Eine Interpretation zu Friedrich Schillers "Der Taucher". Zu Reiz und Aktualität des Werkes


Hausarbeit, 2018
11 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Interpretation

3. Die Metriken des Tauchers im Vergleich mit Schillers Kraniche des Ibykus

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Friedrich Schillers Werk Der Taucher entstand in einem relativ kurzen Zeitraum zwischen dem 5. und 14. Juni 17971 Es entstand in Kooperation mit Goethe. Es erschien im Jahr darauf erstmalig im Musen-Almanach für das Jahr 17982. Dieses Sammelwerk wurde von Schiller herausgegeben und enthielt Werke von unterschiedlichen Dichtern. Unter ihnen waren Schiller und Goethe, die neben dem Taucher auch noch weitere bekannte Werke, wie Die Kraniche des Ibycus und Der neue Amor, veröffentlichen ließen. Das Jahr 1797 galt als das „Balladenjahr“, so hatte es Schiller in einem seiner Brief an Goethe benannt.3 Die Balladen sollten ein Gegengewicht schaffen zu vie­len boshafte „Xenien“4 die Goethe und Schiller in den Jahren 1795 und 1796 verfasst haben. Erzählt wird in dem Werk der Taucher die Geschichte eines mutigen Knappen. Dieser stürzt sich zunächst wegen eines goldenen Bechers in das tosende Meer. Voller Ehrfurcht vor den Gefahren und mit viel Glück kommt er aus den Untiefen wieder hervor. Als ihm die Hand der Prinzessin angeboten wird gibt er nach und wagt trotz eigener Warnung und Bedenken erneut einen lebens­gefährlichen Sprung in die Brandung. Die Ballade der Taucher ist bei dem damaligen Publikum sehr gut angekommen, so bedankte sich Schiller bei Christian Gottfried Körner in einem Brief über dessen löbliche Worte.5 Des Weiteren wurde der Taucher später von Karl Friedrich Zelter auch als musikalisches Stück komponiert. Die Ballade hat als Besonderheit ein sehr bewegtes Metrum, auf das ich später noch näher eingehen werde.

Da auch einige Aspekte der Ballade der Taucher immer noch aktuell sind, wie die Suche und Neu­gier nach dem Unbekannten, die große Versuchung seine soziale Stellung zu verändern oder ein­fach auch die Sehnsucht nach Anerkennung, bringt sie ihr nach über 200 Jahren noch immer großes Interesse ein und ist vereinzelt Teil des aktuellen Unterrichtsstoffs.

Zu Beginn erfolgt ein Nachweis für die begründete Einordnung des Werks in die Gattung der Bal­laden, während dessen wird auch die äußere Form analysiert. Danach folgt eine Vertiefung in die Metrik mit einem Vergleich eines weiteren Werks von Schiller aus dem gleichen Jahr und das Fazit.

2. Interpretation

Es gibt einige Gründe das Werk ohne nähere Betrachtung als Ballade einzuordnen. So hat der Autor den Taucher selbst als Ballade bezeichnet und nimmt es daher 1798 in den Musen- Almanach6 auf Des Weiteren wurde es im von Schiller bezeichneten Balladenjahr geschrieben. Aber auch bei nä­herer Betrachtung deckt sich die Meinung des Autors mit den gängigen Definitionen einer Ballade. So ist laut dem Duden eine Ballade ein [volkstümliches] Gedicht, in dem ein handlungsreiches, oft tragisch endendes Geschehen [aus Geschichte, Sage oder Mythologie] erzählt wird.7 In dem Werk Der Taucher wird, ein als reimendes Gedicht, die Geschichte eines Knappen erzählt, die einen tragische Ausgang hat, „Den Jüngling bringt es keines wieder.“ (Z. 162). Der Taucher erfüllt auch die Kriterien eines Gedichts. Zum Beispiel lassen sich klare lyrische Elemente erkennen. Das Werk besteht aus 27 Strophen die zu je sechs Versen im immer wiederkehrenden Reimschema ababcc verfasst sind.

Im Taucher sind auch Elemente der später getrennten Lyrik, Epik und Dramatik enthalten. So ist ein wichtiges Element der Dramatik in der Handlung klar zu erkennen. Sie fängt in der Ballade mit Steigerung an, hat dann mit dem Erfolg des Knappen einen Höhepunkt, mit dem wiederholten Versuch eine Umkehr und zuletzt endest es in einer Katastrophe. In dem Werk gibt es auch einen auktorialen Erzähler. Er führt den Leser durch die Geschichte und kommentiert die Ereignisse. Der Erzähler hält in dem gesamten Werk Distanz zum Geschehen, bis auf eine Stelle in der zehnten Strophe. Dort spricht er den König in einem kritischen Aufruf direkt an.

Das Metrum des Stücks ist sehr bewegt und unruhig. Im Gegensatz zu einem anderen Werk Schil­lers, die Kraniche des Ibykus, wo das Metrum sehr gleichtönig ist und schon fast zum hin leiern veranlasst8, ist es im Taucher so aufgewühlt, wie man es sich von den brechenden Wellen des Meeres an einer Brandung her erahnt.

Trotz dieses unruhigen Metrums wird das wiederkehrenden Reimschema ababcc in allen 27 Stro­phen durchgängig beibehalten. Um dies sicher zu stellen hat Schiller unter anderem in der dritten Strophe auch archaische Flexionsformen genutzt, fraget/waget. Es lässt sich auch feststellen, dass Schiller immer die ersten vier Zeilen als Kreuzreim mit männlicher Kadenz enden lässt. Wohinge­gen die vierte und fünfte Zeile sich weicher reimt mit weiblicher Kadenz. Die rhetorischen Mittel lassen sich gut erkennen und wurden auch passend eingesetzt. So gibt es mit“ Flut um Flut“ ab Zeile 6 eine Anapher, in Strophe neun in den Zeilen 51 und 53 zwei Anaphern und in Strophe 11 und 12 gleich zwei Anaphern in Zeile 65 „heller und heller,“, „Well auf Well“ in Zeile 70 die von einem Polysyndeton gekrönt sind „Und es wallet und siedet und brauset und zischt,“ in Zeile 67. Diese so eingesetzten Anaphern mit dem Polysyndeton als Gipfel lassen den Leser das eine immer größer werdende Welle erahnen. Des Weiteren wird das Meer nicht nur als sehr wild und todbrin­gend beschrieben. Es wird auch an verschiedenen Stelle personifiziert. So wird in Zeile 26 bei dem Meer ein Schlund gesehen und in Zeile 48 schließt sich der Rachen des Meeres. In Zeile 36 wird mit „Als wollte das Meer noch ein Meer gebären.“ sogar die Reproduktion des Meeres in angedeu­tet.

Das Werk der Taucher erfüllt im Aufbau die drei aristotelischen Einheiten. Es gibt keinen Orts­wechsel, die Figuren sind im Werk entweder an einer schroffen und steilen Klippe (Z.8) oder eben der Protagonist in dem danebenliegenden Meer. Es gibt keine Zeitsprünge und keine Nebenhand­lungen. Es ist ein Werk mit einer geschlossenen Handlung die einen Anfang, Mittelteil und Ende besitzt. Es gibt einen Höhepunkt in Zeile 13, als der Jüngling aus dem Wasser wiederauftaucht und einen Wendepunkt in Zeile 156 als dieser der Versuchung nicht standhalten kann und wieder ins Meer springt.

Aufgrund der Figuren in der Geschichte kann man vermuten, dass es sich um eine feudale Stände­gesellschaff mit einem König als weltlichen Herrscher handelt, welches die Epoche auf nicht jünger als das Mittelalter eingrenzt.

Die Ballade fängt ohne einleitende Worte und mit einer Aufforderung an. Zu Beginn der zweiten Strophe wird der Sprecher genannt, es ist der König. In den ersten viel gekreuzten Reimen fragt der König welcher Rittersmann oder Knappe in den Schlund springt um sich den vom König fallen gelassenen goldenen Becher zu verdienen. Die Ballade klingt schon in der ersten Strophe düster und das Meer wird durch die Personifizierung als alles verschlingendes Monster dargestellt. Dies wird durch die Reime in Zeile 2 und 4 verstärkt, „in den Schlund“ und „der schwarze Mund“. Diese metaphorischen Höhenunterschiede wiederholen sich in der zweiten Strophe in Zeile 7, „der Höh“ und Zeile 10, in der Charybde Geheul9, mit einer antiken Tiefe. In Zeile 8 erkennt der Leser mit „schroff und steil“ schon sehr früh eine Alliteration. Alliterationen tauchen später unter anderem auch in Zeile 91 „Lang lebe der[...]“ und 120 „Hai“ und „Hyäne“ auf.

Strophe drei beginnt mit der Konjunktion „Und“, die an der ersten Stelle von über 50 weiteren Strophe verwendet wird und dabei sehr häufig in den zwei letzten Zeilen der Strophen. Das Wort „und“ ist dasjenige Wort, welches am häufigsten vorkommt und wird innerhalb der Ballade zum Verbinden von Sätzen genutzt und überdies lässt das „und“ die Geschichte beim lesen immer schneller wirken. In der dritten Strophe stellt der König seine Anfrage, ob sich jemand zu einem Tauchgang hinreißen lässt zum dreimal und auch hier wird zweimal von Schiller ein „Und“ am Zeilen Anfang eingearbeitet. In der vierten Strophe tritt der Knappe „keck“ (Z. 20) aus der Menge hervor und stellt sich der Prüfung. In der fünften Strophe blickt der Knappe in den Schlund. Ab hier wirkt die Ballade mit den Wörtern Schlund (Z.26), welches auch in Zeile 2 vorkommt, fernen Donnerns (Z.29) und finsteren Schoße (Z.30) wieder so düster wie am Anfang. Es folgt mit „Flut auf Flut“ (Z.34) und „Bis zum Himmel sprützet der dampfende Gischt“ (Z.33) die Beschreibung wie wild das Oberflächenwasser ist und Schiller spielt auch mit den Elementen als er das zischen des Oberflächenwassers mit dem zischen von Wasser, das sich mit Feuer mengt (Z.32) vergleicht. Auf die Düsternis der Ballade wird auch in der sechsten Strophe mit einem gähnenden Spalt (Z.39) hingewiesen und auch wenn sich der Knappe nun unter dem wilden Oberflächenwasser befindet zieht es ihn in Zeile 42 in einen strudelnden Trichter weiter hinab. Die siebente Strophe erzeugt mit ihrem Strudel einen solchen Sog, dass jedes seiner Opfer sein Ziel einem Höllenraum (Z.40) zu haben scheint. Mit dem Weg in die Hölle wird noch einmal auf die diabolische Gefahr des Ortes hingewiesen.

In Strophe acht springt der Knappe schnell über die Klippe bevor die Brandung zurückkehrt. Er gibt sich dabei in die Hände Gottes, „Gott befiehlt“ (Z.44) und verschwindet schnell in dem unru­higen Wasser „er zeigt sich nimmer“ (Z.48). In der ersten Zeile der neunten Strophe wird das Meer wieder als Lebewesen mit einem Schlund bezeichnet und Schiller beschreibt das Meer wie­derholt als alles verschlingendes Monster. Die zuschauenden Menschen an der Klippe scheinen nicht an eine Wiederkehr des Jünglings zu glauben und wünschen ihm und seiner Seele mit „[...] fahre wohl!“ (Z.52) eine schöne Reise in den Himmel.

[...]


1 Schiller, Dichter über ihre Dichtungen, S.147

2 Ebd., S.147

3 Koopmann, Friedrich Schiller II 1794-1805, S.28

4 Xenien sind Begleitverse zu Geschenken. Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller verfassten Distichen die sie im ironisch als Xenien bezeichneten. Die Xenien waren als Kampfansagen an die Borniertheit und Plattitüde des literarischen Publikums von damals erschienen. Koopmann, S.28

5 Schiller, Dichter über ihre Dichtungen, S.147

6 Darin erschienen auch weitere sehr bekannte Balladen, wie zum Beispiel Schillers „Der Handschuh“ oder „Die Kraniche des Ibykus“ oder auch Goethes „Der Zauberlehrling“.

7 Duden S.145

8 Kaiser, Interpretationen Gedichte von Friedrich Schiller, S.201

9 Die Charybdis war in der Antike ein Teil einer sehr bekannten Wasserstraße, in der in rauer See und in Stru-deln viele Schiffe gesunken sein sollen.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Eine Interpretation zu Friedrich Schillers "Der Taucher". Zu Reiz und Aktualität des Werkes
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Grundschulpädagogik)
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
11
Katalognummer
V497517
ISBN (eBook)
9783346012791
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eine, interpretation, friedrich, schillers, taucher, reiz, aktualität, werkes
Arbeit zitieren
Alexander Ruwisch (Autor), 2018, Eine Interpretation zu Friedrich Schillers "Der Taucher". Zu Reiz und Aktualität des Werkes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497517

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