Behandlung der Migrations- und Flüchtlingsthematiken in der Krimireihe "Tatort"


Bachelorarbeit, 2019

33 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 . Einleitung: Bedeutung der Krimireihe Tatort in der deutschen Gesellschaft

2 . Politainment im Tatort: Die Sendung als ›Spiegel der Gesellschaft‹?

3 . Entwicklung der Flüchtlingsthematik in Deutschland
3.1 Historischer Verlauf
3.2 Flüchtende und Fluchtursachen
3.3 Ablauf des Asylverfahrens

4 . Detailanalyse der Tatorte
4.1 Im gelobten Land (2016)
4.2 Am Ende geht man nackt (2017)
4.3 Alles was Sie sagen (2018)

5 . Resümee: Umgang mit Migrations- und Flüchtlingsthematiken in aktuellen Tatorten

6 . Fazit

7 . Abbildungsverzeichnis27

8 . Quellenverzeichnis
8.1 Bibliographie
8.2 Bildnachweise

1. Einleitung: Bedeutung der Krimireihe Tatort in der deutschen Gesellschaft

„Wer den Tatort nicht regelmäßig anschaut, kennt ihn zumindest und weiß damit ein kulturelles Produkt von anscheinend besonderer Bedeutung zu verbinden.“1 Es sei dahingestellt, ob die Krimireihe der ARD nun aufgrund ihrer bisweilen mehr oder minder gelungenen Kriminalfälle oder aber wegen ihres kulturellen Status im vergangenen Jahr durchschnittlich circa acht Millionen Zuschauer jeden Sonntag- abend vor die Fernsehbildschirme zog, der Marktanteil der Sendung von 23,6 % spricht in jedem Fall eindeutig für den Erfolg der Serie.2 Nicht umsonst wird die Krimireihe als „letzte identitätsstiftende Einheit der Bundesrepublik“3 bezeichnet, denn keine andere fiktionale Fernsehsendung kann seit ihrer Erstausstrahlung 1970 so viele Erfolge verzeichnen wie der Tatort, was größtenteils der Konzeption der Serie zuzuschreiben ist.4 Dieses Konzept setzt sich aus den vier Aspekten „Aktuali- tät, Realismus, Regionalismus und Aufklärung“5 zusammen. Es ermöglicht der Reihe, gesellschaftliche Diskurse zu stimulieren, diese zu prägen und zu bereichern, weshalb der Tatort einen gesellschaftlich sowie medial relevanten Sektor medien- philologischen Interesses markiert.6 Medientheoretiker Reinhold Viehoff spricht dem Kriminalgenre und damit einhergehend auch dem Tatort ebenfalls eine wich- tige Rolle zu, denn dieses nehme laut ihm gesellschaftliche Dynamik aber gleich- zeitig auch mediale Veränderungen auf, verarbeite diese und spiegele sie dann wi- der, wie kaum ein anderes Genre das vermag.7 So verfolgt die Serie das Ziel, den Zuschauer über immer erneut wiederkehrende Konflikte und Problemlagen sowie allgemein drängenden und unterrepräsentierten gesellschaftlichen Konsens zu in- formieren und aufzuklären.8 Dies geschieht in den sogenannten Themen-Tatorten, in denen gesellschaftspolitisch relevante Themen in die Genrenarrative eingebun- den werden9, und mithilfe derer so Sozial- beziehungsweise Gesellschaftskritik aus- geübt wird.10

Ein im Tatort seit den letzten Jahren frequent thematisiertes gesellschaftspoliti- sches Sujet, stellt die Migrations- beziehungsweise Flüchtlingsthematik dar. Die große Fluchtwelle 2015, bei der weltweilt 65,3 Millionen Menschen aus ihren Heimatländern flüchteten11, führte zu erheblichen Diskussionen in der Öffentlich- keit. Daher ist es aus medienwissenschaftlicher Perspektive unumgänglich zu un- tersuchen, auf welche Weise die präsenten Medien der Mehrheitsgesellschaft mit etwaigen ethnischen Minderheiten verfahren und wie diese dort thematisiert wer- den. Das Anliegen der vorliegenden Arbeit ist es daher, anhand von drei ausgewähl- ten Tatort- Folgen herauszuarbeiten, wie Migrations- und Flüchtlingsthematiken in der Serie behandelt werden und welche potentielle Kritik damit an der Gesellschaft geübt wird. Eingangs erfolgt ein kurzer Überblick zum Begriff des ‚Politainment‘12, anhand dessen herausgearbeitet werden soll, inwieweit der Tatort als ‚Spiegel der Gesellschaft‘ fungiert und welche Importanz der Reihe zukommt. Um die Tatort - Folgen später angemessen analysieren zu können, gibt Kapitel 3 eine Übersicht über die Entwicklung der Flüchtlingsthematik in Deutschland, mit speziellem Blick auf das aktuelle Asylverfahren, da Zwangsabschiebungen und illegaler Aufenthalt im Tatort häufig Thema sind (Vgl. exemplarisch Im gelobten Land 2016). Daraufhin folgt die Analyse drei ausgewählter Folgen des Tatort in Kapitel 4, deren Ergebnisse dann im darauffolgenden Kapitel ausgewertet werden. Die gewonnenen Erkennt- nisse sollen plausible Rückschlüsse darauf geben, inwieweit der Tatort Migrations- und Flüchtlingsthematiken behandelt und wie die Krimireihe damit Kritik an der Gesellschaft übt.

2. Politainment im Tatort: Die Sendung als ›Spiegel der Gesellschaft‹?

Dass ein Theater und die Politik mehr gemein haben als vermutet, erkannte bereits Friedrich Schiller 1785 in seiner Rede ‚Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet‘. Schiller deklarierte darin, dass die sogenannte Schaubühne eine mora- lische und gesellschaftspolitische Anstalt sei und als Instrument der Aufklärung fungiere.13 Dies lässt sich auch auf die Fernseh- beziehungsweise Unterhaltungsfor- mate der heutigen Zeit übertragen, die als technologisierte Nachfolger des Theaters und der Schaubühne gesehen werden können. Auch in diesen aktuellen Formaten findet sich ein enges Zusammenspiel aus unterhaltenden und politischen Elemen- ten wieder. Medienwissenschaftler Andreas Dörner hat für dieses Phänomen den Begriff ‚Politainment‘ entwickelt, der sich aus den Worten ‚Politik‘ und ‚Entertain- ment‘ zusammensetzt und für die Verflochtenheit dieser Begriffe steht.14 So be- zeichnet Politainment genauer eine bestimmte Form der öffentlichen, massenmedial vermittelten Kommunikation, in der politische Themen, Akteure, Prozesse, Deutungsmuster, Identitäten und Sinnentwürfe im Modus der Unterhaltung zu einer neuen Realität des Politischen montiert werden. Diese neue Realität konstruiert den Erfahrungsraum, in dem den Bürgern heutzutage typischer- weise Politik zugänglich wird.“15

Unterhaltende Rahmungen sind daher mittlerweile zu einer unumgehbaren Bedin- gung der politischen Kommunikation geworden. 16 Mittels Politainment soll dem Rezipienten mit professionellen, ästhetischen Mitteln der Unterhaltung ein emoti- onaler Zugang zur politischen Welt eröffnet werden. 17 Jeden Sonntag zur Primetime ist dies auch im Tatort zu beobachten: Die Reihe behandelt – im Sinne des klassi- schen Rundfunkauftrages von Information und Unterhaltung18 – realistisch aktu- elle, virulente Themen unserer Zeit und spiegelt so den bundesrepublikanischen Alltag wider.19 Sogenannte Themen- Tatorte, in denen aktueller gesellschaftlicher Konsens mit dem genretypischen Detektionsgeschehen (Rekonstruktion der Tat, Decouvrieren des Täters, Wiederherstellen der Ordnung20 ) verflochten wird, er- möglichen es dem Zuschauer, unterhaltsame Zugänge zu komplexen Themen zu erlangen.21 Besonders häufig auftretende Themen-Konjunkturen der letzten Jahre sind beispielsweise Alkoholismus in unterschiedlichen Milieus, sexuelle Identität und Gender, sowie Migrations- und Flüchtlingsthematiken.22 Aufgrund jenes im Tatort eingebundenen gesellschaftspolitischen Konsenses, geht Medienwissen- schaftlerin Joan Kristin Bleicher sogar so weit zu sagen, die Krimi-Reihe fungiere als „reflexibler Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen.“23 Knut Hickethier schreibt der Reihe indes seismografische Fähigkeiten zu und bezeichnet sie als „Me- tapher für die Befindlichkeit der Gesellschaft.“24

Der Film ‚E in Tag wie jeder andere‘ vom 24.02.2019 ist ein exemplarisches Beispiel dafür, dass der Tatort tatsächlich als „Objekt und Motor des öffentlichen Diskur- ses“25 dient. In dem Franken- Tatort verliert eine schwangere Frau ihr Kind, nach- dem sie zuvor dioxinverseuchte Milch getrunken hatte. Der Milchverkäufer kommt allerdings ohne schwerwiegende rechtliche Folgen davon, da eine Selbstanzeige dazu führte, dass alle Beweise im späteren Gerichtsverfahren nicht gegen ihn ver- wendet werden durften. Dies lässt sich auf die gegenwärtige Situation in Deutschland übertragen: Die Diskussion um Lebensmittelverseuchung und um die rechtliche Verpflichtung der Konzerne auf regelmäßige Lebensmittelkontrollen ist seit mehreren Jahren aktuell.26 Gesundheitlich unerwünschte Stoffe gelangen über die Umwelt in Futtermittel und werden so vom Menschen über hauptsächlich tie- rische Nahrungsmittel zu sich genommen, was zu schwerwiegenden Folgen führen kann.27

Unter anderem dieses exemplarische Beispiel zeigt, dass sich der Tatort über die Jahre zum Spiegel der Gesellschaft entwickelte, welcher sämtliche gesellschaftspo- litische Änderungen reflektiert28, wenn auch oft mit zeitlicher Verzögerung. Die Filme der Reihe lassen demnach Politisches und Populäres miteinander verschmel- zen, indem sie

„in der medialen Erlebnisgesellschaft im öffentlich-rechtlichen Sinne Politisches – verstan- den als Be- und Verarbeitung von gesellschaftlichen Problemen – für viele leicht und rela- tiv voraussetzungslos zugänglich machen, Aufmerksamkeiten und Problemlagen lenken und Diskussionsstoff bereitstellen.“29

Diese für viele leicht und voraussetzungslose Zugänglichkeit wird hauptsächlich durch die Konzeption der Figuren, sogenannten Thementrägern ermöglicht. Jene tragen durch ihr Handeln zur Signifikation des Themas bei und stellen somit den Nukleus von Politainment dar, denn das Wissen, das der Rezipient erhält, hängt von dem ab, was über die Thementräger gesagt beziehungsweise gezeigt wird. 30

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass der Tatort weit mehr als nur reines Unterhaltungsformat ist. Gesellschaftspolitisch aktuelle Themen werden unter dem Aspekt der Unterhaltung vermittelt und bereiten dem Rezipienten somit einen emotionalen Zugang zur politischen Situation und der bundesdeutschen Wirklich- keit . Daraus folgt, dass sich die Reihe ebenfalls als eine gesellschaftspolitische An- stalt im Sinne Schillers darstellen lässt und als Instrument zur Aufklärung dient. Allerdings können Themen- Tatorte nur kleine Wissenspartikel aus großen The- menkomplexen bereitstellen, da der Unterhaltungsaspekt der Reihe im Vorder- grund steht. So kann die Aufmerksamkeit der Rezipienten zwar auf gesellschafts- politische Fragestellungen sowie Problemlagen gelenkt werden, mehr kann die Krimi-Reihe an dieser Stelle allerdings nicht bewirken.31

Eine solche gesellschaftspolitische Problemlage stellt das erhöhte Flüchtlingsauf- kommen in Europa seit einigen Jahren dar. Das nachfolgende Kapitel soll die Ent- wicklungen der Flüchtlingskrise in Deutschland skizzieren, damit der Themenkomplex Migration und Flüchtlinge im Tatort später adäquat untersucht werden kann.

3. Entwicklung der Flüchtlingsthematik in Deutschland

Das Jahr 2015 war geprägt von einer massiven, nicht kontrollierbaren Zuflucht in- ternationaler Schutzsuchender in überwiegend europäische Länder. Nach Deutsch- land flüchteten 2015 und 2016 mehr als eine Million Menschen, weshalb postwen- dend von einer sogenannten ‚Flüchtlingskrise‘32 gesprochen wurde.33 Diese nahm rasch einen großen Teil der medialen Berichterstattungen ein und sorgte für Auf- nahmen, die so schnell nicht zu vergessen sind: Bilder von Menschen, die im Mit- telmeer tot oder lebendig geborgen werden, von erstickten Flüchtigen in einem Kühlwagen in Österreich oder von dem kleinen Jungen Aylan Kurdi, der auf seiner Flucht aus Syrien im Meer ertrank.34 Doch auch bereits lange vor der extremen Zuwanderung 2015 flüchteten sich Menschen aufgrund verschiedener Ursachen in andere Städte oder Länder. Mit dem Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge, auch Genfer Flüchtlingskonvention genannt, wird für diese Menschen 1951 der Fachbegriff ‚Flüchtling‘ definiert. Ein Flüchtling ist demnach eine Person,

„die […] aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali- tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Über- zeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtun- gen nicht in Anspruch nehmen will; oder die sich als staatenlose infolge solcher Ereignisse außerhalb des Landes befindet, in welchem sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt hatte, und nicht dorthin zurückkehren kann oder wegen der erwähnten Befürchtungen nicht dorthin zurückkehren will.“35

Seit wann und in welchem Ausmaß Menschen nach Europa und speziell nach Deutschland flüchten, was deren Fluchtursachen sind und wie in Deutschland ak- tuell mit der Flüchtlingsthematik umgegangen wird, zeigt das folgende Kapitel.

3.1 Historischer Verlauf

Bereits seit dem 19. Jahrhundert konnte ein erhöhtes Aufkommen an Flüchtigen verzeichnet werden. So flüchteten von 1821 bis 1924 rund 55 Millionen Menschen aufgrund von Kolonialisierung und Entkolonialisierung von Europa in fernere Län- der. Nach den beiden Weltkriegen erfolgte dann eine Massenflucht innerhalb Eu- ropas, bei der viele Menschen in wohlhabenderen Ländern wie beispielsweise Deutschland Schutz suchten. Wenig später, um 1950, unterlag Deutschland auf- grund eines rasanten Wirtschaftswachstums einem Arbeitskräftemangel, weshalb speziell in der BRD ausländische Arbeitskräfte angeworben wurden. Die wirtschaft- liche Blütezeit fand dann wenige Jahre später durch die erste Ölkrise 1973 ein Ende, was zu einem Anwerbestopp für Gastarbeiter aus Nicht-EU-Staaten führte36, die Asylverfahren beschränkten sich ab sofort nahezu auf Osteuropäer.37

Erst Anfang der neunziger Jahre stieg die Zahl der Zuwanderungen nach Deutsch- land wieder an und erreichte wenige Jahre später ihren bisherig gemessenen Höchststand. Gründe hierfür waren beispielsweise der Fall des Eisernen Vorhangs ab 1989 und Kriege im ehemaligen Jugoslawien und der Türkei. Aufgrund der hohen Zuwanderungsrate, folgte noch im gleichen Jahr die Änderung des Asylparagrafen im Grundgesetz (1992 noch Artikel 16). Dieser besagte bisher: „Politisch Verfolgte genießen Asylrecht“38 ‚ wurde dann aber durch die europaweite Einführung der so- genannten Drittstaatenregelung erweitert.39 Diese Regelung legt fest, dass Perso- nen, die aus einem sicheren Drittland einreisen, nun mehr keine Asylanträge stellen dürfen. Bis 2008 verringerte sich die Zahl der in Deutschland wohnhaften Auslän- der und Ausländerinnen von zuvor 7,5 Millionen auf 7,2 Millionen und auch die Zahl der gestellten Erstanträge schrumpfte in diesem Jahr auf knapp unter 30.000.40

Fünf Jahre später, Ende 2013, kam dann eine erneute Welle der Flucht auf Europa zu: „Weltweit sind […] so viele Menschen auf der Flucht wie seit dem Zweiten Welt- krieg nicht mehr.“41 Besonders aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Somalia flüch- teten sich zahlreiche Menschen aufgrund dortiger kriegerischer Auseinanderset- zungen, unter anderem mit der Terrormiliz IS.42 Mehr als eine Million Menschen trat 2015 dann die Einwanderung über das Mittelmeer in die EU an. Eines der ersten Ankunftsländer war Griechenland, 848.000 Flüchtlinge erreichten hier die Küs- ten.43 Ebenfalls ein beliebtes Ziel für Flüchtlinge auf dem Mittelmeer war Ungarn, welches die Einreise der Schutzsuchenden jedoch vehement zu verweigern ver- suchte. So erklärte sich Deutschland bereit, die Flüchtlinge trotz fehlender Regist- rierung aufzunehmen, weshalb auch andere Staaten die eingetroffenen Menschenmassen unter anderem an die Bundesrepublik verwiesen.44 Insgesamt flüchteten sich so bis 2016 rund eine Million Menschen nach Deutschland.45 Dies führte zu einer europaweiten gesellschaftlichen Debatte im Hinblick auf die Aus- richtung der Asyl- und Flüchtlingspolitik sowie der Integration von Flüchtlingen, und brachte die Etablierung fremdenfeindlicher Bewegungen mit sich, welche sich in Deutschland durch Organisationen wie ‚Pegida‘ oder Parteien wie der ‚AfD‘ äu- ßerten.46 Um den unkontrollierbaren Andrang von Flüchtlingen in den Griff zu be- kommen, verstärkte die Bundesregierung dann bereits im September 2015 Grenz- kontrollen. So wurde vielen Menschen an Grenzen und Flughäfen die Einreise nach Deutschland verweigert, es kann von einer massenhaften Abschiebung gesprochen werden.47

Die Lage konnte sich wenig später mit einer Verschärfung des Asylverfahrens wie- der beruhigen, weshalb sich die Asylantragszahlen in den vergangenen zwei Jahren stark rückentwickelten. Während 2016 noch 745.000 Asylanträge gestellt wurden, stellen 2017 222.000 Schutzsuchende einen Antrag, ein Jahr später sind es dann le- diglich nur 185.000 Menschen. In den ersten fünf Monaten des aktuellen Jahres 2019 beantragten noch rund 74.000 Personen Asyl in Deutschland (Abb.1).48

Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass Deutschland schon seit vielen Jah- ren ein beliebtes Land für Einwanderung beziehungsweise Migration ist. Die Jahre zwischen 1956 und 1960 können als „Boomjahre der Anwerbung“49 bezeichnet wer- den, weshalb 1956 bereits 16.000 Personen einen Asylantrag stellten, das sind 14.000 Menschen mehr als im Jahr zuvor (Abb.1). Nach der Schließung des Eisernen Vor- hangs, die 1989 bei der Grenzöffnung zwischen Österreich und Ungarn ihre An- fänge fand,50 und aufgrund von Kriegen im ehemaligen Jugoslawien und der Türkei, kamen massenhaft Menschen in die Bundesrepublik. Der zuvorige Höchstwert von 438.000 Asylsuchenden konnte 1992 erzielt werden (Abb.1). Erst 2016 wurde dieser Wert dann überschritten: Aufgrund kriegerischer Auseinandersetzungen in Afgha- nistan, Syrien, Somalia und dem Irak stellten 745.000 Menschen in Hoffnung auf Schutz einen Asylantrag in Deutschland (Abb. 1).

Insgesamt kamen seit 1953 5,8 Millionen Asylbewerber nach Deutschland. Zwischen 1953 und 1989 wurden 0,9 Millionen Menschen verzeichnet, seit 1990 sind es dann 4,9 Millionen Neuzugänge (Abb.1). Dies spiegelt wiederum deutlich die zuvor genannte Fluchtwelle von 2015/2016 wider, die die mediale Berichterstattung größ- tenteils einnahm und in nächster Zeit nicht mehr zu vergessen sein wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Entwick- lung der Asylantrags- zahlen seit 1953. (Bun- desamt für Migration und Flüchtlinge, 2019).

3.2 Flüchtende und Fluchtursachen

Eine Flucht in eine andere Stadt, ein anderes Land oder gar auf einen anderen Kon- tinent, kann auf unterschiedlichen Ursachen basieren. Besonders schwerwiegende, jedoch sehr alltägliche Ursachen für eine Flucht, stellen kriegerische Auseinander- setzungen sowie Gewalt dar.51 „Kriege führen zu humanitären Missständen, zur Zer- störung von Lebensraum, zur Bedrohung des Lebens, zu Armut und Hunger.“52

[...]


1 Gräf (2010, S.8).

2 Vgl. Statista (2018).

3 Reich (2015).

4 Vgl. Hißnauer et al (2014a, S.8).

5 Hißnauer et al (2014b, S.23).

6 Vgl. Gräf (2010, S.9).

7 Vgl. Viehoff (2005, S.101).

8 Vgl. Buhl (2014, S.77).

9 Vgl. Ebd. (S.75).

10 Vgl. Thiele (2005, S.204).

11 Vgl. UNHCR Global Trends (2014).

12 Vgl. Dörner (2001).

13 Vgl. Schiller (1785, S.1).

14 Vgl. Dörner (2001, S.31).

15 Dörner (2001, S.31).

16 Vgl. Dörner & Vogt (2012, S.19).

17 Vgl. Dörner (2001, S.34).

18 Vgl. Thiele (2005, S.182).

19 Vgl. Hißnauer et al (2014b, S.12).

20 Vgl. Lange (2007, S.109).

21 Vgl. Buhl (2018, S.13f.).

22 Vgl. Buhl (2014, S.76).

23 Bleicher (2014, S.96).

24 Hickethier (2005, S.28).

25 Reich (2015).

26 Vgl. Wolfschmidt (2016).

27 Vgl. Kistner (2019).

28 Vgl. Bartetzko (2005).

29 Buhl (2014, S.70).

30 Vgl. Mikos (2013, S.163,233).

31 Vgl. Buhl (2014, S.82).

32 Im Folgenden wird der Begriff ‚Flüchtlingskrise‘ stellvertretend für die Phase der extremen Zuwanderung nach Deutschland seit 2015 verwendet. Diesem Begriff ist keine negative Wertung der Autorin beizumessen.

33 Vgl. Kalb (2016, S.3).

34 Vgl. Schächterle (2016, S.8).

35 Genfer Flüchtlingskonvention (1951, Kapitel 1, Artikel 1).

36 Vgl. Kalb (2010, S.3).

37 Vgl. Seifert (2012).

38 Art. 16a GG.

39 Vgl. Kalb (2010, S.3f.).

40 Vgl. Ebd.

41 Kalb (2016, S.3).

42 Vgl. Kalb (2016, S.3).

43 Vgl. UNHCR Global Trends (2015).

44 Vgl. Kalb (2016, S.4).

45 Vgl. Ebd. (S.3).

46 Vgl. Ebd. (S.3).

47 Vgl. Schächterle (2016, S.8).

48 Vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2019, S.5).

49 Seifert (2012).

50 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2009).

51 Vgl. Schächterle (2016, S.9).

52 Kalb (2016, S.3).

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Behandlung der Migrations- und Flüchtlingsthematiken in der Krimireihe "Tatort"
Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,5
Autor
Jahr
2019
Seiten
33
Katalognummer
V498801
ISBN (eBook)
9783346025678
ISBN (Buch)
9783346025685
Sprache
Deutsch
Schlagworte
behandlung, migrations-, flüchtlingsthematiken, krimireihe
Arbeit zitieren
Nina Stahlberger (Autor), 2019, Behandlung der Migrations- und Flüchtlingsthematiken in der Krimireihe "Tatort", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498801

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