Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit den verschiedenen Funktionen der einzelnen Bestandteile der Boulevardpresse, der Rolle der Boulevardpresse in Deutschland und ihren Lesern, aber auch mit der damit einhergehenden Verletzung der Persönlichkeitsrechte. Außerdem wird auf die Phase der Politisierung eingegangen. Das Fazit bildet eine persönliche Stellungnahme.
Der Mensch ist ein soziales Wesen, das Kommunikation, Information und Meinungsaustausch braucht. Schon 1000 Jahre vor Christus wurden Informationen, z. B. Höhlenmalerei oder Papyrusschriften, gesammelt und weitergegeben. Bekannt ist auch, dass es im Römischen Reich (27 v. Chr.) Informationsblätter gegeben hat, die jeden Tag veröffentlicht wurden. Im Laufe der Geschichte nahm der Informationsaustausch zunehmend Platz im Leben der Menschen ein.
Im Mittelalter wurden Flugblätter auf öffentlichen Plätzen verteilt. In Italien hießen diese Blätter "avvisi", im deutschsprachigen Raum nannte man sie "Zeitungen". Mit der Erfindung des Buchdruckes vereinfachte sich die Darstellung der Zeitungen erheblich.
Im Herbst 1605 erwarb der Verleger Johann Carolus, der über ein Informationsnetz in ganz Europa verfügte, ein Patent im Straßburger Rathaus. Bei dem Patent handelte es sich um ein örtliches Herstellungsmonopol auf ein Zeitungsabonnement, die neue Art der Informationsverbreitung. Dieses Ereignis war die Geburtsstunde der modernen Zeitungen und von diesem Moment an fanden die Zeitungen mehr und mehr Zugang in das Leben der Gesellschaft.
Es mussten allerdings noch 300 Jahre vergehen, damit die Zeitung so wurde, wie wir sie heute kennen. Die wohl erste Zeitung, die mit der heutigen Berichterstattung vergleichbar ist, ist die Zeitung "La Gazette". Sie wurde von dem visionären Franzosen Théophraste Renaudot ab dem Jahre 1631 herausgegeben.
Doch erste Kommentare zu den Informationsartikeln findet man erst ab dem 17. Jahrhundert in einem Hamburger Abendblatt. Nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts die Telegrafie und das Telefon erfunden worden waren, nahmen Kommunikation, Information und Journalismus zu. Während dieser Zeit veränderte sich die Gesellschaft. Der Kapitalismus war im Vormarsch und Zeitungslektüre war nicht mehr ein Privileg der Oberschicht.
Mit dem Wachstum entdeckten die Journalisten einen großen Markt für sich. Technische Möglichkeiten, Kostenabbau und die Möglichkeit, Bildung zu erlangen, führten dazu, dass die Zeitungen zu Massenmedien wurden
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Boulevardpresse
2.1 Themen
2.2 Präsentation
2.3 Grafische Darstellung
2.4 Sprache
2.5 Bilder
3. Funktion des Aufmachers
4. Funktion der Schlagzeile
5. Diskursive Strategien
6. Funktion der Boulevardpresse
7. Boulevardpresse in Deutschland
8. Die Leser der Boulevardzeitungen
9. Prominente und die Boulevardpresse
10. Verletzung der Persönlichkeitsrechte durch die Boulevardpresse
11. Die Phase der Politisierung
12. Fazit: Persönliche Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die Boulevardpresse, insbesondere Boulevardzeitungen, und deren Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung sowie die Mechanismen, durch die diese Medien ihre Leserschaft binden. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie Boulevardmedien durch spezielle Themenwahl, Sprache, Gestaltung und emotionale Appelle funktionieren und welche Rolle sie im gesellschaftlichen Kontext sowie im Verhältnis zu Prominenten einnehmen.
- Mechanismen der Boulevardpresse und deren funktionale Gestaltung
- Analyse der Rezeptionsmuster von Boulevardzeitungslesern
- Interdependenz zwischen Prominenten und Boulevardmedien
- Ethische Konflikte und Verletzung von Persönlichkeitsrechten
- Die historische Entwicklung der Politisierung in Boulevardzeitungen
Auszug aus dem Buch
Beispiel: Sylvie van der Vaart
Sylvie van der Vaart, eine holländische Moderatorin, zieht mit ihrem Ehemann Rafael van der Vaart, einem bekannten Fußballspieler, nach Hamburg. Durch die Juryteilnahme in der RTL Sendung „Das Supertalent“ erlangt Sylvie van der Vaart einen hohen Bekanntheitsgrad in Deutschland (vgl. AFP 2013, o.S.). Als sie sich 2012 von ihrem Mann trennt, wird sie zur Zielscheibe der Boulevardpressezeitung „Bild“. Zuerst wird beim Leser das Mitleid erzeugt, die Bildzeitung titelt Schlagzeilen wie „Wir wollen es wieder miteinander versuchen“, „Sabia weicht nicht von Sylvies Seite“, „Glück gejagt, Liebe verloren“, „Welche Rolle spielt Sylvies Busenfreundin?“, „Van der Vaart zieht aus“, „Sylvie van der Vaart: Das Leben geht weiter“, „Rafael liebt Sylvies beste Freundin“, „Wie verkraftet das Sylvie van der Vaart?“, „Wie ehrlich war diese Freundschaft?“, „Die beste Freundin mit dem Ex – ein Tabu“.
Diese Trennung, die durch die Boulevardpresse zieht, wird von einem großen Auditorium verfolgt. Die Männer finden Sylvie van der Vaart sehr attraktiv, zudem ist sie ein Vorbild für junge Mädchen. Dann wendet sich das Blatt, das Mitleid der Leser ist ausgeschöpft und Sylvie van der Vaart wechselt – wie vom Leser bestellt – von der Opferrolle in die Rolle der Ehebrecherin. Das Spiel geht von vorne los. Die „Bild“ titelt mit den Schlagzeilen: „Sylvie van der Vaart: Das ist ihr Neuer“, „Sylvie, geht es bei dir immer so schnell?“ „Die schmutzige Wahrheit über Sylvie – Sabia packt aus“, „Sie gibt Affäre mit ihrem Piloten zu“. Das Image der Prominenten wird von der Boulevardpresse selten ernsthaft geschädigt. Meistens werden die Prominenten mit viel Aufmerksamkeit belohnt, zudem kommen nach der Berichterstattung – egal, ob es sich um gute oder schlechte Meldungen handelt – neue Jobangebote auf sie zu.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese gibt einen historischen Überblick über die Entwicklung von Zeitungen bis hin zum Massenmedium Boulevardzeitung.
2. Boulevardpresse: Hier werden Definitionen und Merkmale der Boulevardpresse bezüglich Themen, Präsentation, Grafik, Sprache und Bildsprache erläutert.
3. Funktion des Aufmachers: Erläutert die Bedeutung des Titelseiten-Aufmachers für die Aktivierung des Lesers und den Verkaufserfolg.
4. Funktion der Schlagzeile: Beschreibt die Rolle der Aufmacher-Schlagzeile als Instrument zur unmittelbaren Erregung und Bindung des Lesers.
5. Diskursive Strategien: Erklärt, wie Sachverhalte vereinfacht und interpretiert werden, um emotionale Adäquanz beim Leser zu erzeugen.
6. Funktion der Boulevardpresse: Analysiert Boulevardmedien als Hybridmedium, das Unterhaltungsbedürfnisse befriedigt und Eskapismus ermöglicht.
7. Boulevardpresse in Deutschland: Bietet einen Abriss über die Entstehung und Verbreitung der Boulevardpresse in Deutschland vom späten 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart.
8. Die Leser der Boulevardzeitungen: Stellt verschiedene Lesermuster und Rezeptionsweisen vor, die in einer wissenschaftlichen Studie identifiziert wurden.
9. Prominente und die Boulevardpresse: Untersucht die wechselseitige Abhängigkeit zwischen Prominenten und Boulevardmedien anhand von Fallbeispielen.
10. Verletzung der Persönlichkeitsrechte durch die Boulevardpresse: Thematisiert ethische Verstöße und Konflikte zwischen Informationsinteresse und dem Schutz der Persönlichkeitsrechte.
11. Die Phase der Politisierung: Beleuchtet den historischen Wandel in der Themensetzung der Bildzeitung, weg von reiner Unterhaltung hin zur politischen Berichterstattung.
12. Fazit: Persönliche Stellungnahme: Bietet eine reflektierte Einschätzung der Rolle der Boulevardpresse für die Demokratie und die öffentliche Wahrnehmung.
Schlüsselwörter
Boulevardpresse, Bildzeitung, Boulevardjournalismus, öffentliche Wahrnehmung, Aufmacher, Schlagzeile, Medienwirkung, Prominente, Persönlichkeitsrechte, Unterhaltung, Eskapismus, Lesemuster, Politisierung, Massenmedien, Journalismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Mechanismen und Funktionen der Boulevardpresse, insbesondere im Hinblick auf Boulevardzeitungen, und wie diese die öffentliche Wahrnehmung beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Gestaltung von Boulevardmedien (Aufmacher, Schlagzeilen), die Rezeptionsmuster der Leser, die Abhängigkeit von Prominenten, ethische Grenzen der Berichterstattung sowie die historische Politisierung der Boulevardpresse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Verständnis für die Funktionsweise des Boulevardjournalismus zu schärfen und die komplexe Beziehung zwischen diesen Medien, den Lesern und der Gesellschaft zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die verschiedene theoretische Konzepte und empirische Studien zur Medienwirkung, Textgestaltung und Leserforschung zusammenführt und in den Kontext der Boulevardmedien setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden spezifische Elemente wie die Rolle von Bildern, die Funktion von Aufmachern und Schlagzeilen, diskursive Strategien, Lesertypologien sowie ethische Konflikte und die Beziehung zu Prominenten detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Boulevardpresse, Bildzeitung, öffentliche Wahrnehmung, Medienwirkung, Prominente, Persönlichkeitsrechte, Unterhaltung und Lesemuster.
Wie verändert sich das Image von Prominenten durch Boulevardberichterstattung?
Das Image wird oft instrumentalisiert; es schwankt zwischen Aufmerksamkeit und Skandalisierung. Prominente profitieren oft von der Berichterstattung durch höhere Bekanntheit, können aber bei Fehlverhalten auch gezielt diskreditiert werden.
Welche Rolle spielt das Bedürfnis nach Eskapismus bei den Lesern?
Der Eskapismus dient dazu, den Problemen des Alltags zu entfliehen. Boulevardmedien befriedigen dieses Bedürfnis, indem sie Geschichten über Prominente oder skandalisierte Ereignisse aufbereiten, die den Leser emotional unterhalten.
- Arbeit zitieren
- Natalia Bokova (Autor:in), 2014, Die öffentliche Wahrnehmung von Boulevardmedien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496539