Naturrisiken in Lateinamerika und der Karibik. Implikationen für lokale Entwicklungsprozesse: Das El-Nino-Phänomen in Ecuador, Peru und Chile


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
32 Seiten, Note: 1,7

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Inhalt

1. Einleitung

2. Naturkatastrophen: aktuelle Situation und Entwicklungen

3. Naturkatastrophen in Lateinamerika und der Karibik
3.1 Geologische und tektonische Ereignisse
3.2 Hydro-meteorologische Ereignisse
3.3 Epidemien

4. Soziale und wirtschaftliche Folgen von Naturkatastrophen: Auswirkungen auf lokale Entwicklungsprozesse
4.1 Soziale Folgen von Katastrophenereignissen
4.2 Wirtschaftliche Folgen von Katastrophenereignissen
4.3 Konsequenzen von Naturkatastrophen in Industrie- und Entwicklungsländern
4.4 Naturkatastrophen, Risikomanagement und nachhaltige Entwicklung

5. Das El Niño-Phänomen in Ecuador, Peru und Chile
5.1 Entstehung von El Niño
5.2 Das El Niño-Phänomen in Ecuador und Peru
5.3 Sozioökonomische Auswirkungen von El Niño in Ecuador und Peru
5.4 Exkurs: Auswirkungen von El Niño auf die Fischereiwirtschaft in Chile
5.5 Ecuador und Peru: Reaktion und Prävention gegenüber El Niño

6. Zusammenfassung

Literatur

Anhang

Abbildungen

Abbildung 1: Risikofaktoren und Arten von Risiko (nach Ayala-Carcedo 2004: 272).

Abbildung 2: Dekadenvergleich - Anzahl und monetäre Schäden von Naturkatastrophen weltweit 1950-2004 (Quelle: Münchener Rück 2005a: 14).

Abbildung 3: Naturkatastrophen in Lateinamerika und der Karibik (Anzahl der Ereignisse im jeweiligen Jahr; Darstellung des Zeitraums 1970-1995 im 5-Jahres-Rhythmus, ab 1995 jährliche Auflistung; Quelle: PNUMA 2003: 156 ff.).

Abbildung 4: Verhältnis von wirtschaftlichen Schäden durch Hurrikane zum BIP der betroffenen Regionen (Quelle: CEPAL/BID 2000: 8).

Abbildung 5: Schematische Darstellung der Auswirkungen von Naturkatastrophen in Entwicklungs- bzw. Industrieländern (eigener Entwurf).

Anhang

Übersichtskarte „Ausgewählte Naturkatastrophen in Lateinamerika und der Karibik“29

1. Einleitung

Der verheerende Tsunami in Südostasien am 26. Dezember 2004 mit 280.000 Todesopfern hat gerade erst wieder einmal der ganzen Welt vor Augen geführt, dass Naturkatastrophen trotz immer weiter verbesserter Vorhersagetechniken auch heute noch plötzlich und unerwartet ganze Regionen verwüsten können. Am schlimmsten betroffen sind dabei fast immer die ärmsten Bevölkerungsschichten. Dies ist auch in Lateinamerika nicht anders.

Die weltweite mediale Vernetzung bringt es mit sich, dass heute praktisch in Echtzeit über derartige Ereignisse berichtet wird, unabhängig davon in welchem Teil der Welt sie geschehen. Eine besondere Rolle spielt hierbei die immer größere Verbreitung elektronischer Medien, insbesondere auch des Internets. Es stellt sich die Frage, ob anthropogene Einflüsse Auswirkungen auf die Häufigkeit von Naturkatastrophen haben (oder ob wir heute lediglich von einer größeren Zahl von Katastrophen überhaupt Kenntnis erlangen).

Katastrophen können unterschieden werden in Naturkatastrophen und Katastrophen als Folge menschlichen Handelns. Wohl jeder hat bezüglich des Begriffs „Naturkatastrophe“ eine bestimmte Vorstellung, trotzdem existiert in der Literatur eine größere Anzahl unterschiedlicher Definitionen. In einer sehr bildlichen Definition der Comisión Económica para América Latina y el Caribe (CEPAL) ist etwa von dramatischen, plötzlichen, unvorhergesehenen Ereignissen die Rede, die eine große Zahl von Menschenleben fordern, „Trauer und Leiden“ in einer Gesellschaft oder einem bedeutenden Teil derselben hervorrufen und wichtige Verbindungslinien sowie gewohnte Handlungssysteme der Gemeinschaft temporär unterbrechen. Darüber hinaus erschwert der beträchtliche bei solchen Ereignissen entstehende materielle Schaden „das normale Funktionieren der Wirtschaft und der Gesellschaft generell“ (vgl. CEPAL 1999: 6).

Solche Definitionen sind anschaulich, aber nicht unproblematisch, denn nicht alle Naturphänomene mit „katastrophalen“ Folgen ereignen sich plötzlich und/oder unvorhergesehen (beispielsweise entwickeln sich Dürren meist über einen vergleichsweise langen Zeitraum, können aber gleichwohl gravierende Auswirkungen auf die Betroffenen haben). Auch müssen – glücklicherweise – nicht alle Naturkatastrophen eine große Zahl von Todesopfern fordern, insbesondere nicht in Industrieländern, die zumeist über wirksame Frühwarnsysteme und Katastrophenhilfe verfügen. Deshalb werden weitere Möglichkeiten der Definition vorgeschlagen. Generell spricht man im Fall eines natürlichen physischen Ereignisses, wie beispielsweise einem Vulkanausbruch, das keine Auswirkungen auf die menschliche Gesellschaft hat, von einem Naturphänomen. Erst wenn dadurch Menschen, ihr Handeln oder ihr Besitz betroffen ist, kann ein Ereignis zur Katastrophe werden (vgl. CTI 2000: 3 und Burton et al. 1993: 31 f.). Es erscheint sinnvoll, diesen Begriff nur dann zu verwenden, wenn das Gleichgewicht der Gesellschaft oder der Ökosysteme in einer Größenordnung geschädigt ist, die die Kapazitäten der Betroffenen übersteigt, sich der Situation ohne externe Hilfe zu stellen. (vgl. PNUMA 2003: 143).

Eine exakte Trennung zwischen „normalen“ Naturereignissen und Naturkatastrophen ist nicht immer einfach. Logisch erscheint, dass die „Selbsthilfefähigkeit“ kleinerer und vor allem vergleichsweise armer (Entwicklungs-) Länder sehr viel geringer ist als die großer Industriestaaten.

Die zu erwartenden Verluste durch das Auftreten eines gefährlichen Naturphänomens werden als Naturrisiko (natural risk) bezeichnet, das auf die Gesellschaft (societal risk: erwartete Anzahl der Toten, Verletzten, Obdachlosen, Arbeitslosen) und/oder auf ökonomische Verluste (economic risk: Infrastrukturschäden, Gewinneinbußen etc.) bezogen sein kann. Die Existenz von Naturrisiken ist die Konsequenz aus dem Vorhandensein der Risikofaktoren (risk factors): Gefahr (hazard), Ausgesetztheit (exposure) und Anfälligkeit oder Verwundbarkeit (vulnerability) (vgl. Ayala-Carcedo 2004: 271). Die Beziehungen zwischen Risiko und Risikofaktoren sind in Abbildung 1 schematisch dargestellt:

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Abbildung 1: Risikofaktoren und Arten von Risiko (nach Ayala-Carcedo 2004: 272).

Dabei wird mit hazard die Intensität und Wahrscheinlichkeit eines Auftretens bezeichnet, mit exposure die Ausgesetztheit von Personen oder Sachgütern, mit vulnerability die Anfälligkeit derselben, angegeben mit einer Verlustskala von 0 (kein Schaden) bis 1 (Zerstörung oder Tod). Nur bei Vorhandensein aller Risikofaktoren kann von der Existenz eines Risikos gesprochen werden, quantitativ ausgedrückt als

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mit R = risk (erwartete jährliche Verluste), P = probability (jährliche Wahrscheinlichkeit des Auftretens), V = vulnerability (0-1) und E = exposure (vgl. Ayala-Carcedo 2004: 271). Natürlich existieren noch weitere Definitionen von Naturrisiken, die geringfügig von der oben beschriebenen abweichen. Aus allen ist jedoch abzuleiten, dass die primäre Aufgabe einer präventiven Politik darin besteht, die Anfälligkeit von Personen und Sachgütern gegenüber drohenden Naturgefahren zu reduzieren. Dagegen ist es unmöglich, bestimmte Naturkräfte vollständig auszuschalten (vgl. CEPAL/BID 2000: 6).

Naturkatastrophen können nach ihren Ursachen klassifiziert werden in Katastrophen geologischen, tektonischen, hydrologischen, meteorologischen oder biologischen Ursprungs. Zu den häufigsten Naturkatastrophen, insbesondere in Lateinamerika und der Karibik, zählen Erd- und Seebeben, Vulkanausbrüche, Dürren, Brände, Hurrikane und Tropische Stürme, Überschwemmungen und Erdrutsche sowie Epidemien (vgl. PNUMA 2003: 143).

Im Rahmen dieser Arbeit werden zunächst verschiedene Zahlen und Fakten zu Naturkatastrophen vorgestellt. Anschließend folgt eine Auflistung der wichtigsten Naturrisiken im lateinamerikanisch-karibischen Raum. Mit den Auswirkungen von Naturkatastrophen auf Entwicklungsprozesse beschäftigt sich Kapitel 4, insbesondere unter Berücksichtigung der besonderen Situation der Entwicklungsländer. Als Fallbeispiel wird schließlich in Kapitel 5 das El Niño-Phänomen und seine Auswirkungen auf die Staaten Ecuador, Peru und Chile dargestellt.

2. Naturkatastrophen: aktuelle Situation und Entwicklungen

Im Jahr 2004 kamen weltweit mehr als 320.000 Menschen bei Naturkatastrophen ums Leben, mehr als vier mal soviel wie im Jahr zuvor (vgl. ABC News 2005). Der überwiegende Anteil davon waren Opfer der Tsunamikatastrophe in Südasien (vgl. CRED 2005). Die volkswirtschaftlichen Schäden betrugen weltweit 145 Mrd. US$ und stiegen damit im Vergleich zum Vorjahr (60 Mrd. US$) um 140 %. 2004 war für die Versicherungswirtschaft das teuerste Naturkatastrophenjahr überhaupt (vgl. Münchener Rück 2005a: 2). Es kann aufgrund des Einzelereignisses des Tsunamis im Indischen Ozean in bezug auf Naturkatastrophen als ein besonders „außergewöhnliches“ (oder schreckliches) Jahr gelten. Insgesamt bestätigen die gestiegenen Zahlen jedoch einen langjährigen Trend (vgl. Abbildung 2).

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Abbildung 2: Dekadenvergleich - Anzahl und monetäre Schäden von Naturkatastrophen weltweit 1950-2004 (Quelle: Münchener Rück 2005a: 14).

Es wird deutlich, dass sich die ökonomischen Schäden alleine zwischen den 1970er und den 1990er Jahren annähernd verfünffacht haben.

Weniger eindeutig als in bezug auf die Höhe der wirtschaftlichen Schäden stellt sich die Entwicklung der Todesfälle durch Naturkatastrophen dar. Hier gibt es sehr viel größere Schwankungen zwischen verschiedenen Jahren, bedingt durch außergewöhnliche Einzelereignisse wie beispielsweise den erwähnten Folgen des Seebebens vor Südostasien im Dezember 2004. Insgesamt ist die Zahl der Todesopfer in den letzten 20 Jahren zurück gegangen – von 2 Mio. Toten während der 1970er Jahre auf 800.000 in den 1990ern. Die Zahl der von Naturkatastrophen Betroffenen hat sich dagegen jedoch auf 2 Mrd. verdreifacht (vgl. The World Bank 2004a).

Inzwischen geht eine große Zahl von Experten davon aus, dass anthropogene Einflüsse sich zunehmend auf Häufigkeit und Folgekosten von Naturkatastrophen auswirken. Hierzu zählen insbesondere menschliche Einflüsse auf den globalen Klimawandel, die mittlerweile kaum mehr angezweifelt werden (vgl. z.B. The World Bank 2003: 215). Beispielsweise gibt es Anzeichen dafür, dass Anzahl und Stärke von atlantischen Hurrikanen noch weiter zunehmen werden (vgl. Münchener Rück 2005a: 41, 55). Das Rote Kreuz zählt zu den weiteren Einflussfaktoren für eine Zunahme von Naturkatastrophen und deren sozioökonomischen Konsequenzen: Umweltschäden (im weitesten Sinne), Bevölkerungswachstum (insbesondere in den Städten) und allgemein die fortschreitende Globalisierung (vgl. The World Bank 2004a). Durch menschliche Einflüsse können nicht nur Frequenz und Ausmaß von Naturkatastrophen ansteigen, sondern auch Naturgefahren in Regionen entstehen, die vorher nicht betroffen waren (vgl. CTI 2000: 5).

3. Naturkatastrophen in Lateinamerika und der Karibik

Auch wenn im Rückblick das Jahr 2004 ganz eindeutig von der Berichterstattung über den verheerenden Tsunami geprägt ist, so darf nicht vergessen werden, dass auch in Lateinamerika und der Karibik große Naturkatastrophen stattgefunden haben. Allein die vier Hurrikane Charley, Frances, Ivan und Jeanne forderten in der Karibik und den USA insgesamt über 2.100 Todesopfer und volkswirtschaftliche Schäden in Höhe von 62 Mrd. US$ (vgl. Münchener Rück 2005a: 35 ff.). Bei Überschwemmungen in Haiti, Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, der Dominikanischen Republik, Mexiko und weiteren Ländern starben 3.500 Menschen, davon 3.300 während der Überschwemmungen im Mai 2004 in Haiti und der Dominikanischen Republik (vgl. CRED 2005). Die CEPAL schätzt, dass in den vergangenen drei Jahrzehnten in Lateinamerika und der Karibik über 108.000 Menschen durch Naturkatastrophen ums Leben kamen und über 150 Millionen Personen direkt oder indirekt betroffen waren (vgl. CEPAL 2003: v). Hierbei muss auf teilweise unvollständige Datenlage und die Schwierigkeiten einer exakten Datenerfassung hingewiesen werden, insbesondere im Zusammenhang mit Entwicklungsländern. So sind nach Angaben der Emergency Disasters Database des Centre for Research on the Epidemology of Disasters beispielsweise bei Naturkatastrophen in der Region zwischen 1970 und 2001 insgesamt 246.569 Menschen gestorben, also mehr als doppelt so viele wie nach der Statistik der CEPAL (vgl. CRED/OFDA 2005). Die in dieser Arbeit genannten Zahlen sollten also stets nur als ungefähre Anhaltspunkte verstanden werden. Dies gilt umso mehr für die noch schwerer erfassbaren ökonomischen oder gar sozialen Auswirkungen von Naturkatastrophen. Im Normalfall dürften die angegebenen Zahlen die tatsächlichen Auswirkungen eher unterschätzen, weil beispielsweise zahlreiche Ereignisse geringerer Intensität nicht berücksichtigt sind, die abgelegene und isolierte Regionen treffen (vgl. PNUMA 2003: 143). Auch nach Ablauf der von den Vereinten Nationen ausgerufenen International Decade for Natural Disaster Reduction (IDNDR) 1990-2000 verfügen die meisten Länder, darunter sogar einige Industrieländer, nicht über verlässliche Statistiken (vgl. Ayala-Carcedo 2004: 274).

In jedem Fall ist festzuhalten, dass sich die größten ökonomischen Verluste auf flächenmäßig kleine und relativ schwach entwickelte Länder, vor allem im Andenraum, Mittelamerika und der Karibik konzentrieren (vgl. CEPAL 2003: v). Und: 95 % aller Todesfälle als Folge von Naturkatastrophen werden in Entwicklungsländern gezählt (vgl. The World Bank 2003b).

Die meisten Todesopfer von Naturkatastrophen in Lateinamerika und der Karibik sterben bei Erdbeben (47,2 %), gefolgt von Überschwemmungen (18,5 %) Stürmen und Hurrikanen (14,0 %), Vulkanausbrüchen (9,3 %), Epidemien (6,2 %) und Erdrutschen (4,1 %); die Prozentangaben beziehen sich auf den Zeitraum der letzten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts (vgl. CRED/OFDA 2005). Einen Überblick über ausgewählte Naturkatastrophen in der Region liefert die Übersichtskarte im Anhang dieser Arbeit. Berücksichtigt sind alle Ereignisse zwischen 1970 und 2004, die von der Münchener Rückversicherung zu den jährlich 50 bedeutendsten Naturkatastrophen weltweit gezählt wurden.

Deutlich erkennbar ist, dass der karibische Raum in besonderem Maße von tropischen Stürmen und Hurrikanen betroffen ist. Erdbeben und Vulkanausbrüche passieren häufig in Regionen wie dem Andenraum, Teilen Mittelamerikas und den Kleinen Antillen, die zum Teil direkt an den Plattengrenzen liegen (vgl. Leser (Hrsg.) 2001: 631). Es handelt sich hierbei um die Grenzzonen von Pazifischer und Nordamerikanischer, Cocos- und Karibischer sowie Nazca- und Südamerikanischer Platte. Andere Schadensereignisse sind weniger konzentriert verteilt, bei Überschwemmungen wird z.B. aber doch eine gewisse Häufung nahe der Küstengebiete deutlich, insbesondere in Ecuador, Südostbrasilien, Teilen Mittelamerikas und der Karibik. In einigen besonders gefährdeten Gebieten kombinieren sich somit verschiedene Risiken (vgl. PNUMA 2003: 144). Es bleibt zu erwähnen, dass verschiedene Katastrophenereignisse dieselbe Ursache haben können und somit zeitgleich auftreten. So können beispielsweise sowohl Überschwemmungen als auch Erdrutsche die Folge von starken Niederschlägen sein.

Eine Übersicht über Naturkatastrophen in Lateinamerika und der Karibik über ausgewählte Jahre seit 1970 zeigt, dass die Anzahl hydro-meteorologischer Ereignisse, also Stürme und Überschwemmungen, in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Dies scheint die These zu stützen, dass ein globaler Klimawandel deutliche Auswirkungen auf die Häufigkeit solcher Naturkatastrophen hat (vgl. Abbildung 3):

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Abbildung 3: Naturkatastrophen in Lateinamerika und der Karibik (Anzahl der Ereignisse im jeweiligen Jahr; Darstellung des Zeitraums 1970-1995 im 5-Jahres-Rhythmus, ab 1995 jährliche Auflistung; Quelle: PNUMA 2003: 156 ff.).

3.1 Geologische und tektonische Ereignisse

Das Erdbeben in Lateinamerika und der Karibik mit den meisten Toten seit 1970 ereignete sich am 31. Mai 1970 in Peru und forderte fast 70.000 Todesopfer. Zu den weiteren schweren Erdbeben zählen die von Guatemala 1976 (22.000 Tote) und Managua 1972 (Nicaragua, 5.000-10.000 Tote). Die Folgen der letztgenannten Katastrophe wurden durch anschließende Brände in der Stadt, denen weitere 73.000 Menschen zum Opfer fielen, auf tragische Weise verschärft, ein Beleg dafür, dass sich auch Natur- und sogenannte technische Katastrophen nicht immer trennen lassen (vgl. Münchener Rück 2005b: 38 ff. und PNUMA 2003: 144).

Zu den schwersten Erdbeben in jüngerer Zeit zählen die in Kolumbien (1999, 1.200 Tote, 80.000 Häuser beschädigt oder zerstört) und El Salvador (2001, 1.200 Tote, 1 Mio. Obdachlose) (vgl. Münchener Rück 2005b: Anhang).

Der heftigste Vulkanausbruch der vergangenen dreieinhalb Jahrzehnte ereignete sich ebenfalls in Kolumbien, wo im November 1985 die Stadt Armero bei einem Ausbruch des Nevado del Ruiz zerstört wurde und 22.800 der 30.000 Einwohner ums Leben kamen (vgl. PNUMA 2003: 146 und CRED/OFDA 2005). Beim Ausbruch des Chichón in Mexiko wurden 1982 fast 1.900 Menschen getötet. Zu den schwersten Vulkanausbrüchen der jüngeren Zeit zählen die des Souffrière Hills auf Montserrat (Juli 1995 bis Dezember 1997, 19 Tote), des Popocatépetl in Mexiko (1997, 20 Tote) und des Galeras in Kolumbien (1993, 10 Tote) (vgl. Münchener Rück 2005b: 38 ff. und PNUMA 2003: 146).

3.2 Hydro-meteorologische Ereignisse

Hydro-meteorologische Ereignisse, also Stürme, Überschwemmungen und Erdrutsche eingerechnet, waren in den vergangenen dreieinhalb Dekaden die zweithäufigste Ursache für Todesfälle durch Naturkatastrophen in der Region (36,6 % aller Todesopfer).

Ein wichtiger Faktor ist hierbei das El Niño-Phänomen, auch als ENSO (El Niño-Southern Oscillation) oder ENOS (El Niño-Oscilación Sur) bezeichnet. Es handelt sich um eine Anomalie der atmosphärischen-ozeanischen Zirkulation im Südpazifik vor der südamerikanischen Westküste (vgl. Siegmund 2002: 46). Ursachen und v.a. Folgen von El Niño-Ereignissen für die betroffenen Staaten und Regionen werden in Kapitel 5 noch genauer untersucht. Bedingt durch das ENSO-Phänomen kommt es in einigen Regionen Lateinamerikas wie Ecuador oder Peru zu außergewöhnlich heftigen, langanhaltenden Niederschlägen, während in anderen Gebieten, beispielsweise dem Norden Brasiliens, Dürren und Hitzewellen auftreten können.

Neben dem ENSO-Phänomen spielen noch andere mit Klima bzw. Niederschlägen in Zusammenhang stehende Naturkatastrophen eine Rolle: Bei den schwersten Überschwemmungen in Mexiko seit 1600 kamen im Jahr 1999 über 500 Menschen ums Leben, über 30.000 Häuser wurden beschädigt oder zerstört und 285.000 Personen obdachlos. Im selben Jahr führten verheerende Überschwemmungen, Erdrutsche und Schlammlawinen in Venezuela zu einer beispiellosen nationalen Notsituation. 20.000 Menschen starben, die ökonomischen Schäden werden auf 15 Mrd. US$ geschätzt (vgl. Münchener Rück 2005b: Anhang). Im Mai 2004 forderten schwere Überschwemmungen nach sintflutartigen Regenfällen in Haiti und der Dominikanischen Republik 2.000 Todesopfer. Die Notsituation wurde durch die sich anschließende Hurrikansaison noch verschlimmert, insbesondere Hurrikan Jeanne forderte im September des gleichen Jahres erneut 2.000 Todesopfer in Haiti, der Dominikanischen Republik, Puerto Rico, den Bahamas und den USA (vgl. Münchener Rück 2005: Anhang).

Praktisch alle mittelamerikanischen Staaten sowie die gesamte Karibik liegen im Hurrikangürtel, der, ausgehend von den Küsten im nördlichen Afrika, sowohl die Atlantik- wie auch die Pazifikküsten dieser Regionen betrifft. Insbesondere in vielen der kleinen Inselstaaten der Karibik gehen zahlreiche Umweltschäden auf die regelmäßige Wiederkehr dieser Naturkatastrophen zurück. Als Beispiel können die bereits angesprochenen großen, durch die Hurrikane Charley, Frances, Ivan und Jeanne im Jahr 2004 hervorgerufenen Schäden von über 60 Mrd. US$ gelten. Zum Vergleich: der bis dahin schadensreichste atlantische Hurrikan Andrew verursachte 1992 in den USA Schäden in Höhe von 26 Mrd. US$ (damalige Werte) (vgl. Münchener Rück 2005: 35).

Zu den schwersten Hurrikanen in der Region Lateinamerika/Karibik zählen Georges und Mitch im September bzw. Oktober/November 1998. Dabei kamen in der Dominikanischen Republik respektive in Mittelamerika (hier v.a. in Honduras und Nicaragua) 9.500 Menschen ums Leben. Die ökonomischen Schäden betrugen insgesamt über 8 Mrd. US$ (vgl. CEPAL 1999: 37). Diese Zahlen mögen angesichts der enormen, durch die Hurrikane Andrew sowie Charley, Frances, Ivan und Jeanne verursachten Kosten (s.o.) noch vergleichsweise niedrig erscheinen. Zu beachten ist allerdings, dass der größte Teil der durch die letztgenannten Stürme verursachten (ökonomischen) Schäden auf die USA und damit die größte Volkswirtschaft der Welt bezogen ist, die ein solches Extremereignis ungleich leichter verkraften kann als kleine mittelamerikanische und karibische Schwellen- bzw. Entwicklungsländer. Dies wird besonders deutlich bei einem Vergleich der durch die Hurrikane verursachten absoluten Verluste mit dem BIP der jeweiligen Staaten bzw. Regionen (vgl. Abbildung 4):

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Abbildung 4: Verhältnis von wirtschaftlichen Schäden durch Hurrikane zum BIP der betroffenen Regionen (Quelle: CEPAL/BID 2000: 8).

Obwohl die Schäden in den USA in absoluten Zahlen die in den betroffenen mittelamerikanischen Staaten deutlich übertreffen, ist die gesamtwirtschaftliche Auswirkung vergleichsweise gering (s.a. Kapitel 4.3).

3.3 Epidemien

Als Epidemien werden außergewöhnliche Häufungen von bereits in einem Gebiet bzw. einer Bevölkerung existierenden Infektionskrankheiten bezeichnet. Nach den bereits beschriebenen geologisch-tektonischen und hydro-meteorologischen Ereignissen zählen Epidemien (wenn auch mit deutlichem Abstand) zu den drei häufigsten Todesursachen der Opfer von Naturkatastrophen (6,2 %). Dabei ist insbesondere der Zusammenhang mit anderen Naturkatastrophen hervorzuheben, die das Risiko eines Ausbruchs von Krankheiten häufig deutlich ansteigen lassen. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn zahlreiche Menschen aufgrund von Naturkatastrophen obdachlos werden und unter ungünstigen hygienischen Bedingungen oft für längere Zeit gezwungen sind, auf engem Raum zusammen zu leben (vgl. PNUMA 2003: 148).

Außerdem können Naturkatastrophen auch direkt Auslöser von Epidemien sein, vor allem durch Änderungen der Wetterbedingungen. Dies lässt sich am Beispiel des ENSO-Phänomens belegen, das für gesteigerte Risiken einiger von Moskitos übertragener Krankheiten wie Malaria, Dengue-Fieber oder Rift-Valley-Fieber verantwortlich ist. Vor allem die Übertragung von Malaria ist stark von Wetterbedingungen abhängig. So können nach heftigen Regenfällen in normalerweise trockenen Gebieten schnell Pfützen entstehen, die Moskitos gute Lebensbedingungen bieten. Auf der anderen Seite können in ansonsten humiden Regionen fließende Gewässer bis auf wenige Tümpel austrocknen, was wiederum eine starke Vermehrung krankheitsübertragender Moskitoarten begünstigt (vgl. WHO 2000: 2).

Zu den größten Epidemien in Lateinamerika und der Karibik zählen Diarrhöe, das HI-Virus, Cholera, Dengue-Fieber, Hämorrhagisches Fieber, Leptospirose, Malaria, Tuberkulose, Hantaviren, Beulenpest, Gelbfieber oder Typhus. Als größte Katastrophe biologischen Ursprungs in der Region gilt die Cholera, der während ihrem sechsten Auftreten zwischen 1991 und 1997 fast 12.000 Menschen zum Opfer fielen. Die Zahl der registrierten Fälle beläuft sich sogar auf 1,2 Mio. auf dem gesamten amerikanischen Kontinent, v.a. in den Andenstaaten, Guatemala und Nicaragua. Lediglich die Karibikstaaten und Uruguay sowie unter den nordamerikanischen Staaten Kanada blieben verschont. Für Peru, Ausgangsort dieser Cholerawelle, werden die ökonomischen Schäden alleine im ersten Jahr auf 150 Mio. US$ geschätzt (vgl. PNUMA 2003: 150).

4. Soziale und wirtschaftliche Folgen von Naturkatastrophen: Auswirkungen auf lokale Entwicklungsprozesse

Die Auswirkungen von Naturkatastrophen gehen weit über die kurzfristigen Folgen der durch sie hervorgerufenen Notsituation hinaus. Gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische oder ökologische Effekte sind z.T. noch sehr lange nach dem eigentlichen Ereignis spürbar (vgl. CEPAL 1999: 2). Jahrzehntelange Entwicklungsprozesse können so in wenigen Stunden zunichte gemacht werden (vgl. The World Bank 2004a: 1).

4.1 Soziale Folgen von Katastrophenereignissen

Die sozialen Folgen von Katastrophenereignissen auf individueller Ebene sind: Tote, Verwundete und andere Betroffene (darunter v.a. Menschen, die direkt unter den Folgen einer Naturkatastrophe zu leiden haben, beispielsweise durch Evakuierungsmaßnahmen). Auf gesamtgesellschaftlicher Ebene kann es zu großen Veränderungen der Gesellschaftsstruktur kommen, dies trifft in noch stärkerem Ausmaß auf einzelne Familien zu (vgl. Ayala-Carcedo 2004: 278). Zumeist sind es die ärmsten Schichten einer Gesellschaft, die am häufigsten von Naturkatastrophen betroffen sind und auch am stärksten unter den Auswirkungen zu leiden haben. Hierauf wird in Kapitel 4.3 noch genauer eingegangen.

Darüber hinaus lassen sich soziale und wirtschaftliche Folgen von Katastrophenereignissen nicht immer exakt trennen. Was sich auf individueller Ebene als soziale Auswirkung darstellt, kann evtl. gleichzeitig auch als ökonomischer Schaden gewertet werden (z.B. bringt der Verlust eines Arbeitsplatzes sowohl soziale Auswirkungen als auch monetäre Verluste mit sich).

4.2 Wirtschaftliche Folgen von Katastrophenereignissen

Die makroökonomischen Langzeiteffekte zeigen sich in verschiedenen Variablen, die insgesamt tendenziell zu einer Reduzierung des Pro-Kopf-Einkommens führen. Die Erfahrung aus Lateinamerika belegt, dass eine deutliche Korrelation zwischen der Entwicklung des BIP eines Landes und der Anzahl der Katastrophenereignisse pro Jahr besteht (vgl. CEPAL/BID 2000: 13).

Die CEPAL (1999: 10 ff.) unterscheidet in Bezug auf die Auswirkungen von Naturkatastrophen zwischen direkten und indirekten Schäden sowie Sekundäreffekten.

- Zu den direkten Schäden zählen Verluste jeglicher Art (totale oder teilweise, unwiederbringlich oder nicht) an Festkapital, Investitionen und Inventar, bereits produzierte oder sich noch im Produktionsprozess befindliche Güter, Rohstoffe oder Maschinen. Die direkten Schäden beinhalten u.a. die Zerstörung von Gebäuden, Transportmitteln, Maschinen ebenso wie Schäden an der landwirtschaftlichen Nutzfläche, Bewässerungsanlagen, Verkehrswegen, Hafenanlagen oder ziviler, religiöser oder kultureller Infrastruktur.
- Die indirekten Schäden umfassen sowohl Waren als auch Dienstleistungen, die aufgrund des Katastrophenereignisses nicht produziert oder nachgefragt werden. Dies bezieht sich auf einen nachfolgenden Zeitraum, der sich, ausgehend vom Ereignis selbst, um Wochen, Monate oder Jahre erstrecken kann – je nach den Charakteristika der Naturkatastrophe. Dazu zählen zusätzliche Kosten in allen Sektoren, die beispielsweise durch den Einsatz alternativer Transportmittel oder Verkehrsumleitungen entstehen, Einkommensausfälle durch den Verlust von Arbeitsplätzen, Ausgaben aufgrund von neu entstandenen Notwendigkeiten wie Impfkampagnen zur Vermeidung von Epidemien sowie einen Produktions- und Einkommensrückgang in direkt vom Katastrophenereignis betroffenen Wertschöpfungsketten. Letzteres bezieht sich beispielsweise auf Unternehmen, dessen Zulieferer oder Abnehmer/Kunden ausfallen.
- Direkte und indirekte Schäden zusammengenommen ergeben die gesamten Effekte eines Katastrophenereignisses. Um beide Schadenstypen zu berücksichtigen, müssen die Konsequenzen von Naturkatastrophen sorgfältig evaluiert werden, insbesondere weil die monetären Kosten der indirekten Schäden die der direkten häufig übersteigen. Dies ist von Bedeutung, weil v.a. indirekte Schäden auch die sogenannten Sekundäreffekte nach sich ziehen, die sich auf die gesamte Wirtschaft auswirken und die Selbsthilfefähigkeit eines Landes zu wirtschaftlicher Erholung und Wiederaufbau nachhaltig beeinflussen können.
- Die Einflüsse eines Katastrophenereignisses auf die gesamte Volkswirtschaft eines Landes bezeichnet die CEPAL als Sekundäreffekte. Gemessen werden diese mit den wichtigsten makroökonomischen Variablen wie dem BIP, der Preisentwicklung oder der Außenhandelsbilanz. Generell kann erwartet werden, dass das BIP in Folge eines Katastrophenereignisses abnimmt (allerdings kann es in einigen Sektoren auch zu einem Anstieg der wirtschaftlichen Aktivitäten kommen, insbesondere im Baugewerbe im Zuge von Wiederaufbaumaßnahmen). Durch Produktionsausfälle kommt es zu einer Abnahme von Exporten und gleichzeitig notwendig gewordenen Zunahme der Importe, was sich negativ auf Handels- und Zahlungsbilanz auswirkt. Während zur Bewältigung der Folgen des Katastrophenereignisses die öffentlichen Ausgaben steigen sinken gleichzeitig die Steuereinnahmen, verbunden mit der gesunkenen wirtschaftlichen Aktivität und im Extremfall dem Ausfall von Steuerzahlern.

Die starke Zunahme der durch Naturkatastrophen verursachten Schäden (darunter vor allem indirekte Schäden und Sekundäreffekte) in der jüngeren Vergangenheit ist zum Teil auf das Ausmaß und die gestiegene Häufigkeit der Katastrophenereignisse in Lateinamerika und der Karibik zurück zu führen. Gleichzeitig sind die höheren Schäden ein Beweis für die Ausdehnung von Infrastruktur, menschlicher Siedlungs- und Wirtschaftsräume und somit insgesamt auch für das Vorhandensein von Entwicklungsprozessen (vgl. CEPAL 1999: 43). Auf der anderen Seite zeigt das Ausmaß der Schäden, dass die in der Region verfolgten Entwicklungsprozesse gravierende Mängel aufweisen und bisher noch zu wenig Rücksicht auf ein adäquates Risikomanagement gelegt wird (vgl. The World Bank 2004b: 2 und CEPAL 1999: 43).

Die makroökonomischen Langzeiteffekte können sich sogar auf benachbarte Länder auswirken, selbst wenn diese von der eigentlichen Naturkatastrophe verschont geblieben sind. Auslöser hierfür können beispielsweise erhöhte Kosten durch Aufnahme von Immigranten, unterbrochene Verkehrs- oder Kommunikationslinien oder eine verringerte Nachfrage nach Importen im Nachbarland, in dem sich die Katastrophe ereignet hat, sein (vgl. CEPAL/BID 2000: 13).

4.3 Konsequenzen von Naturkatastrophen in Industrie- und Entwicklungsländern

Bereits mehrfach angesprochen wurden die ungleichen Auswirkungen von Naturkatastrophen in Industrie- und Entwicklungsländern. Ereignisse eines bestimmten Ausmaßes, die in entwickelten Ländern nur marginale Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft haben, können in Entwicklungsländern verheerende Konsequenzen nach sich ziehen. Diverse Faktoren, die mit dem vergleichsweise niedrigen Entwicklungsstand zusammen hängen, sind Grund für eine Ausweitung dieser Konsequenzen. Insofern ist das Thema Naturkatastrophen eindeutig auch ein Problem von Entwicklungsprozessen in den betroffenen Ländern (vgl. CEPAL/BID 2000: 1, 5). Dieser Zusammenhang zwischen den Auswirkungen von Naturkatastrophen und sozio-ökonomischen Faktoren in der betroffenen Region zeigt sich nicht nur auf globaler, sondern auch auf nationaler Ebene: ärmere Bevölkerungsschichten siedeln am ehesten in besonders gefährdeten Räumen wie Küstengebieten, Flusstälern oder steilen Hanglagen und verfügen oft nur über unzureichende bauliche Infrastruktur (vgl. Ayala-Carcedo 2004: 276 und The World Bank 204a: 1).

Während Naturkatastrophen in Industrieländer in der Regel zwar gravierende, aber dennoch singuläre Ereignisse darstellen, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Prozesse nur relativ kurzfristig und marginal beeinflussen, so sind die Auswirkungen in Entwicklungsländern meist langfristiger und von größerer Intensität. In Abbildung 5 wird versucht, die unterschiedlichen Konsequenzen von Naturkatastrophen in ärmeren und reicheren Staaten und Regionen schematisch darzustellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Schematische Darstellung der Auswirkungen von Naturkatastrophen in Entwicklungs- bzw. Industrieländern (eigener Entwurf).

In Industrieländern liegen die Schäden in absoluten monetären Werten ausgedrückt zwar meist deutlich höher als in Entwicklungsländern, diese Belastung wird aber zum großen Teil durch ein hohes BIP aufgefangen. Ein häufig vorhandener Versicherungsschutz gegen Eigentumsverlust sorgt außerdem dafür, dass selbst große Naturkatastrophen zumeist nur geringe Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft haben. Auch die „sozialen Folgen“ solcher Ereignisse sind in der Regel vergleichsweise gering, weil aufgrund von Schutzmaßnahmen, Frühwarnsystemen und einer effektiven Katastrophenhilfe die Zahl der Toten und Verletzten sehr niedrig ist[1] (vgl. The World Bank 2004a: 2).

Auf Seiten der Entwicklungsländer entstehen zwar deutlich geringere absolute monetäre Verluste, die jedoch verglichen mit dem BIP meist um ein Vielfaches höher liegen (vgl. Abbildung 4). Beispielsweise schätzt die Weltbank, dass Naturkatastrophen in Nicaragua in den 1990er Jahren jährliche Durchschnittskosten von 15,6 % des BIP verursachten. Im Falle von Einzelereignissen wie dem bereits in Kapitel 3.2 angesprochenen Hurrikan Mitch können die Summen in bestimmten Jahren sogar noch weit darüber liegen, im Fall von Honduras entstanden Verluste, die umgerechnet 41 % des BIP erreichten. Das entsprach fast dem Dreifachen der staatlichen Steuereinnahmen (vgl. The World Bank 2004a: 2). In Spanien, als Beispiel für ein entwickeltes Land, das jedoch über einen vergleichsweise großen Agrarsektor verfügt und damit eine gewisse Anfälligkeit für Naturkatastrophen besitzt, werden die jährlichen Verluste durch Naturkatastrophen (Untersuchungszeitraum 1990-1995) dagegen auf lediglich 0,15 % des BIP geschätzt (vgl. Ayala-Carcedo 2004: 278).

Besonders problematisch für Länder der Dritten Welt ist, dass aufgrund fehlender Mittel für ein effektives Risikomanagement oft Entwicklungshilfegelder zur Wiederaufbauhilfe zweckentfremdet werden, die eigentlich aus bestehenden Investitions- und Entwicklungsprogrammen stammen. Die vorhandene Unterentwicklung wird so noch gefestigt (vgl. The World Bank 2004b: 2)[2]. Dieses Phänomen ist wiederum auch auf nationalstaatlicher Ebene in Entwicklungsländern selbst zu beobachten, wo die ärmsten Bevölkerungsschichten nicht nur am schwersten von Naturkatastrophen betroffen sind, sondern auch über die wenigsten Ressourcen zur Bewältigung ihrer Folgen verfügen (vgl. CTI 2000: 37). Bisweilen sind sogar die an die Katastrophe anschließenden Wiederaufbauprogramme so ausgeführt, dass sie die ohnehin ungleiche Wohlstandsverteilung noch verstärken (vgl. Caballeros-Otero/Zapata-Martí 1995: 28).

Außerdem wird auch heute noch v.a. in Entwicklungsländern häufig die Chance vertan, bestimmte Grundprobleme im Zuge der Wiederaufbaumaßnahmen nach einer Naturkatastrophe zu lösen, in der Literatur als Set-Back-Problem bezeichnet. Daran sind auch westliche Entwicklungshilfeagenturen nicht immer schuldlos. Beispielsweise haben viele Hilfsagenturen, die Wiederaufbauhilfe bei von Erdbeben oder Hurrikanen zerstörten Wohnhäusern leisten, keinerlei Erfahrung im Bau sicherer Gebäude. Anstatt einen Vorteil aus der Beseitigung der bisher vorhandenen, unsicheren Häuser zu ziehen und diese zu verbessern, werden häufig genau jene Strukturen systematisch wieder errichtet, die sich als besonders anfällig gegenüber der Naturkatastrophe erwiesen haben, bei der sie zerstört wurden (vgl. Cuny 1983: 99 f.).

4.4 Naturkatastrophen, Risikomanagement und nachhaltige Entwicklung

Begriffe wie Prävention, Risiko- und Katastrophenmanagement umfassen eine Vielzahl von Aspekten, die im Zusammenhang mit der Abschwächung der Auswirkungen von Naturkatastrophen stehen. Dabei spielen so unterschiedliche Faktoren wie Forschungen über Entstehung und Auftreten von Naturkatastrophen unterschiedlichster Art, technischer Schutz durch Baumaßnahmen, Regionalplanung, Aufklärungsarbeit bei potenziell Betroffenen etc. eine Rolle. Gleichzeitig hat sich seit den 1970er Jahren eine breitere Auffassung von disaster mitigation entwickelt, die z.B. auch Maßnahmen zur Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur beinhaltet, wodurch im Katastrophenfall beim Ausfall bestimmter Sektoren weniger Gesamtschaden entsteht (vgl. Cuny 1983: 207).

Maßnahmen zur Reduzierung der Langzeitfolgen von Katastrophenereignissen können sich an zwei Bedingungen orientieren: zum einen die Verteilung von Ressourcen angesichts einer drohenden Naturkatastrophe, um deren Auswirkungen abzuschwächen, zum anderen die Sicherstellung, dass die für den Wiederaufbau bestimmten Investitionen im Sinne einer nachhaltigen Reduzierung der Anfälligkeit für weitere Katastrophen verwendet werden (Vermeidung des Set-Back-Problems, vgl. Kapitel 4.4) (vgl. CEPAL 2003: vii).

Die Begegnung mit Risiken kann niemals zu einfachen Lösungen führen. Partielle oder auf einzelne Sektoren bezogene Schutzmaßnahmen verlagern im besten Fall lediglich das Risiko zeitlich oder räumlich, indem sie es auf andere Systeme transferieren. So bieten Eindeichungen zwar bestimmten Gebieten Schutz vor Hochwasser, können aber gleichzeitig die Überflutung anderer, evtl. noch stärker gefährdeter Regionen nach sich ziehen (vgl. Margottini 2004: 249). Insofern ist auch die Politik vieler Industrieländer in bezug auf Naturkatastrophen nicht optimal. In Entwicklungsländern stellt sich diese Problematik jedoch noch um einiges gravierender dar. Zu lange vertraten viele Entwicklungsländer die Ansicht, Katastrophenmanagement sei ein Luxus für reiche Länder. Doch obwohl arme Länder Risikomanagement häufig hauptsächlich als zusätzlichen Kostenfaktor betrachten, können die im Katastrophenfall entstehenden monetären Schäden um ein Vielfaches höher ausfallen, wenn kein Katastrophenmanagement in Betracht gezogen wurde (vgl. The World Bank 2004b: 2). Diese Erkenntnis hat sich selbst im Rahmen der internationalen Kooperation und Entwicklungshilfe nur langsam durchgesetzt. In Lateinamerika und der Karibik reagierte die internationale Staatengemeinschaft i.d.R. schnell auf Notsituationen in der Folge von Naturkatastrophen und beteiligte sich an der Finanzierung des Wiederaufbaus. Allerdings sind nach wie vor 90 % der Gelder ausschließlich für Instandsetzungs-, Hilfs- oder Wiederaufbaumaßnahmen bestimmt, lediglich 10 % fließen in präventive Aktivitäten (vgl. PNUMA 2003: 156).

Unzweifelhaft zählen Lateinamerika und die Karibik zu den Regionen, wo Naturgefahren – insbesondere seit der letzten Dekade – immerhin verstärkte Aufmerksamkeit erfahren. Dennoch verbleiben nach wie vor zahlreiche kritische Punkte, darunter die unzureichende Regionalplanung in besonders gefährdeten Gebieten, nur eingeschränkte Verwendung erdbebensicherer Bauweise, nicht vorhandene Sicherheitsmaßnahmen für einkommensschwache Siedlungsräume und die generell größer werdende Anfälligkeit Naturgefahren gegenüber aufgrund fortschreitender Umweltzerstörung, Siedlungsausweitung und der Zunahme der urbanen Armut (vgl. PNUMA 2003: 155). Im Zusammenhang mit Naturkatastrophen ist das Vorhandensein überregional standardisierter Daten und Untersuchungsmethoden besonders wichtig, einerseits um während eines Katastrophenfalls schnelle Hilfemaßnahmen zu gewährleisten, andererseits zur Analyse der bei Hurrikanen, Erdbeben oder Überschwemmungen entstandenen Schäden, um die notwendigen Mittel für den Wiederaufbau zu bestimmen. Insofern erweist es sich für Lateinamerika und die Karibik als sehr positiv, dass die CEPAL, aufbauend auf über 30 Jahre Erfahrung, über eine umfassende Methodik zur Schadensanalyse verfügt (vgl. CEPAL 2003).

Lange Zeit galten ausschließlich ingenieurtechnische Maßnahmen wie Dämme oder sonstige Bauten als sinnvolle Mittel, um Naturrisiken zu kontrollieren (vgl. Margottini 2004: 249). Mittlerweile hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine „integrative Strategie“ wahrscheinlich erfolgversprechender ist, nicht zuletzt vor dem Hintergrund von großen Katastrophen, die erst aufgrund von technischen Fehlern entstehen konnten (wie Beispielsweise Staudammbrüche in Italien oder den USA) (vgl. Burton et al 1993: 184). Ziel einer solchen integrativen Strategie ist es, Risikoprävention in nachhaltige Entwicklungsprozesse einzubeziehen und auf lokaler und kommunaler Ebene durch Einbeziehung von NGOs und Bürgerinitiativen zu implementieren (vgl. PNUMA 2003: 157). Dies kann für den Erfolg entscheidend sein. V.a. in Entwicklungsländern sind zentral vorgegebene Strategien häufig nicht durchsetzbar gewesen. Gründe hierfür sind z.B. die Übertragung von in Industrieländern entwickelten Baustandards auf Entwicklungsländer, die sich als zu kostspielig oder zu kompliziert für die Umsetzung durch lokale Handwerker erwiesen. Darüber hinaus werden als restriktiv empfundene Maßnahmen (z.B. ein Bebauungsverbot für bestimmte Zonen) generell kaum beachtet, wenn bei der lokalen Bevölkerung das Verständnis für ihre Begründung fehlt (vgl. Cuny 1983: 208). Aufklärungsarbeit auf lokaler Ebene ist deshalb ein Faktor von nicht zu unterschätzender Bedeutung (vgl. z.B. SDC 2005: 1).

In nicht zentralisierter lokaler Zusammenarbeit können unter Einbeziehung der oben beschriebenen Gruppen Lösungen zum Erhalt oder der Wiedereinführung natürlicher Kontrollmechanismen zur Minimierung des Risikos erarbeitet werden. So reduzieren Feuchtgebiete die Anzahl und das Ausmaß von Überschwemmungen, Wälder beugen der Gefahr von Erdrutschen vor und Mangroven mildern an den Küsten die Folgen von Stürmen oder hohem Seegang (vgl. PNUMA 2003: 158). Die im Rahmen der Internacional Decade for Natural Disaster Reduction (IDNDR) vorgestellten Empfehlungen zur Katastrophenprävention sehen Maßnahmen auf ökonomischer, sozialer und ökologischer Ebene vor, den drei Hauptelementen nachhaltiger Entwicklung (vgl. Clarke/Munasinghe 1995: 6). Grundlage für diese Einbeziehung von Risikoprävention in nachhaltige Entwicklungsprozesse ist, dass der Umgang mit Naturgefahren unter dem Gesichtspunkt eines Managements von Risiken verstanden wird und nicht – wie bisher üblich – ausschließlich unter der meist kurzfristigen Errichtung von Schutzmaßnahmen (vgl. PNUMA 2003: 158). Langfristiges Risikomanagement sollte in allen Politikfeldern eine Rolle spielen, nicht nur im Zeiträumen unmittelbar vor, während und nach großen Naturkatastrophen, sondern auch in den täglichen Aufgaben aller Institutionen, die mit dieser Thematik in Berührung kommen (vgl. CAF 2004: 52).

Darüber hinaus besteht trotz teilweise weitreichender Erkenntnisse auch weiterhin großer Forschungsbedarf über Ursachen, Auftreten und Auswirkungen von Naturkatastrophen. Beispielsweise ist bisher kaum untersucht, inwiefern das Vorhandensein von Naturrisiken in bestimmten Regionen die Präsenz internationaler Investoren und den Zustrom ausländischer Direktinvestitionen beeinflusst. Zwar existieren Beispiele dafür, dass Unternehmen Naturrisiken häufig eher als untergeordnete Standortnachteile wahrnehmen[3]. Dennoch könnte sich das Vorhandensein einer effektiven Risikopolitik in einem Land durchaus positiv für das Werben um FDI darstellen, insbesondere wenn Ausmaß und Zahl der Naturkatastrophen und damit auch deren Beachtung weltweit weiter steigen sollten.

5. Das El Niño-Phänomen in Ecuador, Peru und Chile

Wie bereits angesprochen spielt das ENSO (El Niño-Southern Oscillation)-Phänomen v.a. im Zusammenhang mit Überschwemmungen, aber auch Dürren in Südamerika eine Rolle. Im Fall von besonders stark ausgeprägten El Niño-Ereignissen sind die Folgen sogar global spürbar.

Im Folgenden werden einige Auswirkungen von El Niño am Beispiel der Staaten Ecuador, Peru und Chile beschrieben. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Ecuador und Peru, die unter den südamerikanischen Ländern am stärksten vom ENSO-Phänomen betroffen sind.

5.1 Entstehung von El Niño

Im Normalfall befindet sich im Südpazifik vor der Westküste Südamerikas ein stabiles Hochdruckgebiet, im indonesisch-australischen Raum ein Tief. Die Luftdruckgegensätze zwischen diesem Hoch und Tief werden als Southern Oscillation bezeichnet. Unter Einfluss der Corioliskraft bildet sich der Passatwind, eine konstante Südostströmung vom südpazifischen Hochdruckgebiet zur äquatorialen Tiefdruckrinne. Dadurch strömt kühles Oberflächenwasser von der südamerikanischen Küste äquatorwärts nach Westen, erwärmt sich währenddessen um ca. 10 °C und staut sich vor den indonesischen Inseln. Das mittlerweile warme Oberflächenwasser bewirkt im indonesisch-australischen Raum eine Labilisierung der bodennahen Luftschichten, verstärkte Konvektion und damit einhergehend heftige tropische Regenfälle. Gleichzeitig strömen als Ausgleich für die nach Westen verfrachteten Wassermassen im Bereich des Hochdruckgebiets vor der südamerikanischen Westküste kalte, nährstoffreiche Tiefenwässer auf, die das Hoch und damit die Passatzirkulation zusätzlich stabilisieren (vgl. Siegmund 2002: 47 f.).

Im Fall eines El Niño-Phänomens schwächt sich der Druckunterschied zwischen Hoch vor Südamerika und Tief über Indonesien deutlich ab. Die Ursachen für dieses alle 2-7 Jahre auftretende Phänomen sind bisher noch weitgehend ungeklärt. In der Folge reduziert sich die im Pazifik vorherrschenden Windzirkulation, das vor Indonesien angestaute Oberflächenwasser fließt äquatorwärts nach Osten und mit ihm verschiebt sich auch das Tiefdruckgebiet und die Regenzone. Außergewöhnlich heftige Regenfälle, z.T. mit Überflutungen sind die Folgen in Ecuador und Peru, während im ansonsten sehr niederschlagsreichen indonesisch-australischen Raum lang anhaltende Trockenperioden auftreten können (vgl. WHO 2000: 1). Weil das warme Oberflächenwasser die südamerikanischen Küstengewässer i.d.R. um die Weihnachtszeit erreicht, trägt das Klimaphänomen den Namen El Niño (spanisch für „das Kind“ oder auch „das Christkind“) (vgl. Siegmund 2002: 48).

Das El Niño-Phänomen tritt in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen auf. Die stärksten ENSO-Phänomene der jüngeren Vergangenheit ereigneten sich in den Jahren 1957-58, 1972-73, 1982-83 und 1997-98. Darunter sind v.a. die beiden letzten aufgrund ihres Ausmaßes, aber auch aufgrund der relativ genauen Aufzeichnungen über Verlauf und Konsequenzen, besonders hervorzuheben.

5.2 Das El Niño-Phänomen in Ecuador und Peru

Die Auswirkungen von El Niño in Ecuador ähneln denen im Norden Perus: heftige Regenfälle, die die gewöhnlichen Durchschnittswerte z.T. um das Zehnfache übersteigen, verursachen Überschwemmungen, starke Bodenerosion und Erdrutsche (vgl. WHO 2000: 1). Grund hierfür ist das ungewöhnlich warme Oberflächenwasser im Südostpazifik, das für eine starke Verdunstung und Niederschläge v.a. im Küstenbereich sorgt. Durch den höheren Meeresspiegel – ausgelöst durch das Zurückfließen des vor Indonesien und Australien angestauten Oberflächenwassers, 1997-98 lag der Meeresspiegel ca. 45 cm über dem Normalniveau – wird zudem die natürliche Drainagefunktion des Erdbodens und das Abfließen des Wassers durch Flüsse erschwert (vgl. MSP/OPS 2000: 177 und CEPAL 1999: 24). Die Konsequenzen der Zerstörung großer Gebiete in beiden Staaten erstrecken sich auf den Agrarsektor, die Fischereiwirtschaft, Wohnhäuser, Verkehrswege, öffentliche Infrastruktur wie Schulen oder Krankenhäuser, Kraftwerke, Stromleitungen, Industrieanlagen und in besonderem Maße auch die Gesundheit der betroffenen Bevölkerung. Die Überschwemmungen haben Schäden in allen Sektoren der Wirtschaft zur Folge (vgl. MS et al. 2000: 233 und CTI 2000: 13).

Daneben haben andere Regionen wie der südliche Teil der peruanischen Sierra unter langanhaltender Trockenheit zu leiden. Außergewöhnlich trockene Luftströmungen über den Anden verhindern, dass feuchte Luftmassen aus dem brasilianischen Amazonasgebiet und dem Atlantik bis nach Peru vordringen (vgl. MS et al. 2000: 234). Peru ist also von beiden Witterungsextremen des ENSO-Phänomens betroffen.

Das Ausbleiben der nährstoffreichen Tiefenwässer vor der südamerikanischen Westküste sorgt, gemeinsam mit der höheren Oberflächentemperatur, für Veränderungen der Zusammensetzung des Meerwassers. Der mit den Starkniederschlägen einhergehende Zufluss von Süßwasser und Sedimenten bewirkt darüber hinaus eine Abnahme des Salzgehalts und sorgt für Schlickablagerungen (vgl. Siegmund 2002: 49 f.). All diese Faktoren sind Gründe für Störungen in der Nahrungskette im Pazifik, den Rückzug von Fischschwärmen in nährstoffreichere Gewässer, das Absterben von Muschelbänken etc. und damit verantwortlich für starke Einbußen der Fischereiwirtschaft, die insbesondere in Peru eine wichtige gesamtwirtschaftliche Rolle spielt.

5.3 Sozioökonomische Auswirkungen von El Niño in Ecuador und Peru

Die El Niño-Ereignisse von 1982-83 und 1997-98 gelten als die verheerendsten während der vergangenen drei Jahrzehnte, wobei das von 1997-98 seinen Vorgänger in einigen Punkten im Ausmaß der Schäden noch übertraf. Die gesamten Schäden während des El Niño-Ereignisses 1997-98 waren mehr als vier mal so hoch wie die 1982-83, was zum großen Teil auf die größere Bevölkerungszahl und die gestiegene Konzentration von Kapital zurück zu führen ist (vgl. CEPAL 1999: 26). Die Beschreibung konzentriert sich deshalb im Folgenden auf dieses letzte schwere ENSO-Ereignis im 20. Jahrhundert.

Für Ecuador werden die gesamten Schäden auf 2,87 Mrd. US$ geschätzt, davon 780 Mio. als direkte und 2,09 Mio. als indirekte Schäden (vgl. Kapitel 4.2). Den größte Anteil dieser Verluste hatten die produzierenden Sektoren zu tragen, vor allem Landwirtschaft und Fischereiwirtschaft (insgesamt 1,24 Mrd. US$), gefolgt von der öffentlichen Infrastruktur, v.a. durch Beschädigungen der Verkehrswege (800 Mio. US$). Insgesamt werden die negativen Effekte der Naturkatastrophe auf die Zahlungsbilanz des Landes auf 720 Mio. US$ geschätzt, bedingt durch die geringeren Exporte (im Wert von 420 Mio. US$) und die notwendig gewordene Erhöhung der Importe (300 Mio. US$). Die gesamten Schäden entsprechen dem Gegenwert von 17 % des BIP von 1997 (vgl. CTI 2000: 18 und MSP/OPS 2000: 182 ff.).

Mit geschätzten 3,5 Mrd. US$ fielen die Gesamtschäden in Peru noch höher aus als in Ecuador. Die Verteilung stellt sich ähnlich dar, auch in Peru entfiel der größte Teil der Schäden (1,63 Mrd. US$) auf die produzierenden Sektoren, auch wenn Landwirtschaft und Fischerei relativ einen etwas geringeren Anteil zu tragen hatten als in Ecuador. Daneben kam es in Peru ebenfalls zu großen Schäden an der Infrastruktur, insbesondere den Verkehrswegen (720 Mio. US$) (vgl. CTI 2000: 18). Am Beispiel Peru, dem weltgrößten Exporteur von Fischmehl, lassen sich besonders eindrucksvoll die Auswirkungen von ENSO-Ereignissen auf die Fischereiwirtschaft illustrieren: 1998 fielen die Exporte dieses Wirtschaftszweiges um 76 % (vgl. PNUMA 2003: 157).

In beiden Ländern verursachten die Schäden (direkte und indirekte) eine Verringerung der gesamtwirtschaftlichen Leistung, insbesondere in den produzierenden Wirtschaftssektoren. Die Wachstumsraten des BIP blieben weit hinter den vor dem ENSO-Ereignis prognostizierten Werten zurück (vgl. CEPAL 1999: 26).

Wiederum ist – dies gilt für beide betroffenen Staaten – zu beachten, dass die ärmsten Bevölkerungsschichten am stärksten von der Naturkatastrophe betroffen sind, auch wenn sich dies nicht immer anhand der monetären Schadensbewertung erkennen lässt. Zu den weit reichenden sozialen Auswirkungen eines solchen Ereignisses zählt beispielsweise, dass zahlreiche Frauen vorübergehend sowohl die Haushaltsführung und die Verantwortung für ihre Kinder allein übernehmen müssen, während ihre Ehemänner in anderen Regionen Arbeit suchen, um Geld für Wiederaufbau der Wohnstätten bzw. des Lebensunterhalts ihrer Familien zu verdienen (vgl. MSP/OPS 2000: 184 f.).

5.4 Exkurs: Auswirkungen von El Niño auf die Fischereiwirtschaft in Chile

Chile kann als Beispiel für die überregionalen Auswirkungen von ENSO-Ereignissen angesehen werden. Während das Land von Naturkatastrophen wie starken Niederschlägen oder Dürren weniger betroffen ist, so sind in der Wirtschaft durchaus negative Konsequenzen offensichtlich.

Wie bereits erwähnt wirkt sich das Auftreten eines El Niño-Ereignisses in großem Maße auf die Fischbestände in den südamerikanischen Küstengewässern des Pazifiks aus. Diese Konsequenzen betreffen nicht nur Ecuador und Peru, sondern – wenn auch in kleinerem Maßstab – auch Chile oder Kolumbien. In Chile fielen beispielsweise während der ersten zwei Monate des Jahres 1998 die Fangerträge um 41 % im Vergleich zum Vorjahr. Zur Bestandssicherung wurden in einigen Regionen für bestimmte Fischarten Fangverbote erlassen. Die niedrigen Fischfangerträge in Chile – ebenso wie Peru ein bedeutender Exporteur von Fischmehl – und anderen Staaten ließen den Weltmarktpreis für Fischmehl um 40 % ansteigen (vgl. CTI 2000: 19). Somit können sich regionale Naturkatastrophen sogar letztlich auf die globale Wirtschaft auswirken.

5.5 Ecuador und Peru: Reaktion und Prävention gegenüber El Niño

Die Politik der Staaten Ecuador und Peru in bezug auf Naturgefahren hat in der Vergangenheit ohne Zweifel Fortschritte gemacht. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass praktisch allen wichtigen gesetzlichen oder institutionellen Neuerungen ein großes Katastrophenereignis vorausging. Allerdings wurden nach Abklingen der Naturkatastrophe und dem Rückgang des öffentlichen Interesses die beschlossenen Maßnahmen und Anstrengungen häufig nicht mit gleicher Motivation fortgesetzt (vgl. CAF 2004: 25).

Das ENSO-Ereignis von 1997-98 war wahrscheinlich weltweit die erste Naturkatastrophe, bei der die technischen Möglichkeiten der Klimabeobachtung eine relativ präzise Voraussage und somit die Möglichkeit zur Warnung der zuständigen Behörden und der Bevölkerung bot (vgl. PNUMA 2003: 156). Insofern konnten sowohl Ecuador als auch Peru (aber auch andere betroffene Staaten wie Bolivien, Kolumbien oder Venezuela) einigermaßen frühzeitig Notfallpläne aufstellen und kurzfristige präventive Maßnahmen beschließen. So erarbeitete das ecuadorianische Gesundheitsministerium aufgrund der meteorologischen Voraussagen – und der Erfahrungen aus dem El Niño-Ereignis 1982-83 – einen Plan de Mitigación, der ab September 1997 umgesetzt wurde und beispielsweise Impfungen gegen Infektionskrankheiten wie Gelbfieber in potenziell besonders von Überschwemmungen betroffenen Gebieten vorsah (vgl. MSP/OPS 2000: 179). Ähnliches wurde auch in Peru mit dem Plan de Contingencia Fenómeno El Niño beschlossen (vgl. MS et al. 2000: 238 ff.). Ohne Zweifel erlaubt El Niño somit zumindest eine gewisse Vorbereitung – eine Tatsache, die die Wichtigkeit genauer Prognosen und Beobachtung von Naturgefahren unterstreicht.

Doch trotz der langen Vorbereitungszeit blieben zahlreiche Maßnahmen mangelhaft. Sowohl in Ecuador als auch in Peru fehlten die finanziellen Mittel, um die Vorbereitung auf das El Niño-Ereignis mit der notwendigen Intensität und Kontinuität zu betreiben (vgl. MSP/OPS 2000: 179 f. und MS et al. 2000: 286). Auch die Wiederaufbauphase nach der Katastrophe dauerte sehr viel länger als geplant, weil die notwendigen Ressourcen nicht zur Verfügung standen (vgl. CEPAL 1999: 26).

Allerdings gibt es auch positive Beispiele auf lokaler Ebene, wie eine langfristig angelegte Risikopolitik sich letztendlich positiv auswirken kann. So kam es in der Stadt Babahoya, benannt nach einem gleichnamigen Fluss in der ecuadorianischen Provinz Los Ríos, immer wieder zu schweren Überschwemmungen, bis die Stadtverwaltung Anfang der 1990er Jahre durch Umbaumaßnahmen die städtischen Trink- und Abwassersysteme verbesserte, einschließlich der Wasserversorgung der ärmsten Stadtviertel (vgl. MSP/OPS 2000: 188). Während des El Niño-Ereignisses 1997-98 wurde Babahoya nicht überschwemmt, obwohl die Intensität der Niederschläge sogar die von 1982-83 übertraf und umliegende Siedlungen und insbesondere die dort gelegenen Armenviertel schwer beschädigt wurden (vgl. CTI 2000: 14).

Insgesamt gibt es im Umgang mit dem Naturrisiko El Niño durchaus positive Ansätze, auch wenn Verbesserungen in der Politik häufig erst im Anschluss an schwere Naturkatastrophen eingeleitet wurden und somit teuer erkauft sind. Anlass zur Hoffnung gibt beispielsweise die verstärkte Kooperation zwischen den Andenstaaten und die Formulierung und Umsetzung gemeinsamer Leitlinien zur Risikopolitik (vgl. CAF 2004: 3 f.). Hier ist auch die Unterstützung der internationalen Staatengemeinschaft gefordert. Ziel muss nach wie vor sein, Naturkatastrophen nicht als kurzfristige, singuläre Ereignisse zu betrachten, sondern Risikomanagement in langfristig angelegte, nachhaltige Entwicklungsprozesse einzubeziehen (vgl. Kapitel 4.4) (vgl. CAF 2000: 30). Immer noch bedeutet die fortschreitende Verstädterung und die unkontrollierte Ausdehnung des menschlichen Siedlungsraums v.a. für arme Bevölkerungsschichten ein hohes Risiko. Auch heute noch existiert in bezug auf die Politik gegenüber Naturrisiken eine stark ausgeprägte Zentralisierung. Eine der wichtigsten Aufgaben für die Zukunft ist es, unter regionalen und lokalen Stakeholdern das Bewusstsein für den Umgang mit Naturrisiken zu stärken (vgl. SDC 2005: 1).

6. Zusammenfassung

Lateinamerika und die Karibik werden immer wieder von schweren Naturkatastrophen erschüttert. Im karibischen Raum sind hierbei insbesondere die alljährlich auftretenden tropischen Hurrikane zu erwähnen, im westlichen Südamerika die Folgen des Klimaphänomens El Niño. In der gesamten Region kommt es darüber hinaus immer wieder zu Vulkanausbrüchen und Erdbeben.

Die Mehrzahl der Staaten in der Region zählt zu den Entwicklungsländern. Für sie bedeuten die bisweilen sehr regelmäßig auftretenden Naturkatastrophen ein erhebliches Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung. Einzelne Katastrophenereignisse können jahrelange Entwicklungsprozesse in kürzester Zeit unumkehrbar schädigen.

Noch stärker als in der Vergangenheit muss sich eine Sichtweise des Risikomanagements durchsetzen, die Risikopolitik v.a. als langfristig angelegte Maßnahmen erkennt. Zwar wird es im Katastrophenfall immer schnelle, effektive Reaktionen geben müssen, auch mit Unterstützung der internationalen Staatengemeinschaft. Doch darf sich das Interesse und die öffentliche Aufmerksamkeit für Naturrisiken nicht nur auf den unmittelbaren Zeitraum eines Katastrophenereignisses beschränken. Längerfristige Maßnahmen sind oft noch schwer durchzusetzen, weil sie sich evtl. erst in vielen Jahren auszahlen und deshalb sowohl für Politiker als auch für internationale Geldgeber und Betroffene zunächst keinen unmittelbaren Gewinn versprechen und als Aufgaben von nachrangiger Wichtigkeit angesehen werden. Dennoch liegt nur in einem langfristig angelegten Risikomanagement, das unter Einbeziehung möglichst aller betroffenen gesellschaftlichen Gruppen und unter Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit erarbeitet und umgesetzt wird, der Schlüssel zu einer möglichen Reduzierung der durch Naturkatastrophen entstehenden Schäden.

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The World Bank (2004b): Natural Disasters: Promoting a Proactive Approach. URL: http://web.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/NEWS/0,,contentMDK:20172785~menuPK:34457~pagePK:64003015~piPK:64003012~theSitePK:4607,00.html (Abrufdatum: 03. 05. 2005)

WHO – World Health Organization (2000): El Niño and Health Impact (= Fact sheet No 192). URL: http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs192/en/print.html (Abrufdatum: 30.05.2005)

Anhang

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anhang: Übersichtskarte „Ausgewählte[4] Naturkatastrophen in Lateinamerika und der Karibik“ 1970-2004 (eigener Entwurf; Quellen: PNUMA 2003: 144 f. und Münchener Rück 2005b: 38 ff. und beigelegte Aktualisierungen des Katastrophenkatalogs).

[...]


[1] Allerdings sind auch Industrieländer nicht vollkommen sicher, wie beispielsweise das Erdbeben von Kobe (Japan) 1995 mit 5.426 Toten gezeigt hat (vgl. Ayala-Carcedo 2004: 276).

[2] Dies kann in Anlehnung an die Polarisationshypothese G. Myrdals betrachtet werden (vgl. z.B. Schätzl 2001: 161 ff.), allerdings sollen Naturkatastrophen hier eher als ein Hemmnis der regionalen Entwicklung von Entwicklungsländern gelten, nicht als (alleinige) Verursacher regionaler Disparitäten.

[3] Auskunft der Abteilung Georisikoforschung der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (16. 06. 2005, Email-Kontakt).

[4] Berücksichtigt wurden alle Ereignisse, die im jährlich aktualisierten Katastrophenkatalog der Münchener Rück (Anlage zu Münchener Rück 2005b) unter den „50 bedeutenden Naturkatastrophen“ aufgeführt sind.

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Details

Titel
Naturrisiken in Lateinamerika und der Karibik. Implikationen für lokale Entwicklungsprozesse: Das El-Nino-Phänomen in Ecuador, Peru und Chile
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Wirtschaftsgeographie)
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
32
Katalognummer
V49895
ISBN (Buch)
9783656849513
Dateigröße
912 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Naturrisiken in Lateinamerika und der Karibik: Definitionen und Übersicht, aktuelle Tendenzen, soziale und wirtschaftliche Auswirkungen, Risikomanagement, Fallbeispiel: El Niño-Phänomen in Ecuador, Peru und Chile
Schlagworte
Naturrisiken, Lateinamerika, Karibik, Implikationen, Entwicklungsprozesse, El-Nino-Phänomen, Ecuador, Peru, Chile
Arbeit zitieren
Julius Arnegger (Autor), 2005, Naturrisiken in Lateinamerika und der Karibik. Implikationen für lokale Entwicklungsprozesse: Das El-Nino-Phänomen in Ecuador, Peru und Chile, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49895

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