Ist das kommunistische Manifest heute noch aktuell?


Hausarbeit, 2005

19 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Zum Zeitalter und zur Entstehung des Manifestes
2.1.1 Zur Entstehung: zwei Kurzbiographien
2.1.2 Zum Zeitalter: England Mitte des 19. Jahrhunderts
2.2 Inhalt
2.2.1.1. Kapitel: „Bourgeois und Proletarier“ Exkurs: historischer Materialismus
2.2.2 2. Kapitel: „Proletarier und Kommunisten“
2.2.3 3.+4. Kapitel: „Sozialistische und kommunistische Literatur“ und „Stellung der Kommunisten zu den verschiedenen oppositionellen Parteien“
2.3 Diskussion

3 Resümee

Anhang

A. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das „Manifest der kommunistischen Partei“ ist heute eines der bekanntesten und meistdiskutiertesten Werke der Literatur. Es beeinflusste sogar den Gang der Weltgeschichte: seit seiner Drucklegung beriefen sich Kommunisten, Sozialdemokraten und auch die 68er auf das Werk. So tituliert der Spiegel, über 150 Jahre nach der Drucklegung, im Jahre 1998 „Marx, ganz modern“ und bescheinigt dem Manifest, dass es „schon vor 150 Jahren die Globalisierung ankündigte“, es daher aktueller denn je sei (Meyer: 196ff.). Andererseits ist der „real existierende“ Sozialismus, der sich selbst in Marxscher Tradition sah, untergegangen. Daher stellt sich die Frage, ob das kommunistische Manifest heute noch aktuell ist, inwiefern seine Analysen noch Geltung haben, seine Voraussagen sich aus heutiger Sicht bewahrheitet haben oder sich in naher Zukunft noch umsetzen werden?

Um diese Fragen fundierter diskutieren zu können bedarf es zunächst auf den Kontext kurz einzugehen, in dem das Werk entstanden ist, die Autoren vorzustellen und die gesellschaftliche Situation Mitte des 19. Jahrhunderts zu skizzieren. Daraufhin sollen kurz die wesentlichen inhaltlichen Hauptpunkte wiedergegeben werden. Auf dieser Grundlage soll dann die Diskussion der oben gestellten Fragen dargestellt werden um letztlich zu einem Fazit mit persönlicher Wertung zu kommen.

2 Hauptteil

2.1 Zum Zeitalter und zur Entstehung des Manifestes

2.1.1 Zur Entstehung: zwei Kurzbiographien

Das „Manifest der kommunistischen Partei“ wurde erstmals im Frühjahr 1848 von Karl Marx und Friedrich Engels veröffentlicht. Beide Autoren ergänzen sich in dem Werk erstmals, obwohl ihre Herkunft sehr unterschiedlich ist.

Karl Heinrich Marx wird am 5. Mai 1818 als Kind einer jüdischen, zum Protestantismus übergetretenen Familie in Trier geboren. Nach der schulischen Ausbildung studiert er zunächst Rechtswissenschaften in Bonn, wechselt aber später nach Berlin, wo er sich der Philosophie und verwandten Fächern hingibt. Bereits während seiner Studienzeit kommt er mit den Gedanken Hegels in Berührung und entwickelt diese mit anderen Junghegelianern fort. Nach dem Höhepunkt seiner akademischen Laufbahn, der Promotion im Jahre 1841 wird er als Redakteur der oppositionellen Rheinischen Zeitung in Köln tätig. 1843 heiratet er seine Jugendfreundin Jenny von Westphalen. Wegen Konflikten mit der Zensur entscheidet er sich 1843 zur Auswanderung nach Paris, später zieht er nach Brüssel. In Paris lernt er 1844 Friedrich Engels kennen, mit dem ihm fortan eine lebenslange Freundschaft verbinden wird. (http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Marx)

Friedrich Engels, der älteste Sohn eines Industriellen, wird 1820 in Barmen/Preußen (heute zu Wuppertal gehörig) geboren. Während seines freiwilligen, einjährigen Militärdienstes in Berlin 1841/42 besucht er die dortige Universität und kommt dabei mit den Kreis der Junghegelianer in Kontakt. Danach tritt er eine kaufmännische Ausbildung an, die er in Manchester vollendet, wo sein Vater zusammen mit einem weiteren Teilhaber eine Textilfabrik führt. In dem industriell sehr viel weiter entwickeltem England erhält Engels auch Einblick in die realen Lebensbedingungen der Arbeiter. Dies soll seine künftige politische Haltung nachhaltig prägen und ihn zu seiner Zusammenarbeit mit K. Marx veranlassen. (http://de.wikipedia.org/ wiki/Friedrich_Engels)

Beide schließen sich 1847 dem „Bund der Gerechten“ (bzw. „der Geächteten“), dem späteren „Bund der Kommunisten” an, ein loser, unbedeutender politischer Zusammenschluss, der größtenteils aus emigrierten Künstlern und Intellektuellen bestand. Um dessen Ziele zu verdeutlichen erhalten die beiden 1847 den Auftrag, jenem ein Parteiprogramm zu schreiben. Nach dem auf einem Kongress Ende 1847 beschlossenen Grobentwurf erscheint, nach einer Mahnung, dieses bereits im Februar 1848 unter dem Titel „Manifest der kommunistischen Partei“. Während Engels die groben Skizzen erarbeitete, wird Marx das Hauptwerk die Ausformulierung zugeschrieben. (http://de.wikipedia.org/wiki/Das_kommunistische_Manifest)

Im selben Jahr kehrt Marx nach Köln zurück um die “Neue Rheinische Zeitung” mit aufzubauen – welche nach der gescheiterten Märzrevolution jedoch schnell unter Zensur gerät. Daraufhin wird er aus Preußen ausgewiesen und emigriert über Paris endgültig nach London, wo er bis zu seinem Tod 1883 weilt. Engels wird lebenslang sein Förderer bleiben. Engels selbst ist ein etwas längeres Leben vergönnt, er stirbt 1895 im Alter von 74 Jahren in London. (http://de.wikipedia.org/)

2.1.2 Zum Zeitalter: England Mitte des 19. Jahrhunderts

Das kommunistische Manifest ist zu einer Zeit entstanden, in der sich die Umwandlung von der feudalen Agrar- zur kapitalistischen Industriegesellschaft vollzieht. Gerade in England ist die Industrialisierung sehr weit fortgeschritten, während das kontinentale Europa noch agrarisch geprägt ist. Es ist eine Zeit großer technischer Neuerungen, die viele enthusiastisch in die Zukunft blicken lassen: der Telegraph verkürzt Kommunikationswege von Tagen auf wenige Stunden, die Einführung der Dampfmaschine verkürzt nicht nur die Transportwege zu Wasser und zu Land erheblich, sondern nimmt auch, im Einsatz in Fabriken, schweißtreibende Handarbeit ab. Und auch der Handel erlebt einen Aufschwung, da der Warenumschlag mit den Kolonien diesen belebt. Eine Bevölkerungsexplosion tritt ein. Die neuen Fabriken in den Städten beschäftigen immer mehr Arbeiter, während die Anzahl der Bauern auf dem Land sinkt; die Landflucht setzt ein. Aber dies hat auch negative Auswirkungen, welche im Manifest auch beschrieben werden. Ganze Erdteile werden dem Imperialismus unterworfen und nun von europäischen Mächten beherrscht. Und auch in Europa sieht es nicht für alle ‚rosig’ aus: Die Landwirtschaft kann – trotz einiger Verbesserungen – den gestiegenen Bedarf an Nahrungsmitteln nicht decken. Die Lebensbedingungen der Arbeiter bleiben hart[1], während nur einige wenige zu Reichtum gelangen. Durch ein großes Angebot an Arbeitskräften in den wenigen bereits existierenden industriellen Zentren bleiben die Löhne auf einem relativ niedrigem Niveau. So ist Armut kein Fremdwort in einem Staat, in dem es nur ungenügende soziale Absicherungen gibt. Während sich die traditionellen sozialen Bindungen durch den Lehnsherrn und Großfamilie in der Auflösung befinden, gibt es aber auch (noch) keine staatlichen Sozialsysteme, wie wir sie heute in den meisten westeuropäischen Ländern kennen.[2] Zudem sind die politischen Partizipationsmöglichkeiten der unteren Schichten äußerst begrenzt. Daher verwundert es nicht, das viele, in dieser Zeit der radikalen sozialen Umbrüche, mit diesem neuen Gesellschaftssystem unzufrieden sind – treffend wird die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts auch eine Zeit des „Pauperismus“ (Massenverarmung) genannt – und dessen Revolutionierung wünschen. (Langewiesche: 22ff.)

Denn das Werk steht auch im Lichte der in ganz Europa aufziehenden Revolutionen von 1848/49, z. B. der Februarrevolution in Paris bzw. Frankreich, den Erhebungen in Italien und Österreich/Ungarn und insbesondere der unmittelbar folgenden Märzrevolution in Deutschland (vgl. Langewiesche: 71ff.), worauf Marx viele seiner Hoffnungen setzte. Letztendlich enthält das Manifest auch Anregungen zur Vorgehensweise der Arbeiterbewegung bei diesen Revolutionen, wie der Inhalt zeigt.

2.2 Inhalt

Das „Manifest der kommunistischen Partei“ stellt das Grundsatzprogramm des „Bundes der Kommunisten“ auf. Dabei steht vor allem die politische Botschaft im Vordergrund. Das kommunistische Manifestes besteht aus vier Teilen. Im ersten Teil, überschrieben mit „Bourgeois und Proletarier“, wird die Entstehung und Entwicklung von Bourgeoisie und Proletariat nachvollzogen. Dabei wird skizziert, wie die Lage der Arbeiter ist und wohin diese Entwicklung gehen wird. Der zweite Teil, unter der Überschrift „Proletarier und Kommunisten“, steht unter der Leitfrage: Welche Maßnahmen bieten sich als mögliche Lösung an? Hier gehen Marx und Engels auf den Kommunismus ein. Dabei werden auch wesentliche Einwände gegen diesen angesprochen und entkräftet. Dieses Kapitel schließt mit einem Katalog konkreter Maßnahmen, die auf dem Weg zur Revolution durchgeführt werden sollten. Im dritten Kapitel „sozialistische und kommunistische Literatur“ setzen die Autoren sich kritisch mit kommunistischen und sozialistischen Vorstellungen der damals wichtigsten Vordenker des Kommunismus auseinander. Da die wesentlichen Vorstellungen von Marx und Engels in den vorgenannten Kapiteln wiedergegeben werden und diese Kritik anderer Literatur zur deren Theoriebildung wenig beiträgt, wird dieses Kapitel nur kurz gestreift. Im vierten und letzten Kapitel, welches den Titel „Stellung der Kommunisten zu den verschiedenen oppositionellen Parteien“ trägt, wird darauf eingegangen, wie die Arbeiter in den einzelnen Ländern die „revolutionäre Bewegung“ unterstützen, was schließlich in dem Kampfruf „Proletarier aller Länder, vereinigt euch“ (Marx/Engels: 87) endet.

2.2.1. 1. Kapitel: „Bourgeois und Proletarier“

Nach den einleitenden Vorworten wird zunächst die Entstehung der Klasse der Bourgeoisie angesprochen. Da diese Ausführungen auf dem sogenannten „historischen Materialismus“ – u. a. eine Fortentwicklung der Überlegungen von Hegel und Feuerbach – basieren, der im wesentlichen bereits zuvor von Marx und Engels publizierten „deutschen Ideologie“ dargestellt wird, will ich zum besseren Verständnis diesen kurz skizzieren.

Exkurs: historischer Materialismus

Für Marx ist die Existenzgrundlage des menschlichern Seins die Produktion, denn „[die Menschen] fangen an, sich von den Tieren zu unterscheiden, sobald sie anfangen ihre Lebensmittel zu produzieren“ (Marx in Niedenzu 1999: 95) – dies ist also beim Menschen eine bewusste, gesteuerte Tätigkeit. Aus der notwendigen, der Existenzsicherung dienenden Produktion ergibt sich die Notwendigkeit zur Kooperation mit Anderen (Niedenzu 1999: 96). Durch den Begriff der Arbeit werden diese beide Dimensionen verbunden: Denn die Arbeit dient einerseits der materiellen Befriedigung von Bedürfnissen, andererseits sind die Akteure immer in gesellschaftliche Strukturen eingebunden, die anhand der Arbeit produziert und reproduziert werden, also wird dadurch die gesellschaftliche Umwelt erschlossen. Der Mensch ist mit seinem Handeln „immer zugleich Subjekt wie auch Objekt“ (Niedenzu 1999: 96). Durch diese Unterschiede zwischen „subjektiven“ Handlungsfähigkeiten und „objektiven“ (durch die Gesellschaft festgesetzten) Handlungsmöglichkeiten ergibt sich eine Spannung, die Marx dialektisch auffasst. In dieser Spannung sieht Marx die Triebkraft für die historischen Entwicklungen der menschlichen Gesellschaft. Er fasst die „gesellschaftliche Entwicklung als einen permanent ablaufenden dialektischen Prozess auf.“ (Niedenzu 1999: 103) Genauer gesagt wird die Fortentwicklung der Gesellschaft aus dem Widerspruch zwischen dem unterschiedlichen Entwicklungsstand von Produktivkräften[3] und Produktionsverhältnissen[4] angetrieben. Dabei sieht Marx die Produktivkräfte eher als dynamisch an. Die Weiterentwicklung der Produktivkräfte, also die sich fortentwickelnde Arbeitsweise, steht im Gegensatz zu den eher statischen Produktionsverhältnissen, den meist festen Sozialstrukturen. Daraus entsteht eine Spannung. Diese Spannung führt dann zur Revolutionierung der Produktionsverhältnisse, wodurch eine neue Produktionsweise bzw. eine neue Gesellschaftsformation entsteht. Damit ist der Widerspruch zunächst aufgehoben, im Laufe der Entwicklung entwickeln sich jedoch neue Gegensätze, der Kreislauf wird von neuen angestoßen (Niedenzu 1999: 103f.). Aus dieser Geschichtsauffassung heraus hat sich das Modell der verschiedenen Stufen der Gesellschaftsformen entwickelt:

[...]


[1] Oft müssen mehrere Familienmitglieder arbeiten, um deren Existenz zu sichern. Arbeitszeiten sind lange, der Schutz vor gesundheitlichen Schäden und Sicherheitsvorkehrungen auf einem niedrigem Niveau. Auch Kinder- und Frauenarbeit ist noch nicht ungewöhnlich; die Arbeitszeiten betragen oft über 10 Stunden täglich, auch Samstags wird gearbeitet. Nicht alle der erstmals in den 1840er Jahren erlassenen gesetzliche Maßnahmen (z. B. Begrenzung der Arbeitszeit, Begrenzung der Kinder- und Frauenarbeit) greifen zu diesem Zeitpunkt (insbes. Bezüglich der Arbeitszeit) in der Realität. (Langewiesche: 30 ff, 57ff.)

[2] In Großbritannien beispielsweise wurden durch die „Armengesetze“ stattliche Armenhäuser eingerichtet, deren Lebensniveau jedoch – zwecks Anreiz zur Arbeit – unter dem der ärmeren Arbeiter liegt. Auch die insgesamt dürftige Hilfe der stattlichen Organe bei der großen Hungersnot in Irland zeigt auch die eher laissez-faire Haltung. Erst nach Berichten über die mangelhaften Zustände der Arbeiterslums (1842) werden Maßnahmen ergriffen, die jedoch größtenteils verpuffen bzw. nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“ sind. Auf dem Kontinent wird die Sozialfürsorge größtenteils noch lokal organisiert. Erst zu Ende des 19. Jahrhunderts sind Anfänge des staatlichen Sozialsysteme erkennbar. (vgl. Langewiesche)

[3] Unter Produktivkräften fasst Marx alle (geistigen und physischen) Arbeitskräfte und Produktionsmittel zusammen. Die Produktionsmittel wiederum bestehen aus den Arbeitsmitteln, den Gegenständen und Mitteln, mit deren Hilfe der Mensch die Arbeitsgegenstände bearbeitet und dem Arbeitsgegenstand, also den Gegenstände, auf die der Mensch im Arbeitsprozess einwirkt.

[4] Mit den Produktionsverhältnissen will Marx die Eigentumsverhältnisse an Produktionsmitteln sowie deren Distributions- und Austauschverhältnisse ausdrücken. Hiermit wird die Frage „Wem gehört was?“ beantwortet.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Ist das kommunistische Manifest heute noch aktuell?
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Soziologische Klassiker: Marx
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V49631
ISBN (eBook)
9783638460255
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Manifest, Soziologische, Klassiker, Marx
Arbeit zitieren
Markus Häberle (Autor), 2005, Ist das kommunistische Manifest heute noch aktuell?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49631

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