Die Kubaner in der Diaspora. Miami


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition der Diaspora

3. Immigration der kubanischen Bevölkerung in die USA
3.1 Historischer Hintergrund
3.2 Abwanderungswellen

4. Gebrauch des Spanischen und des Englischen in der kubanischen Diaspora in Miami

5. Erinnerungskultur innerhalb der kubanischen Diaspora

6. Resümee

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

The exile's grief for the Cuba that had been lost was an all but inescapable part of the ambient noise of Cuban Miami. For all its glittering appurtenances, its prosperity, and, at times, its self-satisfaction, there was a level on which no pleasure, no level of attainment, nor any material accumulation could make up for what had been taken away from these exiles by the triumph of Fidel Castro.1

So beschreibt David Rieff die Situation der Exilkubaner in Miami und ihre Gefühle bezüglich des unwiederbringlichen Bruchs mit ihrer Heimat Kuba, welche sie mit der Machtübernahme Fidel Castros verlassen müssen und teilweise nie wiedersehen.

Die vorliegende Arbeit setzt es sich zum Ziel, die kubanische Exilgemeinschaft in Miami näher zu beleuchten und im Zuge dessen zunächst den Begriff der Diaspora zu definieren. Des Weiteren wird der historische Hintergrund sowie im Anschluss daran die verschiedenen Abwanderungswellen der Kubaner in die USA betrachtet werden, welche sich ab dem Jahre 1959 ereignen. In einem weiteren Punkt sollen die Präsenz und der Gebrauch des Spanischen in unterschiedlichen Bereichen innerhalb der kubanischen Diaspora in Miami beleuchtet werden und ebenfalls veranschaulicht werden, welche spanischsprachigen Medien in Florida vertreten sind. Eine Betrachtung des Umgangs der Exilkubaner Miamis mit der Sehnsucht nach und den Erinnerungen an ihr Leben auf der Insel sollen diese Arbeit abrunden.

Da Miami trotz seiner US-amerikanischen Zugehörigkeit vielerorts als das eigentliche Zentrum Lateinamerikas bekannt ist und die Kubaner einen erheblichen Teil der dortigen Bevölkerung ausmachen, erscheint es besonders interessant herauszufinden, wie es zu der Bildung dieser Diaspora in Miami gekommen ist und wie die Kubaner die Sehnsucht nach einer Heimat handhaben, welche viele von ihnen nie wiedersehen werden.

Für die Erstellung dieser Arbeit stellten sich unter Anderem die Werke von Humberto López Morales, Ernst Eisenbichler, Gabriel Sheffer, Lisandro Pérez und Guillermo Grenier sowie Chrstine Lohmeier und Christian Pentzold als maßgeblich und wegweisend heraus.

2. Definition der Diaspora

Groups of persons of the same ethno-national origin who themselves, or their ancestors, voluntarily or under coercion migrated from one place to another, or to several other places, settled in these other places, and maintain their identity and various kinds of contacts with their place of origin. 2

Dies ist nach Gabriel Sheffer die kürzest mögliche Definition des Terminus der Diaspora. Seiner Meinung nach ist ob der historischen und aktuellen Komplexität des Phänomens jedoch eine viel detailliertere Präzisierung vonnöten.3

So charakterisiert er Diasporen als „cultural-social-political entities“4, welche als das Resultat einer entweder freiwilligen oder erzwungenen Migration aus dem Heimatland hervorgehen. Diese Gruppe an Menschen, welche einer Diaspora angehören, teilt den gleichen ethnologisch-nationalen Hintergrund und tritt an ihren unterschiedlichen, neuen Wohnorten permanent als Minderheit in Erscheinung. Die Mitglieder einer spezifischen Diaspora identifizieren sich zumeist bewusst als ebensolche, um eine gemeinsame Identität aufrechtzuerhalten und Solidarität mit weiteren Mitgliedern in dem Gastland und ihrer gesamten Nation zu demonstrieren. So sind sie auf kultureller, sozialer, wirtschaftlicher sowie politischer Ebene aktiv in beständigem Kontakt mit ihrem Heimatland, wie auch anderen Angehörigen ihrer Diaspora, welche in weiteren Gastländern residieren.5

Sheffer fügt an, dass die Diaspora-Mitglieder „establish local and trans-state networks that deal with the complex relations between diasporas, their host countries, homelands, and international actors.“6 Da auf diese Weise jedoch eine duale Loyalität zum Gast- wie auch zum Heimatland aufkommen kann, werden vonseiten der Angehörigen die jeweiligen Landesregeln akzeptiert und befolgt, um mögliche Konsequenzen dieser Situation zu vermeiden. Der Begriff der Diaspora hat seine Wurzeln im Griechischen und bedeutet Säen oder Streuen.7 Zur historischen Evolution und Verwendung des Terminus erläutert Sheffer Folgendes:

As applied to people, the term was probably first used by the Greek historian Thucydides to describe the Greeks’ dispersal. The term won greater attention after it appeared in the Greek translation of the book of Deuteronomy of the Hebrew Bible, and it referred to the Jewish dispersal in Babylon. Thus, initially the term was mainly applied to the two ancient diasporas – the Greek and the Jewish.8

Durch den stetigen Kontakt und dem damit verbundenen Austausch mit dem Heimatland sowie dem aktiven Zusammenschluss und Zusammenhalt im Gastland, zeigen sowohl antike wie auch moderne Diasporen im 21. Jahrhundert die Fähigkeit eines stabilen Weiterbestehens. Sheffer begründet dies mit dem Wiederaufkommen von Ethnonationalismus und der Wiederbelebung von Ethnizität sowohl im Gastland, als auch im Heimatland, was unter Anderem durch die Massenmedien gefördert und ermöglicht wird.9

Die kubanische Diaspora wird unter den hispanischen Emigrantengemeinschaften nicht nur in der Populärkultur als die erfolgreichste angesehen, sondern auch in der wissenschaftlichen Forschung, da festgestellt wurde, dass Kubaner höhere Durchschnittseinkommen haben und schnellere Lohnwachstumsraten erleben als andere hispanische Einwanderer in den Vereinigten Staaten.10

Gutiérrez-Boronat beschreibt die Entstehung der kubanischen Diaspora mit den folgenden, treffenden Worten:

A cross section of pre-1959 Cuban society now found itself in exile. The wealthy, a good portion of the middle class, many workers and peasants, found themselves without a homeland. They were both grateful that the US had opened its doors to them and unsure about the commitment of their great ally to the cause of Cuban liberation. They were labeled as 'worms' and 'rabble' by the triumphant Castro dictatorship. The unitary consciousness of nationhood was now augmented by the unitary consciousness of becoming a diaspora.11

Dieses diasporische Bewusstsein und der damit einhergehende Zusammenhalt unter den kubanischen Immigranten, welcher ihnen Rückhalt und Unterstützung in einer neuen Umgebung gewährleistet, hilft über den Verlust der Heimat hinweg und ist daher besonders wertvoll.

Wie es zu der Bildung der kubanischen Diaspora in den USA kommt und welche historischen Ereignisse ihr zugrunde liegen, soll im folgenden Punkt genauer betrachtet werden.

3. Immigration der kubanischen Bevölkerung in die USA

3.1 Historischer Hintergrund

Das Kuba, aus dem die Inselbevölkerung ab dem Jahre 1959 und damit ab der Machtübernahme Fidel Castros flieht und in verschiedenen Abwanderungswellen unter Anderem in die USA emigriert, ist zu diesem Zeitpunkt von der Verstaatlichung privaten Großgrundbesitzes sowie der Industrie und einem Mangel an demokratischen Standards geprägt.12

Castro, welcher als promovierter Jurist wenig erfolgreich ist, hat großes Interesse an der Politik, weshalb er sich 1947 einer links-nationalen Partei anschließt und im Jahre 1952 für einen Parlamentssitz kandidiert. Dieses Vorhaben wird jedoch durch den Putsch des Generals Fulgencio Batista verhindert und in der Folge versucht Castro, den zum Diktator mutierten Batista, ohne Erfolg zu verklagen.

Nachdem die Revolte Castros mit 128 weiteren Gleichgesinnten auf die Moncada Kaserne am 26. Juli des Jahres 1953 misslingt, werden sowohl Fidel als auch sein Bruder Raúl zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, infolge einer Generalamnestie Batistas aber bereits nach zwei Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Dieser Umstand ermöglicht es Fidel Castro, im mexikanischen Exil eine Gruppe an Revolutionären zusammenzustellen, mit welcher er im Dezember 1956 an Kubas Ostküste landet. Während die Mehrheit der Revolutionäre ihr Leben durch Regierungstruppen verliert, gelingt es Castro sowie einigen anderen, in die Berge zu fliehen, womit der Beginn der Revolutionsgeschichte eingeleitet wird.13 Durch Eisenbichler wird die Situation Kubas zum damaligen Zeitpunkt wie folgt beschrieben:

Kuba war inzwischen zu einer Art Hinterhof-Bordell der USA geworden, Havanna zur Vergnügungsmetropole nordamerikanischer Touristen. Batista fungierte quasi als Lobbyist US-amerikanischer Mafiosi, die auf der Insel ungehindert ihren kriminellen Machenschaften nachgehen konnten. Immer mehr Kubaner sympathisierten mit den Guerilleros in den Bergen und unterstützten sie. Als 'Comandante en Jefe' organisierte der geschickte Stratege Castro mehr als zwei Jahre lang den Widerstand. Am Ende gelang die Revolution - und das gegen eine zahlenmäßig weit überlegene Armee. Der Gewaltherrschaft Batistas war das Ende bereitet, er floh am 1. Januar 1959 ins Exil.14

Obgleich durch Castro viele Verbesserungen hinsichtlich des Bildungs- sowie des Gesundheitssystems bemerkbar werden, erleidet Kuba auch zahlreiche Rückschläge durch Maßnahmen Castros wie die Verstaatlichung privaten Großgrundbesitzes, auf welche die USA mit einer jahrzehntelang andauernde Handels- und Finanzblockade reagiert. Ein weiterer dieser Rückschläge ist etwa die Seeblockade seitens der Vereinigten Staaten, mit welcher sie auf die Stationierung von Mittelstreckenraketen der UdSSR auf der kubanischen Insel antworten. Während des Kalten Krieges nähert sich Castro folglich mehr und mehr dem kommunistischen Block an und Kuba bleibt trotz der Unterstützung seitens der Sowjetunion wirtschaftlich schwach. Auch an demokratischen Standards mangelt es unter Castro, da weder freie Wahlen, noch Pressefreiheit herrschen und politische Opponenten inhaftiert werden.15

Die Machtübernahme Castros im Jahre 1959 und die darauffolgenden Jahre sind folglich der Ausgangspunkt vieler Kubaner, welcher sie dazu veranlasst, ihre Insel zu verlassen. Boswell erklärt diesen Umstand zudem folgendermaßen:

Historically throughout Latin America when one dictatorship is replaced by another, especially through use of force, the opponents become political exiles. Therefore an emigration occurred after Castro's forces overthrew the government of Fulgencio Batista in January 1959. During the twenty-two-year period, 1959-1980, approximately 794,000 Cubans emigrated to the United States […].16

Im folgenden Punkt sollen nun die verschiedenen Abwanderungswellen aufgezeigt sowie näher erläutert werden.

3.2 Abwanderungswellen

Die erste Migrationswelle der Kubaner in die USA ereignet sich zwischen den Jahren 1959 und 1962 und umfasst 248.070 Kubaner, worunter sich 14.000 Kinder ohne ihre Eltern befinden. Bis zum Jahre 1961 steigt der Anteil der kubanischen Bevölkerung in Miami auf diese Weise derart an, dass es im Verhältnis zu den kubanischen Neuankömmlingen zu wenig Arbeitsplätze gibt. Hier greift das Cuban Refugee Program, durch welches es möglich wird, zwischen 1961 und 1962 über 48.000 kubanische Flüchtlinge in anderen Staaten, wie beispielsweise New York, New Jersey, Kalifornien und Illinois unterzubringen.17

Nach López Morales stammen die Immigranten dieser ersten Abwanderungswelle vor allem aus Havanna und anderen kubanischen Großstädten und sind hervorragend ausgebildete Arbeiter mit gut bezahlten Jobs in ihrer Heimat. Nichtsdestotrotz bilden sie keine homogene Gruppe, da sehr viele unterschiedliche Arbeitsbereiche vertreten sind. Es handelt sich allerdings bei diesen ersten Immigranten vorwiegend um gebildete und akademische Flüchtlinge. Das Auftreten der sogenannten crisis de los misiles im Jahre 1962, während welcher es keine direkten Flüge zwischen Havanna und Miami gibt, veranlasst fast 70.000 Kubaner dazu, ihre Insel über Drittländer wie Mexiko und Spanien zu verlassen. Auf diesem Wege gelangen überwiegend Familienangehörige der bereits in den USA befindlichen Kubaner in die Vereinigten Staaten, weshalb die Exilgemeinschaft infolgedessen heterogener wird.18

Die zweite Migrationswelle, welche auch als El episodio de Camarioca bekannt ist, ereignet sich im Zeitraum vom 28. September bis zum 3. November 1965 und hat ihren Ausgangspunkt in dem kleinen, kubanischen Fischerdorf Camarioca. Die nun schon in Miami lebenden Kubaner möchten ihre Familien auf dem Seeweg zu sich in die USA holen, wofür ihnen 425 Boote zur Verfügung stehen. Von insgesamt 200.000 Anträgen werden jedoch nur wenige angenommen und so gelangen zunächst 4.993 Personen am 7. Oktober 1965 mittels dieser Boote nach Florida. Weiteren 2.979 Kubanern gelingt es so, einen Monat später ebenfalls in die Vereinigten Staaten zu kommen. El episodio de Camarioca schließt mit zahlreichen Toten, da 25 der Boote kentern.

[...]


1 Rieff, David, The Exile. Cuba in the Heart of Miami. New York: Touchstone, 1993, S.64.

2 Sheffer, Gabriel: „Diaspora“, in: <https://pesd.princeton.edu/?q=node/232> (24.09.2018).

3 vgl. Ebd.

4 Sheffer, Gabriel: „Diaspora“, in: <https://pesd.princeton.edu/?q=node/232> (24.09.2018).

5 vgl. Ebd.

6 Sheffer, Gabriel: „Diaspora“, in: <https://pesd.princeton.edu/?q=node/232> (24.09.2018).

7 vgl. Ebd.

8 Sheffer, Gabriel: „Diaspora“, in: <https://pesd.princeton.edu/?q=node/232> (24.09.2018).

9 vgl. Ebd.

10 vgl. Woltman, Kelly/ Newbold, Bruce: „Of Flights and Flotillas. Assimilation and Race in the Cuban Diaspora“, in: The Professional Geographer 61,1 (2009), S.71.

11 Gutiérrez-Boronat, Orlando: Cuban exile nationalism, Coral Gables: University of Miami, 2005, S.124.

12 Vgl. Eisenbichler, Ernst : „Fidel Castro ist tot. Staatstrauer in Kuba“, in: <https://www.br.de/nachricht/fidel-castro-tot-104.html> (20.09.2018).

13 vgl. Ebd.

14 Eisenbichler, Ernst : „Fidel Castro ist tot. Staatstrauer in Kuba“, in: <https://www.br.de/nachricht/fidel-castro-tot-104.html> (20.09.2018).

15 vgl. Ebd.

16 Boswell, Thomas D.: „The Migration and Distribution of Cubans and Puerto Ricans Living in the United States“, in: Journal of Geography 83,2 (1984), S.67.

17 vgl. López Morales, Humberto (2009a): „Los cubanos”. In: López Morales, Humberto (Hrsg.): Enciclopedia del Español en los Estados Unidos, Anuario del Instituto Cervantes 2008. Madrid: Instituto Cervantes-Editorial Santillana: S.112.

18 vgl. Ebd.: S.112-114.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Kubaner in der Diaspora. Miami
Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
21
Katalognummer
V495250
ISBN (eBook)
9783346003638
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kubaner, diaspora, miami
Arbeit zitieren
Sara Zschiesche-Calvo (Autor), 2018, Die Kubaner in der Diaspora. Miami, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495250

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