Orientalismus in der deutschen Politik. Eine Untersuchung von AfD-Wahlplakaten

Vor dem Hintergrund von Edward W. Saids Orientalismus-Theorie


Hausarbeit, 2017

19 Seiten, Note: 2,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Orient
2.1. Islambild im europäischen Mittelalter
2.2. Der Orient in Literatur und Kunst
2.3. Der Orient heute

3. Edward Saids „Orientalism“

4. Die Partei Alternative für Deutschland (AfD)
4.1. Entstehung und Werdegang
4.2. Programm und inhaltliche Positionen
4.3. Wahlplakate der AfD

5. Die Rolle von politischen Parteien

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

In westlichen Gesellschaften werden muslimische Migranten und mit ihnen der Islam zunehmend als „die Anderen“ wahrgenommen. Es wird eine Unvereinbarkeit in den Raum gestellt zwischen „dem Islam“ und den deutschen Normen und Werten wie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Die Diskussion um diese Religion wurde in den letzten Jahren in Deutschland vermehrt zum Politikum. dabei wurde nicht differenziert zwischen Kultur und Religion, sondern alles als ein kollektives ganzes betrachtet. Migranten werden „über das Vehikel der Religionszugehörigkeit“ homogenisiert. Somit dient der Islam als ausschlaggebendes Identifikationsmerkmal dieser Gruppe. Der Prozess wird als Kulturrassismus bezeichnet, denn er stuft Menschen aufgrund ihrer kulturellen Herkunft als höher- oder minderwertig ein. Daraus erschließt sich, dass als fremd konzipierte Minderheiten eine Gefahr für die eigene Mehrheitsgesellschaft darstellt. Diese Thematik wurde maßgeblich von Edward Saids Studie „Orientalism“ beeinflusst. Darunter versteht er „(...) eine Denkweise, die auf der ontologischen und epistomologischen Unterscheidung basiert, die zwischen ‚dem Orient’ und (meistens) ‚dem Okzident’ gemacht wurde (Said 1981: S.9).“ Somit steht der Westen dem Orient als aufgeklärt und emanzipiert gegenüber, während dieser als unzivilisiert, irrational, primitiv und minderwertig konstruiert werde (Attia 2009: S. 11).

Diese Arbeit soll hauptsächlich den deutschen literarischen, künstlichen und medialen Bereich des Orientalismus berücksichtigen. Dabei wird als erstes auf den Begriff des Orients, seine Definition und Einordnung eingegangen. Des Weiteren wird der Islam in dem geschichtlichen Zusammenhang eingegliedert um mit Beispielen aus der Literatur, der Kunst und den Medien fortzufahren. Nach der geschichtlichen und kulturellen Einführung in das Thema Orient, wird das 1978 erschienene Buch „Orientalism“, von Edward W. Said besprochen und dabei auf die wichtigsten Thesen Saids eingegangen. Mithilfe der Orientalismustheorie und des Konzeptes des Othering wird die Darstellung von Migranten auf Ausgewählte Wahlplakate der AfD aus den Jahren 2016 und 2017 Untersucht. Dabei wird sich an folgender Fragestellung orientiert: Inwiefern werden (muslimische) Migranten und deutsche Personen mit Migrationshintergund auf den Wahlplakaten als „die Anderen“ dargestellt und einem „Wir“, welches als eine christlich-abendländisch homogene deutsche Gesellschaft benannt wird, gegenübergestellt?

2. Der Orient

Das Wort Orient stammt aus dem lateinischen und ist abgeleitet von sol oriens, was so viel bedeutet wie „der Ort der aufgehenden Sonne“. Eine weitere Bezeichnung wäre das von Martin Luther durch eine Bibelübersetzung eingeführte Morgenland. Der Orient war ursprünglich eine der vier römischen Weltgegenden. Bis ins 15. Jahrhundert zeigten christliche Weltkarten den Osten oben, dort lagen nämlich die heilige Stadt Jerusalem und das Paradies. Daher auch der Begriff „orientieren“, wörtlich übersetzt „nach Osten ausrichten“. Katholische Kirschen und ganze Städte wurden nach Osten, Richtung Orient ausgerichtet. Somit war das Morgenland eng mit der christlichen Mythologie und Heilserwartung verbunden.

Ein klares Grenzgebiert gibt es nicht da der Orient eine imaginäre Raumkonstruktion darstellt. Es gab ihn nie als Staat oder Reich. Was unter diesem Begriff verstanden wurde, hat sich im Laufe der Zeit immer wieder gewandelt. Früher galten die arabischen Länder, Iran, Indien und China als Orient, später dann nur die Länder Vorderasiens mit Ägypten. Der Sprachgebrauch tendiert heute dazu, den Begriff auf den Nahen Osten und die arabisch-islamische Welt- einschließlich Türkei, Iran, Afghanistan und Nordafrika, aber ohne die islamischen Staaten Süd- und Südostasiens- zu bezeichnen. Als Gemeinsamkeit dieser Länder gilt der Islam. Orient und Islam wurden und werden oft zusammen gedacht. Somit ist die Wahrnehmung und die Konstruktion des Orients oft eng verbunden mit der Bewertung und Wahrnehmung des Islams (Barkeeper 2016: S.2ff).

2.1. Islambild im europäischen Mittelalter

Zwischen dem 12. Und 14. Jahrhundert entsteht in Europa mit den Kreuzzügen ein negatives Bild vom Islam, welches das europäische Denken seither stark beeinflusst. Um gegen die muslimischen Reiche in den Krieg zu ziehen, wurden verschiedene Vorwürfe kulturell verankert. Eins davon besagt, dass der Islam eine falsche Religion ist und Mohammed die Wahrheit bewusst verkehrt hat und somit er der „Antichrist“ (Figur in der Bibel; Gegenmacht Jesu Christi) wäre. Ein anderes, dass der Islam eine Religion der Gewalt, des Schwertes und der hemmungslosen Genusssucht sein. Das Bild welches Gelehrte in dieser Zeit entwarfen, stellten den Kampf der Christen gegen die Muslime als Kampf des Lichtes gegen die Finsternis dar. In Würzburger Kirchen wiederrum, sind Menschen mit orientalischen Gewändern entweder als die drei Könige aus dem Morgenland dargestellt- die vor dem Messias niederknien und ihn huldigen- oder während der sogennanten Türkenkriege im 17. Jahrhundert, um die Kreuzigung Christi mit den Muslimen in Verbindung zu bringen. Zu der Zeit wurde der Orient oft als roh, gewalttätig und bedrohlich dargestellt (Watt 1972: S.101ff.)

2.2. Der Orient in Literatur und Kunst

Mit dem Rückzug der osmanischen Truppen am Ende der Zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683 und somit der sinkenden Gefahr einer Eroberung durch den Osten, aber auch durch die Eroberung Ägyptens durch Napoleon 1798/99 begann ein reger Austausch zwischen Ost und West. Orientalische Luxusgüter wie Teppiche, Gewürze, Tabak und Kaffee drangen in den westlichen Metropolen und viele Künstler reisten in der Gefolgschaft von europäischen Gesandten oder Kriegsexpeditionen in den Orient. So ist seitens vieler Dichter, Künstler und Schriftsteller ein verklärter romantischer Blick auf den Orient entstanden. Als Beispiel wäre hier die 1825 erschienene Märchensammlung „Die Karawane“ von Wilhelm Hauffs zu erwähnen. Der Orient ist Schauplatz der Handlung und der Autor gibt an, dass die Karawane- welche fünf wohlhabenden Kaufleuten gehört- von der Stadt Mekka durch die Wüste in ihre Heimat Kairo, die Hauptstadt Ägyptens, zieht. Hauff stellt den Orient geographisch einfach und nachvollziehbar dar indem er die Stadt Mekka, das Reiseziel Kairo sowie Heimatland von vier Kaufleuten nennt. Die Geschichten, welche sich die Kaufleuten auf den Heimatweg erzählen, sowie deren Alltag auf der Reise, zeigen wie Hauff sich die gesellschaftlichen und kulturellen Strukturen des Orients vorstellt. Die wohlhabenden Kaufleute haben viele Wächter und Diener, beschmückte Kamele und Pferde, funkelnde Waffen, goldbestickte Polsterkissen und weiße Turbane. Wilhelm Huff verwendet folgende Erscheinungsmerkmale um die Männer zu beschreiben: wildes, starkes und eindrucksvolles Aussehen mit markanten schwarzen Augen, buschige Brauen, einen langen Bart und eine gebogene Nase. Die religiöse Darstellung des Orients ist dadurch gekennzeichnet, dass vier der fünf Kaufleute als „Muselmänner“ oder „Moslemiten“ bezeichnet werden. Der fünfte Kaufmann Zaleukos hingegen wird als „Ungläubiger“ bezeichnet, weil er aus Griechenland stammt und den christlichen Glauben hat (Heijenka 2006: S. 4ff.).

Weitere deutsche Schriftsteller die zu der Zeit über den Orient geschrieben haben, währen unter anderem Karl May mit seinem von 1881 bis 1888 erschienenen Orientzyklus. Eine Serie von Romanen die unter Titeln wie „Durch die Wüste, durch den Harem“ oder „Durchs wilde Kurdistand“ erschienen sind. Oder Johann Wolfgang von Goethe mit seiner 1819 erschienenen Gedichtsammlung West-östlicher Divan. Goethe hat sich über Jahrzehnte mit dem Islam und dem Orient beschäftigt. Er war fasziniert von der rhythmisierten, poetischen Sprache des Korans, welcher er in englischer, lateinischer und französischer Übersetzung gelesen hat.

Die europäischen Maler des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts stellten den Mythos des Orients als Ort der Sinnlichkeit, der Mystik und der Dekadenz, dar. Neben dramatischen Kampfszenen, Karawanen durch die Sahara und die pittoresken Stadtansichten, malten die Künstler vor allem Haremsszenen. Sehr beliebt waren zu der Zeit Bilder von Eugene Delacroix oder Jean-Leon Gerome (Siehe Abbildung 1 auf der nächsten Seite). Aber auch deutsche Maler wie Eugen Bracht, Carl Wuttke oder Johann Victor Krämer befassten sich mit der Darstellung solcher Szenen in der Malerei. Es wird ein Wahrnehmung erzeugt eines hemmungslosen, lüsternen Islams und somit zu einer Aufrechterhaltung der Fremdbilder. Die Darstellungen von jungen, nackten Frauen im türkischen Bad oder in kostbaren Gewändern entsprangen Größenteils der Fantasien der Künstler, als der Kenntnis des wirklichen Lebens, da nur wenigen von ihnen Zugang zu den Sultanspaläste hatten. Deswegen sind die weiblichen Modelle, europäische Frauen die folkloristisch verziert sind (Gockel 2011: S.1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbild 1: Pool in a Harem von Jean-Leon Gerome

2.3. Der Orient heute

Viele Klischeehafte Spuren eines konstruierten Orients lassen sich auch heute noch in Reisekatalogen finden. Reisen werden unter den Namen „Orientreisen“ angeboten und mit der Vorstellung vom mythischen und faszinierenden Orient aus tausend und einer Nacht verkauft. Sie werden als exotisch, schillernd und faszinierend bezeichnet, als eine andere Welt mit exotischen Tierarten (Siehe Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Reisekatalog Werbung

Auch in der Produktwerbung lassen sich noch viele klischeehafte Assoziationen vorfinden. Exotische Produkte wie Tee, Gewürzmischungen oder Fastfood werden mit Arabesken (Orientmuster), maurische Bögen, Turbane und Wasserpfeifen dargestellt (Siehe Abbildung 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Produktwerbung

Orientalische Muster finden aber auch über Kinderlieder und Kinderkanäle weite Verbreitung. Von der Folge „Bibi Blocksberg im Orient“ bis zu „Asterix im Morgenland oder auch Aladdin, werden immer noch Bilder welche unter kolonialem Selbstverständnis entstanden sind, ohne jegliche Reflexion oder Hinterfragung, aufgezeigt. Auch wenn diese Elemente bunt und harmlos erscheinen mögen, können sie dafür missbraucht werden, um Menschen und Weltregionen als „Anders“ zu markieren und sie gegebenenfalls auszuschließen oder zu diskriminieren (Barkeeper 2016: S. 5ff.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Orientalismus in der deutschen Politik. Eine Untersuchung von AfD-Wahlplakaten
Untertitel
Vor dem Hintergrund von Edward W. Saids Orientalismus-Theorie
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Soziologie)
Veranstaltung
Erfundene Tradition: Die Moderne und das Projekt des Islamismus
Note
2,2
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V500572
ISBN (eBook)
9783346036780
ISBN (Buch)
9783346036797
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Edward Said Orientalismus AfD Politik Tradition Moderne Islam Islamismus Migration Integration Orient Mittelalter politische Kampagnen
Arbeit zitieren
Andrada Davisca (Autor), 2017, Orientalismus in der deutschen Politik. Eine Untersuchung von AfD-Wahlplakaten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/500572

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