Interkulturelle Kommunikation und Globalisierung. Eine literaturwissenschaftliche Untersuchung der Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa


Diplomarbeit, 2018

78 Seiten, Note: 16,50/20


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Widmung

Vorwort

Résumé

Abstractiv

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Zum Thema und Forschungsrelevanz
1.2 Zu Problemstellung und Forschungshypothesen
1.3 Zum Stand der Forschung und Forschungsziel
1.4 Methodische Überlegungen
1.5 Zum Aufbau der Arbeit

2. Begriffsbestimmung
2.1 Kultur
2.2 Inter-, Multi-, Transkulturalität
2.3 Kommunikation
2.4 Interkulturelle Kommunikation und Mediation
2.5 Kompetentes Verhalten
2.6 Zusammenarbeit und Globalisierung

3 Allgemeine Orientierungen der interkulturellen Kommunikation und Globalisierung
3.1 Probleme interkultureller Kommunikation und Globalisierung
3.1.1 Das Fremde und Strategien der Gruppenausschließung
3.1.2 Multikulturalität als Problem interkultureller Kommunikation
3.2 Interkulturalität als Potential internationaler Zusammenarbeit
3.2.1 Zum notwendigen interkulturellen Lernen
3.2.2 Interkultureller Dialog als Moment internationaler Zusammenarbeit
3.2.3 Interkulturelle Kommunikation: Appell an die Globalisierung

4 Interkulturelle Kommunikation und Kooperation zwischen Afrika und Europa in der kolonialen und postkolonialen Literatur: Formen, Probleme und Perspektiven
4.1 Das Reisemotiv als Brücke zu Dialog, Identitätsbildung und Entwicklung
4.1.1 Zu Hanno
4.1.2 Zu David Hohl
4.1.3 Zu Friedrich Ganse
4.2 Rahmenbedingungen zur Kooperation- Formen, Grenzen und Möglichkeiten
4.2.1 Auf dem Strom: Missionsarbeit, Tradition und Überwindung kolonialer Ideologie
4.2.1.1 Zwischen Missionsarbeit und kolonialer Ideologie
4.2.1.2 Zwischen Tradition und Modernität
4.2.1.3 Zur Aufgabe der Religion für die Entwicklung
4.2.2 Hundert Tage: Genozid, Entwicklungshilfe und Perspektiven
4.2.2.1 Zwischen Entwicklungshilfe und Genozid
4.2.2.1.1 Historisch politische und kulturelle Konturen des Genozids
4.2.2.1.2 Genozid und gescheiterte Entwicklungshilfe
4.2.2.2 Hundert Tage: Perspektiven für die Entwicklung Afrikas
4.2.2.2.1 Kooperation und gemeinsame koloniale Vergangenheit?
Ein Appell zum Bewusstsein
4.2.2.2.2 Vergangenheitsbewältigung, interkultureller Dialog und Zivilengagement
4.2.3 E-Mails aus Afrika: Flussblindheit, Sozialhilfe und Perspektivwechsel
4.2.3.1 Zu Problemen der Entwicklung
4.2.3.2 Formen der Kooperation und Möglichkeiten für die Entwicklung
4.3 Potentiale interkultureller Literaturwissenschaft für die Entwicklung
4.3.1 Zur Psychotherapie als Methode der Literaturwissenschaft
4.3.1.1 Zur Diagnose eines Paradox des Verstehens
4.3.1.2 Zur „afrikanischen Renaissance“: Das Entwicklungsbewusstsein fördern
4.3.2 Zur kolonialen und postkolonialen Entwicklungsliteratur
4.3.2.1 Analysekategorien der Entwicklungsliteratur
4.3.2.2 Entwicklungsliteratur im afrikanischen Germanistikstudium
4.3.2.2.1 (Historische) Kolonialliteratur zu Afrika
4.3.2.2.2 Postkoloniale Krisenliteratur zu Afrika

5 Interkulturelle Bildung in Hochschule und Lehrpraxis
5.1 Interkulturelle Hochschulbildung und Alternativen für Entwicklungsmanagement
5.2 Interkulturelle Bildung an der ENS: Eine Alternative für Kooperationsmanagement
5.3 DaF-Unterricht als Entwicklungsplattform
5.3.1 Kompetenzorientierten DaF-Unterricht fördern
5.3.2 Jugendinitiativen im DaF-Unterricht fördern

Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1. Primärliteratur

2. Sekundärliteratur
2.1 Bücher und Aufsätze
2.2 Wörterbücher
2.3 Online-Bücher und Artikel

3. Sonstiges

Vorwort

Das Thema der vorliegenden Untersuchung –Interkulturelle Kommunikation und Globalisierung- steht in Einklang mit dem Werk Ethnosociologie des échanges interculturels (Dibie/Wulf 1998) und Kum’a Ndumbes III Wettkampf um die Globalisierung Afrikas (2006). Bei Dibie/Wulf handelt es sich um die interkulturelle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich. Bei Ndumbe III wird an die Renaissance und Globalisierung Afrikas appelliert. Dass die beiden Werke die Aufgabe interkultureller Kommunikation in internationalen Verflechtungen untersuchen, erweckte mein Interesse an diesem Forschungsthema.

Besonders herausfordernd für diese Arbeit war die Abgrenzung des Forschungsthemas, zumal es in der heutigen literaturwissenschaftlichen Fachdiskussion wenig untersucht wurde. Aus diesem Grund war der Zugang zu einer entsprechenden Fachliteratur schwierig. Die Arbeit mit drei literarischen Texten war auch anspruchsvoll. Ich habe mich in letzter Minute entmutigen können, da ich dieses Jahr sehr krank geworden bin. Aber dank vieler Personen habe ich diese Forschungsarbeit zu Stande bringen können. Ich danke vorallererst meinem Betreuer Dr. Bertin Nyemb einen besonderen Dank aussprechen. Er hat mir mit Geduld Wege zum Labyrinth der Literaturwissenschaft beigebracht. Hinzu bin ich Prof. Dr. Alexis Ngatcha für seine väterliche Unterstützung zu Dank verpflichtet. Ich danke auch meinen anderen Dozenten der Deutsch- und Fremdsprachenabteilung für das beigebrachte Wissen und die vielen Ratschläge. An meine Familie richte ich einen besonderen Dank für die finanzielle und moralische Unterstützung. Ich denke hierbei an meinen Vater Jean Pagbe (-der vor Kurzem einen schweren Unfall gehabt hat-), meine Mutter Aline Ngambe, meine Geschwister, Tanten und Onkel und an meinen Mentor Alexis Nana, der aus mir einen Mann gemacht hat. Meiner deutschen Gastfamilie, der Familie Mangold, die mir beigebracht hat, Dinge selbst in die Hand zu nehmen, bin ich besonders sehr dankbar. Meiner Freundin und ihrer Familie bin ich für ihren Beistand unermesslich dankbar. Anschließend bin ich meinen Freunden, Bekannten, Mitstudierenden, Kollegen am Studienkolleg-Etall, meinen Betreuern während des Praktikums, Alain Fofack und Nadege Tchuinang sehr dankbar. Zum Schluss bin ich der Familie Eyen zum Dank verpflichtet. Sie weiß warum.

Yaoundé, im Juni 2018 Marcel Landry Ndongo

Résumé

La coopération internationale entre pays du « Nord et du Sud » a toujours eu jusqu’ici une orientation verticale. Concernant les échanges sociopolitiques et économiques entre l’Afrique et l’Europe, il convient de se demander pourquoi l’Afrique (subsaharienne) s’enfonce davantage dans le sous-développement. La réponse à cette question ne se trouvant pas seulement dans les grandes théories des relations internationales, la littérature en tant que science des échanges propose également au regard de son immense répertoire d’outils d’analyse et d’interprétation, quelques solutions et perspectives pour une prompte renaissance de l’Afrique noire. Les relations internationales, en tant que phénomène de globalisation, exigent de prime à bord l’acquisition des compétences interculturelles. Cette acquisition passe au préalable par la compréhension de soi (comme groupe) avant de pouvoir interagir avec l’autre. Pour cela, la présente étude permet donc au moyen de trois œuvres littéraires de s’interroger sur les différents types de coopérations qui existent entre l’Afrique et l’Europe, de ressortir les grands facteurs de sous-développement en Afrique subsaharienne comme cause de l’échec des relations internationales entre l’Afrique et l’Europe et d’en proposer quelques solutions pouvant amorcer une renaissance du continent africain.

Mots clés : Communication interculturelle, coopération, globalisation, compétence interculturelle, multiculturalité, médiation.

Abstract

The international cooperation between countries of the North and those of the South has always had a vertical orientation. Regarding the sociopolitical as well as the economic exchanges between Africa and Europe, one may ask why Africa, especially the Sub-Saharan part, is continuously dragging into underdevelopment. Apart from the main theories of international relationships, the answer to this question can also be found in literature, which, as a science of exchange, proposes thanks to its wide directory of analysis and interpretation tools, some solutions and perspectives for a prompt renaissance of Sub-Saharan Africa. Considered as a high demand and a globalization phenomenon, the international relationships thereby require first of all the acquisition of intercultural skills. The first step of this acquisition is to understand oneself (as a group) before interacting with others. Based on three main literary works, the following study is therefore an opportunity to question about the different types of cooperation that exist between Africa and Europe, to bring out important factors of underdevelopment in Africa as a cause of the failure of the international relationships between Africa and Europe, and to propose some solutions that can launch a sudden renaissance of Africa.

Key words: intercultural communication, cooperation, globalization, intercultural skills, multiculturality, mediation.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Kategorien zur Analyse und Interpretation eines historisch kolonialen und postkolonialen entwicklungsliterarischen Textes

» Lass dich biegen, aber lass es nicht zum Bruche kommen«1

1. Einleitung

1.1 Zum Thema und Forschungsrelevanz

Das Problem der Unterentwicklung in Afrika wurde meist auf der Ebene der technologisch mechanischen Intervention der Wissenschaft untersucht. Der Versuch, Kulturwissenschaften wie die Literaturwissenschaft in Entwicklungsfragen mit einzuschließen, beruht auf der Debatte der Legitimierung der Germanistik und deren Methode(n) zum Umgang mit deutschsprachigen Texten mit Afrikabezug. In der Logik einer fachübergreifenden Literaturwissenschaft als „Entwicklungswissenschaft“ (vgl. Sow 1986), die sich mit Fortschrittsproblemen auseinandersetzt, liegt die Notwendigkeit vor, das dargebotene Instrumentarium der interkulturellen Literaturwissenschaft auszunutzen und Möglichkeiten zu unternehmen, um Wege zur erfolgreichen interkulturellen bzw. internationalen Zusammenarbeit in armen Ländern besonders in Afrika vorzuschlagen. In Anbetracht der Tatsache, dass die interkulturelle Kommunikation ein unabdingbarer Aspekt der Globalisierung ist, ist es notwendig, ihr Potential in dem Entwicklungsprozess Afrikas herauszuarbeiten. In dieser Hinsicht haben mich Pascal Dibies Ethnosociologie des échanges interculturels (1998), Alexanders Thomas‘ Handbuch Interkulturelle Kommunikation und Kooperation (2005) und Kum’a Ndumbes III Wettkampf um die Globalisierung Afrikas (2006) zum Thema Interkulturelle Kommunikation und Globalisierung. Eine literaturwissenschaftliche Untersuchung der Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa bewegt.

Damit versuche ich aufzuzeigen, dass die interkulturelle Kommunikation der wesentlichste Maßstab für eine gelungene Zusammenarbeit zwischen/unter Ländern ist. Eine gescheiterte Kommunikation oder zumindest die Fehlinterpretation der Intentionen und Handlungen sowie das Missverstehen des Anderen bremsen drastisch die Planung langfristiger Partnerschaften und nachhaltiger lokaler Entwicklung. Die Relevanz des Entwicklungskonzepts in Ländern südlich der Sahara stößt immer auf große Herausforderungen und Hürden, die sich auf interkulturelle Missverständnisse beziehen und bis heute die Scheinzusammenarbeit zwischen Afrika und Europa auf eine Einbahnstraße stellt. Der Grund dafür liegt darin, dass die afrikanischen Staaten sich noch nicht gut kennen und verstehen, während die europäischen Staaten ihr Wissen über Afrika verstärken und Strategien entwickeln, um Afrika immer zu dominieren (vgl. Simo 2014:11-25).

1.2 Zu Problemstellung und Forschungshypothesen

Die Untersuchungen in den Aufsätzen und Handbüchern über interkulturelle Kommunikation und Kooperation (Thomas 2005) zeigen die theoretischen Grundlagen sowie die Praxisfelder, auf die sie sich beziehen, d.h. auf Unternehmen und Projektmanagement. So ist nicht zu leugnen, dass die interkulturelle Kooperationskompetenz soziale Kompetenzen, d.h. die Kommunikation als interkulturelle Dimension der Zusammenarbeit mit einschließt. Davon ausgehend wird die Bedeutung der interkulturellen Kommunikation in der Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa bearbeitet. Diese Untersuchung basiert auf folgenden Fragen:

- Inwiefern könnte die interkulturelle Kommunikation zur gelungenen Zusammenarbeit führen? Anders ausgedrückt, welche Dimensionen interkultureller Kommunikation müssen zur erfolgreichen internationalen Zusammenarbeit zwischen Europa und afrikanischen Ländern berücksichtigt werden?
- Wie werden Aspekte interkultureller Kommunikation und Globalisierung sowie die Kooperation zwischen Afrika und Europa in der Literatur verarbeitet?
- Wie kann die interkulturelle Literaturwissenschaft zur Förderung internationaler Zu-sammenarbeit beitragen?

Diese Arbeit geht von den folgenden Grundhypothesen aus:

- Eine gelungene und erfolgreiche internationale Zusammenarbeit beruht auf der Berücksichtigung der Kooperationskompetenzen, die im Literaturunterricht zu erwerben sind,
- Eine Analyse von Sigrid Heucks E-Mails aus Afrika, Lukas Bärfuss‘ Hundert Tage und Hermann Schulz‘ Auf dem Strom zeigt Formen, Probleme der Kommunikation und Kooperation zwischen Afrika und Europa und zeigt Möglichkeiten für bessere Zukunftsinteraktionen auf,
- Die interkulturelle Literaturwissenschaft fördert eine bessere Kooperation zwischen Afrika und Europa durch interkulturelle Bildung in der Hochschulbildung, Germanistikstudium und in der Lehrerausbildung.

1.3 Zum Stand der Forschung und Forschungsziel

Es gibt verschiedene Veröffentlichungen zum Thema interkulturelle Kommunikation. Dazu zählt Pascal Dibies Buch Ethnosociologie des échanges interculturels (1998) , in dem Möglichkeiten und Grenzen der Entwicklung Europas dargestellt werden. Dibie setzt sich mit der interkulturellen Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich auseinander und zeigt auf, dass eine gelungene Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten nur möglich wäre, wenn interkulturelles Lernen auf der Basis der Berücksichtigung ethnologischer und soziologischer Aspekte beigebracht und erworben wird. In seinem Vorwort schreibt er:

Dans la mesure où par „interculturel“ on désigne bien quelque chose qui est d’une importance majeure pour le développement futur de l’Europe, il n’est plus possible aujourd’hui de se satisfaire d’une telle situation de flou et de connaissance défaillante. C’est la raison pour laquelle nous proposons une ’ethnosociologie de l’interculturel‘ […] (ebd.:V).

Mit diesen Worten kann mit Dibie verstanden werden, dass Entwicklung ohne „Interkulturalität“, also ohne „Eigen- und Fremdverstehen“ nicht möglich ist. Aus diesem Grund fügt Dibie hinzu, dass „paradoxalement, c‘est le fait d’avoir conscience des limites de la compréhension de l’autre qui semble bien être une des conditions essentielles à l’échange“ (vgl. ebd.). Kooperation kann in diesem Sinne nur möglich sein, wenn die Länder der Unterschiede bewusst sind, die sie akzeptieren und überwinden können (vgl. ebd.: 153-162).

Während Dibie sich nur auf die Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich beschränkt, schreibt Alexander Thomas et al. (2005) im Handbuch Interkulturelle Kommunikation und Kooperation über Grundlagen und Praxisfelder sowie die Aspekte Länder, Kulturen und interkulturelle Berufstätigkeit des erwähnten Themenfeldes im Allgemeinen. Hiermit werde die Fähigkeit zur interkulturellen Kommunikation und Kooperation mit Menschen aus unterschiedlichen Nationen als bedeutsame Schlüsselqualifikation für die Globalisierung gefördert (ebd.). Weiterhin wäre eine gelingende Partnerschaft nur möglich, wenn das Eigene und das Fremde zu bedeutsamen wechselseitigen Beziehungen kommen, wobei die beiden Pole über genügende Kenntnisse über die jeweiligen kulturellen Orientierungssysteme verfügen (vgl. ebd.: 47f.). Jedoch geht es sowohl im Band 1 als auch im Band 2 nur um die Förderung interkultureller Kommunikation in der internationalen unternehmerischen Partnerschaft. Deshalb wird die Förderung interkultureller Kommunikation und Globalisierung durch Kum’a Ndumbe III‘s Wettkampf um die Globalisierung Afrikas (2006) ergänzt. Dabei werden mithilfe von gehaltenen Reden an die Deutschen die historisch gesellschaftlichen und politischen Beziehungen Afrikas zu der Außenwelt und appelliert an interkulturelle Kommunikation und Begegnung analysiert. Insbesondere hilft mir diese Analyse bei meiner Arbeit, zumal sie nicht nur die Verantwortung afrikanischer Staaten, sondern auch die Wachsamkeit, Verpflichtung und Teilnahme des Westens an der Internationalisierung und Globalisierung Afrikas fördert. Zu bemängeln ist, dass Kum’a Ndumbe III nicht tiefgehend von interkultureller Kommunikation als Herausforderung der Globalisierung Afrikas spricht. Deswegen lohnt es sich, sich an Evelyne Glasers Artikel Fremdsprachenkompetenz in der interkulturellen Zusammenarbeit (zit. n. Bolten 2007: 41) anzulehnen. Dabei hebt Jürgen Bolten (2007) in seinem Artikel Was heißt „Interkulturelle Kompetenz?“ Perspektiven für die internationale Personalentwicklung die Interkulturelle Kompetenz sowie Modelle zu deren Erfassung hervor (ebd.: 41f.). In diesem Versuch bearbeitet E. Glaser affektive, kognitive und konative Aspekte als wesentliche verhaltensbezogene Teilkonstrukte interkulturellen Könnens (ebd.). Hinzu spielen die Komponenten Empathie, Rollendistanz, Ambiguitätstoleranz, etc. eine gewichtige Rolle (vgl. auch Nyemb 2016: 59f.).

In dieser Hinsicht beschreibt H. Reza Yousefi (2014) ausgehend von einer annähernden Bestimmung der Begriffe „Kultur“ und „Kommunikation" die Grundbegriffe der interkulturellen Kommunikation sowie Gründe ihres Scheiterns. In seinem Buch Grundbegriffe der interkulturellen Kommunikation (ebd.) legt er besonderen Wert auf das kompetente Verhalten als wichtigen Bestandteil interkultureller Kompetenz, das tagtäglich benötigt wird, „um situations- und kontextangemessen handeln zu können“ (ebd.: 47). A priori misst er Bewegungen in eigene und fremde Kontexte und Situationen maßgeblichen Stellenwert bei, wobei die interkulturelle Kompetenz durch „positive“ oder „kritische“ Berücksichtigung und Wahrnehmung von „kulturell, religiös oder wissenschaftlich bedingte[n] Differenzen …“ (ebd.: 48) aber auch „soziologisch-ethnologische[n] sowie sprachlich-gesellschaftliche[n] Dimensionen …“ (ebd.: 22) angeeignet/erworben wird.

Alle diese erwähnten Ansätze stellen einen besonderen theoretischen Rahmen vor, der für internationale Kooperation nutzbar sind. Auf der einen Seite bleiben diese Untersuchungen zu sehr theoretisch und rein kulturwissenschaftlich. Auf der anderen Seite orientieren sich diese Untersuchungen ganz an den europäischen Kontext und berücksichtigen Afrika nicht. So entsteht in dieser Arbeit die Notwendigkeit darzustellen, wie die Problematik der interkulturellen Kommunikation in den Bereich der internationalen Zusammenarbeit integriert und literarisch verarbeitet wird. In den Vordergrund wird die Kooperation zwischen Afrika und Europa gerückt. Europa verbindet man hier u. a. mit Deutschland und der Schweiz, deren Gemeinsprache „Deutsch“ auf die lokale „Mehrsprachigkeit“ und „Multikulturalität“ afrikanischer Länder stößt. Für jeden Versuch, zusammenzuwirken, erweist sich der Erwerb von interkulturellen kommunikativen Schlüsselqualifikationen und Handlungskompetenzen als unabdingbar. Wollen sich das Eigene und das Fremde gleichzeitig in Kommunikation und Zusammenarbeit anschauen, denen dürfte nicht entgehen, dass beiden Polen vollkommenes interkulturelles handlungsorientiertes Wissen im hohen Maße abverlangt wird. Es geht in dieser Arbeit prinzipiell darum, anhand gründlicher Beschäftigung mit literarischen Texten herauszuarbeiten, wie in der Entwicklung der Protagonisten als Forscher, Entwicklungshilfeträger und Missionar die interkulturelle Kommunikation im Kontakt mit dem Anderen zur gelungenen oder gescheiterten Kooperation führt. Denn Entwicklung ist auch im Sinne des Togolesen Germanisten Akila Ahouli „ein kultureller Prozess“, der die lokale Kultur in dem Entwicklungsprojekt mit berücksichtigt (2015 zit. n. Simo 2015: 75). Außerdem soll die vorliegende Arbeit zeigen, welche Aufgabe einer interkulturellen, inter-und transdisziplinären Literaturwissenschaft in der Ver- und Bearbeitung der Entwicklungsproblematik zukommt. Nach der Werkanalyse werden Versuche durch Literaturwissenschaft unternommen und Möglichkeiten vorgeschlagen, die einer besseren Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa zugrunde liegen können.

1.4 Methodische Überlegungen

Die Orientierung der vorliegenden Arbeit auf den oben formulierten Zielsetzungen, Fragestellungen und Problemen erfordert eine Herangehensweise, die der großen Vielfalt sowie der besonderen Komplexität des Themas gerecht wird und die Problematik der interkulturellen Kommunikation in der Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa in der Literatur beleuchten kann. Zu diesem Zweck wird auf Kategorien d. h. Aspekte interkultureller Literaturwissenschaft wie interkulturelles Verstehen, Toleranz, interkultureller Dialog etc. (vgl. Becker 2016:57-59) rekurriert. Dies erweist sich als evident, weil die Literaturwissenschaft durch ihren Bezug zu anderen Wissensbereichen über Potenziale verfügt, um Leseperspektiven über Probleme der sich globalisierenden Welt in literarischen Texten zu ermöglichen. Dies orientiert einerseits prinzipiell an kommunikations-, kulturwissenschaftlichen und besonders ethnosoziologischen Theorien von Yousefi, Dibie, Ndoumbe III u. Ä., um Konzepte, Begriffe und Aspekte interkultureller Kommunikation näher zu erfassen. Es geht u. a um Dialog, interkulturelles Lernen, kompetentes Verhalten (vgl. Yousefi 2014).

Zudem stütze ich mich auf postmoderne bzw. postkoloniale Entwicklungsansätze, die sich mit den sozio-historischen und wirtschaftlichen Interdependenzen und Verflechtungen zwischen Europa und Afrika auseinandersetzen, um damit Rahmenbedingungen und Möglichkeiten für eine gelingende Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa vorzuschlagen. Für die Bearbeitung der Probleme interkultureller Kommunikation und der internationalen Kooperation beziehe ich auf Foucaults und Habermas‘ diskursiven und Jürgen Links interdiskursiven Auseinandersetzungen in den zu analysierenden Werken: Ausgehend von Foucaults Auffassung des Diskurses, wird der kolonial politische, religiöse und kulturelle Diskurs in den zu analysierenden Texten identifiziert und zu kritisiert. Hinzu wird der Diskurs im Sinne Habermas‘ als Möglichkeit eines friedlichen Zusammenlebens (vgl. Neuhaus 2014: 217), also des interkulturellen Dialogs hervorgehoben. Links Interdiskurstheorie dient dazu, mithilfe der Literatur die historischen Kontexte der der Texte herauszuarbeiten (ebd.) und als Perspektive für die gelungene internationale Zusammenarbeit zu unterstreichen. Schließlich werde ich mich später psychoanalytischer und psychotherapeutischer Ansätze bedienen, um Potentiale interkultureller Literaturwissenschaft für die Entwicklung Afrikas herauszuarbeiten.

1.5 Zum Aufbau der Arbeit

Die folgende Arbeit gliedert sich in einen theoretischen und einen Analyseteil. Im theoretischen Teil werden Konzepte, Kategorien und theoretische Grundlagen interkultureller Kommunikation und Globalisierung bearbeitet. Im Analysenteil werden Aspekte, Probleme und Potentiale interkultureller Kommunikation für die Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa verarbeitet. Ziel dieses Teils ist es, herauszuarbeiten und aufzuzeigen, welche Rolle der interkulturellen, inter- und transkulturellen Literaturwissenschaft in Entwicklungs- bzw. Kooperationsfragen zukommt. Davon ausgehend wird im letzten Teil bearbeitet, welche Herausforderungen der interkulturellen Kommunikation und internationalen Zusammenarbeit für die Hochschulbildung, das Germanistikstudium und die Lehrerausbildung im kamerunischen Kontext in Frage kommen.

2. Begriffsbestimmung

2.1 Kultur

Definitionen des Begriffs Kultur sind unzählig und hängen damit zusammen, mit welchem Phänomen man die Kultur untersuchen möchte. In einer kulturwissenschaftlichen Annäherung stellt das DUDEN-Wörterbuch folgendes dar, Kultur ist:

a) Die Gesamtheit der geistigen und künstlerischen Leistungen einer Gemeinschaft als Ausdruck menschlicher Höheentwicklung. b) Die Gesamtheit der von einer bestimmten Gemeinschaft auf einem bestimmten Gebiet während einer bestimmten Epoche geschaffenen, charakteristischen geistigen, künstlerischen, gestaltenden Leistungen (DUDEN 2010:583).

Diese Kulturauffassung stellt eine Reflexions- und Handlungsebene dar, die die Produktion von künstlerischen und literarischen Werken in einer bestimmten Gesellschaft und Epoche betrifft. Diese Definition ist aber unvollständig, da sie Kultur auf die künstliche und werkliche Produktion beschränkt. Deswegen fügt der Psychologe Harry Triandis hinzu, dass »[b]y culture I mean the human made part of the environment« (1989: 306 zit. n. Thomas 2005: 22). In seiner Auffassung verbindet H. Triandis den Menschen mit seiner Lebensumwelt, mit der er in enger Verbindung steht und als Produkt seines Lebensmilieus gilt. In Ergänzung dazu gilt die Annahme, dass Kultur als »collective programming of the mind« aufgefasst wird (Hofstede 1991 zit. n. Thomas 2005: 22). Damit versteht man, dass Kultur nicht nur die Wechselwirkung von Mensch und Natur umfasst. Sie fungiert auch als das „kollektive Bewusstsein“ (vgl. ebd.). In dieser Hinsicht entsteht das Bewusstsein durch Interaktion des Individuums mit seiner Umgebung d. h. mit der sozialen Gruppe (Müller 2009: 76).

Hierüber hinaus definiert sich die Identität als etwas Uneinheitliches, könnte aber als kollektive Symbolik betrachtet werden, zumal Menschen ontologisch nicht identisch und vorübergehend veränderlich sind. Sie können mit anderen Gemeinsamkeiten teilen: Ein Territorium, eine Sprache, Erfahrungen und sind bestimmten Gesetzen und Werten unterordnet (vgl. Yousefi 2014:35). Will man die Kultur unter dem Aspekt der Zusammenarbeit untersuchen, so scheint es legitim zu sein, dass Kultur ein Globalisierungsphänomen ist. Da sich Menschen in einem bestimmten Orientierungssystem, das sich aus spezifischen Gepflogenheiten gebildet wird, entwickeln, werden sie von Wahrnehmungen, Werten, Handeln anderer Herkünfte so beeinflusst, dass ihr Weltbild sich meistens an andere Weltanschauungen und Handlungsmöglichkeiten orientiert (vgl. ebd.: 15). Das Zentrale in dieser Kulturbestimmung ist der Begriff Wahrnehmung als unabdingbares Bedürfnis im Globalisierungsprozess, zumal sie dem Menschen Wissen verleiht, Verhaltenskonsequenzen auf der Grundlage kontinuierlicher Kommunikation im interkulturell-, kollektiven Alltag, Sinn und Bedeutung beizumessen (vgl. Thomas 2005:23).

2.2 Inter-, Multi-, Transkulturalität

In ihrem Alltag kommen Menschen mit anderen in Kontakt. Das setzt voraus, dass das Eigene und das Fremde sich als jeweilige Träger unterschiedlicher Kulturbestände aufeinandertreffen. Man spricht in diesem Sinne von Interkulturalität. Interkulturalität ist wie Kultur komplex zu bestimmen, aber sie ist ein unerlässlicher Begriff unserer Gegenwart (vgl. Yousefi 2014:25). Auf der einen Seite ist sie eine kulturwissenschaftliche Theorie und Praxis (vgl. ebd.) und auf der anderen Seite erweist sich als:

,De[r] Zustand und Prozess der Überwindung von Ethnozentrismus durch wechselseitige Abhebung, die eine kulturelle Brückenstellung oder eine doppelte Optik schafft, Andere und Fremde ebenso wie Alternativen nicht nur stärker als bislang mitdenken, sondern bis zu einem gewissen Grade auch mit anderen Augen wahrnehmen lässt, so dass ein Miteinander-Begreifen überhaupt erst denkbar und die Voraussetzung für einen Dialog geschaffen wird, bei dem niemand von vornherein das letzte Wort hat‘ (Wierlacher 2003:259 zit. n. Feugang 2016:12).

Alois Wielacher rückt in seiner Definition die Interaktion zwischen Kulturdifferenzen durch wechselseitige Polarisierung in den Mittelpunkt, indem er die Implikation des Eigenen und Fremden im Miteinander- Verstehen2 hervorhebt (1985:11 zit. n. Feugang 2016:13). Hiermit zeigt er auf, dass das Eigene sich durch Kontakt mit Anderem besser versteht, nur wenn der Ethnozentrismus d.h. die Eigenzentriertheit aufgehoben wird. Davon ausgehend wird Interkulturalität zum Wissenschaftsbereich, wobei Versuche übernommen werden, das Eigene und das Fremde auf Prinzip der Selbstwiederspiegelung zu untersuchen (vgl. ebd.). Aus dieser Perspektive stellt sich die Notwendigkeit heraus, dass Verstehen und Wahrnehmen als Schlüsselqualifikationen bzw. Kompetenzen gelten, die durch Annäherung, Überwinden von Grenzen die Möglichkeiten eröffnen, sich partizipativ oder beobachtend in die Gesellschaft oder die Kultur des Anderen hineinzuversetzen (vgl. ebd.).

Die Multikulturalität wird von der Interkulturalität abgeleitet und bezeichnet die Tatsache, „[…]dass in einer Gesellschaft bzw. einer staatlich organisierten Gesellschaft/Bevölkerung mehrere Kulturen koexistieren, sei es friedlich oder im Konflikt, sei es in einem Nebeneinander oder in einem integrierten Miteinander […]“ (Mintzel 1997:58 zit. n. Lüsebrink 2016: 20). Das hängt damit zusammen, dass es neben einer „Leitkultur“ viele andere selbstständige Kulturen gibt. An diesem Grund haben multikulturelle Gesellschaften „[…] nicht mehr die Form der Homogenität und Separiertheit. Sie haben vielmehr eine neuartige Form […], weil sie durch die traditionellen Kulturgrenzen wie selbstverständlich hindurchgeht3 […]“ (Welsch 2009 zit. n. Petersen 2009: 238 /Ndumbe III 2012: 170-174)4. Hiermit möchte Welsch aufzeigen, dass man in heutigen Gesellschaftsformen nicht mehr von homogenen Kulturen spricht, weil sie von „Mischungen“ und „Durchdringungen“ kennzeichnet sind.

In Bezug auf Transkulturalität wird von Grenzüberschreitung ohne Propagierung von Beliebigkeit oder Verwässerung von Unterschieden gesprochen. Ein transkulturelles Treffen setzt voraus, dass jeder einen Teil seines Eigenen mitbringt, das über seine Denk- und Handlungsweise hinausgeht. Dadurch entsteht eine Zwischen- bzw. Transkultur (vgl. Porsché 2008: 5ff.). Zusammenfassend verbindet Interkulturalität Dimensionen der Trans- und Multikulturalität, indem sie interkulturelles Denken und Handeln zusammenführt.

2.3 Kommunikation

Wahrnehmen und verstehen kann man nur, wenn Kommunikation stattfindet. Kommunikation nach dem DUDEN-Wörterbuch (2010: 564) verweist auf die „Verständigung durch die Verwendung von Zeichen und Sprache“. Kommunizieren setzt voraus, dass ein Sender dem Empfänger etwas auf der Grundlage eines Kodes mitteilt. Das zeigt an, dass kommunizieren hier auf dem Sprachgebrauch beruht. Ferner bezeichnet Kommunikation nicht nur „Mitteilung, Verbindung, [sondern auch] Beziehung im Sinne von Teilnahme und Gemeinsamkeit sowie gegenseitiger Verständigung durch soziale Interaktionsprozesse“ (Yousefi 2014: 17). Durch Kommunikation, so Yousefi, finden Wechselbeziehungen zwischen Menschen statt, die mit Gestik und Mimik im mündlichen und schriftlichen Gespräch geschehen. In dieser Hinsicht ist der Mensch sowohl kulturstiftendes als auch kommunikatives Wesen, das über kognitivübergreifende Fähigkeiten verfügen muss (vgl.ebd.). Es geht um das Affektive bzw. Einfühlungsvermögen als unabdingbare Schlüsselqualifikationen für gelingende Kommunikation, denn Kultur ist Kommunikation und Kommunikation bringt Kultur hervor (vgl. ebd.). Kommunizieren als Wissen und Können in Hinsicht auf kulturellen Austausch und Interaktion ermöglicht auch Offenlegung anderer Kulturen.

Beim Kommunizieren geht es nicht immer um positive Haltungen im Alteritätsverhältnis zum Eigenen und Anderen. Yousefis Auffassung zufolge entsteht diese [negative] Haltung, „wenn die Kommunizierenden oder wie in diesem Falle ein Gesprächspartner nicht bereit ist, dem Anderen ohne vorgefasste Meinung entgegenzutreten. Das Ergebnis des Nicht-kommunizieren-Wollens ist in der Regel Gewalt5 […]“ (vgl. ebd.: 18).

2.4 Interkulturelle Kommunikation und Mediation

Im Prozess des dialogischen Miteinanders stellt sich die Herausforderung heraus, andere Modelle, Einstellungen und Überzeugungen zu berücksichtigen. Davon ausgehend bezeichnet interkulturelle Kommunikation die Dialogform, „[wobei] diverse kontextuell unterschiedliche Faktoren wie religiös-kulturelle und soziologisch-ethnologische sowie sprachlich-gesellschaftliche Dimensionen bedeutsam sind“ (Yousefi 2014: 12). In seiner Bestimmung der interkulturellen Kommunikation hebt Yousefi drei unabdingbare Komponenten hervor: Die Individualität, die die Eigencharakterstruktur des Individuums erklärt. Mit der Situativität ist gemeint, dass jede Kommunikationssituation meist komplex ist d.h. von einer anderen Kommunikationssituation abhängt. Die Kontextualität verweist darauf, dass die kulturellen bzw. traditionellen Kontexte von großer Unterschiedlichkeit sein können (ebd.: 22).

So gesehen vollzieht sich die Verwirklichung interkultureller Kommunikation -die sich ebenfalls durch Migration oder die Massenmedien im interkulturellen Begegnungsprozess im Kontext der Globalisierung charakterisiert- dadurch, dass man die Fremdsprache in ihren kognitiven und affektiven Konturen beherrscht, indem man Gemeinsamkeiten feststellt, Unterschiede wahrnimmt, Probleme präzisiert und Erwartungen formuliert (ebd.: 21f.). Jedoch werden Teilkompetenzen, die in der Kontextbetrachtung unverzichtbar sind, zu erwerben. Diese Kompetenzen sollen dazu dienen, Volksgruppen mit konfliktgeladenen kulturgeschichtlichen Hintergründen zu Hilfe zu kommen. Dies vollzieht sich im Prozess interkultureller Mediation (vgl. Mayer 2004:33), damit eine gemeinsame Kultur konstruiert wird. Im Grunde genommen findet die Mediation durch eine vermittelnde dritte Partei statt, damit die Konfliktparteien zu einer Lösung kommen können (vgl. ebd.). Diese Aufgabe wird von Mediatoren erledigt, die Politiker oder viel mehr Kulturwissenschaftler sein können. Bezogen auf Afrika, das sich durch multikulturelle Gesellschaften kennzeichnet, bedarf es zuerst interner bzw. nationaler Mediationen, bevor es zu einer Kooperation mit Europa kommt. Diese Mediation zielt darauf ab, Konfliktparteien (Ethnien) zu einer gewaltfreien Kommunikation im Sinne Marshall Rosenbergs (2001 zit. n. Mayer 2004: 44) zu führen, wobei Vertreter jeder Partei zur Bedeutung der Offenheit, Toleranz und des Miteinanders für ein gemeinsames Füreinander ausgebildet werden (vgl. ebd.: 47).

2.5 Kompetentes Verhalten

Immer wird in den Untersuchungen über interkulturelle Kompetenz versucht, einen interkulturellen Kompetenzstandard aufzustellen. Da dieses Unternehmen sich als unmöglich erweist, lohnt sich der Aufwand, einen generalisierenden Begriff zu verwenden. Mit kompetentem Verhalten geht es im Denken und Handeln mit Yousefi um eine „Aneignung von Fähigkeiten, die erforderlich [sind], wenn unterschiedliche Handlungsmuster, Weltanschauungen, Gesinnungen oder Meinungen miteinander unmittelbar in Berührung kommen […]“ (2014: 48). Die Aneignung von diesen Fähigkeiten wird nie abgeschlossen, vollzieht und perfektioniert sich aber durch ständigen Kontakt mit dem Anderen. Das bezeichnet A. Thomas durch den Begriff „interkulturelle Handlungskompetenzen“ (2003). Darunter sind „interkulturelles Bewusstsein“, „Empathie“, „Ambiguitätstoleranz“, „Rollendistanz“ usf. zu zählen (Thomas 2003: 141 zit. n. Yousefi 2014: 48f)6.

Für besonders interessant ist zu behalten, dass auch politische Beziehungen sowie die Art der Informationsverbreitung und des Informationskonsums durch die Massenmedien eine bedeutende Rolle bei der Aneignung interkultureller Kompetenz spielen. Zweifelsohne geht es darum, mithilfe erworbener Kompetenzen zwischen wahren und verdichteten Berichten, die in den Medien über das Ausland verbreitet werden, unterscheiden zu können (vgl. Klemm 2013 zit. n. ebd.: 50/ Maletzke 1996: 120). Dieses Verstehen geht von der imperialistisch-, rassistisch-, feudalistischen und kolonialen Ideologie aus und dient dazu, den Menschen mit wissenschaftlicher Sicht7 als Produkt der Evolution bzw. der Globalisierung zu betrachten (vgl. ebd.).

2.6 Zusammenarbeit und Globalisierung

Dass man heute von Interkulturalität spricht, geht mit der Auffassung einher, dass Menschen unterschiedlicher Kultursysteme durch neue Interaktionsformen bestimmt werden, sei es in der Produktion oder im Konsum von Gütern und Kunst. Mit Zusammenarbeit wird im Allgemeinen das Zusammenkommen von zwei oder unterschiedlichen Staaten gemeint, um an der gleichen Sache d. h. im gleichen Handlungsgebiet zusammenzuwirken (vgl. DUDEN 2010: 1138). Zu betonen ist, dass die Zusammenarbeit zwischen Nationen auf der Berücksichtigung kultureller Aspekte bzw. Orientierungssysteme beruht, wobei unterschiedliche Kulturen sich gegenseitig beeinflussen. Man spricht daher von Globalisierung. Sie setzt voraus, dass es keine homogene Kultur gibt, sondern eine „Multikultur“ (vgl. Jürgen/Petersson/Niels 2003 zit. n. Institut für Kulturpolitik 2004: 2). Zu den Faktoren, die zur Globalisierung -die entweder politisch, wirtschaftlich oder soziokulturell sein kann- gehören, zählen Wanderungsbewegungen, bei denen die Teilgruppen sich durch Integration und Zusammenarbeit entweder durch Reise oder Anwendung medialer Kommunikationsmittel annähern. Die Globalisierung umfasst in diesem Sinne nicht nur die wechselseitige Annäherung von „Kulturen“ durch Kunst und Medien, sondern auch „[…]die multiethnische Zusammensetzung der Bevölkerung als innergesellschaftlicher Entsprechung zur Internationalisierung […]“ (Institut für Kulturpolitik 2004: 2) sowie die Öffnung zum Anderen zur Entwicklungsplanung und Entwicklungsverwirklichung.

3 Allgemeine Orientierungen der interkulturellen Kommunikation und Globalisierung

Keine Globalisierung ist ohne Annäherung von Kulturen denkbar. Diese Annäherung der Kulturen kann nur auf der Grundlage interkultureller Kommunikation vollziehbar sein. Im Folgenden werden Probleme und Potentiale interkultureller Kommunikation für die Globalisierung d. h. auf die internationale Kooperation untersucht.

3.1 Probleme interkultureller Kommunikation und Globalisierung

Im Folgenden wird einem Ensemble von Problemen nachgegangen, die zum Scheitern der interkulturellen Kommunikation im Kontext der Europa-Afrika-Interaktionen führen und die daran verhindern, eine langfristige Zusammenarbeit zwischen beiden Polen zu erreichen. Die Frage, weshalb Kulturen im Prozess des Aufeinandertreffens sehr oft auf Schwierigkeiten stoßen, die Verständigung, Integration und Zusammenwirken behindern, lässt sich durch folgende Orientierungen beantworten.

3.1.1 Das Fremde und Strategien der Gruppenausschließung

Weil Menschen von ihrer Lebensumgebung, ihrer geschichtlichen und gegenwärtigen Positionierung im Verhältnis zu anderen Teilsystemen bestimmt werden, entwickeln sie Strategien oder Diskurse, die dem Eigenen Überlegenheits- bzw. Unterlegenheitsblicke beimessen. Sie beeinflussen die Entfaltung der jeweiligen Lebensverhältnisse im Kontakt mit dem Anderen. Wenn das Andere sich als Angehöriges einer „Hochkultur“ im Prozess der zwischenmenschlichen Kommunikation betrachtet, werden Diskurse und Vorstellungen organisiert, die meist zu Gruppenausschließung des Anderen als „minderwertiges“ Wesen in der Weltkonstellation führen (vgl. Said/Foucault zit. n. Petersen 2009).

In der Hinsicht, dass Diskurse über Subjekte im interkulturellen Austausch immer von produzierten und sich reproduzierenden Haltungen geprägt sind, beeinflussen sie den interkulturellen Kommunikationsrahmen grundlegend. Dazu wirken ihre Facetten für die gelingende interkulturelle Kommunikation meistens negativ und beeinträchtigend aus. Es geht hauptsächlich um Xenophobie oder Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass, also eine Reihe von Differenzgedanken, die als Kategorisierungsmechanismen zur Exklusion der anderen Rasse oder des anderen Geschlechts dienen. Davon ausgehend sieht das Eigene das Andere als Wettkampffeld, wobei das Eigene sich im Vergleich zum Fremden als Hochkultur oder Oberklasse kategorisiert. Diese Gedanken beruhen auf Vorstellungen, die „Stereotypen“ und „Vorurteile“ genannt werden (vgl. Yousefi: 99). Sie entstehen aus der geschichtlichen bzw. gegenwärtigen Erfahrung mit dem fremden Kontext und werden von dem Widerwillen geprägt, den anderen zu treffen, kennenzulernen oder mit ihm im Rahmen interkulturellen Dialogs zu kommunizieren. Sehr oft werden Stereotypen in Büchern, Reiseberichten, Massenmedien, oder Volksmärchen verbreitet und legen die Selbstwahrnehmung des Eigenen durch Abneigung des Anderen auf der Basis von Feindbildern offen (vgl. Forstner 2005 zit. n. Rusterholz 2005: 31)8. Folgerichtig lässt sich der Widerwille oder die Unfähigkeit, den Anderen trotz seiner Differenz wahrzunehmen und zu verstehen durch „Egoismus“ oder „Egozentrismus“ kennzeichnen und das kann zu Konflikten in interkulturellen Kommunikationskontexten führen (vgl. Yousefi: 101).

3.1.2 Multikulturalität als Problem interkultureller Kommunikation

Den heutigen Gesellschaften wird die Feststellung entnommen, dass man sich im eigenen Land „fremd“ fühlt. Dies entstammt der Tatsache, dass ein Staat aus unterschiedlichen Kleingruppen oder Kulturen besteht, die zwar nebeneinander leben aber deren Wertvorstellungen dem einen oder anderen Angehörigen in intrakulturellen Kommunikationsmöglichkeiten nicht immer kompatibel sind (vgl. Forstner 2005 zit. n. ebd.: 24). Die Frage, inwiefern die Mehrsprachigkeit als Problem interkultureller Kommunikation angesehen werden kann, lässt sich dadurch erklären, dass dem Kulturbegriff in multikulturellem bzw. multiethnischem Kontext die Bedeutung zugemessen wird, Kultur diene, um mit Forstner zu sprechen, „[…]der Lebensbewältigung ihrer Angehörigen, deren Überlebensprogramm in einer mehr oder weniger feindlichen Biosphäre[…]“ (2005: 11). So gesehen stellt das multiethnische Zusammenleben Feindlichkeiten auf, die in den Religions- und soziopolitischen Bereich einmünden. Weiterhin wird eine solche Gesellschaft durch Konservatismus und politische Instrumentalisierung charakterisiert, was einen „kulturellen Zusammenstoß“ verursacht (ebd.: 14/Flohr 1994: 11)9. Zudem wird die Mehrsprachigkeit im kulturellen Pluralismus als Problem angesehen. Das Nebeneinanderleben benötigt Interaktion durch Verständigung und Kommunikation. Jedoch schreibt der kamerunische Politologe Abel Eyinga, dass die Kulturgruppen gemeinsame Sprachen10 sprechen, die weder zu der einen noch der anderen Kultur gehören (2014: 62f.)11. Im subsaharischen Kontext geht es in den meisten Ländern um Französisch und Englisch neben den Nationalsprachen. Daneben werden andere Fremdsprachen wie Deutsch, Italienisch usw. geschult. Die Nationalsprachen werden vernachlässigt und dabei ist keine intra- und interkulturelle Kommunikation möglich (vgl. ebd.: 63).

3.2 Interkulturalität als Potential internationaler Zusammenarbeit

Mit gutem Grund bedarf es der Untersuchung von Möglichkeiten, die dazu verhelfen können, Rahmenbedingungen zur besseren Interaktion zwischen Entwicklungsakteuren mit unterschiedlichen Kulturhintergründen einzuräumen.

3.2.1 Zum notwendigen interkulturellen Lernen

Im Prozess heutiger Mobilitäten und Zusammenkünfte multikultureller Gesellschaften im Sinne der Globalität liegen Bedürfnisse zugrunde, friedliche soziokulturell-, politisch- und wirtschaftliche Beziehungen zu pflegen. Will das Eigene das Andere möglichst verstehen, bedarf es ständig „interkulturell[en] Lernen[s]“ als Herausforderung und Bereicherung im Prozess interkultureller Kommunikation (vgl. Catone 2016: 71). Dies betrifft nicht nur die Elitengruppen, weil sie ausschließlich Zugang zur guten Bildung haben, sondern auch das ganze Volk (vgl. Heenen-Wolff 1998: 89ff.). In dieser Hinsicht ist das „interkulturelle Lernen“ eines der unabdingbaren Ziele der internationalen Kooperation, die auf dem interkulturellen Treffen beruht.

Da immer bemerkt wird, dass Kooperationsversuche meistens zum Scheitern verurteilt sind, da es dem einen oder dem anderen Pol an Wissen und Können in interkulturellen Situationen mangelt. Hauptsächlich sind die soziokulturellen Faktoren der Zielgruppe in der Projektplanung in multikulturellen bzw. mehrsprachigen Kontexten selten berücksichtigt. Mit Dibie ist hervorzuheben, dass Jugendliche unterschiedlicher soziokultureller bzw. sozioethnischer Kontexte erstrangig zum interkulturellen Lernen angeregt werden müssen. Dabei werden sie in erneuerte Trainingsgruppen gebracht, um Verstehen12 über Ähnlichkeiten und Unterschiede zu fördern (1998: 10). Ziel interkulturellen Lernens ist hiermit, dass die kulturellen Unterschiede wechselseitig thematisiert, die Integrationsfähigkeiten verbessert und die Jugendlichen fortlaufend zu partnerschaftlichem Projektmanagement interkulturell qualifiziert werden13 (vgl. Zimmermann 2007). Ziel ist es mithin darauf trainiert zu sein, über die interkulturelle Kommunikationskompetenz hinaus, Projekte partizipativ zu erheben, zu planen und zu steuern.

3.2.2 Interkultureller Dialog als Moment internationaler Zusammenarbeit

Jede Zusammenarbeit fängt mit dem Willen an, mit dem Anderen zu kommunizieren. Dafür ist Dialog ein Schlüsselbegriff. Ferner sollte gelingendes Verstehen des Fremden von vornherein dem Dialog zwischen lokalen nebeneinander lebenden Kulturgruppen entstammen. Mangelnder nationaler bzw. interethnischer Dialog hängt auf der einen Seite, um mit Klaus Eder (1998) zu sprechen, mit der staatlichen Kulturpolitik zusammen: entweder ist sie absolutistisch oder relativistisch. Geht es um die erste, so handelt es sich nach der geschichtlichen Kulturformung und Kulturzerstückelung um die Entstehung von sozialen Konkurrenzen, die sowohl auf soziopolitischer als auch auf geographischer und wirtschaftlicher Ebene feststellbar sind (vgl. ebd. zit. n. Dibie 1998: 95). Konkret heißt es aus der Ethnopsychologie, dass die nationale Vielfalt oft durch egoistische Kulturantagonismen gekennzeichnet ist, die geschichtliche Ursprünge haben und durch politische Handhabung und Manipulation zu ethnischen Auseinandersetzungen führen, weil jede Volksgruppe im Prozess des Zusammenwachsens14 nach Überleben strebt (vgl. Dyserinck 2002/Dibie 1998/Yousefi 2014: 114f.).

Auf der anderen Seite ist hervorzuheben, dass die heutigen feindseligen Beziehungen zwischen Eigenem und Fremden aus ihrer gemeinsamen unfreundlichen Vergangenheit hervorgeht. Die Verhältnisse Europas zu Afrika, also des „Kolonialherrn“ zum Kontinent „der Primitivität und des Horrorszenarios“, machte die beiden zu andauernden Gegnern, welche gegenseitig bestehende eurozentrische bzw. ethnozentrische Sichtweisen des Anderen entwickelten (vgl. Mall 1996a; Hall 1994 zit. n. Simo 2015: 13f.). Davon ausgehend kann mit Simo festgestellt werden, dass solche selbstreferenzielle und selbstreflektierende Positionierungen jede Dialogorganisierung unmöglich machen, zumal der eine Pol unter drohenden Machteinflüssen der neokolonialen Herrschaft steht -unter die sich Unterdrückung, Ausbeutung, politische und religiöse Manipulation einreihen- und dem Anderen mehr oder weniger Wert in heutiger Weltkonstellation anordnet (vgl. ebd.).

In Anlehnung an die Deutsch-Französische-Beziehungen zeigt Dibie anschließend auf, dass der Dialog mit dem Anderen nur durch Überwindung und Bewältigung der Vergangenheit d. h. durch schrittweise Beseitigung von Kulturunterschieden auf nationaler Ebene und Versöhnung mit dem vergangenen [Henker] oder [Imperialisten] möglich ist. Bei Versöhnung, präzisiert er, geht es darum, das [traumatisierende] Vergangene besonders zu vergessen oder es als Möglichkeit zu nutzen, um konstruktive Sichtweisen und neue Wege zu gelingenden Partnerschaften einzuräumen (vgl. ebd.: 96). Vergessen heißt mit Dibie, dass eine neue kollektive Identität gesucht werden sollte, welche alte Kulturdifferenzen auflöst und neue entstehen lässt, die auf der einen Seite durch Verzicht auf die geschichtliche Identität und auf der anderen Seite durch Entmythisierung d. h. kritische Auseinandersetzung mit der historisch kolonialen Ideologie zur Reaktualisierung der internationalen Zusammenarbeit charakterisiert ist (vgl. ebd.: 97).Die meisten Länder südlich der Sahara können in diesem Sinne zu interkulturellem Dialog kommen, wenn sie ihre Gemeinsamkeit auf soziokultureller, politischer und wirtschaftlicher Ebene neu entdecken und bearbeiten, um das verborgene Potential herauszuarbeiten und zur Entwicklung profitabel zu machen15.

3.2.3 Interkulturelle Kommunikation: Appell an die Globalisierung

Interkulturelles Lernen sowie die davon abzuleitenden Kompetenzen als wichtige Momente in neueren Kommunikationsformen und Kommunikationssituationen sind ständige (Erwerbs)Prozesse, die im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit unabdingbar sind. Allerdings geht die Diskussion um die in der Mitte der 1990er Jahre eingesetzte Globalisierung über nationale und kulturelle Grenzen hinaus und hinterfragt sie (Broszinsky-Schwabe 2011: 240). Dies drückt sich aus, dass eine globalisierte Welt sich nicht nur auf wirtschaftliche und politische Interessen kristallisiert, sondern mit der Länderverständigungen anfängt, die dem Einmischen und Anerkennung des Eigenen (Bedürftigen) und Interesse des Fremden (Entwicklungspartner) zugrunde liegen. So geschieht interkulturelle Kommunikation, welche als Grundvoraussetzung für die Pflege der internationalen Beziehungen zwischen Ländern bzw. Afrika und Europa gilt (Shaban Mayanja/Eva Hamann 2014: 16). Die Globalisierung vollzieht sich im Sinne von Broszinsky-Schwabe durch Transport von „Waren, Informationen, Technologien und Medien über nationale Grenzen hinweg und […] kulturelle Inhalte“ (2011: 241). Dabei kann herausgestellt werden, dass die Verbreitung von Produktions- und Konsumverhältnissen16 sowie von Orientierungssystemen aus Kooperationsgründen der Anwendung der Massenmedien zugrunde liegen.

Der Aufruf zur fortbestehenden Globalisierung liegt darin, dass Möglichkeiten zunächst herausgearbeitet werden, um Grenzen zwischen Zeit und Räumen abzuschaffen, welche gelingende Interaktionen bremsen. Auch der Bau von Straßen, Verkehrsmittel, Kommunikationsmitteln nimmt daran teil. Dank dieser Mittel wird eine Verhaltensänderung d.h. Erwerb und Erweiterung von interkulturellen Kompetenzen durch Kooperationspraxis ermöglicht (vgl. Thomas 2005). Im ersten Sinne verweist Globalisierung auf nationaler und ethnischer Ebene auf die Loslösung geschichtlich gegenwärtiger Kulturkonflikte, die Akzeptanz von (Kultur)Unterschieden und die Hervorhebung von Gemeinsamkeiten. Diese Gemeinsamkeiten bestehen in derselben lokal politischen und sozioökonomischen Lage, fördern Sicherheit und Gerechtigkeit, damit traditionelle Grenzen nationaler Kultur überwunden werden sowie eine friedlich gelingende interkulturelle und internationale Zusammenarbeit stattfindet.

[...]


1 Unter diesem chinesischen Sprichwort kann verstanden werden, dass das Eigene sich im Prozess interkulturellen Verstehens zum Anderen öffnen sollte. Diese Offenheit sollte aber nicht zur Entwurzelung und zum Bruche des Eigenen führen, sondern es sollte dazu dienen, dass es sich besser versteht und sich im Denken und Handeln verbessert (vgl. Thomas 2005: 11).

2 Hervorhebung von mir, M.N, um den Bezug auf Kommunikation als Grundlage der internationalen Zusammenarbeit zu zeigen.

3 Hervorhebung des Autors.

4 Kum’a Ndumbe III stellt den Stellenwert europäischer Sprachen in unseren Kulturen in Frage und bezeichnet sie als Ursache bestehenden Massenmords in afrikanischer Kulturgesellschaften. Darin liegt die Unmöglichkeit, von homogener Kultur zu sprechen, da es eigentlich keine afrikanische Eigenkultur im besonderen Fall gibt.

5 Hervorhebung nach mir. Dieser Aspekt der Kommunikation wird im Folgenden weiter bearbeitet, um aufzuzeigen, inwiefern Konflikte entstehen können, wenn das Eigene und das Andere Abneigung gegeneinander zeigen.

6 In seinem Buch interkulturelle Kompetenz bearbeitet A. Thomas eine Reihe von Teilkompetenzen, durch die Verständigung möglich ist.

7 Mit wissenschaftlicher Sicht verbindet Yousefi die Aneignung interkultureller Kompetenz durch Auswertung von Primär- und Sekundärliteraturen wie Reisebeschreibungen. Besonders gut sind Bücher, die von eingeborenen Wissenschaftlern dieser Länder verfasst werden.

8 Dass Forstner in seinem Artikel Selbst- und Fremdstereotypen mit Religionsbezug von Stereotypen mit religiösen Ursachen spricht, findet in der Problematik der Dialektik zwischen Eigenem und Fremden einen Zusammenhang, indem das Eigene oder das Andere es legitim finden, den Anderen befeinden zu dürfen, was zu terroristischen Kämpfen und im afrikanischen Kontext zu Massenmorden führt.

9 Anne Katrin Flohr lehnt sich an den Ost-West-Konflikt auf deutschem Boden an und zeigt auf, wie ethnische Konflikte durch Handhabung der Bevölkerung durch die Politik entstehen können. Davon wird abgeleitet, dass die Politik die Sprachen- und Kulturpolitik eines Landes bestimmt und entscheidet wie sie sich entfalten können.

10 Es geht im kamerunischen Kontext um Französisch und Englisch.

11 Abel Eyinga stellt das Problem des Adoptierens von Französisch und Englisch als offiziellen Sprachen dar, ohne dass Kamerun über eine Nationalsprache verfügt. Er stellt eine hierarchische Bedeutung des Kulturbegriffs dar und zeigt auf, dass man zuerst von ethnischer, dann von nationaler, danach von afrikanischer und zum Schluss von Weltkultur sprechen sollte. Und da Kamerun über keine Nationalsprache verfügt, wäre es empfehlenswert von den ethnischen Sprachen auszugehen.

12 Dabei wird gemeint, dass diese Jugendliche aus unterschiedlichen Ethnien mehr über die Bedürfnisse und Interessen ihrer Herkunftsgebiete wissen und können durch interkulturelle Trainingsgruppen besser artikulieren, was sie erwarten.

13 Eine solche Orientierung könnte dazu beitragen, dass Jugendliche passende Zusammenhänge zwischen ihren jeweiligen Handlungsbereichen und den dargebotenen Entwicklungsoptionen finden und daraus ein Entwicklungsprojekt machen. Nur nach den ihnen eigenen Kulturperspektiven und lokalen Bedürfnissen wird die Realisierung der Projekte mithilfe der Kooperationspartner orientiert (vgl. Ahouli: 61-73).

14 Dass Hugo Dyserinck zwar für eine interdisziplinäre Wissenschaftsverwandtschaft, also eine Zusammenarbeit zwischen vergleichender Literaturwissenschaft und der Völkerpsychologie (Ethnopsychologie) plädiert, erweist sich sein Konzept des Zusammenwachsens der Völker in diesem Teil als notwendig (vgl. ebd.: Abstract).

15 Dabei wird nicht nur das radikales Leben neuentdeckt, sondern auch die soziopolitischen und ökonomischen Traditionen, die durch liberal politische Koexistenz und Machtwechsel, Nationalidentität ersetzt werden müssen.

16 Die Verbreitung von Produktionsverhältnissen wird als Möglichkeit angesehen, von National- zu Weltkultur auszugehen. Dies gilt, deswegen weil produzieren und konsumieren zu der einen Kultur gehören.

Ende der Leseprobe aus 78 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Kommunikation und Globalisierung. Eine literaturwissenschaftliche Untersuchung der Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa
Hochschule
Université de Yaoundé I  (Pädagogische Hochschule Yaoundé/Kamerun)
Note
16,50/20
Autor
Jahr
2018
Seiten
78
Katalognummer
V498900
ISBN (eBook)
9783346018472
ISBN (Buch)
9783346018489
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Autors: Innovative Arbeit im Thema und Inhalt.
Schlagworte
interkulturelle, kommunikation, globalisierung, eine, untersuchung, zusammenarbeit, afrika, europa
Arbeit zitieren
Marcel Landry Ndongo (Autor), 2018, Interkulturelle Kommunikation und Globalisierung. Eine literaturwissenschaftliche Untersuchung der Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498900

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