Die romantische Liebe. Inwiefern ist sie ein soziologisches Phänomen?


Essay, 2019
8 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Romantische Liebe
2.2 Soziologie der romantischen Liebe

3. Schlussteil

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Vorliegende schriftliche Arbeit entspricht einem wissenschaftlichen Essay und setzt sich mit dem Thema: „Romantische Liebe“ auseinander. Die daraus resultierende Fragestellung: „Inwieweit ist sie ein soziologisches Phänomen?“ Lege ich als Leitfrage meiner schriftlichen Arbeit fest. Diese Frage gilt es im Verlauf meiner Arbeit, mithilfe von aussagekräftigen Argumenten zu diskutieren und letztendlich zu beantworten. Dabei lege ich besonderen Wert auf die Darlegung meiner eigenen Position, welche ich im Argumentationsgang erkenntlich machen werde.

Die Romantische Liebe findet in vielen gegenwärtigen Kontexten ihren Ausdruck und ist deswegen von besonderer Relevanz. Ebenso ist die romantische Liebe, seit der Entstehung der modernen Gesellschaft, ein wichtiger Faktor im menschlichen Dasein und entzieht sich deswegen auch nicht der Wissenschaft (vgl. Kuchler/Beher 2014: 7). Demzufolge ist das Phänomen „romantische Liebe“ Bestandteil aktueller Diskussionen und Gegenstand empirischer Forschung. Aus diesen Gründen und aus dem Grund, dass mein Interesse in Bezug auf die Thematik, geweckt wurde mache ich dieses Thema zum Gegenstand meiner schriftlichen Leistung. Meine persönliche Motivation ist es zu artikulieren, inwieweit die romantische Liebe von sozialen Faktoren bestimmt ist und in Anlehnung dazu, sie von einem subjektiv erlebten Gefühl abzugrenzen. Um den Verlauf meiner Argumentation besser folgen zu können, gliedere ich den Essay in drei Abschnitte mit den Überschriften: Einleitung, Hauptteil und Schlussteil. Nachdem sich in der Einleitung mit dem Thema und dessen Relevanz auseinandergesetzt wurde, fokussieren sich die Inhalte des Hauptteils auf die Beantwortung der Fragestellung, mittels fachgebundener Literatur. Dabei wird mit dem Unterkapitel romantische Liebe begonnen, welches zunächst eine Definition erfordert, um dann im folgenden Unterkapitel die verschiedenen soziologischen Theorien darauf zu beziehen und zu diskutieren, inwiefern der Inhalt der Leitfrage zutrifft. Der Schlussteil beinhaltet abschließend das Zusammenführen der Argumentationslinien und die begründete Antwort auf die Fragestellung, welche sich auf den genannten Thesen und Analysen stützt und meine eigene Position widerspiegelt. Nicht Ziel dieser Arbeit, ist die banale Reproduktion von theoretischen Annahmen, sondern Ziel ist es einen aufschlussreichen Überblick darüber zu geben, welche Faktoren die romantische Liebe beeinflussen. Dabei gilt es festzustellen, ob die romantische Liebe überhaupt als ein soziologisches Phänomen begriffen werden kann und falls ja, zu erörtern welche Gründe dafürsprechen.

2. Hauptteil

2.1 Romantische Liebe

Um die Leitfrage hinreichend zu beantworten, ist es notwendig den Begriff Liebe anfangs zu definieren. Dass es nicht einfach ist die Liebe in all ihren Dimensionen hinreichend zu definieren, erkennt man bereits an den vielfältigen bestehenden Definitionen, die über große Interpretationsspielräume verfügen. Des Weiteren ist die Liebe in vielfältigen Erscheinungsformen zu beobachten und sie ist vor allem von gesellschaftlichen und kulturellen Einflüssen geprägt, welche ebenfalls die Formulierung einer allgemein gültigen Definition von Liebe erschweren (vgl. Lexikon der Psychologie: Liebe 2000).

Die moderne Liebesforschung befasst sich überwiegend theoretisch, sowie empirisch mit der romantischen oder partnerschaftlichen Liebe. Charakteristisch für die romantische Liebe sind Attribute wie die Sehnsucht nach Verschmelzung, emotionales tiefes Gefühl des Hingezogenseins, Verzauberung und Überwältigung. Sie strebt außerdem nach einer Synthese von geistiger und sinnlicher Liebe, bei der sich die Integration von Sexualität stärker und persönlicher gestaltet und das Liebende Paar als hoch individualisiert gilt. Die romantische Liebe isoliert sich von der sozialen Realität, weil sie sich nicht vor dem Hintergrund der sozialen Welt, inklusive ihrer Regeln und Verpflichtungen, begründen lässt. Weder Moral noch Vernunft können die Liebe legitimieren. Aus diesen Gründen wird die romantische Liebe als transzendent deklariert (vgl. Günter Burkart 2018b: 34ff.).

Da es für die Beantwortung der Leitfrage essentiell ist, die romantische Liebe aus einer soziologischen Perspektive heraus zu betrachten, stellt sie, wie in der Literatur oft erwähnt, kein subjektives erlebtes Gefühl dar, sondern sie wird als eine soziale Beziehung und soziale Praxis betrachtet. Ihre Formen unterliegen dabei einem historischen Wandel und sie können nicht ganz außerhalb der Gesellschaft stehen. Als soziale Beziehung zeichnet sich die romantische Liebe vor allem dadurch aus, dass sie unspezifisch und höchstpersönlich ist. Die Sexualität und der damit einhergehende privilegierte Zugang zum Körper des Partners differenziert sich von anderen Beziehungsformen. Hinzu kommt der Aspekt der Exklusivität, denn in der Intensität können sich in der Regel nur zwei Personen lieben (ebd.).

Die Liebe als soziale Praxis thematisiert unteranderem der Philosoph Hermann Schmitz, welcher die romantische Liebe nicht als individuelles Gefühl, sondern als zwischenmenschliche Beziehung begreift. Die Liebe ist zwar dennoch ein Gefühl, genauer gesagt eine Disposition, entspringe aber nicht der individuellen Psyche, sondern sie entwickelt sich im sozialen Raum (ebd.: 35ff.).

Abschließend an dieses Unterkapitel lässt sich zusammenfassend sagen, dass die Liebe aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden kann und aus diesen Gründen unterschiedliche Definitionen resultieren. Trotz dessen haben die Betrachtungsweisen gemeinsam, dass die Liebe als Bindeglied einer dyadischen Beziehung fungiert und mit Einbezug der Sexualität sich von anderen Formen unterscheidet (ebd.). Sie ist als intensives Gefühl physisch zu spüren und beeinflusst nicht nur das Gefühlserleben, sondern auch die Handlungsbereitschaft eines Menschen (vgl. Kuchler/Beher 2014: 55).

Überleitend wird im folgenden Unterkapitel, auf soziologische Theorien und Perspektiven eingegangen, die die Liebe als soziales Phänomen betrachten.

2.2 Soziologie der romantischen Liebe

Aus kultursoziologischer Perspektive ist die Liebe ein Kulturprodukt. Kulturelle Vorbilder wie sie in der Literatur zu finden sind, lassen den Menschen wissen, wie sich Liebe anfühlen sollte und üben schlussfolgernd einen Einfluss auf das Emotionserleben aus. In diesem Kontext spricht man von der kulturellen Gefühlsnorm, welche verursacht, dass die Liebe als Kulturprodukt verstanden werden kann. Gefühle gelten somit nicht als genuin subjektive Konstrukte, sondern sind von sozialen Bedingungen beeinflusst (vgl. Burkart 2018b: 13).

Eine interaktionistische Betrachtung der romantischen Liebe liefert Georg Simmel. Er beschreibt sie nicht als Gefühl, welches im Individuum selbst entsteht, sondern als Produkt der Interaktion. Die durch die Liebe hervorgerufene Gegenliebe verstärkt die Liebe von Ego. Im Mittelpunkt steht also die Gegenseitigkeit. Liebe ist nach Simmel eine „Wechselwirkung, welche sich in Form von interaktiver Emergenz entwickelt (ebd.: 42).

Als weiteren Ansatz zu nennen, ist die Theorie von Niklas Luhmann. Vor dem Hintergrund seiner Systemtheorie erörtert er, dass die Liebe nicht als Gefühl oder als Praxis dargestellt wird, sondern vielmehr als Kulturmuster und als Kommunikationsmittel (ebd.). Er vertritt ebenfalls die Problematik von Liebe und Welterleben. Dabei stellt er die Annahme auf, dass das Liebespaar nicht unbedingt eine Weltsicht auf gemeinsamer Basis schaffen müssen, sondern das jeder Partner die Weltsicht des Anderen, auch wenn seine sich von der anderen differenziert, im eigenen Handeln repräsentiert. Diese meist auf Ablehnung stoßenden Differenzen müssen in der Liebe akzeptiert und durch entgegenkommendes Verhalten gestützt und bestätigt werden. Des Weiteren muss man bereit sein, die aus den verschiedene Weltansichten resultierenden, Konsequenzen mitzutragen. Nur so kann bei zunehmender Komplexität und Differenzierung für das Handeln und Erleben der modernen Menschen ausreichend Konsens und Bereitschaft zum kommunikativen Anschluss beschafft werden. Der Schwerpunkt der Liebe liegt folglich auf dem Erleben (vgl. Kuchler/Beher 2014: 27f.).

„Sie sorgt dafür, dass in einer zunehmend individualisierten Gesellschaft der Einzelne wenigstens noch von einem signifikanten Anderen in seinem persönlichen Welterleben unterstützt wird“ (ebd.: 28).

Da die Liebe nach Luhmann ein Kommunikationsmittel der höchstpersönlichen Kommunikation darstellt, stecken in ihr auch die wesentlichen gesellschaftsstrukturellen Bedingungen. Jedoch nicht in Bezug auf das individuelle Gefühl, sondern sie beziehen sich auf die Institutionalisierung von Liebe in Formen, die ihrer Funktion gerecht werden und es ihnen ermöglichen den veränderten gesellschaftlichen Anforderungen genug zu sein (ebd.: 76).

Ein weiteres Modell, welches die Liebe als soziologisches Phänomen begreift, ist der Ansatz von Stephanie Bethmann. Bethmann hat eine soziologische Studie durchgeführt, in der sie belegt, dass die Liebe weder ein individuelles Gefühl noch eine isolierte Zweierbeziehung ist. Ihren Ergebnissen zufolge ist die romantische Liebe eine soziale Beziehung, eingebettet in soziale Praktiken und soziale Anerkennungsprozesse. Sie beweist, dass Liebe, erst dann entsteht, wenn man den Anderen anerkennt (vgl. Burkhart 2018a: 7). Die Liebe ist für sie eine interaktive Konstruktion und damit eine soziale Praxis (vgl. Burkart 2018b: 47).

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Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Die romantische Liebe. Inwiefern ist sie ein soziologisches Phänomen?
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
8
Katalognummer
V501691
ISBN (eBook)
9783346021939
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Liebe, Romantische Liebe, Gesellschaft, Moderne
Arbeit zitieren
Jenny Schäfer (Autor), 2019, Die romantische Liebe. Inwiefern ist sie ein soziologisches Phänomen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501691

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