Aspekte weiblichen Schreibens in der frühen Lyrik Mascha Kalékos


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
26 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhalt

Vorbemerkung

1. Was meint ‘weibliches Schreiben’?
1.1 Das Phänomen ‘Weiblichkeit’
1.2 Zur Annahme einer „weiblichen Ästhetik“
1.3 Überblick der Theorien
1.4 Definition

2. Mascha Kaléko
2.1 Biographisches
2.2 Selbstwahrnehmung und -darstellung
2.3 Kalékos (frühe) Lyrik in zeitgeschichtlichem und literarischem Kontext

3. ‘Weibliches Schreiben’ und Kalékos frühe Lyrik
3.1 Aspekten ‘weiblichen Schreibens’ auf der Spur
3.2 Eine Abwägung

Versuch eines Fazits

Bibliographische Angaben

Vorbemerkung

„Eher eine epigone als eine moderne Art von Dichtung“, die in der romantischen Tradition Heines stehe – so lautet Herman Hesses Urteil zum lyrischen Frühwerk Mascha Kalékos in den Neuen Deutschen Büchern 1935-1936 (76):

Aber diese kleinen Dichtungen haben dennoch einen echten Liebreiz, sie sind auf eine graziöse und sympathische Weise verspielt und tändelnd, sie sind von echter Jugendlichkeit, uns so sind sie uns willkommen in ihrer Anmut und Schlichtheit, hinter der soviel Traurigkeit und Sehnsucht nach einem echteren und edleren Leben steckt.

Lassen sich wohl in einer Lyrik, von männlicher Intellektualität als „kleine Dichtung“ bezeichnet und mit dem Prädikat „von echtem Liebreiz“ versehen, Aspekte ‘weiblichen Schreibens’ entdecken? Die vorliegende Arbeit wird versuchen, dieser Frage auf den Grund zu gehen.

In einem ersten Teil wird deshalb eine Annäherung an den Begriff ‘weibliches Schreiben’ zu unternehmen sein; hier soll eine Grundlage für die nachfolgende Untersuchung von Gedichten aus Kalékos ersten beiden Lyrikbänden, Das lyrische Stenogrammheft und Kleines Lesebuch für Große, geschaffen werden.[1] Gedichte, die nach Kalékos Emigration entstanden sind, können im Rahmen dieser Arbeit leider nicht mit berücksichtigt werden. Die Person und Dichterin Mascha Kaléko wird in einem zweiten Teil dieser Arbeit im Mittelpunkt stehen. Da nicht unbedingt von einer detaillierten Kenntnis der Vita der Autorin ausgegangen werden kann, erscheint eine etwas umfangreichere Darstellung ihrer Biographie sinnvoll. Leben und Sozialisation Kalékos, ihr weibliches (Selbst-) Bewusstsein, stellen zudem eine wichtige Grundlage für die zu untersuchenden Aspekte ‘weiblichen Schreibens’ dar. Ein letzter Teil dieser Arbeit wird sich schlussendlich mit der Zusammenführung der zuvor heraus-gearbeiteten Erkenntnisse zu beschäftigen haben: einer detaillierteren Untersuchung von frühen Gedichten Mascha Kalékos hinsichtlich Aspekten ‘weiblichen Schreibens’.

Angesichts einer sich teilweise sehr differierend präsentierenden feministischen Literaturwissenschaft und einer wenig umfangreichen Forschungsliteratur zu Werk und Person Mascha Kalékos sei darauf hingewiesen, dass diese Arbeit nicht mehr leisten kann als den Versuch, das genannte Thema in den Blick zu nehmen.

1. Was meint ‘weibliches Schreiben’?

In diesem Kapitel soll eine Annäherung an den Begriff des ‘weiblichen Schreibens’ unternommen werden. Dabei wird zunächst das Phänomen ‘Weiblichkeit’ zu betrachten und die Frage zu stellen sein, ob die Annahme einer spezifischen ‘weiblichen Ästhetik’ gerechtfertigt ist. Des Weiteren sollen verschiedene Theorien ‘weiblichen Schreibens’ vorgestellt werden um anschließend eine Begriffsklärung vornehmen zu können, auf deren Grundlage endlich in Kapitel 3 die frühe Lyrik Mascha Kalékos untersucht werden soll.

1.1 Das Phänomen ‘Weiblichkeit’

‘Weiblichkeit’ konnotiert zunächst eine anatomische Zugehörigkeit zum Geschlecht ‘Frau’ – in Abgrenzung zu ‘Männlichkeit’ und einer Zugehörigkeit zum anatomischen Geschlecht ‘Mann’. Diese geschlechtliche Differenzierung zwischen Männern und Frauen, so Hof (96), ist „eine Unterscheidung, die in allen Gesellschaften vorgenommen wird [...]. Die Frage, warum eine solche Klassifizierung erfolgt, erscheint angesichts der Natürlichkeit dieses Vorgehens überflüssig zu sein.“ Wird das Attribut ‘weiblich’ mit dem anatomischen Geschlecht ‘Frau’ gleichgesetzt, so mutet eine Verknüpfung von Kategorien wie ‘weibliche Ästhetik’ oder ‘weibliches Schreiben’ mit der Kategorie Geschlechterdifferenz nur plausibel und folgerichtig an. Allerdings wirft eine solche Verknüpfung auch die Frage auf, ob allein die anatomische Zugehörigkeit zum Geschlecht ‘Frau’ bestimmte Erfahrungen, ein spezifisches Wahrnehmungsvermögen und eine besondere Ausdrucksweise generiert (vgl. Kanz : 26). Hier gibt Kanz (32) die diskursive beziehungsweise rhetorische Verfasstheit der Kategorien ‘Weiblichkeit’ und ‘Männlichkeit’ zu bedenken:

Weil die „Materialität des biologischen Geschlechts“, also all das, was einmal als natürlich, „angeboren“ und „authentisch“ galt, im Laufe der Jahre immer mehr als Produkt „ritualisierter Wiederholung von Normen“ erkannt worden ist, müssen die Kategorien ‘Mann’ oder ‘Frau’ letztlich als kulturelle Konstruktionen betrachtet werden, die auf ihre Entstehung und ihre Funktionsweise innerhalb (politischer, kultureller, historischer, sozialer, literarischer) Machtsysteme hin zu befragen sind.

Osinski (135) unterstreicht die Existenz eines „sozialen Geschlechts“ und seine Verwobenheit mit der biologischen Zweigeschlechtlichkeit, deren „Verbindung in den Zuweisungen von Männlichkeit und Weiblichkeit jedoch nicht zwangsläufig, sondern vielfach bedingt ist. [...] Auch sex, der Geschlechtskörper, wird nicht ‘an sich’, sondern vermittelt erfahren.“ Diesen Ansätzen folgend, kann ‘Weiblichkeit’ nicht aus dem biologischen Geschlecht ‘Frau’ abgeleitet werden, sondern ist, im Sinne von gender[2], als konstruiert – als historisch, psychologisch, sozial und kulturell bedingt – zu verstehen (vgl. Osinski : 132).

1.2 Zur Annahme einer ‘weiblichen Ästhetik’

Kulturell wird gender durch Sprache vermittelt und aufgefasst – und somit durch Literatur als „kulturelle Form symbolischer Kommunikation“ sowohl produziert als auch reproduziert (vgl. Osinski : 133):

Denn weder historisch noch systematisch kann Literatur von Frauen als Ausdruck ihres „eigentlichen“ sozialen Geschlechts, gender, analysiert werden, ohne daß zugleich die soziokulturelle Überformung der Geschlechtsidentität im Patriarchat mitgedacht werden müßte. [...] Einerseits, so die Annahme, gestalten Frauen sich schreibend als Subjekte selbst, autonom, unabhängig von männlichen Projektionen, andererseits haben sie patriarchale Geschlechtszuschreibungen verinnerlicht. (ebd. : 132)

(Nicht nur) die abendländische Kultur mit ihren Traditionen und Maßstäben ist vorwiegend männlich geprägt; Frauen hatten wenig Anteil an ihrer Errichtung und können sich nicht, wie Männer, auf (eigene) Traditionen berufen.

Bestimmend für das seltene Erscheinen von Frauen in der Geschichte und für fehlende weibliche Autorität bezüglich Traditionsbildungsprozessen ist auch hier eine androzentrische symbolische Ordnung, die Frauen als naturhaft und infolgedessen als zeitlos und privat klassifiziert und im gleichen Zuge die Beiträge von Frauen zu Zivilisation, Kultur, Wissenschaft und Politik als nicht überlieferungswürdig ausschaltet. (Günter : 36)

Frauen schreiben also unter anderen Voraussetzungen und Bedingungen als Männer – sie haben keine „eigene“ Sprache zu ihrer Verfügung. Dennoch mag vielleicht gerade „die Andersartigkeit ihrer sozialen, politischen, ökonomischen, kulturellen und intellektuellen Erfahrungswelt [...] bei weiblichen Autoren andere Imaginationen und andere formal-ästhetische Ausdrucksformen erwarten [lassen] als bei ihren männlichen Kollegen“ (Wende : 535). Allerdings präsentieren sich bisherige Untersuchungen zu diesem Thema zumeist als recht wenig überzeugend.[3] Fraglich bleibt, ob es überhaupt möglich und sinnvoll ist, eine ‘weibliche Ästhetik’ zu bestimmen oder zu etablieren.

1.3 Überblick der Theorien

‘Weibliches Schreiben’ betreffend, finden sich in der feministischen Literaturwissenschaft verschiedenste einander unterstützende oder widersprechende Ansätze und Modelle, die im Folgenden kurz vorgestellt werden sollen.[4]

Der gynocriticism vertritt eine Literaturauffassung der Geschlechterdifferenz, nach der Frauen nicht nur unter anderen Bedingungen als Männer, sondern grundsätzlich anders als Männer schreiben. Keine Wesensbestimmung geschlechtsspezifischen Schreibens nehmen hingegen die nachstehenden Ansätze vor: Die Interdependenz-Geschichte geht davon aus, dass literarische Frauenbilder in sozialer und ideologischer Realität so wirkungsmächtig sind, dass sie (zusammen mit anderen Bedingungen) weibliche Autorschaft historisch verhinderten. Für den dekonstruktivistischen Ansatz meint weibliche Textproduktion metonymische, parodistische, ironische sowie travestierende Schreibweisen. Der diskursanalytische Ansatz betrachtet Männer und Frauen als Subjekte mit soziokulturell diskursiven Erfahrungen. Literarische Texte gelten hier als Medien eines kulturellen „Gedächtnisses“, die diskursive Formationen einer bestimmten historischen Situation widerspiegeln; Autorinnen und Autoren sind zugleich sowohl Urheberinnen und Urheber als auch Effekt von Texten. Weiterhin ist die literaturhistorische Frauenforschung zu nennen, die außerliterarische soziale und ideologische Bedingungen untersucht, unter denen Frauen Literatur schaffen konnten oder die eben dies verhindert haben. Der sozialgeschichtlich-ideologiekritische Ansatz betrachtet schließlich alle historisch verfügbaren Texte von Frauen. Hier geht es nicht um „Literatur als Kunst“, sondern darum, „welche Lebens- und Schreibbedingungen von Frauen Literatur erkennen läßt und unter welchen Bedingungen welche literarischen Gattungen, Textsorten und Genres Frauen als Autorinnen offenstanden.“ (Osinski : 170)

Die vielleicht wichtigsten Theorien feministischer Literaturwissenschaft, die seit den 1980er Jahren mit Hélène Cixous, Luce Irigaray und Julia Kristevas identifizierte écriture féminine sowie die feministische Dekonstruktion, greifen die Begriffe des Imaginären und Symbolischen Nietzsches und Derridas wieder auf[5]: Das Imaginäre wird weiblich, das Symbolische männlich konnotiert. Diese auf reale Frauen bezogene Zuordnungen geschehen mit dem Ziel, der „phallogozentrischen“ Ordnung des Patriarchats eine „andere“, weibliche Ordnung entgegenzusetzen (vgl. Osinski : 143 f.). Vor dem Hintergrund der Foucault’schen Betrachtung von Diskursen als „historische Formen von Wissensorganisation“ und deren Verbindung „mit Fragen nach der Produktion und Reproduktion von Macht“ (ebd. : 147) mutet die écriture féminine allerdings wie ein Rückschritt an.[6] Cixous versteht weibliches Schreiben nach Derridas écriture -Begriff als von beiden Geschlechtern ausführbares aufbrechendes, verschiebendes, fließendes Schreiben im Gegensatz zum fixierenden männlichen. Als Ursprung weiblichen Schreibens gilt Cixous eine kosmische Libido; diese ist theoretisch nicht erfassbar, da Cixous theoretisches Denken mit männlicher Ökonomie konnotiert. Die Schrift wird in ihrer „Körper-Schreiben“-Theorie zur „Fortsetzung einer unendlichen Verströmung des Selbst ins Symbolische“ (ebd. : 154). Irigaray wiederum geht von einer Nicht-Festlegbarkeit der Frau aus, wobei sie explizit von „realen Frauen“ spricht. Ihr parler femme, „Frau-Sprechen“, ist ebenfalls diskursiv nicht festlegbar, also

a-logisch, weder kritisierbar noch zu werten – einfach fließend. Als Gegenstück zum ‘phallogozentrischen’ männlichen Diskurs entwirft Irigaray einen weiblichen Diskurs, die „Schamlippen-Theorie“. Ende der 1970er Jahre entwickelt Kristeva, die sich zwar selbst nicht als Feministin bezeichnet, gleichwohl aber der écriture féminine zugerechnet wird, aus diesen spezifisch weiblichen Diskursen ein explizit geschlechtsneutrales poetisches Verfahren: Sie versteht „poetische Texte als praktische Arbeit an der Sprache, nicht als Abbilder einer außerliterarischen Wirklichkeit, die nachgeahmt würde, sondern als Erzeugung einer eigenen textuellen Wirklichkeit.“ (ebd. : 160)

Neben einer wenigstens zweifelhaft erscheinenden programmatischen Aufwertung von Texten (oder sonstigen Leistungen) von Personen weiblichen Geschlechts, sind wohl vor allem Bestrebungen kritisch zu betrachten, „die Identität der Frau zu bestimmen, den Begriff von Weiblichkeit zu definieren“ (Hof : 55) – entgegen Kristevas berühmt gewordenem Ausspruch „woman can never be defined“ (zit. nach Hof : 55). Abgesehen davon, dass Weiblichkeits-Definitionen mit Allgemeinheitsanspruch Kategorien wie race und class zumeist vermissen lassen (vgl. Hof : 53 f.), bergen solche Festlegungen auch die Gefahr

[...] spezifisch weibliche Eigenschaften nicht nur zu bestimmen, sondern sie gleichzeitig positiv zu bewerten, sie einem männlichen (per definitionem ‘negativen’) Wesen gegenüberzustellen. Die Kritik an dieser Richtung des Feminismus bezieht sich vor allem darauf, daß die Betonung der besonderen weiblichen Eigenschaften traditionelle Stereotypen auf gefährliche Weise wieder zu beleben schien [...]. (ebd.)

1.4 Definition

Da es selbst innerhalb der feministischen Literaturwissenschaft keinen Konsens hinsichtlich ‘weiblichen Schreibens’ gibt, soll nun eine dieser Arbeit dienende Definition formuliert werden.[7]

Die Behauptung, das anatomische weibliche Geschlecht allein generiere „natürlicherweise“ ein spezifisch ‘weibliches Schreiben’ oder eine spezifisch ‘weibliche Ästhetik’, ist als Grundlage dieser Arbeit auszuschließen. Statt dessen wird eine Geschlechter-Konstruiertheit angenommen (vgl. Abschnitt 1.1):

Wenn „Weiblichkeit“ keine biologische Eigenschaft, sondern einen Komplex soziokultureller Zuschreibungen meint, dann sind „Weiblichkeit“ und „Männlichkeit“ unabhängig von biologischen Männern und Frauen und konstituieren gender unabhängig von sex. Das bedeutet, daß Frauen als „männlich“ verstandene Denk- oder Schreibweisen übernehmen können und umgekehrt. (Osinski : 133 f.)

Insofern kann das Geschlecht keine Erkenntniskategorie, wohl aber eine zu erkennende Kategorie sein (vgl. Osinski : 175). Wird ‘weibliches Schreiben’ als „historisches Schreiben von Frauen“ verstanden, so ist das biologische Geschlecht als Ausgangspunkt allerdings notwendig und legitim. Eine in diesem Sinne definierte „Frauenliteratur“ umfasst „alle von Frauen geschriebenen Texte, auch wenn sie von ihren Verfasserinnen nicht ausdrücklich als solche intendiert waren“ (Eva Meyer, zit. nach Günter : 119).

Dem normativen Charakter eines „zur Authentizität befreiten Schreiben[s] von Frauen“ (Osinski : 134) ist diese Arbeit weniger verbunden als einem deskriptiven Literaturmodell, das Textbeschaffenheit und Schreibweise in den Blick nimmt. Hofs Auffassung der écriture féminine als ein „Konzept von Schreiben, das als weiblich bezeichnet wird, sofern es dazu beiträgt, die herrschende [sic] ‘phallogozentrische Logik’ sowie die Geschlossenheit der diese Logik stützenden Oppositionsbildungen zu unterlaufen“ (142 f.) wird dieser Arbeit sicherlich von Nutzen sein.

Als ‘weibliches Schreiben’ soll für diese Arbeit also zum einen das historische Schreiben von Personen weiblichen Geschlechts (sex) grundlegend sein, zum anderen eine aus soziokultureller Prägung (gender) hervorgehende Wirklichkeitsbetrachtung und (thematische wie motivische) Schwerpunktsetzung. Interessieren wird darüber hinaus das (Nicht-) Vorhandensein sowohl einer „metonymische[n] Schreibweise, die Bedeutungszuweisungen verschiebt statt fixiert“ (Osinski : 134), als auch von Aspekten des oben skizzierten „Unterlaufens ‘phallogozentrischer Logik’“.

[...]


[1] Seitenangaben hinter Gedichttiteln oder -auszügen beziehen sich im Folgenden, soweit nicht anders angegeben, auf: Kaléko, Mascha: Das lyrische Stenogrammheft. Kleines Lesebuch für Große, Hamburg: 272003. In einem Band finden sich dort bis S. 71 die Gedichte des Lyrischen Stenogrammhefts, ab S. 73 die des Kleinen Lesebuchs für Große.

[2] Zum gender -Begriff vgl. Haraway und Maihofer. In den 1970er Jahren kam in der feministischen Theorie und Politik eine – unter anderem „durch Aneignung von Marx, einen durch Lacan gelesenen Freud und den Strukturalismus von Lévi-Strauss“ (ebd. : 411) beeinflusste – Trennung zwischen sex (dem „biologischen“ Geschlecht) und gender (dem „sozialen“ und konstruierten Geschlecht) auf. Selbige ist nicht nur aufgrund ihrer Reproduktion des binären Natur/Kultur-Gegensatzes oder ihres Suggerierens eines jenseits von Konstruktion bestehenden Körpers umstritten. In dieser Arbeit soll der Begriff gender dennoch verwendet werden, um auf die generelle Konstruiertheit von Geschlecht und Geschlechterdifferenz hinzuweisen.

[3] Unter den Untersuchungsverfahren finden sich „zum einen Studien, die aus bestimmten Lebensumständen und
-bedingungen von Frauen auf gemeinsame, für die Literatur von Frauen charakteristische Textmerkmale schließen; zum anderen Untersuchungen, die aufgrund eines Vergleichs mit ‘männlichen’ Texten die Aspekte herauskristallisieren, durch die sich die Werke von Frauen am stärksten unterscheiden. Die Ansätze, die in der Praxis natürlich nicht klar voneinander zu trennen sind, sind dadurch gekennzeichnet, daß im ersten Fall versucht wird, Gemeinsamkeiten aufgrund von Ähnlichkeitsbeziehungen positiv zu bestimmen, während im zweiten Fall die Selektion charakteristischer Textmerkmale aufgrund der Abweichung von einem (vorher festgelegten) anderen Textkorpus erfolgt, hier also im Kontrast zu Texten von Schriftstellern.“ (Hof : 136)

[4] Zur besseren Übersichtlichkeit sind die jeweiligen Theoriebegriffe im folgenden Text kursiv gedruckt. Für eingehendere Ausführungen zu den einzelnen Theorien und Ansätzen vgl. Osinski : 168 ff.

[5] Vgl. Osinski : 145 f.: „Den Stil, als eine Stilrichtung und damit Festlegung verstanden, konnotiert Derrida mit dem ‘Mann’; die Subversion, die Maskerade, das ‘Simulacrum’, die vielen Stile mit der ‘Frau’.“

[6] „Foucaults Machtbegriff und Subjektauffassung liefern [...] die Möglichkeit, konkrete Erfahrungen von Frauen und Männern als durch historische Diskurse konstituierten Subjekten ernstzunehmen und in ihren jeweils spezifischen Kontexten zu untersuchen. Literarische Texte müssen nicht in psychoanalytisch und poststrukturalistisch vorgegebene Modelle gefügt werden, sondern gelten als historische Zeugnisse, deren Ermöglichungsbedingungen sich ändern.“ (Osinski : 149)

[7] Eine noch ausstehende Aufgabe der feministischen Literaturwissenschaft wäre es, „[...] Beschreibungskriterien zu suchen, die der Kunstproduktion von Frauen gerecht werden können“ (Kanz : 28), „empirisch-vergleichende Textanalysen, Pro-duktions- und Leseforschung so zu entwickeln und miteinander zu verbinden, daß Kriterien für möglicherweise tatsächlich existierende geschlechtsspezifische Differenzen im Schreiben und Lesen gewonnen werden können“ (Osinski : 176).

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Aspekte weiblichen Schreibens in der frühen Lyrik Mascha Kalékos
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
26
Katalognummer
V50308
ISBN (eBook)
9783638465533
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aspekte, Schreibens, Lyrik, Mascha, Kalékos
Arbeit zitieren
Silvia Bannenberg (Autor), 2004, Aspekte weiblichen Schreibens in der frühen Lyrik Mascha Kalékos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50308

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