Für meine Arbeit stellt sich die Frage, ob und in welcher Weise Bergs Sonate aus dem frühen 20. Jahrhunderts sich in eine klassisch-romantische Vorstellung eines Sonatensatzes einordnen lässt. Dabei ist es besonders interessant, ob die fest gefügten Elemente in "Theil 1" und "Theil 3" (Exposition und Reprise) "eingehalten" werden. Marx geht nämlich von der festen Ordnung Hauptsatz – Seitensatz – Gang – Schlusssatz aus.
Berg komponiert freitonal. Und obgleich deutliche Hinweise auf h-Moll zu finden sind, wird es schwierig werden in Marx' harmonischem Denken zu analysieren, weswegen meine Arbeit ihren Fokus auf rhythmische und melodische Aspekte richten wird. Alle Notenbeispiele, die in der Arbeit zu finden sind, seien dem Stück gemäß mit zwei Kreuzvorzeichen zu denken, sofern es nicht anders vermerkt ist.
Die Sonate für Klavier op.1 ist Alban Bergs erste und einzige Klaviersonate und besteht aus nur einem Satz. Sie ist als Gesellenstück in der Kompositionsschule Schönbergs anzusehen. Berg schrieb sie im zweiten Jahr, das er unter Schönbergs Fittichen verbrachte, nachdem er sich an einigen skizzenhaften Sonatensätzen versuchte.
Adolph Bernhard Marx war Komponist und Musiktheoretiker des frühen und mittleren 19. Jahrhunderts. In seiner Kompositionslehre systematisiert er eine Sonatenform, indem er besonders die Werke Beethovens, aber auch anderer mehr oder weniger bedeutender Komponisten, analysiert. Er kommt dabei zu einer dreiteiligen Form: Exposition, Durchführung, Reprise (keine Marxschen Termini).
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Theil 1 – Exposition
1.1 Hauptsatz
1.2 Übergang zum Seitensatz
1.3 Seitensatz
1.4 Schlusssatz
1.5 Rückführung zum Hauptsatz
2. Theil 3 – Reprise
2.1 Hauptsatz
2.2 Seitensatz – Schlusssatz
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Alban Bergs Klaviersonate op. 1 vor dem Hintergrund der Kompositionslehre von Adolph Bernhard Marx, um zu prüfen, inwieweit das Werk klassisch-romantische Formvorstellungen eines Sonatensatzes widerspiegelt.
- Strukturanalyse der Sonate unter Anwendung der Marxschen Formmodelle (Exposition, Durchführung, Reprise).
- Untersuchung der motivischen Arbeit und Verarbeitung innerhalb der einzelnen Formabschnitte.
- Analyse der rhythmischen und melodischen Aspekte als Ersatz für die harmonische Analyse in einem freitonalen Kontext.
- Vergleich der Exposition und Reprise hinsichtlich ihrer formalen Ausgestaltung und Motivverarbeitung.
- Diskussion über die Einordnung des Werkes als Gesellenstück in der Schönberg-Schule.
Auszug aus dem Buch
1.1 Hauptsatz
Der Hauptsatz, bezeichnet mit „Mäßig bewegt“, erstreckt sich über die ersten 11 Takte und ist als „erweiterte Periode“3 aufzufassen. Der Vodersatz ist eindeutig gliederbar in drei Motive, die ich jetzt gleich erläutere. Sie umfassen gemeinsam vier Takte (1-4). Der Nachsatz, den ich danach aufdrösele, greift die Motive des Vordersatzes auf, führt sie eng, kehrt sie um usw., wird also „in Gang aufgelöst“4 und geht ab Takt 11 zum Seitensatz über.
Vordersatz:
Die drei Motive gestalten sich wie folgt:
Motiv a charakterisiert sich durch einen punktierten Rhythmus und die Abfolge der Intervalle reine Quart und übermäßige Quint, die auftaktig nach oben springen.
Motiv b „ist eine umkehrungs-, wenn man will, auch krebsähnliche Variante“5 von Motiv a. Es kommt zu Tonverdopplungen und die Intervalle, die diesmal abwärts springen, sind kleiner als in a (große Terz, verminderte Quart) und bilden einen übermäßigen Akkord.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in Alban Bergs Sonate op. 1 und die theoretische Grundlage der Analyse mittels Adolph Bernhard Marx' Kompositionslehre.
1. Theil 1 – Exposition: Detaillierte motivische und strukturelle Untersuchung des Hauptsatzes, des Übergangs, des Seitensatzes, des Schlusssatzes und der Rückführung.
2. Theil 3 – Reprise: Analyse der veränderten Motivverarbeitung und formalen Abweichungen in der Reprise im Vergleich zur Exposition.
3. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Sonate als traditionell strukturiertes Werk, das trotz freitonaler Komposition klassische Sonatenformen integriert.
Schlüsselwörter
Alban Berg, Klaviersonate op. 1, Sonatenform, Adolph Bernhard Marx, Motivverarbeitung, Exposition, Reprise, Hauptsatz, Seitensatz, Schlusssatz, Kompositionslehre, Musiktheorie, Analyse, Arnold Schönberg, Moderne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Alban Bergs erste Klaviersonate (op. 1) und analysiert, inwiefern dieses Werk klassischen Formvorstellungen, insbesondere denen von Adolph Bernhard Marx, entspricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die formale Strukturierung des Satzes, die motivische Arbeit (Motiv a bis g) sowie das Verhältnis von traditioneller Formgebung zur freitonalen Tonsprache.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist festzustellen, ob und wie Bergs Sonate aus dem frühen 20. Jahrhundert in eine klassisch-romantische Vorstellung eines Sonatensatzes eingeordnet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine formanalytische Methode angewandt, die primär auf rhythmischen und melodischen Aspekten basiert, da eine rein harmonische Analyse aufgrund der Freitonalität des Stücks schwierig ist.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Exposition und der Reprise, wobei die einzelnen Bestandteile wie Hauptsatz, Übergang, Seitensatz und Schlusssatz im Detail auf ihre motivische Herkunft geprüft werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Alban Berg, Sonatenform, Motivverarbeitung, Kompositionslehre und Musiktheorie charakterisieren.
Warum spielt die Kompositionslehre von Adolph Bernhard Marx eine zentrale Rolle?
Marx bietet ein systematisches Modell der Sonatenform an, das als Vergleichsfolie dient, um Bergs Abweichungen und seine kreative Nutzung traditioneller Strukturen messbar zu machen.
Wie verändert Berg die Motivverarbeitung in der Reprise?
In der Reprise verarbeitet Berg die Motive teilweise gleichzeitig oder variiert sie, während sie in der Exposition eher sukzessive vorgestellt werden, was zu einer "gangartigeren" Charakteristik führt.
Welche Bedeutung hat das "Motiv f" für den Schlusssatz?
Motiv f ist das einzige Motiv, das nicht direkt aus dem Kopfthema abgeleitet werden kann und fungiert als zentrales Element im Schlusssatz, das sich bis zur Unkenntlichkeit augmentieren lässt.
Zu welcher Schlussfolgerung kommt der Autor?
Der Autor schlussfolgert, dass Berg traditionelle Strukturen bewusst nutzt, um seiner Kreativität einen Rahmen zu geben, und somit ein nachvollziehbares, aber innovatives Werk geschaffen hat.
- Arbeit zitieren
- Raimund Lippok (Autor:in), 2017, Alban Bergs Klaviersonate op. 1. Exposition und Reprise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502389