Nelson Goodmans philosophisches Werk „Sprachen der Kunst“ aus dem Jahr 1968 umfasst eine entworfene und gleichsam breite Symboltheorie am Beispiel verschiedener Künste. So gehören pikturale als auch notationale Symbolsysteme dazu, die es zu untersuchen gilt. Musik und Malerei stellen nur eine kleine Auswahl der Einzelkünste dar, die er in seinem Werk näher betrachtet. Goodman schreibt, dass die Titel seiner sechs Kapitel für eine Ansammlung von sechs Aufsätzen gehalten werden können, die „über lose miteinander verbundene Themen“ verfügen. Vielmehr steckt hinter dem Aufbau seines Werkes eine gewisse Sinnhaftigkeit, die durch den komplexeren Aufbau dessen zuerst verwirrend zu sein scheint. Goodman schlägt sozusagen zwei verschiedene Wege ein, die zu einem gemeinsamen Fazit basierend auf vorige Betrachtungen und Erkenntnisse führen. Kapitel I und II stellen hiermit den ersten Weg dar, während Kapitel III bis V dem zweiten Weg entsprechen. Das letzte Kapitel seines Werkes stellt das Fazit dar. Diese Hausarbeit wird sich zum einen näher mit dem IV. Kapitel der „Sprachen der Kunst“ befassen, in welchem es insbesondere um die Theorie der Notation gehen wird. Hier soll der Fokus insbesondere auf die syntaktischen und semantischen Erfordernisse einer Notation gelegt sowie die primäre Funktion der Notation an sich betrachtet werden. Zum anderen wird sich diese Arbeit mit dem V. Kapitel dieses Werkes beschäftigen, da es hier primär um die Anwendung auf die verschiedenen Symbolsysteme gehen wird. Diese sind wie bereits einleitend erwähnt sowohl piktural als auch notational, weshalb die Einzelkünste Partitur, Musik, Skizze, Malerei, Skript, Literatur, Tanz und Architektur näher beleuchtet werden müssen.
Diese Arbeit untersucht also die Theorie der Notation im Allgemeinen und bezieht sich im Folgenden auf die Einzelkünste. Im Anschluss dessen folgt eine Differenzierung der analogen und digitalen Symbolschemata, um die Theorie der Notation noch einmal aufzugreifen und durch zusätzlich gewonnene Erkenntnisse das darauffolgende Fazit und somit das Verständnis der Notationstheorie zu komplementieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Notationstheorie und ihre primäre Funktion
3. Die Einzelkünste und weitere Systeme
3.1 Partitur
3.2 Musik
3.3 Skizze
3.4 Malerei
3.5 Skript
3.6 Literatur
3.7 Tanz
3.8 Architektur
4. Analoge und digitale Symbolschemata
5. Zusammenfassung und Auswertung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Nelson Goodmans Theorie der Notation, wie sie in seinem Werk „Sprachen der Kunst“ dargelegt ist, und analysiert deren Anwendbarkeit auf verschiedene Symbolsysteme sowie Kunstformen. Im Zentrum steht die Frage, unter welchen syntaktischen und semantischen Bedingungen ein System als notational klassifiziert werden kann und wie sich dies auf Bereiche wie Musik, Malerei, Tanz und Architektur überträgt.
- Grundlagen der Notationstheorie und deren primäre Funktionen.
- Syntaktische und semantische Erfordernisse für eine ideale Notation.
- Analyse verschiedener Einzelkünste (u.a. Musik, Literatur, Architektur) hinsichtlich ihrer Notationalität.
- Differenzierung zwischen analogen und digitalen Symbolschemata.
- Kritische Auswertung der Goodman'schen Systematik in Bezug auf Kunstwerke und alltägliche Gegenstände.
Auszug aus dem Buch
3.2 Musik
Die Musik stellt nun in dieser Untersuchung die erste Einzelkunst dar, dessen notationales System hier seine Anwendung findet. Daher beginnt Goodman hier zunächst mit einem, wie er sagt, vertrauten und merkenswerten Fall: die musikalische Standardnotation. Sie steht aufgrund ihrer Geläufigkeit, Brauchbarkeit als auch Komplexität primär in seinem Interessenfokus. Nach Goodman sei die Entwicklung eines Notationssystems keineswegs von ihrer intrinsischen Trennbarkeit von Marken oder auch Objekten in disjunkte und unterschiedliche Menschen abhängig, da sie des Öfteren in beiden Sphären erreicht wird. Weiter möchte er den Anspruch der Sprache von musikalischen Partituren betonen. Die Entstehung oder Entwicklung ist für ihn von sekundärer Bedeutung, weshalb im folgenden Zitat auf die Ausgiebigkeit und Ausführlichkeit hinsichtlich frühmittelalterlicher Musikmanuskripte deutlich Bezug genommen wird:
„Zunächst hatten diese Linien vielleicht nur die Funktion bloßer Anhaltspunkte zur Beurteilung der absoluten Position, ähnlich wie die Einteilungsmarken auf einem als analoges Instrument verstandenen Thermometer. Sobald die Linien und die Zwischenräume zwischen ihnen jedoch Charaktere des Systems werden, wobei die Platzierung einer Silbe oder eines Notenzeichens lediglich dazu dient, einen dieser Charaktere auszuwählen, zeichnen sich Elemente einer echten Notation ab.“
Goodman stellt hinsichtlich der betrachteten musikalischen Standardnotation fest, dass es keine Zweifel an der Erfüllung der syntaktischen Erfordernisse gibt, da die meisten Musikpartiturcharaktere die Erfordernisse der Disjunktivität und die der endlichen Differenzierung erfüllen. Obwohl dieses Symbolschema deshalb grundsätzlich notational betrachtbar zu sein scheint, stellt sich Goodman die Frage, ob diese Sprache folglich auch tatsächlich ein Notationssystem darstellt und ob die semantischen Erfordernisse in gleicher Weise erfüllt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in Nelson Goodmans Werk „Sprachen der Kunst“ und Darlegung der Zielsetzung, die Theorie der Notation auf verschiedene Symbolsysteme anzuwenden.
2. Die Notationstheorie und ihre primäre Funktion: Untersuchung der metasprachlichen Notation und Analyse der zentralen Anforderungen an eine Notation sowie deren Rolle bei der Identifikation von Werken.
3. Die Einzelkünste und weitere Systeme: Detaillierte Prüfung verschiedener Kunstformen, darunter Partitur, Musik, Skizze, Malerei, Skript, Literatur, Tanz und Architektur, auf die Erfüllung syntaktischer und semantischer Kriterien.
4. Analoge und digitale Symbolschemata: Erörterung der Begriffe analog und digital im Kontext von Symbolsystemen und deren Bezug zur Notationalität anhand praktischer Alltagsbeispiele.
5. Zusammenfassung und Auswertung: Synthese der Ergebnisse und Schlussfolgerung zur Anwendbarkeit von Goodmans Notationstheorie auf die untersuchten Kunst- und Symbolsysteme.
Schlüsselwörter
Nelson Goodman, Sprachen der Kunst, Notationstheorie, Symbolsysteme, Partitur, Syntax, Semantik, Disjunktivität, endliche Differenzierung, Identifikation, Kunstwerk, analog, digital, musikalische Standardnotation, Notationalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die philosophische Notationstheorie von Nelson Goodman, wie sie in „Sprachen der Kunst“ entwickelt wurde, und prüft deren Anwendbarkeit auf verschiedene künstlerische und alltägliche Symbolsysteme.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die syntaktischen und semantischen Kriterien für Notationssysteme, der Begriff der Werksidentifikation sowie die Einordnung verschiedener Künste in das Spektrum von notationalen bis hin zu nicht-notationalen Systemen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, das strukturierte Gerüst Goodmans zur Theorie der Notation zu erläutern und kritisch zu bewerten, inwiefern die unterschiedlichen Kunstgattungen diesen Anforderungen an Notationalität gerecht werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Werkexegese und theoretische Analyse, bei der Goodmans Kriterien für notationale Systeme auf spezifische Beispiele aus Kunst und Alltag systematisch angewendet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden nacheinander die Einzelkünste – Partitur, Musik, Skizze, Malerei, Skript, Literatur, Tanz und Architektur – hinsichtlich ihrer syntaktischen und semantischen Eigenschaften untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Notationstheorie, Disjunktivität, endliche Differenzierung, Symbolsysteme, Allographik, Autographik sowie die Unterscheidung zwischen analogen und digitalen Schemata.
Warum spielt der Begriff der „Partitur“ eine so zentrale Rolle bei Goodman?
Die Partitur dient als Paradebeispiel für ein notationales System, da sie die Identifikation eines Werkes über verschiedene Aufführungen hinweg unabhängig von dessen Entstehungsgeschichte ermöglichen soll.
Warum lehnt Goodman ein Notationssystem für die Malerei ab?
Goodman verneint dies, da die Malerei aufgrund ihrer syntaktischen und semantischen Eigenschaften, insbesondere wegen der fehlenden Disjunktivität und der Fehlerschwerpunkte bei der Neuklassifizierung, nicht die strengen Anforderungen an ein ideales Notationssystem erfüllt.
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- Justine Vivian Prentki (Author), 2018, Nelson Goodman. Die Theorie der Notation und dessen Anwendung auf verschiedene Symbolsysteme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/500314