Die Balance von Nähe und Distanz in der Sozialen Arbeit. Ein Teil der professionellen Beziehungsgestaltung


Hausarbeit, 2018
13 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition von „Nähe und Distanz“ in der Sozialen Arbeit
2.1 Vier Konzepte verschiedener Konstellationen von Nähe und Distanz
2.2 Nähe und Distanz in der professionellen Beziehung

3 Grenzverletzendes Verhalten

4 Modell der professionellen Beziehungsgestaltung

5 Professionalität der Sozialen Arbeit nach Maja Heiners

6 Fazit

Literaturverzeichnis.

1 Einleitung

Von Geburt an beginnt ein Mensch Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Mit jeder Beziehung wird das Kontaktnetz erweitert. Genauso beginnt ein Mensch von Geburt an, eine Balance zwischen Nähe und Distanz in jeder Beziehung zu finden. Zu viel Nähe kann bedrängend und zu wenig Nähe kann abgrenzend wirken. In der Sozialen Arbeit haben die Sozialarbeiter1 einen sehr großen Einblick in den Alltag ihrer Klienten. Anders als bei Ärzten oder Psychotherapeuten, findet die Betreuung nicht unbedingt an einem bestimmten Ort statt. Durch die intensive Betreuung des Sozialarbeiters wird eine enge Beziehung zwischen dem Klienten und Sozialarbeiter aufgebaut, doch wie verhält sich die Balance von Nähe und Distanz in dieser Beziehung?

Diese Arbeit setzt sich mit der professionellen Beziehungsgestaltung in der Sozialen Arbeit zwischen Klienten und Sozialarbeiter auseinander. Inwiefern spielt die Balance von Nähe und Distanz in dieser Beziehung eine wichtige Rolle und was sind die Voraussetzungen für professionelles berufliches Handeln?

Zu Beginn dieser Arbeit wird das Antonym „Nähe und Distanz“ im Rahmen der Sozialen Arbeit definiert. Anschließend werden vier psychosoziale Konzepte vorgestellt, welche verschiedene Konstellationen von Nähe und Distanz darstellen. Es sind Konzepte aus der Heimerziehung von Heinrich Pestalozzi und von Siegfried Bernfeld. Die anderen beiden Konzepte stammen aus der Beratungspraxis. Hier werden der klientzentrierte Ansatz und die systemische Beratung vorgestellt. Daraufhin wird erläutert, welche Rolle Nähe und Distanz in professionellen Beziehungen spielt und wann man von Grenzverletzungen sprechen kann. Anhand einer Abbildung werden die Prozesse der professionellen Beziehungsgestaltung erklärt. Im letzten Teil dieser Arbeit wird Maja Heiners Verständnis von Professionalität vorgestellt, bevor im Fazit die Arbeitsergebnisse zusammengefasst werden.

2 Definition von „Nähe und Distanz“ in der Sozialen Arbeit

Nähe gilt als eine wichtige Voraussetzung für helfende Beziehungen in der Sozialen Arbeit. Das zwischenmenschliche Miteinander in Harmonie und mit Mitgefühl kann Geborgenheit geben, die für die Handlungswirksamkeit der sozialen Arbeit elementar ist. Das bedeutet, dass die Qualität der Beziehung durch das „Sich-Einlassen“ die Erfolge und Ergebnisse bereichern kann (Thiersch 2012: S. 32).

Andererseits kann zu viel Nähe auch als zudringlich und damit auch peinlich oder unangenehm wirken. Es besteht weiterhin die Gefahr einer Abhängigkeit vom Professionellen und führt damit zur Unwirksamkeit der Therapie bzw. Begleitung.

Ein weiteres Kriterium im sozialpädagogischen Handeln ist die Distanz. Hier gilt es, den Wunsch nach Abgrenzung zu akzeptieren und therapeutisch wirkungsvoll zu entfalten. Die Abgrenzung des Klienten und Akzeptanz von dessen Einmaligkeit durch den Therapeuten unterstützen demnach die Unabhängigkeit und Autonomie. Problematisch wirkt sich hingegen bei zu großer Distanz aus, dass die Unverbundenheit verletzend wirken kann (Thiersch 2012: S.32).

Sowohl in zwischenmenschlichen wie auch pädagogischen Beziehungen stehen sich die Ausprägungen von Nähe und Distanz nicht zusammenhangslos gegenüber. Vielmehr handelt es sich gleichwohl um zwei gegensätzliche Pole, deren ausgewogene Balance sich in der Professionalisierung wiederfinden soll. Die Beziehungsmuster gleichen ständig Selbstständigkeit von Klienten und Beziehung zu Therapeuten aus (vgl. Thiersch 2012: S. 32).

2 . 1 Vier Konzepte verschiedener Konstellationen von Nähe und Distanz

Im Folgenden werden vier Konzepte aus der Sozialen Arbeit und deren Ausprägung von Nähe und Distanz vorgestellt. Aus dem erziehungswissenschaftlichen Umfeld werden die Ausführungen von Heinrich Pestalozzi und Siegfried Bernfeld betrachtet und aus der beratenden Praxis der Klient-zentrierte Ansatz nach Carl Rogers und die systemische Beratung (vgl. Hausknecht 2012: S.14).

Heinrich Pestalozzis Ansatz zur Heimerziehung:

Als Ausgangspunkt seiner Überlegung stand der Wunsch, die damaligen Verhältnisse in der Erziehung von Kindern zu verändern. Nach dem Krieg befanden sich viele verwahrloste Kinder in Heimen, die einen hohen Einsatz von Pflegern und Erziehern bedurften. Pestalozzi verlangte einen sehr intensiven Einsatz der Pädagogen, denn nur durch deren Nähe war es für ihn möglich, den jungen Menschen in sittlicher Hinsicht hin zu erziehen. Die Möglichkeit einer pädagogischen Besetzung sah er hier nicht (vgl. Thiersch 2012: S. 39).

Siegfried Bernfelds Ansatz zur Heimerziehung:

Das Handeln des Pädagogen soll distanziert sein, damit das Kind seinen eigenen Weg finden kann und darin Stärke findet. Die Analyse und Begleitung sollten das Kind dahinführen, was es selbst sein möchte. Durch zu große Nähe werden Eigenheiten des Kindes unterdrückt (vgl. Thiersch 2012: S. 39-40).

Klient-zentrierte Beratung nach Carl Rogers (1977):

Der Klient mit seiner inneren personalen Welt steht im Mittelpunkt und kennt seine Probleme, Konflikte und Zielvorstellungen. Der Sozialarbeiter fungiert als aktiver Zuhörer in einem sozialen Klima von zwischenmenschlich geistiger Zuwendung. Der Individualität des Klienten wird Rechnung getragen (vgl. Hausknecht 2012: S. 15-16).

Die systemische Beratung (Hausknecht, S. 16) Ellinger, Brunner:

Der Klient wird als Teil eines Systems im Zusammenhang mit seinem Umfeld betrachtet. Hier findet die Grundlage für Diagnose und Behandlung statt als Kombination von systemischen Zusammenhängen und interpersonellen Beziehungen. Die Betrachtung des Klienten aus der Vogelperspektive ermöglicht Denken und Handeln in Zusammenhängen, welche die Beziehungsstruktur durch deren Fokussierung analysiert. Es erfolgt keine Betrachtung von Ursachen der Probleme wie in der Klient-zentrierten Beratung sondern eine distanzierte Fokussierung und Analyse der Beziehungsstruktur (vgl. Hausknecht 2012: S.16).

2 . 2 Nähe und Distanz in der professionellen Beziehung

Die richtige Balance von Nähe und Distanz ist ein wesentlicher Bestandteil des professionellen Handelns. Diese Frage hat sich Regina Albert gestellt: „Wie kann, vor allem in alltagsnahen Betreuungsbeziehungen, Nähe und Distanz in einer für Klientinnen hilfreichen Weise balanciert werden?“ (Abeld 2016: S.13).

Durch die Begleitung im Alltag und die intensive Betreuung wird eine starke Beziehung zwischen dem Klienten und dem Sozialarbeiter aufgebaut, die eine starke Nähe ausstrahlt. In dieser Beziehung ist es umso wichtiger für den Sozialarbeiter eine „professionelle Distanz“ (Thiersch 2012: S. 41) zu wahren. Der Sozialarbeiter hat bloß die Funktion des Begleitens in dem Leben des Klienten und ist nicht Teil seiner Lebenswelt. Die Gewichtung der Nähe und Distanz geschieht in Hinblick auf die lebensweltliche Orientierung des Klienten (vgl. Thiersch 2012: S.42). „Professionelle Distanz […] müsse zur Verhinderung von zu starker und somit als unprofessionell gewerteter Nähe gewahrt werden.“ (Abeld 2016: S.190). Ein Sozialarbeiter muss in der Lage sein, einfühlend auf den Patienten zu wirken und gleichzeitig die Probleme bzw. die Situation des Klienten von oben neutral zu betrachten, um handlungsfähig zu bleiben (vgl. Abeld 2016: S. 190). Die Distanz ist nicht nur wichtig für die professionelle Handlungsfähigkeit des Sozialarbeiters, sondern auch für die psychische Gesundheit. Die Berufsthemen sind oft von sehr viel Emotionalität geprägt, was es umso schwerer macht, mit den Themen nach der Arbeitszeit abzuschließen (vgl. Abeld 2016: S. 190).

Außerdem haben Margret Dörr und Burkhard Müller erwähnt, dass es „nicht um Nähe und Distanz an sich [geht], sondern um ein jeweils als ‚richtig‘ empfundenes Maß von Nähe und Distanz“ (Dörr & Müller 2012: S. 7). Aus diesem Zitat geht hervor, dass es sich nicht um die räumliche Nähe und Distanz handelt, sondern um den psychischen zwischenmenschlichen Abstand. Das Paradoxe von Nähe und Distanz ist somit in mehreren Ebenen zu sehen.

[...]


1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung personenspezifischer Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für jedes Geschlecht.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Balance von Nähe und Distanz in der Sozialen Arbeit. Ein Teil der professionellen Beziehungsgestaltung
Hochschule
Fachhochschule des Mittelstands
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
13
Katalognummer
V502467
ISBN (eBook)
9783346050960
Sprache
Deutsch
Schlagworte
balance, nähe, distanz, sozialen, arbeit, teil, beziehungsgestaltung
Arbeit zitieren
Lea Hölkemann (Autor), 2018, Die Balance von Nähe und Distanz in der Sozialen Arbeit. Ein Teil der professionellen Beziehungsgestaltung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502467

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