Für ein besseres Verständnis des in dieser Arbeit verwendeten Begriffes „Geopolitik“ ist es nötig, ihn in den Gesamtkontext der Geographie und in das Verhältnis zu den der Geographie benachbarten Disziplinen einzuordnen und genauer zu definieren. Die Bezeichnung Geopolitik wurde erstmals von dem schwedischen Staatsrechtler Rudolf Kjellén in seinem „System der Politik“ (1917) verwendet und basierte auf dem Werk des deutschen Geographen Friedrich Ratzel („Politische Geographie“, 1897). Kjellén verstand die Geopolitik als „die Lehre über den Staat als geographischen Organismus oder Erscheinung im Raum“ (Kjellen 1917 zit. nach Ante 1981, S.8) und erreichte mit dieser Darstellung trotz der Kritik an dem Organismus -Vergleich erstmals die Verknüpfung der Staatslehre mit der geographischen Raum-Komponente. Die übertrieben geodeterministische Betrachtungsweise des deutschen Geographen Karl Haushofer in seiner späteren Weiterentwicklung der Geopolitik (1925), in der er die Politik allein den räumlichen Einflussfaktoren ausgesetzt sah, mündete in großen Teilen in die nationalsozialistische Lebensraumpolitik. Die ideologische und propa-gandistische Verwendung dieser geopolitischen Überlegungen in der nationalsozialistischen Politik führte zu einer langandauernden Diskreditierung der Disziplin Geopolitik.
Inhaltsverzeichnis
1 Definition und Aufgabenstellung der Geopolitik
2 Die Entstehung der neuen Welt(Un)ordnung
3 Geopolitische Leitbilder
3.1 Jean-Christophe Rufin: „Der Neue Limes“
3.2 Samuel Huntington: „The Clash of Civilization“
4 Fundamentalismus
5 Das islamische Weltbild
5.1 Islam und Islamismus
5.1.1 Die Scharia
5.1.2 Der Dschihad
5.2 Entstehung des Islamismus
6 Terrorismus
6.1 Terror und Terrorismus
6.2 Terrorismus – Definition und Wurzeln
6.2.1 Nationaler Terrorismus
6.2.2 Internationaler Terrorismus
6.2.3 Transnationaler Terrorismus
6.2.4 Weitere Unterscheidungen
7 Osama bin Laden und die Al Qaida
8 Reaktionen auf den 11. September
9 9/11 und die Auswirkungen auf die US-Geopolitik
9.1 Politische Leitlinien der neuen US-Außen- und Geopolitik
9.2 Internationale Auswirkungen der neuen US-Geopolitik
10 Global Governance
11 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen des fundamentalistischen Terrorismus auf den aktuellen geopolitischen Kontext. Im Zentrum steht dabei die Analyse, wie sich die internationale Sicherheitspolitik, insbesondere unter Führung der USA, durch die Ereignisse vom 11. September 2001 verändert hat und welche Herausforderungen dies für eine stabile Weltordnung mit sich bringt.
- Grundlagen der Geopolitik und zeitgenössische geopolitische Leitbilder.
- Strukturen und Entstehung des islamistischen Fundamentalismus und Terrorismus.
- Die Transformation der US-Außen- und Geopolitik nach den Terroranschlägen.
- Internationale Folgen des "Krieges gegen den Terror" und Reaktionen der Staatengemeinschaft.
- Diskussion von "Global Governance" als mögliches alternatives Weltordnungsmodell.
Auszug aus dem Buch
9.1 Politische Leitlinien der neuen US-Außen- und Geopolitik
Exemplarisch für die Veränderungen in der neuen amerikanischen Geo- und Außenpolitik sind die Äußerungen des US-Präsidenten George W. Bush in Pressekonferenzen des Weißen Hauses und in Ansprachen nur wenige Tage nach den verheerenden Terroranschlägen. Sie verdeutlichen die Reaktionsweise der USA auf diese Angriffe und formulieren die Zielsetzung der damals zukünftigen amerikanischen Geo- und Sicherheitspolitik relativ klar:
„The deliberate and deadly attacks which were carried out yesterday against our country were more than acts of terror. They were acts of war. […] Freedom and democracy are under attack. The American people need to know that we're facing a different enemy than we have ever faced. This enemy hides in shadows, and has no regard for human life. This is an enemy who preys on innocent and unsuspecting people, then runs for cover. But it won't be able to run for cover forever. This is an enemy that tries to hide. But it won't be able to hide forever. This is an enemy that thinks its harbors are safe. But they won't be safe forever. This enemy attacked not just our people, but all freedom-loving people everywhere in the world. The United States of America will use all our resources to conquer this enemy. We will rally the world. We will be patient, we will be focused, and we will be steadfast in our determination. This battle will take time and resolve. But make no mistake about it: We will win. “
Zusammenfassung der Kapitel
1 Definition und Aufgabenstellung der Geopolitik: Dieses Kapitel verortet den Begriff Geopolitik wissenschaftlich und beschreibt dessen historische Entwicklung sowie die Abgrenzung zu benachbarten Disziplinen.
2 Die Entstehung der neuen Welt(Un)ordnung: Hier wird der Zerfall der bipolaren Weltordnung nach dem Kalten Krieg und die daraus resultierende Instabilität auf der politischen Landkarte analysiert.
3 Geopolitische Leitbilder: Untersuchung theoretischer Ansätze von Rufin und Huntington zur Strukturierung der Weltpolitik nach dem Ende des Kalten Krieges.
4 Fundamentalismus: Definition des Begriffs Fundamentalismus als globale, religiös-politische Gegenbewegung zur Moderne.
5 Das islamische Weltbild: Analyse der ideologischen Grundlagen des Islamismus und dessen Unterscheidung zur Religion Islam.
6 Terrorismus: Theoretische Abgrenzung der Begriffe Terror und Terrorismus sowie Einordnung verschiedener Typen wie des transnationalen Terrorismus.
7 Osama bin Laden und die Al Qaida: Betrachtung der Rolle Osama bin Ladens und der Organisationsstruktur seines Netzwerks vor dem Hintergrund ideologischer Vorbilder.
8 Reaktionen auf den 11. September: Zusammenfassung unmittelbarer sicherheitspolitischer Maßnahmen der USA und internationaler Folgen nach den Anschlägen.
9 9/11 und die Auswirkungen auf die US-Geopolitik: Untersuchung der neuen US-Außenpolitik und deren internationale Auswirkungen auf Allianzen und Stabilität.
10 Global Governance: Darstellung des Konzepts einer kooperativen Weltinnenpolitik als Alternative zur imperialen Machtausübung.
11 Schlussbemerkung: Fazit zur Notwendigkeit einer gerechteren Weltordnung und der Rolle internationaler Kooperation zur Überwindung globaler Krisen.
Schlüsselwörter
Geopolitik, Terrorismus, 11. September, USA, Islamismus, Fundamentalismus, Weltordnung, Globalisierung, Al Qaida, Sicherheitspolitik, Global Governance, Clash of Civilizations, Hegemonie, Internationale Beziehungen, Dschihad.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des fundamentalistischen Terrorismus auf die globale Geopolitik und die Reaktionen westlicher Mächte, insbesondere der USA, seit dem 11. September 2001.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Definitionen von Geopolitik und Terrorismus, die Entstehung des islamistischen Fundamentalismus, die sicherheitspolitische Reaktion der USA sowie die Debatte um alternative Ordnungsmodelle wie Global Governance.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Komplexität der neuen globalen Sicherheitslage zu erfassen und zu hinterfragen, ob die amerikanische Strategie der militärischen Problemlösung zur langfristigen Stabilität beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Autoren nutzen eine literatur- und theoriebasierte Analyse, um geopolitische Leitbilder und aktuelle politische Entwicklungen in einen wissenschaftlichen Kontext zu setzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den theoretischen Rahmenbedingungen der Geopolitik, der Ideologie des Islamismus, der Differenzierung terroristischer Erscheinungsformen und der darauf folgenden sicherheitspolitischen Neuausrichtung der USA.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Geopolitik, Fundamentalismus, Terrorismus, Weltordnung und Global Governance maßgeblich definiert.
Inwiefern beeinflusste die "Bush-Doktrin" die internationale Sicherheitspolitik?
Die Bush-Doktrin markierte einen Paradigmenwechsel hin zu präventiven Militärschlägen und einem unilateralen Führungsanspruch, was transatlantische Beziehungen belastete und eine neue Konstellation der Machtverhältnisse schuf.
Wie unterscheidet sich "Global Governance" vom imperialen Handeln?
Global Governance basiert auf einer supranationalen Kooperation und global gültigen Rechtsnormen, während ein imperialer Ansatz durch die Vormachtstellung einer einzelnen Nation geprägt ist, die ihre Interessen einseitig durchsetzt.
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- Philipp Wagner (Author), Ulla Bläsing (Author), 2005, Fundamentalistischer Terrorismus und die Auswirkungen auf die aktuelle Geopolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50147