Der Lehramtsberuf. Erwartungen und unerwartete Herausforderungen

Eine Interviewstudie


Hausarbeit, 2018
47 Seiten, Note: 1,0
Emma Hinz (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Hauptstufe I: Das Forschungsproblem
1.1 Forschungsfeld und Erkenntnisinteresse
1.2 Forschungsfrage
1.3 Forschungsstand
1.3.1 Studie zur Arbeitsbelastung im Lehrerberuf
1.3.2 Studie zur Zufriedenheit im Lehrerberuf
1.4 Arbeitshypothesen
1.5 Festlegung der Untersuchungsform
1.5.1 Auswahl der Untersuchungsebene
1.5.2 Das Projektdesign

2 Hauptstufe II: Das Material
2.1 Darstellung und Begründung der Methodenwahl
2.2 Operationalisierung
2.3 Erhebungsverfahren (Die Datenerhebung)
2.4 Stichprobendesign
2.5 Analyseplan
2.6 Die Datenerhebung
2.6.1 Die Befragung
2.6.2 Pretest
2.7 Datenauswertung
2.7.1 Erstellung der Kategorien
2.7.2 Forschungsergebnisse

3 Hauptstufe III: Die Lösung

4 Reflexion

Literatur

Eidesstattliche Erklärung

Anhang

Einleitung

In der vorliegenden Forschungsarbeit mit dem Titel “Der Lehramtsberuf: Erwartungen und unerwartete Herausforderungen” von Esther Kunz und Isabella Stein in dem Methodenseminar “Forschendes Lernen im Wohlfahrtsstaat” geht es primär um die Anwendung der Forschungsmethode. Grundlegend für die verschiedenen Schritte bei der Forschung haben wir uns an dem forschungslogischen Ablauf von Ulrich von Alemann aus dem Buch “Politikwissenschaftliche Methoden. Grundriss für Studium und Forschung” aus dem Jahr 1995 orientiert. Dieser Forschungsablauf ist systematisch in drei Teile gegliedert, die das Problem, das Material und die Lösung umfassen. Vorteilhaft an diesem Ablauf ist die Unterteilung der drei Hauptstufen in unterschiedliche Schritte, an denen sich die Forschung orientieren kann. Bei der ersten Stufe geht es um den Forschungsanstoß, den aktuellen Forschungsstand zu dem Forschungsinteresse, die Formulierung von Fragestellungen, die Auswahl der Analyseebenen und das Projektdesign. In der zweiten Hauptstufe geht es um die Auswahl der passenden Methode und somit auch der Stichprobe, um Begrifflichkeiten sowie die Operationalisierung, die Datenerhebung und die Auswertung dieser Daten.

Die dritte Hauptstufe nach Alemann umfasst eigentlich die Formulierung des Berichts, die Publikation und die Rezeption (vgl. Alemann 1995: 71-107). Da es sich bei der vorliegenden Arbeit, wie eingangs erwähnt, um eine Methodenübung handelt, wird die Publikation und die Rezeption nur in Verbindung mit dem betreuenden Dozenten berücksichtigt.

Da es um die Methode und den Umgang mit dieser geht, wird ein besonderer Fokus auf die Beschreibung der theoretischen Grundlagen und der methodischen Entscheidungen gelegt. Praktische Handlungen werden immer wieder durch Literatur unterstützt.

1 Hauptstufe I: Das Forschungsproblem

1.1 Forschungsfeld und Erkenntnisinteresse

In einer immer hektischer werdenden Gesellschaft wird es immer wichtiger, die eigenen Ressourcen zu nutzen, um Stress, sei es im Berufsalltag oder im Privatbereich, zu bewältigen.

“Das Stressempfinden hängt entscheidend davon ab, wie man die eigenen Bewältigungskompetenzen einschätzt. Misslingt eine angemessene Stressbewältigung, dann führt chronischer Stress zu einem körperlichen, kognitiven und emotionalen Erschöpfungszustand, Depression und psychosomatischen Reaktionen” (Petermann 2017: 207).

Dieses einführende Zitat macht deutlich, wie wichtig es ist, die eigenen Ressourcen richtig einschätzen zu können. Daraufhin kann sich die Frage gestellt werden, wie Menschen in unterschiedlichen Berufsfeldern mit Stress umgehen und ob sie diesen Stress schon vor dem Berufseinstieg erwartet und einkalkuliert haben. Die Anforderungen in unserer Umgebung steigen stetig. Nicht nur im Studium, sondern auch im Beruf. In Bezug auf den Lehramtsberuf ergibt sich das Erkenntnisinteresse: Wie werden Lehramtsstudierende auf diese Anforderungen vorbereitet? Welche Erwartungen haben sie und werden diese bestätigt? Außerdem hat jeder andere Ressourcen, um mit Stresssituation umzugehen und ein Gleichgewicht herzustellen. Wie werden diese Ressourcen im Studium gestärkt? Beispielsweise können Schlüsselqualifikationen oder didaktische Seminare diese persönlichen Ressourcen stärken. Dies sind Fragen, die sich im Laufe der Arbeit und der Interviews ergeben werden und die dann operationalisiert werden müssen.

1.2 Forschungsfrage

Auf Grundlage dieses Interesses wurde eine Forschungsfrage formuliert: Mit welchen Herausforderungen rechnen Lehramtsstudierende im Berufsleben und welche Erwartungen haben sich bestätigt? Teile dieser Fragen wurden in zwei Studien in ähnlicher Weise untersucht. Im Folgenden wird der aktuelle Forschungsstand vorgestellt.

1.3 Forschungsstand

Durch die Literaturrecherche kann ein erster Überblick über die Thematik gewonnen werden. Dabei ist auf die Aktualität der Literatur zu achten. Da unser Forschungsinteresse ein breites Themenfeld eröffnet, können hier erste mögliche Antworten auf Frage, wie „Wie zufrieden sind Lehrer?“ oder „Was sehen Lehrer als besondere Belastung oder Herausforderung in ihrem Beruf an?“ gegeben werden. Das Informieren über den Forschungsstand dient einem vorangestellten Verständnis für den Untersuchungsgegenstand. Durch die Auseinandersetzung mit dem Forschungsgegenstand lernt der Forscher existente Theorien und Ergebnisse aus Studien zu dem Themenfeld und den Fragestellungen kennen (vgl. Mayer 2013: 28). Vorteile und Nachteile von diesen Vorkenntnissen werden in einem späteren Kapitel (2.1 Darstellung und Begründung der Methodenwahl) thematisiert.

1.3.1 Studie zur Arbeitsbelastung im Lehrerberuf

Bei der Betrachtung des aktuellen Forschungsstands zu unserem Forschungsinteresse existiert eine Studie mit dem Titel „Belastet, aber hochzufrieden? Arbeitsbelastung von Lehrkräften im Quer- und Längsschnitt“ aus dem Jahr 2014. Diese Studie der Universität des Saarlandes fand im Rahmen eines Programms von Bund und Ländern, bei dem es um bessere Studienbedingungen und mehr Qualität in der Lehre geht, statt. Sie beschäftigt sich mit den Arbeitsbelastungen von Lehrkräften und bedient sich Daten aus den Jahren 2006 bis 2011, die zur Arbeitsbelastung im Beruf erhoben wurden. Die Stichprobe umfasst 425 Lehrkräfte. Dabei wurden Lehrer mit anderen Berufsgruppen, wie Erziehern, Pflegern, Ärzten, Verwaltungsangestellten und Ingenieuren, verglichen. Indikatoren für die Arbeitsbelastung waren dabei die Arbeitszufriedenheit, fehlende Anerkennung und Zeitdruck.

Die Studie zeigt im Querschnitt im Jahr 2006, dass Lehrer, verglichen mit den anderen Berufsgruppen, die höchste Arbeitszufriedenheit aufweisen. Die Anerkennung des Berufs, die beispielsweise an dem gesellschaftlichen Ansehen, an der Bezahlung oder an den Aufstiegschancen festgemacht wird, unterschied sich nicht deutlich von den verglichenen Berufen. Nur etwa ein Drittel der Lehrkräfte sehen in fehlender Anerkennung eine Belastung. Eine Belastung durch Zeitdruck im Beruf gaben 59% der befragten Lehrkräfte an. In der Längsschnittbetrachtung von 2006 bis 2011 verändert sich die Arbeitszufriedenheit der Lehrkräfte nicht signifikant. Die Indikatoren korrelierten im Längsschnitt nicht mit der Veränderung von Persönlichkeitsmerkmalen. (vgl. Schult/ Münzer-Schrobildgen/ Sparfeldt 2014)

1.3.2 Studie zur Zufriedenheit im Lehrerberuf

Es existiert eine weitere aktuelle Studie zu unserem Forschungsinteresse zur Zufriedenheit im Lehrerberuf aus dem Jahr 2016. Diese wurde durchgeführt von dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut forsa Politik- und Sozialforschung GmbH. Die Studie umfasst die Befragung von 1001 Lehrern und Lehrerinnen, die an allgemeinbildenden Schulen unterrichten. Die Studie ist repräsentativ und die Ergebnisse können unter Berücksichtigung der üblichen Toleranzgrenze bei der Erhebung von Stichproben auf alle Lehrer und Lehrerinnen, die an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland tätig sind, übertragen werden. Die Erhebung erfolgte durch Telefoninterviews, die computergestützt stattfanden. Erhoben wurden diese Daten im Zeitraum vom 7. Januar bis 2. Februar 2016. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen demnach den Stand von vor etwa zweieinhalb Jahren an. Da keine grundlegenden politischen Veränderungen im Bildungssystem stattgefunden haben, kann angenommen werden, dass die Ergebnisse bei einer jetzigen Befragung ähnlich ausfallen würden und demnach den aktuellen Stand repräsentieren.

Die Themenbereiche des Interviews behandeln die Einschätzungen zur Arbeitsmotivation von Lehrern, die Gründe für die Wahl des Lehrerberufs, die Weiterempfehlung des Lehrerberufs, die Maßnahmen zur Unterstützung von Lehrern, das Verhalten bei mangelnder Unterstützung im Lehreralltag, die Belastungen im Lehrerberuf sowie die Bewertung der Schulpolitik im eigenen Bundesland. Neben den allgemeinen zusammenfassenden Werten wurde bei der Auswertung der Daten nach Geschlecht, Alter und unterrichteter Schulform der Lehrerinnen und Lehrern differenziert, sodass Abweichungen, die diese drei Komponenten betreffen, erkennbar sind.

Bei der Einschätzung der Arbeitsmotivation von Lehrern wurde einerseits nach der geschätzten Motivation der Kollegen und andererseits nach der eigenen Motivation gefragt. Insgesamt 79% der Lehrerinnen und Lehrer denken, dass ihre Kolleginnen und Kollegen ihren Beruf gerne machen. Besonders auffällige Abweichungen von diesem Wert gab es bei der Befragung von Grundschullehrern nicht. Diese schätzen, dass 85% ihrer Kollegen gerne oder sehr gerne zur Arbeit gehen. (vgl. Forsa 2016: 3)

Die eigene Motivation zur Arbeit zu gehen ist laut Selbstaussage bei 91% der Befragten hoch und wurde mit sehr gern oder gern angegeben. Bei der Betrachtung der Schulform Grundschule liegt diese Angabe sogar bei 92%. (vgl. ebd.: 4)

Bei einer offenen Frage ging es um die Gründe für die Wahl des Lehrerberufs. 86% gaben dabei an, dass ihnen das Berufsbild der Lehrerin und des Lehrers gefällt und ihnen die Aufgaben einer Lehrerin und eines Lehrers somit zusagen. An zweiter Stelle steht für die Mehrheit der Befragten der Spaß an der Arbeit mit Jugendlichen und Kindern. Weiterhin gaben ein Viertel der Befragten an, dass sie Spaß an der Wissensvermittlung haben, und fast genauso viele, dass sie den Beruf auch wegen des Interesses an den ausgewählten Fächern gewählt haben. Die positiven Rahmenbedingungen spielen für die jüngeren Lehrerinnen und Lehrer, die unter 40 Jahre alt sind, eine wichtigere Rolle. (vgl. ebd.: 7)

Bei Betrachtung der unterschiedlichen Schulformen fällt auf, dass Gründe für die Berufswahl bei Gymnasiallehrern häufiger mit dem Interesse an den Fächern zu tun haben. Besonders Grundschullehrer geben überdurchschnittlich oft den Grund an, dass sie an der Erziehung beitragen wollen sowie, dass sie gerne mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. (vgl. ebd.: 9) Es hat sich gezeigt, dass sich bei den meisten Lehrer_Innen die Erwartungen, die sie an ihren Beruf hatten, bestätigt haben (vgl. ebd.: 13). Die Weiterempfehlungsrate des Lehrerberufs ist bei Grund- und Förderschullehrern mit 68% am höchsten. Allgemein empfehlen 64% aller Befragten ihren Beruf weiter. Es lässt sich beobachten, dass die Weiterempfehlungsrate mit dem Alter abnimmt. Die wichtigsten Gründe, die gegen die Weiterempfehlung sprechen, waren der Stress, das Arbeitspensum, Überforderung und eine große Verantwortung. Aber auch schlechte Rahmenbedingungen, das Ansehen des Lehrerberufs und die zunehmende Schwierigkeit der Schülerschaft wurden als Gründe genannt (vgl. ebd.: 14f.). Diese Gründe stellen gleichzeitig Belastungen des Berufs dar.

Den Befragten wurden Maßnahmen zur Unterstützung von Lehrerinnen und Lehrern genannt. 93% bewerteten besonders ein gutes kollegiales Verhältnis als unbedingt erforderlich. Ebenso spielen eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern, eine gute Schulleitung, eine praxisorientierte Lehrerausbildung sowie Fortbildungen und ein professionelles unterstützendes Team eine Rolle (vgl. ebd.: 17). Viele dieser als erforderlich empfundenen Unterstützungsmaßnahmen sind nach Aussage der Befragten an vielen ihrer Schulen vorhanden (vgl. ebd.: 20). Eine Diskrepanz zwischen den gewünschten Unterstützungsmaßnahmen und der Realität lässt sich bei den Bereichen „der Einbindung der Schule in ein multiprofessionelles Team, Angeboten zur Gesundheitsprävention, Supervision und der Unterstützung beim Zeitmanagement“ (ebd.: 22) erkennen. Bei mangelnder Unterstützung haben 62% der Befragten schon einmal etwas unternommen. Dazu zählte das Ansprechen des Problems im Kollegium oder bei der Schulleitung. Weniger dieser Lehrerinnen und Lehrer (41%) haben sich an eine Interessenvertretung gewendet oder sich privat Hilfe organisiert (vgl. ebd.: 23f.).

Als Belastung im Lehrerberuf wurde von 85% genannt, dass Politiker den wirklichen Schulalltag nicht kennen. Auch außerschulische Aufgaben und die Heterogenität der Klassen wurden von über 60% der Befragten als Belastung angegeben (vgl. ebd.: 26). Grundschullehrer beklagen dabei überdurchschnittlich oft Konflikte mit den Eltern und mangelnde Unterstützung im Umgang mit schwierigen Schüler_Innen (vgl. ebd.: 27). Nur ein kleiner Teil der Befragten sorgt sich, den Anforderung des Berufs in der Zukunft aus körperlichen, gesundheitlichen oder psychischen Gründen nicht mehr gerecht werden zu können (vgl. ebd.: 28f.). Die Schulpolitik des jeweiligen Bundeslandes wurde in Schulnoten von 31 % der Befragten als mangelhaft oder schlechter und von 38% als ausreichend bewertet. Dabei liegt die Bewertung durchschnittlich bei der Note 4,0 (vgl. ebd.: 30).

Zusammenfassend lässt sich zum Forschungsstand zu den Herausforderung und den Erwartungen an den Lehrerberuf sagen, dass Lehrerinnen und Lehrer allgemein eine hohe Arbeitszufriedenheit, trotz vieler Belastungen, aufzeigen. Dazu passen die Ergebnisse, die zeigen, dass die Mehrheit ihren Beruf gerne machen. Grund für die Berufswahl ist häufig das Berufsbild des Lehrers. Dazu zählen besonders die Aufgaben eines Lehrers, die Wissensvermittlung und der Spaß an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Die Erwartungen an den Beruf haben sich für die meisten Lehrkräfte bestätigt, sodass die Mehrheit den Beruf weiterempfehlen würde.

Als Belastung wird vor allem der Zeitdruck angesehen. Es ließen sich ebenfalls Defizite bei der gewünschten Unterstützung von Lehrkräften in verschiedenen Bereichen erkennen. Auch die Schulpolitik wird von Lehrkräften eher negativ bewertet.

1.4 Arbeitshypothesen

Aus den Studien und der Literaturrecherche sind Hypothesen entstanden, die später im Leitfaden wieder aufgegriffen werden und eventuell auch überprüft werden. Ziel unserer Untersuchung soll auch sein, herauszufinden, wie Lehrerinnen und Lehrer handeln können, wenn sie in Stresssituationen überfordert sind. Ein weiterer Aspekt ist die Vorbereitung auf den Beruf im Studium. Dabei stellt sich die Frage, was die Universität tun kann, damit die Erwartungen bei angehenden Lehrpersonen nicht so sehr von der Realität abweichen?

Folgende Arbeitshypothesen haben sich aus dem aktuellen Forschungsstand ergeben:

1) Lehrkräfte haben trotz hoher Anspannung eine höhere Arbeitszufriedenheit als in anderen Berufsfeldern.
2) Eine Belastung im Lehrerberuf entsteht durch den Zeitdruck, insbesondere der Unterrichtsvorbereitung.
3) Die Motivation zur Arbeit zu gehen, ist generell bei Lehrpersonen sehr hoch. Insbesondere in der Grundschule ist diese Angabe sehr hoch.
4) Der Lehrerberuf hat positive Rahmenbedingungen (beispielsweise Verbeamtung), welche die Wahl des Berufs beeinflusst.
5) Im Unterschied zu Grundschullehrerinnen und -lehrern haben Lehrerinnen und Lehrer in der Sek. I und II ein höheres Interesse an ihrem Fach als in der Erziehung.
6) Die hohe Verantwortung im Lehrerberuf und die heterogene Schülerschaft stellt eine Belastung dar.
7) Nur, wenn das kollegiale Verhältnis kooperativ ist, kann von Berufszufriedenheit gesprochen werden.
8) Die Möglichkeit, Unterstützung zu erlangen ist ohne weiteres möglich und unbedingt notwendig.
9) Die Schulpolitik wird zumeist negativ bewertet.

1.5 Festlegung der Untersuchungsform

1.5.1 Auswahl der Untersuchungsebene

Um unsere Fragestellung zu beantworten, muss ein Plan erstellt werden, welcher auch Forschungsdesign genannt wird. Fragen, die dabei helfen können, eine Auswahl zu treffen, werden Joachim Behnke, Nina Baur und Nathalie Behnke (2010: 49) entnommen:

1. Welche Art von Daten müssen gesammelt werden?
2. Wie werden diese Daten ausgewählt und erhoben?
3. Wie sollen diese Daten anschließend ausgewertet werden?

Im weiteren Verlauf werden diese Fragen beantwortet. Zunächst muss jedoch die Untersuchungsebene ausgewählt werden. Es wird dabei zwischen der Primärforschung und der Sekundäranalyse unterschieden (vgl. Westle 2009: 151).

Ebene der Originialität:

“Unter einer Primärstudie versteht man ein Forschungsdesign, bei dem man Daten analysiert, deren Erhebungsinstrument man selbst konstruiert hat bzw. die man selbst erhoben hat [...]” (ebd.: 151). Im Unterschied dazu existieren bei einer Sekundäranalyse bereits Daten, die von anderen Forschern eventuell auch zu anderen Zwecken erhoben wurden (vgl. ebd.). Dies spart nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Die gesammelten Datensätze sind im Zentralarchiv für empirische Sozialforschung in Köln zu finden und können so für andere Forschungszwecken aufbereitet und genutzt werden. Nachteile bei der Verwendung von Sekundärliteratur können sein, dass alte Hypothesen und Operationalisierung teilweise übernommen werden müssen und wenn in der Forschung zuvor Fehler unterlaufen sind, werden diese ebenfalls übernommen. Des Weiteren ist die Vergleichbarkeit der Daten aus verschiedenen Erhebungen begrenzt, da sich die Grundhypothesen und Fragestellungen unterscheiden (vgl. Von Alemann/ Tönnesmann 1995: 84). In dieser Studie werden bereits erhobene Daten zur Hypothesenbildung benutzt, die beispielsweise über Forsa verfügbar gemacht wurden. Da jedoch auch eigene Daten mithilfe von Interviews erhoben und analysiert werden, ergibt sich für diese Studie eine Mischung aus der Primärforschung und der Sekundäranalyse. Die Forschungsfragen und -hypothesen in den zwei Studien haben andere Schwerpunkte, jedoch sind die Grundannahmen ähnlich und somit können diese auch als Grundlage für unseren Leitfaden dienen. In der Datenerhebungsphase muss darauf geachtet werden, dass die Interviewten nicht zu sehr in eine Richtung gelenkt werden. Der Interviewende muss sich stets bewusst machen, dass er das Gespräch durch sein Vorwissennicht zu sehr beeinflussen darf, da sonst eine Verfälschung der Ergebnisse vorliegen kann. Der Interviewende darf nicht voreingenommen in das Interview gehen, da sonst ebenfalls die Validität in Gefahr ist (vgl. ebd.: 83). Ebene der Reichweite:

In einer Vergleichsstudie werden Interviews mit anderen Interviews aus beispielsweise anderen Ländern verglichen, um Erkenntnisse zu gewinnen und zu überprüfen (vgl. ebd.: 85). Dabei wird eine größere Zahl von Fällen betrachtet und diese bezüglich der Fragestellung analysiert (vgl. ebd.: 85). Dies kann in dieser Studie nur teilweise geschehen, da die Aussagen unserer Interviewpartner mit den Ergebnissen der bereits beschriebenen Studien verglichen werden könnten. Es kann auch von einer Fallstudie gesprochen werden, da vier Interviews eher als Einzelfall gelten und diese als Antwort bezüglich unserer Fragestellung dienen sollen.

Zeitebene:

Es wird zwischen der diachronischen Analyse und der Querschnittsanalyse unterschieden (vgl. ebd.: 86). “Bei einer diachronischen Analyse werden zu verschiedenen Zeitpunkten Beobachtungen an denselben oder verschiedenen Untersuchungsobjekten vorgenommen” (ebd.: 86). Dies ist hier der Fall, da die Interviews nicht alle zum gleichen Zeitpunkt geführt wurden. Außerdem wird vergleichend analysiert, wie sich die Meinungen und Erwartungen im Lehramtsstudium über die Jahre verändert hat.

Auswahlebene:

Fortfolgend muss sich die Forscherin oder der Forscher entscheiden, ob die Studie eine Vollerhebung sein soll oder ob nur eine Auswahl getroffen werden soll (vgl. ebd.: 87). Im Folgenden wird nur eine Auswahl getroffen, die nicht repräsentativ ist. Trotz dessen kann eine Überprüfung anhand bereits erhobener Daten vorgenommen werden. Nachteilig bei dieser Methode ist, dass die Vergleichbarkeit der Ergebnisse nicht gesichert ist.

Akteur/Systemebene:

Diese Forschungsarbeit befasst sich mit der Akteursebene, da hier subjektive Meinungen und Haltungen von Einzelpersonen untersucht werden. Dies ist allerdings nicht immer so auf der Akteursebene, denn es können durchaus auch kollektive Akteure wie beispielsweise die Schule untersucht werden (vgl. ebd.: 90).

Realitätsebene:

Hier spielt die Unterscheidung zwischen der Feldforschung und der experimentellen Forschung eine große Rolle. Da diese Forschungsarbeit nur eine kleine eigene Erhebung durchführt, welche bereits vorhandene Thesen unterstützt oder widerlegt, kann hier minimal von einer Feldforschung gesprochen werden.

1.5.2 Das Projektdesign

Die vorliegende Studie mit dem Titel “Der Lehramtsberuf: Erwartungen und unerwartete Herausforderungen” wird im Rahmen des Seminars “Forschendes Lernen im Wohlfahrtsstaat” konzipiert. Es geht zentral um die Erfahrungen junger Lehrer und Lehrerinnen im Berufsalltag, im Vergleich zu den Erwartungen, die diese an den Lehramtsberuf hatten. Da die Verfasser selbst Lehramt studieren, ist es natürlich ein persönliches Anliegen, herauszufinden, welche Herausforderungen im Berufsalltag auftreten können.

Im Folgenden wird der wissenschaftliche Prozess und die Vorgehensweise genauer erläutert. Dies ist besonders wichtig, da dem Forscher und der Forscherin stets zu jedem Punkt bewusst sein muss, warum genau die Methode für das Erkenntnisinteresse besonders geeignet ist. Als erstes wird sich mit dem Problem genauer auseinandergesetzt. Dazu werden verschiedene Studien untersucht. Der theoretische Hintergrund gibt der Arbeit eine Zielrichtung. Daraus ergeben sich die bereits genannten Arbeitshypothesen. Diese sind unterstützend bei der Methodenwahl und auch später bei der Auswertung.In 1.1 und 1.4 wurden Fragen vorgestellt, die bei der Auswahl des Projektdesigns unterstützen. Diese werden nun beantwortet. In dieser Forschungsarbeit wird die soziale Wirklichkeit untersucht und der Schwerpunkt liegt auf dem Verhalten beziehungsweise den Meinungen in natürlichen Situationen, auch Feld genannt (vgl. Atteslander 2010: 54). Um viele neue Erkenntnisse zu erlangen, ist es sinnvoll, eine Befragung durchzuführen. Es werden vier Leitfadeninterviews durchgeführt, die zwischen 15 bis 30 Minuten dauern. Diese werden zum einen über Skype und persönlich durchgeführt. Der Leitfaden basiert nicht nur auf der Literaturrecherche, sondern auch auf den daraus resultierenden Arbeitshypothesen.

Es hängt von der Fragestellung ab, welches Forschungsdesign gewählt wird, da dieses die Ergebnisse und Datenerhebung beeinflusst (vgl. Przyborski/ Wohlrab-Sahr 2014: 117). Es ist wichtig, dass sich das Forschungsteam mit dem Erkenntnisinteresse auseinandersetzt. Außerdem müssen Erhebungs- und Auswertungsverfahren kritisch hinterfragt werden und das Forschungsfeld muss bestimmt werden (vgl. ebd.: 117ff.). Nicht selten wird dem Lehrerberuf zugeschrieben, dass dieser mit viel Freizeit verbunden ist und Lehrende trotzdem unter enormen Stress leiden. Diese widersprüchlichen Assoziationen wurden in Studien untersucht. In dieser Forschungsarbeit wird untersucht, ob wir diese Hypothesen falsifizieren oder verifizieren können. Es werden nicht nur Grundschullehrer und -lehrerinnen befragt, sondern auch einen Realschullehrer. Es ist interessant, herauszufinden, ob sich die Einschätzungen ähneln oder ob die Schulform die Belastung beeinflusst.

Die Interviews werden anschließend mithilfe von einer Inhaltsanalyse ausgewertet und verglichen. Dazu werden durch die Forschenden konsensuell Kategorien erstellt, in denen Sätze oder Phrasen der Interviewten eingeteilt werden, um die Vergleichbarkeit zu sichern. Es ist essentiell, dass dem Forschungsteam dabei jedes Mal bewusst ist, wieso dieser Satz in die Kategorie fällt. Die Indikatoren der Kategorien müssen ebenfalls eindeutig sein, denn nur so ist die Messbarkeit der Daten gesichert. Außerdem werden die Interviews intersubjektiv ausgewertet und das Forschungsteam muss immer im Diskurs stehen, um die Interkoderreabilität zu sichern. Am Ende der Forschungsarbeit werden die Ergebnisse zusammengefasst und die Arbeit wird reflektiert.

2 Hauptstufe II: Das Material

Bei jeder Forschung steht das verwendete Material im Mittelpunkt, da mit diesem gearbeitet wird und dieses über die hervorgebrachten Ergebnisse der Forschung entscheidet. Die Materialstufe bildet nach Alemann (1995) den wichtigsten Teil einer Forschungsarbeit. Diese Stufe wird dabei in vier Schritte, die nacheinander thematisiert und auch während der Forschung in dieser Reihenfolge bearbeitet werden sollten, unterteilt. Dazu zählt die Methodenauswahl, die Operationalisierung, die Datenerhebung sowie die anschließende Datenauswertung (vgl. Alemann 1995: 96).

2.1 Darstellung und Begründung der Methodenwahl

Nachdem die Forschungsfragen und auch die Analyseebenen vorangegangen festgelegt wurden, geht es folgend um die praktische Planung der Forschung. Dabei muss sich nicht zwangsweise auf eine Methode festgelegt werden. Es ist auch möglich, verschiedene Methoden miteinander zu kombinieren. Grundlegend existieren zwei Arten der Forschung, über die sich der Forschende zu Beginn seiner Arbeit ein Bild machen sollte. Einerseits die quantitativ-empirische Forschung und andererseits die qualitative Forschung. Die quantitative Forschung findet in den Naturwissenschaften und den Sozialwissenschaften Anwendung. Dabei stehen Methoden wie das Experiment, die Beobachtung oder die Befragung im Vordergrund. Typisch für diese Forschungsrichtung ist eine hohe Anzahl an Befragten. (vgl. ebd.: 65) Eine quantitative Forschung zeichnet sich dadurch aus, dass sie erklären will. Mit dem Begriff der externen Validität wird die Generalisierbarkeit der Forschungsergebnisse beschrieben. Der Anspruch der Forschung besteht darin, dass die Ergebnisse auch außerhalb der Untersuchungssituation gültig sein sollen. Die interne Validität setzt voraus, dass den Ergebnissen keine fehlerhaften Kausalhypothesen zugrunde liegen. Bei dieser Methode ist das Operationalisieren der theoretischen Begriffe entscheidend. Für einen Begriff müssen Indikatoren aufgestellt werden, das heißt, dass der Begriff wird operationalisierbar, also messbar, gemacht. Sind diese Indikatoren nicht zutreffend oder ungenau, so überträgt sich dies auch auf die Ergebnisse. Der Forscher kann sich demnach nie hundertprozentig sicher sein, ob das Richtige gemessen wurde (vgl. ebd.: 61f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Der Lehramtsberuf. Erwartungen und unerwartete Herausforderungen
Untertitel
Eine Interviewstudie
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Erziehungs- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Forschendes Lernen
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
47
Katalognummer
V497970
ISBN (eBook)
9783346013637
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lehramtsberuf, erwartungen, herausforderungen, eine, interviewstudie
Arbeit zitieren
Emma Hinz (Autor), 2018, Der Lehramtsberuf. Erwartungen und unerwartete Herausforderungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497970

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