnet. Sobald die verschickten Bewerbungen keinen Erfolg, in Form eines Arbeitsplatzes, nach sich ziehen, tritt man in die Phase des Pessimismus ein, welche durch anhaltende Langeweile und familiäre Belastungen gekennzeichnet ist. Die Selbstbestätigung, die aus dem Erwerb des Einkommens gewonnen wurde, fehlt nun und schädigt das Selbstwertgefühl. Dazu trägt auch das Gefühl der Nutzlosigkeit bei, was sich in dieser Phase einstellt. Der Kontakt mit früheren Mitarbeitern geht immer mehr verloren und auch Nachbarn beginnen unter Umständen, wenn auch nicht unbedingt bewusst, die Person zu meiden. Das hat zur Folge, dass der Betroffene soziale Kontakte verliert und sich als Schmarotzer fühlt. In Folge dieser Symptome treten Ängste und Depressionen ein. Durch die zunehmende Dauer der Arbeitslosigkeit, verschlechtern sich die Aussichten auf einen Job, da langfristige Arbeitslose skeptisch von den Firmen betrachtet werden. Der Betroffene fühlt sich hilflos und resigniert, da er meint, einen Arbeitsplatz zu bekommen liege nicht in seinem Einfluss. Er befindet sich damit in der Phase des Fatalismus. [folgen_psych]

Abbildung 3 : Die menschliche Erfahrung mit der Arbeitslosigkeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Friedrich/Wiedemeyer – Arbeitslosigkeit- ein Dauerproblem Seite 55

Die Realität wird durch dieses Modell allerdings nur annähernd wiedergegeben. Wie schon erwähnt, spielen noch viele andere Faktoren dabei eine Rolle. Da jede Einflussgröße bei jeder Person anders gewichtet ist und unterschiedlich stark ausgeprägt ist, fallen auch diese Phasen bei jedem unterschiedlich stark aus. [folgen_psych]

2.2.3 Die gesundheitlichen Folgen

Über die finanziellen und psychisch-sozialen Auswirkungen hinaus treten bei längerer Arbeitslosigkeit auch gesundheitliche Folgen auf. Genauer spezifiziert wurden diese Folgen in einer Studie von Christian Brinkmann im Auftrag des IAB [iab_brink]. Ein Ergebnis der Studie war, dass in den ersten Wochen der Arbeitslosigkeit keine Verschlechterung des gesundheitlichen Zustandes, gegenüber vergleichbaren Erwerbstätigen, festzustellen war. In manchen Fällen war der physische Zustand sogar besser, vor allem bei den Personen, die vorher einer belastenden Arbeit nachgegangen sind. Die Befragung der gleichen Personen, auf deren Grundlage diese Erkenntnis beruht, wurde nach anderthalb Jahren wiederholt. Dabei ergab sich, dass alle die bis dato noch arbeitslos waren, eine erheblich schlechtere gesundheitliche Lage angaben, als diejenigen Arbeitlosen die mittlerweile wieder erwerbstätig waren. Bei den Langzeitarbeitslosen gaben 18 Prozent an, dass es ihnen schlecht gehe beziehungsweise dass sie innerhalb der letzten zwei Wochen krank waren. Im Gegensatz dazu waren es nur sechs Prozent bei den Personen, die wieder erwerbstätig waren. Davon wiederum gaben zwölf Prozent der Personen gesundheitliche Probleme an, die für eine Vermittlung relevant wären. Bei den Langzeitarbeitslosen waren es dagegen 37 Prozent der Personen, die gesundheitliche Probleme angaben, bei denen die Beeinträchtigung vermittlungsrelevant wäre.

Ursachen für die gesundheitliche Verschlechterung liegen in dem krankheitsbegünstigten Verhalten von Arbeitslosen, wie zum Beispiel Fehlernährung, erhöhter Alkoholkonsum, Arzneimittelmissbrauch, verstärktes Rauchen oder die Vernachlässigung medizinischer Behandlung. Nachfolgend werden typische sofortige wie auch langfristige körperliche Beschwerden aufgezählt, die bei einer Person durch Arbeitslosigkeit hervorgerufen oder unterstützt werden können und oftmals auch als Vorläufer für chronische Krankheiten anzusehen sind.

- erhöhter Alkohol-, Zigaretten- und Tablettenkonsum
- Zunahme psychosomatischer Erkrankungen (Magen-Darm-Erkrankungen, asthmatische Beschwerden, Rücken- und Kopfschmerzen, Gelenkrheumatismus)
- Zunehmende Konzentrations- und Schlafstörungen, Ängstlichkeit, Nervosität, Gereiztheit und depressive Verstimmungen
- Höhere Suizidgefährdung (die Gefährdung von Arbeitslosen liegt bis um das zwanzigfache höher als bei Beschäftigten)
- Das Körpergewicht und der Blutdruck verändern sich
- Störungen des vegetativen Nervensystems[19]
- Schwächung des Immunsystems

Quelle: Wolski-Prenger / Rothardt, Soziale Arbeit mit Arbeitslosen, Weinheim 1996, Seite 95

Das Eintreten und die Intensität der einzelnen Beschwerden hängen wie bei den psychisch-sozialen Folgen der Arbeitslosigkeit von vielen individuellen Faktoren, wie z.B.: Alter, Geschlecht, Dauer der Arbeitslosigkeit, dem Ausmaß der finanziellen Belastung, dem allgemeine Aktivitätsniveau und dem Charakter der Person ab. Meistens bestehen bei den Betroffenen schon von vorne herein Symptome bestimmter Beschwerden, die aufgrund der Erwerbslosigkeit noch verstärkt werden.

3. Die Entwicklung des Arbeitsmarktes

Um einen Bezug zur aktuellen Arbeitsmarktsituation herzustellen, ist es wichtig auf die Entwicklung seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland zurückzublicken. Dabei muss berücksichtigt werden, dass Deutschland bis zur Wiedervereinigung 1989 in zwei Staaten aufgeteilt war. In diesem Kapitel wird die Arbeitsmarktentwicklung in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), in der Bundesrepublik Deutschland sowie in Gesamtdeutschland nach der Wiedervereinigung zusammengefasst.

3.1 Die Entwicklung des Arbeitsmarkts in der DDR

Am 07.10.1949 wurde die DDR als zweiter deutscher Staat durch die provisorische Volkskammer begründet. Grundlage des Arbeitsmarktes in der DDR waren nicht wie in der Bundesrepublik Deutschland marktwirtschaftliche Gesetze. Vielmehr war es die Staatsdoktrin, welche eine Beschäftigungsgarantie beinhaltete und die Arbeitsmarktentwicklung konstant verlaufen ließ, um eine Vollbeschäftigung sicher zu stellen. Dadurch gab es seit Mitte der fünfziger Jahre keine statistisch bedeutsame Arbeitslosigkeit. Verschiedene Ursachen führten sogar dazu, dass es zu einem Arbeitskräftemangel kam, der zu einem Anstieg der Frauenerwerbsquote auf rund 90 Prozent in den achtziger Jahren führte. Eine Ursache dafür war die zunehmende Verstaatlichung der Wirtschaft bis 1972. Der Hauptteil der gesamten Industrie war seit dem verstaatlicht. Somit wurden mehr Arbeitskräfte beschäftigt als nötig gewesen wäre, da betriebswirtschaftliche Kosten und Renditen keine Rolle spielten. Ein weiterer Grund war die demographische Entwicklung. Bis zum Jahr 1961, dem Jahr des Berliner Mauerbaus[20], gingen rund 2,7 Millionen Personen im arbeitsfähigen Alter nach Westdeutschland. Auch der Staat als Arbeitgeber hatte darüber hinaus einen großen Bedarf an Arbeitskräften innerhalb der Partei, für die Verwaltung und für den Sicherheitsbereich. [bpb_ddr]

Hinzu kam, dass die DDR während ihrer ganzen Zeit eine Mangelwirtschaft führte. Der Bedarf an Waren- und Dienstleistungen war stets größer als das Angebot. Da kaum Rationalisierungs- und Modernisierungspotentiale genutzt wurden, kamen Produktionsausweitungen nur durch Mehrarbeit zustande. Erschwerend kam hinzu, dass Mängel in der Planung und dem Transports oftmals zu Stockungen im Produktionsprozess führten. [bpb_ddr]

Diese Tatsachen führten letztendlich zu einer Vollbeschäftigung, die jedoch getrübt war von einer hohen „verdeckten Arbeitslosigkeit“, aufgrund vieler unproduktiver Arbeitskräfte und des großen Staatsapparats.

3.2 Die Entwicklung des Arbeitsmarkts in der Bundesrepublik Deutschland

Genau einen Monat vor der Gründung der DDR, wird am 07.9.1949 die Bundesrepublik Deutschland durch die konstituierenden[21] Sitzungen des 1. Bundestages und des Bundesrates gegründet. Im Gegensatz zur Planwirtschaft in der DDR gelten hier die Gesetze der Marktwirtschaft, also von Angebot und Nachfrage. Die bisherige Arbeitsmarktentwicklung lässt sich in drei Phasen unterteilen. In die Phase des Wiederaufbaus, die Phase der Vollbeschäftigung und die darauf folgende Phase der Massenarbeitslosigkeit.

[...]


[1] aktueller Stand im November 2005, Quelle: Bundesagentur für Arbeit

[2] Die Bundesagentur für Arbeit (BA) ist die Institution, die in Deutschland für die Arbeitsverwaltung und -förderung zuständig ist. Sie ist eine bundesunmittelbare Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Selbstverwaltung mit Sitz in Nürnberg. Sie untersteht der Rechtsaufsicht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit.

[3] Die ILO wurde am 11.4.1919 gegründet und ist seit dem 14.12.1946 eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf. Es ist das Internationale Arbeitsamt der Vereinten Nationen.

[4] Das Statistische Bundesamt Deutschland erhebt, sammelt und analysiert Informationen zu fast allen Belangen des Lebens in Deutschland und bereitet sie auf und stellt sie dar. Es ist eine Bundesoberbehörde und dem Bundesministerium des Innern unterstellt.

[5] Arbeitsmarktstatistik die vom statistischen Bundesamt, auf Grundlage der Definitionen der International Labour Organization, erstellt wird.

[6] Als erwerbstätig in Deutschland gelten alle sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten (einschließlich geringfügiger Beschäftige), Beamte und Selbstständige (einschließlich mitarbeitender Familienangehörige). (Altmann 6. Auflage: 83-84)

[7] Nettoeinkommen (Einkommen minus aller Abgaben und Steuern)

[8] Wird gewährt, wenn die Person oder der unbeschränkt einkommenspflichtige Lebenspartner mindestens ein Kind hat.

[9] Als hilfebedürftig gilt man, wenn man den eigenen Bedarf und den seiner im gemeinsamen Haushalt lebenden Angehörigen und Partner aus eigenen Mitteln nicht oder nicht ganz decken kann.

[10] Das IAB wurde 1967 als Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit gegründet und hat ihren Sitz in Nürnberg.

[11] Bundesagentur für Arbeit, “Quartalsbericht der Bundesagentur für Arbeit - Bericht über das vierte Quartal und das Geschäftsjahr 2004” , online unter url:“ http://www.arbeitsagentur.de/content/de_DE/hauptstelle/a-01/importierter_inhalt/pdf/BA_Quartalsbericht_4_2004.pdf" (Stand: 13.12.2005)

[12] Bundesagentur für arbeit, “Quartalsbericht der Bundesagentur für Arbeit - Bericht über das vierte Quartal und das Geschäftsjahr 2004” , online unter url:“ http://www.arbeitsagentur.de/content/de_DE/hauptstelle/a-01/importierter_inhalt/pdf/BA_Quartalsbericht_4_2004.pdf" (Stand: 13.12.2005)

[13] Zu den indirekten Steuern zählen unter anderem die Umsatzsteuer, die Stromsteuer, die Tabaksteuer und die Mineralölsteuer. Da jemand der arbeitslos ist weniger finanzielle Mittel zur Verfügung hat, konsumiert die Person auch weniger und zahlt somit weniger indirekte Steuern.

[14] Erwerbsfähig sind diejenigen, die unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes mindestens drei Stunden täglich arbeiten können.

[15] Vollbeschäftigung herrscht bei Vollauslastung aller Produktionsfaktoren

(Gerhard Mussel, Jürgen Pätzold: Grundfragen der Wirtschaftspolitik; München 1998; Seite 25) ; „Vollbeschäftigung entspricht einer Arbeitslosenquote von 0,8 Prozent bei normalem Winterwetter“ (Horst Friedrich, Michael Wiedemeyer: Arbeitslosigkeit – ein Dauerproblem; Opladen 1998; Seite 34)

[16] Zu Zahlungsverpflichtungen zählen zum Beispiel Miete, Versicherungszahlungen, Ratenzahlungen

[17] Langzeitarbeitslose sind Arbeitslose, die ein Jahr und länger arbeitslos sind. ( § 18 Sozialgesetzbuch III )

[18] Der Fatalismus bezeichnet eine Anschauung und darauf begründete Verhaltensweise, nach der der Verlauf aller Erscheinungen der Wirklichkeit, vor allem auch des individuellen menschlichen Lebens, unausbleiblich und unveränderbar infolge des Wirkens äußerer, nicht beeinflussbarer Kräfte vorherbestimmt sei. (Adlexikon, “Fatalismus“ online unter url:“http://fatalismus.adlexikon.de/Fatalismus.shtml“, Datum: 08.12.2005)

[19] Die Organe des Menschen müssen mit dem Rest des Organismus verbunden sein, um mitzubekommen, "was gerade ansteht", um ihre Funktion der Situation des Organismus anzupassen. Dafür sorgt das vegetative Nervensystem.

[20] Die Berliner Mauer war Teil der innerdeutschen Grenze und trennte vom 13. August 1961 bis zum 9. November 1989 West-Berlin vom Ostteil der Stadt und dem sie umgebenden Gebiet der DDR.

[21] Eine konstituierende Sitzung wird hier als erstes Zusammentreten eines Parlaments in der neuen Legislaturperiode definiert.

Ende der Leseprobe aus 93 Seiten

Details

Titel
Arbeitslosigkeit in Deutschland. Folgen, Entwicklung und Ursachen
Hochschule
Fachhochschule Stralsund
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
93
Katalognummer
V49369
ISBN (eBook)
9783638458429
Dateigröße
1846 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Corinna
Schlagworte
Arbeitslosigkeit, Deutschland, Folgen, Entwicklung, Ursachen, Erwerbslosigkeit, arbeitslos
Arbeit zitieren
Andreas Mellenthin (Autor), 2006, Arbeitslosigkeit in Deutschland. Folgen, Entwicklung und Ursachen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49369

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